42erAutoren foppen Zuschussverlage - Spiegel Online berichtet!

  • Charlotte


    Ich muß doch meiner Rolle mal wieder gerecht werden, nachdem ich so lange nicht hier war.
    :grin




    @all


    'glaubwürdig' und Werbung paßt nicht zusammen. Sobald etwas verkauft werden soll, geht es nicht mehr um Immaterielles, sondern um Materielles.


    Und will hier eigentlich jemand aufgeklärt werden oder eher unterhalten? Ich lese die Kommentare in den wenigen kleinen Autorenforen, die sich überhaupt über diesen kleinen Sommerscherz äußern, auch.
    Mein Tip lautet: Entertainement rulez.


    Hier amüsieren sich die, die das Ganze generiert haben. Über ihren eigenen Scherz. Die Geschichte ist das, was man gemeinhin als 'Insider' bezeichntet.
    Eine neue Dimension, weil's im Spiegel erschien? Im Spiegel?
    Das ist wohl Glaubenssache.
    Wie die ganze Aktion.


    Und damit sicher nicht meine.




    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Verkaufen? Mmh. Diese Geschichte bzw. ihre Grundlagen sind für den Autorenkalender des 42erAutoren e.V. entwickelt worden. Den gibt es seit sieben Jahren. Vom Verlag (der wiederum mit den Inhalten nichts zu tun hat) abgesehen verdient unsererseits niemand daran etwas. Jedenfalls nicht mittelbar. Ein bisschen Autorenhonorar bleibt für den Verein übrig, der das übrigens in die Literaturförderung investiert. Ich bekomme jedenfalls keinen Cent, ob mit "Werbung" im Spiegel (der den Autorenkalender mit keinem Wort erwähnt!) oder ohne.


    Und obwohl die Aktion Spaß gemacht hat und immer noch macht - die Resonanz ist beachtlich -, ging es uns weder um diesen Spaß, noch um Verkaufserfolge oder -effekte, sondern um das, was hinter dieser Angelegenheit steht. Mag auch sein, dass die Idee nicht neu ist, obwohl ihre Durchführung in diesem Fall einzigartig sein dürfte (ein paar amerikanische Autoren haben sich mal zusammengesetzt und ein "schlechtes" Buch für eine US-DKZ-Bude geschrieben, wie Christoph Hardebusch im Montségur-Forum berichtet hat).


    Vielleicht ist es auch tatsächlich so, dass wir auf unbewegliche Ziele geschossen haben. Aber das tun die DKZ-"Verlage" umgekehrt ja auch. Sie bemühen sich um ein gutes Image und knüppeln jede öffentliche Kritik nieder (jedenfalls ein paar von ihnen).


    Hier trifft Formzusage auf Formablehnung. Darum ging es.


  • :write


    Ich habe mich köstlich amüsiert! Herrlich und ein dickes Dankeschön an Tom und Co!

  • :rofl Wie witzig ist das denn? Bei der Leseprobe bei Youtube hab ich mich weggeschmissen vor Lachen.


    Die Vita ist aber auch toll:
    Hobbys: Aquarium
    Ehrenamtliche Tätigkeit: Kostümwart vom Indianerclub Winnetou,
    Radebeul e.V.


    Gäb's davon ein Buch, ich würd's womöglich lesen. :lache

  • Tom


    Du schreibst, es ging Euch um das, was hinter der Angelegenheit, also den Pseudoverlagen, steckt.
    Das bestreite ich nicht grundsätzlich. Aber die Sache ist alles andere als zuende gedacht.
    Es soll sich um Aufklärung handeln.
    Aufgeklärt werden sollen diejenigen, die bereit sind, Geld dafür zu bezahlen, daß das, was sie schriftlich niedergelegt haben, in Druckform erscheint und ein Publikum findet. Die Dienstleister behaupten, daß sie eben das liefern.
    Nun gibt es eine Gegenposition, laut der behauptet wird, daß die Dienstleister nicht liefern, was sie versprechen.


    Um diese Gegenposition zu beweisen, wurden ein Autor erfunden und ein Manuskript. Die Erfindung wanderte zu den Dienstleistern. Wie vorhergesagt. schluckten sie den Köder. Allerdings nur zunächst.
    Die Ausreden - ich übergehe hier einmal den, der im zweiten Durchgang die Kurve gekriegt hat - lassen jedoch nur diejenigen von Herzen lachen, die ohnehin 'wissen', was von diesen Dienstleistern zu erwarten ist. Den Firmen haben sie neue Munition geliefert, einer von ihnen, der, die abgelehnt hat, sogar einen klaren Wettbewerbsvorteil.
    Das ist die eine Seite.


    Sehen wir uns die zweite an, die der potentiellen KundInnen, also diejenigen, denen man die Augen öffnen möchte.
    Der erfundene Autor ist einer von ihnen. Nur: er ist eine Witzfigur, eine Karikatur.
    Aufklären kann man aber jemanden nur dann, wenn man sie/ihn ernst nimmt. Mit der Figur dieses Rico werden AmateurInnen verspottet. Wer lächerlich gemacht wird, letztlich beschämt wird, ist nicht offen für Ratschläge, gleich, wie gut gemeint sie sein mögen.


    In manchen Foren wurde inzwischen mit Erstaunen registriert, daß nicht wenige Reaktionen auf die Aktion eine Verteidigung ausgerechnet der Dienstleister war.
    Die Erklärung dafür war schnell gefunden, die Reaktionen könnten von VertreterInnen der angegriffenen Gruppe stammen.


    Sie könnten aber auch eben von diese AmateurInnen kommen, die sich getroffen fühlen von der Karikatur und gleichfalls angegriffen. Weil sie als Dummköpfe vorgeführt wurden.


    Das sind sie nicht, gleich, wie halstarrig sie sich in puncto ihrer MeisterInnenwerke aufführen. Wir hatten genügend Diskussionen mit derartigen KandidatInnen hier im Forum, wahrhaft denkwürdiger Qualität. (Spontan fallen mir Nicks wie Schecki, Mara Kiran, Yasse ein und natürlich, kein Nick, sondern in Abwandlung eines Titels, Helenchen, die mir zwischenzeitlich richtig ans Herz gewachsen ist. Das für die, die bezüglich dieser Thematik ihr Gedächtnis auffrischen möchten.)


    Trotzdem sind diese 'AutorInnen' nicht dumm und keine Witzfiguren.
    Sie sind blind, Opfer, Betrogene, ihre 'Schuld' besteht vor allem in ihrer Unkenntnis von den Funktionsweisen des Verlagswesens. Sie zahlen für eine Illusion.


    Aufklärung, echte Aufklärung, wäre es, diese Leute zu unterstützen. Es gibt immer wieder Stimmen Betroffener, kleine Foren enttäuschter, trauriger 'AutorInnen', die vom Ruhm geträumt haben und nun mit einem gewaltigen Minusbetrag auf dem Konto und drei Bücherkisten im Keller dastehen, auf denen sich langsam, aber sicher der Staub sammelt.
    Das zu bündeln, wäre eine Aufgabe.


    Euer Spaß mag nicht wenige zum Lachen bringen, er hat seine lustigen Elemente. Er mag ein Stich in die dicke Haut von sechs (es gibt allein in Deutschland schätzungsweise zehnmal soviele) Firmen sein. Er ist ein Warnschuß, über dessen Rückstoß ich mir allerdings den einen oder anderen etwas sorgenvollen Gedanken mache. Er wird zumindest den Zugang zu Informationen über diese Firmen, der in den letzten Monaten stark ausgedünnt wurde, noch schwieriger machen und damit die Aufklärung.


    Die Koppelung mit dem Autorenkalender entzieht den ehrenwerten Absichten dann endgültig den Boden. Das habe ich oben bereits ausgeführt.
    Mißversteht mich nicht: möge der Autorenkalender in diesem Jahr mindestens fünf Auflagen erleben und das von jetztanundinEwigkeitAmen.


    Verkauft den Kalender. Kauft den Kalender, lacht über den Scherz, kugelt Euch vor der youtube-Übertragung.
    Aber stellt die Rüstung des Edelmuts wieder in den Schrank zurück, wo sie hin gehört.


    Vielleicht fühlt sich jemand aufgerufen, sich einmal ernsthafte Gedanken über eine echte Aufklärung potentieller KundInnen von Pseudoverlagen zu machen. Dann hätte das Ganze wirklich Sinn gehabt.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • @ magali:
    :anbet respekt, dass du deinen von den übrigen meinungen hier doch recht stark abweichenden standpunkt ebenso mutig wie ausführlich vertrittst!
    ich habe vermutlich nicht im entferntesten soviel ahnung von der materie wie tom und du, aber mich interessiert das thema, auch über den lacheffekt hinaus. deshalb:
    wie sollte deiner meinung nach denn die echte aufklärung aussehen?
    tom und andere haben sich hier doch bereits die finger fusselig getippt, ferner gibt es autorenforen, in denen sich hilfebedürftige rat holen können.
    und eine frage an tom:
    abgesehen jetzt mal vom "knalleffekt" - was für eine antwort hättet ihr an rico beutlich erwartet, ich meine damit, was für eine antwort hätte euch respekt abgenötigt? "herr beutlich, benutzen sie einen duden, lesen sie ihren text wenigstens auf grobe tippfehler durch? sie sind talentfrei!"
    das hätte der zusage, jedem die möglichkeit zu geben, sich veröffentlicht zu sehen, ja widersprochen. (abgesehen jetzt mal davon, dass sie hätten merken müssen, dass ihr, wenn ich das recht verstanden habe, teile des manuskripts irgendwo kopiert habt. wenn dazu auf youtube was erklärt worden ist: ich kann youtube nicht hören!)
    :wave

    "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute ohne Laster auch sehr wenige Tugenden haben." (A. Lincoln)

  • Zitat

    Original von drehbuch
    "herr beutlich, benutzen sie einen duden, lesen sie ihren text wenigstens auf grobe tippfehler durch? sie sind talentfrei!"


    Ich vermute mal, dass solche Antworten von seriösen Verlagen kommen, oder antworten die auf solche Exposées gar nicht erst? Könnte ja auch sein, dass die ab einer gewissen Masse von unverlangt eingesandtem Material schon aus Kostengründen nicht mehr reagieren.

  • Zitat

    Original von Idgie


    Ich vermute mal, dass solche Antworten von seriösen Verlagen kommen, oder antworten die auf solche Exposées gar nicht erst? Könnte ja auch sein, dass die ab einer gewissen Masse von unverlangt eingesandtem Material schon aus Kostengründen nicht mehr reagieren.


    okay, lassen wir das mit dem ins manuskript reinkopierten fremdem text einmal weg und versetzen uns kurz, ich muss grinsen, meine es aber ernst, versetzen uns kurz in rico beutlich hinein.
    klar, die renommierten verlage haben viel zu tun und können uns nicht an der hand nehmen... aber wenn ich SO eine antwort bekäme (oder gar überhapt keine)... könnte ich mir schon vorstellen, dann mit meinem manuskript zu einem verlag zu gehen, der mich "an der hand nimmt" (an die hand? egal! der mir pfötchen gibt*g*) und mit mir gemeinsam die ersten schritte ins autorenleben geht. wenn ich es mir leisten kann....
    bleiben die autorenschulen. aber von denen halte ich auch nicht viel, zumindest von den beiden, die ich vor einigen jahren mal anschrieb.
    einige rückfragen von mir wurden nicht zu meiner zufriedenheit beantwortet und ich legte "mein buch" erstmal in den "hinterkopf", wurde aber JAHRELANG mit umfangreichen postsendungen geradezu verfolgt
    ("glauben sie uns, auch sie können es schaffen! auch max mustermann war nur hauptschüler ((angaben zu meiner schulausbildung hatte ich nie gemacht)) und konnte jetzt mit unserer hilfe...." oder "aus ihrer stadt haben wir sie allein auserwählt für ein stipendium. schließen sie jetzt ab und sparen sie...!" was die über die jahre an porto ausgegeben haben, dachte ich mir, finanzieren die armen, die dort mitmachen, alles mit.
    also, ich würde jetzt natürlich zu keinem zuschussverlag gehen, kann aber verstehen, wenn leute es tun, die sich nicht anders zu helfen wissen.
    und da schließt sich der kreis, denn wir sind wieder bei der aufklärung...
    ganz außen vor mal jetzt die leute, die sich ganz bewusst auf so etwas einlassen, weil sie zB ihre memoiren für ihre zahlreichen urenkel drucken lassen wollen etc...

    "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute ohne Laster auch sehr wenige Tugenden haben." (A. Lincoln)

  • @ tom
    @ magali


    Ich halte die Aktion für extrem gelungen. Dass man Alles und Jedes ins Gegenteil verkehren kann, ist eine Binsenweisheit und auf alles anzuwenden. Das gilt für diese Aktion genauso wie für jede andere.


    Freilich hätte man auch streng sachlich aufklären können. Das hätte dann wahrscheinlich keine Gegenreaktionen hervorgerufen, weil es erst überhaupt niemandem aufgefallen wäre.


    Durch die Art der Aktion aber hat das Thema große Aufmerksamkeit gefunden, hundert Mal mehr als eine sachliche Aufklärung es je gekonnt hätte.


    Und die Aktion hat deutlich gemacht, dass besagte "Verlage" sich eben NICHT als Dienstleister anbieten. Vielmehr versuchen Sie dem Kunden das Gefühl zu vermitteln, dass das Buch auf Grund der Qualität des Stoffes gedruckt werden würde und nicht deshalb weil er dafür bezahlt. Und das hat doch ein erhebliches Geschmäckle ...

  • drehbuch


    Finger wund tippen und Mund fusselig reden. Nicht über die Betroffenen lachen.
    Steht bereits in meinem Beitrag. Und einiges mehr dazu.



    Rabarat


    wie nett, da taucht mal wieder ein vertrautes Gesicht auf. Aber Du schreibst unter Deinem alten Nick, das ist Dir sicher im Eifer des Gefechts passiert. Doppelnicks werden hier nicht so gern gesehen, die Eulen hatten, wie Du Dich sicher erinnern kannst, einige schlechte Erfahrungen damit.
    Wolke kann das sicher schnell bereinigen, wenn Du ihr Bescheid sagst?



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Zitat

    Original von drehbuch
    wie sollte deiner meinung nach denn die echte aufklärung aussehen?


    Ein Vorschlag: Man erfindet einen DKZ-Verlag und wartet bis die ersten Manuskripte kommen. Wenn die Autoren soweit wären, einen Vertrag zu unterschreiben, klärt man sie auf und warnt sie vor solchen Verlagen. Das müsste dann aber wirklich gut gemacht werden, damit die Autoren nicht zum nächsten DKZ-Verlag rennen. Man könnte soweit gehen und ihnen vorgaukeln, das Manuskript sei schon gedruckt. Dann sehen sie, das sich weder Presse noch Buchhandlungen dafür interessieren. Hier gibt es aber das Problem, dass man eine Ausrede braucht, wo die Autorenexemplare bleiben. Diese extra für die Aktion drucken zu lassen, wäre wohl definitiv zu teuer.

  • bisschen off topic, aber mal doof frag:
    Hat Rabarat denn zwei nicks, bzw. irgendwann mal eine Umbenennung vorgenommen? :wow Das hätte ich dann mal wieder wie üblich nicht mitgekriegt.

  • Zitat

    Original von Idgie
    bisschen off topic, aber mal doof frag:
    Hat Rabarat denn zwei nicks, bzw. irgendwann mal eine Umbenennung vorgenommen? :wow Das hätte ich dann mal wieder wie üblich nicht mitgekriegt.


    Jepp. Ich glaube er schreibt auch unter Helmut Kammerer.....oder so ähnlich...... :grin

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.

  • Danke für die Info. Ich hatte das nicht mehr so auf dem Schirm. Es gibt ja durchaus Zweitnicks, die mit der Forenleitung abgestimmt sind. Also in diesem Fall kein Grund zur Beunruhigung.

  • Ich fand die Aktion witzig, und der Spiegel-Artikel verleiht ihr eine breitere Stimme, auch außerhalb der einschlägigen Autorenforen, in denen 90% der User ohnehin wissen, was DKZ ist.
    Auch ich habe schon unzählige Aufklärungsdiskussionen geführt, und deshalb fand ich die ganze Geschichte wirklich extrem unterhaltsam. Ich hab mich schlapp gelacht über 'brot mit butter drauf für die Welt' und die mühsamen Erklärungsversuche der betroffenen Unternehmen waren ein Grund für Schadenfreude.



    Aber natürlich ist klar, dass die Aktion neben den Vanity-Verlagen auch deren Kunden vorführt, zumindest die aus der zweiten Gruppe, die Tom erwähnt - also die Unbelehrbaren. Mich wundert überhaupt nicht, dass viele der Betroffenen ihren Verlag eher verteidigen, als auf sie einzuschlagen.


    Wenn jemand 20.000EUR dafür bezahlt hätte, dass ein Verlag mit klangvollem Namen sein Buch druckt und dazu ein paar Lobesrezensionen schneidert, damit der Kunde sich gut fühlt - dann ist der Schaden schon angerichtet. Und es braucht eine sehr starke Persönlichkeit, um im Nachhinein sich selbst und einer diffusen Öffentlichkeit einzugestehen: Ja, ich habe mich verarschen lassen, bin einer Bauchpinselei auf den Leim gegangen, und nicht nur das - es ist womöglich auch noch ein schlechtes Buch, das ich da veröffentlicht habe. Wer gibt denn freiwillig eine solche Selbstdemontage zu?
    Dann doch lieber darauf beharren, dass sich eine Gemeinde aus mißgünstiger Konkurrenz und geldgierigen Verlegern zusammengeschlossen hat, um die 'Kleinen' aus dem Markt zu drängen und das hoffnungsvolle Samenkorn schon im Keim zu ersticken. Bevor es überhaupt eine Chance erhält, sich zum potentiellen Bestseller zu entwickeln, der es ohne Zweifel geworden hätte, wenn sich nicht die zuvor genannten Elemente dagegen verschworen hätten.
    Das ist ja gerade das Perfide an der Situation: Jemand, der bereits bei DKZ verlegt hat, wird sich nur in den seltensten Fällen bekehren lassen, denn für viele käme dieses Eingeständnis einem massiven Gesichtsverlust gleich.


    Was ich aber sehr wohl glaube, ist, dass die Aktion ein paar Unschlüssige erreichen kann, die sich hoffnungsvoll auf Verlagssuche begeben, aber das DKZ-Geschäftsmodell nicht kennen.



    Jenseits dessen setzt das Problem aber viel früher ein. Der Grund, auf dem die DKZ-Modelle überhaupt fruchten können, besteht in der weitverbreiteten Annahme, jeder könne schreiben (man hat's ja schließlich in der Schule gelernt). Den wenigsten ist bewußt, dass Schreiben eine Profession ist wie jede andere, und dass das Handwerk gelernt werden muss. Keiner käme schließlich auf die Idee, in einem Formel1-Team mitfahren zu wollen, nur weil er einen Führerschein gemacht hat.
    Nun gibt es aber keine staatlich anerkannte Ausbildung zum Schriftsteller, deshalb füllen zahlreiche private Schreibkurse und -schulen diese Lücke auf: Manche besser, andere weniger gut. Was sie alle gemeinsam haben ist, dass sie auf zahlende Kundschaft angewiesen sind, und das drückt automatisch auf die Kritikfähigkeit.
    Ich kenne dieses Phänomen aus anderen Branchen, in denen die private Bildungsbranche ebenfalls boomt: Computergrafik, Computerspiele-Entwicklung usw. ... viele der jungen Abgänger betreten den Markt mit einem übersteigerten Selbstbewußtsein (das zumindest hat ihnen ihre Schule beigebracht, nicht zuletzt mit Zertifikaten, in denen eine euphorische Bewertung die andere jagt) und sehr eingeschränkten fachlichen Fähigkeiten. Eine fachbezogene Vorselektion findet nicht statt.
    Genauso ist es bei all den Nachwuchsschriftstellern, die - entweder durch Freunde und Familie oder durch ihre Schreibschulen darin bestärkt werden, dass sie ein außergewöhnliches Meisterwerk geschaffen haben. Wenn sie dann auf dem harten Boden der Tatsachen draußen im freien Markt aufprallen, ist schon die DKZ-Branche da, um sie aufzufangen mit einem weichen Kissen und die Schmerzen zu lindern.



    So gesehen kann ich nur sagen: Man kann nicht alle retten. Aber medienwirksame Aufklärung für die, die noch nicht gefallen sind, ist es allemal. Und wenn man sich die seltenen Beiträge über DKZ in den großen Magazinen oder Fernsehsendern anschaut, wird einem klar, wie wenig der nicht-internet-affine Durchschnittsleser und vielleicht Hobbyschriftsteller da draußen über dieses Geschäftsmodell weiß.



    Schöne Grüße,
    Andrea

  • @ magali


    keine Sorge, ich schreibe schon unter meinem richtigen Nick. Das andere habe ich nur und ausschließlich - und abgestimmt mit Wolke - für die Besprechung meines Buches verwendet.


    Gruß


    Rabarat

  • Hallo, Magali.


    Es sind keineswegs zehnmal so viele (bekannte) Bezahlverlage als jene sechs (größten), die wir angeschrieben haben. Eine weitgehend vollständige Liste, die auch aktualisiert wird, findest Du hier:


    http://autorenforum.montsegur.…bb/YaBB.pl?num=1251388002


    Ich muss gestehen, dass ich Deine Kritik nicht verstehe. Du schreibst, Rico Beutlich würde jene Leute "vorführen", die sich solchen "Verlagen" andienen. Das tut er meines Erachtens nicht - denn er führt im Gegenteil die "Verlage" vor. Die Figur ist so überspitzt, dumm, klischeehaft und als Satire erkennbar, dass die Firmen jede Chance gehabt hätten, den Fake im Vorfeld zu enttarnen, spätestens mit der Einsendung des "Gesamtmanuskripts", das ja immerhin von vier Buden angefragt wurde. Aber nur eine - die immerhin, wie alle anderen, die Leseprobe über den Klee gelobt hatte - hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, das Dokument wenigstens zu öffnen. Mit dem Gesamtmanuskript stand das Scheunentor, das aus dieser Misere herausgeführt hätte, meilenweit offen. Aber die Chance bestand in allen Fällen auch vorher schon. Es gibt keinen "Indianerclub Winnetou, Radebeul", es gibt auch kein Altenpflegeheim Dresden-Prohlis, es gab nie eine Veröffentlichung mit dem Titel "Homöopathie in der Sterbebegleitung", und schon ein Anruf bei der Telefonauskunft (oder bei Beutlich selbst) hätte offenbart, dass Rico Beutlich nicht existiert. Das alles war aber unerheblich. Und auch die Qualität der Leseprobe. Natürlich hätten wir auch einen Philosophieprofessor im Ruhestand entwickeln können, der seine Lebensweisheiten in Aphorismen gepresst hat, die wir aus Bauernregeln abgeleitet hätten. Oder eine pensionierte Staatssekretärin, die ihre vermeintliche Affäre mit einem inzwischen verstorbenen Verteidigungsminister verarbeitet. Höhere Glaubhaftigkeit der Ausgangssituation hätte aber die Wahrscheinlichkeit einer Enttarnung verringert. Genau die jedoch war Bestandteil der Operation. Rico Beutlich ist kein Archetyp des DKZ-Autors, sondern eine Witzfigur, die alle denkbaren Angriffsflächen bot, um als solche entdeckt zu werden. Dass die "Verlage" diese Möglichkeit weder erkannt, noch genutzt haben, zeigt, dass es ihnen darum auch überhaupt nicht geht. Und genau das wollten wir wiederum zeigen: Dass es sich nicht um Verlage handelt. Wie zuvor schon gesagt: Das Prinzip "Formablehnung" der Publikumsverlage ersetzen sie durch das Prinzip "Formzusage". Jedenfalls scheint diese Schlussfolgerung zulässig.


    Viele Autoren scheinen zu glauben, dass einzig Buchdeckel drumherum aus ihren Texten Literatur machen. Gleichzeitig wird aber - auch im Rahmen der Rico-Beutlich-Diskussionen überall in Foren, Blogs und Tweets - immer wieder darauf verwiesen, dass natürlich auch Publikumsverlage Unsinn oder schlechte Bücher veröffentlichen. Natürlich tun sie das! Es geht ihnen darum, Texte zu veröffentlichen, von denen jene drei- bis viertausend Exemplare verkauft werden können, ab denen sich ein Buchprojekt rechnet. Dabei fallen viele Manuskripte durchs Rost, die keineswegs schlecht sind, und umgekehrt gelangen viele Bücher in die Programme, bei denen sich ein normalintelligenter Leser nur an den Kopf fassen kann.


    Viele Autoren scheinen weiterhin zu glauben, dass auch Leser automatisch alles für (gute) Literatur halten, das zwischen zwei Buchdeckel gepresst ist. Auch diese Annahme ist falsch. Die Gründe, aus denen Bücher gekauft werden, sind vielschichtig, aber sie haben nur selten etwas mit der vermeintlich literarischen Qualität der Texte zu tun. Das wissen Verlagslektoren auch, weshalb sie viele Texte ablehnen müssen, die sie möglicherweise selbst mögen, und viele andere für das Programm vorschlagen müssen, bei denen sich ihre Mägen umdrehen. Verlegte Bücher sind Produkte, die sich refinanzieren müssen. Das geschieht erst bei den erwähnten (Fensterkreuz mal Pi) drei- bis viertausend Verkäufen. Manch ein Titel erreicht das nicht. Nur wenige schaffen es über die zehntausend. Und das trotz einer nicht kleinen Marketingmaschine, organisierten Lesereisen, Buchhandelsvertretern, Pressekontakten und, und, und.


    Alles Elemente, über die DKZ-Verlage nicht oder nur sehr eingeschränkt verfügen. Trotzdem machen sie die Autoren glauben, ein Titel, der mit 30.000 Euro (!!!) vorfinanziert werden musste, könne sich irgendwann amortisieren. Man kann leicht selbst errechnen, wie viele Exemplare eines solchen Buches verkauft werden müssten, damit das geschieht - Verkaufszahlen, von denen nicht wenige größere, "richtige" Verlage nur träumen können! Die Bücher, die in Dienstleistungsverlagen erscheinen, sind selbst mit zwei-, dreihundert Exemplaren (Abverkauf im Bekanntenkreis) schon Bestseller bezogen auf das Gesamtsortiment.


    Rico Beutlichs Oeuvre (und Selbstdarstellung) spottet - m.E. sogar objektiv - jeder Beschreibung. Der Text ist literarischer Dünnschiss, und selbst die schlimmste Literaturkaraoke, die ich im Laufe meiner Zeit in diversen Foren und Autorengruppen zur Kenntnis nehmen musste, liest sich dagegen wie eine Offenbarung. Mag sein, dass es amüsant ist, diesen entstellten, ausdrucksschwachen und inhaltsleeren Schwachsinn zu lesen, jedenfalls einige Zeilen davon, und vielleicht gewönne sogar irgendein Kritiker auf Crack dem ganzen dadaistische Qualitäten ab, aber dieser Text ist vor allem ein Exempel für die unterste Schublade absolut unverkäuflicher Soße. Dem Verfasser eines solchen Textes Honig ums Maul zu schmieren und Kalkulationen vorzulegen, die einen Break-Even antizipieren und davon schwatzen, ab wann mit diesem Buch Geld verdient werden könne, grenzt an Betrug.


    Mir tun allerdings, und in dieser Hinsicht stimme ich Dir zu, die Autoren leid, die nun vergegenwärtigen müssen, dass ihre Bücher in "Verlagen" erschienen sind, die derlei tun würden und getan haben. Zu dieser Erkenntnis hätten sie aber auch gelangen können, hätten sie wahllos zwei, drei Dutzend Bücher aus jenen Häusern bestellt. Feuilleton, Buchhandel und Leser machen ja nicht ohne Grund einen Bogen um diese Bücher. Ob es nun Unkenntnis oder Eitelkeit oder Merkbefreitheit sind oder waren, die solche Autoren dennoch dazu gebracht haben, in diesen Häusern zu publizieren, ist allerdings eine andere Frage.


    Eine Autorin, die Mitglied der 42erAutoren ist, hat bei "Novum" veröffentlicht. Sie hat die Rico-Beutlich-Aktion in jeder Phase beobachtet und war in die Nachbereitung involviert. Natürlich ist diese Autorin sehr fassungslos und auch ziemlich traurig darüber gewesen, wie sich "ihr" Verlag in dieser Angelegenheit verhalten hat - immerhin der einzige, der im Rahmen des Spiegel-Interviews zugestand, dass man Rico niemals ein Verlagsangebot hätte machen dürfen (allerdings ohne zu erklären, wie es dennoch dazu kommen konnte - und nach Erhalt des Gesamtmanuskripts!). Dieser bedauerliche, schmerzvolle Vorgang ist jedoch m.E. dringend vonnöten, wenn man es mit der Schreiberei irgendwie ernst meint (was diese Autorin tut). Wenn dieser heilsame Effekt auch nur bei einigen wenigen Autoren eintritt, hat Rico ganze Arbeit geleistet. Und, ich wiederhole mich: Nur darum ging es uns. Und übrigens war diese Geschichte auch ursprünglich nur für den Autorenkalender gedacht. Die Idee, damit an den Spiegel zu gehen, hatten wir erst in der späten Redaktionsphase, und wir hatten, um ehrlich zu sein, nicht geglaubt, dass wir dort Interesse wecken würden. Umso schöner, dass es geklappt hat. Daran kann ich nichts Schlechtes erkennen. Ganz im Gegenteil.

  • Tom


    das klingt bei weitem differenzierter und zeigt mir, daß doch ein wenig mehr Problembewußtsein hinter der ganzen Sache steckt.
    Freut mich.


    Die verlinkte Liste ist ein guter Versuch auf dem Weg, die Betroffenen zu unterstützen. Ich begrüße das.
    Auf meiner privaten habe ich aber fast doppelt soviele Namen, da sich die beiden Listen nicht unbedingt decken, komme ich am Ende auf eine Zahl von über fünfzig.
    Recherchiert weiter. Das Ende ist noch nicht erreicht.


    Ich bin immer noch der Meinung, daß die Aktion letztlich die Leute vorführt, die für die Drucklegung ihrer Bücher voll bezahlen. In meinen Augen sprechen auch die Kommentare bei youtube dafür, die Leute wolen Rico sehen.
    Das sind eben zwei gegensätzliche Ansichten.


    Immerhin halte ich durch meine Einrede die Sache auch am Kochen.



    Rabarat


    danke für die Erklärung bezüglich des Doppelnicks.
    Ich wußte nicht, daß es hier auch legale gibt. Man lernt doch nie aus in diesem Forum.


    In dem Fall kann sich BJ ja noch mal überlegen, ob sie sich nicht zusätzlich doch noch unter ihrem jüngsten Wunschnamen anmelden möchte?
    :lache



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus