Beiträge von Medea19

    Ich bin überrascht, dass Ehlers bei BoD veröffentlicht. Das ehrt ihn, denn Kritikasterdeppen qualifizieren das von vorneherein ab. Scheint ihm egal zu sein: Kompliment! Es geht ihm offenbar einfach um die Geschichte, und diese kann deshalb wahrscheinlich so schlecht nicht sein. Ehlers hat offenbar keinen gutbürgerlichen Verlag gefunden – ungewöhnlich für einen bekannten Autoren, denn das ist er. Deutet eindrucksvoll in die Situation der Verlage. Ich habe etwa 2000 Exemplare meines letzten Krimis verkauft. Dem mittelständischen, altehrwürdigen Verlag war das zu wenig, so dass sie den zweiten Teil nicht veröffentlichen wollten, obwohl er besser ist als Teil 1, und als Fortsetzung quasi eine „sichere Bank“ wäre. Sic transit gloria mundi ...

    "Jackie Brown"


    Auf Youtube zufällig entdeckt. Da klingelte doch was?!

    Quentin Tarantino verfilmte einen Roman von Elmore Leonard. Interessant ist, dass Tarantino die weibliche weiße Protagonistin in Leonards Vorlage extra umschrieb für Pam Grier. Als er das Script Leonard zeigte, war der begeistert.

    Kommt unaufgeregt daher. Ich finde, einer der schönsten Tarantinofilme überhaupt, mit einem starken 70er und 80er Jahre-Soundtrack, einer überragenden Pam Grier, viel Wortwitz und pointierten Dialogen, die bei Leonard oft lang sind und dann zuweilen urplötzlich in Gewalt münden, was in einem Falle hier zu einem Mord aus völlig absurder Motivation heraus führt, so wie es in reality immer mal wieder geschieht.

    Tarantino meinte mal, er hätte die Kunst des Dialogschreibens von Leonard gelernt.

    Und wie immer bei Elmore Leonard finden wir hier Figuren vom Leben gestutzt und gebeutelt.

    Hat das Zeug zu einem Klassiker.

    „Beide, das ist das Entscheidende, kamen aus unzugänglichen Regionen, aus irgendeinem »Jenseits«. Der eine aus jener Sphäre letzter Spiritualität, wo die Kulturen dreier Jahrtausende und zweier Erdteile ihr Symposion halten - der andere aus einem Dschungel weit unterhalb der Lotung letzter Schundliteratur, aus einer Unterwelt, wo dem zusammengebrauten Muff von Kleinbürgerhinterzimmern, Obdachlosenasylen, Kasemenaborten und Hinrichtungshöfen Dämonen entsteigen.“


    Was für ein Satz! (über Rathenau und Hitler in "Geschichte eines Deutschen")

    Haffner war wirklich brillant. Dass er auch einen Roman geschrieben hat, wusste ich nicht. Werde das Buch auf jeden Fall lesen.

    Ich fand ihn zu sehr auf das Thema hingeschrieben. Das Thema ist wichtig, aber das macht es ja nicht automatisch zu einem Text, den man aus literarischen Gründen würdigen muss.


    Das war generell so eine Sache dieses Jahr. Wir haben zwei Nazi-Texte, wobei ich vor allem Natascha Gangl die Kunstfertigkeit des Textes nicht absprechen möchte, aber das gibt diesen Texten immer automatisch einen Vorteil, den sich die Autorin selbst ja nicht wirklich verdient hat.

    Ich finde, dass es keinesfalls ein Vorteil für Gangl war, dieses Thema zu nutzen. Man kommt an der entscheidenden Bestialität des 20. Jhdts. kaum vorbei, wenn man im deutschsprachigem Raum

    agiert. Es ist hingegen eher ein Nachteil, das zum 1000. Male repetieren zu müssen.

    Wir können da aber ewig diskutieren. Die Grundthemen solch großer Veranstaltungen bleiben freilich die gleichen - wie eben schon in der Antike: wie uns z.B. auch Shakespeare zeigt, also einer der bestem postmodernen Autoren :lache

    Mich hätte jetzt ein Text vom Hocker gerissen, in dem wirklich etwas erzählt wird, gern auch konventionell ;. Denn wie sagt Altmeister Schopenhauer. " dass man etwas zu sagen habe: o, damit kommt man weit!"

    Aber das kann ja noch werden. Auf jeden Fall fand ich die Veranstaltung sehr schön und gelungen. Ich habe mich in der Atmo richtig wohl gefühlt. Schön, dass es das noch gibt. :) Grüße

    Du meinst Sophie Sumburane?


    Diese Autorenvideos sind vieles und nicht immer gelungen, aber unfreiwillig sind sie nicht.

    Yep, meinte ich, und ich meinte unfreiwillig komisch :-

    Bin aber beeindruckt, positiv, wohlgemerkt, wie zivilisiert es geworden ist. Hatte es viele Jahre nicht mehr verfolgt. Man googele mal Fausers Auftritt und Ranickis Reaktion ...

    Ich denke, ausgerechnet in diesem - sagen wir mal zeitlosen ;) - Bereich sind wir ein Stück vorangekommen.

    Sie hat gewonnen, und sie hat es auch verdient. Interessanter Text – jenseits üblicher Muster, um der Ungeheuerlichkeit des Themas Herr zu werden. Eigentlich, so sollte man denken, ist aus dem myriadenfach variierten, nahezu ausgewälzten, aber ungeheuer wichtigen Thema nicht mehr viel rauszuholen. Sie aber hat es geschafft: mit Sprachspielen, fein eingestellter Optik und scharf gestellten semantischen Linsen. Starker Vortrag! Sie kann in jedem Vertriebsbüro sofort anfangen, und das ist ein Kompliment! :-)))

    Unfreiwillige Brecher der Veranstaltung war die Einführung der Autorin "... „Wie heißt sie noch? Simbo …Simoo --- Simba...?“ :-)))))))))

    Peinlicher geht’s nicht, und sie hat dann tatsächlich auch alles dafür getan, dass dieser Eindruck nicht verloren geht.:-)) Als der Kameramann sie nach einiger Suche direkt vor der Wohnsilofront in Potsdam posieren lässt herrlich! Als sei dies ein prototypischer Ost-Ort, wiewohl es im Westen nicht anders aussieht, was einst schon Burgess inspirierte zu: „Clockwork Orange“ ....



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