• ...da ich als Autor so meine liebe Not mit Prologen habe, schreibe ich sie inzwischen erst NACHDEM das MS fertig ist.


    Selbst lesen tue ich sie bei anderen Romanen auch erst zum Schluss.
    Aber ich beurteile meine Kollegen/innen vielleicht auch etwas anders :gruebel, als der nichtschreibende Leser


    euer hef

  • Also ich mag Prologe. Ich benutze sie zwar nicht immer wenn ich schreibe aber wenn ich lese finde ich sie eigentlich ganz hilfreich zumal ich dann schneller in die eigentliche Handlung des Buches besser rein komme. Zumindest ist das zu 90% bei mir der Fall... :grin :gruebel

  • Liebe Leute


    Nochmals herzlichen Dank für eure Meinungen und Gedanken zum Prolog. Die Mehrheit mag ihn nicht ... so habe ich es verstanden. Und ich habe mich innerlich schon mal von ihm verabschiedet und nun kommt meine Lektorin und wünscht sich für meine neue Geschichte einen Prolog.


    Tja, so kann's gehen. :zwinker


    Grüsse
    M.

  • Schick Deiner Lektorin den Eulen-Link.
    :grin



    Durch einen Zufall habe ich grad einen Stapel Unterhaltunsgromane, Fantasy und Liebesromane aus den späten Agtzigern und frühen Neunzigern hier liegen, deutsche und englische TBs, Jugendbücher und für Erwachsene. Nicht eines davon hat einen Prolog.
    Makes me wonder ...



    :lache


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Prolog und Epilog sind Kunstformen, die zum Schauplatz, zur Zeit und zu den Protagonisten einer Geschichte, eines Theaterstückes oder eines Films hin und wieder weg führen. Sie sind ein bisschen altmodisch geworden, seit es in der Literatur und vor allem im Film hauptsächlich um „Äktschn“ geht; die Geduld, sich einer Story langsam zu nähern, hat man kaum mehr. „Du kennst mich nicht, wenn Du nicht Tom Swayers Abenteuer gelesen hast“, fängt Twain seinen „Huckleberry Finn“ an, und Karl May fragt im „Winnetou“ ganz zu Beginn: „Lieber Leser, weißt Du, was das Wort ‚Greenhorn‘ bedeutet?“.


    Prolog und Epilog sind (auch bei Kurzgeschichten) nach wie vor überaus hilfreich, wenn man nicht bei jedem Leser Spezialkenntnisse über Land, Leute und Gepflogenheiten voraussetzen mag; sie sind keine Geschmacksfrage, sondern entweder gut oder schlecht geschrieben; nur ganz selten sind sie wirklich überflüssig. Im Schulaufsatz übte und nannte man das „Einleitung“ und "Schluss". Gut geschriebene Pro- und Epiloge fügen sich in ein literarisches Werk wie der Introitus und die Coda in eine Sinfonie.


    Ein "Vorwort" ist etwas ganz anderes. Es hat in aller Regel keinen direkten Bezug zur Handlung, sondern deklariert etwas aus Sicht des Verfassers oder eines Dritten, und endet für gewöhnlich mit dem Datum.

  • @zenta


    Prologe sind aus der Mode gekommen, weil LeserInnen mehr Action wollen?
    Na, dann erkläre mir mal, warum gerade Thriller und Fantasy-Romane in den letzten Jahren selten ohne Prolog auskommen.


    Und überflüssig sind Prologe immer dann, wenn eine Autorin ohne sie auskommt. Will sagen, es hängt vom Text ab.
    Ein Text ist schließlich keine Heilige Messe. :grin




    :wave


    magali



    edit: ein 's' und ein 'i' dazu dekoriert

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von magali ()

  • Prologe erzählen im Normalfall eine Vorgeschichte, die örtlich oder zeitlich weitgehend unabhängig vom Rest, aber notwendig für das Verständnis desselben ist. Wenn auch möglich ist, diese Vorgeschichte z.B. als Rückblenden o.ä. später im Haupttext nachzureichen, sollte man als Autor überlegen, so vorzugehen. Es gibt allerdings kein Patentrezept. Und auch wenn hier einzelne Leser behaupten, sie würden Prologe immer überspringen, mag das noch keine relevante Information sein. Es kann auch Leser geben, die Dialoge überspringen, oder Traumsequenzen (ich mache das z.B. - ich hasse Traumsequenzen in Romanen) oder Sexszenen oder wasweißich. Wenn man allen noch so idiotischen Leserimpulsen zu folgen versucht, landet man bei Comics. Und auch die sind verdammt schwer herzustellen.


    Ein Epilog reicht analog etwas nach, das nicht mehr zur eigentlichen Romanhandlung gehört, diese aber wertet und/oder wiederum zeitlich/örtlich unabhängig beendet. Meistens erzählen Epiloge davon, was später aus den Figuren geworden ist.


    All das ist nötig, wenn es dem Autor nötig erscheint. Einen (sehr kurzen) Prolog als Auszug aus der späteren Handlung habe ich auch mal geschrieben (in "Radio Nights", ganze zwei Sätze), aber ich bin mir sicher, dass sich kaum ein Leser an der Stelle, auf die sich das bezog, noch an den Prolog erinnert hat. Aber all meine Romane haben Prologe, und meistens erzähle ich darin von Ereignissen, die lange vor der Haupthandlung stattgefunden haben. Ich würde auch nicht darauf verzichten wollen. In meinem kommenden Roman greife ich wieder vor, erzähle die Episode dann aber später nicht noch einmal. Dieser Prolog soll Spannung erzeugen und die Erwartung des Lesers erhöhen. Und ich bin eigentlich auch sicher, dass das gelingen wird. Prologüberblätterer werden trotzdem mit dem Text zurechtkommen.

  • @ zenta:


    Zitat

    Original von zenta
    Ein "Vorwort" ist etwas ganz anderes. Es hat in aller Regel keinen direkten Bezug zur Handlung, sondern deklariert etwas aus Sicht des Verfassers oder eines Dritten, und endet für gewöhnlich mit dem Datum.


    Wie erklärst Du dir dann die gängigen Erklärungen z.B. in Lexika, die "Prolog" u.a. mit "Vorwort" gleichstellen?



    Tom :


    Zitat

    Original von Tom
    [...]die örtlich oder zeitlich weitgehend unabhängig vom Rest [...]


    Beziehen sich Prologe nicht immer auf "den Rest", entweder zeitlich oder örtlich oder inhaltlich oder oder oder? Wären sie "weitgehend unabhängig vom Rest", wären sie dann nicht unnötig? ;-)



    Zitat

    Original von Tom
    In meinem kommenden Roman greife ich wieder vor, erzähle die Episode dann aber später nicht noch einmal. Dieser Prolog soll Spannung erzeugen und die Erwartung des Lesers erhöhen.


    Wäre das nicht eher eine Vorschau? Ein Vorwegnehmen von erzählten Inhalten? Und hat ein Prolog im klassischen Sinn nicht die Aufgabe in ein Stück/Buch/usw. einzuleiten? Wenn Du Prolog so definierst wie Du es hier getan hast, dann verläßt Du IMHO die klassische Definition und gibst dem feststehenden Begriff Prolog einen andere Bedeutung, die er eigentlich nicht hat.


    Sicher könnte man dem Begriff Prolog einen neue Bedeutung zuweisen, aus der Tatsache heraus, dass anscheinend immer mehr meinen, eine Vorschau wäre bereits ein Prolog; nur was machen wir dann mit echten Prologen mit der Funktion der thematischen Einleitung in den Text bzw. dem Fürsprechen?


    Nein, ich bin der Meinung ein Prolog sollte ein Prolog und eine Vorschau eine Vorschau bleiben, einschließlich den damit zusammenhängenden und bereits sehr lange bestehenden Bedeutungsinhalten.



    Viele Grüße,


    Dieter.

  • Hallo, Dieter.


    Um ehrlich zu sein - mir ist scheißegal, wie das heißt oder genannt wird. ;-) Ich nenne es "Prolog", und ich gehe in dieser Hinsicht zumindest mit der Wikipedia-Definition konform:


    Dabei kann die Handlung des Prologes mit dem Stück verbunden sein, jedoch auch losgelöst von dem eigentlichen Drama in die Thematik einführen.


    Mein Lektor ist Germanist. Bisher hat er meine Prologe nicht bekrittelt.


    Übrigens löst sich für viele Autoren das Problem, indem sie einfach nicht mehr "Prolog" über das dann erste Kapitel schreiben. Sondern eine Jahreszahl. Eine Ortsbezeichnung. Was weiß ich.

  • Hallo Tom,


    um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Mir geht es nicht darum deine Vorschau zu kritisieren und ich schließe mich Deiner Meinung gerne an, dass jeder Autor schon selbst weiß, wann er was zu tun oder zu lassen hat. Mir geht es schlicht darum, dass wir über dasselbe reden und vertrete die Meinung, gerade Autoren sollten sich so eindeutig, wie es eben möglich ist, ausdrücken, um Missverständnisse zu vermeiden.


    Wenn Du für Dich eine Vorschau einen Prolog nennen magst, dann ist das Dein Ding. Wenn deinem Lektor das egal ist, ist mir da schon gleich egal, solange ihr wisst von was ihr sprecht ;-).


    Tauscht man sich allerdings mit anderen zielgerichtet über ein Thema aus, dann ist das IMHO etwas anderes und jeder sollte schon wissen, worüber gesprochen wird. Und darum geht es doch hier - oder? Das man am Ende etwas mitnehmen kann, das Hand und Fuß hat.


    Insofern gefällt mir deine Aussage dazu, wie unwichtig es ist, ob jemand Prologe liest oder nicht, und dass man "Leserimpulsen" nicht blindlings nachhetzen sollte.


    Übrigens hat Schiller in Die Jungfrau von Orleans auch nur zwei Zeilen Prolog gebracht:


    Zitat

    Eine ländliche Gegend. Vorn zur Rechten ein Heiligenbild in einer Kapelle; zur Linken eine hohe Eiche.


    Na ja, zweieinhalb ... irgendwie ...


    Liebe Grüße,


    Dieter.

  • Hallo, Dieter.


    Ein Prolog ist eine Einleitung oder Vorrede. Es gibt keine eindeutige dramaturgische Einordnung; ein Prolog kann auch das sein, was Du beharrlich "Vorschau" nennst, es kann aber auch etwas (scheinbar) völlig textunabhängiges sein, zum Beispiel ein Gedicht (sofern vom Autor selbst verfasst und kein Zitat). Ein Prolog kann aber auch auf die folgende Handlung vorgreifen. Oder eben eine Vorgeschichte erzählen. Oder ein Rätsel aufgeben.


    Ein Prolog ist ein Stück Text, das zum Haupttext gehört, aber kein Teil desselben ist, aber auf ihn vorbereitet. Er ist ein dramaturgisches Hilfsmittel, das auf viele Arten gefüllt werden kann. Während der Leser davon ausgehen kann, dass die Kapitel des Buches die darin enthaltenen Geschichten erzählen, kann im Prolog etwas völlig Anderes passieren. Übrigens auch stilistisch.


    Ein Vorwort ist eine Erklärung des Autors oder eines Gastautors zum folgenden Text. Manch einer bedankt sich im Vorwort. Andere tun das im Nachwort.

  • Hallo Tom,


    mit "Vorschau" meine ich einen Textauszug aus einem Roman, den man an den Anfang des Romans stellt. Das ist kein Prolog, sondern eine Vorschau/Reklame. Du schreibst ja selbst:


    Zitat

    Ein Prolog ist ein Stück Text, das zum Haupttext gehört, aber kein Teil desselben ist, aber auf ihn vorbereitet


    Und genau das meine ich auch, weshalb ich denke, grundsätzlich meinen wir beide schon dasselbe.


    Du weißt vielleicht, dass ich an einer Uni arbeite und dort hatte ich Gelegenheit mit Fachleuten über dieses Thema zu sprechen. Ich berufe mich ja nicht auf irgendeinen Mist, den ich mir auf die Schelle ausgedacht habe oder mir mal eben aus den Fingern sauge, sondern habe das versucht fachlich abzuklären. Und weil mir diese Frage keine Ruhe ließ, habe ich zusätzlich zig verschiedene "Prolog"-Definitionen gesucht und gefunden (Das geht zurück bis zu einem "Conversationslexikon" aus dem Jahr 1830). In keiner ist auch nur ansatzweise ein Textauszug erwähnt, den man nach vorne stellt (und der sich auch wieder im Text findet) und den man Prolog nennt.


    Zu den von dir genannten Arten des Prologs gibt es sicher noch viele weitere. Beispielsweise fand ich Stücke, wo der Prolog nicht einmal vorne steht und dennoch ein Prolog ist, weil er als Einleitung in das Stück zu interpretieren ist (z.B. bei Plautus - Stücken, die später erneut aufgeführt wurden: bei "Casina" kommt ein Prolog nach dem 13. Vers). Es gibt Prologe, die eine andere Fiktionalisierungseben als der Haupttext haben; Prologe können Texte zusammen mit einem Epilog einrahmen; ein Prolog kann eine auktoriale Reflexion sein usw. usf. Aber nirgends - weder in der Literatur noch in den Gesprächen - fand ich Hinweise darauf, dass ein vorgezogener Textauszug als Prolog zu interpretieren sei. Das ist einfach eine Vorschau, vielleicht einem Klappentext ähnlich, wo ja in der Regel auch kein Prolog steht sondern Werbung.


    Du kennst bestimmt das Vorwort in "Der Name der Rose" - reine Fiktion von Eco! Dieses Vorwort hat nichts mit der von Dir beschriebenen "Erklärung" zu tun, sondern stellt in diesem Fall eine fiktionale Rechtfertigung des Autors und eine Hinleitung (also ein Prolog?) zum eigentlichen Text dar , den Eco ja bekanntlicherweise als gefundenes Manuskript ausgibt. Was natürlich eine Fiktion ist und daher eine andere fiktinonale Ebene darstellt als der eigentliche Text, der dann wiederum einen eigenen Prolog aufweist, den der Mönch geschrieben haben soll.


    Sicher greifen Autoren in ihren Vorworten auch die Möglichkeit auf, die du genannt hast - aber eben nicht nur.


    Natürlich könnte man jetzt sagen, ein nach vorne gestellter Textauszug wäre eine Einleitung oder eine Werbung für den Text und dadurch als Prolog zu bewerten. Dann könnte man aber auch jeden Klappentext und alles, was irgendwie vor dem Haupttext steht, einen Prolog nennen.


    Liebe Grüße


    Dieter.

  • Hallo, Dieter.


    Du hast viel nach Definitionen gesucht und viele gefunden, aber keine einheitliche. Woran das wohl liegt? Nun, daran, dass Prolog und Epilog den Haupttext umklammern, aber diese Formalie ist auch der einzige Aspekt, auf den man sich einigen kann. Woraus diese Klammer besteht, das bleibt dem Autor überlassen - solange es Bestandteil des eigentlichen Werkes ist. Klappentexte und sonstige Texte auf U2 bis U4 sind keine Bestandteile des eigentlichen Werkes und stammen meistens nicht einmal aus der Feder des Autors.


    Eco lässt im Prolog einen übergeordneten Fiktionsraum entstehen und spielt mit dem Leser. Thrillerautoren nehmen manchmal eine entscheidende Sequenz vorweg und bauen damit einen "Cliffhanger", der lange vorhält - aber sie machen keineswegs "Werbung" für das Buch, denn dieser Text ist Bestandteil des Werkes (wenn man so will, ist ein Buch sowieso Werbung für dasselbe). Andere erzählen Vorgeschichten, meinetwegen aus der Kindheit der Hauptfigur, oder ein Ereignis, das lange vor den Ereignissen, die im Roman geschildert werden, stattgefunden hat - diese aber prägt. Und so weiter. Es werden Gedichte vorangestellt, Songtexte von fiktiven Musikgruppen, Zitate aus dem Mund des Protagonisten, Traumsequenzen, weiß der Geier. Etwas steht dem Text voran. Es steht außerhalb von Dramaturgie und Chronologie, leitet den Text ein, aber auf einer anderen Ebene. Und das kann eben alles mögliche sein, auch ein - für den Leser möglicherweise an dieser Stelle völlig unverständlicher - Vorgriff auf späteres Geschehen, an den man sich im Idealfall im richtigen Moment erinnert. Oder die Geschichte der Stadt, in der die Handlung spielt. Eine kurze Erzählung von einem Mordfall, der nicht mehr thematisiert wird, aber alle Figuren traumatisiert hat. Und dergleichen mehr. Prolog heißt auch: Seht, das hier ist eigenständig, und es wird Euch vielleicht verwirren, aber es gehört zum Text. Irgendwann werdet Ihr es verstehen. Aber das, was gleich kommt, steht zunächst in keinem erkennbaren Zusammenhang dazu. Es kann auch heißen: Das hier ist das Universum, in dem meine Geschichte spielt. Diese Regeln gelten, diese Völker gibt es. Oder: Dies ist die Prophezeiung von Soundso. Oder: So starb König XY, und am Ende werdet Ihr begreifen, warum ich das jetzt erzähle. Das sind alles mögliche Prologe, nämlich die sich öffnende Klammer (schöne Metapher!) um den nachfolgenden Haupttext. Dieses Sich-Öffnen muss nicht räumlich oder zeitlich korrekt sein.

  • Ich wiederhole: Im Deutschuntericht lernt man etwas über Einleitung und Schluss, bekommt erklärt, wozu man sie braucht und darf üben damit. Wer gute Einleitungen und gute Schlüsse weiß, kriegt die besseren Aufsatznoten.


    Natürlich geht's auch "ohne"; im Zeitalter des Cyberspace kann man Geschichten und Romane auch mittendrin anfangen und aufhören lassen - etwa so, wie man einen Fernseher ein- und ausschaltet. Solang man beim Publikum damit ankommt, scheint alles in Ordnung. Wie wichtig Einleitungen sind, wussten sie aber schon in der Antike und im Mittelalter:


    Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
    von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
    von freuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
    von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen...



  • Nicht daß ich mich einmischen will, wenn große Geister fach-literarisch diskutieren, aber da hier auch viele kleine Geister mitlesen, melde ich mich mit einer Richtigstellung:


    Was Du vom Anfangstext der Jungfrau zitierst, ist die Anweisung zur Ausstattung, zum Bühnenbild.
    Den angekündigten Prolog (Schiller liebt Prologe) spricht Thibaut d'Arc (der Vater von Johanna), beginnend mit 'Ja, liebe Nachbarn! Heute sind wir noch Franzosen ...' bis Zeile 18.
    Danach geht der Prolog, der eine kurze Schilderung des Hintergrunds, nämlich des englisch-französischen Kriegs enthält, über in die aktuelle Handlung des Prologs. Thibaut will bekanntermaßen wegen der dauernden Kriegsgefahr seine Töchter verheiraten, Johanna will dann nicht etc.


    Wie gesagt, Schiller liebt Prologe, aber er liebt sie kurz. Mehr als die Anweisung zur Ausstattung enthalten sie aber schon.


    edit: ich sehe, daß keine/r Schiller aus dem Regal gezogen hat, was für ein Glück für mich :lache
    Ich war nämlich oben ganz schön mißverständlich. Der Prolog hat insgesamt vier Aufzüge, ich meinte, die Einleitung, die den Hintergrund gibt, ist kurz. Ab dann ist, wie schrieb zenta so schön, 'äkschn'. Obwohl es noch Prolog ist.
    Woran man sieht, daß sich selbst die Klassiker nicht an die Regeln des Deutschunterrichts halten.



    @zenta


    ja, klar, lernt man Einleitung und Schluß im Deutschunterricht. Und?
    Das hat noch lange nichts mit Prolog im Drama zu tun und im Roman zunächst auch mal nicht. Dabei geht es vor allem darum, Kindern und Jugendlichen beizubringen, einen Text zu gliedern.


    Und eine Einleitung ist eben nicht in jedem Fall gleichzusetzen mit einem Prolog.
    Die ersten vier Verse des Nibelungelieds gehen als Prolog durch, aber das Ganze ist nun wieder ein Epos.
    Was, bitte, hat das gleich noch mal mit einem Unterhaltungsroman des frühen 21. Jahrhunderts zu tun?


    Wenn Dein Kosmos der Deutschuntericht ist, empfehle ich Dir, über einen Blick über den Tellerrand hinaus nachzudenken. So von wegen der Dinge zwischen Himmel und Erde und der Schulweisheit und überhaupt, Horatio.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von magali ()

  • Hallo magali,


    bevor Du weiter herabwürdigende Mutmaßungen über den geistigen Horizont Dritter anstellst, empfehle ich Dir, alle Postings dieses Threads zu überfliegen. Du könntest dann feststellen, dass nicht nur das Nibelungenlied und der deutsche Hausaufsatz, sondern allerlei anderes, Literarisches zum Vergleich angeboten wurde.


    Einen Prolog kann man allem Möglichen voranstellen, wenn man mag. Geübt wird er zuvörderst im Schulaufsatz. Wer da nur Fünfen schreibt oder nur drei Punkte kriegt, weil die Einleitung Mist und der Schluss gar keiner ist, tut sich später beim Bestsellerschreiben erst recht schwer.

  • Hallo,


    als Leser mochte ich eigentlich Prologe nie. Dann wollte ich aber bei meinem Roman "Bullenbeißer" eine Handlung beschreiben, die geschieht, bevor der Protagonist und Ich-Erzähler einsetzt.
    Und da habe ich es genauso gemacht:


    Zitat

    Original von Margot


    ... Ich habe gestern noch mit einem Kollegen darüber gesprochen und er hat mir auch noch eine Möglichkeiten vorgeschlagen, wie man mein "Problem" vermeiden könnte: Im Prolog steht eine Szene, die für die Handlung wichtig/spannend ist, die aber jemand erzählt, der später keine eigene Stimme mehr hat. So vermisst man diesen Sprecher nachher auch nicht.


    Margot


    Seitdem finde ich Prologe gar nicht mehr so schlimm. Und weils so schön war, hab ich noch einen Epilog drangehängt (Ende einer Lovestory die nicht zur eigentlichen Handlung gehört).


    Schönen Gruß aus Hamburch,
    Rolf

  • Zitat

    Original von zenta
    Prolog und Epilog sind Kunstformen, die zum Schauplatz, zur Zeit und zu den Protagonisten einer Geschichte, eines Theaterstückes oder eines Films hin und wieder weg führen. Sie sind ein bisschen altmodisch geworden, seit es in der Literatur und vor allem im Film hauptsächlich um „Äktschn“ geht; die Geduld, sich einer Story langsam zu nähern, hat man kaum mehr.


    Ich denke, Prologe gelten berechtigterweise als altmodisch. Für mich ist eine Geschichte dann gut erzählt, wenn sie alleinstehend funktioniert, wenn für die Geschichte notwendige Information nicht separat (als Bedienungsanleitung quasi) mitgeliefert werden müssen. Das heißt nicht, dass ich nicht auch schon gute Prologe gelesen habe, aber sie gar als Qualitätsmerkmal herauszustellen, finde ich übertrieben. Prologe sind oft erzählerische Krücken, Workarounds. Gut, Erzählungen haben (oft) auch einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende, aber das ist für mich eine dramaturgische Unterteilung und sollte nicht mit Eröffnungen nicht erzählerischer Textformen (die gut benoteten Schulaufsätze) verwechselt werden.

  • Hallo, Googol.


    Natürlich sollten Prologe kein Allheilmittel dafür sein, dass der Autor "Show, don't tell" nicht beherrscht. Einige SF-Autoren erklären in prologähnlichen Einleitungstexten, welche Bedingungen in den von ihnen geschaffenen Welten herrschen, welche Machstrukturen und welche Technik es gibt etc., andere werfen die Leser ins kalte Wasser, reichen hier und da eine Erklärung, und überlassen alles andere der Phantasie. Beides funktioniert.


    Ich erzähle in einem Roman am Anfang - im Prolog - auktorial von einem Verkehrsunfall, bei dem die Eltern der Hauptfigur umgekommen sind. Die eigentliche Handlung setzt zur gleichen Zeit ein, wird aber aus der Perspektive eines kleinen Jungen (Ich-Erzähler) geschildert, der mit diesem Unfall konfrontiert wird. Natürlich hätte ich auch die Personen, mit denen der Junge dann zu tun hat, vom Unfall sprechen lassen können. Oder ihn später herausbekommen lassen, wie der Unfall möglicherweise ablief. Es schien mir aber dramaturgisch sinnvoller, dieses Geschehen vorher - eben als Prolog - zu erzählen. Die Alternative wäre sehr schwierig geworden, da die Unfallbeteiligten, also die Personen, die davon erzählen könnten, beim Unfall verstorben sind.


    Und übrigens. Man muss ja nicht "Prolog" drüberschreiben. ;-)