Beiträge von Sonnenschein12

    Es geschehen noch Zeichen und Wunder: auch ich habe das Buch jetzt beendet...

    Mir hat das Buch gut gefallen, dabei besonders, dass es so konsequent nur aus der Sicht der Angestellten geschrieben ist... Das informative Nachwort rundete die Geschichte noch einmal gut ab! Im Nachwort ist mir besonders ein Satz aufgefallen: "Gelebte Sexualität zwischen Frauen interessierte niemanden, denn den Frauen wurde ja keine eigene Sexualität zugesprochen." (S.424) Ja, das stimmt, ich habe mich schon häufiger gefragt, warum immer so "ein Mordstheater" um den § 175 (bei Männern) gemacht wurde - aber stimmt natürlich: Frauen waren nicht so wichtig und ihre Sexualität auch nicht... Danke für die logische Erklärung!

    Ich habe es hier schon häufiger geschrieben: ich ahnte / wusste schon immer, dass das Dasein als Angestellte bei einem Fürst , Graf etc. auf dem Land kein "Zuckerschlecken" war (woher ich diese Sicherheit hatte, weiß ich selbst auch nicht, ich besichtige gern Schösser, vielleicht wurde es dort bei einer Besichtigung mal erwähnt?), deshalb fand ich es immer nur sehr realistisch dargestellt... Wie gesagt, die Zeit der Leibeigenschaft war noch nicht sooo lange vorbei.

    Heftig - und richtig mitgenommen - hat mich die Szene um die Geburt der jüngsten Schwester / Tod der Mutter - na klar, ich hätte es Dank der "Geisterbeschwörung" ja auch schon vorhersagen können, aber puuuh... Wobei ich hier Adelheids Schritte nicht so richtig nachvollziehen konnte: sie sagt zu ihrem Vater sehr richtig, dass sie gerade jetzt die Fürstin nicht nach einem Arzt fragen kann (da würde mich überhaupt interessieren, ob der Fürst tatsächlich für einen Arzt hätte sorgen müssen?), dann marschiert sie direkt zur Fürstin (unsichtbar sollte sie eigentlich bleiben...) und legt eine fast melodramatisch anmutenden Szene hin. Gut, Adelheid war verzweifelt, am Ende, vor Trauer fast nicht mehr bei Sinnen, aber das? Und ja, es ist mir auch klar, dass sie diese Szene als "Nährboden" für ihre Rachegefühle benötigt - aber auch da ist mir dieses "Rachegelüst" für Adelheid fast schon übertrieben - sie ist dank Hedda "aufgewacht", sieht den Reichtum nicht mehr als "gottgegeben" an, will ihr Stück vom Glück... alles richtig, aber gleich "Rache"? So richtig sauer sollte sie auch auf ihren Vater sein, der ja nun die Familie total allein lässt...

    Noch eine Frage treibt mich um: wir haben immer noch nicht erfahren, warum der Fürst eigentlich wollte, dass Adelheid eingestellt wird? Oder habe ich da etwas überlesen?

    Über die Harden-Eulenburg-Affäre muss ich mich unbedingt noch etwas ausführlicher informieren...

    Das Buch hört zwar leider genau da auf, wo es spannend wird: zum ersten Mal zeigt sich ein zartes Pflänzchen der Solidarität zwischen den Angestellten (zumindest Hedda, Viktor und auch Adelheid zum Teil), aber so ein "Cliffhanger" war ja bei einer Trilogie fast zu erwarten... Auch mit Opitz habe ich noch eine Rechnung offen... Aber vermutlich hat er den Fürsten wegen seiner Homosexualität "fest im Griff"... Nein, ich wusste, dass es eine Trilogie ist und ahnte, dass es dann aufhört, wenn es spannend wird...


    Ich muss leider los, später mehr...

    Zumindest Opitz könnte aber ein Auge darauf haben. Irgendwie habe ich mich in den Strukturen der Bediensteten nicht zurecht gefunden.

    Ja, ich glaube, von der "gedachten" Struktur sollte es wohl Opitz sein - vielleicht in Absprache mit der Mamsell? Aber Opitz "kocht" ja sein eigenes Süppchen (ich glaube, "Unzucht mit Abhängigen" nannte man es - wenn es denn jemals zur Anzeige kommen würde....) und ist sowieso etwas "out of order" (Alkohol). .. Ich frage mich, ob und wann es mal der Fürstenfamilie auffallen könnte... Also, m.E. braucht sich keiner Hilfe von Opitz zu erhoffen, dann schon eher von Viktor, der aber nun leider (noch) nicht in der Position ist...

    Dies in einer Rezension als negativen Punkt zu werten, finde ich schon sehr seltsam.

    Den früheren Umgang mit Homosexualität, mit Frauen oder anderen Ländern und Kulturen zu verschweigen oder im Nachhinein schön zu reden, ist in meinen Augen auch irgendwie respektlos. Als würde man vor der Geschichte die Augen verschließen.

    Ja, ich finde es auch immer richtig und wichtig, es genauso zu beschreiben, wie es zu der damaligen Zeit empfunden wurde...

    Deshalb vermute ich, die Mamsell hat durchaus, wenn nicht die Befugnis, aber doch Mitspracherecht, wer wo eingesetzt wird. Und sie könnte da schon zumindest Empfehlungen aussprechen, wenn doch jemand offensichtlich untauglich für seine Arbeit ist.

    Hm, ich glaube nicht... Denkt doch mal an den Anfang des Buches: die Mamsell war doch vollkommen entsetzt, dass Adelheid überhaupt eingestellt wird....

    wenn ich so arm bin und um mich herum so viel Luxus und Geld und Dünkel herrschten. Ich weiß nicht, ob ich da standhaft bleiben könnte. Bin da ganz ehrlich

    Ich glaube, das ist ein wichtiger Aspekt - bei genauem Nachdenken: stimmt, ich glaube, ich auch nicht... und sie macht es ja nicht für irgendwelchen Schnick-schnack, sondern für ihre Überfahrt nach Amerika! Na, dann will ich mal ganz fest die Daumen drücken, dass es nicht auffliegt....

    Aber auch von Hugo habe ich einen ersten guten Eindruck erhalten. Ich war mir nicht so sicher, ob er wirklich ein guter Kerl ist, aber zumindest bisher scheint es so zu sein.

    Da stimme ich vollkommen mit Dir überein...

    Wie abwertend und hässlich derweil von allen über Homosexualität geredet wird, trifft mich aber immer mitten ins Herz.

    Da habe ich auch gedacht: wie gut, dass wir heute anders darüber denken... so richtig ist die ganze Aufregung aus unserer heutigen Sicht nicht nachzuvollziehen, aber klar, ich weiß, dass es damals der allergrößte Skandal war, als "175-er" gebrandmarkt zu werden...

    Aber fürchterlich - das verwöhnte Gör verlangt da doch tatsächlich, daß Constanze ihren Ruf, ihre Zukunft und ihr Geld für sie aufgibt?

    Wie borniert war sie eigentlich. Das ist ja selbst für eine Komteß schon unmöglich.

    Das fand ich auch unerhört und nicht zu glauben... aber so war es eben mit den "Herrschaften"...

    Auch Hedda gefällt mir immer besser - schon ihrer Einstellung wegen - von wegen vorgeschriebene Ordnung.

    Macht und Glld - das hat sie richtig erkannt und unterrichtet auch Adelheid darüber.

    Da war ich auch begeistert...

    Und Opitz wird immer mehr zum Scheusal - was maßt der sich an, den Brief von Vikotor lesen zu wollen. Selbst wenn es ein Angebot gerwesen wäre, was geht den ollen Opitz das an.

    Stimmt, das hatte ich ganz vergessen... Ich stimme mit Dir überein, dass Opitz mal in seine Schranken gewiesen werden sollte - aber von wem?

    Ich habe nicht soooo lange an diesem Abschnitt gelesen, aber wir hatten Besuch und ich bin kaum in die Nähe meines Laptops gekommen... und um ein Leseabschnitt zu kommentieren brauche ich schon etwas Zeit und Ruhe... Ich war auch schon sehr versucht, dann doch weiterzulesen, aber habe es mir verboten, weil man dann doch manchmal durcheinander kommt....

    Das mit Constanze war ja fast ein kleiner Krimi, vor dem letzten Pfandleihgeschäft hatte ich schon fast die Hoffnung aufgegeben, aber siehe da: Wunder geschehen immer wieder... Das hat mich richtig gefreut, dass Augusta dann doch letztendlich überführt wurde, den Ring versetzt zu haben. Das Mädel hat sich wirklich keinen schlechteren Moment für ihre Eskapaden aussuchen können, von mir bekommt sie keinerlei Verständnis für ihre Aktion - verzogenes Gör! Und dann noch Constanze die ganze Schuld in die Schuhe schieben wollen (na ja, nicht wollen, sie haben es ja definitiv getan), sie habe nicht genügend darauf geachtet... ts,ts,ts - und die Eltern waschen ihre Hände in Unschuld...

    Über das Angebot des Privatdetektivs bin ich äußerst misstrauisch, es hört sich fast zu gut an, um wahr zu sein... Da hätte ja Constanze tatsächlich das große Los gezogen, aber, aber... Erstaunt war ich darüber, dass eine der Einschränkungen war, die ältere Dame sei "Jüdin" und deshalb wollen nicht alle bei ihr arbeiten... Ich glaube ja, dass die Recherche stimmt, aber ist 1907 das Judentum schon so mit einem Makel verbunden? So von meinem Gefühl her, dachte ich es hätte später angefangen... Aber es ist schon richtig, schon viel früher wurden die Juden in anderen Ländern ausgegrenzt, verfolgt und ermordet...

    Bei der "Geisterbeschwörung" ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen, obwohl ich an "so'n Zeug" nicht glaube (und ich auch keine Vorstellung habe, wer aus dem Schloss von der erneuten Schwangerschaft von Adelheids Mutter wissen könnte), habe ich ein ganz schlechtes Gefühl für die Geburt...

    Hedda gefällt mir immer besser und ich bin fast bereit, ihr ihre Diebstähle zu verzeihen... Ich finde, bei ihrer Lebensgeschichte hat sie das Recht, mal ein ganz großes Stück Kuchen abzubekommen... Am liebsten würde ich ihr die Überfahrt finanzieren... Aber ich als Mensch der heutigen Zeit weiß ich auch, dass in Amerika nicht alles Gold ist, was glänzt... Die Einwanderer haben es auch ganz schön schwer und mühselig gehabt und nicht jede/r hat sein Glück gefunden... Ich finde es gut, dass sie jetzt Adelheid etwas "unter ihre Fittiche" nimmt und ihr die Realitäten des Lebens beibringt... Und natürlich finde ich ihre politische Meinung vollkommen richtig, aber weiß leider auch, dass sie noch sehr lange warten muss, bis sich in Deutschland etwas verändern wird...

    Ich weiß nicht, ob ich nachher noch dazu komme, mir die Kommentare meiner Vorrednerinnen durchzulesen, ansonsten morgen... Aber nun habe ich erstmal geschrieben und kann weiterlesen...

    Oh, oh, Asche auf mein Haupt - ich hatte die Rezension vollkommen vergessen, es tut mir wirklich ganz doll leid... Aber dafür werde ich sie im Laufe des heutigen Nachmittags auf diversen Foren einstellen (u.a. auf Amazon!)


    Warum wurde Susanna von Hohenmarschen-Klamroth ermordet?


    Nach „Haie unter dem Eis“ war „Todeslied“ mein zweiter Krimi von H. Dieter Neumann um die TV-Journalistin Kira Lund. Beide Bände sind unabhängig voneinander zu lesen, wobei ich bei Serien immer empfehle, nach Möglichkeit die Reihenfolge einzuhalten – mir bringt es Spaß, die Entwicklungen der Protagonisten zu verfolgen.

    Die im Titel der Rezension erwähnte Susanna von Hohenmarschen-Klamroth (ich finde den Namen so imposant, ich muss ihn einfach noch einmal erwähnen!) ist der „strahlende Stern des Chores (…), eine Siebenunddreißigjährige mit langjähriger klassischer Gesangsausbildung“ (S. 15), die vor der Generalprobe eines wichtigen Konzertes in Sonderburg/Dänemark spurlos verschwindet. Zwei Wochen später wird ihre Leiche gefunden.

    Auf Wunsch ihres Chefs bricht Kira Lund ihren Segelurlaub ab (wie praktisch, da sie sowieso gerade in Dänemark ist...), um gemeinsam mit ihrem Kollegen Tim Scholler (Scholli genannt) über die Ermittlungen im TV-Magazin „Unser Land am Abend“ zu berichten. Dabei kommt ihr sicherlich zugute, dass sie die ermittelnde Polizistin Helene Christ kennt und sich zwischen beiden langsam eine Freundschaft entwickelt.

    Verdächtige gibt es in Hülle und Fülle: der Kammerchor entpuppt sich als wahres Wespennest der Eifersüchteleien, Neid, wilden Spekulationen, Intrigen, Denunziationen...Auch erfahren wir – vor Kira und der Polizei – einiges über den Ehemann, dass ihn in gar keinem guten Licht erscheinen lässt...

    Ja, als Leser*innen sind wir echt gefordert, den Spreu vom Weizen zu trennen – aber mehr wird hier nicht verraten! Nur als Abschluss: ich konnte das Buch befriedigt zuklappen, alle losen Enden wurden zu einem festen Tau zusammen gespleißt (um mich auch mal in der Segler-Sprache auszudrücken – hoffentlich richtig!)), alle Puzzleteile waren logisch und ordentlich an ihren Platz gerutscht!

    Zwischen der Spannung gönnt uns der Autor aber auch immer wieder schöne Entspannungsmomente (Entschleunigen und Luft holen ist angesagt), z.B. „Kein Land in Sicht. Kein Laut zu hören außer dem stetigen Zischen des Wassers am Rumpf und dem Gurgeln der Hecksee. (....) Auch hinter dem Boot sah sie nur blaugrünes Wasser, gesprenkelt mit einigen weißen Segeln.“ (S. 26). Kira liebt „Nordfriesland, dass im äußersten Nordwesten Schleswig-Holsteins lag und direkt an die Nordsee mit ihrem einzigartigen Wattenmeer grenzte.“ (S. 123)

    Und noch eine Besonderheit aus Schleswig-Holstein erfahren wir quasi „nebenbei“: wir bekommen einen Einblick über die historische Entstehungsgeschichte der dänischen Minderheit („dänische Südschleswiger“). Für den Südschleswigschen Wählerverband -SSW- gilt ja auch als einzige Partei in Deutschland nicht die Fünfprozentklausel, deshalb haben sie aktuell (2021) auch wieder einen Abgeordneten in Berlin.

    Also: außer einem guten, logischen und nachvollziehbaren Krimi wieder etwas dazugelernt... Schon „Haie unter dem Eis“ hat mir gut gefallen, aber „Todeslied“ fand ich sogar noch besser, eine klare Steigerung – deshalb für diejenigen Menschen, die gute Krimis mit norddeutschem Flair lieben: eine absolute Empfehlung!