Beiträge von Googol

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    Original von hestia2312
    Beim Buch "Das Fest der Vampire" weiß ich nicht so recht wie ich es hier auflisten soll. Es gibt dort ja mehrere Autoren. Reicht das so, oder soll ich ein paar Autoren auflisten? :gruebel


    Ich würde bei einer Anthologie den Herausgeber als "Autor" auflisten. Scheint üblich. Amazon.de macht das auch so. Bei dem Buch wäre das Carsten Polzin.

    Ich habe nur den Film gesehen. Ein moderner Western. Könnte passen.


    Kurzbeschreibung
    Hi-Lo in New Mexico ist ein Flecken Erde, auf dem der Mythos des Wilden Westens noch lebendig ist. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Cowboys vom alten Schlag, erzählt von einem der populärsten Western-Autoren der USA.

    Ich habe Anfang des Jahres den "Schatten des Windes" gelesen und jetzt vor wenigen Tagen "Spiel des Engels" beendet. Ich fand beide Bücher gleich stark. Ich empfand die Erzählstruktur eigentlich relativ linear, d.h. ich meinte der Geschichte gut folgen zu können. Die Dinge, die unklar blieben, empfand ich nicht als Tricks um den Leser zu verwirren, sondern sie dienten der Plotentwicklung. David Martin war genauso überrascht von bestimmten Wendungen wie der Leser und die gut 700 Seiten habe ich wie im Rausch verschlungen.


    Es kann ja sein, dass Zafon bestimmte Komponenten aus "Schatten des Windes" wiederverwendet und nicht den überraschend "anderen Nachfolger" geschrieben hat. Wieder stehen mysteriöse Gegegebenheiten im Zusammenhang mit obskuren Büchern im Mittelpunkt. Wieder verschmelzen Fiktion und Realität und wieder wird Barcelona als Schauplatz zelebriert. Vielleicht ist das ein Markenzeichen. Vielleicht eine Masche. Wenn es eine Masche ist um bereits angefixte Leser mit mehr Zafon-Stoff zu bedienen und mehr Geld zu scheffeln dann habe ich kein Problem damit. Mehr davon, Señor Zafón! Und viel Vergnügen mit dem verdienten Drogengeld.

    Ich habe das Buch hier (im Original, vom Autor bei seiner Lesung in Köln signiert) und hatte schon vor es im Januar zu beginnen, aber ich würde ggf. auf die Leserunde warten. April würde passen. Wenn ihr Schnellleser sein solltet müsste ich allerdings mit etwas Vorsprung früher anfangen :-)


    Ich wäre also gerne dabei.

    Buch des Jahres: Little Brother von Cory Doctorow.


    Runner-up: Eleanor Rigby von Douglas Coupland.


    Knapp gefolgt von:


    Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon,
    The Dragons of Babel von Michael Swanwick,
    The Yiddish Policemen's Union von Michael Chabon.

    Ich habe Diamond Age sehr gemocht. Wenn dieser Mensch sich doch bloß kürzer fassen könnte...


    Vor ein paar Wochen war Neal Stephenson in der Reihe authors@google zu Gast. Eine einstündige Diskussion über seinen neuesten Roman Anathem, seine Schreibmethoden, wieso er Lesungen nicht mag, wieso Kritiker meinen er könnte keine Romanenden schreiben etc. etc. Sehr zu empfehlen.


    Authors@Google Diskussion

    Ich habe ihn vor einigen Jahren im Literaturhaus Hamburg bei einer Lesung gesehen. Selten so etwas Langweiliges und Belangloses gehört. Nun beschreibt ihn Sigrid Löffler als "monoton und langweilig". Das passt.

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    Original von Bartlebooth


    Naja, man müsste erst einmal begreifen, was diese Einordnung soll, dh wo die Parallelen zur Gattung "Fabel" sind, die man nicht einfach auf "nicht realistisch" reduzieren kann. "Der Junge im Gestreiften Pyjama" ist ja einfach keine Fabel, wenn er auch genauso unrealistisch ist wie eine. Was eine Fabel allerdings auch ist: Exemplarisch. Und hier könnte eine Diskussion ansetzen. Ist "Der Junge..." exemplarisch? Gibt es eine (für Fabeln typische) Moral von der Geschicht?


    Zumindest nennt der Autor das Buch eine Fabel: "The Boy in the Striped Pyjamas: A Fable". Und schon sind wir wieder bei der Frage ob der Autor seine Ziele erfolgreich umsetzt. Wenn das Buch nicht als Fabel funktioniert dann funktioniert das Buch nicht (was ja durchaus möglich ist).


    Aber wenn z.B. die Verbindung Naivität/Deutschland/Nazizeit direkt zu einer Abwehrhaltung führt und man sich ohnehin nicht auf das Buch einlaßen kann und will, ja, dann ist es tatsächlich eine Meta-Diskussion.

    Was ich nicht ganz verstehe: die Naivität in der Erzählperspektive wird doch schon im Titel deutlich gemacht. Es wird auch schnell deutlich, dass es sich hier um eine Fabel handelt, die sehr viel mit Vereinfachungen arbeitet. Das ist keine realistische Erzählung. Erzählungen in der (nahen) dritten Person sind auch nicht ungewöhnlich und sind oft fast ebenso nah am Erzähler wie in einer Ich-Erzählung. Die Kritik, die ich hier hauptsächlich lese, hat wenig mit der erfolgreichen oder unerfolgreichen Umsetzung der Idee zu tun, sondern die Idee selber wird kritisiert ("das darf man nicht", "das ist ärgerlich"). Das ist zwar eine legitime Diskussion, aber doch schon fast eher eine Meta-Diskussion ("für wen ist das Buch?", "erfüllt es einen Zweck?", "ist es gar populistisch?").

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    Original von Bartlebooth
    Um es noch einmal zu verdeutlichen: Wollte man eine kindliche Schwierigkeit mit der Artikulation darstellen, sollte man doch eher schwierig zu artikulierende Wörter falsch artikulieren lassen, oder?


    Also ich erinnere mich mit Schrecken an so manche Artikulationsschwäche als Kind. Man gewöhnt sich eine bestimmte falsche Aussprache an oder verwechselt einfach Wörter, wird von den Erwachsenen vielleicht auch nicht korrigiert und bleibt dann erst einmal dabei. Ob das nun immer phonetisch besonders anspruchsvolle Begriffe waren, wage ich zu bezweifeln.


    Irgendwas muss der Autor einfach versuchen, um der Erzählung einen naiven Anstrich zu verpassen. Worauf wir uns vielleicht einigen können ist, dass es durchaus etwas Formelhaftes hat. Ich denke, was du zu wenig durchsichtig findest finde ich zu durchsichtig. Beides ist suboptimal.

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    Original von Bartlebooth


    Verstehe ich nicht. Ist es nun "durchweg glaubwürdig" oder "gelingt es nur bedingt".


    Ich habe versucht zwischen vermuteter Autorenabsicht und Gelingen zu unterscheiden. Ich denke es ist naheliegend, dass das eine rein technische Frage der Erzählperspektive ist. Ich habe ein Kind als Erzähler, also versuche ich glaubwürdig aus dieser Perspektive zu erzählen. Ich glaube, dass das durchaus eine schriftstellerische Herausforderung ist. Das ist die vermutete Absicht. Furor und Aus-wisch als Begriffe finde ich da durchaus passend.


    Tatsächlich (siehe meinen Kommentar weiter vorne in diesem Thread) sehe ich einige erzählerische Schwächen in dem Buch. Die Perspektive ist nicht durchweg konsistent, da wird hin- und hergesprungen und diesbezüglich wird doch ziemlich geschludert. Das ist nun einmal ein heikles Thema und naive Erzähler in Romanen, die in der Nazizeit spielen, werden überhaupt sehr schnell angegriffen (war da nicht mal was mit Walser?) und da wäre mehr Sorgfalt durchaus wünschenswert gewesen. Zum Teil ist das Endresult tatsächlich ärgerlich, aber ich würde dem Autor nie böse Absichten unterstellen wollen. Höchstens fehlendes Können.

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    Original von Bartlebooth
    Die Funktion dieses Kniffs (da geht es mir wie Voltaire) ist mir nie ganz transparent geworden. Soll es um eine Art "You Know Who"-Gefasel gehen, das Angst vor den richtigen Namen verbreitet? Das fand sogar Harry Potter albern. Die zweite Dimension dieser Art zu sprechen ist es, die mir das Buch gründlich verleidet.


    Ich denke nicht, dass das kein Kniff sein soll, sondern einfach eine durchgehend glaubwürdige Kinderperspektive, ohne nachträglich implantiertes Erwachsenendenken. Also reine Erzähltechnik. Inwiefern der Autor diese Technik beherrscht ist natürlich eine andere Frage (m.E. nur bedingt).