Beiträge von Titus Müller

    Ganz besonders freue ich mich aber über die vielen, vielen kleinen Alltagsdetails, die immer wieder eingestreut sind! :) Die elektrische Rechenmaschine z. B., die zumindest drei Grundrechenarten beherrscht (!), das Klingelzeichen bei der mechanischen Schreibmaschine oder den aufwändigen Kopiervorgang :thumbup:. Das lässt mich so richtig in das Jahr 1961 eintauchen!

    Da hat mir ein Handbuch für werdende Sekretärinnen geholfen: Rudolf Wallner, Otto Feldmann, Ursula Feldmann: Brigitte. Stenotypistin, Sekretärin. Ein Buch aus der Praxis für die Praxis der Verwaltungsarbeit, Berlin 1961. :)

    Ich bin sehr froh, chiclana , hollyhollunder und Arietta , dass euch dieses Auftreten von Kennedy und Honecker usw. nicht stört, sondern sogar gut gefällt. Bin erleichtert! Da war ich mir sehr unsicher. Mich packt soetwas, weil ich Geschichte liebe, aber es passiert so schnell, dass ein Roman überfrachtet wird mit solchen historischen Details. Bis zum Schluss war ich unsicher, ob ich da so ausführlich sein darf.


    Aber seht ihr, jetzt habt ihr mir Mut gemacht, in Band 2 wenigstens in einer Szene Breschnew auftreten zu lassen. :)

    Jetzt hätte ich gleich noch eine - zugegeben sehr persönliche Frage (auf die du natürlich nicht antworten musst) - an dich: ist Titus dein Geburts- oder ein Künstlername? Wie kommt man auf so einen ungewöhnlichen Namen?

    Titus ist mein wirklicher Name. Meine Brüder heißen Claudius und Julian. Und nein, meine Eltern sind keine Altphilologen. Ich glaube, meine Mutter kam darauf, weil mein Vater Matthias heißt und sie an den Dichter Matthias Claudius dachte, als das erste Baby kam. Und nun hieß das erste Kind Claudius, wie macht man da weiter? Genau. :)

    deine Bücher sind ja bisher immer Einzelbände gewesen. Wie kommt es, dass du nun unter die "Trilogie-Schreiber" gegangen bist?

    Hallo Lesebär,


    ich bin selber gespannt, wie ich mit der Trilogie zurechtkomme. Du hast recht, da habe ich keine Übung, bisher waren es immer Einzelbände. Ich habe nur ein einziges Mal eine Trilogie vorgeschlagen, bei der "Brillenmacherin", das war aber beim Verlag nicht gewollt, und seitdem hatte ich keine Romanidee mit passendem Trilogie-Thema. Hier aber empfinde ich es fast als ein Muss. Warum? Das würde zuviel spoilern, fürchte ich ... :schnellweg

    Hallo Titus,

    bei deinen Veröffentlichungen bist du ja ziemlich breit aufgestellt und schreibst über die unterschiedlichsten Themen.

    Wie findest du die Themen, über die du schreiben möchtest? Und wie entscheidest du, ob aus einer Idee ein Buch wird?

    Einen schönen Pfingstsonntag wünsche ich dir!

    Hallo Regenfisch,


    oft begegnen mir Themen in Gesprächen oder beim "Wilden Lesen" (ich lese so ziemlich alles), manchmal ist es nur ein Nebensatz, und ich denke: Wow, dazu müsste es mal einen Roman geben ... Wenn ein neues Buch ansteht, schlage ich dem Verlag die schönsten Themenideen vor, und gemeinsam im Gespräch entscheiden wir uns für eines.

    Titus Müller Ich schließe mich dem Wunsch von Regenfisch an: Magst du erzählen, wie es zu dem Titel/Cover kam?


    Das Cover gefällt mir dagegen sehr gut, ich mag solche Schwarz-Weiß-Grafiken mit Farbakzent.

    Dass die "Spionin" im Titel vorkommen sollte, war ziemlich schnell klar. Mein Lektor Oskar Rauch und ich haben dann lange Listen ausgetauscht mit möglichen Titeln, und am Ende sind wir auch deshalb bei "Die fremde Spionin" gelandet, weil wir drei Titel brauchten und nicht nur einen, die Titel der Reihe sollten zueinanderpassen. Da fanden wir es schön mit "Die fremde Spionin", "Das zweite Geheimnis", "Der letzte Auftrag".


    Das Cover habe ich zum ersten Mal gesehen, als ich Oskar besucht habe für einen kleinen Filmdreh im Verlag (damit die LeserInnen auch mal ins Haus reingucken können), ihr könnt Oskar und die Verlagsräume hier kennenlernen:


    In seinem Büro machte er dann am Bildschirm die Covervorschläge auf, und ich war gleich happy damit (was mir nicht bei jedem Buchcover so gelingt). Das Brandenburger Tor mochte ich schon immer. Und ich finde, das Cover hat Größe und Weite. Aber in meiner Vorstellung ist die rotgekleidete Frau nicht Ria. ;)


    Übrigens, guckt euch lieber nicht den Trailer an, den es bei Youtube zum Roman gibt. Ich bereue im Nachhinein, dass ich da so viel gespoilert habe. :nerv

    Im anderen Handlungsstrang hat mir besonders der sehr raffinierte Mord mit Blausäuregas gefallen. Gestern bin ich mit einem Freund spazieren gegangen, der Professor an einer Polizeihochschule ist und habe natürlich von diesem fast perfekten Mord erzählt. Das hat ein sehr interessantes Gespräch zur Folge gehabt über die Entwicklung der Polizeiarbeit. Ich war nämlich erstaunt, dass ein Ermittler seine Nase in ein verschrumpeltes Organ hält. Nach wie vor sind alle Sinne bei jeglicher Art von Ermittlung äußerst wichtig. Ein großes Lob meines Freundes an den Autor. :anbet

    Wow, vielen Dank! Ich freue mich. :knuddel1


    Hab mir für diesen Mordfall (den es ja wirklich gab) die Autobiografie des Mannes beschafft, der die Leiche untersucht hat. Wolfgang Spann: Kalte Chirurgie. Ein Leben zwischen Recht und Medizin. Darin schreibt er einiges zu dem Fall. Aber obwohl er ein berühmter Rechtsmediziner war und sein Buch toll geschrieben ist, gab es in seiner Erklärung zum Blausäuregas noch kleine Fehler, die mir mein Bruder zu lösen geholfen hat. Er unterrichtet in den USA als Biochemiker an der Uni. Viel Herumfragerei, umso mehr freut es mich, dass die Szene für dich gut "funktioniert" hat. :) Dann hat es sich gelohnt.

    eine Dampflok – wie lange fuhren noch Dampfloks im Regelbetrieb?



    Das ging noch bis in die siebziger Jahre. 1961 sind beide nebeneinander im Einsatz, Dieselloks und Dampfloks.

    Ria wird entführt und einfach in den Westen gebracht. Gab es damals keine Grenzkontrollen zwischen Ost- und West-Berlin?


    Es gab immer wieder Kontrollen, vor allem fischte man Leute raus, die pralle Taschen trugen. Aber gleichzeitig fand jeden Tag ein umfangreicher "Bevölkerungsaustausch" statt, fürs Einkaufen, Kino, Besuchen von Freunden, und vor allem für die tägliche Arbeit: 1961 pendelten täglich noch 12.000 Westdeutsche für die Arbeit nach Ost-Berlin und 60.000 Ostdeutsche nach Westberlin, darunter etwa 3.000 Aufwartefrauen (=Putzfrauen), fast alle Putzfrauen in Westberlin kamen aus dem Osten, außerdem die Hilfskräfte in Krankenhäusern und Altersheimen, auch viele Prostituierte, die nachts am Ku’damm und dem Tauentzien standen, aber auch Verwaltungsangestellte oder BVG-Angestellte, vor allem SPD-Mitglieder, denen man in Ost-Berlin das Leben schwer machte, weil in der restlichen DDR KPD und SPD seit 1946 zur SED vereinigt waren (in Berlin ging das nicht so einfach.)


    Und Studenten! Ein Drittel der Studenten an FU und TU waren damals DDR-Bürger.


    Durch das Brandenburger Tor konnte man hindurchspazieren, auch Autos fuhren munter hin und her, da wurde immer mal rausgewinkt und kontrolliert.

    Der Anfang war nicht "einfach", aber auf alle Fälle sehr spannend! :grin Ich persönlich fand auch nicht die drei Erzählstränge verwirrend, sondern vor allem das unerwartet "Politische" im ersten Abschnitt. Unabhängigkeitskämpfer der Ukraine 1961 - alles klar 8|! Mittlerweile weiß ich, dass er im Verlauf des Buches überhaupt keine Rolle mehr spielt, aber am Anfang wusste ich das nicht und wollte auch nichts überlesen. Dazu kommen die vielen verwirrenden Namen bei KGB und BND. Aber mittlerweile habe auch ich mich prima eingefunden.

    Vielen Dank für die genauere Erklärung. Das hilft mir weiter! (Ich habe extra selber nochmal die ersten Seiten angeguckt, um die Schwachstellen zu finden. :))

    1) ist der erste Band einigermaßen abgeschlossen (nur damit ich weiß, auf was ich mich einstellen muss)?


    2) ich habe mich sehr über das Zitat von Bayern 2 gefreut. Schließlich ist Bayern 2 mein Lieblingsradiosender :), wenn auch relativ wenig bekannt. In welchem Zusammenhang bzw. in welcher Sendung entstand denn das Zitat?

    Hallo Lese-rina,


    ich mag ja selbst keine Cliffhanger, bei denen man dann ein Jahr auf die Auflösung warten muss. "Die fremde Spionin" hat einen in sich abgeschlossenen Bogen, man kann das Buch gut als Einzelroman lesen. So ist es zumindest von mir intendiert.


    Das Zitat stammt von einem Interview bei "Eins zu Eins. Der Talk". Ich mag Bayern 2 auch! Allerdings wurde ich ziemlich gegrillt im Interview, ein Buch pro Jahr erschien Norbert Joa zuviel – oder er wollte mich mit seinem Anwurf aus der Reserve locken. Nach dem sympathischen Vorgespräch vor der Sendung war ich überrumpelt. Natürlich sind mir später, zu Hause, viele gute Erwiderungen eingefallen. (Balzac hat in 20 Jahren 80 Romane veröffentlicht, er hat geschrieben wie besessen. Simenon war ähnlich produktiv).


    Vielleicht bekomme ich irgendwann nochmal die Chance. 8o


    Herzlich


    Titus

    Für eine überarbeitete Auflage möchte ich die Anregung geben, die Worttrennung von Stiefeltern auf Seite 36, Zeile 6 (Leseexemplar) anzupassen. Dort steht Stiefel/-tern und jetzt lese ich immer wieder grinsend Stiefel-tern auch an anderen Stellen im Buch. Stief-/ eltern wäre einfach als Trennung zu lesen.


    Sehr gut! Für solche Hinweise bin ich immer dankbar. :knuddel1Wird korrigiert.

    Vielen Dank euch für die spannenden Rückmeldungen! Viele von euch hatten keinen leichten Einstieg ins Buch, das gibt mir zu denken. Ich habe gleich in den ersten Kapiteln alle drei Erzählstränge eingeführt, den KGB-Agenten Sorokin mit Luisa, Ria und den BND mit Stefan Hähner. Das war offensichtlich zu viel des Guten. Ich merke es mir für die Zukunft, wahrscheinlich ist es klüger, erstmal nur A und B abzuwechseln, und nach einer Weile, wenn die Orientierung klar ist, C einzuführen, also A B A B A und dann vielleicht mal C.


    Danke, dass ihr nicht gleich aufgegeben habt. :grin

    Hallo, ihr Lieben,


    ich freue mich sehr auf den Austausch mit euch. Danke für eure Leseneugier und euer Interesse an der "Fremden Spionin"!


    Da ja noch zwei Bände folgen (am zweiten sitze ich gerade), hat euer Feedback womöglich Auswirkung darauf, wie die Geschichte weitergeht. Es ist diesmal also doppelt kostbar für mich. ;) Toll, dass ihr dabei seid!


    Herzlich,


    Titus

    Willkommen, ich freue mich auf euch und auf die gemeinsame Leserunde!

    unabhängig davon, bei meiner Ahnenforschung komme ich gerade an den Punkt, das Familienmitglieder vor dem Mauerbau in den Osten (zum Arbeiten) gegangen sein sollen. Was ich da alles mittlerweile vom hörensagen erfahren habe, kann so nicht stimmen.


    Haben sie in Berlin gelebt? 1961 pendelten noch viele zum Arbeiten über die Grenze. An der Zonengrenze DDR/Westen war so etwas seit 1952 fast gänzlich unterbunden und illegal, aber 1961 waren immer noch 12.000 Westdeutsche in Ost-Berlin und 60.000 Ostdeutsche in Westberlin beschäftigt.


    Herzlich,


    Titus

    Jetzt 10 Tage später empfinde ich das schon ganz anders. Ich fand das Buch zum einen wirklich unterhaltsam und sehr guterzählt, sei es die Anekdoten rund um Thomas Mann, "den Fall" Franz Tausend und vor allem die wirklich interessant dargestellte Entwicklung und Geschichte des Carl von Ossietzky, die mich sehr berührt und fasziniert hat. Heinrich Arndt als fiktive Figur hat mir ebenfalls gefallen. Vor allem, weil man durch ihn auch einen Blick dafür bekommt, wie hilflos man als "Otto-Normal-Verbraucher" dieser Zeit war, der die Nazigeschichten nicht mitmachen wollte.

    Mein Lieblingsbuch von dir ist übrigens "Die Geigen der Hoffnung". Das Büchlein übers Spazierengehen steht noch ungelesen in meinem Regal.


    Vielen Dank, Saiya! :knuddel1


    Und etwas surreal und bedrückend sind diese Zeiten für uns alle, denke ich. Felix (5) sagte heute früh: "Ich wünsche mir, dass wir heute einen Ausflug machen. Ich weiß auch schon, wohin, einen besonderen. Einen Ausflug in unser Kinderzimmer!" (Ironie kennt er noch nicht, aber er bemüht sich offenbar, das Beste aus der Lage zu machen. :grin)