Beiträge von little sparrow

    Der Therapeut ist ein hochspannend erzählter, temporeicher Thriller. Protagonist ist John Burgess, Psychotherapeut, geschieden, Vater einer fünfzehnjährigen Tochter namens Elisabeth.

    Elisabeth, liebevoll Poppy genannt, ist gerade auf dem Weg nach London, um ihren Vater dort nach der Trennung der Eltern zu besuchen.





    Erzählt wird die Geschichte aus der jeweiligen Perspektive der beiden und zusätzlich aus dem Blickwinkel der jungen Volontärin Unity. Unity Willmore ist neu beim Morning Star der Yellow Press und möchte auf jeden Fall einen guten Eindruck hinterlassen, um später als Journalistin arbeiten zu können. Frauen sind in dem Job nicht oft vertreten und so bangt sie ständig darum, dass ihr Vorgesetzter, der Chefredakteur Grimson, sie eines Tages vor die Tür setzt.

    Als sie für einen Artikel über den berüchtigten Autor Christopher Maddock Informationen zusammentragen soll, ist sie Feuer und Flamme. - Zu dumm, dass dieser ausgerechnet am nächsten Tag tot aufgefunden wird. Um einen tollen Artikel abzuliefern, scheut Unity nicht davor zurück, John Burgess in den Fokus zu nehmen. Christopher Maddock war bei ihm in Behandlung. Hätte dieser den Suizid vorhersehen und abwenden können?

    Bald hat John nicht nur die Presse und die Öffentlichkeit gegen sich, auch die Polizei rückt ihm auf die Pelle. In einem Abschiedsbrief hat Maddock sich von ihm nicht gut behandelt gefühlt. Dafür bekommt John unerwartet Post von Maddock nach dessen Ableben: sein Traumtagebuch. Von Traumdeutung hält John allerdings gar nichts. - Ganz im Gegensatz zu seiner Tochter Poppy.


    Die Geschichte ist lebendig erzählt. Die Charaktere sind bildhaft beschrieben und schon nach kürzester Zeit fühle ich mich gemeinsam mit Poppy in London wie zu Hause. Ich mag es mit ihr durch Camden zu schlendern und wir teilen die Leidenschaft zu den Geschichten um Harry Potter. Poppy ist klug und aufgeweckt und sie lässt sich ein X nicht für ein U vormachen. Ihre Meinung kann sie auch gegenüber älteren Erwachsenen vertreten und tut dies auch.

    John ist in seiner Meinung schon recht festgelegt und eingefahren. Als Poppy ihn mit Tatsachen überzeugt, lässt er sich dennoch auch auf unbekanntes Terrain ein. - Es bleibt ihm auch nicht viel anderes übrig, wenn er sein Ansehen und seine berufliche Karriere retten will.


    Immer wieder gibt es für die drei Charaktere Konflikte zu lösen. Nicht immer ist es leicht sich von Gewohntem zu trennen oder einen einmal eingeschlagenen Weg zu verlassen. Die Wendungen in der Geschichte sind immer logisch und manches Mal überraschend. Das gefällt mir. Auch die weiteren Charaktere in der Geschichte kann ich mir gut vorstellen. Allen voran Sir Edmund Hathaway und seine Mutter. Sir Edmund wirkt etwas antiquiert und genauso mottet er sich ein. Der Jurist ist schon lange nicht mehr in seinem Beruf tätig. Sein einziges Ausflugsziel war bisher die Praxis von John Burgess. Das ist schon eine Katastrophe, als er erfährt, dass er diesen in seiner Praxis demnächst nicht mehr aufsuchen können wird.

    Der Therapeut ist nicht nur spannend sondern auch sehr unterhaltsam erzählt. Zum Ende hin ist es dermaßen spannend, dass ich "durchziehen" musste. Auf eine späte Stunde konnte ich da keine Rücksicht nehmen. Ich empfehle daher, die letzten 20-30 Tracks nicht allzu spät am Tag zu beginnen.

    Die Stimme von Omid-Paul Eftekhari ist angenehm und passt perfekt zu diesem Thriller. Er erzählt mit Spannung und dem nötigen Drive. Die Betonung ist wunderbar auf das Geschehen und die Charaktere abgestimmt, so dass es nicht zu Verwechslungen kommen kann. Ich würde jederzeit wieder zu einem Hörbuch greifen, dass von Omid-Paul Eftekhari gesprochen wurde. Der Therapeut ist bereits das zweite Hörbuch, das ich mit ihm als Sprecher hörte.


    Fazit

    Der Therapeut ist ein spannend und unterhaltsam erzählter Thriller, der mit unerwarteten Wendungen und bildhaften Charakteren aufwartet. Ein tolles Lese- bzw. Hörerlebnis. Die Geschichte hat mich regelrecht mitgerissen. Ich lese gern wieder ein Buch von Matthias Ernst.


    ASIN/ISBN: B08QZW6BDP

    Mordsfreunde ist der zweite Band um die Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Mir gefällt, wie die Autorin Nele Neuhaus ihren Charakteren immer mehr Feinschliff verpasst, in dem sie mich an deren Leben teilhaben lässt. Auch die weiteren Akteure sind sehr gut charakterisiert und ich kann mir in kürzester Zeit ein Bild von ihnen machen. Überraschend war für mich, dass Pia blond ist. In meiner Vorstellung hatte sie kurzes, glattes dunkles Haar. - Aber das sind nur Äußerlichkeiten.




    Nele Neuhaus gelingt es in Mordsfreunde den ganzen Ort auf Trab zu halten. Nachdem die Leiche des Umweltaktivisten und Lehrers Hans-Ulrich Pauly gefunden wurde, ist bald der halbe Ort verdächtig. Die einen himmelten Pauly an, die anderen sahen ihn am liebsten von hinten - und das möglichst ganz weit weg. Doch für wen reicht das Empfinden um einen Mord zu begehen? Es wird kein Hehl daraus gemacht, wenn man ihn nicht mochte, aber mehr wollen die Bewohner dann auch nicht preisgeben.


    "Und er hat es noch im Tod fertiggebracht, gegen mein Hausverbot zu verstoßen", Sander lächelte mit bitterer Belustigung. "Zumindest ... teilweise." - Seite 25


    Die Kriminalgeschichte wird in einem flüssigen Schreibstil erzählt. Während des Lesens bemerke ich, wie ich förmlich in einen Sog gerate. Ich möchte immer mehr erfahren und es fällt mir schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen. Die Beschreibung der Gegend, in dem das Geschehen stattfindet, kann ich mir gut vorstellen. Obwohl ich selbst nie dort war, habe ich das Gefühl, alles zu kennen, so bildlich ist die Szenerie beschrieben.

    Die Charaktere sowie die Geschichte wirken real, als würden die Ermittlungen gerade tatsächlich stattfinden. Das ist vor allem dann für mich spürbar, wenn die Charaktere mal "nicht so rund laufen", also auch ihre Macken und ihre uncharmante Art durchblicken lassen.

    Wenn Nele Neuhaus mich mit ihrer Reihe nicht schon voll erwischt hätte, spätestens seit Mordsfreunde wäre ich dabei.


    Fazit

    Mordsfreunde ist für alle, die an einer komplexen Handlung und zahlreichen vielschichtigen Charakteren Freude haben.


    ASIN/ISBN: B08463GV8T

    Stummes Opfer ist der elfte Band der Zons-Thriller von Catherine Shepherd. Die Reihe spielt in dem Städtchen Zons in zwei Zeitebenen. Einmal in der Gegenwart, in der wir den Kriminalkommissar Oliver Bergmann bei seinen Ermittlungen begleiten und einmal im Jahr 1502, wo wir erfahren, wie Bastian Mühlenberg für Recht und Ordnung sorgt.





    "Faszinierend" denke ich, während ich noch einmal den Prolog für die Erstellung meiner Rezension lese. Der Schreibstil und die Wortwahl der Autorin sorgen dafür, dass ich ganz flach atme, um dem schlechten Atem des Täters zu entgehen, dem das vermeintliche Opfer ausgesetzt ist.

    In welcher Zeit dieser Prolog spielt, erfahre ich erst im Verlauf der Geschichte.

    In beiden Zeitebenen spielt der Bau eines bedeutenden Gebäudes in Zons eine Rolle. Die Arbeiten müssen immer wieder abgebrochen werden. Während vor mehr als 500 Jahren Bettlerinnen verschwinden, wird in der Gegenwart die Leiche eines jungen Mannes gefunden.

    Die Geschichte ist sehr eindrücklich erzählt und ich kann mir das Geschehen bildlich vorstellen. Etwas auf der Strecke bleiben leider die Charaktere. Diese kann ich anhand ihrer Namen und Zeitebenen auseinanderhalten, aber so richtig warm werde ich weder mit Oliver Bergmann noch mit Bastian Mühlenberg. Beide sind sehr engagiert dem Täter auf der Spur und das Geschehen ist spannend zu verfolgen. Nur der Funke will bei mir nicht überspringen. Die Nebencharaktere Anna, Emilys Freundin, und Nele, eine der Schülerinnen, hingegen lassen ihre Gefühle und Gedanken recht deutlich zu und bei beiden Charakteren bin ich am Daumen drücken.

    Dem Fortgang der Geschichte kann ich sehr gut folgen, auch wenn es für mich der erste Band dieser Reihe ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ich bei den Charakteren anders empfinden würde, wenn ich die ersten Bände bereits gelesen und die Entwicklung verfolgt hätte. Das tut aber der Spannung in dem Buch keinen Abbruch. Toll sind auch die Lockerungen, die ich zwischendurch beim Lesen erfahre, denn der Spannungsbogen wird die ganze Zeit über gehalten.


    "Hat Ihr Nachbar sich denn in letzter Zeit ungewöhnlich verhalten?", hakte Oliver nach.
    "Eigentlich nicht. Er ist genauso schwierig und aggressiv wie sonst auch." - Seite 26


    Die Kapitel haben eine ideale Länge und enden oft mit einem Cliffhanger, so dass ich einerseits enttäuscht bin, da es im nächsten Kapitel in der anderen Zeitebene weitergeht, andererseits bin ich froh, dass ich endlich erfahre, was sich dort zuträgt.

    Wer kein Problem mit dem Wechsel in den Zeitebenen hat, erfährt einen hochspannenden Lesefluss. Einmal das Buch zur Hand genommen, fällt es mir schwer, es aus der Hand zu legen. Begünstigend ist in diesem Fall, dass ich in der Zeitebene, in dem das Kapitel endet, gerade eh nicht weiterkomme, da ein Wechsel ansteht. - Sonst hätte ich das Buch wohl in eins durchlesen wollen.


    Fazit

    Dieser Thriller ist für alle, die einem stetigen Wechsel zwischen zwei verschiedenen Zeitebenen gewachsen sind und die Spannung eines Cliffhangers aushalten können.


    ASIN/ISBN: 3944676297

    Lambadu lebt im Schloss im Zahnfeenland. Sie ist eine junge Zahnfee, die mich mit ihrer fröhlichen Art und ihrer Neugier schnell für sich eingenommen hat. Ein Schmetterling namens Cooper ist ihr Freund. Cooper ist technikaffin und tüftelt gern. Mit der Entwicklung des Raupenblitz hat er sich einen Traum erfüllt. Der Raupenblitz ist ein Gefährt, mit dem man schnell große Strecken zurücklegen kann. Cooper ist ein verlässlicher, gutgelaunter Freund, der in kniffligen Situationen immer eine tolle Idee parat hat.




    Eines Nachts wird Lambadu durch ein Poltern wach. Da sie neugierig, aber nicht leichtsinnig ist, weckt sie Cooper und begibt sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach der Herkunft des Geräuschs.

    Mit dem rätselhaften Gegenstand, den sie im Schloss finden, beginnt für die beiden ein Abenteuer, das sie unbedingt bestehen müssen. Mut, Vertrauen und Geduld sind die Stärken, die sie gemeinsam einsetzen um das Land der Fabelwesen und Märchengestalten zu retten. Bei der Suche nach den sieben benötigten Zutaten trifft Lambadu auf die Feuerhexe Helar. Dieser passt das Vorhaben von Lambadu so gar nicht in den Kram. Damit tritt Lambadu nicht nur gegen den mächtigen Zeitgeist an, sondern muss sich auch auf neue Gegenspieler aus der Hexenwelt behaupten.

    Die Kapitel sind kurz gehalten und ständig passiert etwas in der Geschichte. Die Namen der Charaktere sind außergewöhnlich und ich muss mich erst ein wenig einlesen. Die Zuordnung der Namen zu den Charakteren fällt mir von Anfang an leicht, da jeder seine Stärken und Schwächen hat. Das gemeinschaftliche Handeln steht bei der Geschichte im Vordergrund und das Geschehen kann sich neben Lambadu viele kleine Helden leisten. Das finde ich herzerwärmend schön. Da steht niemand hintenan.

    "Sucht mit Tante Pampur in der Bibliothek ein Märchenbuch mit Riesen und lasst euch verzaubern." - Seite 149

    Bei all der Eile die geboten ist, um gegen den Zeitgeist zu bestehen, wird dennoch klar herausgestellt, dass es Geduld und Wiederholung braucht, um auch große Fähigkeiten und Fertigkeiten auszubauen und zu erlangen. Sorgfalt und Wiederholung bringen jeden ans Ziel, wenn man es beharrlich weiterprobiert.

    Mir hat die Geschichte sehr gefallen. Ich habe gestaunt und mitgefiebert und die Däumchen gedrückt. Stets war ich neugierig, was im nächsten Kapitel geschieht und war wie gebannt, als Lambadu in einer Märchenwelt landet, in der alles durcheinandergeraten ist. Der Spannungsbogen und das Zutrauen in das tolle Team um Lambadu wachsen während des Lesens gleichsam an. Es macht mir unendlich viel Spaß das Geschehen zu verfolgen.

    Die Seiten des Buchs sind mit tollen schwarz-weiß Zeichnungen versehen. Auf jeder Seite befinden sich Zahnräder und zu Beginn eines jeden Kapitels ist Lambadus Anhänger zu sehen. Die Kapitelüberschriften und der erste Buchstabe des Kapitels sind in einer anderen Schriftart hervorgehoben. Gelegentlich sind weitere Zeichnungen im Buch, die das Geschehen noch einmal veranschaulichen und für mein Empfinden treffend gezeichnet sind. Ein tolles Leseerlebnis.

    Wenn Du Lambadu helfen willst, dann lerne schon einmal den folgenden Zauberspruch:


    Buch der Märchenwelt öffne dich,
    heute ändert sich die Geschichte durch mich!
    Tausend Geschichten erreichen unsere Welt,
    Magie macht mich zu einem Held`.
    Märchen sind lieblich und rein,
    ich lasse sie in mein Herz hinein.
    Ich springe durch das Tor der Fantasie,
    löse mich aus Geschichten voller Magie!"


    Fazit

    Wer Abenteuer, Magie und Märchen mag, hat mit Lambadu eine Geschichte, die spannend und zugleich herzerwärmend und lehrreich ist.


    ASIN/ISBN: 334704701X

    Die siebte Zeugin ist der Auftakt einer neuen Justiz-Krimi-Reihe der Autoren Florian Schwiecker und Michael Tsokos.

    Florian Schwiecker hat viele Jahre als Strafverteidiger gearbeitet und Michael Tsokos ist Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Charité Berlin. Beide nutzen ihr Wissen und ihre Fertigkeiten, die sie in ihrem Berufsleben erworben haben für diese neue Justiz-Krimi-Reihe.




    In Die siebte Zeugin steht vor allen Dingen Rocco Eberhardt, Strafverteidiger, im Fokus der Geschichte. Durch einen Zufall und ein wenig Eigeninitiative gelangt er an den Fall eines Verwaltungsbeamten, der - ohne erkennbaren Auslöser - in einer Bäckerei eines Morgens um sich geschossen hatte.

    Was zunächst wie eine spontane Kurzschlussreaktion aussieht, muss aber lange noch keine sein, denkt sich Rocco Eberhardt. Zumal Dr. Justus Jarmer, Facharzt der Rechtsmedizin, bei dem Opfer eine interessante Entdeckung macht.

    Der einzige, der die Sache sofort aufklären könnte, ist der Angeklagte. Doch dieser schweigt.


    Mit Hilfe seines besten Freundes Tobias Baumann, der früher Polizist war und nun als Privatdetektiv tätig ist, versucht Rocco Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei erlebe ich den Strafverteidiger in seiner privaten Umgebung und lerne daneben seine Familie kennen. Im Großen und Ganzen kann ich mir die Charaktere gut bildlich vorstellen, eine Nähe entwickelt sich in diesem ersten Band allerdings weder zu den Protagonisten noch zu den weiteren Charakteren.

    Sympathisch ist mir auf Anhieb der Charakter des Dr. Justus Jarmer, auch wenn dieser noch sehr zurückhaltend ist und selten in dem Geschehen vorkommt, hat er eine Präsenz und fährt eine klare Linie. Und er lässt sich trotz alledem auch gern eines besseren belehren, wenn die Argumente stichhaltig sind. Das gefällt mir an dem eher ruhigen Pol in der Geschichte.


    Irritiert hat mich, dass Rocco um die Meinung von Justus Jarmer bittet. Beide sind sich zwar vor dem Fall auch schon einmal begegnet, eine wirkliche Nähe gab es zwischen ihnen aber nicht. Ich kann persönlich nachvollziehen, dass Rocco an dessen Meinung gelegen ist, aber so richtig greifen kann ich es anhand der Geschichte nicht. Das Gefühl des Vertrauens ist auf jeden Fall da.


    Der Schreibstil ist gut zu lesen. Kurze Kapitel, prägnante Sätze und damit einhergehend temporeiche Schauplatzwechsel sorgen für ein flüssiges und informtionsgeladenes Lesevergnügen. Bei der Einführung verschiedener Charaktere bin ich unschlüssig, ob diese wichtig für die Reihe werden. Manche Nebencharaktere, die einmal in diesem Band vorkommen, werden namentlich und eindrücklich vorgestellt. Näheres erfahre ich dann aber nicht. Das macht mich neugierig auf den Fortgang der Reihe.


    Fazit

    Die Geschichte ist spannend erzählt und die Vorbereitung auf den Abschluss des Falls sorgt dafür, dass ich unbedingt dranbleiben und die siebte Zeugin erleben will und auf den Ausgang des Verfahrens gespannt bin. Ein echter Justiz-Krimi.


    ASIN/ISBN: B08M5JTGRS

    Böse Wetter. Ich schlage das Buch zu und fühle mich wie nach einer Berg- und Talfahrt. Dieser Krimi vereint alles, was mir an einem Krimi Freude bereitet. - Wenn man einmal vom Tod einer oder mehrerer Charaktere absieht.

    Dabei gibt es zu Beginn der Geschichte nicht einmal eine Leiche. Lediglich die Hand eines Polizisten wird gefunden - und dank charakteristischer Merkmale kann sie schnell und sicher Dennis Uhlig zugeordnet werden. Dieser bleibt allerdings verschwunden, so dass das Vor-Ort-Ermittlerteam in Aue unter anderem durch Kriminalhauptkommissarin Hannah Stein vom BKA unterstützt wird.



    Die Charaktere sind - jeder für sich genommen - schon spannend und vielschichtig. Ich sehe ihnen quasi ins Gesicht, doch was hinter der Stirn vorgeht, das bleibt verborgen. - Auch für mich als Leser. So bleibt es bis zum Ende spannend und es ist wie im realen Leben: sicher sein, kann man sich nie.

    Unsere Protagonistin ist Hannah Stein. Sie lässt sich nicht gleich in die Karten gucken und hat eine etwas spröde, abweisende Art. Und auch, wenn ich nicht weiß, was dafür der Anlass ist, kann ich aus dem Kontext heraus nachvollziehen, dass sie für sich entscheidet und aus der Situation heraus auch mal die Hand verweigert. Das gefällt mir. Und mir gefällt ihr Fahrstil.


    "Pauers Skoda kroch in vorschriftsmäßigem Tempo vor ihnen die Auffahrt zur Autobahn hinauf. Sobald Hannah konnte, trat sie das Gaspedal durch und zog links an ihm vorbei. Haltsuchend griff Ziegler nach dem Türgriff." - Seite 19


    Genau so, wie Hannah Fahrt aufnimmt, nimmt auch die Geschichte Fahrt auf. Einmal mit dem Buch begonnen, möchte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Das Geschehen ist sehr komplex und wir bekommen es mit den verschiedensten Straftatbeständen zu tun. Ermittelt wird grenzübergreifend, da die Hand des deutschen Polizisten im Wald in Tschechien gefunden wurde. Und schon nach kurzer Zeit arbeitet Hannah mit dem tschechischen Kollegen Jakub Novak zusammen. Während ich bei Jakub Novak von Anfang an ein Bild vor Augen habe - nämlich das von Clark Gable - dauert es bei Hannah, bis ich so ungefähr weiß, wie sie für mich ausschauen könnte. Vor allen Dingen - und lacht jetzt bitte nicht - fragte ich mich, was sie wohl für Schuhe tragen wird. Das Gelände im Erzgebirge ist für Schuhe mit Absätzen eher wenig geeignet. Jedenfalls der Teil des Erzgebirges, den ich im Buch vorgestellt bekomme. Von Clark Gable kenne ich die Schuhe und die Farbe seiner Socken. Daher auch die unbändige Neugier.

    Böse Wetter ist nicht nur spannend, sondern auch kurzweilig erzählt. Der Erzählstil ist an den richtigen Stellen humorvoll und kitzelt mich förmlich, weiterzulesen. Wer glaubt, in dem kleinen Ort Aue läuft alles ruhig und gewöhnlich ab, wird überrascht und gut unterhalten. Die Unterschiede der Charaktere ob der Herkunft und Erfahrungen wird deutlich widergespiegelt und macht das Geschehen zusätzlich spannend.


    "Was?" Diesmal klang Hannah ehrlich überrascht. "Da hoffe ich ja, dass er überlebt, wäre zu schade, wenn er nicht beim Prozess dabei sein könnte." - Seite 214


    Die Auflösung war für mich überraschend und nachvollziehbar und dennoch bleiben Fragen offen. Keine vordergründig drängenden Fragen, aber Fragen, die beantwortet werden wollen. Vielleicht im nächsten Band. Denn, wie ich hörte, wird es einen Folgeband mit Hannah Stein geben, auf den ich mich jetzt schon sehr freue.

    Gesa Knolle schafft es mit ihrer humorvollen und klugen Erzählweise mich mit Böse Wetter spannend zu unterhalten. Gern lese ich wieder ein Buch von ihr.


    ASIN/ISBN: 3740811315

    Das Haus der schönen Dinge - der Titel klingt romantisch, nach einem Wohlfülroman und ist doch so viel mehr. Das Haus der schönen Dinge ist eine Liebeserklärung an die Menschen, an die Familien, die gefühlt schon immer in München gelebt und gewirtschaftet hatten, Ideen hatten und unermüdlich darum bemüht waren in der Gesellschaft dazu zu gehören und ihren Mitmenschen immer das Gefühl gaben, Willkommen zu sein.




    Das Haus der schönen Dinge erzählt die Geschichte der jüdischen Familie Hirschvogl. Allen voran von Jacob Hirschvogl, der im Jahr 1897 mit seiner Frau Thea das Kaufhaus am Rindermarkt etabliert.

    Heidi Rehn schildert anhand der Familiengeschichte der Hirschvogls sehr eindrücklich und emotional das lebhafte und bunte Treiben in München. Die Belastungen, unter denen Freundschaften zwischen jüdischen und nicht jüdischen Münchnern in den verschiedenen Zeiten der Jahre 1897 bis 1952 stehen und was Missgunst und Neid zu Hass und Hetze werden lässt.

    Die Charaktere wirken derart lebendig, dass ich zunächst beeindruckt war, wie gründlich Heidi Rehn über die geschichtlichen Ereignisse und die Familienmitglieder recherchiert haben muss. Ich drückte die Daumen, verdrückte hin und wieder ein paar Tränen, war ernst und missgestimmt, wenn etwas nicht klappte und freute mich bei Erfolgen mit ihnen. Eine Familie, der ich gern begegnet wäre. Menschen, mit denen ich mich gern umgeben hätte.

    Die Familie Hirschvogl wollte den Menschen in ihrer Umgebung und ihrer Kundschaft immer etwas besonderes bieten und hieß auch jene willkommen, die nicht nur viel Geld dalassen konnten, sondern auch diejenigen, die zum Gucken und Staunen ins Kaufhaus kamen.

    Die Herzlichkeit zeichnet vor allen Dingen die Damen der Hirschvogls aus. Da wären Mutter Thea, Tochter Lily und später die Enkelin Edna. Alle drei gesegnet mit Herz und Hirn und dadurch auch mit Unsicherheit. Hörte man lieber auf den Verstand oder gab man lieber dem Gefühl nach? - Und manchmal entschieden dann doch die äußeren Umstände der Jahre 1897 bis 1952 für einen.

    Ich war wie gefesselt von dem Geschehen und bin es bis jetzt. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und gern hätte ich einmal das Hirschvogl besucht. Am liebsten hätte ich mit eigenen Augen gesehen, wie Thea die Verkaufstische blau-weiß dekoriert, wie die Menschen zur Eröffnung am Eingang stehen und staunen und ja, ich würde auch gern sehen, wie die nicht so schönen Szenen verlaufen. Die Streitereien am Esstisch, die Blicke und die ungesagten Worte zwischen den Freundinnen, die Tumulte auf den Straßen.

    Wenn ich dich, liebe Heidi Rehn, bitten dürfte oder einen Drehbuchautor: bitte macht aus dieser Geschichte der Hirschvogls eine Mini-Serie und verfilmt sie. Ich würde es lieben.

    Bei all den schönen und zauberhaften Details zum Kaufhaus und das Führen der Geschäfte fehlt mir manches Mal der Verbleib wichtiger Personen. Wie gern würde ich diese bis zum Ende näher mitverfolgen. Das Haus der schönen Dinge hätte gut und gern als Triloge angelegt werden können. Auch, wenn es sicherlich sehr schmerzhaft gewesen wäre, die Charaktere in ihren schwersten Zeiten zu begleiten. So bleibt mir, die Lücken der nur angerissenen Zeiträume mit eigenen Gedanken zu füllen.

    Ich danke Heidi Rehn für diese wunderschön erzählte Geschichte, die sich so wirklich und wahrhaftig anfühlt, als hätte es die Familie Hirschvogl tatsächlich gegeben.

    Und ich danke Lisa Rauen, die mit ihrer Stimme die Geschichte nicht nur in mein Ohr sondern auch in mein Herz getragen hat. Die aufgebrachte Stimme von Cäcilie habe ich immer noch im Ohr.


    Fazit

    Wer historische Romane und ausladende Familiengeschichten mag, wird mit Das Haus der schönen Dinge bestens unterhalten. Die Geschichte entführt den Leser in die Zeiten der Jahre 1897 bis 1952 und verzaubert mit den Träumen der Protagonisten.


    ASIN/ISBN: 3869743387

    Nina George feiert ihren 32. Geburtstag.

    Sie ist alleinstehend, hat sich ihren Traum einer Eigentumswohnung erfüllt und schreibt an ihrem nächsten Bestsellerkochbuch.



    In ihrem Freundeskreis wird währenddessen geheiratet, der Nachwuchs stellt sich ein und Nina begibt sich unter der fachmännischen Aufsicht ihrer Freundin Lola in die Abenteuer der Dating-App Links - die moderne Art einen zukünftigen Partner zu finden.


    Ninas Leben wäre damit schon bunt genug. Die voranschreitende Alzheimererkrankung ihres Vaters fordert jedoch nicht nur ihre Mutter, sondern auch Nina heraus und in manchen Momenten auch ihren Vater selbst. Während ihr Vater unter den Geistern der Vergangenheit leidet, leidet Nina darunter, dass ihre Dating-App-Bekanntschaft Max sich unvermittelt nicht mehr bei ihr meldet.


    Gespenster hat mich gut unterhalten und mir wieder vor Augen geführt, wie abhängig die Frau in der Gesllschaft auch in diesem Punkt vom Mann ist. Da hilft nur die eigene Ausgeglichenheit. Woher die Kraft dafür auch immer kommen mag.


    Dolly Alderton beleuchtet mit Gespenster gesellschaftskritisch die Stellung und die Problematik ihrer Altersgruppe. Die Geschichte ist tiefsinnig und mit einem Schmunzeln erzählt. Und sie zeigt die ungeschönte Wahrheit.

    Franziska Grün hat eine angenehme Erzählstimme. Im Dialog hätte ich mir beim Austausch der Nachrichten eine dem Charakter angepasste Klangfarbe gewünscht, um schneller den Verfasser der Nachricht erfassen zu können. Ich emfpand gerade zu Beginn der Geschichte das emotionale Geschehen sehr sachlich erzählt. Das rief in mir zunächst einen Zwiespalt hervor, der sich im Verlauf der Geschichte verringerte.


    Fazit

    Gespenster hat mir gut gefallen und ich würde wieder ein Buch von Dolly Alderton zur Hand nehmen. Ich mag den nüchternen Blick auf die Tatsachen und den humorigen Erzählstil. Apropos nüchterner Blick auf die Tatsachen: in der Geschichte wird öfter mal zu einem Gläschen Wein gegriffen. Wer sich da leicht verführen lässt, lässt lieber die Finger davon.


    ASIN/ISBN: 3869745703

    (K)Riesenglück - Das Mutmachbuch macht genau das, was es soll: Es macht Mut. Es zeigt, dass ich nicht allein bin. Ich bin nicht allein mit meinem Empfinden, Veränderungen im Leben und ich bin nicht allein in der Krise. Das allein ist schon ein (K)Riesenglück. Denn da gibt es sie. 33 AutorInnen, die erzählen, wie es ihnen geht in ihrer Krise und was sie daraus machen.

    Kreativ werden, wenn keine vorhandene Lösung passend erscheint. Kreativ, wie sich auch der Verlag nennt, der das Buch herausgegeben hat: Verlag der Kreativmacherei.





    "Und war es nicht immer in Krisen so, dass nach dem ersten Schock die Kreativität in uns Menschen erwacht, die uns zu neuen Ideen und Lösungen führt?" - Seite 15


    Das Cover ist schon ein echter Hingucker. Sei mutig wie ein Löwe heißt es doch immer. Und hier stellt sich sogar jemand einem mächtigen Löwen gegenüber. Die Farben stimmen mich fröhlich, so dass ich bereits gutgelaunt zum Buch greife.

    Die Überschriften zum Buch und den jeweiligen Geschichten sind verschiedenfarbig hinterlegt, genauso wie die Seitenzahlen. Ist die Überschrift beispielsweise in einem Grünton hinterlegt, so sind es die Seitenzahlen, auf dessen Seiten die Geschichte zu finden ist, auch.

    In einem vorhergehenden, neutral gehaltenen Inhaltsverzeichnis werden alle Titel der Geschichten inklusive ihrer AutorInnen genannt. Die Titel wecken mein Interesse und wirken sehr einladend. Sie heißen beispielsweise Die Blume der Hoffnung, Schmusekatze oder Löwenmama und Ein Paradies und berichten zum Beispiel über Die Verlust-Angst, Und plötzlich CRPS und Das gute Nein.


    Ich war neugierig auf die Geschichten. Wie geht es meinen Mitmenschen? In welchen Krisen steckten sie? Was bewegt sie und wie gehen sie damit um? Was für Lösungen haben sie gefunden? Und ich war neugierig, wie sie daran gewachsen sind. Denn genau das macht Mut. Die Krise war zwar nicht gewünscht, aber die Lösung ist perfekt. Die Lösung ist vielleicht genau das, was dieser Mensch braucht. Und mit ihm vielleicht auch viele andere.

    Die Geschichten in dem Buch haben mich sehr berührt. Es sind Erlebnisse in Worte gefasst. Sie führen mich in die Fremde, in die Nachbarschaft, in mein Herz. Und sie zeigen mir, dass wir Menschen so viel mehr können, als wir tatsächlich jeden Tag zu leisten bereit sind. Das macht mir Mut, denn es zeigt mir, dass wir noch so viel mehr können. Das womöglich auch ich so viel mehr kann.

    Ich muss schmunzeln, als ich das Zitat vom Dalai Lama am Ende einer Geschichte entdecke, das besagt


    "Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist." - Seite 57


    Ich habe schon manches Mal wach gelegen, das Licht eingeschaltet und bin des nachts auf Jagd gegangen. Da ist also was Wahres dran.


    Die Geschichten sind genauso unterschiedlich kurz oder lang wie die AutorInnen verschieden sind. Die jüngste Geschichtenerzählerin hat ihre Geschichte dabei gar nicht selbst zu Papier gebracht - sie ist gerade 7 Jahre alt. Dafür hat ihre Mutter sich hingesetzt und Wort für Wort die Geschichte ihrer Tochter aufgeschrieben und anschließend erzählt sie uns die Beweggründe und das Ergebnis des Geschehens. Die Geschichten variieren auch im Erzählstil und -tempo. Was sie gemeinsam haben, ist, dass sie mich im Herzen berühren. Dass sie Mut machen. Und dass sie zeigen, dass es sich immer lohnt, sich umzusehen, kreativ zu werden und mutig zu sein.


    In einer Zeit, in der der Kontakt zu unseren Mitmenschen eingeschränkt ist, ist es umso wichtiger, einen Austausch möglich zu machen. Deshalb ist es mir auch so wichtig, von anderen zu erfahren, wie es ihnen geht. Was sie bewegt. Und wie sie damit umgehen.

    Ich habe die Geschichten gern gelesen. Alle. Manche Erzählungen haben mich auch traurig gemacht. Und doch war da am Ende die Hoffnung, ein Lichtblick, ein neuer Weg. Aus der Vielfalt der Erlebnisse und der persönlichen Krisen ist immer auch ein neuer, mutiger Weg aus der Krise heraus geboren worden.


    (K)Riesenglück - Das Mutmachbuch ist ein Buch, das mich reicher im Herzen macht. Und mir Mut macht.


    Fazit

    (K)Riesenglück - Das Mutmachbuch ist für alle, die sich gedanklich mit den Menschen, mit den AutorInnen, austauschen wollen und sich Mut machen wollen, durch ihre eigene, persönliche Krise zu gelangen. Für alle, die sich inspirieren lassen wollen und wissen möchten, dass sie nicht allein sind mit ihren Herausforderungen, ihren Ängsten und ihren Erlebnissen.


    ASIN/ISBN: B08N18R5SY

    In Die Stimme der Rache hat die Polizei es geschafft, eine junge Frau, die dem Black Rose Killer entkommen konnte, in ein Zeugenschutzprogramm aufzunehmen. Bevor diese jedoch sicher überführt werden kann, taucht der Black Rose Killer auf und entführt November McAllister erneut.

    Francis Ackerman jr. und Nadia Shirazi geraten auf der Jagd nach dem Black Rose Killer ein ums andere Mal an ihre physischen und psychischen Grenzen. So erfahre ich immer mehr über die Hintergründe der Charaktere und versuche die Beweggründe des Täters zu ergründen.

    Bei diesem Fall ist besonders, dass ich als Leser schon früh den Namen des Täters kenne. Doch die Hintergründe und wie schlussendlich alles zusammenhängen kann, was mir an Fakten "geliefert" wird, das wird erst nach und nach aufgeklärt. Der Spannungsbogen wird dadurch sehr gut gehalten und bereits nach kurzer Zeit entwickelt sich der Thriller zum Pageturner. Immer dann, wenn die Spannung mal wieder unerträglich hoch erscheint, kommt Francis Ackerman jr. - oder Franklin Stine, wie er sich jetzt nennt - mit einem lockeren Spruch um die Ecke, der für ein kurzes Durchatmen, Lachen oder Augenverdrehen sorgt. Ich fühle mich bei diesem rasanten und spannenden Thriller gut unterhalten.

    Der Fall des Black Rose Killer ist für Nadia Shirazi eine sehr persönliche Angelegenheit und so erfahre ich in diesem Band als Leser viel über die neue Partnerin von Francis Ackerman jr.

    Für Francis Ackerman jr. ist es noch ungewohnt beim FBI tätig zu sein. Die Jagd war für ihn als Serienmörder bekanntes Terrain. Doch mit dem Wechsel der Seiten ist die Jagd nun nicht mit dem Tod des Gejagten final, sondern mit einer Festnahme. Diese Herausforderung zu meistern ist neben der Jagd sein persönliches Anliegen.

    Es ist erstaunlich. Bevor ich Francis Ackerman jr. kannte, hätte ich es nie für möglich gehalten, mal einen Serienmörder - auch nicht einen ehemaligen - sympathisch finden zu können.


    Die Stimme der Rache ist nicht nur ein Seelentrip für das Ermittler-Duo der Spezialeinheit des FBI sondern auch ein knallharter Thriller, der mit brutalen Szenen aufwartet. Hier begegnen dem Leser der Charme und Witz des Protagonisten Ackerman, die kluge und vorausschauende Art der Agentin Shirazi und einen Gegner, der nicht so leicht zu kriegen ist.


    Zitat
    "Aus der Gleichung kürzen? Was soll das? Halten Sie sich für besser, als ich es bin, Ezra?" - Seite 82


    Die Sprüche sind dabei auch schon mal derb. Bei einem Serienmörder rechne ich aber auch nicht immer mit dem feinen Umgangston.

    Der Schreibstil ist klar und eingängig. Die knappen Sätze und die kurzen Kapitel machen das Lesen zu einem Vergnügen und lassen mich als Leser dazu hinreissen, immer weiter zu lesen. Die Geschichte wird von der Spannung getragen. So bin ich schnell von einem "kurzen Hineinlesen in die Geschichte" in den Modus "ich lege das Buch nicht aus der Hand, bevor ich weiß, wie die Geschichte ausgeht" gelangt.


    Fazit

    Die Stimme der Rache kann ohne Kenntnis der Shepherd-Reihe und ohne den ersten Band der Ackerman-Shirazi-Reihe gelesen werden, da der Fall abgeschlossen ist und der Leser in wohldosierten Informationen zur Person wichtige Details erfährt. Der Thriller ist nichts für schwache Nerven. Ich empfehle früh am Tag mit dem Lesen zu beginnen, wer nicht die Nacht durchmachen will. Ich selbst wollte das Buch schon bald nicht mehr aus der Hand legen.


    ASIN/ISBN: 3404183150

    Stefanie Mühlenhaupt liefert mit Bienentod einen spannenden Roman, in dem es um das Sterben der Bienen und die Auswirkungen darum geht.

    Die Protagonistin Sophie ist als Wissenschaftlerin bei dem großen Unternehmen FoodTec tätig. Dort kümmert sie sich darum, dass "ihre" Bienen am Leben bleiben damit die Menschen auch in der Zukunft über notwendige Lebensmittel verfügen können. Denn mit dem Aussterben der Bienen werden auch die Lebensmittel knapp.



    Das spüren alle Menschen, die nicht bei FoodTec angestellt ganz besonders. Denn FoodTec als Arbeitgeber kümmert sich sehr fürsorglich um seine Mitarbeiter, dass es ihnen an nichts mangelt und sie weiterhin gutsituiert für das Unternehmen die notwendigen Forschungen betreiben können.

    Vorbildlich. Das ist auch die Überzeugung von Sophie und sie ist unermüdlich für ihren Arbeitgeber und damit für die Menschheit im Einsatz, um die Bienenvölker zu erhalten und damit gegen die Lebensmittelknappheit anzukämpfen. Für dieses Ziel bricht sie mit ihrer Schwester Becca und letztendlich geht auch die Ehe mit ihrem Mann Tom in die Brüche.

    Bis zu dem Tag, an dem Sophie feststellen muss, dass FoodTec vielleicht doch nicht ihre eigenen Ideale verfolgt sondern es eher danach aussieht, dass die großen Bosse von FoodTec sich die Taschen vollstopfen, während die Menschen außerhalb des Konzerns kaum Lebensmittel erhalten. Doch an dem Tag landet sie auch schon auf der Abschussliste und es bleibt ihr keine Wahl als ihre bisherigen Ansichten über Bord zu werfen und sich in Sicherheit zu bringen.


    Die Geschichte ist spannend erzählt und das Geschehen nachvollziehbar. Der Erzählstil ist angenehm und auch die Klangfarbe der Stimme von Ornid-Paul Eftekhari gefällt mir gut. Die Betonung ist an den spannenden Stellen angepasst und lädt zum Mitfiebern ein. Einzig die Wortwahl reisst mich manches Mal aus dem Geschehen. Die Geschichte wird sehr aktiv erzählt und da mogelt sich das eine oder andere "plötzlich" dazwischen. Das nimmt mir an dem Geschehen den flüssigen Verlauf. Es geschieht ja ohnehin alles gerade in dem Augenblick, so dass die Geschichte auch ohne den zusätzlichen Hinweis prima auskommen könnte.

    Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, doch mein Herz kann ich nicht an sie hängen. Statt dass mich einer der Charaktere für sich einnimmt, hänge ich an dem Geschehen. Vielleicht ist das bei diesem Thema kaum verwunderlich, geht es schließlich um das nackte Überleben der Menschheit.


    Mir hat Bienentod ob des Erzählstils und der Thematik sehr gefallen und ich hoffe, dass es ein Unternehmen wie FoodTec niemals geben wird. Die Geschichte klingt leider zu wirklich. Gern lese oder höre ich wieder ein Buch der Autorin Stefanie Mühlenhaupt.


    Fazit

    Wer Wissenschaftsthriller mag, wird Bienentod mögen.


    ASIN/ISBN: 3968172841

    Vino Furioso ist bereits der achte Band der Reihe um den Hobby-Ermittler und Sternekoch Julius Eichendorff.


    Für mich war es der erste Band der Reihe und ich war erstaunt, dass Julius Eichendorff bereits vorher schon in anderen Fällen ermittelt hat. Erstaunt deshalb, weil ich in Nullkommanix mitten im Geschehen war.





    Julius Eichendorff ist ein sympathischer, mitten im Leben stehender Mann, der im Ort bekannt und beliebt ist. Mit seiner charmanten Art hat er mich von Anfang an für sich eingenommen. Charaktere, vor denen er gern die Flucht antritt, genieße ich lieber mit Vorsicht und werde mit überraschend fröhlichen Momenten belohnt, wenn diese aufeinander treffen.

    Da ist beispielsweise Julius Kusine Annemarie. Sicherlich ein herzensguter Mensch, aber auch sehr einnehmend und überaus mitteilsam.

    Während der Ermittlungen hatte ich jede Menge Spaß und es blieb bis zum Schluss spannend und die Stimmung weinselig und schlagermusikbehaftet. Das Mordopfer - denn ein Selbstmord konnte schnell ausgeschlossen werden - war ein berühmter Schlagersänger. Und dieser baumelt - sehr bald nach Einstieg in den Roman - erhängt an einer Autobahnbrücke.

    Zu meiner großen Freude hat Carsten Sebastian Henn selbst den Roman eingelesen und eingesungen. Denn, wenn hier schon in der Geschichte ein Schlagersänger ablebensbedingt nicht mehr zu Wort kommen kann, dann können seine Songs wenigstens mal angesungen werden.

    Die Charaktere besitzen unverwechselbare Eigenschaften und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Gern habe ich sie in der Geschichte und in der idyllischen Umgebung begleitet.

    Die bisher erschienen Fälle der Julius Eichendorff-Reihe werden nun nach und nach bei mir als Hörbücher einziehen.


    Bonus

    Für Euch die Reihenfolge der Julius Eichendorff-Reihe

    In Vino Veritas

    Nomen est omen (Aqua et vinum)

    In dubio pro vino

    Vinum mysterium

    Vino diavolo

    Carpe Vinum

    Ave Vinum

    Vino Furioso


    Fazit

    Wer nicht vor Schlagermusik zurückschreckt und im besten Fall Weinliebhaber ist, kommt bei diesem kulinarischen Krimi voll auf seine Kosten.


    ASIN/ISBN: 3740806346

    In dem Roman Die Geschichte einer unerhörten Frau erzählt Hanne Hippe die Geschichte von Gussy. Gussy heißt mit vollem Namen Augusta Fink, aber alle nennen sie Gussy oder Frau Fink. Denn sich mit Fremden oder auch nur Bekannten zu Duzen, ziemte sich nicht in den 1950er Jahren.


    Ebenso war es eine Schande, als Frau geschieden zu sein. Es gehörte sich für eine Frau verheiratet zu sein, den Haushalt mustergültig zu führen und sich um die Kinder zu kümmern. - Dabei war immens viel zu beachten und das konnte - je nach Bundesland - auch mal variieren.




    Glücklicherweise führte Gussy eine mustergültige Ehe und war ihrem Hermann die perfekte Ehefrau. - Bis zu dem Tag, an dem Gussy feststellen musste, dass Hermann nicht der Vorzeigeehemann war und stattdessen Geld verprasst hatte, dass ihm weder gehörte, noch dass er es aus edlem Grund genommen hatte. Da war für Gussy Schluss und sie reichte die Scheidung ein.


    Beim Lesen der Geschichte erfahre ich, wie es sich anfühlen musste in den Jahren 1945 bis 1965 in Deutschland. als geschiedene Frau mit zwei kleinen Kindern zu leben. Die Herausforderung eigenes Geld zu verdienen, Verträge zu schließen und nicht alles über den Namen des Mannes abwickeln zu können - was ja üblich und damit sozusagen Gesetz war. Die Barrieren waren unverrückbar da und mussten gemeistert werden.

    Zitat
    "Wir werden uns rächen, Mutti. Das machen sie bei Karl May auch", sagte Eva. - Seite 338

    Erniedrigende Worte aus der Nachbarschaft, Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand und Missgunst und Neid aus den eigenen Reihen sorgten für eine zusätzliche Belastung und jeder hätte es gern gesehen, wie das Vorhaben zum Scheitern verurteilt war. - Weil es sich einfach nicht gehörte.

    Hanne Hippe trifft bei der Erzählung einen Ton, der nichts in der Zeit beschönigt und mich trotz aller Härte der geschilderten Erlebnisse auch Schmunzeln lässt.

    Gussy habe ich gleich in mein Herz geschlossen. Sie hat ein offenes Herz und einen Sinn für Recht und Ordnung, der nichts mit der nach außen getragenen Ordnung der Menschen im Ort zu tun hat. Richtig und falsch unterscheidet sie zielgerichtet und lebt nach ihrer Überzeugung, auch wenn es der Familie und den Nachbarn nicht in den Kram passt. Das mag ich so an ihr.

    Die weiteren Charaktere sind ebenso ausdrucksstark und haben hohen Wiedererkennungswert durch ihre unverrückbaren Eigenschaften. So verzeihe ich es gern, wenn ich - trotz Zeitangaben in den Überschriften - manchesmal erst überlegen muss, in welcher Zeit der Geschichte wir uns gerade befinden. Die Geschichte von Gussy berichtet nicht nur von ihrer Zeit nach der Trennung von ihrem Mann, sondern auch von der Flucht nach dem Krieg, die sich trotzdem nicht nach Frieden anfühlt.

    Der Verlauf der Schulzeit ihrer Tochter Eva ist manchesmal für mich zeitlich nicht klar einzuordnen und doch sind diese Momente immer spannend und unterhaltsam und so toll erzählt, dass ich mir bald darauf keine Gedanken mehr darüber mache. - An dem Geschehen kann ich es dann ohnehin schnell festmachen.


    Die Geschichte einer unerhörten Frau zeigt deutlich, wie lange es in unserer Gesellschaft dauert, bis sich Neuerungen, wie etwa als Frau geschieden und womöglich alleinerziehend zu sein oder auch ein neues Kleidungsstück oder eine moderne Frisur zu tragen, durchsetzen können.

    Wie ich sehe, kann mit Selbstbewusstsein, Durchsetzungskraft und Charme eine Frau durchaus ihren Mann stehen. - Auch heute noch.


    ASIN/ISBN: 3442315638

    Buchwächter - Das Buch der Phantasien

    Band 1

    Jugendbuch

    Hörbuch Manufaktur Berlin

    Autor: Andras Hagemann

    Sprecher: Martin Kuupka

    Spieldauer: ca. 466 Minuten

    ISBN 13: 4251703581914


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    Finn ist 9 Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seinen Geschwistern auf deren bescheidenen Bauernhof. Dank seiner aufgeweckten und klugen Art darf er die Schule im Ort besuchen, obwohl auf dem elterlichen Bauernhof stets jede Hand gebraucht wird. Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert und nicht jedem ist eine Schul- oder gar Ausbildung vergönnt.





    In der Schule fällt Finn das Lernen leicht. Die Herausforderung für ihn sind die Pausen. Denn in den Pausen und nach Schulschluss ist er der Willkür einer Gruppe Rowdies ausgesetzt, gegen die er sich nur zu gern selbst behaupten würde.

    Als sie es wieder einmal auf ihn abgesehen haben, flüchtet Finn sich in Arthurs Buchladen.


    Die Ruhe, die der Buchladen ausstrahlt und das Gefühl von Wärme bei Arthur ist für mich beim Hören der Geschichte spürbar. Martin Kuupa verleiht Finn und den weiteren Charakteren eine einzigartige Stimme und gibt zudem die sprachlichen Eigenschaften der Charaktere wieder. So erkennt man diese nicht nur am Klang, sondern auch an ihren sprachlichen Besonderheiten wie Aussprache und Dialekt. Das macht das Buch zu einem echten Hörvergnügen.

    Die Geschichte weist ein paar Ähnlichkeiten zu "Die Unendliche Geschichte" auf. Ein Schuljunge wird gemobbt, entdeckt die Welt der Bücher, gelangt in eine Phantasiewelt und es gilt, die Phantasien zu retten. Wer sich an diesen Ähnlichkeiten nicht aufhält, wird mit Buchwächter - Das Buch der Phantasien mit einer spannenden und gleichsam amüsanten Geschichte belohnt, in der wir gemeinsam mit Finn echte Abenteuer bestehen. Jedenfalls sind sie für Finn echt. Denn - alles, was in der Phantasiewelt geschieht - gilt auch für die normale, für unsere Welt.

    Und so zieht der Zauber der Buchwelten und Buchwächter nicht nur in Finns Welt ein, sondern auch in meine Gedankenwelt. Beim Hören fällt mir auf, wie lange ich beispielsweise Pinocchio nicht mehr gelesen habe und ich bekomme das dringende Bedürfnis, all die wunderbaren Geschichten wieder zu lesen, die ich als Kind schon geliebt habe und die Phantasien zu retten.

    Die Spannung wird über die Geschichte gehalten und findet zum Ende ihren Höhepunkt in einem spektakulären Ereignis. Finn durchlebt in diesem ersten Band einen erstaunlichen Reifeprozess. Die Entwicklung geht mir beinahe ein bisschen zu schnell und ich bin gespannt, was er alles noch in den Folgebänden erleben und wie er sich weiterentwickeln wird. Für seine 9 Jahre erscheint er mir manches Mal ein wenig zu klug und zu vernünftig. Durch die Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof, auf dem er eigenen Pflichten nachzukommen hat, nehme ich es gern mit einem Augenzwinkern an.

    Beim Hören von Buchwächter - Das Buch der Phantasien hatte ich sehr viel Spaß und ich bin total neugierig auf den zweiten Band. Wer sich für das Buch entscheidet, kommt in den Genuss von tollen Zeichnungen, die der Autor selbst angefertigt hat. Wer sich für das Hörbuch entscheidet, darf seiner Phantasie freien Lauf lassen und die Bilder vor seinem geistigen Auge entstehen lassen. Bei einem bin ich mir jedoch sicher: es wird bestimmt wieder ein spannendes Abenteuer, dass mich zum Staunen, Mitfiebern und Lachen bringt.

    Nähere Einzelheiten zu den Büchern und zur Bestellung erfahrt Ihr auf der Seite des Autors Andreas Hagemann.

    Der Fall Alice im Wunderland handelt von einer auf Tatsachen beruhenden Geschichte mit einer fiktiven Bruderschaft und fiktiven Personen. Guillermo Martinez hat hier die Tatsache, dass 1994 eine zuvor verschollene Seite aus den Notizen von Lewis Carroll auftauchte zum Anlass der Geschichte genommen und - angelehnt an seine Person - sich selbst als Logik-Student und Doktorand in die Geschichte geschrieben.

    Die Handlung in Der Fall Alice im Wunderland spielt zur Zeit des Fundes jener Original-Seite, im Jahr 1994, in Oxford. Guillermo Martinez hatte in Oxford Mathematik studiert und daher fiel es ihm leicht, die Begebenheiten der Geschichte dorthin zu verlegen, zumal Lewis Carroll dort seinerzeit selbst studierte. In Oxford war Lewis Caroll besser unter seinem Namen Charles Lutwidge Dodgson bekannt.

    Somit schreibt diese Geschichte ein Mathematiker und Schriftsteller (Guillermo Martinez) über einen Mathematiker und Schriftsteller (Lewis Carroll).


    In der Geschichte begegne ich unterschiedlichen Charakteren. Faszinierend an ihnen ist, dass sie alle ein öffentliches als auch ein privates, geheimes Leben haben. Über die junge Studentin Kristen Hill, der es gelungen ist eine bis dahin verschollene Seite aus den Aufzeichnungen von Lewis Carroll zu entdecken und als echtes Fundstück, das neue Erkenntnisse über den Schriftsteller ans Tageslicht bringen soll, lerne ich die Lewis-Carroll-Bruderschaft und peu á peu deren Mitglieder kennen.


    Doch bevor sie das wertvolle Schriftstück den Mitgliedern in einer extra dafür einberufenen Sitzung zeigen und erläutern kann, wird sie von einem Auto erfasst und schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert.

    Arthur Seldom, Mitglied der Lewis-Carroll-Bruderschaft, ist beunruhigt. Er stellt sich die Frage, ob es sich tatsächlich um einen Unfall handelte oder ob gar eine böse Absicht dahinter steckte und Kristen womöglich ihr Leben lassen sollte. In seine Überlegungen bezieht er seinen jungen aufmerksamen Doktoranden mit ein und sorgt dafür, dass Kristen im Krankenhaus polizeilichen Schutz erhält.

    Dem wissenschaftlichen Detektiv Seldom wird während seiner eigenen Ermittlungen bewusst, dass Ereignisse durch Vermutungen verändert werden. Wem darf er vertrauen?

    Der argentinische Doktorand an seiner Seite ist seine Verbindung zu Kristen. So hofft er jedenfalls, dass - sobald Kristen sich wieder an alles vor dem Unfall erinnern kann - diese genug Vertrauen zu diesem haben werde. Eine Anziehung zwischen den beiden etwa Gleichaltrigen ist jedenfalls spürbar.

    Während Kristen noch im Krankenhaus liegt und sich von den Folgen des Unfalls erholt, geschieht allerdings ein Mord. Somit gilt für Seldom die Vermutung als bestätigt: es handelte sich im Fall von Kristen nicht um einen Unfall. Das argentinische - eher ironisch gemeinte - Sprichwort "Wenn sie die Polizei rufen, wird es ein Verbrechen geben" scheint damit erfüllt zu sein.


    So gibt die Geschichte zwei Rätsel auf. Zum einen gilt es die Morde aufzuklären und die polizeilichen Ermittlungen zu begleiten. Zum anderen gibt es die literarischen Ermittlungen um die fehlenden Tagebucheinträge von Lewis Carroll.

    Und so werde ich in die Ermittlungen mit einbezogen. Was war Lewis Carroll für ein Mensch? Was hat es mit den fehlenden Notizen auf sich? Und hat sich Lewis Carroll schuldig gemacht im Sinne der damaligen Gesetzgebung oder der heutigen?

    In dem Magazin La Nacion sagte Guillermo Martinez in einem Interview am 3. März 2019



    "Es gibt Theorien, die nicht wegen ihres Grades an Wahrheit geglaubt werden, sondern weil es eine Genugtuung ist, ihnen zu glauben. Oder weil es attraktiver oder faszinierender ist."


    Die Ermittlungen und einzelnen Aufklärungspuzzlestücke sind wohldosiert und mit Spannung verfolge ich, wie sich schlussendlich der Fall aufklärt. Ich bin überrascht und gleichzeitig fasziniert von der logischen Aufklärung dieser klug inszenierten Geschichte.

    Überraschend für mich ist auch der Erzählstil. Die Geschichte wird very british erzählt und zudem eher antiquiert, als spiele die Handlung zur Zeit von Lewis Carroll und nicht etwa im Jahr 1994. Dann wiederum ist von E-Mails und einem Mobiltelefon die Rede. Das war mir - angelehnt an den Erzählstil - schon zu modern.

    Die Übersetzung von Angelica Ammar jedenfalls ist gelungen. Im Verlauf der Geschichte Der Fall Alice im Wunderland konnte ich keinerlei Ungereimtheiten feststellen. Die Worte und Ausdrucksweisen waren perfekt gewählt.

    Die Stimme des Sprechers Sascha Tschorn konnte mich ebenfalls überzeugen. Die unterschiedliche Betonung bei den verschiedenen Charakteren kam sehr gut zur Geltung und ich konnte sie mir in ihren Gebärden und ihrer Körpersprache und Mimik gut vorstellen. - Auch, wenn es in der Geschichte Szenen gab, die ich mir lieber nicht so bildlich vor Augen geführt hätte.


    Fazit

    Diese Geschichte ist für alle, die Spaß am Mitermitteln haben und die auch vor gemutmaßten unliebsamen Hintergründen zur Person des Schriftstellers nicht zurückschrecken.


    ASIN/ISBN: 978-3847900467

    Im Wald ist der achte Band der Krimi-Reihe um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Sander, ehemals Kirchhoff.

    Die Krimi-Reihe spielt im Taunus und der achte Band handelt von den Bewohnern des kleinen Ortes Ruppertshain und dem nahegelegenen Wald. Die Protagonisten durchlaufen in den Bänden eine eigene Entwicklung, die für sich schon spannend erscheint. Im Wald ist für mich das erste Lesevergnügen der Reihe und ich bin sehr von der Entwicklung innerhalb des Romans als auch der verschiedenen Charaktere angetan. Durch gezielte Rückblenden ist das leicht nachzuvollziehen.




    Oliver von Bodenstein wird mit einem Erlebnis aus seiner Kindheit konfrontiert. Nachdem eines Nachts ein Wohnwagen in Flammen aufgeht, in dem ein Mann ums Leben gekommen ist und kurze Zeit später eine alte Frau im Hospiz ermordet wird, deuten die Spuren auf einen Fall von vor vierzig Jahren hin. Damals verschwand ein Junge spurlos. Und mit ihm ein zahmer Fuchs. Beide waren treue Wegbegleiter von Oliver von Bodenstein - bis zu diesem Tag im Sommer 1972.

    Der Schreibstil ist klug und gewitzt. Bereits nach kurzer Zeit mag ich das Buch schon nicht mehr aus der Hand legen.


    "Tempora mutantur, nos et mutamur in illis." ... "Oder auf Hessisch: Lebbe geht weiter!" - Seite 104


    Mir gefällt, dass in der Geschichte auch mal mit Dialekt gesprochen wird. Diese Stellen im Buch lese ich gern laut, um noch mehr ein Gespür dafür zu bekommen. Mit der Aussprache geht auch ein gewisses Gefühl an Mentalität einher. Das ist spannend zu erfahren.

    In der Geschichte gibt es eine Vielzahl an Charakteren und ich muss konzentriert lesen, um bei den Freundschafts- und Verwandtschaftsverhältnissen innerhalb des Ortes auf dem Laufenden zu bleiben. Schließlich geht es hier um rund 40 Jahre Dorfgeschichte die erzählt werden will.

    Ich könnte es mir einfach machen und in dem der Geschichte vorangestellten Namensverzeichnis nachsehen, doch ich merke mir die Namen und die Beziehungen der Charaktere zueinander lieber.

    Und so lerne ich nach und nach die Dorfbewohner kennen und mag mir gar nicht vorstellen, dass unter ihnen ein Mörder weilen sollte. Mit dem Fortgang der Geschichte und der Ermittlungen wird das Netz immer enger um eine Handvoll Personen geschnürt und findet zuletzt ihren Höhepunkt. Ich bin begeistert, wie so viel Spannung in dem 560 Seiten starken Buch gehalten und schlussendlich sogar gesteigert werden kann.

    Realistisch wirkt die Geschichte vor allem durch zeitgeschichtliche Gegebenheiten wie beispielsweise der Verkehr zur Frankfurter Buchmesse oder ein eingewobenes geschichtliches Ereignis wie die Festnahme der Terroristin Ulrike Meinhof. Das rundet das Geschehen im Buch ab und macht den Fall lebensnah.

    Ich hatte viel Spaß beim Lesen der Geschichte und beim Miträtseln, wer hier der Täter sein könnte. Nele Neuhaus hat mit Im Wald einen Leser ihrer Geschichten mehr. Die vorangegangenen Werke dieser Krimi-Reihe liegen bereits hier bzw. sind gerade noch auf dem Weg zu mir.


    Fazit

    Im Wald ist für alle, die komplexe und realistisch gestaltete Kriminalromane mögen. Nele Neuhaus ist Autorin und Kriminalhauptkommissarin ehrenhalber. Ich würde sagen, das merkt man dem Geschehen in der Geschichte an.

    Danke für die Rezi. Das Buch ist schon eine Weile auf meinem Wuzel - werde es mir mit Sicherheit holen.

    Eine tolle Reihe ist auch "Quendel" von Caroline Ronnefeldt.

    Vielen Dank für den Tipp. Dann schaue ich mir die Reihe mal an.
    Vielleicht sehe ich ja demnächst deine Rezi hier über Gnorl.

    Lustig, das Buch war am Wochenende gerade bei uns in der Tageszeitung auf der Kinderseite. Da stellen sie oft Kinderbücher vor. Wir haben es uns mal gemerkt.

    Das ist ja echt witzig. Ich hatte total viel Spaß beim Lesen. Viel Freude, falls Ihr Euch dafür entscheidet.

    Gnorl

    Jugendbuch

    Planet! - Thienemann-Esslinger Verlag

    Autor: Florian Fuchs

    ISBN 978-3-522-50682-3

    338 Seiten


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    So gern wäre Jonas in diesem Sommer mit seinem Freund und dessen Eltern nach Mallorca gereist. Stattdessen stehen ihm nun Ferien auf dem Bauernhof bevor. Im Schwarzwald. Mit seinen Eltern.

    Freude sieht anders aus. Doch nachdem er sich nach stundenlanger Fahrt aus dem Auto gequält und den Ausblick gesehen hat, könnte er sich vorstellen, dass die Ferien vielleicht doch noch cool werden. Zwei Kinder in seinem Alter soll es auf dem Hof der Gastfamilie Bommele auch geben.




    Anna und Benjamin heißen die Beiden und schon nach kurzer Zeit raufen sich die Drei zusammen und legen sich gemeinschaftlich auf die Lauer. Jonas hatte Abends eine Gestalt aus dem Schuppen entwischen sehen und nun sind die Drei neugierig, um was für ein Geschöpf es sich handelt.

    Nach kurzer Verfolgungsjagd entdecken sie einen kleinen Felsspalt. Wohin mag die verborgene Treppe führen? Ein paar Stufen später stecken sie in einem unterirdischen Labyrinth und einem Abenteuer voll Magie, Kobolden und allerlei unbekannten Kreaturen und begegnen alten Geheimnissen und tiefer Freundschaft.

    Gut, dass sie zuerst dem Kobold Gnorl begegnen. Denn nicht jeder Kobold hat gute Absichten mit den Eindringlingen aus der Oberwelt.


    Ich bin ganz verliebt in die Geschichte. Im ersten Moment dachte ich noch, dass das Buch ganz schön viele Seiten für ein Kinderbuch hat, doch die Geschichte ist ruckzuck gelesen. Wenn ich das Buch zur Seite legen musste, dann habe ich mich unbändig darauf gefreut, später weiterlesen zu können um zu erfahren, wie es den Dreien in der Unterwelt ergeht und was sie für Abenteuer bestehen.

    Unter Tage gibt es Orte wie beispielsweise das Finsterloch und das Theater der vielen Beine. Ich möchte es selbst erleben obwohl ich - ob der Gefahren die dort lauern - froh bin, dass ich in meinem sicheren Zuhause die Geschichte erlebe. Jonas, Anna und Benni müssen ganz schön viel Mut aufbringen, um ihre Abenteuer zu bestehen. Dabei mutieren sie aber nicht zu Superhelden, sondern jeder bleibt mit seinen Eigenschaften in seiner Rolle. Sie bleiben stets in ihren Handlungen und Aussagen authentisch. - Genauso ist es mit Gnorl und den anderen Kobolden. Ob Sympathieträger oder nicht, jeder bleibt seinem Naturell treu.

    Ich hoffe, ich kann bald mehr um die Abenteuer in der Unterwelt und Gnorl lesen. Wenn Schlafmaden, Asselschrecken und Hexenwühlen sich im Labyrinth neu sortieren müssen.


    Fazit

    Ein magisches Abenteuer rund um die Welt der Kobolde, schrecklicher Machtausnutzer und wahrer Freundschaft.


    ASIN/ISBN: 3522506820

    Perfektes Spiel mit der Angst

    In dem neuen Thriller Der Fahrer gelingt Andreas Winkelmann das perfekte Spiel mit der Angst. - Vielleicht lag es ja daran, dass ich mich gerade auf der Fahrt nach Hamburg befand, als ich mit dem Hörbuch begann. Eine junge Frau war in der Geschichte mit dem Auto in Hamburg unterwegs. Welcher Stadtteil war das gerade nochmal? Wo befand ich mich gerade? Es war schon ein sehr eigentümliches Gefühl, das mich beschlich, als ich so durch Hamburgs Straßen fuhr und der Geschichte lauschte. Wenn mich jetzt bloß keine Streife anhielt.




    Mittlerweile bin ich gut aus Hamburg zurück. Das Erlebnis, das Hörbuch auf der Fahrt hin und zurück und vor Ort zu hören, war jedenfalls atemberaubend.


    Zum Hörbuch

    Der Fahrer ist bereits der dritte Fall von Kommissar Jens Kerner und seiner Kollegin Rebecca "Becca" Oswald. Mit den beiden Ermittlern hat Andreas Winkelmann ein tolles Duo geschaffen. Sie wirken lebensecht und authentisch. Becca ist an den Rollstuhl gefesselt und lässt sich davon möglichst wenig beeindrucken. Jens Kerner ist ihr Vorgesetzter und Kollege und hilft Becca - wenn es aufgrund ihrer Einschränkung notwendig ist. Dabei geschieht diese Unterstützung sehr natürlich und wirkt eher vertraut. Die beiden scheinen ein eingespieltes Team zu sein.

    Für mich war Der Fahrer das erste Buch von Andreas Winkelmann, so dass ich auch die beiden Vorgängerromane um das Team Kerner/Oswald nicht kenne. Wenn ich die beiden in der Story erlebe, dann wirken sie auf mich, als hätten sie bereits einiges gemeinsam erlebt.

    Becca hat für Jens eine Geburtstagsparty geplant. Als Jens dem Trubel entflieht, stolpert er direkt in einen neuen Fall. Eine junge Frau wurde entführt. Das Foto der entführten Frau wurde vom Täter bei Instagram unter dem Hashtag findemich veröffentlicht. Die Zeit, die den Ermittlern bleibt, ist begrenzt. Der Täter scheint sie verhöhnen zu wollen und spricht "von einem leuchtenden Beispiel polizeilicher Inkompetenz", falls sie es in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen, das Opfer zu finden.

    Der Thriller nimmt dadurch rasant an Spannung zu und sozusagen "an Fahrt auf" - doch ich kann nicht schneller hören. Der Sprecher behält sein Tempo bei und ich werde mich gedulden müssen, ob Jens, Becca und ihre Kollegen das Opfer rechtzeitig befreien können.

    Mir war der Thriller beinahe schon zu spannend. Durch die Aktualität der Geschichte und dem realitätsnahen Verhalten von Personen in den Sozialen Medien, sah ich viele Berührungspunkte. Denn das Verhalten in den sozialen Medien findet - genauso wie der Fahrdienst MyDriver - in diesem Thriller Raum. Dadurch wirkt die Story so real, dass hier tatsächlich ein perfektes Spiel mit der eigenen Angst getrieben wird.

    Und das ist genau das, woran Andreas Winkelmann gelegen ist, wenn er in seinem stillen Kämmerlein sitzt und an einem neuen Thriller schreibt.

    Andreas Winkelmann habe ich auf einer Lesung kennengelernt. An jenem Abend stellte er seinen Thriller Das Fundstück vor, das er unter seinem Pseudonym Frank Kodiak herausgegeben hat. Den Artikel über die Lesung findest du hier.


    Fazit

    Der Fahrer ist für alle, die rasante und realitätsnahe Thriller mögen.


    ASIN/ISBN: ASIN B088NVW8L4