Krieg und kein Frieden in Sicht

  • Mir macht dieser Krieg, diese Situation heute noch mehr Angst als vor einem Jahr.

    Für mich ist alles irgendwie unberechenbar und irrational.

    Ich rechne noch mit Vielem - und leider wenig Gutem.

    Unfassbar, dass die Menschheit nichts aus vergangenen Kriegen gelernt hat.

    Aber das war wohl auch schon immer so.


    An manchen Tage kann ich die Nachrichten dazu wirklich auch nicht mehr ertragen.

    Präsent ist der Krieg jeden Tag für mich.

    Aber auch ich fühle mich relativ hilflos.

  • rienchen das ist genau das, was ich meine. Am Ende sind das alles Menschen. Idioten gibt es ganz sicher überall. Was mir mittlerweile immer mehr entsetzt ist, dass gerne nur noch in Schubladen gedacht wird. Die Russen, die Ukrainer, die Veganer, die LGBTQ Leute…. Vermeintlich alle gleich und dabei doch so unterschiedlich.
    das macht mir schon auch Angst, das ist der perfekte Nährboden für Vorurteile. Und wo sowas hinführen kann haben wir im letzten Jahrhundert ausgiebig erlebt.

  • Menschen brauchen plusminus drei bis fünf Wochen, um sich an neue, auch katastrophale Lebensumstände zu gewöhnen, um sie als Normalität zu akzeptieren, um den Fokus wieder auf andere Dinge zu richten, und nicht mehr unaufhörlich darüber nachzudenken, wie scheiße plötzlich alles ist - und daran total zu verzweifeln. Das ist ein Schutzmechanismus, den man als "Abstumpfung" bezeichnen könnte, und er ist u.a. für die Halbwertszeit der Katastrophenberichterstattung verantwortlich, aber auch dafür, dass Leute nach einer Weile damit aufhören, gegen ein Schicksal anzukämpfen, obwohl es besser wäre, wenn sie das tun würden. Etwas gerät ungefähr nach dieser Zeit allmählich aus den Schlagzeilen, wird zur Nebenmeldung, obwohl es sich längst noch nicht gebessert hat. Das ist also ein "natürlicher" Prozess, und ebenso natürlich und menschlich ist es, wenn man mit trauriger Ermüdung darauf reagiert, wenn ein Thema, ein Vorgang trotzdem noch so enorm präsent bleibt, und weiter Aufmerksamkeit einfordert. Das Thema quält, es quält physisch, vor allem aber das Gewissen, weil man spürt, dass man den Fokus lieber auf andere Dinge richten möchte, weil auch die gedankliche Solidarität anstrengend wird, weil sich alles in einem Normalität wünscht, wozu auch gehören kann, dass das Geschehen zwar bleibt, aber keine so große Rolle mehr im Alltag spielt. Davon abgesehen können wir nicht alle sämtliche Last auf unseren Schultern tragen. Wir wären nicht mehr lebensfähig, wenn wir unaufhörlich all die großen Probleme wälzen und durchdenken würden, die die Menschheit bedrohen, wenn uns all die Schicksale ständig gegenwärtig wären, und die Menschen, die unter all den Krisen leiden, die es derzeit gibt, zu einem Gutteil übrigens auch aufgrund unserer Lebensweise. Unser Wohlstand - und mit "uns" meine ich Europa, Nordamerika, einen Teil von Asien und Australien - ist auf Kosten des so genannten "globalen Südens" erkauft; er funktioniert nur, weil Menschen dort leiden, kurze Lebenserwartungen haben, unter krassen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Wir wissen das, und wir wissen auch, wie es heute und jetzt den Frauen in Afghanistan geht, den Menschen im Kongo und im Jemen und in Syrien und im Iran, aber wenn wir uns das ständig vor Augen führen würden, bliebe da eigentlich nur die Kugel.


    Ich beobachte das auch an mir selbst, ohne jeden Zweifel und bei fast jedem Thema, einschließlich des Ukraine-Kriegs. Das umso mehr, wenn man nicht direkt etwas tun kann, sich also zugleich im Wortsinn ohnmächtig fühlt. Dann kostet es nämlich noch mehr Kraft, sich zu engagieren, zu argumentieren, anzukämpfen. Am Anfang, während der ersten Wochen, da war es leicht, fast ein Reflex. Ich weiß nicht, wie viele Menschen jetzt noch zu einer Demo wie vor gut einem Jahr zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor kämen - es waren eine halbe Million. Vielleicht ein Zehntel? Ich denke, das wäre schon viel. Und bereits der Gedanke daran macht ein bisschen fertig, auf unangenehme Art, aber andererseits haben all diese Signale auch ihre Wirkung und Bedeutung zu ihrer Zeit. Es ist in gewisser Weise okay, wenn die Aufregung etwas abgeklungen ist, wenn sie besser ventiliert wird - Hauptsache, sie ist noch da, und man hat nicht die Seiten gewechselt, um endlich sämtliche Bequemlichkeit zurückzubekommen.


    Das Leben sollte so nicht sein. Dass es so ist, ist vermutlich nicht unsere Schuld. Deshalb hat auch jeder meine Begeisterung und Bewunderung, der mit dem Ankämpfen weitermacht, aber es hat auch jeder mein Verständnis, der überwiegend einfach wieder sein eigenes Leben führen möchte. Weil wir nur eines davon haben.


    So, das war die Pathosansage für Mittwoch, den 29.3.23.

  • Ich mir auch, ich habe immer noch Angst und Sorgen, das er irgendwann auf den Knopf drücken wird, vor Verzweiflung.