Vicki Baum - Menschen im Hotel

  • Erstaunlich fand ich auch sein "Wandlung", als er seinen "Bluff" (Lüge) rausgelassen hatte - danach "flutschte" es ja bei ihm... Aber seine Idee, "in Begleitung" nach England zu reisen, gefällt mir nicht so gut!

    Das fand ich auch erstaunlich, hatte das aber durchaus erwartet. Nachdem ich die erste Wendung des Buches, dass Gaigern ein Betrüger und Dieb ist, nicht erwartet hatte, hatte ich mir schon gedacht, dass Preysing das Ruder noch einmal herum reißen kann.

    Alle leben in einer Scheinwelt und machen sich mächtig etwas vor. Das ist angenehm und spannend, von außen zu betrachten. Ich bin immer heilfroh, dass ich sonst mit der Welt der Reichen und Schönen nichts zu tun habe.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Alle leben in einer Scheinwelt und machen sich mächtig etwas vor. Das ist angenehm und spannend, von außen zu betrachten. Ich bin immer heilfroh, dass ich sonst mit der Welt der Reichen und Schönen nichts zu tun habe.

    Dabei ist das noch gar nicht die Welt der wirklich Reichen - und schon da geht es los mit Tricksen und Betrügen.

    Und es passt eigentlich gar nicht zu Preysing - der ist eher einer, der durch seine Heirat hochgekommen ist und sich seitdem mächtig fühlt. Genau das beschreibt die Autorin auch so anschaulich.


    Regenfisch bist du schon "in die Luft gegangen"? Das fand ich noch schöner geschildert. Fast atemberaubend.

  • Und sehr schön fand ich auch, dass sich der Baron ganz klar darüber war, wie ungewöhnlich das für ihn war, er sich sozusagen selbst beobachtet hat und dennoch konnte er sich dieses aufkommenden Gefühls gar nicht erwehren.

    Das hat mir auch gut gefallen, aber auch das die Autorin die Gedankengänge der beiden darstellt: zwar erhoffen sich beide von der Situation unterschiedliches, gehen also von "verschiedenen Seiten" in dieses Abenteuer - aber beide erleben einen beglückenden Moment - vielmehr, als sie sich eigentlich erhofft / erwartet hatten...

  • Mir hat es in der "Shopping-Szene" fast das Herz zerrissen, als Kringelein entkleidet wurde. Er hat mir so leid getan, so im wahrsten Sinne des Wortes entblößt zu werden.

    An der Stelle habe ich mich für Kringelein fast "fremdgeschämt"... da ist mir deutlich geworden, wie wenig er eigentlich verdient, dass er sich nicht mal etwas neue Kleidung anschaffen konnte (es wird doch wirklich sein geringer Verdienst sein - denn als verschwendungssüchtig wird Frau Kringelein ja nicht dargestellt?) - wo er doch sogar den Hund abschaffen musste...

    Die Fahrt über die AVUS fand ich auch großartig beschrieben

    Ja, und da folgt noch so einiges, was er mit Gaigern unternimmt... Mal sehen, wann Du es erwähnst... Mein Geschmack wäre einiges zwar nicht, aber beschrieben ist es toll!

  • Ich habe tatsächlich auch nur einmal in meinem Leben den richtig echten Kaviar gegessen. Mir hat er geschmeckt, keine Frage, aber Hering, Makrele, Sardinen und Anchovis schmecken mir auch

    Ich habe auch eher sehr selten echten Kaviar gegessen, aber mich überzeugt er auch nicht wirklich, da bin ich etwas wie Kringelein. Es ist genau wie bei Champagner: so richtig ist mir der Unterschied zwischen einem guten Sekt und Champagner bisher nicht deutlich geworden, außer einem Preisunterschied von mindestens 20,--

  • Regenfisch bist du schon "in die Luft gegangen"? Das fand ich noch schöner geschildert. Fast atemberaubend.

    Ja, gerade eben. Ich lag beim Lesen auf dem Balkon. Heute geht ein herrliches Lüftchen. Da bin ich förmlich mitgeflogen.

    Ich bin froh, dass ich das Buch erst jetzt richtig lese. So kann ich es ganz und gar genießen.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Das Kapitel am Sterbebett Kringeleins hat mich ganz schön mitgenommen. Wie traurig, dass er erst todkrank werden musste, um sich des Lebens bewusst zu werden. Mir wurde mal wieder ganz deutlich, was im Leben wirklich zählt. Es tut gut, dem immer wieder zu begegnen, ob durch persönliche Gespräche oder in der Literatur.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Rumpelstilzchen

    Ich kenne "Vor Rehen wird gewarnt" nicht, deshalb kann ich es leider nicht vergleichen. Aber mir hat das Buch auch gut gefallen - genau wie Du sagst: mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken. Zwischendurch war ich dann auch immer wieder mal erstaunt, dass das Buch vor über 90 Jahren geschrieben wurde. Ich werde heute oder morgen mal eine Rezi schreiben, das ist zumindest mein Vorsatz...

  • Ich habe mein Buch leider nicht mehr hier (war aus der Onleihe), aber Dein "Sterbebett" hat mich doch etwas irritiert...

    In dem Moment, als ich die Szene las und dann den Beitrag schrieb, dachte ich, dass er stirbt. Mit der Wendung am Ende rechnete ich nicht.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin