Beiträge von Googol

    Aus Nigeria:


    Pressestimmen


    "Lebendig, subversiv und provokant: eine rasante Auseinandersetzung mit der Wahrheit hinter globalen e-mail-Betrügereien." The Washington Post
    Kurzbeschreibung


    Kingsley, der Erstgeborene, genießt Privilegien. Bei Tisch darf er darauf warten, dass das Essen serviert wird, in seiner dünnen Egusi-Suppe schwimmt ein Stück Fleisch und sein Universitätsabschluss wird mit einer Party gefeiert. Doch die Zeiten in Nigeria sind schlecht, er findet keine Arbeit, und der Brautpreis für Ola – seine süße, wunderbare Ola, ist viel zu hoch. Bildung zählt zwar in Nigeria, doch ohne Geld und ein »Langbein« geht gar nichts. So nimmt Cash Daddy den Neffen unter seine Fittiche und Kingsley lernt die Spielregeln des Überlebens ...


    Der Roman führt an eine Stelle, an der sich westliche Welt und afrikanischer Kontinent berühren – jedoch locken hier nicht Europa oder die USA, sondern Afrika, genauer gesagt Nigeria mit dem Versprechen schnell verdienten Reichtums. Die Nigeria Connection der 419-Scammer ist enorm erfolgreich. Erfinderisch macht sie sich die Geldgier, die Dummheit, aber auch das Mitleid von Menschen im Westen zu Nutze.


    • Commonwealth Writer’s Prize 2010

    Gestern begonnen. Gefällt mir bisher sehr gut.


    Kurzbeschreibung


    Eine herrliche Satire auf blinden Fortschrittsglauben in China und anderswo


    Spätestens seit dem »Kleinen Wörterbuch für Liebende« hat die in London lebende Chinesin Xiaolu Guo die deutschen Leser mit ihrem hintergründigen Witz und literarischen Scharfsinn für sich begeistert. In ihrem neuen Buch lässt sie ein UFO mit der chinesischen Obrigkeit kollidieren. Der ko(s)mische Zusammenstoß bringt bürokratischen Irrsinn und ideologisch verbrämte Dummheit zum Vorschein, die nicht nur in China ihr Unwesen treiben.


    Einer jungen Bäuerin aus der hintersten Ecke Chinas widerfährt eines Morgens im Jahre 2012 etwas Unglaubliches: sie entdeckt in einem Reisfeld ein UFO und einen verletzten Fremden. Nachdem sie sich von ihrem Schrecken erholt hat, leistet sie ungeachtet aller Gesetze und Regeln Erste Hilfe und nimmt den Alien mit nach Hause.


    Am nächsten Tag ist er verschwunden. Dafür tauchen Vertreter der Staatsmacht aus Beijing auf, und eine Kontrollmaschinerie kommt in Gang, die das Dorf überrollt. Alles und jeder wird überprüft. Schließlich, auf dem Höhepunkt der Hysterie, trifft ein Scheck über 2000 Dollar ein, geschickt vom geretteten Alien aus Amerika. Das Geld des Klassenfeinds bringt die Verhältnisse in dem beschaulichen Dorf nun endgültig zum Tanzen ...


    Über den Autor


    Xiaolu Guo wurde 1973 in einer kleinen Stadt am chinesischen Meer geboren. Mit achtzehn ging sie nach Beijing, studierte dort an der Filmhochschule. und schrieb fünf Romane. Im Jahr 2002 zog sie nach London. Sowohl in China als auch in ihrer britischen Wahlheimat machte sie sich als Filmemacherin und Schriftstellerin einen Namen. Mit „Kleines Wörterbuch für Liebende“ gelang ihr 2008 der internationale Durchbruch. Im Knaus Verlag erschien 2005 von Xiaolu Guo bereits der Roman „Stadt der Steine“.

    Zitat

    Original von buzzaldrin
    Bisher hat es bei den Eulen ja nicht sehr viel Interesse wecken können, was ich schade finde, da "Brooklyn" wirklich sehr beeindruckend finde. Sehr ruhig, aber dennoch auch fesselnd. Ein Buch, dem ich wirklich noch mehr Leser wünschen würde.


    Für mich war Brooklyn auch einer der stillen Lesehöhepunkte des letzten Jahres.

    Zwei Gedanken dazu:


    Zum einen ist das eine Genre-Frage und eine Frage des persönlichen Stils. Willst du realistisch schreiben, dann schreibe realistisch, willst du lieber phantastisch schreiben, dann schreibe eben phantastisch. Da wirst du, glaube ich, keine eindeutige Antwort bekommen, sondern nur den jeweils persönlichen Lesergeschmack widergespiegelt bekommen. D.h. du wirst es nicht jedem Leser recht machen können.


    Vielleicht sind es auch weniger "Zuspitzungen", die du suchst, um deine Texte aufzupeppen, sondern originelle Wendungen. Ich muss gerade an ein Publkumsgespräch mit Ian McEwan nach einer Lesung denken, wo er über seinen Roman "Liebeswahn" geredet hat. Dort geht es darum, dass nach einem traumatischen Erlebnis (einem Ballonunfall mit tödlichen Ausgang) ein Beteiligter eine Obsession, einen Liebeswahn, zu einem anderen Beteiligten entwickelt. Der Roman ist aus der Sicht des Mannes geschrieben, der von diesem anderen Mann verfolgt wird. Wenn ich mich richtig erinnere, war es im ersten Entwurf eine Frau, die eine Obsession für einen Mann entwickelt hat. Er dachte dann aber, dass der Konflikt ja viel interessanter wäre, wenn es ein Mann ist. Was auch stimmt, denke ich. Genauso war es auch origineller einen Ballonunfall und keinen Autounfall als Auslöser zu verwenden. D.h. manchmal kann es durchaus hilfreich sein, sich zu fragen, welche kleine Änderung eine Idee noch interessanter machen kann, ohne es aber zu übertreiben.

    Kurzbeschreibung


    Nick Hornby schreibt nicht nur, er liest auch, und das nicht zu knapp. In diesem Buch erfährt der Leser, welche Bücher Nick Hornby gekauft, gelesen oder in die Ecke geknallt hat – und somit auch ganz viel über Nick Hornby selbst. Ein doppeltes Muss! Warum kauft man sich manche Bücher und fängt sie noch auf dem Heimweg an, während andere im Regal verschimmeln? Und wie ändern sich Lesegewohnheiten, wenn plötzlich ein Baby da ist und Zeit und Ruhe an allen Ecken und Enden fehlen? Wie schafft man es, dennoch zu lesen? Und zwar das Richtige? Nick Hornbys viel beachtete Kolumne über die Bücher, die er liebt, die er hasst, die haargenau auf sein Leben passen und die ihm rein gar nichts sagen, ist in Großbritannien und den USA der ultimative Ratgeber in allen Bücherfragen, und das ist kein Wunder. Denn Hornby animiert zum sofortigen Kauf mancher Bücher, liefert gute Argumente, warum sich manches nicht zu lesen lohnt, macht durch Nacherzählung mancher Klassiker einfach klug und versetzt in die Lage, mit gesundem Halbwissen seine Freunde zu beeindrucken. Doch vor allem erzählt er in diesem herrlich subjektiven und ehrlichen Buch ganz viel über sich selbst: Was ihn ärgert oder begeistert im Leben und im Buch.


    Über den Autor


    Nick Hornby, geb. 1957, lebt in London. Nach seinem Studium in Cambridge war er als Lehrer und Journalist tätig. Seit 1983 arbeitet er als freier Schriftsteller. Hornby schreibt für die 'Sunday Times', 'Time Out' und das 'Times Literary Supplement'.Clara Drechsler, geboren 1961, und Harald Hellmann, geboren 1958, übersetzen gemeinsam aus dem Englischen, u.a. Werke von Bret Easton Ellis, Helen Walsh und Irvine Welsh.

    Kurzbeschreibung


    Die berühmte Performance-Künstlerin Margot Wincraft arbeitet mit Models auf der ganzen Welt. Eines Tages nimmt sie überraschend das Angebot einer unbekannten Galerie in Shanghai an. Ihre Assistentin Luisa kann dem Projekt nicht viel abgewinnen. Für sie ist China als Kunstmarkt passé, in der jungen Galeristin, die alles für Margot organisiert, wittert Luisa eine Konkurrentin. Zu allem Überfluss hat sich ihr Freund auch noch von ihr getrennt, und schuld daran ist sie selbst mit ihren leichtfertigen Seitensprüngen. Und so versteht sie auch nicht, warum Margot in der Megacity Shanghai beginnt, sich immer seltsamer zu verhalten. SHANGHAI PERFORMANCE ist ein schillernder Roman über Sehen und Gesehenwerden, Kunst und Identität sowie eine Gesellschaft, die ihren ganz eigenen Regeln folgt. Silke Scheuermann reflektiert über Frauenbilder in Zeiten der Globalisierung, über moderne weibliche Lebensläufe und erzählt auf spannende Weise von einer »ewigen Tragödie der Schuld«.


    Bin gespannt.

    Zitat

    Original von magali
    Auf Grund der Lektüre eines einzigen Buchs eines schwierigen und nicht leicht zugänglichen Autors ein Werk zu beurteilen, ist etwas, das man nicht tut. 'Blindtests' in der Kunst funktionieren nicht.


    Also ich werde das Bedarf weiter tun und schäme mich noch nicht einmal dafür :-)


    "Bei Bedarf" weil es Umstände gibt, auf die man in Rezensionen ggf. gerne hinweisen darf, die für die Rezeption zu berücksichtigen sind (Beispiel: ich lese gerade Orhan Pamuks nachträglich veröffentlichten Erstlingsroman, der tatsächlich etwas schwächer geschrieben ist und natürlich würde ich ihn daher nicht zur Beurteilung eines Gesamtwerkes empfehlen wollen).


    Zumindest für mich stand die mitunter kritische Rezeption solcher Großautoren im Feuilleton nicht zur Debatte. Die sind wirklich oft weniger gnädig als Verlag oder Lektor und das ist auch oft gut so. Ich werde mir auch weiter wünschen, dass ein Verlag bei so manchen Alterswerk nicht alles durchgehen lässt, auch um den Autor selbst zu schützen. Für mich funktionieren "Blindtests" tatsächlich besser als "literarische Persilscheine".


    Alles sehr subjektiv wie so vieles in der Rezeption von Literatur oder Kunst im allgemeinen, also sollten wir vielleicht ein bisschen zurückhaltender im Verbreiten vermeintlich allgemeingültiger Grundprinzipien werden. Es ist doch wirklich absurd andere Meinungen nur zu tolerieren, weil es kein Sprechverbot gibt. Also mal halblang.

    Zitat

    Original von magali


    Wenn sie aber nach einem einzigen Buch aus einem Werk, das seit über vierzig Jahren grandios zusammenwächst, und von dem sie sonst nichts, aber auch gar nichts kennen, sagen: mit dem Buch wäre ein Anfänger nie durchgekommen, dann müssen sie darauf gefaßt sein, daß sie Widerspruch bei denen auslösen, die sich ein bißchen mit dem Werk beschäftigt haben, selbst wenn sie das zur Diskussion stehende Buch noch nicht kennen.


    Ich finde solche "Blindtests" können schon interessant und durchaus legitim sein. Natürlich kann es in einem Gesamtwerk Zusammenhänge geben, die ein einzelnes Werk in einem anderen Licht erscheinen lassen, aber sollte ein Autor es mit einem Einzelwerk nicht schaffen, die Qualitäten des Gesamtschaffens zu kondensieren und es bleibt auch sonst nichts übrig, dann hat der Autor für mich mit diesem Werk versagt. Es ist ein wenig so, als würde ein Autor beim Bachmann-Preis mit einem Romanausschnitt antreten und erwarten, dass er aufgrund von Qualitäten, die in dem Ausschnitt überhaupt nicht enthalten sind, einen Preis zu gewinnen. Die Konkurrenz auf dem Buchmarkt ist groß und ein unbekannter Autor kann natürlich nicht damit rechnen, dass ein Lektor in mühevoller Kleinarbeit außertextuelle Zusammenhänge ausarbeitet. In vielen Fällen mag ein "Großautor" diese Mehrarbeit bzw. das blinde Vertrauen rechtfertigen und aufgrund der Gesamtleistung verdient haben, aber die Frage dürfte schon legitim sein, wer bei solchen Autoren überhaupt für die Qualitätskontrolle sorgt, wenn man sich als Verleger praktisch nicht trauen darf, ein Werk abzulehnen oder gründlich lektorieren zu lassen.

    Zitat

    Original von buzzaldrin


    Woher hast du denn diese Informationen? Ich meine, gibt es zu deinen Aussagen irgendeine Statistik oder ist das ganz alleine dein persönlicher Eindruck?


    Also ich lese J.M. Coetzee sehr gerne, habe auch schon einige Bücher von ihm gelesen und "Tagebuch eines schlimmen Jahres" steht bei mir schon im SUB. :wave


    Gefühlsmäßig würde ich Coetzee auch als relativ viel gelesen einstufen. Zumindest zu Zeiten von "Schande" habe ich wirklich viele Leser über ihn reden gehört, die ihn auch gelesen haben (wobei ich damals noch häufiger in Literaturhäusern zu Gast war). Tatsächlich war er einer der wenigen Nobelpreisträger, die ich schon vor der Preisvergabe kannte und gelesen habe.

    Kurzbeschreibung:


    Eine junge Mutter lässt sich mit einem attraktiven Journalisten auf ein Techtelmechtel ein, während ihr kleiner Sohn und der ungeliebte Gatte bei einem Fußballspiel weilen. Im Stadion platzt eine Bombe, über tausend Menschen werden getötet, viele vermisst, auch ihre Familie ist unter den Opfern. Die junge Mutter macht sich darauf Vorwürfe und versucht, den Verlust auf ihre Weise zu verarbeiten. Der Journalist aber spürt der Tat hinterher und macht eine beunruhigende Entdeckung: Höhere Stellen scheinen mehr gewusst zu haben, als sie zugeben. Darsteller: Michelle Williams, Ewan McGregor, Matthew Macfadyen Regisseur(e): Sharon Maguire


    Meine Meinung:


    Ich habe erst nach dem Film kapiert, dass es sich hier um eine Literaturverfilmung handelt, und zwar um eine Umsetzung von Incendiary (deutsch: "Lieber Osama") von Chris Cleave. Ich habe das Buch nicht gelesen, nur davon gehört. Ich weiß natürlich nicht, wieviel meines Lobes oder meiner Kritik an dem Film bereits dem Buch anzulasten ist.


    Zunächst einmal muss man klarstellen, dass der Film weniger reißerisch ist, als es der "deutsche" Titel Blown Apart oder die Aufmachung suggeriert. Es ist ein relativ stiller Film, in dem es primär um die Trauer und die Bewältigung des Verlustes geht (also eher "Atmen unter Wasser" als "Die Hard 4"). Michelle Williams macht ihre Sache relativ gut, nur den Unterschichten-Hintergrund konnte ich ihr nicht so richtig abnehmen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Samantha Morton nicht doch eine bessere Besetzung gewesen wäre (es gab Parallelen zu der Figur, die Morton in "The Messenger" darstellt, Unterschicht, Verlust eines Angehörigen, neue Liebesbeziehung). Ewan McGregor spielt gewohnt unterkühlt, aber ich mag ihn so.


    Visuell finde ich den Film sehr ansprechend. Ruhige und präzise Kamera. Viele Aussenaufnahmen von London, man meint zu spüren, dass dieser Film von einer Frau gedreht wurde.


    Die Thriller-Komponente des Film ist eher schwächer ausgeprägt, was aber gut für den Schwerpunkt des Filmes ist. An der einer oder anderen Stelle hätte ich mir vielleicht die eine oder andere cleverere Wendung gewünscht.


    Den Handlungsstrang mit dem Sohn des Terroristen fand ich sehr interessant, hätte man ausbauen können.


    Was da schon problematischer war, istdass dieser Film (und wahrscheinlich auch schon das Buch, wenn ich mir die Rezi von "Lieber Osama" hier im Forum durchlese) immer etwas zu viel tut, zu stark aufträgt:


    Zum Beispiel: wie detailliert beschrieben ist wie der Anschlag passiert ist und wie die Londoner damit umgehen ist gut und sehr ergreifend dargestellt, aber wieso müssen sie unbedingt Wetterballons mit den Gesichtern der Verstorbenen aufsteigen lassen, und so hängt u.a. eben das Gesicht des toten Sohnes der Protagonistin im Himmel. Gegen Ende des Films schon etwas schlapp mit zu wenig Luft. Das ist eine solche Übertreibung einer schwachen Metapher, dass es unfassbar ist, dass so etwas eine frühe Drehbuch-Fassung überlebt hat (daher meine Vermutung, dass es bereits im Buch war.)


    Und dann: Ich fand es wirklich orginell als die Hauptfigur meinte, dass ihr der Therapeut im Krankenhaus gesagt hat, sie solle einen Brief an Osama bin Laden schreiben. Die Absurdität fand ich ergreifend. Und dann tut sie es wirklich. Immer wieder über den gesamten Film hindurch. Furchtbar kitschige Idee.


    Trotzdem war der Film wesentlich besser als der übliche Thriller-Durchnschnitt. Einige Schwächen, aber auch einige gute Szenen.

    Vielen Dank für die interessante Rezi. Bei den Fallgeschichten, die ich bisher von ihm gelesen habe, stand er - zumindest als Patient - nicht im Mittelpunkt, aber auch da waren es die kreativen Wege, mit dem "Defekt" zurechtzukommen, die oft die die Faszination der Geschichte ausmachten (eine wirkliche Heilung in dem Sinne gibt es ja fast nie). Seine autobiographischen Erinnerungen "Onkel Wolfram" kann ich auch empfehlen.


    Kleiner Tippfehler im Thread-Titel: Sacks, nicht Sachs.

    Ich habe mir den Film auch erst angeschaut nachdem ich FORGIVENESS OF BLOOD auf der Berlinale gesehen habe. Ein Film, der viele Gemeinsamkeiten mit MARIA FULL OF GRACE aufweist (beide sind z.B. nicht englischsprachig). Für mich ist Joshua Marston der große Humanist und der weltgewandteste unter den amerikanischen Regisseuren. Der Film war weder bewußt abstoßend in der Darstellung noch spielte dieses Element über weite Strecken des Films eine große Rolle. Von mir gibt es auch eine uneingeschränkte Empfehlung für den Film. Großes Charakter-Kino!

    Zitat

    Original von Lille
    Bei meinem zweiten Roman werde ich aber die Reihenfolge Roman - Film einhalten.


    Die spätere Umsetzung als Drehbuch ist also schon fest eingeplant? Interessantes cross-mediales Vorgehen.


    Bei "Atmen unter Wasser" haben mir beide Versionen gut gefallen. Das Medium wurde jeweils sehr gut eingesetzt. Ich hatte aber schon den Eindruck, dass das Buch schon ungewöhnlich visuell in den Beschreibungen für eine psychologische Studie war.

    Pamuks-Erstling, den er im Alter von 22-26 geschrieben hat. Hier bedient er sich eher den Stilmitteln der Klassiker (Mann, Tolstoi) als denen der Moderne.



    Kurzbeschreibung


    Istanbul im Jahr 1905: Cevdet fährt mit der Kutsche kreuz und quer durch die Stadt und wird mit verschiedenen Konfessionen, Nationalitäten, Weltanschauungen und sozialen Verhältnissen konfrontiert. Er versucht, sich über seine Identität und über seine Zukunft klar zu werden. Dreißig Jahre später stehen Cevdets drei Kinder im Mittelpunkt, für die sich alles verändert hat: die Zeitrechnung, die Kleidung, die Schrift, die Gesellschaft, das ganze politische System. Eindringlich und stimmungsvoll schildert Pamuk in seinem großen Familienepos Aufstieg und Fall einer Dynastie. Sein Roman führt durch drei Generationen einer Familie und zeichnet zugleich den Weg der Türkei in die Moderne.


    Über den Autor


    Orhan Pamuk, geb. 1952 in Istanbul, studierte Architektur und Journalismus und lebte mehrere Jahre in New York. Für seine Romane erhielt er 1990 den Independent Foreign Fiction Award, 1991 den Prix de la découverte européenne, 2003 der International IMPAC Dublin Literary Award, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und in demselben Jahr den Ricarda-Huch-Preis, 2006 den Nobelpreis für Literatur und 2007 die Ehrendoktorwürde der FU Berlin als 'Ausnahmeerscheinung der Weltliteratur'.

    Ich mag generell die Dokumentarfilme von Werner Herzog, wobei er einen sehr eigenwilligen Stil hat, entweder man liebt seine Filme oder hasst sie. Da wären:


    - Grizzly Man: über bzw. von (weil hauptsächlich von ihm selbst aufgenommenes Material) dem Bären-Forscher Timothy Treadwell, der von einem Bären getötet wurde.


    - Begegnungen am Ende der Welt: über Menschen in der Antarktis


    Und sein letzter (dieses Jahr auf der Berlinale Premiere):


    - Cave of Forgotten Dreams: über die Chauvet-Höhle in Frankreich, in der 30.000 Jahre alte Wandbilder gefunden wurden.

    Kurzbeschreibung


    Die Geschichte, die die englische Autorin Antonia Byatt erzählt, beginnt im Jahr 1987 und führt zurück in die viktorianische Zeit. Es geht um ein Bündel Liebesbriefe, gefunden im Sterbezimmer einer bekannten Dichterin, Briefe, die kompromittieren und einige Personen in Verlegenheit bringen könnten. "Ein Buch wie 'Besessen' ist eine Seltenheit in seiner Mischung aus Kriminalstory und Liebesgeschichte - atmosphärisch dicht und kunstvoll dargeboten..." (The New York Review of Books.)

    "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq erzählt die Geschichte des französischen Künstlers Jed Martin fast so wie eine literarische Künstlerbiographie. Jed geht durch mehrere Phasen, in der er zeichnet, malt und/oder fotografiert. Es wird seine Beziehung zu seinem Vater, einem erfolgreichen Architekten, beschrieben. Seine ersten größeren Erfolge hat er mit abfotografierten Landkarten, genauer Michelin-Karten. Wenig später geht er eine Liebesbeziehung mit einer Michelin-Managerin ein. Eine ungewöhnlich direkte Art von Kultur-Sponsoring. Überhaupt erfährt man viel über den Kulturbetrieb, vor allem der technischen und finanziellen Seite und der Roman ist bevölkert von real existierenden Menschen. Ein paar kennt man, andere nicht und so liest man sich parallel zu diesem Roman durch den einen oder anderen Wikipedia-Artikel.


    Zitat


    "Es überrascht mich ein bisschen", gestand Jed. "Als ich herkam, hatte ich damit gerechnet, dass sich unsere Begegnung --- nun, wie soll ich sagen --- etwas schwieriger gestalten würde. Sie stehen im Ruf, sehr depressiv zu sein. Ich habe zum Beispiel geglaubt, Sie würden viel mehr trinken."


    Zitat Jed Martin als er Michel Houellebecq, den Autoren von Elementarteilchen, trifft, den er überreden will, ein Vorwort für einen Katalog seiner Werke zu schreiben.


    "Karte und Gebiet" war auch mein erster "Wellbeck", wie man sagt, und ich war ebenso überrascht, hier offenbar auf Wellbeck-Light zu treffen. Immerhin habe ich schon viel von ihm gehört, erinnere mich an die Besprechung von Elementarteilchen im literarischen Quartett, der Verfilmung von Elementarteilchen und dem einen oder anderen Skandal. Depression und Menschenfeindlichkeit ist in Form der literarisierten Figur Michel Houellebecq zwar immer noch vorhanden, der Roman selber aber ist fast leicht und locker zu lesen. Über weite Strecken empfand ich es nicht als Nachteil, ihn vorher nie gelesen zu haben, es geht eh mehr um Oberflächen und Vorstellungen. Erst im letzten Drittel des Romans als Houellebecq selbstironisch böse Dinge mit seiner Figur anstellt (der Klappentext nimmt im Prinzip vorweg, was das genau bedeutet) hatte ich das Gefühl, dass man schon Fan sein muss, um das in der Breite interessant zu finden.


    Der Stil ist größtenteils unprätentiös und ungekünstelt, fast spröde, aber ich war überrascht wie gut mir die ersten 60-70 Seiten gefallen haben. Danach gab es ein paar weniger interessante Stellen und meine Aufmerksamkeit ließ das eine oder andere Mal etwas nach, aber als die Figur Houellebecq auftaucht wird es dann wieder richtig gut. Wie angedeutet konnte mich das letzte Drittel dann aber nicht mehr so sehr überzeugen: das kriminalistische Element fand ich eher uninteressant und den Perspektivwechsel empfand ich als zu abrupt.


    Die persönlichen Hintergründe, die die Figur Jed Martin ausmachen (insbesondere die erwähnte Beziehung zu seinem Vater) nehmen zwar viel Raum ein, aber insgesamt würde ich dreidimensionale Charakteriserungen und psychologische Tiefe nicht zu den Stärken des Buches zählen. Insbesondere die Nebenfiguren wirken oft wie Klone. Der Roman ist konzeptionell aufwendig und im Prinzip dienen die Figuren mehr diesen Konzepten als dass sie selbständig ein Eigenleben entwickeln würden.


    Die Stärke des Roman ist für mich die Modernität. Er wirkt sehr zeitgenössisch im Sound und der Auswahl der Themen, fast wie Science Fiction, die die Welt vorweg nimmt, so wie sie in 10 Sekunden aussehen wird.


    Es ist schwierig, dem Roman eine eindeutige Abschlussnote zu geben. Er hat sehr viele positive und originelle Elemente, die den Roman einerseits sehr stark machen, er hat aber auch weniger gelungene Passagen und ich weiß auch nicht, ob der Roman für mich als Gesamtkunstwerk 100%ig funktioniert. Das ist mir aber lieber als ein überdurchschnittlicher, handwerklich überzeugender, aber letztlich zu gefälliger Roman.

    Zitat

    Original von buzzaldrin


    Danke für den Hinweis, das würde mich auf jeden Fall sehr interessieren und ich werde mal die Augen offen halten, damit ich die Sendung nicht verpassse :wave


    Ich hatte ja auf einen etwas früheren Termin gehofft (und eigentlich auch so verstanden), aber eine Recherche hat folgendes ergeben (und WortLaut war auch die Sendung, die gestern erwähnt wurde):


    http://www.wdr3.de/schwerpunkte-und-reihen/litcologne.html


    2. Juni 2011 ab 23:05 Uhr
    WDR 3 open: WortLaut
    Colson Whitehead: Der lange Sommer auf Long Island
    Mitschnitt von der Lit.Cologne 2011


    Bis dahin hast du den Roman sowieso längst gelesen. :grin