Jonathan Swift – Gullivers Reisen (Gulliver’s Travels)

  • Gullivers Abenteuer unter den Zwergen Lilliputs und im Lande Brobdingnag, bei den Riesen: Das ist ein Klassiker in der unverwechselbar komischen Umsetzung von Wochenshow-Star Markus Maria Profitlich. Profitlich inszeniert das Buch als Hörspiel - mit Witz und all den literarischen Stärken der Romane Swifts, denn Profitlich schafft zweierlei: er bleibt dem Text eines weltliterarisch bedeutenden Buches treu und verwandelt ihn in seiner höchst unterhaltsamen Interpretation zugleich in eine Komödie voller sprachlich/stimmlicher Finessen


    Auch dieses Buch wurde verlegt bei Kaiser und ist ein HC mit zahlreichen Abbildungen.

  • Auch zensierte Versionen, deshalb meiner Ansicht nach absolut nicht empfehlenswert! Tut mir leid!
    J. Swifts Gullivers Reisen gehört zum Allerfeinsten, was die Weltliteratur an spannender Mischung zwischen Abenteuer, Zeitgeschichte und scharfem Witz zu bieten hat.
    Und - nebenbei bemerkt - ist Swifts Sprache überraschend modern!

  • Hallo,


    Auf das Buch bin ich erst durch die Diskussion über die „für die Jugend bearbeiteten“ Versionen einiger Klassiker gekommen und ich bin nun wirklich froh, dass ich das Buch jetzt noch einmal in seiner unzensierten Version gelesen habe, denn sonst wäre mir so einiges entgangen.


    Zum Buch


    Der Schiffsarzt Lemuel Gulliver schafft es immer wieder Schiffbruch zu erleiden, ausgesetzt oder auf einer Insel vergessen zu werden, so dass mehrfach in irgendwelchen fernen Länder landet und dort einige Jahre verbringt bis sich Gelegenheit zur Heimreise ergibt. In seinem aus vier Teilen bestehenden und sehr gewissenhaften Reisebericht erzählt er von seinen Erlebnissen in diesen Ländern. Die Reisen umfassen den Zeitraum von 1699 bis 1715.


    Auf seiner ersten Reise strandet er in Liliput und lernt auch auf die Nachbarinsel Blefuscu kennen. Auf beiden Inseln sind die Bewohner winzig in ihrer Gestalt, aber in ihren Ansichten doch nicht zu unterschätzen. Auf seiner zweiten Reise wird er bei einer Landbesichtigung auf Brobdingnag zurückgelassen, wo er nun plötzlich der Winzling unter Riesen ist. Beide Reisen ermöglichen ihm eine andere Perspektive einzunehmen und neue Einsichten in menschliches Verhalten zu gewinnen.


    Nachdem er von Piraten ausgesetzt wurde, besucht er auf einer dritten Reise eine Reihe von Inseln – die fliegende Insel Laputa, auf der der König seinen Regierungssitz hat und die dazugehörige Insel Balnibari, auf der überall Akademien aus dem Boden schießen, nur leider Bildung und Forschung völlig fehlgeleitet sind, Glubbdrubdrib, wo er Gelegenheit hat, mit vielen wichtigen Persönlichkeiten aus der Vergangenheit zu sprechen und Luggnagg, wo er erkennen muss, dass Unsterblichkeit nicht unbedingt glücklich macht.


    Nach einer Meuterei seiner Besatzung landet Gulliver auf seiner letzten Reise bei den Houyhnhnms, vernunftbegabten Pferden, die ihr Land mit den Yahoos teilen, menschenähnliche Bestien, die nicht zu rationalem Denken fähig zu sein scheinen. Als veränderter Mensch kehrt er schließlich nach England zurück.


    Zum Autor


    Jonathan Swift wurde 1667 in Dublin geboren. Ab 1682 besuchte er das Trinity College in Dublin, graduierte dort jedoch nur aufgrund „besonderer Gnade“ und autobiographische Aufzeichnungen lassen ahnen, dass sein stolzer Geist ihn das College-Leben schwer ertragen ließen. Nach dem Ausbruch der Katholischen Rebellion im Zuge der Abdankung James II, verlies Swift wie viele andere Irland und emigrierte nach England. Als Pazifist, der Grausamkeit, Krieg und Imperialismus ablehnte, schrieb er viele Streitschriften über Krieg und Religion und versuchte bei seinen zahlreichen Besuchen in London die politische Situation in Irland zu verbessern. Ein Leben lang litt er unter Schwindelanfällen, die sich ab 1938 stark verschlimmerten und 1942 wurde er für geisteskrank erklärt. Er starb 1945 und hinterließ den größten Teil seines Vermögens zur Gründung eines Hospitals für Geisteskranke.
    „Gullivers Reisen“ erschien 1726 in London und zwar anonym, wie die meisten seiner Schriften. „Gullivers Reisen“ ist die einzige Publikation für die Swift eine Bezahlung erhielt - 200 Pfund.


    Iris, bei der ich öfters mal Nachhilfe zum Verständnis des Buches genommen habe :knuddel1 , hat mir noch diese Zusatzinformation zu Jonathan Swift geschickt, die ich sehr hilfreich und interessant fand:


    „Swift war als Schriftsteller ein bitterböser Mensch. Denn obwohl anglikanischer Kirchenmann, verstand er sich vor allem als Politiker. Lange Zeit war er ein Anhänger der Whigs, ein Liberaler, der einen engen Zusammenhang zwischen Bildung und Wohlstand erkannte und deshalb vehement gegen die Armut und das ständische Denken z.B. bei den Tories kämpfte. Der eigensüchtige Wirtschaftsliberalismus vieler Whigs erzürnte ihn, weshalb er sich später er sich den Tories anschloss, wo er aber
    wegen seiner Ansichten zum Allgemeinwohl ebenfalls ein Außenseiter blieb. Er hielt sich auch "privat" nicht an herrschende Moralvorstellungen, z.B. ist bis heute nicht bekannt, ob er mit einer seiner beiden Frauen überhaupt verheiratet war.“


    Interessant ist auch dieser Artikel bei Wikipedia


    Meine Meinung


    Ich finde das Buch einfach genial. Das Buch ist gespickt mit kleinen und großen Gemeinheiten, die ganz bestimmt in der Kinder- und Jugendausgabe als schädliches Gedankengut herauseditiert worden sind. :wow Jonathan Swift hat es geschafft, mich zum Denken anzuregen und Dinge zu hinterfragen, die eigentlich erst durch den Kontrast zwischen den Kulturen, die Gulliver kennen lernt und seiner eigenen richtig deutlich werden.
    Zwei Dinge faszinieren mich besonders: Zum einen die sehr, sehr bösen Anspielungen auf zeitgenössische Geschehen oder Personen – und da habe ich mir manches Mal gewünscht, ich hätte in der Schule besser aufgepasst oder mehr Hintergrundwissen, was denn überhaupt um 1700 los war, denn ich möchte gar nicht wissen, wie viele Anspielungen mir durch die Lappen gegangen sind. Ich hab mich immer wieder gefreut, wenn ich mal etwas entdeckt und richtig zugeordnet habe, zum Beispiel einen wirklich bösen Angriff auf Isaac Newton. Na, ich glaub, ich verrat mal nicht zu viel, denn gerade das Entdecken macht ja den halben Spaß aus. :grin
    Und das zweite, was mich fasziniert hat, ist die Aktualität des Buches. Vieles passt durchaus auch auf heutige Zustände und Denkweisen. Entweder war der Mann seiner Zeit voraus, oder es hat sich nicht viel geändert – oder beides. :wow


    Die Sprache fand ich einfach schön. Ich hab es auf Englisch gelesen und fand es gut verständlich vom Vokabular her und seine Ausdrucksweise fand ich einfach klasse. Ich hab zweimal ein Wort nachgeschlagen, aber nur um sicher zu gehen, dass der Satz nicht genau andersherum gemeint ist als ich es denke – was bei dem Autor immer möglich ist. ;-) Allerdings musste ich mich beim Lesen schon ein bisschen konzentrieren, weil Swift es liebt, ganz große Boshaftigkeiten in ganz unscheinbaren Nebensätzen unterzubringen oder sie einem im harmlosen Plauderton unterzujubeln. Das Buch ist als Reisebericht geschrieben, d.h. es gibt keine Dialoge, sondern wenn, dann erzählt Gulliver seine Gespräche mit den verschiedenen Personen nach oder gibt sie inhaltlich wieder. Wer lange Sätze liebt, die einfach immer weitergehen, so wie man sie in „Der Tribun“ findet, wird an diesem Buch seine Freude haben.


    Ich hab kurz mal einen Blick in die deutsche Ausgabe von Insel geworfen und die ist sehr schön gemacht, sogar mit Zeichnungen. Zur Übersetzung kann ich nicht viel sagen, ich hab aus Neugier mal einen meiner langen Lieblingssätze nachgeschlagen und der war soweit in Ordnung, nur dass sie ihn glatt dreigeteilt haben. Bei der Insel-Ausgabe kann man zumindest sicher gehen, dass alles drin ist und man nicht eine zensierte Version erwischt.


    Äh – das ist jetzt irgendwie lang geworden, aber kürzer krieg ich meine Begeisterung nicht in Worte gefasst. :anbet


    lg Iris

  • Hallo Delfin,


    eine wirklich tolle Rezi... Klasse... :-]


    "Gullivers Reisen" kenne ich ehrlich gesagt nur aus dem Fernsehen. Aber Deine Rezi klingt so interessant, dass ich mir das Buch auf jeden Fall mal vormerke... Das scheint ja wirklich gut zu sein... :-)

  • Auch ich habe das Buch mittlerweile gelesen und bin durchweg begeistert. Meine Ausgabe ist vom Diogenes Verlag. Hinten im Buch ist noch ein Anhang, in dem einige der Wörter erläutert werden, außerdem noch eine interessante Biographie des Autors von Walter Scott.. Wie Iris oben schon erwähnte, ist die Sprache wirklich überraschend modern.
    Ein Buch, das ich in Zukunft weiterempfehlen werde!

  • Wo der Thread gerade oben ist, muss ich hier einfach die Edel-Ausgabe der Neuübersetzung von Christa Schuenke verlinken, die ich neulich in Händen hatte - sauteuer, aber echt schick. Die Bilder allerdings muss man mögen.

    Surround yourself with human beings, my dear James. They are easier to fight for than principles. (Ian Fleming, Casino Royale)

  • Zitat

    Original von MaryRead
    Wo der Thread gerade oben ist, muss ich hier einfach die Edel-Ausgabe der Neuübersetzung von Christa Schuenke verlinken, die ich neulich in Händen hatte - sauteuer, aber echt schick. Die Bilder allerdings muss man mögen.


    Die John Banville-Übersetzungen von Christa Schuencke fand ich immer sehr gut. Die Bilder in dieser Edelausgabe sind allerdings wirklich gewöhnungsbedürftig. Ich bleib doch lieber bei meiner 2,30-Euro-Ausgabe von Penguin Popular Classics. :lache

  • Uff, ich stecke auf der Hälfte des Buches fest. Das ist nicht mein Thema. Winzige und riesige Leute sind ja noch okay. Aber der dritte Teil, den ich grad begonnen habe, ist nun schwer zu ertragen. Das ist alles nicht meins. Aber abbrechen möchte ich auch nicht und gaaaaanz so schlimm ist es auch noch nicht. *seufz* Ich hoffe, ich komme durch.

  • Meine Meinung:
    Das weltweit bekannte Buch stand schon ziemlich lange ungelesen in meinem Regal. Vor ein paar Jahren versuchte ich mich dran, fand aber nicht wirklich in die Geschichte hinein. In diesem Jahr nahm ich es erneut zu Hand und es ging sogar ziemlich gut. Die Idee der Geschichte, dass Gulliver auf einer Insel landet, die von winzigen Menschen bewohnt wird, war nicht schlecht. Doch der Schreibstil von damals, immerhin wurde das Buch 1726 geschrieben, war nicht so spaßbringend für mich. Die zweite Geschichte erscheint einem logisch, denn da landet die Hauptperson auf einer Insel der Riesen. Interessant bei diesen beiden Geschichten fand ich wirklich die Sichtweisen im wahrsten Sinne des Wortes, denn Swift schreibt, dass die Riesen auf ihn unheimlich häßlich und die Winzlinge unheimlich schön wirkten. Es schob dies z.B. auf deren Haut, die man jeweils ganz anders betrachten kann, so bei den Riesen wie mit einer unglaublich guten Lupe. Auch anderes selbstverständliches wirkte mit einer ganz anderen Körpergröße plötzlich ganz anders.
    So weit, so gut.
    Aber die dritte Geschichte fand ich ganz schauderhaft. Seltsam geformte Menschen, mit einer Intelligenz-Gruppe, die von den weniger schlauen immer wieder angeschubst werden mussten, da sie sich sonst verloren. Neee. Also neee. Das fing mich gar nicht ein. Wäre ich da nicht schon über der Hälfte des Buches angelangt, hätte ich wohl abgebrochen.
    Die letzte Geschichte mit den Pferden als führende Rasse und einer Art Neandertaler als Haustier war schon wieder recht gut. Wieder wurden die Sichtweisen aus ganz anderen Richtungen beschrieben und diese und unsere Welt miteinander verglichen. Hier hörte man am deutlichsten die Gesellschaftskritik raus. Da frage ich mich manchmal, wie solche Kritiker heute schreiben würden. Ob sie das, was heute so im Argen liegt, überhaupt so weit polarisieren könnten, dass nicht eine Reihe von 700 Büchern zur Beschreibung nötig wäre?
    Insgesamt bin ich froh, dass ich diesen Klassiker gelesen habe und nun weiß, worum es genau geht. Denn dieses Buch gehört für mich zu der Gruppe der Bücher, die man (eigentlich) mal gelesen haben muss. Nochmal lese ich es aber sicher nicht.


    Wertung:
    1 Punkt