Die Kathedrale des Meeres - Ildefonso Falcones

  • Danke!


    Nuechtern und schnoerkellos gefaellt mir. "Nie pathetisch" noch besser! Ich lese gleich die Leseprobe!


    Waere toll, das Buch mit Euch zusammen zu lesen.


    Alles Liebe von Charlie

  • Meine Rezension:


    Sehr gelungener Debüt-Roman


    Schon häufig bin ich im Internet über den Vergleich dieses Buches mit dem historischen Roman „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett gestoßen. Doch kann man diese beiden Bücher nicht wirklich auf eine Stufe setzen. In beiden Büchern geht es um den Bau einer Kathedrale, doch in diesem Roman von Falcones spielt der Bau an sich nur eine Nebenrolle, während Follett sich in seinem Roman mehr auf den Bau an sich konzentriert.


    Viel mehr wird die Geschichte von Arnau und seiner Familie rund um die Kathedrale geschildert. Als kleines Baby halbtot von seinem Vater Bernat aufgefunden, begleiten wir Arnaus Leben durch alle Höhen und Tiefen, die ein Leben im 14. Jahrhundert mit sich bringen kann.


    Dieser Roman ist spannend und mitreißend geschrieben. Zu keiner Zeit kamen mir die über 600 Seiten langatmig vor. Falcones verfügt über eine leicht verständliche Ausdrucksweise, die den Roman sehr flüssig lesen lässt. Wir tauchen ein in eine fiktive Geschichte, die aber wiederum auf wahren Tatsachen beruht. Sehr interessant sind deshalb die Anmerkungen des Autors ganz am Ende des Buches. Dort erfahren wir, was Fiktion und was Realität ist. Somit lesen wir nicht nur einen Roman, sondern tun gleichzeitig etwas für unser geschichtliches Wissen. Auch einen Lageplan von Barcelona im 14. Jahrhundert finden wir in diesem Buch. Ich finde so etwas immer sehr interessant, da man mit seinen Augen quasi die Wege „abgehen“ kann, die die Protagonisten dieses Buches gegangen sind.


    Es ist interessant zu lesen, wie die Menschen damals gelebt haben. Natürlich kenne ich solche Fakten bereits aus anderen historischen Romanen. Und immer wieder bin ich froh, als Frau in der heutigen Zeit zu leben. Man kann sich kaum vorstellen, wie minderwertig Frauen damals behandelt wurden. Gleichzeitig ist es aber eben auch sehr interessant über diese geschichtlichen Dinge informiert zu werden.


    Alles in allem handelt es sich bei diesem historischen Roman um eine wunderschöne Lebens- und Liebesgeschichte, gepaart mit den schrecklichen Erlebnissen von Arnau und seiner Familie und den Intrigen denen er ausgesetzt ist. Die sehr gute Schilderung der Schrecklichkeit der Gesetze des 14. Jahrhunderts runden den sehr guten Gesamteindruck dieses Buches ab.


    Auch für „Neueinsteiger“ in das Genre der historischen Romane ein wunderbares Buch, da man über kein Vorwissen der geschichtlichen Belange verfügen muss.


    Ich freue mich bereits jetzt auf ein weiteres Buch dieses Autors.


    LG,
    Andrea

  • habe das Buch zum Geburtstag bekommen....Würde mich gerne mit anmelden, falls ihr eine Leserunde macht:wave

    LG Melanie
    :lesend


    „Egal wie tief man die Messlatte des geistigen Verstandes eines Menschen legt, es gibt jeden Tag jemanden der bequem darunter durchlaufen kann!“

  • Zitat

    Original von Charlie
    Einzig, weil einige von Euch sagen, es liesse sprachlich zu wuenschen uebrig, habe ich etwas Angst.
    Ist es jemandem auch ganz anders gegangen?
    Alles Liebe von Charlie


    Ich wollte am Samstag nur mal kurz das Buch anlesen und habe dann an zwei Abenden 378 Seiten verschlungen. Von der Sprache würde ich mich nicht abschrecken lassen, denn sie ist zwar schlicht, aber sehr fesselnd.


    Viele Grüße
    Kalypso

  • Charlie, ich kann mich Kalypso anschließen.
    Es ist weder literarisch noch sprachlich anspruchsvoll, aber wirklich leicht eingängig, so zum wegschnubbeln.


    schnubbel Grüße von Elbereth :wave

    “In my opinion, we don't devote nearly enough scientific research to finding a cure for jerks.”

    ― Bill Watterson

  • Elbereth, jetzt schreckst Du mich ja doch wieder ein bisschen ab ... so Buecher zum "Wegschnubbeln" (koestliches Wort!) machen mich in der Regel wuetend, weil sie Zeit kosten und mir davon nichts uebrig lassen. Aber egal - ich hab mich jetzt angemeldet, der Anfang des Romans (der einfach nach Lies-mich aussieht) war interessant, und Barcelona ist eben Barcelona.
    Ich wag's!


    Alles Liebe von Charlie

  • Die Kathedrale des Meeres – Ildefonso Falcones


    Meine Rezension:
    Ein derart komplexes, vielschichtiges Debüt im Bereich historischer Roman ist selten. Da kann ich als Leser sogar darüber hinwegsehen, dass es durch großen Werbeaufwand schon vor Erscheinen zum Bestseller gepuscht wurde.


    So einfach ist der Inhalt nicht zu verkraften, da immer wieder Grausamkeiten der Zeit deutlich beschrieben werden und gerade die wichtigen Hautfiguren treffen, die dem Leser schnell ans Herz gewachsen sind. Mehrere Personen stehen im Mittelpunkt.
    Zu Beginn ist es Bernat und seine Liebe zu seinem Sohn Arnau, den er alleine aufzieht, nachdem seine Frau Francesca Opfer des Gutsbesitzers und der Soldaten geworden ist.


    Die verschiedenen Entwicklungsstufen des späteren Hauptprotagonisten des Romans, Arnau, werden schon vor seiner Geburt beginnend in einem großen Zeitraum von über 60 Jahren dargestellt. Das hat auch zur Folge, dass es zwischendurch immer wieder plötzliche Zeitsprünge gibt, die mir als abrupt, aber wohl notwendig erscheinen.


    Neben Arnau wird auch der ganz unterschiedliche Lebensweg Joans, seinem als Bruder angenommen Freund aus Kindertagen bis zum Schluss gezeigt.


    Auch andere Nebenfiguren werden nicht vernachlässigt. Eine solche Sorgfalt wünsche ich mir oft auch bei andren Autoren, die Nebenfiguren zum bloßen Selbstzweck einsetzen und anschließend vernachlässigen.


    Über den schlichten Stil des Romans ist schon viel gesprochen worden und auch ich empfinde die Sprache als absolut passend und angemessen.


    Es ist schwer, den langen Roman aus der Hand zu legen und wenn doch, greift man sich das Buch nach kurzer Zeit wieder. So sehr wird man als Leser von den historischen Fakten gefangen genommen: Die Stadt Barcelona im 14.Jahrhundert und der Bau der Kirche sowie die vielen Details über Pest, Judenpogrome und Terror der Inquisition. Manchmal scheint es mir fast zu viel was sich der ambitionierte Autor vorgenommen hat, doch am Schluss hat sich wirklich ein gewaltiges Gesamtbild ergeben.
    Sehr erleuchtend ist auch das Nachwort des Autors, in dem viele historisch belegte Fakten noch einmal benannt werden und den Gesamteindruck nachdrücklich festigen.


    Jetzt bin ich gespannt, ob der Autor einen solchen Kraftakt wiederholen kann und noch einmal einen Roman dieses Ausmaßes schreiben wird.

  • Ildefonso Falcones erzählt die Geschichte von Arnau Estanyol, der als Sohn eines unfreien Bauern in einem Ort in der Nähe von Barcelona geboren wird, im Kindesalter mit seinem Vater nach Barcelona flieht und dort als freier Bürger aufwächst. Aber es ist nicht nur die Geschichte von Arnau, die wir miterleben, seinen Kampf ums Überleben, seinen Aufstieg vom einfachen Bastaix zum Geldwechsler und Seekonsul von Barcelona, seine persönlichen Niederlagen, seinen Fall und seinen erneuten Aufstieg, es ist auch die Geschichte von Barcelona, die uns Falcones in seinem gewaltigen Erstling Nahe bringt. Mitreißend schildert Falcones Bürgeraufstände, Judenverfolgung, Kriege und politische Ränkespiele aber auch den Zusammenhalt der Bürger, wenn es um ihre Stadt geht, wenn es um Menschen ihrer Stadt geht, die in Not sind. Falcones Figuren sind zu jeder Zeit zutiefst menschlich. Man leidet, liebt und fühlt mit Ihnen mit, man erlebt ihre Nöte, ihre Ängste, Ihre Freude - nie ist man einfach nur Betrachter des Geschehens, sondern permanent mitten drin.
    All dies verpackt in einer klaren und eindringlichen, schnörkellosen Sprache, die einen aber doch immer mitreißt.


    Falcones fordert den Leser mit diesem Buch heraus, zwingt einen, sich mit der damaligen Zeit, mit seinen Figuren zu befassen. Keine Lektüre, die man mal eben so weglesen kann, aber eine Lektüre, die einfach nur eine Bereicherung ist.


    Ich hoffe, dass diese Buch nicht das einzige von ihm bleibt und dass er es schafft, dieses hohe Niveau zu halten.


    Von mir die volle Punktzahl.

  • Historische Bücher sind zwar nicht das von mir bevorzugte Genre, aber wenn man die Rezis hier so liest, dann scheint es ja wohl echtes Leseerlebnis zu sein. Ich denke, gerade auch nach den letzten sehr informativen Rezis von Herrn Palomar undBouquineur, dass ich dieses Buch dann wohl auch lesen muss. Nur wann...... :gruebel

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Gerade hab ich das Buch zugeklappt. Und da ich in der Leserunde schon immer genörgelt habe muss ich meine Kritik hier doch auch noch loswerden.


    Im Gegensatz zu meinen Vorrednern bin ich der Meinung, dass Falcone über weite Strecken seine Nebenfiguren sehr vernachlässigt, einzig die Hauptfigur, Arnau, wird von Anfang an detailliert als freigeistiger, guter und verantwortungsvoller Mensch geschildert. Der Autor trennt sich sehr leicht von Personen die Arnau nahestehen, teilweise auch indem er sie etwas völlig unmotiviertes, nicht zu ihrem Charakter passendes, tun lässt was zu ihrem Untergang führt. Personen erscheinen und verschwinden ohne dass näher darauf eingegangen wird was sie in der Zwischenzeit getan haben und was sie weiterhin tun werden, nur um später genauso unvermittelt wieder Teil der Handlung zu werden.
    Meiner Meinung nach hätte Falcone sich seinen Personen mehr widmen müssen. Sicher, dann hätten 600 Seiten nicht ausgereicht aber heutzutage schreibt doch eh jeder von vorneherrein eine Trilogie. Das wäre hier wahrlich angebracht gewesen, denn Handlung und historische Ereignisse, die über insgesamt 63 Jahre gehen, unter einen Hut zu bekommen, dafür war anscheinend einfach nicht genug Platz. Dabei ist Falcone sehr wohl in der Lage auch den Peronen und der Handlung Tiefe zu geben, das beweist er allerdings leider erst im letzten Abschnitt.


    Das Buch ist empfehlenswert, ohne Frage, und zwar aus mehren Gründen:
    Im Gegensatz zum überwiegenden Teil der anderen, wie Pilze aus dem Boden schießenden, historischen Romane, schreibt hier jemand der auch Wert auf historische Genauigkeit legt und der die Grausamkeit der damaligen Zeit nicht dazu nutzt zugunsten seines Protagonisten auf die Tränendrüse zu drücken, sondern jemand der analytisch und distanziert ein Sittengemälde zeichnet bei dem einem heutzutage die Haare zu Berge stehen.
    Es ist spannend bis zum Schluss und man leidet und fiebert mit Arnau ob er das Blatt wenden kann.
    Der einfache und schnörkellose Sprachstil passt zu den vielen historischen Fakten die im Buch enthalten sind. Trotzdem unterhält es.


    Ich gebe 7 von 10 Punkten und hoffe auf mehr von diesem Autor

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    (o ,o)
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  • Neben vielen Dingen die hier schon erwähnt wurden möchte ich folgendes sagen:


    Ich habe das Buch gerne gelesen, auch aufgrund der geschichtlichen Hintergrundinformationen.
    Mir hat die klare Sprache des Autors gut gefallen.
    Mir fehlten einige Zeitabschnitte, die etwas schnell übergangen wurden.


    Was mir auch gefallen hat, war die neue Rechtschreibung (es liest sich inzwischen doch einfacher ) und dass wenige Rechtschreibfehler auf den 600 Seiten waren (Ich bin da etwas empfindlich).


    So kann ich das Buch jedem empfehlen, der gerne historisches liest.


    Von mir 9 von 10 Punkten.


    Jaune

    "Vorrat wünsche ich mir auch (für alle Kinder). Nicht nur Schokoriegel. Auch Bücher. So viele wie möglich. Jederzeit verfügbar, wartend, bereit. Was für ein Glück." Mirjam Pressler

  • Ein Buch, das mir gut gefallen hat. Ist ein Vergleich mit Ken Follet zulässig? Vielleicht für Spanien, nicht für den Rest der Welt. Ken Follet hat sich einer Geschichte und einer Geschichtsepoche zugewandt, die einem breiten Lesepublikum bekannt ist. Die Geburt der Gotik mit Abt Suger und Saint Denis, die Verhältnisse im England dieser Zeit sind weit bekannt. Die diversen Jaimes und Pedros, die katalanisch/mallorkinischen Konflikte sind da ganz anders, viel schwieriger zu konsumieren. Da gab es in den letzten Jahren mit einem größeren Breitengrad gerade noch Iny Lorentz (Eric Maron) "Die Rebellinnen von Mallorca", das vor diesem geschichtlichen Hintergrund handelt. So war dieses Buch entsprechend schwieriger zu lesen, häufiger nachzugoogeln.


    Ich habe - im Gegensatz zu ratta- nichts vermisst. Alle Figuren waren für mich in ihren Handlungen glaubhaft geschildert und glaubhaft eben auch Zeitsprünge, da auch im Leben eines "normalen" Menschen es lange Zeitspannen gibt, in denen das Leben keine Kapriolen schlägt und Tiefschläge oder Höhen die Lebensbeschreibung mitteilenswert machen.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • Zitat

    Ich wollte am Samstag nur mal kurz das Buch anlesen und habe dann an zwei Abenden 378 Seiten verschlungen. Von der Sprache würde ich mich nicht abschrecken lassen, denn sie ist zwar schlicht, aber sehr fesselnd.


    Ich weiß nicht, was es an der Sprache zu nörgeln gäbe. Ich habe jetzt ca 1/4 des Romans gelesen und finde sowohl den Inhalt als auch die Sprache durchaus fesselnd.

  • Also ich habe es ja schon in der Leserunde erwähnt, aber hier nun noch einmal.


    Mir hat es nicht gefallen. Das Buch hat es einfach nicht geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen,
    obwohl ich gerne gewusst hätte, wann und wo gewisse Personen vielleicht wieder auftauchen.
    Ich fand es sehr nüchtern (trocken) geschrieben und ich konnte einfach keinen Zugang zu den Personen finden.
    Vielleicht waren sie tatsächlich nicht persönlich genug beschrieben.


    Für mich war dieses Buch jedenfalls nicht einfach so zum wegschnubbeln. ;-)

  • Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es einige Punkte gab (siehe Leserunde), wo ich mir mehr Informationen oder Erklärungen gewünscht hätte.


    Aber alles in allem ein durchaus lesenswertes Buch :-)

  • Leicht zu lesen ist es in der Tat nicht. Ich kaue schon seit Ostermontag daran herum und habe trotzdem erst 200 Seiten geschafft. Dabei liebe ich dicke Historienschinken. Eigentlich bin ich nur noch wegen euch und der interessanten Leserunde dran. Ich finde auch, dass sich manche Teile wie aus einem angestaubten Geschichtsbuch lesen. Als habe sich der Autor bestimmte Gesetze und Ereignisse jener Zeit zurechtgelegt und sich nach diesen Eckpunkten eine Geschichte zusammengezimmert. Genau diese Eck-Episoden sind dann sehr anschaulich zu lesen und halten mich bei der Stange.

  • Mir geht's auch gar nicht gut mit diesem hochgelobten Werk. Dabei lese ich sehr gerne historische Romane und auch die Buchgestaltung ist äußerst ansprechend.
    Ich bin nun bis zur Hälfte gekommen und bis jetzt hat mich die Geschichte nicht wirklich angesprochen. Mir fehlt der Erzählfluß, die Faszination, die von den Figuren ausgehen sollte, um mich an das Buch zu fesseln.
    Aber ich hab ja noch die Hälfte vor mir. In dieser Hoffnung werde ich heute noch weiterlesen.