'Krieg und Frieden' - Band 4, Teil 2 - Kapitel 01 - 19

  • Kap. 1 - 10


    Ich finde es höchst interessant, wie Tolstoi an Hand von Ereignissen, Briefen, etc. belegt, dass die ach so großen Feldherrn gar nicht so genial sind, wie manche behaupten. Das Geschehen nimmt trotzdem seinen Lauf.

    Es hat ja schon was komisches an sich, wie der Angriffsplan der Russen nicht umgesetzt werden konnte, weil keiner an der Stelle war, an der er sein sollte. Fast schon filmreif! Sicher ist die Abstimmung wegen mangelnder Kommunikationsmöglichkeiten schwierig. Aber dieses Problem ist doch bekannt. Hätte man das nicht einkalkulieren müssen?

  • Die Kapitel mit Pierre sind mir mittlerweile die liebsten. Wer hätte das gedacht, dass das Leben in Gefangenschaft ihn so viel weiter bringt. Es hätte nicht so sein müssen. Er hätte genauso gut seine Zeit mit den Offizieren verbringen können statt mit den einfachen Soldaten. Er hätte gewisse Erleichterungen haben können. Die meisten anderen hätten das an seiner Stelle so gemacht.
    Er erfährt Wertschätzung und ist nicht mehr die Witzfigur, die er vorher war.


    Ich denke, seine Entwicklung liegt nicht hauptsächlich an dem, was er seit der Besetzung Moskaus erlebt hat. Es war schon seit langem etwas in ihm, das jetzt an die Oberfläche kommt, weswegen er sich in seinem alten Umfeld so lächerlich benommen hat. Doch jetzt tritt sozusagen sein Innenleben mit den äußeren Ereignissen in Resonanz und verstärkt sich.


    Das folgende muss ich erwähnen:

    Zitat

    Sie haben mich gefangengenommen und eingesperrt. Sie halten mich gefangen. Wer ist das: mich? Mich? Mich, meine unsterbliche Seele! Ha, ha, ha …! Ha, ha, ha …!“ lachte er, und die Tränen kamen ihm in die Augen.



    Mir kamen hier auch die Tränen in die Augen, aber nicht vor Lachen.

  • Ich finde es höchst interessant, wie Tolstoi an Hand von Ereignissen, Briefen, etc. belegt, dass die ach so großen Feldherrn gar nicht so genial sind, wie manche behaupten. Das Geschehen nimmt trotzdem seinen Lauf.

    Diesen sehr ausführlich dargelegten Gedankengang fand auch ich sehr interessant und konnte mich sehr damit anfreunden.



    Ich denke, seine Entwicklung liegtnicht hauptsächlich an dem, was er seit der Besetzung Moskaus erlebthat. Es war schon seit langem etwas in ihm, das jetzt an dieOberfläche kommt, weswegen er sich in seinem alten Umfeld solächerlich benommen hat.

    :write Pierre macht im Verlauf des Buches die größte Entwicklung - und bei mir hin von einer neutralen zu einer Lieblingsfigur.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Kap. 1 - 10

    Sicher ist die Abstimmung wegen mangelnder Kommunikationsmöglichkeiten schwierig. Aber dieses Problem ist doch bekannt. Hätte man das nicht einkalkulieren müssen?

    Ein Soldat mutmaßte doch, dass dieses Chaos Absicht einiger Generäle war. Wieder so ein Aspekt, wo das große Ganze benutzt wird, um sich persönlich zu profitieren und einem Konkurrenten (hier: Konownizyn) eins auszuwischen und diesen in Mißkredit zu bringen.


    Tolstoj bietet für diesen menschlichen Charakterzug ja zig Beispiele; über alle Nationen und Gesellschaftsschichten hinweg.

  • Mich wundert noch ein anderer Punkt:

    Napoleon zieht mit seinem riesigen Heer durch ganz Europa und Nordafrika. Er besetzt viele europäische Hauptstädte und gewinnt meiner Meinung nach auch die Schlacht bei Borodino. Dann besetzt er Moskau und hat dafür kein Konzept, so dass die Besetzung in einem Chaos mündet und das komplette Heer nicht mehr zu führen und zu bändigen ist? Irgendwie ist das alles für mich nur schwierig nachzuvollziehen. Napoleon hat sich letztlich scheinbar selbst besiegt.

  • Mich wundert noch ein anderer Punkt:

    Napoleon zieht mit seinem riesigen Heer durch ganz Europa und Nordafrika. Er besetzt viele europäische Hauptstädte und gewinnt meiner Meinung nach auch die Schlacht bei Borodino. Dann besetzt er Moskau und hat dafür kein Konzept, so dass die Besetzung in einem Chaos mündet und das komplette Heer nicht mehr zu führen und zu bändigen ist? Irgendwie ist das alles für mich nur schwierig nachzuvollziehen. Napoleon hat sich letztlich scheinbar selbst besiegt.

    Ich habe das so in Erinnerung, dass Napoleon schon ein Konzept hatte, nämlich das gleiche wie bei der Einnahme der anderen Hauptstädte. Nur passte dieses Konzept nicht zu einer verlassenen Stadt. Darauf war Napoleon nicht vorbereitet. Auch seine Soldaten haben sich ganz anders verhalten als zuvor. Vielleicht haben die sich auf ein Leben in einer pulsierenden Stadt gefreut. Aber damit war ja dann schließlich nichts.

  • Mit dem späteren Wissen aus dem Buch meinst Du? Klar, vorwegnehmen will man ja nichts. Bei diesem inhaltsreichen Buch ist es sicher auch noch genauso schwierig, nach einiger Zeit alles in die richtigen Leseabschnitte sortieren zu können.


    Ich fand es beim Lesen gestern aber interessant, dass der dritte Teil des vierten Buches fast genau mit meinen Worten startete. Ich wollte Tolstoj zuerst schon vorwerfen, dass er so einen zentralen Punkt lediglich schwammig erklärt hat. Aber er lieferte dann ja noch recht ausführliche Erklärungen.