Mein Amerika - Bill Bryson

  • Vorbemerkung: Ich habe die englische Ausgabe gelesen.


    Kurzbeschreibung (von amazon)
    Ich komme aus des Moines. Irgendjemand muss es schließlich tun.


    Als der kleine Bill einen mottenzerfressenen Pullover mit aufgenähtem Blitz im Keller findet, hat er dafür nur eine Erklärung: Er ist gar kein Erdling, sondern ein Abgesandter des Planeten Elektro. Sein Verdacht erhärtet sich, als er in hellgrünen Caprihosen eingeschult wird, die nur seine Mutter geschmackvoll findet. Endgültige Gewissheit erlangt der sechsjährige Bill dann, als er aus genau dem Einweckglas, in das er immer pinkeln soll, wenn es schnell gehen muss, Dessertpfirsiche serviert bekommt. Bill Bryson reist in seinen einzigartigen Erinnerungen zurück in das Amerika der 1950er-Jahre, wo die ersten elektrischen Dosenöffner, die ersten Kugelschreiber und Mikrowellen - und der erste Sohn der Familie Bryson Begeisterung auslösten. Wie DDT und Fertiggerichte, Zigaretten, Pressgemüse und radioaktiver Niederschlag übrigens auch.


    Über den Autor (von Wikipedia
    Bill Bryson, Sohn einer Journalistenfamilie in Des Moines, studierte an der Drake University, unterbrach sein Studium und kam 1973 erstmals als Rucksacktourist nach England. Er arbeitete zwei Jahre lang in einer psychiatrischen Klinik in Virginia Water in Surrey. Dort lernte er Cynthia Billen, eine Krankenschwester in Ausbildung, kennen. Nach der Heirat 1974 zog er mit seiner Frau zurück in die USA, um seinen Hochschulabschluss an der Drake University (1975 bis 1977) nachzuholen. Zurück in England, schrieb er zwei Jahre lang für das „Bournemouth Evening Echo“. Anschließend siedelte er nach London um und arbeitete hier für die „Financial Weekly“ sowie später für The Times und The Independent. 1995 zog er mit seiner Frau und den vier Kindern von North Yorkshire nach Hanover, New Hampshire. 2003 kehrte er mit seiner Familie wieder nach England zurück.


    Bill Bryson wurde 2005 Nachfolger von Peter Ustinov als Kanzler der Universität Durham im Nordosten Englands und lebt derzeit in Wymondham, Norfolk.


    Seit 1985 verfasst Bryson Bücher. Der internationale Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm 1989 mit dem Englandbuch „Reif für die Insel“ (engl: „Notes from A Small Island“). Darauf folgten mit weiteren Titeln zahlreiche Platzierungen in den englischen, amerikanischen und zuletzt auch deutschen Bestsellerlisten, die ihm den Ruf einbrachten, einer der populärsten Sachbuchautoren der Gegenwart zu sein. Seine Leserschaft erfreut vor allem der äußerst humorvolle Tonfall seiner Bücher. Er beschreibt mit Witz geschichtliche Ereignisse, selbst erlebte Anekdoten und kleine Abenteuer, die das Sachbuch schnell in einen fesselnden Roman verwandeln.


    Meine Meinung
    Unterteilt in vierzehn Kapitel vermischt Bill Bryson Erinnerungen aus seiner Kindheit mit fundierten Informationen über das Amerika der Fünfziger Jahre, speziell im kleinstädtischen Amerika. Er schreibt in seinem typischen Stil, trocken, der Humor immer auf dem Punkt und sehr informativ. Er zeichnet ein umfassendes Bild von der damaligen Lebens- und Sichtweise in Amerika auf Amerika und die Welt.


    Mein Fazit
    Wer sich für die Zeit interessiert oder wer Bill Bryson mag, dem ist dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Ich habe mich wie immer bei Bill Bryson bestens unterhalten und gleichzeitig informiert gefühlt.


    Nachbemerkung: die Kurzbeschreibung des Buches (die von Amazon übernommen wurde) und die Vorstellung des Autors auf der deutschen Verlagsseite enthalten beide Fehler. Da frage ich mich schon, ob das Buch dort überhaupt gelesen wurde.

    :lesendCharlotte Roth - Grandhotel Odessa


    If you don't make mistakes, you're not trying hard enough. (Jasper Fforde)

  • Bill Bryson erzählt aus seiner Kindheit, die er in den USA der 50er Jahre verbracht hat. Also eine Zeit, in der fliegende Raketenautos, Marsmenschen und die Gefahr einer kommunistischen Unterwanderung allgegenwärtig waren. Zumindest für einige Amerikaner, vielleicht gar nicht so wenigen. Und wie es sich für Bill Bryson gehört, erzählt er mit einer entwaffnenden Nonchalance, mit enormen Wortwitz Anekdote um Anekdote. So ganz nebenbei lernt man dabei Brysons Eltern kennen, seine Heimatstadt und viel über den „american way of life“ dieser vergangenen Epoche. Doch bei allen humorigen Begegnungen mit sich selbst und allerlei kruden Gestalten und Ansichten jener Zeit, blitzt natürlich auch ein gehöriges Maß Gesellschaftskritik in einzelnen Kapiteln auf, wenn es z. B. um Rassentrennung oder dem geradezu fahrlässigen Umgang mit Atomwaffentests in den 50er Jahren geht. Auch Kennedy und die Kuba-Krise und das für die Amerikaner so erschreckend erfolgreiche Weltraumprogramm der Sowjets bleiben nicht unerwähnt und bestimmen, wenn auch oft unbewusst Brysons Kindheit und seine Beobachtungen der Erwachsenenwelt. Doch keine Sorge, Bryson ergeht sich nicht in weltpolitischer Nostalgie, sondern setzt eben stets zur richtigen Zeit in seinen Kapiteln die erforderlichen Kontrapunkte, um den Leser einen greifbaren Bezug zu geben.


    Bryson gelingt die Gratwanderung einer solchen, sehr persönlich geprägten Rückschau hervorragend. Er driftet nicht in Gefühlsduselei ab, sondern präsentiert eine sicherlich nicht außergewöhnliche, aber eben doch auf vielerlei Weise sehr liebenswürdige Kindheit in einem Land, dass weitab von Kriegsverheerungen in jener Epoche tatsächlich den Eindruck machte, dass alles möglich wäre. Zuweilen zum Lachen, zum Schmunzeln und ab und zu zum Nachdenken. Und wer einfach nur Freude an Worten, gelungenen, amüsanten Formulierungen hat und dabei das Flair der amerikanischen 50er (und natürlich 60er) einatmen möchte, dem sei Brysons Streifzug durch seine Kindheitserinnerungen sowieso empfohlen.


    Gruss,


    Doc