Der Eulen-Fußball-Stammtisch (ab 08.06.2024)

  • Ob Horst Steffen auf die Schnelle das Ruder hätte rumreißen können, ist auch fraglich.


    So eine Sieglos-Serie ist oft ein Genickbruch.

    Wir werden sehen. Auf jeden Fall heißt es jetzt wieder, mit aller Kraft gegen den Abstieg zu kämpfen. Das wird nervenaufreibend.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • St. Pauli und Heidenheim sind dieses Jahr so schwach, dass Bremen sicherlich vor diesen beiden bleibt. Ich hätte Horst Steffen ein glücklicheres erstes Bundesligajahr gewünscht. Seine Leistung in Elversberg war jedenfalls herausragend.

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich bin nur Fan, beschäftige mich aber nicht mit dem Fußballzirkus abseits des Platzes. Deshalb meine Meinung ausschließlich meinem Bauchgefühl. :grin Und das war gut. Ich finde eher, dass im Management einige Ungereimtheiten zu finden sind. Fehlkäufe und das Nichtwissen um Leihspieler lassen tief blicken. Aber anscheinend waren auch einige Spieler mit Steffen unzufrieden. Ach man, als Werder-Fan hat man es nicht leicht. Aber wer will das schon....:help


    Edit: In Hannover läuft es ja gerade sehr gut. Das freut mich für dich.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Mir war Steffen auch sympathisch, aber was doch schon auffiel, war, dass fast dasselbe Personal, das im Herbst noch fast auf Europakurs war, plötzlich so schwach war, auch wenn das Sturmproblem vielleicht auch schon präsent war. Njinmah trifft nun wirklich kein Scheunentor. Wenn man sich aber ansonsten das Team so anschaut: Im Oktober sah das noch wie ein Dreamteam aus, mit ein paar durchaus interessanten Leihen wie Sugawara, Puertas.


    Ich mag das überbewerten, aber das Spiel gegen den HSV schien mir entscheidend, und da begann ich auch, an Steffen zu zweifeln. Auf die Bedeutung des Nordderbys vorher angesprochen, weil den meisten Spielern das ja vielleicht nicht so bewusst ist, meinte er ja nur, die Spieler seien immer motiviert, da müsse man sie für das Derby nicht besonders heiß machen. Beim HSV hingegen hat man sie eine Woche gezielt auf das Spiel heiß gemacht, mit dem entsprechenden Resultat. Dann Friedl so lange auf einer Position, die er nicht konnte.


    Man darf nicht vergessen: Steffen hatte keinerlei Erstligaerfahrung. War vielleicht auch eine Nummer zu groß für ihn.

  • Man darf nicht vergessen: Steffen hatte keinerlei Erstligaerfahrung. War vielleicht auch eine Nummer zu groß für ihn.


    Soll man also lieber Trainer aus der ersten slowenischen Liga holen, damit es passt? Ich finde den Verweis auf die fehlende Erfahrung gerade bei jemandem, der über 200 Spiele als Spieler in der Bundesliga hinter sich hat, sehr dürftig. Wer so klar in der zweiten Liga auf sich aufmerksam macht, verdient eine Chance in der Bundesliga. Man muß sich viel mehr fragen, wie Werder darauf kam, daß die Philophie zum Klub passt. Steffen hat in Elversberg junge Spieler aufgebaut und ist damit nach mehrjähriger Anlaufzeit in die zweite Liga marschiert, wo man sich dann mit weiteren jungen Leihspielern aus der Bundesliga verstärkt hat. Bei Werder, die unter Werner stets auf ältere Spieler gesetzt haben, bekam er sechs neue Leihspieler, der jüngste war der 23jährige Ersatztorhüter. Die einzige echte Verjüngung (wenn man von eigenen Jugendspielern mal absieht, wo Horst Steffen ja zumindest bei Coulibaly fündig wurde) im Sommer betraf die zehn Mio Euro Verpflichtung Mbangula, der bald nur noch auf der Bank saß. War Steffen hier in die Verpflichtung involviert? Wie auch immer, eine radikale Änderung der Vereins / Transferphilosophie in Richtung des neuen Trainers Horst Steffen kann ich hier nicht erkennen.

    "Wie kann es sein, dass ausgerechnet diejenigen, die alles vernichten wollten, was gut ist an unserem Land, am eifrigsten die Nationalflagge schwenken?"
    (Winter der Welt, S. 239 - Ken Follett)

  • „Dürftig“: Wieso gleich so erregt? Ganz ruhig, ist nur eine Meinung meinerseits.


    Ich weiß aber jetzt auch nicht, inwiefern die Anzahl der Bundesligaspiele als Spieler irgendwas aussagt. Rein faktisch sind zwei Jahre 2. Liga mit Elversberg und vorher kurz mit den Stuttgarter Kickers quantitativ relativ wenig und auch relativ weit weg vom typischen Bundesligazirkus. Stimmt allerdings schon, dass Steffens Vorgänger auch eher 2.-Liga-Erfahrung mitbrachten.


    Wobei es natürlich auch Sinn machen kann, einem neuen Trainer eine Chance zu geben. Werder hat ja in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Jugendtrainern gemacht, die aufgestiegen sind. Dieses Mal scheinen sie es ja auszuschließen.


    Wie auch immer, so ganz die Erfahrung zu hinterfragen, scheint mir nicht komplett unsinnig.

    Und das soll jetzt kein Freifahrtschein für Clemens Fritz sein. Der hat für mich ein deutlich schlechteres Bild abgeliefert, und ich würde es konsequent finden, wenn man sich auch da trennen würde.

  • Sorry, wenn das zu erregt / negativ rüber gekommen ist. So war es wirklich nicht gemeint. :knuddel1


    Doch, ich denke schon, dass Erfahrung als Spieler Gewicht hat. Sonst hätte Bayern sich sicherlich nicht auf das Experiment Kompany eingelassen. Bei Steffen sehe ich diesbezüglich eher das Problem, dass seine Spielerkarriere schon lange zurück liegt. Aber wie gesagt, aus meiner Sicht ist er vor allem daran gescheitert, dass Werder sich Transfertechnisch kaum auf seine bisherige Philosophie zubewegt hat, sondern gehandelt hat, als sitze immer noch Werner auf der Bank. Die Transfers habe ich im Sommer nicht verstanden und verstehe sie auch jetzt noch nicht.

    "Wie kann es sein, dass ausgerechnet diejenigen, die alles vernichten wollten, was gut ist an unserem Land, am eifrigsten die Nationalflagge schwenken?"
    (Winter der Welt, S. 239 - Ken Follett)

  • Doch, ich denke schon, dass Erfahrung als Spieler Gewicht hat. Sonst hätte Bayern sich sicherlich nicht auf das Experiment Kompany eingelassen. Bei Steffen sehe ich diesbezüglich eher das Problem, dass seine Spielerkarriere schon lange zurück liegt. Aber wie gesagt, aus meiner Sicht ist er vor allem daran gescheitert, dass Werder sich Transfertechnisch kaum auf seine bisherige Philosophie zubewegt hat, sondern gehandelt hat, als sitze immer noch Werner auf der Bank. Die Transfers habe ich im Sommer nicht verstanden und verstehe sie auch jetzt noch nicht.

    Komplett d’accord bei der Transferpolitik. Mich hat auch die hohe Zahl an Leihspielern nervös gemacht. Das fühlte sich nicht nachhaltig an, und selbst im besten Fall wäre es für Steffen dann im Sommer wieder bei Null angefangen.


    Ich habe ja den Eindruck, der Kompany-Effekt ist ein ganz anderer (oder vorher bei Alonso). Das sind halt Spieler, die auch für die aktuellen Spieler noch so einen Klang haben. Finden es vielleicht dann cool, mit jemandem real zu arbeiten, den sie virtuell als Kinder bei FIFA gezockt haben. Da hat, glaube ich, so die Uerdingen-Zeit von Steffen nicht diesen Effekt. Was die eigentliche Expertise angeht, spielt das natürlich überhaupt keine Rolle, aber ich schätze, die Strahlkraft dieser Spieler hat einen Effekt.

    Was anderes, was mich gerade ein wenig wundert: Das „wir brauchen Input von außen, wollen keine interne Lösung“ kam von den Werder-Verantwortlichen wie aus der Pistole geschossen, aber wieso eigentlich? Wenn ich richtig zähle, haben sie das jetzt dreimal hintereinander nicht gemacht, auch wenn sie früher zugegeben sehr auf interne Lösungen standen. Vielleicht wäre da jemand mit Werder-Strahlkraft gerade so eine Lösung für den Kompany-Effekt. Aber wie man so hört, haben sie ja eher so ein unbedingtes Klassenerhalts-Profil. Da wird einem leicht Angst und Bange. Wer ist denn da gerade auf dem Markt? Labbadia? Fühlt sich von der Strategie wieder mehr nach Aktionismus als Nachhaltigkeit an.


  • Ich vermute, einen Jugendtrainer hochzuziehen, wird den Verantwortlichen zu riskant sein. Ein oder zwei Spiele, okay, um sich Zeit für die Sondierung des Marktes zu verschaffen und nicht unter Zeitdruck verhandeln zu müssen. Dann muss aber jemand her, bei dem es, sollte es am Ende doch schief (und Werder in die 2. Liga) gehen, nicht heißt: Warum habt ihr nicht jemanden geholt, der Erfahrung mit solchen Situationen hat? Ich denke nicht, dass es jemand mit einem ausgesprochenen Feuerwehrmann-Ruf werden wird, wie Friedhelm Funkel, aber jemand, der einige Spiele an der Seitenlinie eines Bundesligisten gemacht hat, der sich im unteren Tabellendrittel durchgekämpft hat.

  • Das habe ich auch gelesen und bin so ratlos wie Du, was das soll. Die interne Lösung Makiadi klingt nicht so schlecht und ist bestimmt billiger als jede externe Alternative. Feuerwehrmann a la Labbadia, Funkel etc ist ganz gruselig. Einer, der den Verein als Spieler kennt, wäre Sandro Wagner. Ist zwar auch schon lange her, aber in Bremen ändert sich ja nicht so viel. :grin

    "Wie kann es sein, dass ausgerechnet diejenigen, die alles vernichten wollten, was gut ist an unserem Land, am eifrigsten die Nationalflagge schwenken?"
    (Winter der Welt, S. 239 - Ken Follett)

  • Also mit Clemens Fritz habe ich vor 25 Jahren in Erfurt mal ein Bier getrunken, an dem kann es also nicht liegen. :grin


    Erfahrung sollte Steffen eigentlich genug haben. Ich glaube auch nicht, dass Steffen nur mit dem System und Bedingungen wie in Elversberg klar kommen kann. Da sollten eher Trainingsgestaltung und Kabinenansprache Indizien sein, ob man mit dem Trainer weitermachen kann.


    Ich habe die Spiele dieses Jahr nicht verfolgt. Ist denn aus eurer Sicht die Mannschaft vom Potenzial her besser als der Tabellenstand und die Leistung?