Beiträge von little sparrow

    Der Ruf des Eisvogels ist die Geschichte um Olga. Olga Blume, von ihrem Pa - also ihrem Großpapa - auch liebevoll Gänseblümchen genannt. Olga erblickte am 1. April 1925 das Licht der Welt. Genau in dem Moment, in dem ihre Mutter Elli Blume starb. Elli Blume war zu der Zeit mit ihrem Mann Otto und ihrem kleinen Sohn Karl allein zu Haus. Pa - also Olgas Großpapa - war zu der Geburt Ellis Freundin Ira geeilt, die genau an dem Tag zur selben Stunde ihre Tochter erwartete.



    Während die Seele von Elli Blume durchs offene Fenster entschwindet, macht Olga ihren ersten Atemzug und ein Eisvogel schaut zum Fenster herein. 21 Gramm wiegt der kleine Racker - so viel, wie eine geliebte Seele wiegt.

    Olga wächst zwar bei ihrem Vater Otto und ihrem Bruder Karl auf, wird aber von Pa gehegt, umsorgt und mit allerlei spannendem Wissen über Medizin und die Wunder der Natur versorgt. Mit ihrer pragmatischen und dabei sehr liebevollen Art wächst mir Olga nach und nach ans Herz.


    Zitat
    "Seit sie klein ist, geht sie mit ihm Gesundheit pflücken. Schließlich dienen ihm alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel als Apotheken, so hat zumindest der große Paracelsus es behauptet." - Seite 49


    Anne Prettin macht es mir als Leserin sehr leicht Olga ins Herz zu schließen. Auf der anderen Seite hält sie die ganzen 464 Seiten lang die Spannung, wie sich die Geschichte um Olga schlussendlich entwickelt und sich die Auflösung der Geschichte bis zum Tag des Wiedersehens gestaltet. In verschiedenen Rückblenden in die Kindheit, die Jugend, die frühen Erwachsenenjahre und die Zeit des zweiten Weltkrieges bekomme ich einen lebendigen Einblick in das Leben, das Olga führt. Ich spüre die Last der Verantwortung, die sie trägt. Ich wünsche mir für Olga ein anderes, leichteres Leben und doch kann ich nachvollziehen, dass sie die Bürde trägt - auch wenn ich Meilen von der Wahrheit entfernt bin.

    Anne Prettin hat einen für mich sehr bildhaften Erzählstil. Ich könnte jederzeit an jedem Ort tatsächlich dabei gewesen sein, so eindrücklich ist das Geschehen erzählt, so präsent sind die Charaktere, mit solch einer Wucht sind die geschichtlichen Ereignisse beschrieben.


    Zitat
    "Aber waren die Schatten nicht schon immer ein Teil von dir? Schon als kleines Mädchen hast du geglaubt, du müsstest dir deinen Platz in der Welt verdienen, als stünde dir nichts zu." - Seite 442


    Ich erwische mich beim Lesen dabei, dass ich hoffe, dass niemand an die Tür klopft und um Einlass bittet. Als hätte ich jemanden versteckt. Als hätte ich etwas zu verbergen. Und doch sehe ich mich Olga so verbunden, dass ich ihr Geheimnis mit bewahre, sie schütze, auch wenn ich ihr Geheimnis noch nicht in Gänze kenne. Ich vertraue ihr.


    Zitat
    "Mehr kann man doch für einen anderen Menschen nicht tun, als ihn zu heilen und dafür zu sorgen, dass er weiterleben und -lieben kann." - Seite 278


    Wann immer ich von Pa´s Gänseblümchen lese, habe ich die Gewissheit, wie rein diese Liebe von Großvater zur Enkelin ist. Das Vertrauen, das Zutrauen und der Werdegang. Diese Gewissheit macht mich froh und weckt Zuversicht in die Zukunft. Solange es Menschen wie Pa und Olga gibt, ist unsere Welt zu retten. Und all die Menschen darin.


    Zitat
    "Wie Mamme immer sagte: "Man begegnet in seinem Leben vielen Leuten, aber nur wenigen Menschen." - Seite 271


    Und ich erfahre von Pa, dass es zwar Zeit braucht, aber jeder Lebensabschnitt einen eigenen Herbst hat.


    Zitat
    "Olga steckt sich den Herbst in die Manteltasche, drei Kastanien sowie eine Handvoll gelbgrüner, ockerfarbener und weinroter Ahornblätter, die sie im Botanischen Garten auf dem Weg zur Universität aufgelesen hat. Das wird ihr Glück bringen. Pa sagte immer, Herbst sei ein uraltes Wort für Ernte, und die müsste man einfahren, wenn die Zeit reif dafür sei." - 315


    Dank Olga weiß ich nun, dass ich nicht bis zum Herbst des Lebens warten muss, um die Ernte einzufahren. Sondern genau dann, wenn es Zeit ist zu ernten. Denn dann ist Herbst.

    Der Ruf des Eisvogels ist eine fiktive Geschichte und erzählt doch aus der Geschichte von Jochen Prettin, dem Vater der Autorin. In der Danksagung erzählt Anne Prettin, wieviele Parallelen zur Geschichte es gibt. Und auch das war für mich als Leserin noch einmal spannend zu erfahren.

    Ich habe noch ganz viele Stellen im Buch markiert und freue mich schon heute, das Buch immer mal wieder zur Hand zu nehmen und die klugen Sätze von Anne Prettin zu lesen und ihr innerlich Recht zu geben, zu schmunzeln und den Menschen dieser Welt genug Raum zu geben, dass sie gegen all die Leute bestehen können.

    Liebe Anne Prettin, ich freue mich sehr hoffentlich bald wieder von Ihnen zu lesen.


    Fazit

    Der Ruf des Eisvogels ist für alle, die eine ruhig und bildhaft erzählte Geschichte genießen wollen. Für die Lektüre der Geschichte habe ich mehrere Tage benötigt. Die Zeit des intensiven Lesens und Verinnerlichens ist es allemal wert. Viel Freude an all die Menschen, die Der Ruf des Eisvogels für sich entdecken.


    ASIN/ISBN: B09Y9FHS7K

    Herrlich!

    Liebe Sophie Bonnet das hast du toll ausgeheckt. Also insgesamt.

    Die Hochzeitsfeier jetzt an einem alternativen Ort stattfinden zu lassen ist grandios. Kein Verlierer. Kein Gewinner. Und für beide so passend.


    Auch Didier und Cosima scheinen ganz vergnügt über ihre gemeinsame Zukunft zu sein. Didier, der alte Halunke bekommt tatsächlich seinen Kastenwagen gratis in Stand gesetzt. Herrlich!

    Und dann wäre da noch die Familienbande um Elodie. Schön, dass sie auf dem Weg der Besserung ist. Ihr Vater ist ziemlich emotional. Die Geschichte wirkt auf mich sehr stimmig und absolut nachvollziehbar. - Vor allem vor dem Hintergrund der tatsächlichen historischen Hintergründe.


    Zitat

    "Koffer oder Sarg. Marseille platzte damals aus allen Nähten." - Seite 281


    Und all das Leid, das damit einherging. Schlimm.


    Ich bin jedenfalls wieder einmal begeistert von der Geschichte und freue mich schon auf den nächsten Band!!

    Sophie Bonnet ich kann es kaum erwarten die Hochzeit mitzuerleben - und natürlich wieder einmal mit Pierre gemeinsam die Ermittlungen zu führen.

    Sophie Bonnet ich liebe die Geschichte. Dein Schreibstil ist einladend, bildhaft, beschwingt - ich kann es kaum fassen, dass die Geschichte nun bald zu Ende ist, aber der vierte und letzte Abschnitt liegt direkt vor mir.


    Die Geschichte und die Charaktere sind so lebendig. Total cool finde ich, wie Pierre Didier in Gedanken "die Hammelbeine langzieht" - und wie er dann schlussendlich sieht, wie Carbonne lebt und wovon er lebt und womit dieser das "verdient" hat. Ganz wichtig finde ich hier auch den Hinweis auf den Veteranenverband und die Tätigkeit: Gedenkveranstaltungen. Ganz schön mau. Da hilft ein Blick ins Statut, warum es den Verband gibt. Traurig ist es trotzdem, weil einem ja etwas anderes suggeriert wird - und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zum Schluss.


    Ich mag Frederics Einsatz und bin gespannt wie sich das Ganze auflöst.

    Die Treffen von Pierre mit der Schwester Caroline Payot und mit Elodie sind ganz schön anspruchsvoll.

    Die Begegnung mit Fenech fand ich herzerfrischend. Besonders hat mir ihre Entgegnung Pierre gegenüber gefallen, dass er ja wohl Entscheidungen ohne seinen Vorgesetzten trifft und durchzieht. Kernig. - Auch, wenn sie manchmal übers Ziel hinausschießt, sie kann trotzdem einordnen, was richtig ist und was durchaus eine Entgegnung wert ist.

    Megacool!!


    Auf jetzt in die nächste Runde.

    Sophie Bonnet Provenzalische Täuschung ist echt mal wieder ein Buch zum gutgelaunt Durchsuchten. Danke.

    Beim Lesen hatte ich das schöne Bild vor Augen, dass Cosima bald erfolgreiche Trüffeljägerin in Sainte-Valerie wird. Passt irgendwie zu ihr, nicht wahr?! Didier wird sich sicher gern weiter um Cosima kümmern. Mit einer warmen Mahlzeit am Tag. Herrlich!


    Letztens habe ich mir Trüffelbutter gegönnt. Sie war geschmacklich so intensiv, dass sie natürlich nicht natürlich hergestellt war. Und zu günstig war sie auch. Das schmeckt mir überhaupt nicht.

    Die Frage ist, ob mir echte Trüffelbutter schmecken würde. Wenn der Duft und der Geschmack dezent ist, sicherlich.


    Ja, Sophie Bonnet beim Lesen bekomme ich richtig Appetit. Das Rezept für die Craquelins habe ich mir schon angesehen. - Und natürlich auch deine Geschichte dazu.


    Die Begegnung mit Frederic fand ich total gut. So lebendig und so voller Spielraum. Sind es nun Arbeiter, die gemeldet sind? Was hat es mit dem "Brennen" auf sich? Dann, dass der Hof damals gebrannt hat! Waren wirklich alle Kinder gerade in Urlaubsunterkünften und ist der Vater mit brennender Zigarette eingeschlafen? Was ist mit der Schwester passiert. Auch der Kurs war total toll. Frederic ist für mich gefühlt so nah am Menschen. Er macht das wirklich gern. Ich traue ihm so viel kriminelle Energie gar nicht zu, wie aufgeworfen wird. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er auf Qualität hinweist und sie lehrt und dann betrügt. Mir war Frederic sehr sympathisch. Und dass er Pierre durchschaut hat, passt ins Bild. Die Idee mit "Ihre Bilder hingen doch an der Wand" war sicher ein überlegter Schuss ins Blaue. Sehr aufmerksam.


    Dem Täter bin ich jedoch noch nicht auf der Spur.

    Pierre ist allerdings ganz schön langsam, wenn er den Fahrer mit Schal, Mütze, Brille für einen "Touri" und nicht für einen Verfolger hält. Da hatte ich gleich meine Bedenken. Herrlich, wie er ihn abgehängt hat. Der muss ja geflucht haben. Ich bin sehr gespannt, wer das war.


    Bleiben die beiden Damen, die ich noch nicht gut einschätzen kann: Elodie und Fenech.

    Fragen über Fragen.


    Ich schätze, ich brauche jetzt - genau wie Pierre - erst einmal etwas zum Abendessen.

    Ist das herrlich!


    Ich habe so viel Freude daran, Pierre und Charlotte zu begleiten.

    Wie Schubi schon sagt: es fühlt sich an, wie nach Hause kommen.

    Die Rangeleien um Pierre gefallen mir total gut. Es menschelt so herrlich.

    Und Charlotte ist immer so "aufgeräumt". Das macht richtig Spaß!

    Ich bin sehr gespannt, welche Location es werden wird. Beide haben was für sich. Da Charlotte sich aber sonst ums kulinarische Wohl kümmert, würde ich es ihr gönnen, sich einmal rundum verwöhnen zu lassen. - Zumal sie es sich leisten können - auch wenn es Pierre nicht behagt.

    Andererseits würde ich den privaten Rahmen schöner finden. Eine lockere Atmosphäre und am liebsten das ganze Dorf dabei. Das wäre für mich perfekt. Hach!


    Ich freue mich schon mega darauf, wie es weiter geht. Cosima als Trüffelspürnase - herrlich! Da wäre ich mega gern dabei. Und irgendwie bin ich ja auch dabei.

    Obwohl ich es für naheliegend gehalten hätte, dass Charlotte und Pierre das Wochenende buchen - aber die Wochenendtour gibt´s ja nicht mehr. Und da kommt dann wieder das geliehene Auto ins Spiel. Irgendwie behagt es mir nicht, dass Pierre sich das Auto geliehen hat. Spielt das noch eine Rolle, Sophie!?

    Nachtigall, ich hör dir trapsen.


    Um den Toten trauer ich jedenfalls nicht. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie arschig er war. Und bis zu seinem Tode ja auch nachweislich gewesen ist. Erpressung!

    Aber gleich in Mord mit zig Messerstichen!? Sehr emotional. Ich hatte ja kurz die Frau vom Bürgermeister in Verdacht. Wieso sorgt er sich eigentlich um das Alibi seiner Frau? Komisch!


    Herzlich gelacht habe ich bei dem Satz


    "Dass Sie Personen als illoyal empfinden, die die Wahrheit herausfinden wollen, lässt verdammt tief blicken", stieß Pierre hervor. - Seite 48


    Und auch die Namensgebung Pitbull fand ich grandios. - Wenn ich mir die Fotowand so ansehe, könnt ich das glatt unterschreiben.


    Diese Kropfmenschen (Seite 64) gibt es die wirklich? Das ist schon verrückt, wie anpassungsfähig die Natur ist.


    Jedenfalls habe ich wieder riesig viel Freude daran mitzuermitteln und dem Täter auf die Schliche zu kommen. Mal sehen, was es mit Didier auf sich hat, also, warum er befragt wurde.

    Mindset ist die Geschichte um zwei junge Männer in unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Der eine schwimmt sprichwörtlich bereits oben auf der Welle während der andere noch darum bemüht ist, nicht im tiefen Fahrwasser des Lebens unterzugehen.




    So lerne ich Maximilian Krach, einen Lifestyle-Coach kennen, der in den sozialen Medien die Aufmerksamkeit durch hohe Followerzahlen genießt. Maximilian gibt alles, um seinem Ruf und dem durch seine Arbeit erwirtschafteten Ansehen gerecht zu werden.

    Und ich lerne Mirko kennen. Mirko, der zwar schon 10 Jahre im selben Unternehmen mit denselben Kolleginnen und Kollegen arbeitet, aber trotzdem irgendwie noch nicht dazugehört und beinahe unsichtbar ist. - Bis Mirko beim Scrollen durch die Vorschläge auf seinem Social Media Account auf die Werbeanzeige von Krach Consulting stößt.

    Als hätte Mirko nur auf diesen einen ersten Schulungstag gewartet, strukturiert er nun sein Leben anders, achtet auf seine Garderobe und sein äußeres Erscheinungsbild - und versucht auch gleich die Kolleginnen und Kollegen zum Umdenken zu bewegen.

    Sebastian Hotz erzählt die Geschichte der beiden jungen Männer sehr lebhaft, sehr bildhaft und mit einigen einfließenden eigenen Erfahrungen. Der Schreibstil ist flüssig. Die Sätze sind teilweise sehr lang, das tut dem Verständnis hinter all den Worten aber keinen Abbruch.


    "Dieser Typ riskiert täglich auf einem Fahrrad sein Leben, fährt in halsbrecherischer Geschwindigkeit über Kreuzungen, fegt bei Eisglätte und Regen durch enge Gassen, um sich beim nächsten Kunden großzügige 1,70 € Trinkgeld abzuholen." - Seite 77


    Die Charaktere wirken sehr lebendig. Sie haben ihre Eigenarten und durchlaufen in ihrem Bewegungsspielraum die Entwicklung ihrer Rolle entsprechend.

    Ich hatte viel Freude bei der Begleitung der beiden Hauptcharaktere und habe das Buch in kürzester Zeit gelesen und gehört.

    Das Erleben in der Geschichte ist vielschichtig und nachvollziehbar. Es macht Spaß das Geschehen zu verfolgen. Auch wenn die Themen eher nüchtern sind, bleibt der Humor nicht auf der Strecke. Stellenweise musste ich laut auflachen, so herrlich bildhaft hat Sebastian Hotz das Geschehen in Worte gefasst.

    Die Hörbuchfassung hat der Autor selbst eingelesen. Da Sebastian Hotz gern und viel spricht, hat seine Stimme die notwendige Kraft. Das Sprachbild ist konstant und Hörer:innen, die sonst die Geschwindigkeit nach oben korrigieren, dürfen sich auf ein etwas zügigeres Hörvergnügen freuen. Für mich war die Sprachgeschwindigkeit noch angenehm. Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn ich beim Zuhören etwas mehr Zeit hätte, das Geschehen gemäßigter mitzuerleben.


    Fazit

    Mindset ist ein starkes Buch über Selbstfindung, Selbstverwirklichung und ein ungeschönter Blick auf die Realität.

    Ihr Lieben!

    Ich bin überwältigt!!

    Habt ganz herzlichen Dank für die lieben Glückwünsche und Eure lieben Zeilen.

    Ich freue mich riesig darüber.

    Heute feier ich meinen Geburtstag mit Freunden bei - wie es aussieht - schönstem Wetter, Leckereien und Musik.

    Ich drücke Euch.

    <3

    Männer sterben bei uns nicht ist die Geschichte von Frauen, deren Männer irgendwie abhanden gekommen sind. Es klingt nach einem gemütlichen Zusammenleben auf einem großzügigen Anwesen direkt am See. Fünf Häuser gibt es auf diesem Anwesen. Alle diese Häuser gehören Luises Großmutter. In einem davon lebt Luise mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Leni. Die Hoffnung, das Anwesen einmal weiter zu führen, liegt auf der jungen Luise. Luise, die immer bemüht ist, zu sein, wie es am besten in Großmutters Bild passt. - Alles andere wird einfach ausgeblendet. Gilt als nicht existent.



    Und genau so verschwindet eines Tages Luises ältere Schwester Leni. Leni, die ihrer kleinen Schwester Halt gibt. Leni, die alle Sorgen und Nöte versteht und immer für Luise da ist. Leni, die plötzlich nicht mehr da ist. Weil es Luise gibt. Luise, die scheinbar genau die Richtige ist.


    Zitat
    "Ich war das Lieblingskind, aber eben nur in einer ganz bestimmten Version, nur wenn ich genau den Platz einnahm, den Großmutter für mich vorgesehen hatte." - Seite 196


    Männer sterben bei uns nicht zeigt mir bereits auf den ersten Seiten, dass die Wohnlage noch so idyllisch sein kann, wenn das Zwischenmenschliche fehlt. Wenn eine familiäre Verbundenheit keine Verbundenheit garantiert. Wenn Mitgefühl aufgrund eigener Interessen gar durch Animositäten ersetzt wird. Was bleibt, ist ein verkrustetes Herz bis über den Tod hinaus.

    Annika Reich erzählt die Geschichte in einem nüchternen Tonfall. Gleichzeitig lässt sie keinen Zweifel daran, dass ihre Charaktere unter der Familiengeschichte leiden. Durch diese Erzählweise fehlt mir die emotionale Nähe zu den Charakteren. Damit ist es mir möglich, die Frauen aus der Ferne zu betrachten. Diese Frauen, deren Männer irgendwie abhanden gekommen sind und die sich selbst so wenig emotionale Nähe geben können.


    Zitat
    "Eure Großmutter wollte es nie wahrhaben, aber auch wir gehören dazu, wir zerrupften Rosen." "Ich gehörte nie dazu, zerrupft oder unzerrupft", sagte Olga. "Ich durfte nicht einmal ihre Stifte benutzen. Weißt du das noch, Luise? Sie räumte sie weg, wenn ich kam, sie machte die Schränke zu." - Seite 183


    Männer sterben bei uns nicht ist für mich ein ruhiges, zum Nachdenken anregendes Leseerlebnis.


    Fazit

    Männer sterben bei uns nicht ist für alle, die sich nicht scheuen, verbildlicht an Luises Seite das durch die Großmutter gelebte Patriachat zu erleben.


    ASIN/ISBN: 3446275878

    Storchenherzen ist die Geschichte um zwei Hebammen. Die eine heißt Madita, hat rosafarbenes Haar und ein fluffiges Herz, das scheinbar aus Sahne besteht. Die andere heißt Helga, ist mit ihren 42 Jahren ungefähr doppelt so alt wie Madita, trinkt Unmengen guten Kaffee und wirkt - zum Leidwesen von Monika, mit der sich Helga den Betrieb des Storchennestes teilt - auf die Kundschaft mürrisch und wortkarg.

    Während Monika sich schnell von Maditas fröhlicher Art einnehmen lässt, braucht Helga scheinbar etwas länger. Währenddessen wickelt Madita beinahe alle Menschen, auf die sie trifft, um den kleinen Finger. Bis auf die glorreichen Drei, die ihr ein WG-Zimmer vermieten.

    Es kommt zu allerlei Verwicklungen in Storchenherzen, die mich zum Schmunzeln und zum Lachen bringen. Gelegentlich muss ich laut auflachen und amüsiere mich köstlich über Maditas unbefangene Art und Helgas trockenem, anfangs eher unbewusstem Humor.

    Storchenherzen wurde für mich beim Lesen innerhalb kürzester Zeit zu einem Lieblingsroman. Liebe Fritzi Teichert, wenn Ihr das hier lest: ich hoffe, ich halte ganz bald wieder ein gemeinschaftliches Werk von Euch in Händen und habe mindestens genauso viel Freude beim Lesen.

    Fritzi Teichert ist der Name des Autorinnenduos bestehend aus Friederike Grauf und Mina Teichert. Und Storchenherzen ist der erste Band einer Dilogie um die beiden Hebammen. Ich freue mich jetzt schon riesig auf den zweiten Band.

    Der Schreibstil ist ebenso fluffig wie Maditas fröhliche Art und die Geschichte lässt sich genauso kurzweilig und genussvoll lesen, wie sich ein guter Espresso trinken lässt. Viel zu schnell sind die Seiten gelesen und ist die Geschichte erzählt. Zurück bleibt ein warmes Gefühl und ein Lächeln in meinem Gesicht, wenn ich an Madita, Helga und all die witzigen, spleenigen, liebenswerten und uncharmanten Charaktere in der Geschichte denke.


    Fazit

    Storchenherzen ist für alle, die ihr Herz auf eine turbulente Reise in einen zauberhaften Ort mit zwei Hebammen und jeder Menge neuem Leben schicken wollen.


    ASIN/ISBN: 3423220201

    Roxy handelt von der Freundschaft zwischen Roy und Marc. Roy und Marc lernen sich während der Schulzeit kennen und könnten verschiedener nicht sein. Während Roy - der eigentlich Robert, nach seines Vaters Vater heißt - sich alles nimmt, was ihm das Leben bietet, weil er es von Haus aus gar nicht anders gewohnt ist, versucht Marc immer ausgleichend nach allen Seiten zu wirken und sucht gleichzeitig nach dem Sinn seines Lebens.


    Zitat
    "Muss man sein Leben lang der sein, als der man geboren wurde? Wieviel Freiheit besitzen wir überhaupt, uns weiterzuentwickeln? Wer legt das eigentlich alles fest, wer man ist?" - Section 97


    Diese Fragen gehen Marc oft durch den Kopf, während er versucht, sein Leben so gut es geht zu gestalten. Ich lerne Marc zu einem Zeitpunkt kennen, an dem er selbst in der Mitte seines Lebens ist. Gerade befindet er sich auf dem Weg nach München - zur Beerdigung seines Freundes Roy. Die beiden hatten wenig Kontakt in den vergangenen Jahren, während sie die ersten Jahre ihrer Freundschaft sehr eng und beinahe tagtäglich gemeinsam verbracht haben.

    Mit der Berufswahl und den ersten intensiven Gefühlen von Marc zu Carolin sehen sich Roy und Marc kaum noch. In gedanklichen Rückblenden auf der Fahrt nach München lerne ich mehr über die Vergangenheit der ungleichen Freunde kennen. Die verhaltenen Annäherungen von Marc zu Carolin. Die ungestüme Art von Roy. Und das Zusammenwirken der Beiden auf ihre Außenwelt. Mal ist es für mich spannend zu verfolgen. Mal plätschert die Geschichte etwas dahin. Am intensivsten ist für mich die Zurückhaltung von Marc spürbar. Und genauso ungewöhnlich ist bei all der Zurückhaltung auch sein Berufswunsch für mich: Marc möchte Schauspieler werden. Ich stelle mir die Frage, ob es rein der Wunsch ist, gesehen zu werden.


    Zitat
    "Mir hat es vielleicht immer zu gut gefallen, angeguckt zu werden. Das haben die bei mir aber immer gleich gesehen und gesagt: "Sei doch mal existenzieller!", er lachte. Das Wort musste ich nachschlagen. Ich hatte keine Ahnung, was die meinten. Irgendwann habe ich zu ahnen begonnen, dass es darum gehen könnte, dass man, um angeguckt zu werden nicht unbedingt etwas machen muss. Also, nichts hinzutun muss. Dass man selbst genug ist. Das wusste ich nämlich nicht. Ich dachte immer, wenn man nix macht, ist da auch nix." - Section 117


    Der Erzählstil hat mir sehr gefallen. Johann von Bülow erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Manchmal wirkt die Erzählung etwas verworren, wenn Episoden aus den Jugend- oder jungen Erwachsenenjahren erzählt werden. Ich finde jedoch immer schnell ins Geschehen.

    Was mich ebenfalls etwas erstaunt hatte, war der Bezug zum Titel. Nach etwa der Hälfte wurde mir als Leser erzählt, was es mit dem Roxy auf sich hatte. Das ist bei einem Hörbuch von rund 10 Stunden nach meinem Geschmack etwas spät, aber verschmerzbar. Nur wunderte ich mich bis dahin, was es denn mit Roxy auf sich hatte und wann sie oder er in Erscheinung treten würde.


    Johann von Bülow hat für mich mit seiner Erzählung um Freundschaft, Angst, Mut und dem Wunsch mehr zu sein, als man ist, genau die richtige Geschichte, wenn es um das Zusammentreffen von Menschen geht. Jedes Gefühl, jedes Hoffen, jedes Bangen ist spürbar - ganz genauso wie die Ausgelassenheit und der Nervenkitzel der Protagonisten in jungen Jahren. Mir hat es viel Spaß gemacht, die Freunde zu begleiten und ihre jeweilige Entwicklung zu verfolgen.


    Zitat
    "Und seine Angst, abgelehnt zu werden. Über die Frage, ob es vorbestimmt ist, wer man sein muss im Leben. Oder ob man da eine Wahl hat. Wieviel man selber mitzureden hat, bei solchen Fragen." - Section 163


    Fazit

    Roxy ist für alle, die sich schon mal Gedanken über die Vorherbestimmug des eigenen Lebensverlaufs gemacht haben und anhand der fiktiven Geschichte von Roy und Marc erleben wollen, was es bringt, wenn man auf die richtige Gelegenheit wartet.


    ASIN/ISBN: 3839820472