Beiträge von Brigitte Riebe

    Ja, es gibt bald Hörbücher und zwar von ALLEN historischen Romanen (ausgenommen "Schwarze Frau vom Nil", was das bei Droemer erschienen ist, und ISIS (Existiert schon, grandios gelesen von Doris Kunstmann, aber leider nur noch antiquarisch - ein Genuss!).
    Der Hörbuch Verlag "Sprechende Bücher" startet im Herbst mit "Auge des Mondes" - und dann folgt jedes Halbjahr ein weiteres.
    Freue mich total darauf!


    "Die Sünderin von Siena" spielt im Jahr 1368, wo im Spätsommer eine Revolte (historisch verbürgt) die Stadt erschütterte. Allerdings hab ich mir erlaubt, diesen Aufstand ein paar Tage vorzuverlegen, an den Tag des Palio, der damals als "palio lungo" durch die ganze Stadt führte (anstatt wie heute nur auf dem campo). Meine Hauptfigur ist Gemma, die ihrem Mann entflohen ist (mit gutem Grund), im Dom eine mysteriöse Witwe kennen lernt, die ein kleines Waisenhaus führt, und Modell für den Maler Matteo Minucci steht, der mehrere Madonnneporträts malt.
    Dann werden zwei der Waisen ermordet.
    Gemma wird verdächtigt, verhaftet, eingesperrt.
    Wer ist dafür verantwortlich? Drei einflussreiche Büger der Stadt, die offenbar ein schcmutziges Geheimnis miteinander verbindet? Die Waisenmutter selber, die niemals über ihre Vergangenheit spricht? Gemmas Vater, der reiche Salzhändler, der mehr Interesse für das Waisenhaus zeigt, als eigentlich notwendig?


    Ihre Situation scheint ausweglos, bis ein verblüffendes Geständnis im letzten Moment Rettung verspricht ...


    Man muss den Roman bis zur allerletzten Seite lesen, denn erst dort steht die Auflösung.
    Und hier zum Reinschmecken der allererste Satz:
    "Wenn du dieses Haus verlässt, bist du tot ..."

    Kann sein, dass es den "Lozano" nur in Spanien gibt - ist aber auf Deutsch erschienen. Ihr könntet eines der vielen "Jakobsweg"-Forne im Internet anklicken und schauen, ob ihr ihn da findet, denn der Führer ist wirklich ausgezeichnet!
    Ma tollsten als Einstimmung auf das Thema ist natürlich Cees Noteboom: Mein Umweg nach Santiago - superbuch!
    Schlicht, abers ehr authentisch fand ich auch noch: Klaus Herbers: Der Jakobsweg - mit einem mittelalterlichen Pilgerführer unterwegs nach Santiago de Compostela.


    Schrecklich - selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt bei euch mache - fand ICH dagegen:
    Paul Coelho: Auf dem Jakobsweg (reine Eso-Sch ...) und fast ebenso schlimm Shirley MacLaine: Der Jakobsweg (eitel und hohl - das einziige Buch übrigens, dem ich jemals bei amazon eine schlechte Bewertung gegeben habe - und viele, viele haben sich dem angeschlossen).


    Es gibt jede Mnege wunderschöner Bildbände zu dem Thema - also vielleicht einfach mal in eine große Buchhandlung gehen und hemmungslos stöbern ...


    Ja, und hier noch meine Katharerempfehlung - schaffe es jetzt leider doch nicht, ausführlicher dazu zu schreiben, weil die letzten Romanseiten ungeduldig meiner harren:
    Malcom Lambert: Geschichte der Katharer - Aufstieg und Fall der großen Ketzerbwegung - sehr klar und übersichtlich.


    Ja, ich war dreimal auf dem Jakobsweg, einmal bereits vor 30 Jahren, eher zufällig, da bin ich nur ein kleines Stück gepilgert, bevor die Hochsommerhitze mich zum Umkehren gezwungen hat.
    Danach später noch zweimal, habe von den 750 km circa 400 erwandert, also nicht alles, ledier aus Zeitgründen, aber doch immerhin genug, um zu wissen, wie sich Blasen anfühlen und schwere Beine ...
    Beim dritten Mal hatte ich danach einen schweren Autounfall: Zentralverriegelung ging nicht auf, Auto begann zu brennen und hätte uns Jakobus nicht zufällig einen Bus m. tapferen spanischen Geologen hinterher geschickt, die mit ihren Hämmern die Scheibe eingeschlagen haben, ich könnte heute vielleicht nicht mehr so nett mit euch plaudern.


    "Der Weg verbrennt nicht nur die Füße, sondern auch das Herz ..."
    Und manchmal vielleicht sogar Autos ...


    Seitdem halte ich persönliches JEDES Wunder auf der "Straße der Sterne" für möglich ....

    Na ja, ganz so glücklich war das Ende ja eigentlich dann doch nicht. Estrella ist tot, Blanca/Rena lebt nicht mehr, und die anderen müssen versuchen, einen neuen Lebensentwurf hinzulegen ...
    Aber nach den langen Entbehrungen und Sorgen hatten einige der Figuren, wie ich fand, doch etwas Schönes verdient ...


    Wenn du es lieber aktionsreicher und "offener" magst, kann ich dir den Nachfolger "Die sieben Mondes "des Jakobus" sehr ans Herz legen. Da muss die sympatischste männliche Hauptfigur nämlich Verzicht üben ...

    Endura war eine Art "Probezeit" mit anschließender Feuertaufe eben. Die Reinen lehnten die Wassertaufe (erst recht bei Kindern) ab und lebten stattdessen die "Feuertaufe" - eine Art Eindringen des Heikligen Geistes, die nur bei Erwachsenen nach zuvor statt gefundener Prüfung gewährt wurde.


    Natürlich können Blanca und Diego nicht heiraten, sie sind ja Bruder und Schwester, aber in seinem verrückten Hirn malt Diego sich genau das aus ...
    Er will sie haben und halten, mit aller Macht, aber wir wissen ja:
    "Liebe ist ein Kind der Freiheit ..."


    Wenn Ihr Lust habt, kann ich morgen gern noch mehr zu den Katharern sagen, denn es gibt kaum eine Sekte, über die so viel Missinfo im Umlauf ist. Lange dachte man, sie wären ganz besonders frauenfreundlich gewesen (siehe auch mein Nachwort!). Dabei haben einfach ein paar Historiker am Anfang des letzten Jahrhunderts falsch abgeschrieben und aus lateinischen Endungen mit _i (männlich) versehentlich -ae (weiblich gemacht). So dachte man lange Zeit, dieser "Glauben" seit sehr frauenfreundlich gewesen und Frauen hätten hohe Postionen erklimmen können.
    Denkste!
    Dies in der Geschichte von Blanca und Diego zu widerlegen, hat mir ganz besonderen Spaß gemacht ...

    Die Inquisition ist eine heikle Sache da sie - meistens von den Dominikanern durchgeführt (Im Volksmund "domini cani" = Die Hunde des Herrn verballhornt) lokal sehr unterschiedlich war. Wir glauben immer, in Spanien sei sie besonders hart gewesen, das stimmt nur bedingt, vor allem wenn man die späteren Hexenprozesse der Frühen Neuzeit (gehören ja dahin und nicht, wie fälschlicherweise oft geschildert, ins Mittelalter!) betrachtet. So wenige Hexen wie in Spanien und Portugal wurden nirgendwo in ganz Europa verbrannt. Grund war die starke Zentralmacht, die damals bereits existierte, und die keinerlei Interesse daran hatte, wertvolles Menschenmaterial sinnlos zu opfern ... (waren ja auch in den aufkommenden Zucht- und Arbeitshäusern bestens zu verwerten!).
    Aber das ist eine ganze andere Geschichte. Vielleicht mögt ihr mit mir ja mal "Die Hüterin der Quelle" lesen, dann könnten wir gemeinsam sehr vielen verbreiteten Irrtümern auf die Spur kommen ....


    Also, Inquisition war, abgesehen vom Verfahren selber, das IMMER auf das Geständnis hinauslief, nicht in allen Ländern gleich Inquisition. Im Leon, das ich beschreibe, war sie allerdings schon sehr penetrant, weil eben wegen der Nähe zu Frankreich tatsächlich einige Ketzer (Reine, Katharer) den Weg über die Pyrenäen gesucht und gefunden hatten.
    Es gibt ein wunderbares Buch von Emmanuel LeRoy Ladurie: Montaillou - Ein Dorf vor dem Inquistor" (hab ich in einer uralten Propyläen-Ausgabe), wo ganz genau beschrieben wird, welche Fragen 1294 - 1324 (also fast "meine" Zeit) gestellt wurden - und welche Antworten kamen.
    Kann ich dir sehr empfehlen, wenn du "Echtheit" schnuppern möchtest ...

    Viel Spaß mit "Isis" - ist einer meiner Lieblingsromane - und hat garantiert ein Ende ohne jeden Kitsch-Faktor (was mir manche Leser leicht übel genommen haben!).


    Ich hatte zuerst auch überlegt, Pilar blind zu lassen, aber dann hat mir das "Wunder" aus maurischer Ärztehand (anstatt wie erhofft am Apostelgrab) doch so gut gefallen, dass ich mich dafür entschieden habe.
    Ich hoffe, du verzeihst es mir.


    Wie wichtig sind eigentlich Happyends?
    Verlage tendieren dazu, uns Autoren zu sagen, sie seien SEHR wichtig.
    Was sagen die LeserInnen dazu?

    Und ich habe Christa Thelen von "Woman" ausführlich dargelegt, wie toll, kritisch und interessiert die LeserInnen von historischen Romanen sind!
    Von wegen "Abtauchen aus der Realität"!
    Das sind alles Frauen und Männer, die wissen wollen, wie es wirklich war ...


    Ich hoffe, das schreibt sie auch, bin aber guten Mutes, denn sie war klug, nett und sehr interessiert am Thema!

    Zum Verständnis "erforderlich" ist es nicht, aber es kann viel mehr Spaß machen, weil in "Die sieben Monde des Jakobus" mit ein paar Infos aus "Straße der Sterne" gespielt wirdn, die noch mehr wirken, wenn man den ersten Teil schon gelesen hat.
    Aber beide Romane können auch ganz unabhängig voneinander genossen werden!


    Kennt ihr eigentlich alle schon: www.histo-couch.de?


    Da findet ihr eine sehr schöne Auswahl vieler historischer Romane mit Epocheneinordnung, Bewertung und Leserkommentaren und könnte eure Lieblings (oder Anti-Lieblings)Romane durch einen Mausklick auf die Quecksilbersäule bewerten.
    Kann ich sehr empfehlen - und mich findet ihr da natürlich auch m. einer Info zu allen meinen historischen Romanen! :wave
    Herzlichst
    Brigitte

    Klasse, liebe Milla, ich glaube/hoffe, du wirst es mögen!


    Stimmt schon, was du über Estrellas Verlorenheit gesagt hast, sie weiß nicht, wohin sie gehört, weil sie entdeckt hat, dass man ihr nur Lügen aufgetischt hat. Man weiß ja heute, wie das beispielsweise auch mit adoptierten Kindern aus anderen Kulturkreisen laufen kann, die sich dann plötzlich und sehr radikal gegen die "neuen" Eltern wenden, die es nur gut ihnen meinten ...
    Ein bisschen habe ich Estrella auch so gesehen. Und sie neigt durchaus zu radikalen Entschlüssen, die ihr oftmals schaden ...

    Sorry übrigens wegen der vielen Tipp-Fehler in meinen Beiträgen, aber ich stecke mitten im Endspurt von "Die Sünderin von Siena" UND möchte doch jedem von euch gerne so ausführlich wie möglich antworten.
    Bitte herzlichst um Nachsicht!
    Ihr wisst schon, was ich meine ...
    Eure Brigitte :kiss

    So eine schwere Frage - also sterben lasse ich niemals jemanden "gerne". Aber manchmal muss ich dennoch sein - ich denke, für Estrella wäre eine Erlösung nach ihrer schwierigen Lebensgeschichte kaum möglich gewesen. Außerdem passt so ein Tod zu ihrem doch eher extremen Charakter ...


    Ich persönlich mag es, wenn nicht immer alle Enden geschlossen werden ... das werden sie im "richtigen" Leben ja auch nicht immer ...
    Wenn du Lust auf "mehr" Hast, kann ich dir "Die sieben Monde des Jakobus" ans Herz legen: 300 Jahre später, Finis terrae ist schon lange nicht mehr das Ende der (da,als bekannten) Welt ...
    Religionskriege erschüttern ganz Europa ...
    Aber ein bzw. zwei Ringe haben die Zeit überstanden und wollen wieder zueinander ...


    Mag ich persönlich noch ein kleines bisschen lieber als "Straße der Sterne", weil es tiefer in die menschliche Verlorenheit blicken lässt - und dennoch die Hoffnung nie vergessen lässt ...
    Aber natürlich immer am besten: selber lesen!
    Alles Liebe und "ultreja" (der uralte Pilgergruß, von dem bis heute auch niemand ganz genau weiß, was er bedeutet - wahrscheinlich "Segen")
    Brigitte

    Weiß ich noch nicht genau, denke Juli. Kann euch gerne informieren - es waren jedenfalls sehr schöne 2 Stunden ,mit einer geschichte-begeisterten Journalistin!
    Sie wird außer mir noch Sabine Weigand und Helga Hegewich vorstellen, die beide zu meinen persönlichen Favorits gehören.
    "Die Totenwäscherin" und "Das Perlenmedaillon" - beides kann ich nur aus vollstem Herzen empfehlen.

    Ich habe immer schon Geschichten mit verschiedenen Handlungssträngen geliebt und Autoren verehrt, die so geschrieben haben. Eine Meisterin dieses Fachs ist Ruth Rendell ("Der Pakt" - grandios!) und noch besser in ihrer zweiten Existenz als Barbara Vina (alle Bücher toll, besonders aber für mich "Das Haus der Stufen".)
    Natürlich darf man sich als Schreiber nicht überraschen lassen, sondern muss von Anfang an klar wissen, worauf es hinausläuft - aber in Nuancen kann es auch f. mich manchmal Überraschungen geben. Manchen Personen gewinnen eine Art Eigenleben und verlangen, dass etwas anders ausgeht ... zum Beispiel Angelita ... aber das werdet ihr ja noch sehen!
    Ich finde, jeder anständige Mittelalterroman hat ein Geheimnis verdient - und die junge "Reine" und ihr Templer stehen im Mittelpunkt davon!

    Das ich - leider - richtig. Die Menschen früherer Zeiten haben sehr wenig über sichs elber gesagt - wer konnte überhaupt lesen und schreiben?
    Was wir von ihne rezipieren, datiert aus den (unvollständigen? gefälschten? bearbeiteten? veränderten?) Quellen, die uns per Zufall überliefert worden sind.
    Daher ist der Autor dieser Büchers ehr viel auf seine Einfühlung un Phantasie angewiesen, wenn er sich diesen Personen nähern möchte.
    Im Idealfall gelingt es - manchmal - dennoch.
    Von Roswitha von Gandersheim gibt es nur ihre Werke, in einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert überliefert (und in der Staatsbibliothek München einsehbar - habe ich natürlich getan).
    Hast sie schon vorher geschrieben?
    Noch danach?
    Ist sie nach 973 gestorben? Aus dem Stift (sie war NIEMALS Nonne, auch wenn viele das behaupten) ausgeschieden? Und wenn ja, weshalb?
    Fragen über Fragen ...


    In "Liebe ist ein Kleid aus Feuer" habe ich mich dieser faszinierenden Person zu nähern versucht: Was im Himmel brachte ein junges Mädchen dazu, im 10. Jahrundert in einem Stift am Harzrand lateinische (!) Dichtung zu produzieren?Vielleicht gibt mein Roman ja wenigstens Antwort auf einige dieser fragen.
    Kann dir eines verraten: er ist mit Herzblut geschrieben!
    Liebe Grüße Brigitte

    Ja, und diese Zusammenarbeit ist inzwischen auch schon lange beendet. Das HC von "Straße der Sterne" erschien bereits 2002. Alle Sina-Teufel-Romane (Krimis) stammen von mir allein.
    Liebe Grüße Brigitte

    Im 13. Jahrhundert gab es reinen regelrechten "Boom" auf dem Jakobsweg - wer möchte, kann dazu auch gerne noch mal mein Nachwort ansehen. Obwohl man bei allen mittelalterlichen Schätzungen immer sehr vorsihtig sein muss, weil sie wahrscheinlich sehr übertrieben sind (viele tausende bedeutete einfach "viele"), könnte man doch annhemen, dass sich Jahr für Jahr mehrere zehntausend Pilger auf diesen weiten Weg nach Westen gemacht haben.
    Warum?
    In Jerusalem, dem ältesten Pilgerort, saßen die Ungläubigen - und sie saßen fest.
    In Rom, dem anderen wichtigen Pilgerort der Christenheit, saß der papst als Vertreter einer Kirche, an der seit dem 12. Jahrhundert immer mehr Kritik geäußert wurde, die von vielen als "fette und Reich" (siehe Katharer!) empfunden wurde.
    Da war Santiago genau der richtige Pilgerort. deshalb sagt ja Camino (mein persönlicher Liebling) an einer Stelle einmal: Nach Jerusalem um Jesu wilen, nach Rom des Papstes willen, nach Santiago um seiner selbst willen).
    Ich denke, auf das "gemachte" Pilgerziel Santiago (mit seinen durchaus auch sehr politischen Interessen) werden wir sicherlich später noch genauer zu sprechen kommen ...



    Und eine Anmerkung meinerseits:
    Wie schön, dass jemand von euch schrieb, er findet hier wenig Schwarz-Weiß: Darum geht es mir in allen meinen Romanen ganz besonders. Steckt doch immer von allem ein bisschen in jedem von uns, oder nicht? Und je nach den Umständen, in die wir geraten oder uns begeben, wird das eine oder andere stärker. Auch die arme Magda ist keine (ganz Schlechte). Verkrüppelt, mit einem Kind vom falschen Vater im Bauch, weiß sie sich nicht anders zu helfen, als mit dem Liebestrank. Sicherlich ein Fehler - aber wie hätte sie ahnen können, was daraus wird?
    Mein Bestreben, Menschen zu zeigen, keine zweidimensionalen Figuren.
    "Himmel und Hölle kauft man immer im selben Sack" - und das gilt auch f. das, was in allen von uns steckt.


    Schönen Mittwoch - bekomme jetzt Besuch von einer Journalistin von "Brigitte Woman", die mich über historische Romane und ihe Leser befragen wird - werde ihr gleich von euch allen erzählen!
    Eure Brigitte

    Gute, und wie ich finde, sehr wichtige Frage!
    Für mich geht es nicht darum, in Grausamkeiten zu "baden", und ich denke, das werdet ihr auch in keinem meiner Bücher finden. Aber es hat auch in meinen Augen w nig Sinn, die Vergangenheit zu schönen und zur bloßen Seifenoper zu stilisieren, wo man weiß, dass das Gute immer gewinnt.
    Tut es leider ja in der Realität nicht immer, wie wir alle wissen ... damals nicht und auch heute nicht.
    Daher setze ich Grausamkeiten da ein, wo sie stattgefunden haben, um etwas abzubilden, was geschehen ist - nicht mehr.
    Vom "Rückstransport" modischer Perversionen in alte Zeiten, wie sie jetzt in manchen Romanen stattfinden, halte ich persönlich wenig.


    Wir wissen von den Menschen von "früher" leider so wenig, weil wir so wenig persönliche Aussagen von ihnen haben. Daher besteht große Gefahr, dass wir m. unseren modernen Augen - und unseren modernen Wertungen - an sie herangehen - und das könnte leider manchmal zu Fehlurteilen führen. Doch selbst, wenn wir uns sicher fühlen, kommt manchmal eine Wendung, die wie nicht ahnen konnten. Nicht einmal auf Urkunden ist Verlass. Kaum eine Epoche hat so leidenschaftlich und perfekt gefälscht wie das Mittelalter. Wir dachten lange Zeit, es gäbe 400 Urkunden über Karl den Großen. Heute weiß man, dass rund 240 davon spätere Fälschungen sind ...
    Wir müssen also weiterhin kritisch am Ball bleiben!
    Liebe Grüße Brigitte

    Agnes ist die Frau des Brandstifters. Papier in früherer Zeit herzustellen, war eine scheußliche, schmutzige, sehr gesundheitsschädigende Sache (alte Lumpen!). Der Umgang damit hat sie krank gemacht. und schließlich ist sie daran gestorben (noch dazu die schlechte Ernährungslage am Ende des Winters, die viele Menschen auf dem gewissen hatte). Deshalb beschuldigt er den Weltenpurger.
    Gruß B.