Ingo Schulze - Die rechtschaffenen Mörder

  • Aufmerksam geworden durch den Beitrag von Sequana

    Kostenlose Hörbücher/Hörspiele

    habe ich mit dem nominierten Buch "Die rechtschaffenen Mörder" für den Preis der Leipziger Buchmesse begonnen.

    Es kann hier mitgehört werden: https://www.mdr.de/kultur/ingo…affenden-moerder-104.html


    Die Inhaltsangabe zum Buch fällt schmal aus.

    Die Geschichte erzählt vom Antiquar Norbert Paulini, der in Dresden zurzeit der DDR ein Antiquariat aufbaut und erstreckt sich über einen Zeitraum von vierzig Jahren.


    Bereits der Einstieg in das erste Hörkapitel macht klar, dass wir es mit zeitgenössischer und nicht mit Wohlfühlliteratur zu tun haben.

    Ingo Schulz versteht es, von Menschen und Büchern anschaulich, klug und warmherzig zu erzählen.

    Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden seines Protagonisten werden mit Höhen und Tiefen erzählt, begleitet von der Liebe zu Büchern.

    (Mithörern und -hörerinnen rate ich Stift und Papier bereit zu halten.)

    Die Stärken des Buches bestehen in den Schilderungen über die Beziehung zwischen Vater und Sohn, den Umgang mit dem Tod der Mutter und dem Werdegang Norbert Paulinis.

    Teilweise hat mich die Geschichte an den braven Soldaten Schweijk erinnert, immer humorvoll und pfiffig.


    Nach drei Hörkapiteln mag ich jetzt schon schreiben, dass mir deutsche Literatur auf diese Weise gefällt und freue mich auf weitere Abschnitte.

  • Viel Spass beim Hören Salonlöwin


    In der Zwischenzeit habe ich das Hörbuch beendet und bin sehr angetan. "Die rechtschaffenen Mörder" stellt als Roman unbequeme Fragen von politischem und gesellschaftlichem Zündstoff zum Zeitgeschehen.


    Ich bin gespannt über die Diskussion im Literarische Quartett morgen Abend (am Freitag, den 06.03.2020 im ZDF um 23 Uhr).

    Viele Grüsse, Sequana :)


    Sage mir worüber du lachst, und ich sage dir, ob ich dein Freund sein kann. (Konfuzius)

  • Ein Drittel habe ich bisher gehört und bin immer noch angetan, Besonders von Sätzen wie:" Er hatte sich für das intensivste und angenehmste entschieden, das einem Menschen möglich war. Für das Leben eines Lesers."

    Doch der Philologe Ingo Schulze macht es seinem Leser nicht immer leicht, zumindest mir nicht, wenn es um den Kanon altgriechischer Literatur von dem ich kaum etwas kenne.

    Bemerkenswert ist an diesem Roman übrigens auch, wie pragmatisch der Held des Buches beschrieben wird und wie er die Unwägbarkeiten bis zur Verwirklichung seines Antiquariats meistert.

    Bereits im 5.Hörkapitel findet die Wende statt, derer sich der Antiquar entzieht.

  • Bin am Anfang des 5. Abschnitts angekommen und mir gefällt es bisher auch sehr gut. Sprachlich ein wahrer Genuß, inhaltlich auch und ausgezeichnet gelesen noch dazu von Sylvester Groth.


    Schöne Zitate zuhauf. Wie pragmatisch der Held ist, hat mich auch beeindruckt. Konsequent alle Werke eines Autors zu lesen, um es ganz erfassen zu können, weil man erst durch das Ganze die Teile verstehen könne und umgekehrt. Die Literatur zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben, egal ob in der Schule, beim Wehrdienst oder später in der Ausbildung. Irgendwie findet er immer zur Literatur und die Literatur zu ihm, bis sie von anderen als selbstverständlicher Teil seiner selbst wahrgenommen wird.

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Das achte Hörkapitel habe ich gerade beendet.

    Der unpolitische Antiquar wird in den Kapiteln 5-7 nun mit der Realität konfrontiert. Nichts ist mehr wie es war. Seine Frau verändert sich oder bemerkt er es jetzt erst, die Kundschaft ändert ihre Interessen und alles ist wichtiger als der Kauf gebrauchter Bücher. Paulini muss sich jetzt der Marktwirtschaft stellen, um zu überleben.

    Im achten Kapitel hängt die Geschichte ein wenig durch und erfährt Auftrieb durch das Verschwinden der slowakischen Putzfrau.

    Ein Aspekt der Geschichte, der mir mich besonders anspricht, ist die grenzüberschreitende Erzählung.

    Immer wieder erzählt Ingo Schulze von Norbert Paulinis Besuchen in der Tschechoslowakei.

  • Mit einer für ihn sehr unschönen neuen Welt, die er sich in seiner Blase nicht vorstellen konnte. Das Leben in seinem Antiquariatskokon war zwar nicht immer schön, aber irgendwie sehr sicher und er hat es irgendwie geschafft, bestimmte Dinge komplett auszublenden. Statt sich zu wundern, dass ihm in extrem kurzer Zeit sehr viele hochwertige Bücher zu Schnäppchenpreisen angeboten werden und darüber nachzudenken, bleibt er lieber in seinem Kokon.


    Umso heftiger dann das Erwachen, das sowohl sein beruftliches als auch privates Leben völlig verändert. Die Menschen aus seinen Literaturkreisen sind plötzlich völlig verschwunden, es scheint keine feste Frendschaft in seinem Leben zu geben, außer den beiden Hilfen im Antiquariat, die ihm aber auch nur bedingt nahestehen.


    Sprachlich nach wie vor toll, mal abgesehen davon, dass ich vermutlich irgendwann von "Norbert Paulini" träumen werde. ;-)

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Durch Zufall gerade auf dem Heimweg im

    Radio gehört, zum Nachhören auf HR Info:


    Das Interview mit Ingo Schulze, Schriftsteller"Ohne Bücher bin ich nicht denkbar"

    Für den Schriftsteller Ingo Schulze hätte der März ein ereignisreicher Monat werden sollen. Auf der Leipziger Buchmesse und auf einer Lesereise wollte er seinen neuen Roman vorstellen. Stattdessen sitzt er wegen Corona zuhause.


    https://www.hr-inforadio.de/pr…bar,ingo-schulze-108.html

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")