Beiträge von Googol

    Die Lesung heute in Köln mit Colson Whitehead und den erfahrenen Lesungsprofis Bernhard Robben (Moderation) und Ulrich Mathes (deutsche Lesung) war auch super. Was mir beim Lesen der Übersetzung nicht so aufgefallen war, ist der spezielle Sound des englischen Originals. Whitehead hat fast mit einem leichten Singsang und oft ohne aufs Blatt zu schauen wie bei einem Poetry Slam seinen Text vorgetragen. Die Lesung wurde übrigens für eine Radioübertragung (ich glaube WDR) nächste Woche aufgezeichnet.

    Hab's auch gelesen (auch noch in der Zeitlosen Zeit - komischer Titel, oder? - Version, wobei man jetzt dem englischen Originaltitel TIME OUT OF JOINT wesentlich näher kommt). Hat mir sehr gefallen, auch wenn er es nicht ganz unter meinen persönlichen Top 5 von Philip K. Dick kommt (habe insgesamt sicherlich 20 Bücher oder mehr gelesen).

    Zitat

    Original von MA1


    Ich war etwas überrascht das der Roman über 400 Seiten hat. Meine alte Ausgabe bringt es auf lediglich knapp über 200 Seiten.


    Ist die Schrift größer oder das neue Kapitel so lang?
    Und von wem stammt das Kapitel. Von Simak selber oder hat es ein anderer Autor verfasst?


    War das zufällig eine Goldmann-Ausgabe? Die haben früher gerne SF-Romane eigenmächtig radikal gekürzt.

    Ich teile die Meinung von Herles, die er in dieser Sendung geäußert hat, nicht, aber er war der einzige in dieser Sendung (von sechs Gästen insgesamt) der eine Gegenposition zu einer in dieser Situation sehr einfachen, vermeintlich moralisch überlegenden Grundposition eingenommen hat. Wenn du zwischen Wolfgang Huber und Ranga Yongeshwar reden darfst, hast du quasi schon verloren. Dass das zugegeben mitunter nicht schön aussah hat für mich weniger mit Herles zu tun (zumindest kenne ich ihn zu wenig, um das abschließend zu beurteilen), sondern mit einer sehr einseitigen Zusammenstellung der Gästeliste. Es gibt nun einmal Bedenken aus beiden politischen Richtungen, die man ernst nehmen sollte (z.B. deutete Herles das Problem der wirtschaftlichen Konkurrenz zu anderen Ländern an, die nicht aussteigen oder gar "atomar aufrüsten". Das sind einzelne Fragestellungen, die man auch als Atomkraftgegner ernst nehmen sollte. In dieser Sendung war aber kein Platz dafür).


    Bezogen auf seine Literatursendung bedeutet das für mich, dass er vermutlich nicht dem Massengeschmack hinterjagen wird (für mich eine positive Erkenntnis). Ich kenne aber das Literaturverständnis von Herles zu wenig und ich weiß auch nicht wie er wirkt wenn er gerade einmal nicht in die Enge getrieben wird (auf Dauer würde mich die ätzende Art auch nerven), um einschätzen können ob mir seine Sendung gefallen wird.

    Kurzbeschreibung


    Michel Houellebecq, Enfant terrible der Literaturszene, hat das Buch geschrieben, das niemand erwartet hätte. Karte und Gebiet ist ein großer Wurf: ein doppelbödiges, selbstironisches Vexierspiel, ein gewichtiger Roman, der zugleich wie schwerelos wirkt. Houellebecq erweist sich darin als begnadeter Erzähler, der alle Spekulationen ins Leere laufen lässt. Jed Martin ist Künstler. In seinen ersten Arbeiten stellt er Straßenkarten und Satellitenbilder gegenüber, zum Durchbruch verhelfen ihm jedoch Porträts. Einer der Porträtierten: "Michel Houellebecq, Schriftsteller". Doch dann geschieht ein grausames Verbrechen: ein Doppelmord, verübt auf so bestialische Weise, dass selbst die hartgesottenen Einsatzkräfte schockiert sind. Die Kunst, das Geld, die Arbeit. Die Liebe, das Leben, der Tod: Davon handelt dieser altmeisterliche Roman, der auch hierzulande bereits als literarische Sensation gefeiert wird. Michel Houellebecqs neustes Werk ist ein vollendeter Geniestreich von überraschender Zartheit. Der einstige Agent provocateur erscheint darin gereift und auf so humorvolle Weise melancholisch wie nie. Karte und Gebiet wird nicht nur die Freunde Houellebecqs begeistern, sondern auch manchen seiner Feinde.


    Über den Autor


    Michel Houellebecq, geb. 1958 in La Réunion, lebt in Irland. Er ist Preisträger des angesehenen Grand Prix des Lettres, des Prix Novembre, des Impac-Preises und des Prix de Flore.Uli Wittmann, geboren 1948, promovierte in Ethnologie und Literaturwissenschaften. Nach längerer Zeit als Universitätslektor in Paris und Nigeria lebt Uli Wittmann in Paris. Er übersetzte aus dem Englischen und Französischen u. a. Breyten Breytenbach, Ben Okri, Caryl Phillips, Maryse Conde, J. M. G. Le Clezio, Francoise Bouillot und Noelle Chatelet.

    Lila Mae Watson arbeitet als Fahrstuhlinspektorin in einer amerikanischen Großstadt. Fahrstühle gelten hier als technologischer Ausdruck des Vertikalen, ihre Funktionsweise wird an Hochschulen gelehrt und die ihnen zugrunde liegende Philosophie heiß diskutiert. Als Lila Mae auf Pläne eines perfekten Aufzugs stößt, gerät sie allerdings in höchste Gefahr, da die Aufzeichnungen eine völlig neue Welt begründen könnten.


    Über den Autor


    Colson Whitehead wurde 1969 in New York geboren. Er arbeitet als Journalist für ‚Vibe‘, ‚Spin‘, ‚Newsday‘ und ‚The Village Voice‘, für die er TV-Kolumnen schreibt. „Die Fahrstuhlinspektorin“ war sein gefeiertes Debüt. Sein zweiter Roman, „John Henry Days“ (Hanser, 2004), wird als Meilenstein der zeitgenössischen amerikanischen Belletristik gefeiert. Colson Whitehead lebt in New York.

    Nachdem ich die letzten drei Veröffentlichungen von Thomas Glavinic ausnahmslos großartig fand, hat mich dieser Roman nur enttäuscht. 200 Seiten schmal und trotzdem habe ich mich nur durchgequält.


    Da ist die Erzählperspektive, die Transkription eines Podcasts, in dem der Erzähler mehr oder weniger belanglose Kommentare von sich gibt, die in einer Rahmenhandlung eingebettet sind, die insgesamt zu nichts führt. Es ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen moderner Literatur das Internet und die soziale Interaktion im Netz in Literatur abzubilden, aber diese Erzählform ist mir a) zu einfach (200 Seiten ausgedrucktes Internet), würde b) im "Originalmedium" (einem tatsächlichen Podcast oder zumindest einem Hörbuch) besser funktionieren und ist c) in ihrer Banalität wiederum zu gut umgesetzt. Der Erzähler fragt sich immer wieder wie viele Zuhörer er denn hätte. Vielleicht 10? Für diesen Podcast wäre das durchaus angemessen, aber für ein Buch, das den Anspruch hat, von einigen tausend Lesern gelesen zu werden, war mir das alles viel zu platt.


    Der Ausrutscher sei Glavinic verziehen (schließlich geht er wenigstens Risiken ein), ich warte dann halt aufs nächste Buch.


    EDIT: ich war gestern bei einer Autorenlesung im Rahmen der Lit.Cologne und behaupte jetzt das Gegenteil. Nun ja, fast. Zum einen gewinnt der Text durch das mündliche Vortragen, weil es dem Medium "Podcast" so näher kommt (ein Hörbuch müsste gut funktionieren) und außerdem hat man gemerkt, dass es mehr um die einzelnen Ausschweifungen, die vermeintlichen Banalitäten geht, als um den Kriminalplot, den ich weiterhin uninteressant finde. Den vorgetragenen Passagen konnte ich jetzt viel mehr abgewinnen: sehr witzig und durchaus originell.

    Ich glaube der wesentliche Unterschied zwischen Lesungen in Deutschland und angelsächsischen Ländern (zumindest den USA) ist dass hier oft der Schwerpunkt auf der eigentlichen Lesung liegt und dort auf die Frage & Antwort-Runde danach. Wenn also hier nach einer Stunde Lesung sich der Autor anschließend noch 10 Minuten mit dem Publikum unterhält, ist es dort oft eher andersherum. Das hat der eine oder andere englischsprachige Autor bei Lesungen, die ich in Deutschland besucht habe, erwähnt. Kazuo Ishiguro hat das z.B. positiv zur Kenntnis genommen.


    Und was die Show-Elemente bei Lesungen angeht, da gibt es hierzulande ja solche und solche, Event-artige Lesungen mit berühmten Schauspielern bei der Lit.Cologne oder dem Harbour-Front-Festival, Unterwäsche-Models, die ihre SF-Romane unter Einsatz von Video- und Musikelementen präsentieren, vielleicht die eine oder andere Genre-Lesung mit passend kostümierten Autor, aber auch die klassische Lesung in einer kleinen Buchhandlung, ohne Moderation oder sonstigen Schnickschnack.

    Ich fand den Film auch sehr stark. Ich kann die überraschende Leichtigkeit des Films nur bestätigen (es handelt sich hier nicht um einen provozierenden Faustschlag ins Gesicht eines Regimes, sondern um eine kunstvolle Form von Dialog, unterhaltsamer Art noch dazu), was es noch unverständlicher macht, dass das Panahis letzter Film sein soll. Das Berufsverbot soll sich auf 20(!) Jahre belaufen.


    Der Film ist zudem sehr gut gemacht. Er scheint zumindest teilweise in Echtzeit genau während dieses Spiels gedreht worden zu sein. Außerdem unglaublich wie Panahi auf so kleinen Raum die Geschichte entwickelt: der Film spielt zu einem großen Teil in einer wenig Quadratmeter großen Absperrung hinter einer Tribüne des Stadions.


    Dieses Jahr lief der FIlm noch einmal auf der Berlinale. Mit rotem Teppich im Berlinale Palast am ersten Tag des regulären Wettbewerbs.

    Zitat

    Original von Herr Palomar


    Die Demokratische Republik kann man damit auf der literarischen Weltreise abdecken, aber was nimmt man für die Republik Kongo?


    Ich habe dieses Jahr auf der Berlinale einen Film aus dem Kongo (der demokratischen Republik) gesehen, der in Kinshasa spielte. VIVA RIVA von Djo Tunda wa Munga. Kinshasa ist immerhin eine 9-Millionen-Stadt. Nun würde ich zu gerne einen Roman lesen, der dort spielt, ich finde aber nichts. Ich habe den Namen Marie-Louise Mumbu gegoogelt, aber ihr Roman "Samantha à Kinshasa" scheint nie aus dem Französischen übersetzt worden zu sein. Wenn also irgend jemand einen Tipp für mich haben sollte, wäre ich sehr dankbar.

    Dies ist der zweite Teil einer Art Doppelkritik, zweier Romane, die ich direkt hintereinander gelesen habe, und die zufälligerweise sehr viele Gemeinsamkeiten aufweisen: Tanja Dückers Hausers Zimmer (Kritik hier) und Colson Whiteheads Der letzte Sommer auf Long Island, der in diesem Beitrag im Vordergrund stehen wird.


    Der Roman spielt in einem einzigen Sommer im Jahr 1985 im Urlaubsort Sag Harbour (so auch der Originaltitel des Romans) auf Long Island, nur anderthalb Fahrstunden auf dem Long Island Expressway (LIE) von New York City entfernt. Der Ich-Erzähler ist der 15-jährige Ben aus New York, der jeden Sommer nach Sag Harbour fährt, zusammen mit seinem 14-jährigen Bruder Reggie und seinen Eltern. Sag Harbour ist ein eigener Mikrokosmos, in dem vor allem die Kinder voller Vorfreude einfallen und in alternative Existenzen schlüpfen, in denen sie sich selbst ausprobieren können. Sie hängen mit ihren Kumpels in ihrer "afroamerikanischen Enklave" herum, jobben in Fast-Food-Restaurants und machen erste Erfahrungen mit dem jeweils anderen Geschlecht. Ben und Reggie haben bisher immer alles gemeinsam gemacht:


    Zitat

    Wir hatten erst kürzlich aufgehört, Zwillinge zu sein. Wir sind mit zehn Monaten Abstand geboren, und bis ich in die Highschool kam, gab es uns nur paarweise, ein eher siamesisches als eineiiges oder bloß brüderliches Paar, definiert von einer unheimlichen Untrennbarkeit.


    Zitat

    Wir waren so etwas wie ein eigenes Genre, wenn man ein Familienalbum aufschlug: Da sind Benji und Reggie, wie sie sich im Strandhafer fläzen, an der Haube des in jenem Sommer gemieteten Wagens lehnen, auf einer Bank vor der Eisdiele hocken


    Dieser Sommer wird der letzte gemeinsame Sommer in Sag Harbour sein, Benji und Reggie werden eigene Erfahrungen machen, ein wenig erwachsener werden. Ihre Schwester ist bereits auf dem College und ihre Eltern kommen irgendwann nur noch am Wochenende aus der Stadt nach Sag Harbour, ansonsten sind die Brüder auf sich alleine gestellt. Das klingt dramatisch, ist es aber eigentlich gar nicht. Wenn der Roman nach dem Ende des Sommers endet, wird sich nichts wirklich Einzigartiges in ihrem Leben verändert haben. Eine Miniatur eines Entwicklungsromans.


    Der Roman ist exzellent geschrieben. Die Art wie die ungeschriebenen Regeln und Gesetze der Jugendlichen in Sag Harbour beschrieben werden, die Charakterisierungen der Brüder, die popkulturellen Referenzen. Whitehead kann drei Seiten über das Besondere an afroamerikanischer Frisuren oder die soziale Bedeutung der Bill Cosby Show, die Weiße zunächst für Science Fiction hielten, schreiben und ich liege auf Knien.


    Zitat

    Die Bill Cosby Show trieb uns in die Ecke und zwang uns, unsere Position zu überdenken. Was dort auf der Mattscheibe lief, war eine Version unserer selbst...


    Überhaupt kommt viel Popkulur in diesem Roman vor. In dieser Hinsicht ähnelt der Roman an Jonathan Lethem, vor allem an "Die Festung der Einsamkeit". Ich glaube, was diesen Roman am Ende einen Tick besser als den von Dückers macht, ist dass diese Kinder fernsehen und Comics lesen, während die Geschwister in "Hausers Zimmer" mit von ihren Eltern Wiebke und Klaus ausgewählten anspruchsvollen, politisch korrekten und biologisch abbaubaren Kulturprodukten gefüttert werden. Dafür können die Kinder aus dem Roman von Dückers nichts, und dieses Element stellt für sich schon einen interessanten Konflikt dar, aber Whitehead kann dadurch für mich viel mehr über die Gesellschaft in den 80er Jahren aussagen.

    1982. Die fünfzehnjährige Julika lebt zusammen mit ihrem Bruder Falk und ihren hippen Eltern Wiebke und Klaus (auch "The Wiebkes and the Klauses" genannt) in einer Wohnung in einem typischen Berliner Mietshaus. Sie und ihr Bruder sprechen ihre Eltern also mit ihren Vornamen an und auch ansonsten geht es sehr anti-autoritär und alternativ-grün in dieser Familie zu. Ihre Eltern erlauben ihnen z.B. ihre Wände zu bemalen. Das war nur kurz ein Spaß für die beiden, inzwischen haben sie ihre Kunstwerke mit weißer Farbe übermalt. Ihre Nachbarn sind überwiegend Künstler, wie z.B. Herr Kanz, der sich auf Skulpturen weiblicher Brüste spezialisiert hat, von denen gerade dreizehn große Exemplare im Hinterhof standen, der Installationskünstler Olk und ein gewisser Hauser.


    Es handelt sich hier um einen typischen 80er-Jahre-Roman. Alles was 1982 erwähnenswert war - und das ist gar nicht mal so viel - wird über Julikas und Falks Wahrnehmung gefiltert zur Sprache gebracht. Von dem "Krieg auf den nach mir (Falk) benannten Inseln..." bis zu ABBAs Auflösung.


    Wie der Zufall es wollte, habe ich ausgerechnet zwei 80er Jahre Romane direkt hintereinander in die Hände bekommen und gelesen: diesen von Tanja Dückers (Jahrgang 1968) und "Der letzte Sommer auf Long Island" vom US-Amerikaner Colson Whitehead (Jahrgang 1969). In beiden gibt es 15-jährige Protagonisten (ungefähr das Alter der Autoren zu der Zeit), beide Romane vermitteln sehr viel Zeitgefühl und in beiden geht es um Weltgeschehen und vor allem die Popkulur der Zeit. Beide Romane haben eines nicht: einen Plot. Ich war überrascht, dass ich trotzdem beide Romane überwiegend gerne gelesen habe.


    Im Prinzip ist der titelgebende Hauser das einzige wirkliche erzählerische Element. Julika phantasiert, wünscht sich weit fort, nach Patagonien zum Beispiel. Das stets hellerleuchtete Zimmer von Hauser symbolisiert ihr Fernweh und ihre Sehnsucht nach einem anderen Leben, seine Hawaii-Tapete und seine Rocker-Attitüde. Sie kennt sich in seiner Wohnung aus, ohne sie je betreten zu haben. Inwiefern sie die Wohnung jemals von innen sehen wird, mehr über Hauser erfahren oder vielleicht gar mit ihm auf dem Motorrad ab nach Patagonien verschwinden wird, stellt ein ganz, ganz leichtes Spannungselement dar. Ansonsten besteht der Roman weitestgehend aus einer Aneinanderreihung von Episoden (ich mochte z.B. den Klassentripp nach Ost-Berlin) und Kommentaren zum Weltgeschehen.


    Trotzdem liest sich der Roman sehr gut. Flüssig erzählt und voller kleiner, gewitzter Einfälle. Was ich nicht störend fand, was man aber durchaus kritisieren könnte, ist vielleicht die Erzählperspektive. Da wird vielleicht zu wissend in die Zukunft geschielt: da wird spekuliert, dass in 30 Jahren (also etwa in der Gegenwart) der Bahnhof Zoo, der in seiner vollen Hässlichkeit beschrieben wird, nur noch ein Provinzbahnhof sein wird (Treffer) und dass Joschka Fischer wahrscheinlich in die CDU übertreten wird (gefühlter Treffer). Hat mich, wie gesagt, nicht wirklich gestört, wirkt aber ein wenig konstruiert.


    Wo der Roman "glänzt" ist in der Beschreibung zerfallener West-Berliner-Architektur, den Mietshäusern, den Hinterhöfen und Rattenlöchern. Ingesamt ist der Roman aber weniger clever konstruiert als Colson Whiteheads "Der letzte Sommer auf Long Island", da der gewählte Zeitabschnitt der Romanhandlung willkürlicher erscheint und der Roman dadurch einen weniger "runden" Eindruck macht.

    Ich habe den Roman letztes Jahr als E-Book im englischsprachigen Original gelesen. Der Text war Teil des "Hugo Voter Pakets", das man als Supporting Member der letztjährigen World Science Fiction Convention bekommen hat. Ich gehe davon aus, dass man das dieses Jahr wieder so macht (als kleinen Tipp an interessierte SF-Leser mit E-Reader). Übersetzt heißt das, dass man für die Mitgliedschaft (ich glaube, um die 50 Euro) alle nominierten Romane, Novellen, Kurzgeschichten, Sachbücher etc. bekommen hat, also wirklich eine Menge für sein Geld.


    Mir hat der Roman sehr gefallen und habe sogar für ihn gestimmt. Am Ende hat er dann zusammen mit China Mieville wegen Stimmengleichheit den Preis für den besten Roman bekommen. Und da sagt man mal, eine einzelne Stimme wäre nichts wert :grin


    Kein Thriller, kein Steampunk. Science Fiction, speziell ein Subgenre, das man "Biopunk" nennt, deshalb wohl auch der etwas einfallslose Titel der deutschen Übersetzung. Ich fand den Roman sehr komplex und sehr exotisch. Sehr aufwendiges "World-Building". Mit dem Thailand der Zukunft einen sehr originellen Schauplatz. Hat mich ein wenig z.B. an Romane von Ian McDonald oder Richard Calder erinnert.

    Trotz des schrecklichen Covers gekauft, weil mir die letzten beiden Romane von Thomas Glavinic so gefallen haben.


    Kurzbeschreibung


    Lisa, eine Schwerkriminelle, begeht auf der ganzen Welt rätselhafte Verbrechen. Die Zeichen mehren sich, dass ein Mann ihr nächstes Opfer wird: Sie ist bereits in seine Wohnung eingebrochen. Doch sie bleibt unsichtbar, außer ihrer DNA gibt es keine einzige Spur. Verschanzt in einem verlassenen Landhaus, mit reichlich Whiskey und Koks, spricht der Mann jeden Abend per Internet-Radio zu einem virtuellen Publikum. Komisch bis zum bitteren Ende erzählt Thomas Glavinic aus Österreich vom unsichtbaren Grauen der virtuellen Welt. "Lisa" ist ein Meisterwerk zwischen Humor und Horror, ein Psychogramm des Grauens. Denn Lisa ist überall.



    Über den Autor


    Thomas Glavinic, geboren 1972 in Graz, schreibt seit 1991 Romane, Essays, Erzählungen, Hörspiele und Reportagen. Im Jahr 2010 erhielt er den Literaturpreis der deutschen Wirtschaft in der Sparte Prosa.
    Thomas Glavinic lebt mit seiner Familie in Wien.

    Kurzbeschreibung


    Jeden Sommer trifft sich auf dem Ferienparadies Long Island die New Yorker Mittelschicht. Wenn Benji und seine Freunde in der afroamerikanischen "Enklave" der Insel eintreffen, werden die neuen Klamotten, der neue Jargon, die neuen Songs diskutiert. Voll Wärme und Komik schildert Colson Whitehead einen ganzen Katalog der Kultur der achtziger Jahre, die Regeln und Riten der Gesellschaft und die Unschuld des Erwachsenwerdens. Sein stimmungsvoller Roman ist eine Liebeserklärung an einen paradiesischen Ort in Amerika - und zugleich ein präzises Porträt der schwarzen Mittelschichtjugend.



    Über den Autor


    Colson Whitehead, geboren 1969 in New York, studierte an der Harvard University und arbeitete für die Zeitschriften Vibe, Spin und New York Newsday sowie als Fernsehkritiker für "The Village Voice".