42erAutoren foppen Zuschussverlage - Spiegel Online berichtet!

  • Hallo, Kamelin.


    Journalisten befassen sich mit Themen, nicht selten aufgrund eines persönlichen Kontakts, weil sich ein Betroffener gemeldet hat. Sie recherchieren dann, befragen die Protagonisten, und im Verlaufe dessen oder danach entwickeln sie daraus einen Beitrag - einen Artikel, eine Reportage, meinethalben sogar einen Sachbuchtext. Sie beleuchten Einzelschicksale und/oder decken Missstände auf. Das tun sie vor dem Hintergrund, für ein Medium tätig zu sein, das die entstehenden Beiträge veröffentlichen wird, wofür es die Journalisten bezahlt. So gut wie jede Nachricht, die Du zur Kenntnis nimmst, ist auf diese Art entstanden. Es gibt zwar auch Freizeitjournalisten und andere umtriebige Personen, die eigene Websites betreiben oder ähnliches, und die sich auch auf Themen stürzen, um Hintergründe zu recherchieren und Storys zu entwickeln, aber die weit überwiegende Mehrheit tut das professionell, berufsmäßig. Mit jeder Nachricht, mit jeder Geschichte ist der Verkauf eines Mediums verbunden, das wiederum überhaupt ermöglicht hat, dass sich jemand mit dieser Geschichte befassen konnte. Sie wird durch Käufer und Werbekunden finanziert. Zumeist besteht ein persönliches Interesse der Journalisten abseits der beruflichen Tätigkeit nicht. Das würde diese Leute auch überfordern, die täglich Dutzende Storys zu sichten haben und Reportagen am Fließband abliefern.


    Das Medium, für das wir die Rico-Beutlich-Story ehrenamtlich (!) entwickelt haben, ist der "Autorenkalender" des "42erAutoren - Verein zur Förderung der Literatur e.V.". Dieser Verein, dem die drei Autoren angehören, hat seine Kontakte genutzt, um uns bei der Recherche zu unterstützen, etwa solche zum VS (Verband deutscher Schriftsteller in der ver.di) oder zu anderen Schriftstellerorganisationen, nicht zuletzt zum Fairlag-Bündnis und Andreas Wilhelms Montségur-Forum. Ohne den Verein im Hintergrund und das Medium als Publikationsorgan wäre diese Geschichte nicht entstanden. Er hat Rechtsberatung organisiert und Unterstützung geboten. Er ist indirekter Nutznießer, da die Honorare aus den Verkäufen des Autorenkalenders in die Vereinskasse fließen - zum Beispiel, um später ähnliche Aktivitäten finanzieren zu können, aber vor allem, um Autoren zu fördern. Die Verfasser haben für diese Story viel Aufwand in Kauf genommen, und sie sehen sich als Autoren des Textes dem Risiko ausgesetzt, Gegenstand von Klagen und Rufmordkampagnen zu werden, die in diesem Bereich nicht unüblich zu sein scheinen.


    Die Geschichte entstand, wie sehr viele vorher und weitere, die folgen werden, eben für jenen Kalender, der keine Massenpublikation ist, an der die Autoren sehr viel Geld verdienen, sondern ein bescheidener Helfer mit pittoresker Auflage, an dem die Autoren exakt: nichts verdienen. Im Gegensatz also zu "normalen" journalistischen Publikationen, die in den allermeisten Fällen Medien zur Verbreitung vergleichbarer Storys sind, verdient hier bestenfalls ein Verlag - aber voraussichtlich auch nicht nennenswert viel. Vermutlich hat der Spiegel-Redakteur umgerechnet mehr für seine Reportage bekommen. Und auch der Spiegel hat das ja nicht veröffentlicht, weil es der gesamten Redaktion so am Herzen liegt, sondern (auch), um für sich zu werben und (anteilig) ein bisschen Geld zu verdienen. Deshalb geschieht derlei.


    Natürlich hätten wir uns auch ohne den Autorenkalender als Veröffentlichungsmedium hinsetzen und diese Geschichte durchziehen können. Was wäre dann daraus geworden? Das weiß man nicht. Die große Öffentlichkeit, die jetzt entstanden ist, war jedenfalls nicht zu erwarten.


    Sorry, aber für mich bleibt der Eindruck, dass diese "Kritik" ein wenig an den Haaren herbeigezogen ist. ;-)

  • Zu magalis Theorie:


    Dass vorwiegend weibliche Menschen, die ihre Meinung mit Nachdruck vertreten, als aggressiv bezeichnet werden, ist eine neue Information für mich.


    Ich hatte eigentlich immer gedacht, dass Aggressivität geschlechtsübergreifend vorkommt. Allerdings habe auch ich die Beobachtung gemacht, dass weibliche Aggressivität mitunter einen leichten oder stärkeren hysterischen Touch hat ... :grin

    Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen. (Epiktet)

  • Zitat

    Original von churchill
    Allerdings habe auch ich die Beobachtung gemacht, dass weibliche Aggressivität mitunter einen leichten oder stärkeren hysterischen Touch hat ... :grin


    Lieber Churchill, das ist jetzt aber hoffentlich nicht dein Ernst. :gruebel
    Es ist mir absolut unverständlich, warum sehr oft (nicht immer) "weibliches Verhalten" mit dem Prädikat "hysterisch" abqualifiziert wird. Es ist (leider) eine Tatsache, dass gerade Männer mehr zur Hysterie neigen als Frauen - das passt mir zwar ganz und gar nicht, ist aber so! :wave

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.

  • Tom
    Ich finde magalis Intervention schon deswegen gut, weil du die Sache mit dem Kalender an dieser Stelle noch einmal so ausführlich beschrieben hast. Das ist mir nämlich auch aufgestossen. So wie du das oben beschreibst, liest es sich tatsächlich anders.
    Die Kritik, die ich nebenbei bemerkt nicht als aggressiv empfunden habe, dass es durch den guten Rico so aussieht, als wären DKZ-Autoren prinzipiell etwas unterbelichtet, fand ich ebenfalls berechtigt. Von daher war es für mein Empfinden auch hier gut, dass du dich dazu noch einmal geäußert hast.



    Zitat

    Original von churchill
    Zu magalis Theorie:


    Dass vorwiegend weibliche Menschen, die ihre Meinung mit Nachdruck vertreten, als aggressiv bezeichnet werden, ist eine neue Information für mich.


    Ich hatte eigentlich immer gedacht, dass Aggressivität geschlechtsübergreifend vorkommt ..


    Wobei sie bei Männern nicht selten viel eher akzeptiert wird, als bei den Weibchen. Die befinden sich schnell in einer Betitelung von hysterisch bis zickig wieder.

  • Zitat

    Original von Voltaire


    Lieber Churchill, das ist jetzt aber hoffentlich nicht dein Ernst. :gruebel
    Es ist mir absolut unverständlich, warum sehr oft (nicht immer) "weibliches Verhalten" mit dem Prädikat "hysterisch" abqualifiziert wird. Es ist (leider) eine Tatsache, dass gerade Männer mehr zur Hysterie neigen als Frauen - das passt mir zwar ganz und gar nicht, ist aber so! :wave


    Lieber Voltaire, bitte sauber argumentieren ;-) Ich schrieb, dass ich bei "weiblicher Aggressivität" mitunter einen hysterischen Touch beobachte, habe aber keineswegs "weibliches Verhalten" als hysterisch abqualifiziert :-)

    Das Verhalten und das Kennzeichen des Ungebildeten ist, keinen Nutzen oder Schaden von sich selber zu erwarten, sondern alles von außen. (Epiktet)

  • Zitat

    Original von churchill


    Lieber Voltaire, bitte sauber argumentieren ;-) Ich schrieb, dass ich bei "weiblicher Aggressivität" mitunter einen hysterischen Touch beobachte, habe aber keineswegs "weibliches Verhalten" als hysterisch abqualifiziert :-)


    Auch die subjektive Beobachtung stellt im Ergebnis letztendlich eine Abqualifizierung dar. :wave

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.

  • Hallo, Kamelin.


    Man kann das auch umgekehrt sehen. Rico ist die "Feature-Story" im Autorenkalender (für den ich, nebenbei bemerkt, schon seit fünf Jahren rund um den Erscheinungstermin Werbung bei den Eulen mache). Durch die Verbreitung, die die Geschichte jetzt erfahren hat, ist das meiste von dem, was in diesem AK-Beitrag steht, vermeintlich bereits bekannt. Man könnte es also auch, wie gesagt, umgekehrt sehen: Dadurch, dass wir die Aktion außerhalb des Kalenders bekannt gemacht haben, ist viel verraten worden, das man sonst nur bei der Lektüre des Kalenders erfahren hätte.


    Ansonsten bleibt mir nicht viel mehr als ein Schulterzucken. Es ist üblich, Geschichten für Medien zu entwickeln, und genau das haben wir - noch einmal: ehrenamtlich - getan. Wenn ein solcher Beitrag dann öffentliches Interesse erzeugt und in vielen Runden diskutiert wird, muss der Hinweis auf das zugrundeliegende Medium gestattet sein. Aber Rico ist keine Werbeaktion für den Kalender! Das Thema ist uns - als Verband, der Autoren unterstützen will - einfach wichtig. Deshalb wurde es zum Gegenstand eines Beitrags. Gleichzeitig ist inhaltlich so neu auch wieder nicht, was hier geschehen ist. Es wäre also keineswegs so, dass wir der Öffentlichkeit eine wichtige Information vorenthalten würden, gäbe es nur den Kalender, um von Rico zu erfahren. ;-)


    Edit/Ergänzung: Davon abgesehen wird es auch dieses Mal so sein, dass die Storys aus dem Autorenkalender mit dem Erscheinen des jeweils nächsten auf der Site des 42erAutoren veröffentlicht werden. Wer also ein Jahr warten kann, kann die Geschichte im kommenden Jahr kostenlos nachlesen.

  • Zitat

    Original von Tom
    Aber Rico ist keine Werbeaktion für den Kalender! Das Thema ist uns - als Verband, der Autoren unterstützen will - einfach wichtig. Deshalb wurde es zum Gegenstand eines Beitrags.


    Allein die Aufmerksamkeit, die diese Aktion derzeit auf sich zieht, hat die Wirkung einer Werbekampagne, auch wenn es, wie du sagst, lediglich ein Abfallprodukt ist. Ich persönlich finde das legitim, zumal es für eine gute Sache ist.
    Das Thema taucht ja immer wieder hier auf. Eine gute Konsequenz eurer Aktion ist für mich u.a. die Veröffentlichung der bekannten Zuschussverlage im Montségur Autorenforum, neben der Aufmerksamkeit, die diesem Thema aktuell gewidmet wird.

  • Hallo magali


    Zitat

    'Aggressiv', ja, das Wort fällt immer, wenn man eine Meinung mit Nachdruck vertritt, sehr gern dann, wenn der Mensch, der die Meinung vertritt, weiblichen Geschlechts ist. Das geht auf alte Vorstellungen von Rollenverhalten bei den Geschlechtern zurück, ist heutzutage aber auch gesellschaftlich wieder im Kommen, da Harmoniebedürfnis gefördert wird, die Entwicklung eigener, unabhängier Meinungen aber nicht. Sobald man sich des Problems bewußt geworden ist, kann man sich aber abgewöhnen, jedes entschiedene Auftreten umgehend mit Angriffslust gleichzusetzen. Es sind zwei ganz unterscheidliche Verhaltensweise


    Also jetzt muss ich erstmal schlucken. Der Ton Deiner Beiträge weckte in mir lediglich den Verdacht, dass ihr beide offenbar früher bereits gegenteiliger Meinung wart und das auch deutlich zum Ausdruck brachtet. Darum benutzte ich das Wort ,aggressiv'.
    Ich bin immer dafür, mit offenen Karten zu spielen. Das ist mir lieber als falsche Höflichkeit, O.K. ;-)


    Daraus allerdings abzuleiten, ich sei eine Art männlicher Neandertaler und würde die Meinung einer Frau weniger achten als die eines Mannes, ist an den Haaren herbeigezogen. Im Übrigen habe ich gar nicht darauf geachtet, ob der Nickname ,magali' nun männlich oder weiblich ist, weil mir das in einer Diskussion gelinde gesagt scheißegal ist. Jedem sei selbstverständlich seine Meinung unbenommen, gleich welchen Geschlechts er ist.
    Höflichkeit im Umgang mit anderen Menschen steht allerdings meiner Meinung nach nicht einer Entwicklung eigener, unabhängiger Meinungen entgegen. (Wobei ich Dich nicht der Unhöflichkeit bezichtige, obwohl mich Dein versteckter Vorwurf, ich würde mich als Mann für etwas besseres halten, sehr trifft. Ich dachte, über so einen Blödsinn wären wir mittlerweile hinaus.)


    Wer mich kennt, weiß, dass ich skeptisches, vorurteilsfreies Denken sehr schätze. Die letzten beiden Bücher, die ich gelesen habe, waren übrigens von Carl Sagan "Der Drache in meiner Garage - oder die Kunst in der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven" und "Der Gotteswahn" des Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Beide Autoren dürften für Ihr skeptisches Denken und ihr Anprangern von Meinungen ohne fundierte Argumentation, wie z.B. den rückwärts gewandten Kreationismus, bekannt sein.
    In diesem Sinne - laßt uns diskutieren - aber bitte auf gleicher Augenhöhe.
    Abgesehen davon muss mann (frau) natürlich ab einem gewissen Punkt einsehen, dass mann(frau) unterschiedlicher Meinung ist und das auch so bleibt. Das gibt's eben.


    Viele Grüße
    Dean

  • Zitat

    Original von Tom
    Hallo, Kamelin.


    Journalisten befassen sich mit Themen, nicht selten aufgrund eines persönlichen Kontakts, weil sich ein Betroffener gemeldet hat. Sie recherchieren dann, befragen die Protagonisten, und im Verlaufe dessen oder danach entwickeln sie daraus einen Beitrag - einen Artikel, eine Reportage, meinethalben sogar einen Sachbuchtext. Sie beleuchten Einzelschicksale und/oder decken Missstände auf. Das tun sie vor dem Hintergrund, für ein Medium tätig zu sein, das die entstehenden Beiträge veröffentlichen wird, wofür es die Journalisten bezahlt.
    ...


    Genau das ist der Punkt. Persönliche Kontakte, jemand, der sich in der Redaktion oder direkt bei mit meldet, etwas, das ich "im Vorbeigehen gesehen oder/und gehört" habe, tragen dazu bei, dass ich Artikel schreiben kann.Oft entstehen Artikel aus anderen Artikeln heraus. Das sind sozusagen die Geschichten vom Volk fürs Volk ;-)
    Und ohne solche Geschichten, Erzählungen, Erlebnisse wären Zeitungen im Allgemeinen manchmal etwas öde und langweilig. Denn Weltgeschehen haben alle. Der Spiegel hat hier einen Primeur aufgetan, weil sie einfach im richtigen Moment richtig reagiert haben.

    Suche die Stille auf, damit du die Ruhe findest.

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  • * nach Atem ring* Du meine Güte!!! Habe diesen Forumspunkt erst heute entdeckt ... und habe eine halbe Stunde lang ein grenzdebiles Dauergrinsen auf dem Gesicht gehabt. :grin
    Spätestens beim Video kam dann der Lachkrampf. :rofl


    Herzlichen Glückwunsch zu dieser genialen Aktion! Da passt wirklich alles.


    Dennoch kann ich beinahe verstehen, dass sich Verlage dafür interessiert haben. Es ist so absurd, so schlecht und so klischeebeladen, dass es schon wieder interessant ist. :lache


    Weniger schön ist natürlich die Kehrseite der Medaille. Wer weiß, wieviele ambitionierte Schreiberlinge da jährlich drauf reinfallen und ihr Geld an diese Verlage schicken. :-(



    PS: Die Rechtschreibung von Rico kommt mir so erschreckend bekannt vor. *schluck* Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mal wieder ein paar von diesen "Auch du kannst Rechtschreibung"-Übungen machen sollte. *räusper* :duden

  • Glückwunsch zum Telefoninterview in der SZ, und dann auf der ersten Panoramaseite! Schön, wenn Fleiß und Kreativität auf diese Weise belohnt werden.
    So, genug geschleimt ... nun muss ich weiter arbeiten! :write

  • Zitat

    Original von BücherkäferWer weiß, wieviele ambitionierte Schreiberlinge da jährlich drauf reinfallen und ihr Geld an diese Verlage schicken. :-(


    "Reinfallen". Genau das ist der Punkt. Wenn diese sogenannten Verlage nur von Menschen in Anspruch genommen würden, die bei richtigen Verlagen vergeblich versucht haben, ihr Manuskript unterzubringen (und denen es dann vielleicht auch zu mühsam ist, weiter zu üben, um das irgendwann zu schaffen), dann würde ja keiner was sagen.


    Das Problem besteht darin, dass viele Menschen tatsächlich glauben, dies sei der normale und übliche Weg. Da passiert es dann, dass gestandene Autoren sich fragen lassen müssen, wie sie es sich leisten können, dass zwei Bücher in einem Jahr von ihnen erscheinen.


    Und wenn mir wieder mal jemand anvertraut, dass er auch ein Buch schreiben wird, sobald er die Zeit dazu hat, dann weiß ich: Wenn er auf die vorsichtige Anmerkung, so leicht sei das aber alles nicht, und es sei sehr schwer, ein Manuskript bei einem Verlag unterzubringen, nur antwortet: "Das glaub ich nicht", dann hab ich potentielle Kundschaft für Pseudoverlage vor mir. Und zwar die Sorte Überzeugungstäter, die auch hinterher noch der festen Überzeugung sein wird, das einzig Richtige getan zu haben.


    Alles, was die anderen, die Uninformierten, vom Reinfallen abhält, ist höchst unterstützenswert.

  • Hallo, Katerina.


    Und es ist ein sehr gutes Geschäft. Während die Publikumsverlage mit schmalen Renditen im niedrigen einstelligen Bereich leben müssen, weil der Aufwand, Bücher tatsächlich unter die Leute zu bringen, ein ganz enormer ist und Bestseller tatsächlich die Ausnahme darstellen (das nehmen viele Autoren einfach nicht zur Kenntnis), verdienen die Zuschüssler im zweistelligen Prozentbereich.
    Sie tun das auf Kosten des Traums vom Schriftstellersein. Und dieses Geld wird nicht in erster Linie mit Buchverkäufen verdient.


    Wenn man die diversen Blogs und Foren (einfach mal nach "Rico Beutlich" googeln) durchstöbert, findet man aber auch viele Stimmen, die von der "Selbstbestimmung über die eigene Kunst" reden, davon, sich nicht "verbiegen zu wollen", von "bewussten Entscheidungen FÜR den Dienstleister" und ähnlichem. Nach meinem Eindruck lügen sich diese Leute in die eigene Tasche. Sie erwarten häufig tatsächlich, dass mit dem gedruckten Buch der große Durchbruch bevorsteht. Auf der Site der Fairlag-Kampagne findet man im Bereich "Pressestimmen" - unter anderem - zum Beispiel einen interessanten (etwas älteren) Beitrag des NDR, der mal untersucht hat, was eine bestimmte Verlagsgruppe im Bereich "Marketing" unternimmt, ob die Bücher im Handel verfügbar sind, wer denn tatsächlich Rezensionsexemplare bekommt, ob es reisende Buchhandelsvertreter gibt undsoweiter. Das Ergebnis war sehr ernüchternd - viele Buchhändler kannten den fraglichen "Verlag" nicht einmal (eigentlich sogar alle, die man wahllos kontaktiert hat). Es ist nicht nur eine Dienstleistung, die vom Feuilleton und der Öffentlichkeit augenscheinlich ignoriert wird, sie scheint zuweilen auch überhaupt nicht stattzufinden. Die Unternehmen wissen vermutlich (man muss jede Aussage ein bisschen relativieren :grin) ganz genau, dass der Ruf per "Risikobeteiligung" verlegter Literatur kein sonderlich guter ist. Was auch daran liegen kann, dass es Manuskripte wie das von Rico ins Programm schaffen würden. Will sagen: Das, was der Autor bezahlt und zu bekommen erhofft, schöngeredet mit Werbemaßnahmen wie "Kinowerbespots", Auftritten im Internet-Fernsehen, Briefmarken (welchen Werbeeffekt sollen Briefmarken bitteschön haben?), scheint von Anfang an eine Sache mit sehr gewissem Ausgang zu sein: Die vielen Bücher, die der Autor verkaufen müsste, um seine Risikobeteiligung wieder einzufahren, wird kaum einer dieser Autoren je verkaufen können. Und er ist es, der diese Bücher verkaufen muss.


    Gleichzeitig findet man auf den Sites der einschlägigen Anbieter lange Traktate darüber, wie der Publikumsbuchmarkt angeblich funktioniert. Da ist die Rede davon, dass es so gut wie ausgeschlossen sei, als Debütant zu einer verlagsfinanzierten Veröffentlichung zu kommen, zum Beispiel. Dass die großen Verlage "heimlich" Zuschüsse verlangen würden, und als Beleg dafür ist z.B. die Rede davon, dass Piper mal gegen Kostenbeteiligung Firmenhistorien gedruckt hätte. Oder dass ein anderer namhafter Verlag mit einigen Autoren Vereinbarungen getroffen hätte, Tantiemen erst auszuzahlen, wenn sich die Bücher durch Verkäufe refinanziert hätten. Diese beiden Fälle mögen sogar stimmen - das lässt sich schwer nachprüfen. Aber die ganzen Autoren, die zum Beispiel bei den Büchereulen unterwegs sind oder sich in Foren wie Montségur versammeln, haben es alle geschafft, an "verlagsfinanzierte Veröffentlichungen" zu kommen. Das sind Hunderte. All denen ist es gelungen - ohne Vitamin B, ohne Zuschüsse, ohne Vetternwirtschaft. Sie hatten das richtige Produkt, und der Hersteller hat zugeschlagen.


    Die vielen Tausend anderen - und es sind wirklich sehr viele da draußen, die glauben, Schriftsteller sein zu können - verfügen nicht über dieses richtige Produkt. Was übrigens keineswegs heißt, dass diejenigen, die es geschafft haben, literarische Huren wären, die ihre Träume ignoriert und nach den Vorstellungen der Programmverantwortlichen abgeliefert haben. Sie unterscheiden sich vom Gros derjenigen, die unbedingt möchten, aber nicht können, durch Originalität, Durchhaltewillen, Fähigkeit zur Selbstkritik, handwerkliches Geschick und, ja, Talent. Dadurch, dass sie Texte zu liefern in der Lage sind, die auch wirklich viele Menschen interessieren würden. Das ist nicht notwendigerweise eine Frage der "literarischen Qualität". Es ist eine Frage des Marktes. Und diesen Markt bedienen die Zuschüssler ja angeblich auch - bei einem Investitionseinsatz von vielen tausend Euro, die der Autor abzulatzen hat. Da gibt es keine Fangemeinde für bezuschusste Nischenliteratur, die nur auf die neuen Programme der DKZler wartet. Da existieren keine Hoffnungsvollen, die nach Perlen im Dienstleisterausstoß tauchen.


    Eine Briefmarke mit dem Cover des eigenen Buches kann man bei der Deutschen Post für wenig Geld herstellen lassen. Internetfernsehen gibt es seit Youtube für jedermann. Kinowerbespots kann man ab fünf Euro pro Tag laufen lassen (Produktionskosten außenvor - ich habe allerdings noch niemals irgendwo einen Kinowerbespot für ein DKZ-Buch gesehen, und ich gehe oft ins Kino!). All das lässt sich mit geringem Einsatz für einen BoD-Titel auch herstellen, wenn es denn schon sein muss. Das lenkt natürlich nicht davon ab, dass es Bücher gibt, die viele Leute lesen wollen, und andere Texte, für die sich wenige interessieren. Von diesen anderen Texten gibt es weit mehr. Das Interesse wächst nicht, wenn man Buchdeckel drumherum tut.

  • Zitat

    Original von TomAber die ganzen Autoren, die zum Beispiel bei den Büchereulen unterwegs sind oder sich in Foren wie Montségur versammeln, haben es alle geschafft, an "verlagsfinanzierte Veröffentlichungen" zu kommen. Das sind Hunderte. All denen ist es gelungen - ohne Vitamin B, ohne Zuschüsse, ohne Vetternwirtschaft. Sie hatten das richtige Produkt, und der Hersteller hat zugeschlagen.


    Die vielen Tausend anderen - und es sind wirklich sehr viele da draußen, die glauben, Schriftsteller sein zu können - verfügen nicht über dieses richtige Produkt. Was übrigens keineswegs heißt, dass diejenigen, die es geschafft haben, literarische Huren wären, die ihre Träume ignoriert und nach den Vorstellungen der Programmverantwortlichen abgeliefert haben. Sie unterscheiden sich vom Gros derjenigen, die unbedingt möchten, aber nicht können, durch Originalität, Durchhaltewillen, Fähigkeit zur Selbstkritik, handwerkliches Geschick und, ja, Talent.


    Wobei ich denjenigen, die solche 'Dienstleistungen' in Anspruch nehmen, nicht einmal Talent absprechen würde. Wenn sie mehr Geduld und die richtige Einschätzung ihrer selbst und ihres Produktes hätten, wären sie nicht so eine leichte Beute. Meiner Meinung nach machen die DKZVler das ungemein geschickt. Sie reden erst von Goethe und Schiller, die das Geld auch vorstrecken mussten, dann wird der eingereichte Text über die Maßen gelobt. Und das ist der Kasus Knaxus. Nicht nur das eigene Buch in Händen zu halten ist die treibende Motivation, sondern überhaupt wahrgenommen zu werden! Deshalb sind solche Aktionen wie eure weiterhin ungemein wichtig und die Präsenz von Autoren, die Katerinas Gesprächspartnern widersprechen, nämlich dass es in der Regel eben kein Nachmittagsspaziergang ist, von einem seriösen Verlag veröffentlicht zu werden. Das kratzt sicher am Ego dieser Autoren, dass ihr MS nicht genial, sondern im besten Fall überarbeitungswürdig ist (du sprachst in dem Interview, glaube ich, auch von 'unreifen'Manuskripten).
    Ich wünsche euch und uns allen, dass nicht nur eine Seele gerettet wird!
    Das Interview habe ich in meinem Blog verlinkt, den Bericht der SZ stelle ich noch dazu.


    Herzlichst
    Christa