Beiträge von little sparrow

    Stefanie Mühlenhaupt liefert mit Bienentod einen spannenden Roman, in dem es um das Sterben der Bienen und die Auswirkungen darum geht.

    Die Protagonistin Sophie ist als Wissenschaftlerin bei dem großen Unternehmen FoodTec tätig. Dort kümmert sie sich darum, dass "ihre" Bienen am Leben bleiben damit die Menschen auch in der Zukunft über notwendige Lebensmittel verfügen können. Denn mit dem Aussterben der Bienen werden auch die Lebensmittel knapp.



    Das spüren alle Menschen, die nicht bei FoodTec angestellt ganz besonders. Denn FoodTec als Arbeitgeber kümmert sich sehr fürsorglich um seine Mitarbeiter, dass es ihnen an nichts mangelt und sie weiterhin gutsituiert für das Unternehmen die notwendigen Forschungen betreiben können.

    Vorbildlich. Das ist auch die Überzeugung von Sophie und sie ist unermüdlich für ihren Arbeitgeber und damit für die Menschheit im Einsatz, um die Bienenvölker zu erhalten und damit gegen die Lebensmittelknappheit anzukämpfen. Für dieses Ziel bricht sie mit ihrer Schwester Becca und letztendlich geht auch die Ehe mit ihrem Mann Tom in die Brüche.

    Bis zu dem Tag, an dem Sophie feststellen muss, dass FoodTec vielleicht doch nicht ihre eigenen Ideale verfolgt sondern es eher danach aussieht, dass die großen Bosse von FoodTec sich die Taschen vollstopfen, während die Menschen außerhalb des Konzerns kaum Lebensmittel erhalten. Doch an dem Tag landet sie auch schon auf der Abschussliste und es bleibt ihr keine Wahl als ihre bisherigen Ansichten über Bord zu werfen und sich in Sicherheit zu bringen.


    Die Geschichte ist spannend erzählt und das Geschehen nachvollziehbar. Der Erzählstil ist angenehm und auch die Klangfarbe der Stimme von Ornid-Paul Eftekhari gefällt mir gut. Die Betonung ist an den spannenden Stellen angepasst und lädt zum Mitfiebern ein. Einzig die Wortwahl reisst mich manches Mal aus dem Geschehen. Die Geschichte wird sehr aktiv erzählt und da mogelt sich das eine oder andere "plötzlich" dazwischen. Das nimmt mir an dem Geschehen den flüssigen Verlauf. Es geschieht ja ohnehin alles gerade in dem Augenblick, so dass die Geschichte auch ohne den zusätzlichen Hinweis prima auskommen könnte.

    Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, doch mein Herz kann ich nicht an sie hängen. Statt dass mich einer der Charaktere für sich einnimmt, hänge ich an dem Geschehen. Vielleicht ist das bei diesem Thema kaum verwunderlich, geht es schließlich um das nackte Überleben der Menschheit.


    Mir hat Bienentod ob des Erzählstils und der Thematik sehr gefallen und ich hoffe, dass es ein Unternehmen wie FoodTec niemals geben wird. Die Geschichte klingt leider zu wirklich. Gern lese oder höre ich wieder ein Buch der Autorin Stefanie Mühlenhaupt.


    Fazit

    Wer Wissenschaftsthriller mag, wird Bienentod mögen.


    ASIN/ISBN: 3968172841

    Vino Furioso ist bereits der achte Band der Reihe um den Hobby-Ermittler und Sternekoch Julius Eichendorff.


    Für mich war es der erste Band der Reihe und ich war erstaunt, dass Julius Eichendorff bereits vorher schon in anderen Fällen ermittelt hat. Erstaunt deshalb, weil ich in Nullkommanix mitten im Geschehen war.





    Julius Eichendorff ist ein sympathischer, mitten im Leben stehender Mann, der im Ort bekannt und beliebt ist. Mit seiner charmanten Art hat er mich von Anfang an für sich eingenommen. Charaktere, vor denen er gern die Flucht antritt, genieße ich lieber mit Vorsicht und werde mit überraschend fröhlichen Momenten belohnt, wenn diese aufeinander treffen.

    Da ist beispielsweise Julius Kusine Annemarie. Sicherlich ein herzensguter Mensch, aber auch sehr einnehmend und überaus mitteilsam.

    Während der Ermittlungen hatte ich jede Menge Spaß und es blieb bis zum Schluss spannend und die Stimmung weinselig und schlagermusikbehaftet. Das Mordopfer - denn ein Selbstmord konnte schnell ausgeschlossen werden - war ein berühmter Schlagersänger. Und dieser baumelt - sehr bald nach Einstieg in den Roman - erhängt an einer Autobahnbrücke.

    Zu meiner großen Freude hat Carsten Sebastian Henn selbst den Roman eingelesen und eingesungen. Denn, wenn hier schon in der Geschichte ein Schlagersänger ablebensbedingt nicht mehr zu Wort kommen kann, dann können seine Songs wenigstens mal angesungen werden.

    Die Charaktere besitzen unverwechselbare Eigenschaften und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Gern habe ich sie in der Geschichte und in der idyllischen Umgebung begleitet.

    Die bisher erschienen Fälle der Julius Eichendorff-Reihe werden nun nach und nach bei mir als Hörbücher einziehen.


    Bonus

    Für Euch die Reihenfolge der Julius Eichendorff-Reihe

    In Vino Veritas

    Nomen est omen (Aqua et vinum)

    In dubio pro vino

    Vinum mysterium

    Vino diavolo

    Carpe Vinum

    Ave Vinum

    Vino Furioso


    Fazit

    Wer nicht vor Schlagermusik zurückschreckt und im besten Fall Weinliebhaber ist, kommt bei diesem kulinarischen Krimi voll auf seine Kosten.


    ASIN/ISBN: 3740806346

    In dem Roman Die Geschichte einer unerhörten Frau erzählt Hanne Hippe die Geschichte von Gussy. Gussy heißt mit vollem Namen Augusta Fink, aber alle nennen sie Gussy oder Frau Fink. Denn sich mit Fremden oder auch nur Bekannten zu Duzen, ziemte sich nicht in den 1950er Jahren.


    Ebenso war es eine Schande, als Frau geschieden zu sein. Es gehörte sich für eine Frau verheiratet zu sein, den Haushalt mustergültig zu führen und sich um die Kinder zu kümmern. - Dabei war immens viel zu beachten und das konnte - je nach Bundesland - auch mal variieren.




    Glücklicherweise führte Gussy eine mustergültige Ehe und war ihrem Hermann die perfekte Ehefrau. - Bis zu dem Tag, an dem Gussy feststellen musste, dass Hermann nicht der Vorzeigeehemann war und stattdessen Geld verprasst hatte, dass ihm weder gehörte, noch dass er es aus edlem Grund genommen hatte. Da war für Gussy Schluss und sie reichte die Scheidung ein.


    Beim Lesen der Geschichte erfahre ich, wie es sich anfühlen musste in den Jahren 1945 bis 1965 in Deutschland. als geschiedene Frau mit zwei kleinen Kindern zu leben. Die Herausforderung eigenes Geld zu verdienen, Verträge zu schließen und nicht alles über den Namen des Mannes abwickeln zu können - was ja üblich und damit sozusagen Gesetz war. Die Barrieren waren unverrückbar da und mussten gemeistert werden.

    Zitat
    "Wir werden uns rächen, Mutti. Das machen sie bei Karl May auch", sagte Eva. - Seite 338

    Erniedrigende Worte aus der Nachbarschaft, Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand und Missgunst und Neid aus den eigenen Reihen sorgten für eine zusätzliche Belastung und jeder hätte es gern gesehen, wie das Vorhaben zum Scheitern verurteilt war. - Weil es sich einfach nicht gehörte.

    Hanne Hippe trifft bei der Erzählung einen Ton, der nichts in der Zeit beschönigt und mich trotz aller Härte der geschilderten Erlebnisse auch Schmunzeln lässt.

    Gussy habe ich gleich in mein Herz geschlossen. Sie hat ein offenes Herz und einen Sinn für Recht und Ordnung, der nichts mit der nach außen getragenen Ordnung der Menschen im Ort zu tun hat. Richtig und falsch unterscheidet sie zielgerichtet und lebt nach ihrer Überzeugung, auch wenn es der Familie und den Nachbarn nicht in den Kram passt. Das mag ich so an ihr.

    Die weiteren Charaktere sind ebenso ausdrucksstark und haben hohen Wiedererkennungswert durch ihre unverrückbaren Eigenschaften. So verzeihe ich es gern, wenn ich - trotz Zeitangaben in den Überschriften - manchesmal erst überlegen muss, in welcher Zeit der Geschichte wir uns gerade befinden. Die Geschichte von Gussy berichtet nicht nur von ihrer Zeit nach der Trennung von ihrem Mann, sondern auch von der Flucht nach dem Krieg, die sich trotzdem nicht nach Frieden anfühlt.

    Der Verlauf der Schulzeit ihrer Tochter Eva ist manchesmal für mich zeitlich nicht klar einzuordnen und doch sind diese Momente immer spannend und unterhaltsam und so toll erzählt, dass ich mir bald darauf keine Gedanken mehr darüber mache. - An dem Geschehen kann ich es dann ohnehin schnell festmachen.


    Die Geschichte einer unerhörten Frau zeigt deutlich, wie lange es in unserer Gesellschaft dauert, bis sich Neuerungen, wie etwa als Frau geschieden und womöglich alleinerziehend zu sein oder auch ein neues Kleidungsstück oder eine moderne Frisur zu tragen, durchsetzen können.

    Wie ich sehe, kann mit Selbstbewusstsein, Durchsetzungskraft und Charme eine Frau durchaus ihren Mann stehen. - Auch heute noch.


    ASIN/ISBN: 3442315638

    Buchwächter - Das Buch der Phantasien

    Band 1

    Jugendbuch

    Hörbuch Manufaktur Berlin

    Autor: Andras Hagemann

    Sprecher: Martin Kuupka

    Spieldauer: ca. 466 Minuten

    ISBN 13: 4251703581914


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    Finn ist 9 Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seinen Geschwistern auf deren bescheidenen Bauernhof. Dank seiner aufgeweckten und klugen Art darf er die Schule im Ort besuchen, obwohl auf dem elterlichen Bauernhof stets jede Hand gebraucht wird. Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert und nicht jedem ist eine Schul- oder gar Ausbildung vergönnt.





    In der Schule fällt Finn das Lernen leicht. Die Herausforderung für ihn sind die Pausen. Denn in den Pausen und nach Schulschluss ist er der Willkür einer Gruppe Rowdies ausgesetzt, gegen die er sich nur zu gern selbst behaupten würde.

    Als sie es wieder einmal auf ihn abgesehen haben, flüchtet Finn sich in Arthurs Buchladen.


    Die Ruhe, die der Buchladen ausstrahlt und das Gefühl von Wärme bei Arthur ist für mich beim Hören der Geschichte spürbar. Martin Kuupa verleiht Finn und den weiteren Charakteren eine einzigartige Stimme und gibt zudem die sprachlichen Eigenschaften der Charaktere wieder. So erkennt man diese nicht nur am Klang, sondern auch an ihren sprachlichen Besonderheiten wie Aussprache und Dialekt. Das macht das Buch zu einem echten Hörvergnügen.

    Die Geschichte weist ein paar Ähnlichkeiten zu "Die Unendliche Geschichte" auf. Ein Schuljunge wird gemobbt, entdeckt die Welt der Bücher, gelangt in eine Phantasiewelt und es gilt, die Phantasien zu retten. Wer sich an diesen Ähnlichkeiten nicht aufhält, wird mit Buchwächter - Das Buch der Phantasien mit einer spannenden und gleichsam amüsanten Geschichte belohnt, in der wir gemeinsam mit Finn echte Abenteuer bestehen. Jedenfalls sind sie für Finn echt. Denn - alles, was in der Phantasiewelt geschieht - gilt auch für die normale, für unsere Welt.

    Und so zieht der Zauber der Buchwelten und Buchwächter nicht nur in Finns Welt ein, sondern auch in meine Gedankenwelt. Beim Hören fällt mir auf, wie lange ich beispielsweise Pinocchio nicht mehr gelesen habe und ich bekomme das dringende Bedürfnis, all die wunderbaren Geschichten wieder zu lesen, die ich als Kind schon geliebt habe und die Phantasien zu retten.

    Die Spannung wird über die Geschichte gehalten und findet zum Ende ihren Höhepunkt in einem spektakulären Ereignis. Finn durchlebt in diesem ersten Band einen erstaunlichen Reifeprozess. Die Entwicklung geht mir beinahe ein bisschen zu schnell und ich bin gespannt, was er alles noch in den Folgebänden erleben und wie er sich weiterentwickeln wird. Für seine 9 Jahre erscheint er mir manches Mal ein wenig zu klug und zu vernünftig. Durch die Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof, auf dem er eigenen Pflichten nachzukommen hat, nehme ich es gern mit einem Augenzwinkern an.

    Beim Hören von Buchwächter - Das Buch der Phantasien hatte ich sehr viel Spaß und ich bin total neugierig auf den zweiten Band. Wer sich für das Buch entscheidet, kommt in den Genuss von tollen Zeichnungen, die der Autor selbst angefertigt hat. Wer sich für das Hörbuch entscheidet, darf seiner Phantasie freien Lauf lassen und die Bilder vor seinem geistigen Auge entstehen lassen. Bei einem bin ich mir jedoch sicher: es wird bestimmt wieder ein spannendes Abenteuer, dass mich zum Staunen, Mitfiebern und Lachen bringt.

    Nähere Einzelheiten zu den Büchern und zur Bestellung erfahrt Ihr auf der Seite des Autors Andreas Hagemann.

    Der Fall Alice im Wunderland handelt von einer auf Tatsachen beruhenden Geschichte mit einer fiktiven Bruderschaft und fiktiven Personen. Guillermo Martinez hat hier die Tatsache, dass 1994 eine zuvor verschollene Seite aus den Notizen von Lewis Carroll auftauchte zum Anlass der Geschichte genommen und - angelehnt an seine Person - sich selbst als Logik-Student und Doktorand in die Geschichte geschrieben.

    Die Handlung in Der Fall Alice im Wunderland spielt zur Zeit des Fundes jener Original-Seite, im Jahr 1994, in Oxford. Guillermo Martinez hatte in Oxford Mathematik studiert und daher fiel es ihm leicht, die Begebenheiten der Geschichte dorthin zu verlegen, zumal Lewis Carroll dort seinerzeit selbst studierte. In Oxford war Lewis Caroll besser unter seinem Namen Charles Lutwidge Dodgson bekannt.

    Somit schreibt diese Geschichte ein Mathematiker und Schriftsteller (Guillermo Martinez) über einen Mathematiker und Schriftsteller (Lewis Carroll).


    In der Geschichte begegne ich unterschiedlichen Charakteren. Faszinierend an ihnen ist, dass sie alle ein öffentliches als auch ein privates, geheimes Leben haben. Über die junge Studentin Kristen Hill, der es gelungen ist eine bis dahin verschollene Seite aus den Aufzeichnungen von Lewis Carroll zu entdecken und als echtes Fundstück, das neue Erkenntnisse über den Schriftsteller ans Tageslicht bringen soll, lerne ich die Lewis-Carroll-Bruderschaft und peu á peu deren Mitglieder kennen.


    Doch bevor sie das wertvolle Schriftstück den Mitgliedern in einer extra dafür einberufenen Sitzung zeigen und erläutern kann, wird sie von einem Auto erfasst und schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert.

    Arthur Seldom, Mitglied der Lewis-Carroll-Bruderschaft, ist beunruhigt. Er stellt sich die Frage, ob es sich tatsächlich um einen Unfall handelte oder ob gar eine böse Absicht dahinter steckte und Kristen womöglich ihr Leben lassen sollte. In seine Überlegungen bezieht er seinen jungen aufmerksamen Doktoranden mit ein und sorgt dafür, dass Kristen im Krankenhaus polizeilichen Schutz erhält.

    Dem wissenschaftlichen Detektiv Seldom wird während seiner eigenen Ermittlungen bewusst, dass Ereignisse durch Vermutungen verändert werden. Wem darf er vertrauen?

    Der argentinische Doktorand an seiner Seite ist seine Verbindung zu Kristen. So hofft er jedenfalls, dass - sobald Kristen sich wieder an alles vor dem Unfall erinnern kann - diese genug Vertrauen zu diesem haben werde. Eine Anziehung zwischen den beiden etwa Gleichaltrigen ist jedenfalls spürbar.

    Während Kristen noch im Krankenhaus liegt und sich von den Folgen des Unfalls erholt, geschieht allerdings ein Mord. Somit gilt für Seldom die Vermutung als bestätigt: es handelte sich im Fall von Kristen nicht um einen Unfall. Das argentinische - eher ironisch gemeinte - Sprichwort "Wenn sie die Polizei rufen, wird es ein Verbrechen geben" scheint damit erfüllt zu sein.


    So gibt die Geschichte zwei Rätsel auf. Zum einen gilt es die Morde aufzuklären und die polizeilichen Ermittlungen zu begleiten. Zum anderen gibt es die literarischen Ermittlungen um die fehlenden Tagebucheinträge von Lewis Carroll.

    Und so werde ich in die Ermittlungen mit einbezogen. Was war Lewis Carroll für ein Mensch? Was hat es mit den fehlenden Notizen auf sich? Und hat sich Lewis Carroll schuldig gemacht im Sinne der damaligen Gesetzgebung oder der heutigen?

    In dem Magazin La Nacion sagte Guillermo Martinez in einem Interview am 3. März 2019



    "Es gibt Theorien, die nicht wegen ihres Grades an Wahrheit geglaubt werden, sondern weil es eine Genugtuung ist, ihnen zu glauben. Oder weil es attraktiver oder faszinierender ist."


    Die Ermittlungen und einzelnen Aufklärungspuzzlestücke sind wohldosiert und mit Spannung verfolge ich, wie sich schlussendlich der Fall aufklärt. Ich bin überrascht und gleichzeitig fasziniert von der logischen Aufklärung dieser klug inszenierten Geschichte.

    Überraschend für mich ist auch der Erzählstil. Die Geschichte wird very british erzählt und zudem eher antiquiert, als spiele die Handlung zur Zeit von Lewis Carroll und nicht etwa im Jahr 1994. Dann wiederum ist von E-Mails und einem Mobiltelefon die Rede. Das war mir - angelehnt an den Erzählstil - schon zu modern.

    Die Übersetzung von Angelica Ammar jedenfalls ist gelungen. Im Verlauf der Geschichte Der Fall Alice im Wunderland konnte ich keinerlei Ungereimtheiten feststellen. Die Worte und Ausdrucksweisen waren perfekt gewählt.

    Die Stimme des Sprechers Sascha Tschorn konnte mich ebenfalls überzeugen. Die unterschiedliche Betonung bei den verschiedenen Charakteren kam sehr gut zur Geltung und ich konnte sie mir in ihren Gebärden und ihrer Körpersprache und Mimik gut vorstellen. - Auch, wenn es in der Geschichte Szenen gab, die ich mir lieber nicht so bildlich vor Augen geführt hätte.


    Fazit

    Diese Geschichte ist für alle, die Spaß am Mitermitteln haben und die auch vor gemutmaßten unliebsamen Hintergründen zur Person des Schriftstellers nicht zurückschrecken.


    ASIN/ISBN: 978-3847900467

    Im Wald ist der achte Band der Krimi-Reihe um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Sander, ehemals Kirchhoff.

    Die Krimi-Reihe spielt im Taunus und der achte Band handelt von den Bewohnern des kleinen Ortes Ruppertshain und dem nahegelegenen Wald. Die Protagonisten durchlaufen in den Bänden eine eigene Entwicklung, die für sich schon spannend erscheint. Im Wald ist für mich das erste Lesevergnügen der Reihe und ich bin sehr von der Entwicklung innerhalb des Romans als auch der verschiedenen Charaktere angetan. Durch gezielte Rückblenden ist das leicht nachzuvollziehen.




    Oliver von Bodenstein wird mit einem Erlebnis aus seiner Kindheit konfrontiert. Nachdem eines Nachts ein Wohnwagen in Flammen aufgeht, in dem ein Mann ums Leben gekommen ist und kurze Zeit später eine alte Frau im Hospiz ermordet wird, deuten die Spuren auf einen Fall von vor vierzig Jahren hin. Damals verschwand ein Junge spurlos. Und mit ihm ein zahmer Fuchs. Beide waren treue Wegbegleiter von Oliver von Bodenstein - bis zu diesem Tag im Sommer 1972.

    Der Schreibstil ist klug und gewitzt. Bereits nach kurzer Zeit mag ich das Buch schon nicht mehr aus der Hand legen.


    "Tempora mutantur, nos et mutamur in illis." ... "Oder auf Hessisch: Lebbe geht weiter!" - Seite 104


    Mir gefällt, dass in der Geschichte auch mal mit Dialekt gesprochen wird. Diese Stellen im Buch lese ich gern laut, um noch mehr ein Gespür dafür zu bekommen. Mit der Aussprache geht auch ein gewisses Gefühl an Mentalität einher. Das ist spannend zu erfahren.

    In der Geschichte gibt es eine Vielzahl an Charakteren und ich muss konzentriert lesen, um bei den Freundschafts- und Verwandtschaftsverhältnissen innerhalb des Ortes auf dem Laufenden zu bleiben. Schließlich geht es hier um rund 40 Jahre Dorfgeschichte die erzählt werden will.

    Ich könnte es mir einfach machen und in dem der Geschichte vorangestellten Namensverzeichnis nachsehen, doch ich merke mir die Namen und die Beziehungen der Charaktere zueinander lieber.

    Und so lerne ich nach und nach die Dorfbewohner kennen und mag mir gar nicht vorstellen, dass unter ihnen ein Mörder weilen sollte. Mit dem Fortgang der Geschichte und der Ermittlungen wird das Netz immer enger um eine Handvoll Personen geschnürt und findet zuletzt ihren Höhepunkt. Ich bin begeistert, wie so viel Spannung in dem 560 Seiten starken Buch gehalten und schlussendlich sogar gesteigert werden kann.

    Realistisch wirkt die Geschichte vor allem durch zeitgeschichtliche Gegebenheiten wie beispielsweise der Verkehr zur Frankfurter Buchmesse oder ein eingewobenes geschichtliches Ereignis wie die Festnahme der Terroristin Ulrike Meinhof. Das rundet das Geschehen im Buch ab und macht den Fall lebensnah.

    Ich hatte viel Spaß beim Lesen der Geschichte und beim Miträtseln, wer hier der Täter sein könnte. Nele Neuhaus hat mit Im Wald einen Leser ihrer Geschichten mehr. Die vorangegangenen Werke dieser Krimi-Reihe liegen bereits hier bzw. sind gerade noch auf dem Weg zu mir.


    Fazit

    Im Wald ist für alle, die komplexe und realistisch gestaltete Kriminalromane mögen. Nele Neuhaus ist Autorin und Kriminalhauptkommissarin ehrenhalber. Ich würde sagen, das merkt man dem Geschehen in der Geschichte an.

    Danke für die Rezi. Das Buch ist schon eine Weile auf meinem Wuzel - werde es mir mit Sicherheit holen.

    Eine tolle Reihe ist auch "Quendel" von Caroline Ronnefeldt.

    Vielen Dank für den Tipp. Dann schaue ich mir die Reihe mal an.
    Vielleicht sehe ich ja demnächst deine Rezi hier über Gnorl.

    Lustig, das Buch war am Wochenende gerade bei uns in der Tageszeitung auf der Kinderseite. Da stellen sie oft Kinderbücher vor. Wir haben es uns mal gemerkt.

    Das ist ja echt witzig. Ich hatte total viel Spaß beim Lesen. Viel Freude, falls Ihr Euch dafür entscheidet.

    Gnorl

    Jugendbuch

    Planet! - Thienemann-Esslinger Verlag

    Autor: Florian Fuchs

    ISBN 978-3-522-50682-3

    338 Seiten


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    So gern wäre Jonas in diesem Sommer mit seinem Freund und dessen Eltern nach Mallorca gereist. Stattdessen stehen ihm nun Ferien auf dem Bauernhof bevor. Im Schwarzwald. Mit seinen Eltern.

    Freude sieht anders aus. Doch nachdem er sich nach stundenlanger Fahrt aus dem Auto gequält und den Ausblick gesehen hat, könnte er sich vorstellen, dass die Ferien vielleicht doch noch cool werden. Zwei Kinder in seinem Alter soll es auf dem Hof der Gastfamilie Bommele auch geben.




    Anna und Benjamin heißen die Beiden und schon nach kurzer Zeit raufen sich die Drei zusammen und legen sich gemeinschaftlich auf die Lauer. Jonas hatte Abends eine Gestalt aus dem Schuppen entwischen sehen und nun sind die Drei neugierig, um was für ein Geschöpf es sich handelt.

    Nach kurzer Verfolgungsjagd entdecken sie einen kleinen Felsspalt. Wohin mag die verborgene Treppe führen? Ein paar Stufen später stecken sie in einem unterirdischen Labyrinth und einem Abenteuer voll Magie, Kobolden und allerlei unbekannten Kreaturen und begegnen alten Geheimnissen und tiefer Freundschaft.

    Gut, dass sie zuerst dem Kobold Gnorl begegnen. Denn nicht jeder Kobold hat gute Absichten mit den Eindringlingen aus der Oberwelt.


    Ich bin ganz verliebt in die Geschichte. Im ersten Moment dachte ich noch, dass das Buch ganz schön viele Seiten für ein Kinderbuch hat, doch die Geschichte ist ruckzuck gelesen. Wenn ich das Buch zur Seite legen musste, dann habe ich mich unbändig darauf gefreut, später weiterlesen zu können um zu erfahren, wie es den Dreien in der Unterwelt ergeht und was sie für Abenteuer bestehen.

    Unter Tage gibt es Orte wie beispielsweise das Finsterloch und das Theater der vielen Beine. Ich möchte es selbst erleben obwohl ich - ob der Gefahren die dort lauern - froh bin, dass ich in meinem sicheren Zuhause die Geschichte erlebe. Jonas, Anna und Benni müssen ganz schön viel Mut aufbringen, um ihre Abenteuer zu bestehen. Dabei mutieren sie aber nicht zu Superhelden, sondern jeder bleibt mit seinen Eigenschaften in seiner Rolle. Sie bleiben stets in ihren Handlungen und Aussagen authentisch. - Genauso ist es mit Gnorl und den anderen Kobolden. Ob Sympathieträger oder nicht, jeder bleibt seinem Naturell treu.

    Ich hoffe, ich kann bald mehr um die Abenteuer in der Unterwelt und Gnorl lesen. Wenn Schlafmaden, Asselschrecken und Hexenwühlen sich im Labyrinth neu sortieren müssen.


    Fazit

    Ein magisches Abenteuer rund um die Welt der Kobolde, schrecklicher Machtausnutzer und wahrer Freundschaft.


    ASIN/ISBN: 3522506820

    Perfektes Spiel mit der Angst

    In dem neuen Thriller Der Fahrer gelingt Andreas Winkelmann das perfekte Spiel mit der Angst. - Vielleicht lag es ja daran, dass ich mich gerade auf der Fahrt nach Hamburg befand, als ich mit dem Hörbuch begann. Eine junge Frau war in der Geschichte mit dem Auto in Hamburg unterwegs. Welcher Stadtteil war das gerade nochmal? Wo befand ich mich gerade? Es war schon ein sehr eigentümliches Gefühl, das mich beschlich, als ich so durch Hamburgs Straßen fuhr und der Geschichte lauschte. Wenn mich jetzt bloß keine Streife anhielt.




    Mittlerweile bin ich gut aus Hamburg zurück. Das Erlebnis, das Hörbuch auf der Fahrt hin und zurück und vor Ort zu hören, war jedenfalls atemberaubend.


    Zum Hörbuch

    Der Fahrer ist bereits der dritte Fall von Kommissar Jens Kerner und seiner Kollegin Rebecca "Becca" Oswald. Mit den beiden Ermittlern hat Andreas Winkelmann ein tolles Duo geschaffen. Sie wirken lebensecht und authentisch. Becca ist an den Rollstuhl gefesselt und lässt sich davon möglichst wenig beeindrucken. Jens Kerner ist ihr Vorgesetzter und Kollege und hilft Becca - wenn es aufgrund ihrer Einschränkung notwendig ist. Dabei geschieht diese Unterstützung sehr natürlich und wirkt eher vertraut. Die beiden scheinen ein eingespieltes Team zu sein.

    Für mich war Der Fahrer das erste Buch von Andreas Winkelmann, so dass ich auch die beiden Vorgängerromane um das Team Kerner/Oswald nicht kenne. Wenn ich die beiden in der Story erlebe, dann wirken sie auf mich, als hätten sie bereits einiges gemeinsam erlebt.

    Becca hat für Jens eine Geburtstagsparty geplant. Als Jens dem Trubel entflieht, stolpert er direkt in einen neuen Fall. Eine junge Frau wurde entführt. Das Foto der entführten Frau wurde vom Täter bei Instagram unter dem Hashtag findemich veröffentlicht. Die Zeit, die den Ermittlern bleibt, ist begrenzt. Der Täter scheint sie verhöhnen zu wollen und spricht "von einem leuchtenden Beispiel polizeilicher Inkompetenz", falls sie es in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen, das Opfer zu finden.

    Der Thriller nimmt dadurch rasant an Spannung zu und sozusagen "an Fahrt auf" - doch ich kann nicht schneller hören. Der Sprecher behält sein Tempo bei und ich werde mich gedulden müssen, ob Jens, Becca und ihre Kollegen das Opfer rechtzeitig befreien können.

    Mir war der Thriller beinahe schon zu spannend. Durch die Aktualität der Geschichte und dem realitätsnahen Verhalten von Personen in den Sozialen Medien, sah ich viele Berührungspunkte. Denn das Verhalten in den sozialen Medien findet - genauso wie der Fahrdienst MyDriver - in diesem Thriller Raum. Dadurch wirkt die Story so real, dass hier tatsächlich ein perfektes Spiel mit der eigenen Angst getrieben wird.

    Und das ist genau das, woran Andreas Winkelmann gelegen ist, wenn er in seinem stillen Kämmerlein sitzt und an einem neuen Thriller schreibt.

    Andreas Winkelmann habe ich auf einer Lesung kennengelernt. An jenem Abend stellte er seinen Thriller Das Fundstück vor, das er unter seinem Pseudonym Frank Kodiak herausgegeben hat. Den Artikel über die Lesung findest du hier.


    Fazit

    Der Fahrer ist für alle, die rasante und realitätsnahe Thriller mögen.


    ASIN/ISBN: ASIN B088NVW8L4

    Bendic Liras - Rost und Gebein

    Die Sphären-Chroniken 2

    Kirsten Storm

    Erscheinungsdatum eBook: 16. Januar 2021

    ASIN B08Q7RMVSR

    537 Seiten

    Erscheinungsdatum Hardcover

    - noch offen -


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    Bendic Liras - Rost und Gebein ist der zweite Band der Sphären-Chroniken. In diesem Band lerne ich den Protagonisten Bendic Liras näher kennen. Er ist ein Lysanth.

    Nach einem Impact sahen sich die Politiker dazu berufen, die Welt vor der Überbevölkerung zu retten. Genmanipulationen an Menschen wurden zugelassen. Durch diese Genmanipulationen mutierte ein Teil der Menschen in zwei verschiedene Arten - der Uskrim und der als gefährlich eingestuften Lysanth.




    Nachdem nun immer wieder ohne besondere vorherige Vorkommnisse Lysanth einen LeapDown erleiden, bei dem sie gewalttätig gegenüber anderen Lebewesen werden, kommt die Regierung überein, die Lysanth zu separieren und in kontrollierbare Wohnabschnitte auszugrenzen. Ein Kontakt mit Menschen wird ihnen untersagt.

    Das trifft vor allen Dingen Bendic hart, da seine Zieheltern Mary und Terence Fung Menschen sind.


    Dieser zweite Band der Sphären-Chroniken spielt in derselben Zeit, in der der erste Band, Ruby Blayke - Feuer und Asche, spielt. Es ist spannend, die Erlebnisse, die Ruby und Bendic einen, nun aus seiner Sicht mitzuerleben und auch die Sicht und Lebensweise und die Gedanken der Lys mitzubekommen. In den Sphären-Chroniken Band 1 lerne ich die Sicht der Menschen und Rubys Welt kennen. Die Welt von Bendic und der Lysanth vervollständigt nun das Bild der Sphären.


    Kirsten Storm fesselt mich in ihrer Geschichte bereits mit den ersten Worten. Und genau so gelingt ihr das auch mit Bendic Liras. Ich bin fasziniert von den Empfindungen, gefesselt vom Farbenspiel, ernüchtert vom Grau der Stadt und die Emotionen - Freude und Schmerz - nehmen mich mit in die dystopische Zukunft der beiden Protagonisten.

    Es ist schön nun auch die Charaktere rund um Bendic kennenzulernen und die Charaktere um Ruby wiederzusehen. Ja, genauso fühlt es sich an: als hätte ich sie alle schon einmal gesehen, als wäre ich ihnen begegnet. Sie bringen Empfindungen mit, bestätigen oder widerlegen sie und bleiben dennoch authentisch.

    Fasziniert bin ich vor allen Dingen von den Fähigkeiten der Lysanth und deren Daimos. Ein Daimos ist der unsichtbare Begleiter der Lysanth, der in Form und eigenen Fähigkeiten variiert. Der Daimos von Bendic ist ein Drache namens Aris. Mir gefällt seine witzige Art, sein Humor.


    "Schicksal", japste Aris amüsiert. "Vielleicht will es dir eins auswischen und lacht sich gerade über dich schlapp." - Seite 413


    Ich hätte zu gern Bendics Gesicht gesehen. So einen unsichtbaren Begleiter würde ich mir in manch einer Situation auch wünschen.


    Fazit

    Dieses Buch ist für alle, die fantastische Dystopien lieben und sich Geschichten gern auch aus einem anderen Blickwinkel erzählen lassen. Hochspannend und faszinierend erzählt. Ich liebe es.

    ASIN/ISBN: ASIN B08Q7RMVSR

    Der Spiegelmann

    Thriller

    Bastei Lübbe AG

    Lars Kepler

    ISBN 978-3-7857-2704-1

    624 Seiten



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    Der Spiegelmann von Lars Kepler ist der achte Band einer Reihe um den Ermittler Joona Linna. Wer die Entwicklung der Charaktere nicht zwingend von Anfang an erleben muss, kann gut mit diesem achten Band starten. Wer darauf Wert legt, startet mit Band 1, dem Buch Der Hypnotiseur.





    Joona Linna wird nach seinem letzten Fall aus den aktuellen Ermittlungen rausgehalten. Dennoch beteiligt er sich und wird dabei immer mehr in den Fall eingebunden. Dank seiner Empathie und seinen unkonventionellen Methoden übernimmt er schon bald wieder das Ruder und was sich ihm offenbart, lässt mich das Buch nach kürzester Zeit nicht mehr aus der Hand legen.

    Der Schreibstil ist flüssig und wechselt zwischen Aufzählungen, spannenden Momenten und scheinbar undenkbaren Situationen. Ich möchte nicht aufhören zu lesen und doch das grauenhafte Geschehen nicht erleben. Doch damit wartet Lars Kepler in diesem Band auf.

    Ein 16jähriges Mädchen verschwindet, ein anderes wird nach einem Unfall beim Eisangeln vermisst und später für tot erklärt. Trotz intensiver Suche können beide nicht gefunden werden.

    Die Eltern des verschwundenen Mädchens geben die Hoffnung nicht auf, bis nach fünf Jahren das tote Mädchen erhängt auf einem Spielplatz auftaucht. Für die Welt zur Schau gestellt.

    Das andere Mädchen bleibt verschwunden und die Eltern erklären ihr Kind für tot. Der Stiefvater, der beim Eisangeln beinahe selbst zu Tode gekommen wäre, kann sich die Situation auch später nicht erklären und kommt immer weniger im Leben klar. Um den Verlust der Tochter verarbeiten zu können, wollen sie ein Mädchen adoptieren.

    Doch wer ist für den schrecklichen Tod des Mädchens auf dem Spielplatz verantwortlich? Joona Linna begibt sich mit seinem Team nicht nur in außergewöhnliche Ermittlungssituationen sondern auch selbst in Gefahr. Der Thriller ist voll mit Informationen und vielschichtigen Charakteren und gefühlt birgt jede Seite nicht nur ein weiteres Geheimnis sondern steigert auch die Spannung. Die letzten 200 Seiten habe ich in einem Rutsch gelesen. Ich konnte, ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen ohne zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht.


    "Ein Freund von mir, Samuel Mendel, pflegte zu sagen, wenn man das mit bedenkt, was es nicht gibt, hat man die Spielregeln schon geändert." - Seite 80


    Ich selbst habe den Vorgängerroman Lazarus gelesen und war ganz angetan, als ich den neuen Band Der Spiegelmann gesehen habe. Seitdem fiebere ich darauf hin, die ersten Bände auch alle zu lesen.


    Fazit

    Wer spannende Thriller liebt und vor grauenvollen Handlungen des Täters beim Lesen nicht zurückschreckt, dem kann ich Der Spiegelmann ans Herz legen.

    Bin noch da

    Roman

    Rowohlt Polaris

    Autor: Sven Stricker

    ISBN 978-3-499-00195-6

    448 Seiten

    erschienen am 18. August 2020


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    Bin noch da heißt der neue Roman von Sven Stricker in dem es um eine Vater-Sohn-Beziehung geht. Oder vielmehr um eine Vater-Sohn-Beziehung die nie wirklich bestand?! - Aber schön der Reihe nach.

    Moritz Liebig ist 37 Jahre alt und hat ein eigenes Café. Er lebt mit seiner Frau Jessy und seinem Sohn Elias in einer Wohnung im vierten Stockwerk und ist - so gut es geht - zufrieden. Zu seinen Eltern und seiner Schwester Nina hat er seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr und er bildet sich gern ein, sie auch nicht zu vermissen. Mit 18 ist er zu Hause ausgezogen und hat seitdem sein Elternhaus nicht mehr betreten.




    In seinem Café steht er oft selbst hinter dem Tresen und vergibt jedem Kunden in Gedanken einen Namen. Mir gefällt diese Marotte von ihm. Er schaut sich den Menschen vor ihm an und denkt "mhmm, das könnte eine Lily sein, und diese eine Lotte und die dort am Ende der Schlange steht, könnte eine Lea sein". Bis plötzlich ein Karlheinz vor ihm steht. Sein Karlheinz. Sein Vater. Sein Vater, der nie auch nur einen Schritt in sein Café oder eine seiner Wohnungen gesetzt hatte. Doch mit freudigen Nachrichten kommt Karlheinz nicht. Stattdessen teilt er Moritz mit, dass seine Mutter verstorben sei und er auch sterben möchte. Er käme nur nicht an das notwendige Medikament heran. Auch wenn Moritz all die Jahre keinen Kontakt zu seinen Eltern hatte und erstaunt ist, dass seine Mutter bereits seit drei Monaten tot ist und er nicht einmal zur Trauerfeier eingeladen war, seinem Vater helfen aus dem Leben zu scheiden, das will er nun auch nicht. Kann er seinem Vater diesen Wunsch verweigern? Er, Moritz, der sich die ersten 18 Jahre seines Lebens immer gewünscht hatte, dass sein Vater ihn begleitet, für ihn da ist? Dessen Nähe er gesucht hat, sie aber nie bekommen hat. Und jetzt soll Moritz für ihn da sein und ihn begleiten? Beim Sterben?


    Zitat
    "Sie nehmen dir nach und nach alle Vergnügungen, das sag ich dir, dann lebst du zwar noch, aber es gibt keinen Grund mehr dafür." - Seite 73


    Bei aller Miesepetrigkeit, die Karlheinz an den Tag legt, muss ich trotzdem immer wieder herzlich lachen. Der Roman ist mit einem trockenen unterschwelligen Humor geschrieben, der mich - trotz der ernsten Lage - zum Lachen bringt. Sven Stricker hat eine ganz eigene Art diese Geschichte zu erzählen. So echt, so unverfälscht und mit den Tücken, die das Leben so mit sich bringt. Freunde, Unsicherheiten, Sehnsüchte und familiäres Zusammenleben, Missverständnisse und Freude - ein bunter Strauß an Menschen, Erlebnissen und Gefühlen, die sich am Erlebten festmachen. Die Charaktere wirken echt mit ihren Ecken und Kanten und schon bald fühle ich mich genauso heimisch in der Stadt, in dem Mehrfamilienhaus, in der Straße, in der das Elternhaus steht und im Café, als würde ich dort selbst ein- und ausgehen.

    Ich habe das Buch gern gelesen, weil es mir zeigt das - egal wie schwer es in manch einer Lebenssituation sein mag und egal wie verquer es auch gerade läuft - es sieht von außen betrachtet gar nicht so schlimm aus. Schlimm ist es in der Situation nur für einen selbst. Und man selbst ist der Meister, der das Geschick in seinem Wirkungskreis beeinflussen kann.

    Bin noch da bringt mich zum Lachen und regt mich ebenso zum Nachdenken an. Ein wundervoller Roman.


    Fazit


    Bei aller Ernsthaftigkeit des Lebens und der Geschichte habe ich auch immer viel Freude beim Lesen gehabt und laut aufgelacht.

    Ein Buch, dessen Geschichte, dessen Wahrheit wohl deprimieren würde, wäre es nicht mit diesem köstlichen Humor geschrieben.

    Bin noch da - ein Roman, der einem zeigt, dass man gar nicht so allein ist auf dieser Welt mit seinen ganzen Empfindungen.


    ASIN/ISBN: 3499001950

    Ich fand es auch richtig klasse, mal einen Escaperoom-Thriller zu lesen. - Da ich so etwas auch noch nie mitgemacht habe, würde ich wahrscheinlich vor Angst nun darin umkommen. Ganz schlechte Voraussetzung vorher diesen Thriller zu lesen. - Jedenfalls, wenn man so ein Hasenfuß wie ich ist.

    Fräulein Gold - Scheunenkinder

    Argon-Verlag

    Hörbuch

    Autorin: Anne Stern

    Sprecherin: Anna Thalbach

    1 MP3-CD

    6 Stunden 51 Minuten

    Erscheinungstermin: 13. Oktober 2020

    ISBN 978-3-8398-1813-8


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    Fräulein Gold - Scheunenkinder
    ist der zweite Band der Saga am Hulda Gold. Hulda Gold lebt im Berlin der 1920er-Jahre, ist Hebamme und hat ihren eigenen Kopf. Sie ist gern unabhängig und obwohl sie anderen Familien hilft, ihre Babys gesund auf die Welt zu bringen, kann sie sich selbst ein Leben "nur" als Ehefrau und Mutter nicht vorstellen. Mit ihrer störrischen und liebenswerten Art hat sie sich schnell einen Platz in meinem Herzen erstritten.


    Hulda Gold ist freundlich, dabei aber auch immer sehr bestimmt. Was sie sich in den Kopf gesetzt hat, führt sie auch zu Ende.

    So auch in diesem zweiten Band Scheunenkinder. Von ihrem Vater bekommt sie die Information, dass sie im Scheunenviertel gebraucht wird. Es handelt sich um eine jüdische Familie. Die jüdischen Familien in diesem Viertel sind sehr arm und das Besondere bei diesem Einsatz ist, dass die Wöchnerin eben keine Jüdin ist. Hulda selbst macht das nichts aus. Sie ist zur Hälfte Jüdin und ein neues Leben ist ein neues Leben, das auf die Welt gebracht werden möchte.

    Der jüdischen Familie Rothmann, die aus Galizien stammt, ist das Ansehen nicht einerlei, und so wird der Geburt des Babys mit scheinbar gemischten Gefühlen entgegen gesehen. Als dann einige Tage nach der Geburt das Neugeborene verschwunden ist, scheint niemand Ambitionen zu haben, das Baby zu finden. Niemand außer Hulda, die es sich in den Kopf gesetzt hat, die Armenierin Tamar zu unterstützen und ihr ihr Baby wohlbehalten zurückzuholen.

    Selbst Huldas Freund, Kommissar Karl North, kann sie nicht davon abhalten, weiter nach dem Neugeborenen zu suchen.


    Der Erzählstil von Anne Stern trifft das Berlin der 1920er Jahre sehr gut. Ich erhalte einen Einblick in die Haushalte Berliner Bürger und bekomme eine Ahnung, wie es bei ihnen zu Hause ausgesehen haben mag. Freundschaften, die Stellung der Frau in der Gesellschaft, der wachsende Unmut auf Juden und wie damit in der Gesellschaft umgegangen wird, die Inflation - alles das beschreibt Anne Stern so bildhaft, als würde ich selbst morgen mit Bündeln von Geldscheinen in der Tasche nach einem Brot anstehen. Es ist spannend, mit Hulda an der Seite durch Berlins Straßen zu gehen und die Menschen kennenzulernen. Die Charaktere sind vielschichtig und sie sind besonders. Man tut gut daran, seine Belange vor den neugierigen Anwohnern zu bewahren. Denn sonst weiß tags darauf die Nachbarschaft mit Sicherheit genauestens bescheid. Es ist dieses bunte Treiben in einer durchaus manchmal grau anmutenden Zeit, das mich fasziniert und durch die Geschichte trägt.


    Fräulein Gold - Scheunenkinder hat mir sehr gut gefallen. Diesen zweiten Band kann man unabhängig vom ersten Band Fräulein Gold - Schatten und Licht lesen. Ich freue mich, dass ich diesen ersten Band noch vor mir habe und mir damit die Wartezeit auf den dritten, bald folgenden Band Fräulein Gold - Der Himmel über der Stadt verkürzen kann. Der dritte Band wird als Roman am 21. April 2021 im Rowohlt Verlag und am selben Tag im Argon Verlag als Hörbuch erscheinen.


    Weitere Informationen gibt es auf den Verlagsseiten:

    Argon Verlag - Scheunenkinder

    Rowohlt Verlag - Anne Stern


    und auf der Seite der Autorin:

    Anne Stern

    So sehen Siegerinnen aus

    Konflikte meistern durch Balance, Haltung und Selbstvertrauen

    Lübbe Life - Bastei Lübbe Verlag

    Autorin: Katrin Klewitz

    ISBN 978-3-7325-8924-1

    246 Seiten


    So sehen Siegerinnen aus ist ein Buch vor allem für Frauen. Das Buch kann als Leitfaden dienen, Erklärungen in der Selbstreflektion liefern und Mut machen. Mut machen zu kämpfen. Aber auch im Vorhinein zu sondieren, ob es überhaupt der eigene Kampf ist oder es sich lediglich um das Problem des Gegenübers handelt.

    Der Ratgeber - wenn man ihn so nennen mag - ist neun Kapiteln unterteilt und erzählt viele persönliche Erfahrungen der Autorin. Katrin Klewitz ist ausgebildete Kampfchoreografin und dieser Werdegang hat ihr geholfen sich selbst und auch das Verhalten ihrer Mitmenschen zu reflektieren. An ihren Erfahrungen darüber lässt sie uns in diesem Buch teilhaben.

    In den ersten drei Kapiteln geht es sehr anschaulich um das eigene Standing, Distanzverhältnis und die eigene Haltung. Und wenn der Leser das Standing oder die gewünschte Haltung noch nicht hat, mit welchen Mitteln diese erreicht werden könnten. Wichtig dabei ist, und darum geht es in den drei Kapiteln, das für sich selbst herauszufinden und die eigene Methode und Wirkung daraus kennenzulernen.

    Die übrigen sechs Kapitel beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Charaktereigenschaften von Kriegerin, Jägerin, Kampfelfe, Schützin, Knappin und Ritterin. Anhand von Charakteren aus Literatur und Filmgeschichte werden hier die besonderen Eigenschaften vermittelt. Hilfreich ist hier, dass es einen kurzen Abriss über die jeweilige Geschichte des Charakters gibt. Dabei ist das für die bekannten Geschichten nur schmückendes Beiwerk, dafür habe ich beim Lesen aber auch gleich wieder die Bilder vor Augen und kann mir Katrin Klewitz Gedanken bildlich vor Augen führen.

    Auch hier bringt Katrin Klewitz ihre persönlichen Erfahrungen mit ein und vermittelt mir beim Lesen das Gefühl, mit den Herausforderungen, die beispielsweise ein Büroalltag oder Erlebnisse aus der Schulzeit mit sich bringen, nicht allein zu sein. So finde ich meine erste Verbündete.

    Die Kapitel sind übersichtlich und informativ und für die wichtigsten Informationen gibt es Merkkästchen und Zeichnungen, die zusätzlich noch für eine Veranschaulichung sorgen. Besonders gefällt mir der lockere Schreibstil und die Steigerungsmöglichkeiten, die angeboten werden, wie ich meinem Gegenüber begegnen kann. Ob nonverbal oder mit eigenen Worten kurz und knapp oder wortreich, die Möglichkeiten sind vielfältig.

    Mir hat die Lektüre sehr viel Freude bereitet und ich freue mich, so viel Wissenswertes - was man verteilt hier und da auch schon mal gehört oder aufgeschnappt hat - nun vereint in einem Buch zu haben.

    Jetzt bin ich noch mehr gespannt, wie es weiter geht.

    Klasse gemacht! - Ich bin begeistert. Sehr sogar!


    Hannah hat alles richtig gemacht. Ich hätte ja Angst gehabt, Melissa allein zu lassen und Aurel hinterher zu hetzen. Und dann dieses Codewort: pink. Ich dachte, ich dreh durch. Und dann diese Kunstpause als Melissa dem SEK noch ein Detail verrät: sie ist bewaffnet. Und ich saß da auf meinem Sofa und dachte "und was ist mit pink??" - oh, nein!


    Ein Buch, dass ich sehr gern weiterempfehle und auch schon während des Lesens - mit dem Hinweis, dass ich noch mittendrin im Geschehen bin - weiterempfohlen habe. Wunderbar.


    Gut, dass du hier noch erklärt hast, wo "Phil" herkommt. Ich muss schon sagen, da war ich echt neugierig. Sein Bruder Lovis konnte es nicht sein und wäre auch irgendwie lahm rübergekommen. Aber so einen Fremden kann man gut engagieren und beseitigen.


    Ich habe jetzt richtig Angst um Hannah. Aber selbst, wenn sie nicht seinen Finger mitgenommen hätte. Aurel hat auf jeden Fall noch eine Rechnung mit ihr offen. Ich hoffe für Hannah, dass sie das überlebt. Und für Melissa, dass sie nicht da mit reingezogen wird. Und hoffentlich erhöht die Polizei den Schutz wieder. Bernd Kappler weiß ja bescheid.

    Mir war es wichtig, die Psychologie hinter dem Ganzen erzählen zu können, anstatt sie im Nachhinein zu erklären. Ich gucke kaum noch reguläres Fernsehen, weil mir die Geständnisse am Ende eines Krimis sowas von zum Hals raushängen. Nur um den Täter bis zum Schluss zu verstecken, müssen Informationen nachgereicht werden. Und das meist in Dialogen.

    Ich gucke kaum mehr Fernsehen - ist mir zu aufregend. - Also so stupide, dass ich mich nur noch aufrege. Daher lasse ich das lieber sein.

    Mich interessieren dann eher die Hintergründe. Wenn es also tatsächlich Aurel ist, was bewegt ihn Menschen zu ermorden und den Wunsch quasi hautnah dabei zu sein? Was hat er erlebt? Und warum denkt er, dass er seinem Vater damit Schmerz zufügen wird?