'Wiedersehen in Rajasthan' - Seiten 159 - 265

  • Was beide Handlungsstränge eint ist, dass sowohl Paula als auch Gesa in dysfunktionalen Familien leben.


    Paula selbst ist allerdings auch ein schwieriger Mensch. So verrät sie Amita aus Zorn, dass sie adoptiert wurde, bevor diese das selbst wußte.


    Ihre Mutter sagt an einer Stelle „Gesa ist der gütigste Mensch. Wie gerne hätte ich sie als Mutter gehabt“. Hier dachte ich mir: warum bist Du Deinen eigenen Töchtern dann selbst so eine suboptimale Mutter? Eigentlich müsstest Du es doch besser wissen!


    Die beiden Mädels müssen ins Internat, während die Mutter mit Conrad nach Deutschland reist, zu Onis Beerdigung. Sehr befremdlich finde ich, dass die Mädels von Gesa gesagt bekommen, dass sie ins Internat müssen und nicht von ihrer Mutter.


    Natürlich finde ich die Umstände unschön für die Mädels, aber das Internat selbst scheint mir jetzt nicht so schlimm zu sein. Paula schmiedet wenig überraschend Fluchtpläne, aber Clara scheint sich auf der Schule besser einzuleben als sie und vereitelt diese Pläne, indem sie sie einer Mitschülerin anvertraut.


    Gesa erlebt auch harte Zeiten: sie hat nur wenige Freiheiten und Ravi entpuppt sich als immer unangenehmerer Zeitgenosse. Richtig mies finde ich, dass er einfach entscheidet, beide Söhne auf ein weit entferntes Internat zu schicken.


    Das Schlimmste von allem ist aber, wie er Madhavi „weggesperrt“ hat, damit sie aus dem Weg ist. Hier finde ich sehr schön, dass Gesa im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles tut, um für Madhavi zu sorgen. Wieder einmal mehr dachte ich daran, wie schwer es Frauen in Indien doch haben. Ihre Sorge um Madhavi findet auch Mrs Khandals Zustimmung, die nicht mit allen Entscheidungen ihres Sohnes einverstanden ist, aber leider auch nichts zu sagen hat.


    Endlich gibt Ravi außerdem zu, die Post von und nach Deutschland verbrannt zu haben. Mich wundert wirklich, dass Gesa nach all dem nicht nur noch puren Hass für ihn empfindet. Inzwischen hat sie aber doch wieder Kontakt mit dem Vater und erfährt, wie es der Familie im kriegsgebeutelten Hamburg geht – zumindest bis dessen Schiff versenkt wird. Aber zumindest mit Friedel schreibt sie noch weiter.


    Ich weiß noch nicht so recht, wie ich die Szenen rund um den mysteriösen Mönch einordnen soll, der ihr rät, auf ihre Tochter aufzupassen – Tara, die aber erst viele Monate später auf die Welt kommt, entstanden in einer kurzen Phase, in der Ravi wieder „der alte“ zu sein schien.


    Dieser Mönch „führt“ sie – zumindest war das mein Empfinden – in einen Tempel zu Madhavi. Doch dies ist nur eine Art Vision, denn als sie zurück kehrt, liegt Madhavi tot aufgebahrt bei ihnen zuhause. Diese Szene konnte ich für mich nicht so recht einorden. :gruebel


    Während Gesa sich engagiert und für die Kinder der Staudamm Mitarbeiter eine Schule gründet, geht es mit Ravi weiter bergab. Er trinkt Alkohol und als ihr alter Freund Aziz sie besucht, spürt man, wie sehr die beiden inzwischen auseinander gedriftet sind.


    Als Ravi verkündet, dass er auch Tara baldmöglichst in ein Internat geben will, wundert es mich nur wenig, dass Gesa einen Fluchtplan schmieden will, um dies zu verhindern. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie dies weitergeht...

    Lieben Gruß,


    Batcat batsmile.gif


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Ich weiß nicht, irgendwie werde ich nicht so richtig warm mit dem Buch, ich finde die Figuren alle sehr blass und distanziert geschildert, das Ganze liest sich für mich eher wie ein Bericht, als wie ein lebendiger Roman.


    Ravi ist ein typisch indischer Mann seiner Zeit, Frauen zählen nichts, sind nur dafür da möglichst viele Söhne in die Welt zu setzen.

    Von daher hat mich sein Umgang mit Madhavi nicht überrascht. Ob ihre Familie wusste, dass Ravi sie so weggesperrt hat? Dieser ominösen Bettelmönch scheint ja ihr Bruder zu sein, dem sie wohl doch etwas bedeutet.


    Ich weiß noch nicht so recht, wie ich die Szenen rund um den mysteriösen Mönch einordnen soll, der ihr rät, auf ihre Tochter aufzupassen – Tara, die aber erst viele Monate später auf die Welt kommt, entstanden in einer kurzen Phase, in der Ravi wieder „der alte“ zu sein schien.


    Dieser Mönch „führt“ sie – zumindest war das mein Empfinden – in einen Tempel zu Madhavi. Doch dies ist nur eine Art Vision, denn als sie zurück kehrt, liegt Madhavi tot aufgebahrt bei ihnen zuhause. Diese Szene konnte ich für mich nicht so recht einorden. :gruebel

    Diesen Part rund um den Mönch und diese seltsame Vision kann ich auch noch gar nicht einordnen, bisher stört es mich sehr, dass jetzt auch noch so was Übersinnliches eingebaut werden musste.


    Trotz allem Gemecker bin ich gespannt, ob Gesa die Flucht gelingt...

  • Wow, was für ein Abschnitt. Ich muss erstmal meine Gedanken ordnen.

    Ohne den Rest des Abschnitts zu kennen, habe ich gestern beim Lesen gedacht, dass Gesa eine Lügnerin ist. Sie erklärt Paula, dass sie und Clara ins Internat müssten, weil ihre Mutter mit Conrad nach Deutschland fährt, da die Grossmutter gestorben ist. Dabei war doch der Aufenthalt der beiden Mädels im Internat schon länger beschlossene Sache, als nur die 10 Tage, die Oni wohl dann tot war.

    Warum bekommt man Kinder, wenn man sich doch dann nicht kümmert ? Ich meine, die Kinder in ein Heim zu schicken, nur um eine längere Reise machen zu können und jetzt auch die Mädels abzuschieben, das ist für mich unverständlich.

    Andererseits kommt das Internat der Bildung zugute. Nur Paula fühlt sich eben schon wieder verlassen. Was auch verständlich ist. Und vielleicht hat da ja Gesa ihre Finger mit im Spiel, dass sich Paulas Mutter für das Mädcheninternat der Maharani entscheidet. Denn Gesas Tochter Tara ist auch an jener Schule.


    Überhaupt Gesas Leben in Rathore. Meine Güte, sie hat es nicht leicht und Ravi macht es ihr auch nicht leicht. Er erinnert sie wieder daran, dass sie eine Kastenlose ist, dementsprechend also auch nicht wirklich auf den Dinnerpartys gewollt ist. Vielleicht ist es aber auch nur Ravi, der sie nicht dabei haben will, um seinem Ansehen nicht zu schaden. Ich denke mal, Mischehen mit Kastenlosen, dazu noch mit einer Ausländerin, wurden nicht gern gesehen.

    Was er allerdings mit Madhavi gemacht hat, da fehlen mir echt die Worte, so wütend bin ich. Wie kann ein Mensch einem anderen Menschen nur so etwas antun ? Und dann so lapidar die Verantwortung für sein Handeln auf Gesa abwälzen. Die sich doch von Madhavi gehasst und bedroht gefühlt hätte. Hört er sich eigentlich selbst manchmal zu ?

    Zum Glück nimmt sich Gesa ihrer an und behandelt Madhavi wie einen Menschen und nicht wie ein Stück Vieh. Im weiteren Verlauf trägt Madhavi ja auch (unwissend) zu ihrem eigenen Unterhalt bei, indem sie die Tücher bestickt, die dann verkauft werden können.

    Nehmt es mir nicht übel, aber zeitweise hatte ich das Gefühl, Ravi würde fremdgehen. Mit der Frau des Chefingenieurs. Nalini ist doch ihr Name, oder ? Vielleicht wollte er deswegen nicht, dass Gesa an den Abendveranstaltungen teilnimmt. Ich dachte wirklich Gesa trifft auf ihren Mann, als sie Nalini unverhofft besucht, um sich die Zeitungen von ihr zu holen um mehr über den Krieg in Europa zu erfahren.

    Schön fand ich, dass Gesa wieder Kontakt zu ihrem Vater hatte. Schade, dass er den Krieg nicht überlebt hat. Und traurig war ich, dass der Rest der Familie so gar kein Interesse an ihr und ihrem Leben hat (gut, ist den Zeiten geschuldet) und sogar die Fotos der Neffen wieder zurück schickt.

    Das Ende des Abschnitts muss ich erstmal sacken lassen und kann mich noch nicht dazu äussern.

  • Ja, was Ravi Madhani angetan hat, ist wahrhaft unverzeihlich.


    Wobei ich mich gefragt habe, ob er wirklich im Detail wußte, wie schlecht es ihr wirklich ging oder ob er sie einfach abgeschoben und sich einfach nicht mehr gekümmert hat, frei nach dem Motto: "Was ich nicht mehr sehe, ist auch nicht mehr da!" :gruebel Was diese Sache an und für sich aber auch nicht besser macht.

    Lieben Gruß,


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    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Ja, was Ravi Madhani angetan hat, ist wahrhaft unverzeihlich.


    Wobei ich mich gefragt habe, ob er wirklich im Detail wußte, wie schlecht es ihr wirklich ging oder ob er sie einfach abgeschoben und sich einfach nicht mehr gekümmert hat, frei nach dem Motto: "Was ich nicht mehr sehe, ist auch nicht mehr da!" :gruebel Was diese Sache an und für sich aber auch nicht besser macht.

    So wie ich Ravi einschätze genau so. Er geht den Weg des geringsten Widerstands und dabei bleibt es.

  • Vermutlich. Ich schätze ihn auch nicht als einen absichtlich bösartigen Mann ein.


    Er ist egoistisch und rücksichtslos, aber auch feige und ich bin mir sicher, ein Arxxxkriecher vor dem Herrn. So ein typischer "nach oben buckeln, nach unten treten".

    Lieben Gruß,


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  • Vermutlich. Ich schätze ihn auch nicht als einen absichtlich bösartigen Mann ein.


    Er ist egoistisch und rücksichtslos, aber auch feige und ich bin mir sicher, ein Arxxxkriecher vor dem Herrn. So ein typischer "nach oben buckeln, nach unten treten".

    Das hast du gut zusammen gefasst


    Wenigstens bin ich mal nicht allein mit meiner Meinung :lache

    Ich erinnere mich da an die LR über Karen Blixen ;)


  • Überhaupt Gesas Leben in Rathore. Meine Güte, sie hat es nicht leicht und Ravi macht es ihr auch nicht leicht. Er erinnert sie wieder daran, dass sie eine Kastenlose ist, dementsprechend also auch nicht wirklich auf den Dinnerpartys gewollt ist. Vielleicht ist es aber auch nur Ravi, der sie nicht dabei haben will, um seinem Ansehen nicht zu schaden. Ich denke mal, Mischehen mit Kastenlosen, dazu noch mit einer Ausländerin, wurden nicht gern gesehen.

    So weit ich das weiß, war eine Heirat außerhalb der eigenen Kaste ein absolutes Tabu, auf dem Land ist das wohl bis heute so und die Heirat mit Ausländerinnen fällt da bestimmt auch rein, deswegen kommt Ravi wahrscheinlich auch beruflich nicht von der Stelle.

  • Jetzt falle ich gleich mit der Tür ins Haus: ich bin draußen, ich breche also ab.


    Gestern Abend habe ich bis Seite 232 gelesen, und fühlte mich immer schlechter. Ravi ist ein Mistkerl, wie ich nur wenige in Büchern gefunden habe. Und paßt eigentlich genau ins Vorurteil, wenn man einen Menschen aus einem anderen Kulturkreis heiratet: in Deutschland paßt er sich an, zuhause zeigt er sein wahres Gesicht. Dem Faß den Boden ausgeschlagen hat die Behandlung seiner indischen Frau.


    Die ganze Zeit über habe ich mit mir gekämpft: Abbrechen oder nicht Abbrechen. Weiter gelesen bis dahin habe ich eigentlich nur, weil es ein Freiexemplar ist. Hätte ich mir das Buch selbst gekauft, hätte ich schon längst abgebrochen. Ich habe dann Batcats obigen Beitrag gelesen, weil ich wissen wollte, wie es die restlichen Seiten des Abschnitts weitergeht, als Entscheidungshilfe für Abbrechen oder nicht. Heute morgen habe ich dann trotz gegenteiliger Empfehlung von Batcat den Spoiler in ihrer Rezi gelesen - damit war die Entscheidung gefallen. Das tue ich mir nicht weiter an, schon gar nicht, weil ich beim Weiterlesen in den Dezember hinein käme.


    Ich lese jetzt noch diagonal in die weiteren LR-Beiträge, um ungefähr den weiteren Handlungsverlauf zu sehen und dann war’s das mit diesem Buch.


    Die nächsten Tage werde ich mich nochmals im Rezithread äußern. Und künftig gilt für mich: keine Experimente mehr.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Das finde ich sehr schade, kann es aber für Dich aber gut nachvollziehen. :knuddel1


    Man soll sich im Idealfall mit seiner Lektüre wohlfühlen (wobei, bei Thrillern wäre das allerdings eher kein gutes Qualitätsmerkmal :lache), das Buch aber zumindest gerne weiterlesen. Wenn das aber nicht mehr geht, weil einem das Thema "zuviel" ist oder zu nahe geht, dann muss man sich auch nicht zwingen, selbst bei einer LR nicht. :knuddel1


    Ich möchte aber nicht schuld an Deinem Abbruch sein ;). Ich habe das Buch ja eigentlich ganz gerne gelesen, auch wenn ich nicht alles daran gut fand. :)


    Ich selbst breche ein Buch normalerweise eigentlich nur ab, wenn es so fad und belanglos ist, dass ich noch nicht mal einen ordentlichen Verriss schreiben will. :lache Aber auch das kommt nur selten vor.


    Experimente werde ich nach wie vor sehr gerne eingehen, bei 99% davon habe ich es nicht bereut. :thumbup:

    Lieben Gruß,


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    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Ich möchte aber nicht schuld an Deinem Abbruch sein . Ich habe das Buch ja eigentlich ganz gerne gelesen, auch wenn ich nicht alles daran gut fand.

    Keine Sorge, Du bist nicht schuld am Abbruch, Du hast mir nur die Entscheidung erleichtert. Ich beziehe mich da vor allem auch auf den zweiten Satz im Spoiler Deiner Rezi - das schlug dann für mich dem Faß den Boden aus.


    Ich habe schon Bücher gelesen, die inhaltlich eher schlimmer und härter sind als dieses, aber - ohne daß ich das aus dem Stegreif näher ausführen kann - die Summe hier ergab einen Mix, der mir zu depressiv, zu düster, zu "herunterziehend" ist. Ginge vielleicht noch in der Karwoche, aber nicht kurz vor dem Advent. Auch hat mir die verschachtelte Erzählweise zunehmend das Lesen erschwert (der Sprung zwischen den Jahren - was gehört jetzt eigentlich wohin?). Solche Erzählungen habe ich auch schon gelesen, aber in dieser Fülle war mir das irgendwie auch zu viel.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Nur mal zur Einordnung:


    Es handelt sich um reale Personen, die real gehandelt haben. Also nicht erfunden. Ich finde es sehr erhellend, wenn man das im Hinterkopf hat. Denn für mich geht es auch darum aufzuzeigen, wie unterschiedlich unsere Kulturen waren und noch sind. Was uns an Ravi nervt oder abstößt war zumindest damals noch harmlos und normal in Indien. (Ich denke an die tausende von Schwiegertöchtern, die von ihren neuen Familien getötet wurden u.ä.) War jabei uns schon kein Zuckerschlecken als Frau. Aber dort in dem fremden Land sicher nochmal eine andere Hausnummer.


    Mich zieht das Buch nicht so herunter. Es nervt halt unglaublich. Auch wie die Frauen sich verhalten nervt teilweise. Aber ich lese es dennoch gerne. Ist ja auch eine Qualität, wenn ich beim Lesen in Wallung komme.

    Hollundergrüße :wave



    :lesend


    Wiedersehen in Rajasthan - Ute Krause

    Knochenkälte - Simon Beckett



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin,

    daß er tun kann, was er will,

    sondern daß er nicht tun muß,

    was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Mich zieht das Buch nicht so herunter. Es nervt halt unglaublich. Auch wie die Frauen sich verhalten nervt teilweise. Aber ich lese es dennoch gerne. Ist ja auch eine Qualität, wenn ich beim Lesen in Wallung komme.

    Ja, so in etwa ging mir das auch. Und mein Blut hat so einige Male gekocht. :lache

    Lieben Gruß,


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    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Das geht aber weder aus dem Klappentext hervor, noch sonst wo im Buch. :gruebel

    Ich hatte die Woche ein Telefonat mit der Autorin. Die wollte das eigentlich hier in die Runde schreiben. Keine Ahnung, warum sie nie bei uns aufgetaucht ist. Deshalb diese Info von mir.

    Hollundergrüße :wave



    :lesend


    Wiedersehen in Rajasthan - Ute Krause

    Knochenkälte - Simon Beckett



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin,

    daß er tun kann, was er will,

    sondern daß er nicht tun muß,

    was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Das geht aber weder aus dem Klappentext hervor, noch sonst wo im Buch.

    So ging es mir auch, als ich den Hinweis von hollyhollunder gelesen habe. Um so schlimmer, wenn dem tatsächliche Ereignisse zugrunde liegen. Das ändert allerdings nichts daran, wie das Buch auf mich gewirkt hat. Hätte ich eine Vorstellung gehabt, wie die Handlung des Buches wirklich ist, hätte ich mich nie zu der LR gemeldet.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Von Kapitel zu Kapitel gefällt mir das Buch besser. Es entwickelt sich genau in die von mir erhoffte Richtung. Ravi verkommt immer mehr zur Randfigur. Gesa wird erwachsen und findet Stück für Stück nicht nur zu sich selbst sondern auch zu Indien und den Frauen, die sie in Indien kennt. Ich liebe es, wie die Entwicklung spürbar ist. Wie sie immer stärker und selbstbestimmter wird.


    Und wie Indien immer mehr Raum in dem Buch und in ihrem Leben einnimmt. Zwischen den Zeilen erfährt man immer wieder etwas über das Land, die Leute, die Religion.


    Ich bin eigentlich kein Fan von Büchern, in denen verschiedene Zeitebenen erzählt werden. Weil oft die eine mich mehr fesselt als die andere. Aber hier finde ich, dass vor allem die Gesa- und die Paula-Ebene komplett gleichwertig spannend sind.

    Hollundergrüße :wave



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    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin,

    daß er tun kann, was er will,

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    was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Gestern Abend habe ich bis Seite 232 gelesen, und fühlte mich immer schlechter. Ravi istein Mistkerl, wie ich nur wenige in Büchern gefunden habe. Und paßt eigentlich genau ins Vorurteil, wenn man einen Menschen aus einem anderen Kulturkreis heiratet: in Deutschland paßt er sich an, zuhause zeigter sein wahres Gesicht. Dem Faß den Boden ausgeschlagen hat die Behandlung seiner indischen Frau.

    Ravi ist ein armes Würstchen und ein Mann seiner Zeit und seines Umfeldes. Er wird schon noch merken, dass Gesa stärker ist. Wahrscheinlich weiß er das sogar schon und es wurmt ihn. Anders als seine erste Ehefrau ist sie nie unterwürfig geworden, bleibt vor allem wegen der Kinder und am Anfang der Ehe ist sie ja noch sehr jung und kennt sich in Indien nicht aus und ist dort ganz alleine. Das ändert sich aber immer mehr. Gesas Entwicklung ist faszinierend. (Bin schon im dritten Abschnitt und sehr beeindruckt.)

    Hollundergrüße :wave



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    sondern daß er nicht tun muß,

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  • Vermutlich. Ich schätze ihn auch nicht als einen absichtlich bösartigen Mann ein.


    Er ist egoistisch und rücksichtslos, aber auch feige und ich bin mir sicher, ein Arxxxkriecher vor dem Herrn. So ein typischer "nach oben buckeln, nach unten treten".

    Ravi ist, denke ich, im Indien der damaligen Zeit - und wahrscheinlich sogar noch heute - gar keine Seltenheit. Das System dort ist einfach anders. Die Hierachien sind sehr viel starrer und müssen sehr viel stärker beachtet werden. Die Kasten und andere religiöse Vorschriften unterstützen diese Strukturen und es ist sehr schwer, auch für einen Mann, daraus wirklich auszubrechen. Und nicht jeder hat einen starken Charakter so wie Gesa. Seinen Frust lässt er zuhause aus. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn sie weiter in der Nähe seiner Eltern gelebt hätten, denn da hat er sich mehr zusammen gerissen.

    Hollundergrüße :wave



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    Wiedersehen in Rajasthan - Ute Krause

    Knochenkälte - Simon Beckett



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin,

    daß er tun kann, was er will,

    sondern daß er nicht tun muß,

    was er nicht will - Jean Rousseau)