Blind - Joe Hill

  • Der Anfang über den alternenden Rockstar Judas Coyne erinnerte mich ein wenig an Nick Hornbys "Juliet, Naked", in dem es ebenfalls um einen Musiker geht, dessen Glanzjahre bereits hinter ihm liegen. Aber die Handlung vom im Internet gekauften Geist setzt schnell ein und die Vergleiche zum anderen Buch verblassen. Überhaupt startet der Roman sehr rasant, erst ab der Mitte der Geschichte verliert er etwas an Geschwindigkeit, wird jedoch zu keiner Zeit langweilig. Passend zur Rockstar-Handlung gibt es jede Menge musikalische Anspielungen (zum Beispiel heißen die Hunde Angus und Bon) und selbst Groupie-Geschichten fehlen nicht. Das alles verknüpft sich ideal mit der immer weiter zuspitzenden Mystery-Story. Wenn im Mittelteil des Romans die Geschwindigkeit ein wenig nachlässt und mehr über Judas' Vergangenheit erzählt wird, gerät Joe Hill - ganz wie sein Vater - ein wenig ins Schwafeln. Ganz so weitschweifig wie bei Papa wird es allerdings nie.
    Alles in allem ist es ein spannender und äußerst empfehlenswerter Roman, auch wenn ich nach wie vor nicht sicher bin, was genau die Story mit dem Titel "Blind" zu tun hat. Der Originaltitel "Heart shaped box" (ebenfalls eine musikalische Anspielung) hätte erheblich besser gepasst.
    Joe Hills Bücher jedenfalls werde ich im Auge behalten. Ich freue mich schon auf sein nächstes Werk.

  • Ich fand das Buch okay.


    Die Story ist nichts Neues, aber manchmal ganz unterhaltsam. Allerdings waren manche Begebenheiten eher lächerlich als gruselig.


    Ich finde es schön, mal einen Protagonisten in einem anderen Alter zu haben. Kein Mittzwanziger oder Anfangdreißiger oder junggebliebener Vierziger. Er ist über Fünfzig und hat einiges hinter sich.


    Der Schreibstil hingegen... :rolleyes
    Lange Schachtelsätze, im Kommarausch zusammengeschustert, altbackene Phrasen der übelsten Sorte und ein übermäßiger Gebrauch des Wortes 'zaundürr'.
    Dazu kommen noch unglückliche Formulierungen. Z.B. wird die Pommesgabel zum 'Death-Metal-Gruß' und eine Dame hat 'mit Mascara bemalte Augenlider'. :pille
    Bei sowas rollen sich mir die Fußnägel hoch.


    Es war mein erstes Buch des Autors. Bisher habe ich nur zwei Kurzgeschichten von ihm gelesen. Die haben mir wesentlich besser gefallen. Es ist keine Schande, wenn man nicht beides hinkriegt (Roman und Kurzgeschichte). Man muss ja nicht genauso sein wie der Vater.



    Zeitweilig unterhaltsamer, doch bedeutungsloser Gruselroman. Herr Hill sollte lieber bei Kurzgeschichten bleiben.


    6 Punkte

  • Der erste Teil ist absolut lesenswert, die Charaktere sehr gut und anschaulich beschrieben und die Atmosphäre perfekt.
    Joe Hill konnte die Stimmung ungefähr bis zur Hälfte des Buches halten.


    Dann schien ihm die kreative Luft auszugehen: die Handlung wandelte sich vom gruseligen über den blutigen bis zum lächerlichen Horror. Der Schluss ist schlichtweg Kitsch. Schade. Vielleicht ist ein derart komplexes Werk für Joe Hill noch eine Nummer zu groß.


    Schriftstellerisches Talent hat Stephen Kings Sohn bestimmt. Er hat es natürlich schwer, weil ihn jeder mit seinem berühmten Vater vergleicht.

  • Ein Schriftsteller, der in seinen abschliessenden Dankesworten das Heavy Metal-Festival von Wacken erwähnt, kann mir nur sympathisch sein :grin
    War er aber auch vorher schon, denn sein Werk "Christmasland" fand ich absolut großartig und nun arbeite ich mich durch seinen Backkatalog, sprich: aktuell "Blind". Leider scheint es "Teufelszeug" und seine Kurzgeschichtensammlung nur noch gebraucht zu geben - falls jemand da gegenteilige Informationen haben sollte, wäre ich für eine kurze Info hier dankbar!


    Beste Grüße
    Frank