42erAutoren foppen Zuschussverlage - Spiegel Online berichtet!

  • Hallo, Magali.


    Dass die Rico-Beutlich-Aktion diese Autoren oder einige davon "vorführt", liegt in der Natur der Sache und scheint mir unvermeidbar. Wenn man das in beschönigender Weise angegangen wäre, hätte man sofort wieder Rechtfertigungsmaterial erzeugt. Selbst der Rico-Beutlich-Text scheint ja einigen Kommentatoren irgendwie dennoch "gut" oder "veröffentlichungsfähig", womit sie entweder sich selbst oder jene Autoren zu schützen versuchen. Das ist verständlich, schießt aber am Ziel vorbei. Und man lügt sich dieserart in die eigene Tasche.


    Um Andreas Eschbach (zum x-ten Mal) zu zitieren: Autoren sollten niemals für ihre eigenen Manuskripte bezahlen!


    Der Spiegel-Redakteur, Carsten Holm, hatte sich bereits im Jahr 2000 einmal mit diesem Thema befasst. Im Rahmen der damaligen Recherche kam auch Herr Frieling zu Wort, der u.a. davon sprach, dass Autoren ihren Einsatz als "Totalverlust" abschreiben sollten - eine für die Branche ungewohnt offene Stellungnahme. Die den Kern trifft.


    Grundsätzlich - ob mit oder ohne Rico Beutlich - kommt eine "bezuschusste" belletristische Buchveröffentlichung ohnehin der eigenen Lächerlichmachung sehr nahe. Wer in solchen Verlagen veröffentlicht, bewegt sich in einem völlig anderen Umfeld als jene Autoren, die es bei "richtigen" Verlagen schaffen. Selbst Eigenverlag oder Book on demand sind demgegenüber durchaus positiv zu bewerten, vor allem im Einzelfall. DKZ-Verlage liefern die Buchdeckel um die eigene Eitelkeit herum. Und nur das.

  • Zitat

    Original von Tom
    Hallo, Magali.


    Dass die Rico-Beutlich-Aktion diese Autoren oder einige davon "vorführt", liegt in der Natur der Sache und scheint mir unvermeidbar.


    Das mag Dir unvermeidbar vorkommen, mir aber nicht. Opfer zum Gespött zu machen, kann nie in der 'Natur der Sache' liegen und ist keine Aufklärung.



    Zitat

    Wenn man das in beschönigender Weise angegangen wäre, hätte man sofort wieder Rechtfertigungsmaterial erzeugt.


    Es geht nicht darum, etwas zu beschönigen, im Gegenteil. Man sollte aber nicht aus den Augen verlieren, wer der Gegner ist. Das sind nicht die Leute, die für die Drucklegung ihrer Manuskripte zahlen.
    Rechtfertigungsmaterial habt Ihr zur Genüge geliefert. Das habe ich oben ausgeführt.



    Zitat

    Selbst der Rico-Beutlich-Text scheint ja einigen Kommentatoren irgendwie dennoch "gut" oder "veröffentlichungsfähig", womit sie entweder sich selbst oder jene Autoren zu schützen versuchen. Das ist verständlich, schießt aber am Ziel vorbei. Und man lügt sich dieserart in die eigene Tasche.


    An welchem Ziel schießt das vorbei? Um zu erkennen, wie dieser Text einzuschätzen ist, braucht man bestimmte Fähigkeiten, diese sind nicht allgemein verbreitet. Es ist erstaunlich, was für Texte von LeserInnen für 'gut' gehalten werden, die keineswegs ein ökonomisches Interesse z.B. an seiner Veröffentlichung haben.
    Abgesehen davon, daß unter den BefürworterInnen durchaus VertreterInnen der angeriffenen Firmen sein mögen, können sich durchaus auch Menschen darunter befinden, die solche Texte z.b. aus Unerfahrenheit und Unkenntnis durchaus gut finden.


    Zitat

    Um Andreas Eschbach (zum x-ten Mal) zu zitieren: Autoren sollten niemals für ihre eigenen Manuskripte bezahlen!


    Äh, ja. Diese Aussage ist auch richtig.
    Ich hoffe, Herr Eschbach ist nicht der einzige, der das fordert? Abgesehen davon, daß sich mir nicht ganz erschließt, warum seine Aussage nun besonderes Gewicht haben soll.


    Zitat

    Der Spiegel-Redakteur, Carsten Holm, hatte sich bereits im Jahr 2000 einmal mit diesem Thema befasst. Im Rahmen der damaligen Recherche kam auch Herr Frieling zu Wort, der u.a. davon sprach, dass Autoren ihren Einsatz als "Totalverlust" abschreiben sollten - eine für die Branche ungewohnt offene Stellungnahme. Die den Kern trifft.


    Ich schrieb ganz oben schon, daß Kritik an den Pseudoverlagen nicht neu ist. Danke für den Hinweis auf das Statement von Freiling. Die Firma kommt mir immer solider vor, kein Drumrumgerede, zack, zum Punkt, offen und ehrlich. Bravo.



    [qzuote]Grundsätzlich - ob mit oder ohne Rico Beutlich - kommt eine "bezuschusste" belletristische Buchveröffentlichung ohnehin der eigenen Lächerlichmachung sehr nahe.[/quote]


    Gefährlicher Boden. Jede/r hat das Recht, sich lächerlich zu machen, wann und wo es ihnen gefällt.
    Ob jede und jeder das Recht hat, deshalb auf andere mit dem Finger zu zeigen, ist eine andere Frage.



    Zitat

    Wer in solchen Verlagen veröffentlicht, bewegt sich in einem völlig anderen Umfeld als jene Autoren, die es bei "richtigen" Verlagen schaffen. Selbst Eigenverlag oder Book on demand sind demgegenüber durchaus positiv zu bewerten, vor allem im Einzelfall. DKZ-Verlage liefern die Buchdeckel um die eigene Eitelkeit herum. Und nur das.


    BoD-Verfahren, meinst Du, ja? Nur zur Klarstellung für die, die hier mitlesen.
    Ansonsten gibt diese Aussage nichts anderes her, als das, was ohnehin schon bekannt ist. Für die Belletristik.
    Eitelkeit, ja. Kommt vor. Dennoch würde ich nicht alle, die ihr Geschriebenes publizieren wollen, über einen Kamm scheren.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Hallo, Magali.


    Zitat

    Dennoch würde ich nicht alle, die ihr Geschriebenes publizieren wollen, über einen Kamm scheren.


    Natürlich nicht. Man kann und sollte niemals irgendeine Gruppe über einen Kamm scheren. Es sei denn, sie beugt sich kollektiv vor und bietet den Haarschopf dar.


    Die Frage lautet doch: Warum wollen diese Leute unbedingt ihr Geschriebenes publizieren? Warum muss um einen beliebigen Text ein Buchdeckel drumherum, auf dem ein Verlagsname - irgendeiner - steht?


    Die Antwort lautet meist: Weil die Leute erwarten, dass dann irgendwas geschieht. Die Zuschussverlage unterfüttern diese Erwartungshaltung in ihren Internet-Auftritten, in Hochglanzbroschüren oder "Essays", die von (ehemaligen) Betreibern veröffentlicht werden, schließlich finden sich entsprechende Behauptungen auch in den Schreiben, die den Zusagen beiliegen. Dieses "Etwas", das geschehen soll, besteht aus Anerkennung, Bekanntheit, nennenswerten Verkaufserfolgen - bis hin zu Ruhm, Ehre und Reichtum. Das sind, über den Kamm geschoren, die Hauptmotivationen vieler Leute, die schließlich im "Dienstleistungsgewerbe" landen. Hinter dem verlegten Buch wird ein Automatismus vermutet, der den Verfasser in sehr hohe Sphären katapultiert. Das geschieht aber selbst bei Büchern oder mit Autoren, die in großen Verlagen erscheinen, nur ausnahmsweise. Dass es bei irgendeinem DKZ-Buch jemals geschehen sei, ist mir unbekannt.


    Auch, wenn verniedlichend oft die Rede davon ist, dass man doch nur endlich seinen eigenen Namen auf einem Buchdeckel sehen möchte (was mir als sehr seltsame Motivation erscheint), wage ich die Behauptung, dass die überwiegende Zahl derjenigen Autoren, die auf Nebenwegen zu "Veröffentlichungen" kommt, tatsächlich erwartet, damit Erfolg zu haben. Sie leiten aus dem Interesse, das sie selbst für das Projekt haben und hatten, ein allgemeines Interesse ab, das mit der Buchveröffentlichung manifestiert wird. Die "Verlage" unterstützen sie in dieser Hinsicht, sie fördern diese Fehlwahrnehmung. Die Eitelkeit wird mit schönen Worten gepflegt, mit wohlklingenden, lobpreisenden Testaten, wie Rico Beutlich sie auch bekommen hat. Dabei scheint kein Unterschied gemacht zu werden, was Inhalte und Textqualität angeht. Natürlich mag es auch sehr gute Texte geben, die auf diesem Weg auf den (sehr eingeschränkten) Markt gelangen. Aber wenn man die Verlagsprogramme durchforstet und, wie ich, mal einige dieser Bücher unverlangt zur Rezension angeboten bekommen hat, weiß man, dass das Gros aus Brot-ohne-Butter-Geschichten besteht, die besser (noch) nicht veröffentlicht worden wären.


    Und es hat eben einfach keinen Sinn. Der Erfolg tritt nicht ein. Womit wir wieder zur Ausgangsfrage kommen: Wozu?

  • Wenn ich ein Buch veröffentliche will ich der reichste Mann Deutschlands werden- Frau Rowling hat es uns doch vorgemacht in Großbrittanien die Queen überflügelt und Herr Follett ihm sein Jaguar und sein Schlösschen wäre im Zweifel auch nicht schlecht..


    Edit: Wobei die Schriftsteller, die in Deutschland ordentlich Geld verdienen meiner Meinung nach eher Drehbuchschreiber für Tatort oder Serien sind...

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

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  • Tom


    welche Impulse und Vorstellungen Menschen dazu treiben, ihr Manuskript gegen zum Teil beträchtliche Geldsummen drucken und binden zu lassen - sehr viel mehr an Leistung wird ja nicht geliefert, alles Weitere bringt nur höhere Kosten - ist ein weites Feld.
    Wir können hier stundenlang herumpsychologisieren, ob es ein Form von Geltungsdrang oder Gewinnstreben oder beides ist. Oder etwas völlig anderes.
    Das ist aber nur ein Nebenschauplatz dieser Diskussion und damit wenig fruchtbar.


    Ihr hattet Eure Aktion.
    Ich habe meine Einwände formuliert.
    Wir haben hier noch einmal darüber gesprochen.


    Einen Punkt haben wir noch nicht wieder aufgenommen:
    den Umstand, daß das Ganze mit dem Verkauf des Kalenders gekoppelt wurde. Diese, ich nenne es mal Ungeschicklichkeit, untergräbt die Ernsthaftigkeit, die hinter dieser Aktion stehen soll, für mich vollends.
    Und das war noch, ehe ich das T-Shirt entdeckte. Natürlich war es nur als Scherz gedacht, ich weiß. Ich habe den Preis gesehen ...



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Hallo, Magali.


    Diese Geschichte ist für den Autorenkalender entwickelt worden. In diesem Autorenkalender sind schon seit sieben Jahren Beiträge enthalten, die über den Buchmarkt informieren, Autoren-Grundlagenwissen vermitteln und bisher wenig bekannte Zusammenhänge aufdecken. Die Story um Rico Beutlich haben wir im November vergangenen Jahres entwickelt, im Dezember dann die Anfragen auf die Reise geschickt. Dass der Kalender Ende August erscheinen würde, stand da bereits fest. Und mehr nicht. Als der Spiegel sich dann dafür interessierte, war dies mit der Bitte verbunden, den Kalender zurückzuhalten, bis die Story bei SpOn erschienen ist - eine sehr nachvollziehbare Bitte, der wir leicht folgen konnten, da der Kalender immer ab Ende August ausgeliefert wird; er kommt um den 15. August herum aus der Produktion. Der Spiegel hat also letztlich nur nacherzählt (und um Stellungnahmen der Verlage sowie diese kleine Geschichte um den DKZ-Autor, der per Flugzeug Werbung für sein Buch zu machen versuchte, ergänzt), was in anderer Form auch im Autorenkalender enthalten ist - in unseren Worten. Was davon bitteschön versuchst Du hier als irgendwie verwerflich zu diskreditieren? Diese Story hätte es ohne den Autorenkalender nicht gegeben, da wir sie für ihn geschrieben haben. Die Presseresonanz - die sich dieser Tage übrigens noch ausweiten wird, wie sich gerade abzeichnet - stellt eine schöne Vergrößerung der Öffentlichkeit dar, die wir uns - auch Mitträger der Fairlag-Kampagne übrigens - natürlich wünschen und die wir begrüßen. Wäre diese Geschichte ohne weitere Presseresonanz nur im Kalender erschienen, hätte es diese Welle durch die Literaturblogs nicht gegeben, die am vergangenen Donnerstag eingesetzt hat. Und übrigens dürften die nachhaltigen Effekte für den Kalenderverkauf eher gering sein, da viele jetzt meinen, die Story bereits zu kennen.


    Also, für die Fußgänger: Was genau kreidest Du uns jetzt an?

  • Tom


    es ist einfach nur meine Ansicht, daß sich 'Aufklärung' mit einer Verkaufsaktion schlecht verträgt. Und nicht mit der Form von Satire, die Ihr gewählt habt.
    Ihr habt's gemacht, weil Ihr es gut fandet.
    Ich finde es nicht gut und habe das hier geäußert.



    Wo ist das Problem? Standpunkt gegen Standpunkt. Nennt sich Duskussion. Die Welt dreht sich trotzdem noch.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Die "Aufklärung" ist kostenlos im Netz verfügbar. Spiegel Online kostet nichts, die Auszüge aus Rico Beutlichs Oeuvre sind gleichfalls gratis im Netz zu finden, und die vielen Blogs, Foren und Literaturseiten, die jetzt darauf verweisen und den Beitrag ergänzen und kommentieren, sind auch kostenlos. Ohne den Kontakt zum Spiegel wäre es dazu nicht gekommen. Den Kontakt zum Spiegel hätte es nicht gegeben, hätten wir diese Idee nicht für den Autorenkalender geboren und umgesetzt; der Spiegel-Beitrag basiert auf dem unsrigen. Den Kalender kann man jetzt kaufen, aber man muss es nicht. Wenn man ihn kauft, garantieren wir dafür, dass die Einnahmen, die uns erreichen, tatsächlich in Literaturförderung investiert werden. Mag sein, dass der Uschtrin-Verlag ein paar Euro verdient, aber das geschieht immer, wenn Verlage interessante Bücher herausgeben.


    Du gefällst Dir in der Rolle des Advocatus Diaboli. Auch das ist in Ordnung. Es gibt immer Leute, die besser wissen, was andere gemacht haben. ;-)

  • Zitat

    Original von Tom
    Du gefällst Dir in der Rolle des Advocatus Diaboli. Auch das ist in Ordnung. Es gibt immer Leute, die besser wissen, was andere gemacht haben. ;-)


    Advocata diaboli.
    Und nein, das ist nicht der Punkt.


    Darf ich Dich daran erinnern, daß Du einmal in diesem Forum geschrieben hast, daß alles zur Disposition steht?



    Das ist ein interessanter Standpunkt mit gefährlichen Weiterungen. Ich teile ihn, allerdings sicher nicht in seiner letzten Konsequenz. Das Meiste steht für mich zur Disposition.
    Für Dich aber Alles.
    Von daher kannst Du mir natürlich kleinliche Motive zu unterstellen (ich habe das 'diskreditieren' weiter oben durchaus zur Kenntnis genommen), Du zollst ja nach eigener Aussage keiner Meinung Respekt.


    Ich allerdings tue nach den Maßgaben des von Dir aufgestellten Wertsystems nichts Falsches, ich diskutiere das, was Du zur Disposition gestellt hast.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Meine erste Reaktion auf die Aktion ,Rico Beutlich’ war die der meisten hier im Forum: „Super gemacht!“
    Mittlerweile bin ich etwas nachdenklicher geworden. Allerdings nicht, weil ich die Aktion schlecht finde, ganz im Gegenteil. Es ist immens wichtig, dass die Maschen der DKZ-Verlage publik gemacht werden. Dazu braucht man nun mal die Medien, anders geht es nicht. Nur über eine breite Präsens in den Medien kann man die Leute, die man gezielt ansprechen will, überhaupt erreichen.
    Wie wichtig Aufklärung ist, soll folgendes Beispiel zeigen:
    Als ich vor einem Jahr meinen ersten Roman veröffentlichte, war ich (und bin es immer noch) ein Greenhorn im Verlagsgeschäft. Da ich aber ein vorsichtiger Mensch bin, wenn es um Verträge u.ä. geht, versuchte ich, mich möglichst umfassend zu informieren. Google gibt heute beinahe alles her, unter anderem auch einen “Bund deutscher Schriftsteller“ – kostenlose Beratung wird versprochen, Förderung von Autoren usw. „Wow“, dachte, die helfen dir. Ich rief also dort an und stellte ein paar Fragen zu dem Autorenvertrag, den ich in der Hand hielt. Und siehe da, man sagte mir: „Das ist heute ganz normal, dass Autoren sich an den Kosten ihrer Bücher beteiligen.“ (Wobei ich nicht bei einem DKZ-Verlag veröffentlicht habe – darum ging es nicht. Ich habe nichts für die Veröffentlichung meines Romans bezahlt - im Gegenteil, ich bekam einen regulären Vorschuß)
    Nun kannte ich die Homepage von Andreas Eschbach, der von magali weiter oben ja genannt wurde. Da mir das alles sehr merkwürdig vorkam, schrieb ich Andreas Eschbach eine Mail und erkundigte mich nach dem „Bund deutscher Schriftsteller“. Erst mit seiner Antwort erfuhr ich dann, dass dieser Verband ein Anhängsel der DKZ-Verlage ist und nicht zu verwechseln mit dem „Deutschen Schriftstellerverband“.
    Dieses Beispiel soll zweierlei zeigen: Wie geschickt die DKZ-Verlage vorgehen, um ahnungslose Jungautoren anzulocken, was z.B. die Namensgebung ihrer Verlage und Institutionen anbelangt. Zum zweiten sollten wir das Engagement erfahrener Autoren, die sich die Mühe machen, Anfänger vor diesen Abzockern zu warnen, nicht abwerten – egal auf welchem Weg sie das tun. Und wenn dabei noch ein paar Cent für den Autorenkalender herauskommen, dessen Erlös wiederum in die Literaturförderung fließt, ist das sicherlich nicht so schrecklich verwerflich, dass man es unbedingt an den Pranger stellen muss.
    Nach meiner ersten Veröffentlichung stehe ich noch ganz am Anfang, aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich bisher in keiner Branche ein so offenes und hilfsbereites Verhalten von „Kollegen“ erlebt habe. Schönen Dank dafür! Immerhin bemühen sich gestandene Autoren, Anfänger vor teuren Fehltritten zu bewahren. Dieses Verhalten verdient meiner Meinung nach erstmal Respekt und Anerkennung. Es könnte ihnen ja auch sch..egal sein – ist es aber nicht. – Hut ab! Ich werde mich nach Kräften daran beteiligen.


    Die Tatsache, dass Rico Beutlich rasant zur Kunstfigur avanciert, macht mich allerdings nachdenklich. Es zeigt, dass eine gut gemeinte Aktion auch nach hinten losgehen kann. Scheinbar ist kein Mist schlecht genug, um nicht noch Erfolg haben zu können. Mir fällt da die unterirdische Vermarktung eines „Maschendrahtzauns“ oder die Vorführung von talentfreien jungen Menschen bei DSDS ein, die nur dem Zweck der Schadenfreude dient, zum Leidwesen der „Opfer“. Das dies nun den DKZ-Verlagen auch noch das Argument in die Hand spielt: „Wir haben sofort erkannt, welches Potential in dem Manuskript steckt!“, ist bedauerlich, aber wohl unvermeidbar.


    Die Frage, ob man mit dieser Aktion oder einer anderen wie Fairlag Hobbyautoren davor schützen kann, den DKZ-Buden ihr Geld hinterherzuwerfen, ist fraglich. In der heutigen Zeit, in der Betrug und Abzocke jeden Morgen bereits im Briefkasten lauern, sollte man vielleicht von jedem Mitmenschen auch ein gesundes Maß an Skepsis und vor allem Eigenverantwortung verlangen. Wenn mir jemand für die Veröffentlichung meines Manuskriptes bis zu 20.000 Euro und mehr abverlangt, muss ich mich wirklich fragen, wie naiv manche Menschen sind. Wenn ich einen Gebrauchtwagen für soviel Geld kaufe und auch noch einen Kreditvertrag dafür unterschreibe, stehe ich auch in der Pflicht mir selbst gegenüber, beides auf Herz und Nieren zu prüfen – und mich zu fragen, ob mir das, was ich bekomme, das Geld auch wert ist.


    magali
    Warum beharkst Du Tom eigentlich so? Mir fällt da ein leichte Aggressivität auf – oder irre ich mich da?


    @ Tom
    Wenn Du schreibst, Du hast keinen besonderen Respekt vor den Meinungen anderer Leute, brauchst Du Dich natürlich nicht zu wundern, wenn Du angegriffen wirst. Du bist oft sehr direkt, was mir persönlich gut gefällt, auch wenn ich bei manchen Kommentaren schon mal schlucken muss. So viel Offenheit kann halt nicht jeder vertragen.


    Viele Grüße an alle


    Dean

  • Hallo, Dean.


    Das mit dem Respektieren anderer Meinungen wird hier ein wenig verzerrt dargestellt. Es ging um weltanschauliche Grundsätze, um die Vermischung von persönlicher Meinung und Person. Aber gut. ;-)


    Die "Verlagsgruppe", die u.a. mit dem "Bund deutscher Schriftsteller" verbunden ist, betreibt dieses Markenkonzept nahezu in Perfektion. Es wird auf diese Art der Eindruck erweckt, extrem seriös zu sein - die Verlagsnamen selbst, die Eigennamen wie Goethe und Brentano enthalten, "angeschlossene" Organisationen wie die von Dir genannte, aber auch die "World Writer's Association". Es gibt auch noch das Portal "Haus der Literatur", das inhaltlich durch viele Stellungnahmen zum "richtigen" Buchmarkt davon ablenkt, dass es eine Werbeplattform für die Verlagsgruppe ist. Und einiges mehr. Die Gruppe war auch Herausgeber eines lyrischen Jahresbandes, der lange Zeit unter dem Namen "Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichts" erschien (und der meiner Kenntnis nach nicht mehr benutzt werden darf) - eine umfangreiche Schwarte, in der tausende Gedichte abgedruckt wurden. Das ZDF-Magazin "WiSo" hatte sich mal mit Gedichten beteiligt, die es per "Poetron" (einem Gedichtegenerator, der im Internet verfügbar ist) erzeugt hatte - mit großem Erfolg. Diesen Jahresband durften die vielen Tausend beteiligten Autoren dann zu "Vorzugspreisen" kaufen - wenn man nach diesem Namen googelt, findet man viele Autorensites, die mit Hinweisen auf diese Publikation geschmückt sind. Undsoweiter.


    Diese Form der Außendarstellung ist zweckorientiert und sehr erfolgreich. Einer der Verlage, die von Rico Beutlich angeschrieben wurden, spricht nicht nur im begeisterten Zusageschreiben davon, dass von über 300 monatlich eingesandten Manuskripten nur vier ins Programm kämen (Ricos Buch wäre eines davon gewesen) - diese Aussage findet man auch auf deren Website. Eine Firma, die 300 Kundenanfragen pro Monat bekommt, aber nur vier neue Kunden gewinnt, könnte auch so argumentieren. Es mag aber tatsächlich so sein, dass die anderen 296 potentiellen Kunden einfach das Angebot ablehnen und woanders hingehen. Jedenfalls ist kaum vorstellbar, dass diese nicht erscheinenden Manuskripte noch schlechter als das von Rico Beutlich sind.


    Eine Randbemerkung zum "Kult", den Rico - in gewissen Grenzen - ausgelöst hat: Man sollte nicht ignorieren, wie der entstanden ist. Zudem hebelt das nachgereichte "Gesamtmanuskript" die Argumentation, die "Verlage" hätten hier etwas "erkannt", doch eher aus.

  • Zitat

    Hallo, Dean. Das mit dem Respektieren anderer Meinungen wird hier ein wenig verzerrt dargestellt. Es ging um weltanschauliche Grundsätze, um die Vermischung von persönlicher Meinung und Person. Aber gut. Augenzwinkern



    Hallo Tom


    So was in der Art hatte ich mir fast schon gedacht. Das ist natürlich was ganz anderes. ;-)


    Zitat

    Eine Randbemerkung zum "Kult", den Rico - in gewissen Grenzen - ausgelöst hat: Man sollte nicht ignorieren, wie der entstanden ist. Zudem hebelt das nachgereichte "Gesamtmanuskript" die Argumentation, die "Verlage" hätten hier etwas "erkannt", doch eher aus


    Stimmt, das ist ein wenig untergegangen. Beziehen die Verlage sich bei ihrer nachträglichen Beurteilung eigentlich nur auf die besagten 9 Seiten? Wie rechtfertigen sie denn, dass ihr ihnen Fremdtexte untergejubelt haben und sie es nicht gemerkt haben?


    Dean

  • Hallo, Dean.


    Zitat

    Beziehen die Verlage sich bei ihrer nachträglichen Beurteilung eigentlich nur auf die besagten 9 Seiten?


    Drei von vier "Verlagen", die das Gesamtmanuskript angefordert und dann auch bekommen haben, sagten auf Basis dieser Zusendung zu. Sie weiteten im Rahmen dessen i.d.R. die positive Beurteilung aus. Zwei anderen genügte die Leseprobe.


    Zitat

    Wie rechtfertigen sie denn, dass ihr ihnen Fremdtexte untergejubelt haben und sie es nicht gemerkt haben?


    Dazu kann genaueres nur der Spiegel-Redakteur sagen, weil wir das nicht gemacht haben - wir haben bis zum Schluss den "Verlagen" gegenüber geheimgehalten, dass es Rico Beutlich nicht gibt. Die Antworten auf diese Frage kann man dem Spiegel-Artikel entnehmen. Ein Verlag wollte das Buch (also wohl die Gesamtfassung) angeblich in einer dadaistischen Reihe veröffentlichen, ein anderer lobte den Harald-Schmidt-Humor (ohne sich auf das Gesamtmanuskript zu beziehen) und ein weiterer gestand, dass man eigentlich kein Verlagsangebot hätte machen dürfen.


    Die Kernfrage, um die alle einen großen Bogen machen, lautet: Wenn der Buchmarkt es heutzutage angeblich erfordert, dass sich der Autor am Risiko beteiligt (so wird der "Zuschuss" gerne und von fast allen begründet) - welchen Sinn soll das haben? Das Risiko ist so oder so vorhanden, und im Normalfall trägt es der Verlag. Vermindert es sich dadurch, dass es auf den Autor übergeht? Oder, anders gefragt: Wenn es tatsächlich richtig, sinnvoll und erfolgversprechend ist, dieses Buch zu veröffentlichen, wie die Gutachten der "Lektorate" ja vermuten lassen - warum muss dann der Autor und nicht eine millionenschwere Firma das Risiko tragen?


    Die Antwort darauf ist eine sehr einfache.

  • Ganz kann ich das noch nicht durchgehen lassen.


    dean


    Die Nennung des Namens Andreas Eschbach kam von Tom, nicht von mir.


    Daß der Eindruck entseht, daß ich Tom 'beharke' ist nur natürlich, ergab sich aber daraus, daß er in diesem Thread der einzige direkte Ansprechpartner wurde. Da er persönlich an der Aktion beteiligt ist, ist er zugleich ein besonders interessanter Ansprechpartner, er wurde sozusagen das Zentrum des Ganzen.
    Allerdings nicht die Zielscheibe. Wer die Diskussion aufmerksam liest, hat das auch verstanden.


    'Aggressiv', ja, das Wort fällt immer, wenn man eine Meinung mit Nachdruck vertritt, sehr gern dann, wenn der Mensch, der die Meinung vertritt, weiblichen Geschlechts ist.
    Das geht auf alte Vorstellungen von Rollenverhalten bei den Geschlechtern zurück, ist heutzutage aber auch gesellschaftlich wieder im Kommen, da Harmoniebedürfnis gefördert wird, die Entwicklung eigener, unabhängier Meinungen aber nicht.


    Sobald man sich des Problems bewußt geworden ist, kann man sich aber abgewöhnen, jedes entschiedene Auftreten umgehend mit Angriffslust gleichzusetzen. Es sind zwei ganz unterscheidliche Verhaltensweisen.





    Tom


    es geht nicht darum, ob ich nun recht habe oder nicht, es geht darum, daß ich mein Recht in Anspruch genommen habe, Einwände bezüglich Eurer Aktion öffentlich zu machen.


    Du darfst gern weiter über mich herziehen, im Sinn der Sache, an der Euch nach eigener Aussage gleichfalls liegt, solltest Du Dein Zielfernrohr aber endgültig in andere Richtungen lenken.
    An meiner Einschätzung wird sich nichts ändern.


    Ich schrieb es oben schon, Standpunkt gegen Standpunkt. Wir werden damit leben müssen.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Hallo, Magali.


    Zitat

    Du darfst gern weiter über mich herziehen


    Mag ich aber überhaupt nicht. Und "gefühlt" habe ich es bisher auch nicht getan. ;-)


    Ich verstehe lediglich - übrigens nach wie vor - Deinen Kritikpunkt hinsichtlich des Verbindens einer "aufklärerischen Aktion" mit einer Publikation nicht. Aber das muss ich vermutlich auch nicht.

  • Zitat

    Original von Tom
    Ich verstehe lediglich - übrigens nach wie vor - Deinen Kritikpunkt hinsichtlich des Verbindens einer "aufklärerischen Aktion" mit einer Publikation nicht.


    Dass du das nicht verstehst, verstehe ich jetzt nicht.
    Du nimmst deiner Aktion den Wind aus den Segeln, wenn du sie gleichzeitig dazu nutzt, um PR für den Kalender zu machen. Beides miteinander gekoppelt, sieht eher wie eine Werbeaktion- statt einer Aufklärrungskampagne für gerupfte Autoren aus.