Der katholische Bulle (The Cold Cold Ground) - Adrian McKinty

  • Mai 1981, der Nordirlandkonflikt ("The Troubles") ist auf dem Höhepunkt, der Hungerstreik der IRA-Inhaftierten im Maze-Gefängnis hat bereits zwei Todesopfer gefordert und fast täglich kommt es auf den Straßen von Belfast zu Ausschreitungen. Detective Sergeant Sean Duffy ist seit einem Monat bei der Polizei in Carrickfergus, einer Kleinstadt fünf Meilen nördlich von Belfast und er ist der einzige Katholik in einem sonst ausschließlich protestantisch besetzten Polizeirevier.


    Als auf einem Feld ein Toter gefunden wird, dem eine Hand abgetrennt wurde, sieht es zunächst wie ein recht einfacher Fall aus: eine Vergeltung der IRA an einem Verräter, meist wird auch noch ein Beutel mit 30 Münzen für den Judas beigelegt, der hier aber fehlt. Bei der Autopsie wird festgestellt, dass das Opfer vor seinem Tod homosexuellen Kontakt hatte und die abgetrennte Hand einem anderen Toten gehört, der kurze Zeit später auch entdeckt wird. Sind dies die Taten eines Serienkillers, der speziell Schwule töten will? Homosexuelle Handlungen sind in Nordirland illegal und werden noch mit Gefängnis bestraft und die gesellschaftliche Einstellung ist sehr konservativ und vorwiegend homophob. Der Verdacht eines Serienkillers scheint bestätigt, als in einem Bekennerschreiben weitere Morde angekündigt werden. Ein Kollege von Duffy, "Crabbie" McCrabban meint zwar, dass es in Nordirland keine Serienkiller gäbe, wer das Bedürfnis verspüren würde, Leute umzubringen, bräuchte sich doch nur der IRA oder UDA/UFF oder einer anderen paramilitärischen Splitterorganisation anzuschließen und könnte sich unter dem Deckmantel politischer Rechtfertigung austoben. Chief Brennan dagegen ist sogar recht erfreut, zur Abwechslung mal "ein paar nette Morde ohne politischen Hintergrund zu haben". Da durch die Ausschreitungen und Ermittlungen im Umkreis der IRA das meiste Personal gebunden ist, geht die Aufklärung dieser beiden Morde an das Team Sean Duffy, McCrabban und Matty von der Forensischen Abteilung. In einem Waldstück wird dann eine tote junge Frau gefunden, die seit einem halben Jahr verschwunden war. Sie war die Ex-Frau eines der IRA-Häftlinge, der sich auch am Hungerstreik beteiligt hatte. Sie scheint Selbstmord begangen zu haben, aber die Autopsie lässt Zweifel aufkommen und Duffy will diese Akte noch nicht schließen.


    Die Handlung von "The Cold Cold Ground" ist spannend, spannend ist aber auch der zeitliche Hintergrund. In den Nachrichten immer die zentralen Themen: der Hungerstreik für die Forderungen an die britische Regierung zur Anerkennung der inhaftierten IRA-Mitglieder als politische Häftlinge sowie die damit in Verbindung stehenden Ausschreitungen und Bombenanschläge, in Rom wurde gerade ein Attentat auf den Papst verübt, es ist noch unklar, ob er überlebt und bis zur Hochzeit von Lady Diana und Prinz Charles sind es nur noch zwei Monate. Kaum jemanden interessiert ein möglicher Serienkiller.


    Als Sean Duffy und seine Kollegen in Belfast in der Gegend der Falls Road das Haus des ersten Opfers untersuchen und einen Zeugen befragen wollen, sind sie mit Schutzausrüstung und einigen Constables zur Verstärkung unterwegs und dass die Land Rover der Polizei alle gepanzert sind, ist eine Selbstverständlichkeit. Straßensperren und regelmäßige Kontrollen durch Polizei und Militär sind üblich, das Stadtzentrum von Belfast ist abgeriegelt und nur nach Personenkontrollen zu Fuß zu erreichen. Duffy macht Witze darüber, dass er mal wieder ins Kino gehen wollte, bevor wirklich alle Kinos ausgebombt sind. Während Sean Duffy versucht, die Morde aufzuklären, sterben bei mehreren Bombenanschlägen wieder über ein Dutzend Menschen und ebenso viele werden schwer verletzt. Dies ist für den Leser eine interessante Gegenüberstellung zu dem zu ermittelnden Fall, was ist denn eigentlich "das Böse", irgendwo im Laufe der Handlung gibt es während einer Unterhaltung auch mal den relativ bekannten Spruch, "Des einen Terrorist, ist des anderen Freiheitskämpfer".


    In Carrrickfergus ist es etwas ruhiger als in Belfast, die letzte große Fabrik hat geschlossen und die Arbeitslosigkeit ist auch hier hoch, auf der Hauptstraße haben die meisten Läden schon dichtgemacht, die Segregation zwischen Protestanten und Katholiken ist auch hier in den Köpfen tief verankert und es regnet. Und regnet.


    Adrian McKinty ist 1968 in Carrickfergus geboren und aufgewachsen und er lebte in der Coronation Road, wie er in einem Nachwort berichtet, der Straße in der im Buch auch sein Protagonist Sean Duffy sein Haus hat. An das Jahr 1981 und die klaustrophobische Atmosphäre kann er sich noch gut erinnern und das merkt man dem Buch mit jeder Zeile an, beim Lesen fühlt man sich wie in einer kleinen Zeitreise in das Jahr 1981 hineinversetzt und durch die vielen Details fühlt sich die Geschichte sehr authentisch an. Bevor Detective Sean Duffy morgens zur Arbeit fährt, überprüft er zunächst, dass in der Nacht keine Bombe unter seinem Auto angebracht wurde. Adrian McKinty erzählt, dass er und sein jüngerer Bruder des Öfteren von einem britischen Army-Captain aus der Nachbarschaft mit zur Schule genommen worden sind, bei extrem ungemütlichem Wetter hatte der seine routinemäßige Bombenkontrolle auch mal ausgelassen und die beiden Jungs kannten die Angst, dass sie den Weg zur Schule möglicherweise nicht überleben würden.


    Beim Lesen von "The Cold Cold Ground" verfällt man aber nicht dem Trübsinn und der Depression, dafür sorgen die spannenden Charaktere, maßgeblich Sean Duffy, der die Geschichte in der ersten Person erzählt und der schwarze Humor, der das Buch durchzieht. Adrian McKinty schreibt wunderbare Prosa und großartige Dialoge und ich habe jede Seite genossen.


    Es gibt ein, zwei kleine Kritikpunkte, die aber die Gesamtwertung nicht beeinflussen, von mir gibt es klare Zehn Punkte. "The Cold Cold Ground" ist der Auftakt einer Trilogie und ich freue mich schon auf das nächste Buch.



    Edit: Deutsche ISBN und Titel ergänzt.


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  • Da die DEAD Trilogie von Adrian McKinty bei Suhrkamp erschienen ist, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass auch "The Cold Cold Ground" in nicht all zu ferner Zukunft in deutscher Übersetzung erhältlich sein wird.



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  • Adrian McKinty: Der katholische Bulle
    Suhrkamp Verlag 2013. 384 Seiten
    ISBN-13: 978-3518464502
    Originaltitel: The Cold Cold Ground
    Übersetzer: Peter Torberg


    Verlagstext
    Belfast befindet sich im Ausnahmezustand. Detective Sergeant Sean Duffy ist neu in der Stadt, und gleich bei seinem ersten Fall – der Suche nach einem Serienkiller – muss er sich ins Zentrum des Terrors begeben. Sean Duffy ist wahrscheinlich der einzige katholische Bulle in ganz Nordirland, denn es ist 1981, und »katholisch sein« steht vor allem für eins: IRA. Die Paramilitärs haben der Polizei den Krieg erklärt, nehmen sie, wo es nur geht, unter Beschuss, jagen Polizeiautos in die Luft. Ihnen gilt Duffy als Verräter. Doch auch unter den Kollegen in Carrickfergus, einem Vorort von Belfast, wohin er nach seiner Beförderung gerade erst versetzt wurde, muss sich der junge Polizist sein Ansehen erkämpfen. Entlang der Frontlinien ermittelt Duffy in zwei Mordfällen, hinter denen ein Serienkiller zu stecken scheint. Eines der Opfer stand in Verbindung mit den höchsten IRA-Kreisen, wo Duffy auf eine Mauer des Schweigens trifft, da jeder, der den Mund aufmacht, mit dem Schlimmsten rechnen muss …


    Der Author
    Adrian McKinty, geboren 1968, wuchs in Carrickfergus in der Nähe von Belfast auf. An der Oxford University studierte er Philosophie, dann übersiedelte er nach New York. Sechs Jahre lebte und arbeitete er in Harlem, u. a. als Wachmann, Vertreter, Rugbytrainer, Buchhändler und Postbote. 2001 zog er nach Denver, seit 2008 wohnt er mit seiner Familie in Melbourne.


    Inhalt
    Im Nordirland des Jahres 1981 steht Detective Sergeant Sean Duffy als Katholik in jeder Hinsicht auf der falschen Seite. Die IRA hat auf katholische "Bullen" Kopfgeld ausgesetzt, und Duffys Hauskauf in einem protestantischen Arbeiterviertel ist zu jener Zeit mehr als unangepasst. Die Nerven in der Stadt liegen durch den Hungerstreik prominenter Gefangener blank; die Polizeikräfte als "Handlanger des britischen Imperialismus" werden zwischen den feindlichen Seiten aufgerieben. Polizei und Armee sind bemüht, nach dem zweiten Todesopfer des politisch motivierten Hungerstreiks die Unruhen zu kontrollieren. Unter dem kritischen Blick der Nachbarn muss Duffy sich jeden Morgen entscheiden, ob er Roulette um sein Leben spielen oder den Unterboden seines Autos nach einem Sprengsatz absuchen will. Normale Straftaten sind in den Einsatzplänen nicht vorgesehen, als Duffy an den Fundort eines Toten gerufen wird. Jede Meldung an die Polizei könnte eine Falle der IRA sein. Die Mitteilsamkeit des Täters deutet auf den Beginn einer Mordserie an Homosexuellen hin. Einen Serienkiller hat es bis zu diesem Zeitpunkt in Nordirland noch nicht gegeben, und homosexuelle Beziehungen stehen noch unter Strafe. Als studierter Psychologe ist Duffy als Quereinsteiger der Belfaster Polizei beigetreten. Mit knapper Besetzung seiner Dienststelle, die einen Überfall der IRA geradezu herausfordert, nimmt Duffy als absoluter Berufsanfänger die Ermittlungen auf. Leicht gesagt, wenn bestimmte Stadtviertel von Polizisten nur in Kampfmontur und im gepanzerten Fahrzeug betreten werden können.


    Fazit
    Adrian McKinley ist im Belfaster Stadtteil Carrickfergus aufgewachsen, in dem sein Kriminalroman spielt. Vor dem authentisch recherchierten historischen Hintergrund des Nordirland-Konflikts schickt der Autor einen Einzelgänger mit für seine Zeit gefährlich vorlautem Mundwerk an die Ermittlungsarbeit. Duffy, der für Wartezeiten im Einsatz stets ein Buch dabei hat, tritt im ersten Band der geplanten Trilogie noch als einsamer Wolf auf, der vor keiner der verfeindeten Seiten kuscht. Ein erstklassiger Hardboiled Krimi, der Vorkenntnisse zum Nordirlandkonflikt voraussetzt; ohne Vorkenntnisse ein sehr, sehr guter Kriminalroman.


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    Zitat
    "Letzte Nacht habe ich einem Kumpel bei Special Branch mal meine Theorie [...] zum Fraß vorgeworfen", rief ich aus dem Bad.
    "Und was hat er dazu gesagt?", fragte McCrabban.
    "Er meinte, ich sei ein Genie, und hat mir die Akte zu Jack the Ripper auch gleich geschickt."
    "Und, hast du den Fall auch gelöst?"
    "Es war Queen Victoria." "Habe ich mir schon gedacht. Unter der Krinoline lässt sich ja leicht eine Machete verstecken."
    (S. 259)


    10 von 10 Punkten

  • Hallo Buchdoktor, wie schön, dass Dir Sean Duffy auch so gut gefallen hat. :-]


    Zum Buch in OV hatte ich schon eine Buchvorstellung geschrieben, könnten die Threads bitte zusammengelegt werden? Danke.


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  • Vielen Dank für die Rezi, insbesondere das Zitat. Ich grinse immer noch... :chen
    Deine Leseeindrücke zeigen mir, dass mein Vorsatz, endlich mal etwas von McKinty zu lesen, in die Tat umgesetzt werden muss. :wave


    Außerdem weiß ich genau, dass du nicht leichtfertig mit 10 Punkten um dich wirfst. Du hast das Buch sozusagen geadelt! :anbet

  • Zitat

    Original von Buchdoktor
    Nein, aber es passiert öfter mal, dass ein Buch entweder nur unter dem Titel oder nur unter dem Verfassernamen verzeichnet ist.


    Klar, aber das hier war zu finden :grin Macht aber nichts. Als Mod will man ja nicht arbeitslos werden :-)

  • Zitat

    Original von Buchdoktor
    Ups, dieses Verzeichnis wird mir immer ein Rätsel bleiben - unter dem Namen des Verfassers wurde Utas Rezension nicht angezeigt.


    Den deutschen Titel habe ich gestern erst ergänzt, nachdem ich gesehen hatte, dass die deutsche Übersetzung erschienen ist, die Rezi stand wahrscheinlich unter dem Originaltitel "The Cold Cold Ground" drin. :gruebel


    Im Januar 2013 ist der zweite Teil erschienen. "I hear the Sirens in the Street" habe ich natürlich sofort gelesen und war begeistert wie immer von Adrian McKintys Figuren, Humor und Schreibstil, der Plot war aber minimal schwächer. Eine Buchvorstellung folgt ...



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  • Zitat

    Original von Rosha
    Vielen Dank für die Rezi, insbesondere das Zitat. Ich grinse immer noch... :chen
    Deine Leseeindrücke zeigen mir, dass mein Vorsatz, endlich mal etwas von McKinty zu lesen, in die Tat umgesetzt werden muss. :wave


    Das solltest Du unbedingt tun!


    McKinty ist ein Autor bei dem für mich immer Schreibstil, Humor und Figuren im Vordergrund stehen. Wahrscheinlich könnte er das Belfaster Telefonbuch neu schreiben und ich wäre angetan. :anbet:grin


    Ursprünglich hatte ich überlegt, den Beginn von "The cold cold Ground" als Zitat dazu zunehmen, wäre aber doch ein bisschen lang.

    In der ersten Szene beobachten Sean Duffy und seine Kollegen von einem Hügel als Bereitschaftseinheit die Ausschreitungen unten auf der Straße und er vergleicht die Szenerie mit den Bewegungen der Linien der sich gegenüberstehenden Polizisten und Rioters und der Farben und Lichter der Molotow-Cocktails mit einem Ballett, hat aber das Gefühl "we had seen better", "die Ausschreitungen nach dem Märtyrertod von Bobby Sands waren das Original", der nun zweite tote Hungerstreiker sah nicht aus wie Jesus, so wie Bobby, und hatte auch ein blödes Timing, "croaked it" direkt nach dem Attentat auf den Papst und die inverse Korrelation zwischen Intensität der Ausschreitungen und schlechtem Wetter behielte er wohl auch besser für sich.


    So zusammengefasst entfaltet die Szene wohl nicht ihre lyrische Wirkung, die sie auf den Leser hat ..., das Original ist immer besser. ;-)
    Die Ausdrucksweise von Adrian McKinty finde ich oft genial, weiß aber nicht, wie gut die Sprache in der Übersetzung rüberkommt.



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  • Zitat

    Original von Buchdoktor
    Mach uns nur heiß auf den zweiten Band. Gibt es sogar schon ungekürzt bei audible.


    ;-)


    Und der Sprecher ist soooo genial...


    :heisseliebe


    *Hörprobe*

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Von Adrian McKinty sprechen viele Leser mit Begeisterung und einem Leuchten in den Augen. Er schreibt Krimis die dem Sub-Genre der Hardboiled-Noir zugeordnet werden können und in diesem Bereich gehört er zu den Besten seines Fachs. Ich hab noch nichts von ihm gelesen und die Neuerscheinung "Der katholische Bulle" war die ideale Gelegenheit mich mit ihm und seinem Erzählstil vertraut zu machen.


    Bereits die ersten zwei Kapitel lösten bei mir überschwänglichen Enthusiasmus aus! Wahnsinn was er auf bloss 68 Seiten für eine spannungsgeladene Atmosphäre schaffen kann. Einen Zeitsprung drei Jahrzehnte zurück in die Ära der Achziger Jahre, das schwierige Leben im Ballungszentrum Belfast und die schiere Wucht des gnadenlosen Nordirlandkonflikts sind so authentisch erzählt das mich die Geschichte regelrecht überrollte. Das McKinty gut ist habe ich erwartet, aber mit einem solch emotionalen Feuerwerk an realen und harten Szenen zu Beginn hat er mich überrascht.



    "Wir werden keine Vereinbarungen mit dem Lumpenpack in den H-Blocks tolerieren. Mrs Thatcher und die britische Regierung werden unseren Zorn zu spüren bekommen, so wie die Amalekiter den Zorn Gottes zu spüren bekamen! So wie die Sodomiten die Früchte ihres teuflischen Handelns zu schmecken bekamen. So wie der Antichrist in Rom den Zorn der göttlichen Gerechtigkeit des Herrn zu spüren bekommen hat" brüllte Seawright mit seinem apokalyptischen Glasgower Akzent.

    Textzitat Seite 263


    Der mehrerer Jahrhunderte alte Streit zwischen den verfeindeten Katholiken und Protestanten in Irland eskalierte in der Historischen Geschichte unzählige Male und führte zu vielen Todesopfern. Im Jahre 1981 starben mehrere inhaftierte IRA-Mitglieder während ihres Hungerstreiks im Gefängnis und just in dem Moment beginnt dieser Thriller. Ein tödlicher Funke der eine Orgie der Gewalt entfachte und handgreifliche Proteste von paramilitärische Gruppierungen überzogen Nordirland ein weiteres Mal mit einer Welle von Grossdemonstrationen. In diesem Pulverfass ermittelt der katholische Detective Sergeant Sean Duffy in einem Tötungsdelikt an zwei homosexuellen Männern. Im streng gläubigen Irland sind zu diesem Zeitpunkt Homosexuelle Handlungen per Gesetz verboten. Eines der Opfer war jedoch ein bekanntes Mitglied der IRA. In den Kreisen der religiösen Fanatiker herrscht ein eisernes Schweigegesetz das Sean Duffy die Ermittlungen fast verunmöglicht. Ein Bekennerschreiben eines vermeintlichen Serienkillers passt so gar nichts ins übliche Schema. Wer und was steckt tatsächlich hinter den Mordfällen?


    Die Figur des jungen Sean Duffy der sich in diesem anarchischen Milieu erstmal behaupten und sich einen Namen machen muss ist gut gelungen. Klug und belesen, mit einem schlagfertigen Mundwerk ausgestattet sowie hie und da die Regeln brechend eckt er an und überwindet so Hindernisse die sich ihm in den Weg stellen. Konfrontationen mit sturen Exponenten löst er auf ebenso smarte wie eigenwillige Art und er wird nach und nach zum hartgesottenen Bullen.


    Leider gibt es auch zwei Punkte an diesem Kriminalroman die ich bemängeln muss. Die ständigen Abkürzungen RUC und IRA, DUP und FRU, UVF und UDA und so weiter sind verwirrend und mit der Zeit begannen sie mich zu nerven. Ich empfehle ihre Bedeutung auf einem Notizzettel aufzuschreiben und diesen als Buchzeichen zu verwenden. Die Plot bzw. die Geschichte ist wenig spektakulär und an sich keiner besonderen Erwähnung wert.


    Ganz klar, das Buch lebt von der aufgeladenen Atmosphäre und dem brisanten Umfeld in dem sie eingebettet ist und dem authentischen bis mitreissenden Erzählstil des Schriftstellers Adrian McKinty. Einige Schwächen im Verlauf der Geschichte und die zu vielen Abkürzungen führen zu Punktabzügen in der Wertung. Dieses Buch ist der Auftakt zu einer Trilogie und den zweiten Band werde ich garantiert kaufen und lesen. Wertung: 7 bis 8 Eulenpunkte.

  • Ich weiß gar nicht, wie ich auf diese Reihe aufmerksam geworden bin, ich weiß nur, daß ich gleich alle drei Teile in ziemlich kurzer Zeit weggeschnupft habe.


    Zum Inhalt haben sich meine Vorschreiber ja hinreichend geäußert, so daß ich nur noch meine Meinung ergänzen möchte:


    Adrian McKintys Roman "Der katholische Bulle" hat mich aus zwei Gründen fasziniert: Zum einen spielt er zu einer Zeit, die mir selbst nur sehr vage im Gedächtnis ist (1981 war ich doch noch arg klein), zum anderen treten die Charaktere durch ihre Glaubwürdigkeiten und Schrullen besonders hervor.


    Sean Duffy ist Katholik. In Nordirland ist das nicht selten der Fall, aber als Katholik bei der Polizei zu arbeiten und somit quasi beim Erzfeind, das schon. Und allein das ist diese Buch schon wert, daß es gelesen wird, die Niggeligkeiten, Anspielungen und Rivalitäten machen diese Geschichte vor dem historischen Hintergund der IRA Konflikte zu einem echten Lesegenuß.


    Der Leser kann jederzeit die Motive und Handlungen der Personen nachvollziehen und die Geschichte entwickelt sich schnell sehr spannend, denn was als scheinbarer Mord im Schwulenmilieu hingestellt wird, entpuppt sich schnell als eine deutlich größere Sache.


    Mir hat es prima gefallen, 10 Punkte. Mehr davon bitte.

    :lesend Anthony Ryan - Das Heer des weißen Drachen; Navid Kermani - Ungläubiges Staunen
    :zuhoer Tad Williams - Der Abschiedsstein