Beiträge von John Dowland

    Zitat

    Original von Booklooker:


    Ich habe von meinem Mann erfahren, dass die Geschichte erst ohne die Verfolgungsjagd geschrieben wurde. Die Verfolgungjagd war eine Vorgabe von dem Magazin, in dem er die Geschichte veröffentlicht hat. Ohne wäre sie wohl zu langweilig gewesen oder so...


    Wenn das so ist, hatte der Lektor ein gutes Gespür.

    Ich lese den Text auf Englisch und finde es ebenfalls bereichernd, sich mit dem Original zu befassen, wenn man die Zeit und das Interesse dazu hat. Manche Wortspiele des Ursprungstextes werden nicht ins Deutsche übersetzbar sein und dann ist es doch gut, solche Passagen zu diskutieren.


    Zur Form: Meine Textausgabe enthält – ähnlich wie bei Theaterstücken – zu Beginn eine Auflistung der Personen (nebst kurzer Beschreibung ihrer Rolle bzw. ihres Charakters). Deshalb habe ich mich gefragt, ob „A Christmas Carol“ ursprünglich als Theaterstück konzipiert wurde? Ein weiteres Indiz hierfür könnte das Vorwort des Autors sein, der dem Leser ein „whimsical kind of masque“, also ein „seltsames Maskenspiel“ ankündigt (hierzu wiederum eine Anmerkung meiner Textausgabe: es war in England offenbar üblich, in der Weihnachtszeit „Maskenspiele“ aufzuführen). Der Text beruht ja auch in weiten Teilen auf Dialogen: Scrooge spricht mit seinem Angestellten, seinem Neffen, schließlich mit Marleys Geist – es gibt nur einige wenige (allerdings sehr stimmungsvolle und wichtige) Passagen, die den Ort des Geschehens charakterisieren.


    Kennt sich hier jemand aus?

    Ich bin noch nicht allzu lange bei den Büchereulen – und für mich ist das hier eine einzigartige und sehr schöne Möglichkeit, sich mit anderen über aktuellen Lesestoff auszutauschen. Allerdings habe ich in einigen Runden auch schon einen Teil der durchaus negativen Erfahrungen gemacht, die hier beschrieben worden sind: da wird mit großem Enthusiasmus und Tara eine Leserunde ausgerufen, es gibt seitenweise Beiträge im Ankündigungsthread zu lesen und wenn es dann um das Buch geht, bleiben gerade mal 2 – 3 Eulen übrig, die halbwegs ernsthaft diskutieren ( selbst Themenstarter machen sich bisweilen aus dem Staub...); da hat man sich endlich und nach langen Auswahlprozeduren für ein Buch entschieden, bei dem es sich gerade nicht um Fast-Food handelt, und 90 % der Beiträge umfassen zwei Zeilen und haben den Gehalt von „... ist nicht mein Ding...“ oder das Gegenteil davon: „... fand ich toll...“ Ehrlich gesagt: mir wäre ein einziger Diskussionspartner recht, wenn er nur den Willen hätte, sich ernsthaft mit der Lektüre zu befassen. Also vielleicht den Versuch unternimmt, zu beschreiben, warum der Text „nicht sein Ding“ ist. Dann käme nämlich mit Sicherheit auch ein interessanter und lehrreicher Dialog dabei heraus.


    Deshalb bin ich strikt gegen eine Mindestteilnehmerzahl für Leserunden. Wer so argumentiert bringt m.E. den Unterschied von Quantität und Qualität durcheinander. Stattdessen geht es darum, Leserunden, für die man sich bewirbt, auch halbwegs ernst zu nehmen (was letztlich eine Frage der Einstellung bzw. der Höflichkeit ist).


    Dass sich Themenstarter stärker um die Moderation ihres Themas kümmern, also auch versuchen, die Teilnehmer bei der Stange zu halten (vielleicht auch mit geeigneten inhaltlichen Inputs) halte ich für eine sehr gute Idee.


    Edit: Wort eingefügt

    M. E. sind diejenigen Passagen des Büchleins am schwächsten, wo der fisch- oder froschartige Charakter der Bewohner Innsmouths zu detailliert und zu früh beschrieben wird. Die „Verfolgungsjagd“ durch Innsmouth beispielsweise weist deshalb – zumindest nach meinem Geschmack – Elemente unfreiwilliger Komik auf. Mir hätte es besser gefallen, wenn Lovecraft der Phantasie des Lesers mehr Raum verschafft hätte (so wie er das an vielen anderen Stellen getan hat: die „vernagelten“ Häuser beispielsweise lassen nur Vermutungen darüber zu, was sich an seltsamen Dingen im Innern verbirgt. Und auch die Hotelzimmerszene mit den unheimlichen Geräuschen vor der Tür ist klasse gemacht). Darüber hinaus hat sich Lovecraft eine Menge sehr eindrucksvoller Bilder für die Verkommenheit der Küstenbewohner einfallen lassen: Kirchen beispielsweise, deren Turmspitzen abgebrochen sind und die stattdessen tiefe Kellerräume zur Feier ihrer „Gottesdienste“ aufweisen... Und schließlich: das Ende war, jedenfalls für mich, so nicht vorhersehbar. Ein Sieg des Bösen auf ganzer Linie und zumindest wegen dieses Überraschungseffekts ein lesenswertes Buch.

    Das zweite Kapitel schildert den Aufbruch des Erzählers nach Innsmouth, seine Ankunft dort und enthält einen genauen Bericht über die Eindrücke, die Lovecrafts bemerkenswert entdeckungsfreudiger Student vor Ort gewinnt. Mit dem Angestellten einer Lebensmittelkette wird ein weiterer wertvoller „Informant“ gewonnen.


    Das Urteil über den kleinen Küstenort lautet: schäbig, trüb, verfallen, abstoßend und darüber hinaus auf unbestimmte Weise gefährlich – unsere Hauptperson kümmert das allerdings wenig. Die immer wiederkehrenden Hinweise auf seltsame Riten der Einwohner gehören für ihn offenbar ins Reich unbeachtlicher Legenden. Warnungen und gutgemeinte Ratschläge zur Vorsicht sind nur dazu geeignet, seine Neugier zu vergrößern.


    Wenn es etwas gibt, was mich bis hierher an der Geschichte gestört hat, dann sind es die allzu frühen und allzu offenkundigen Details, mit denen Lovecraft den Leser beunruhigen möchte. Bei mir ruft er da eher das Gegenteil hervor. Die Schilderung der Tiara aus dem ersten Kapitel hat mir noch gut gefallen. Es ist, alles in allem, ein rätselhafter Gegenstand, den man zwar „anfassen“, aber nicht „begreifen“ kann. Die darin eingravierten „Froschmenschen“ gehen auch noch in Ordnung. Der finstere Busfahrer Joe Sargent wird aber für meinen Geschmack viel zu sehr in die Nähe eines solchen Fischwesens gerückt. Hier trägt der Autor (wie in einem Horrorfilm, bei dem man nach fünf Minuten das Monster zu sehen bekommt) vielleicht ein wenig zu dick auf.

    Schauen wir mal, was das erste Kapitel noch Schönes enthält:


    Nach dem sehr sachlichen Einstiegsbericht über die Maßnahmen der US-Bundesregierung steigt Lovecraft unmittelbar in das eigentliche Geschehen ein. Wir erfahren, dass der Erzähler gerade 18 Jahre alt geworden ist und sich auf einer Art Studienreise durch Neuengland (im Nordosten der USA) befindet. Als er von Innsmouth erfährt, wird sein Interesse geweckt. Was folgt ist die Schilderung des Berichts eines Bahnbeamten, dann wird das Ergebnis einer kurzen Recherche in der Stadtbibliothek erzählt. Am Ende hat der Erzähler noch Gelegenheit, ein „bizarres Objekt“ der Historischen Gesellschaft Newburyports zu besichtigen, bei dem es sich um eine Art von „Tiara“ handeln soll.


    Unter „Tiara“ habe ich mal im Lexikon nachgeschaut und zwei Bedeutungen gefunden. Tiara meint demnach entweder eine altorientalische, kegelförmige Kopfbedeckung der assyrischen und persischen Könige (der assyrische König soll sie abgeflacht mit vergoldeter Spitze getragen haben, der persische hoch und steif mit einem Diademreif am unteren Rand). Oder es ist die Bezeichnung für die bis ins Jahr 1964 getragene außerliturgische Kopfbedeckung des Papstes, geschmückt mit drei übereinandergesetzten Kronen.


    Ich bin mir unschlüssig, welche Bedeutung Lovecraft hier meint – vermutlich die erste (und zwar in der persischen Variante). Vielleicht schwingt auch etwas von der zweiten Bedeutung mit; wir hätten es dann möglicherweise mit einer ersten Form von Verhöhnung der Religion zu tun.


    Zitat

    Original von booklooker


    Das mit den Absätzen geht mir total auf den Zeiger.


    PS: Die Bemerkung verstehe ich nicht - ich lese exakt die Textausgabe aus dem Suhrkamp-Verlag, die im Forum abgebildet ist. Bei mir sind aber Absätze vorhanden. ?(


    Übirgens habe ich den Roman auch im Zug gelesen. Dass ich dabei eingeschlafen wäre, kann ich aber nicht behaupten. :-)

    Dann mache ich mal den Anfang:


    Das erste Kapitel enthält zunächst den Bericht des Erzählers über eine Intervention der US-Bundesregierung in dem Hafenstädtchen Innsmouth im Winter 1927 – 28. Sehr schnell wird klar, dass der Erzähler mehr weiß, als er auf den ersten Seiten preisgeben möchte: obwohl dieser Bericht in einer Art nüchternem Zeitungsstil verfasst wurde, enthält er deutliche Hinweise auf ein verborgenes und hinter den objektiven Vorgängen liegendes Geschehen. (z.B.: mit der unklaren Formulierung im allerersten Satz, wonach eine „geheime“ Untersuchung über „gewisse“ Zustände durchgeführt wurde.) Darüber hinaus verfolgt der Erzähler mit seiner Niederschrift eine sehr konkrete Absicht und spricht diese offen aus: es geht ihm darum, das „amtlich verordnete Schweigen“ in dieser Angelegenheit zu brechen, ferner möchte der Erzähler das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten zurückerlangen und kündigt einen „letzten Entschluss“ bzw. „furchtbaren Schritt“ an, den er zu tun gedenkt.


    Soviel vielleicht für´s erste. (In den letzten Thread zum IV. und V. Kapitel habe ich eine kurze Chronologie der Ereignisse und eine Art „Genealogie“ eingestellt, die vielleicht beide für das Verständnis hilfreich sind – das würde ich aber erst dann anklicken, wenn ihr das fünfte Kapitel gelesen habt...)

    Und hier eine kurze Chronologie der Ereignisse:


    1643: Gründung der Stadt Innsmouth


    Seit 1800: Innsmouth ist eine wohlhabende Hafenstadt, deren Bewohner Schiffbau und Fischfang betreiben.


    1812 – 1814: 2. Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Staaten von Amerika


    1820 – 1830: Kapitän Obed Marsh engagiert sich mit drei Schiffen im Ostindien- und Pazifikhandel. In Innsmouth kommen „sonderbare“ Menschen aus Übersee an. Der Fischfang ist stark rückläufig, die Stadt befindet sich in einem wirtschaftlichen Niedergang. In diesem Zusammenhang wird der „esoterische Orden von Dagon“ eingeführt.


    1845: Berichte über Teufelsanbetungen und Opferdarbietungen an den Kais


    1846: In Innsmouth wütet eine „Epedemie“ – die Hälfte der Einwohner stirbt. Es ist von Tumulten und einer Ausrottung der „besten Familien“ die Rede. Obed Marsh heiratet seine zweite Frau.


    1867: Geburt von Eliza Orne aus Arkham (Großmutter des Erzählers)


    1878: Tod des Kapitäns Obed Marsh


    1909: Geburt des Erzählers


    1927: Besuch des Erzählers in Innsmouth; überstürzte Flucht.


    1927 – 1928: Im Winter wird eine Untersuchung der Bundesregierung durchgeführt, die zu Sprengungen „offenbar“ leerstehender Gebäude in Innsmouth und zu Gefangennahmen führt. Ein Unterseeboot feuert ein Torpedo in die Tiefsee hinter dem Teufelsriff ab.


    1928: Der Erzähler besucht seinen Onkel Walter.


    1930 – 1931: Der Erzähler berichtet von seltsamen Träumen. In diesem Zusammenhang schreibt er wohl den vorliegenden Bericht.

    Die Handlung der nur ca. 120 Seiten starken Erzählung umfasst ja den beeindruckenden Zeitraum von nicht weniger als fünf Generationen. Ich habe mal versucht, die „Repräsentanten“ dieser Generationen, die ja die Vorfahren des Erzählers sind, kurz aufzulisten (und hoffe, alles richtig mitbekommen zu haben – bitte korrigieren oder ergänzen, falls erforderlich).

    Erste Generation: Kapitän Obed Marsh (= Ururgroßvater des Erzählers) heiratet im Jahr 1846 seine zweite Frau, die als „geheimnisvoll“ bzw. „monströs“ beschrieben wird. Von Zadok Allen erfahren wir, dass die Hochzeit nicht ganz freiwillig erfolgt ist. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor.


    Zweite Generation: Relevant ist nur eine Tochter, die von Obed Marsh an Benjamin Orne, einen „ahnungslosen“ Mann aus Arkham verheiratet wird. Es handelt sich um die Urgroßeltern des Erzählers. Die Tochter hinterlässt einen geheimnisvollen Schmuck. Aus der Ehe geht zumindest eine Tochter (Eliza Orne) hervor.


    Dritte Generation: Eliza Orne wird im Jahr 1867 geboren (und verschwindet auf geheimnisvolle Weise im Jahr 1917). Im Jahr 1884 heiratet sie James Williamson aus Ohio. Beide sind die Großeltern des Erzählers.


    Vierte Generation: Eliza Orne und James Williamson haben drei Kinder – Douglas, Walter und die Mutter des Erzählers. Douglas, der Onkel des Erzählers, ist seiner Mutter Eliza in deren unheimlichen Äußeren sehr ähnlich und begeht Selbstmord, nachdem er Nachforschungen über die Familiengeschichte betrieben hat.


    Fünfte Generation: Das ist die Generation des Erzählers. Außer ihm selbst gehören ihr Lawrence Williamson, der Sohn seines Onkels Walter an. Der Cousin des Erzählers wurde von dessen Vater in einem „Sanatorium“ untergebracht.

    Zitat

    Original von SteffiB


    Das einzige Problem ist die Zeit: Zwischen 8. Januar und 20. Februar bin ich mehr oder weniger in der netzfreien Zone


    Ich will nur mal die Möglichkeiten ausloten – m.E. sind es die Folgenden:


    1) 27.12.2008 – 08.01.2009
    2) 01.03.2009 - ?


    Das Statement von Steffi verstehe ich so, dass Dir Variante 1 lieber wäre? siwa ist ja glücklicherweise terminlich ungebunden, ich selbst neige eher Variante 2 zu. Der zweite Termin hätte u.a. den Vorteil, dass wir besser planen könnten und mehr Zeit für den sicherlich interessanten Text hätten – außerdem kann es sein, dass sich noch ein paar Unentschlossene zu uns gesellen, wenn die LR-Anfrage länger läuft.

    Das „Herz der Finsternis“ scheint ja ein ziemlicher Ladenhüter zu sein...


    Ich hätte allerdings auch nichts dagegen, zur Not mit zwei Teilnehmern zu starten (falls das möglich ist). Habe eine alte Monographie über den Autor aufgetrieben, aus der ich bei Bedarf ein paar Inhalte beisteuern könnte. Mein Vorschlag ist, wir beobachten das Ganze noch bis zum Wochenende und entscheiden uns dann, wie wir weitermachen (die Hoffnung stirbt zuletzt).

    O.K. - ich dachte nur, es ist vielleicht gut, wenn auch jemand mitmacht, dem das Buch nicht gefallen hat. Dann ist auch die Diskussion nicht in Gefahr, eintönig zu werden.


    Aber gut - siwa und ich brauchen noch ein paar Mitleser. Gibt´s niemanden, der sich hier noch einen kleinen Ruck geben möchte? Terminlich käme meinerseits Januar in Betracht ...