'Krieg und Frieden' - Band 3, Teil 1 - Kapitel 11 - 22

  • Der Anfang dieses Abschnittes, meine Ausgabe Zweiter Band, Erster Teil, Kapitel XI, Seite 852:


    „Fürst Andrej war Pfuel kaum mit den Augen bis zur Salontür gefolgt, als Graf Bennigsen hastig eintrat; er nickte Bolkonskij zu, gab, ohne stehenzubleiben, seinem Adjutanten rasch noch einige Befehle und ging ins Kabinett.“




    Relativ zu Beginn die Selbsterkenntnis von Rostow, daß alle, die von Kriegserlebnissen erzählen, eigentlich lügen (also sehr ausschmücken), ihn eingeschlossen (S. 860). Und dann geht es wirklich in den Krieg. Auch hier bewundere ich wieder die Erzählkunst von Tolstoi, der solche Ereignisse dermaßen anschaulich beschreiben kann, daß das fast schon ein Film ist.


    Und er zeigt auch die andere Seite von „Heldentaten“ auf, indem Nikolai durchaus Selbstzweifel hat (S. 871): „Und was für eine Angst er hatte! Er dachte, ich würde ich totschlagen. Was hätte ich davon gehabt? Mit zitterte ja der Arm. Und jetzt kriege ich das Georgskreuz dafür. Nein, ich verstehe die ganze Geschichte nicht.“


    In Moskau ist Natascha inzwischen krank, heute würde man wohl sagen, psychosomatisch bzw. psychisch verursacht. Und die Ärzte tun alles - daß sie weiterhin Honorar kassieren können. Na ja, solches soll es auch heute noch geben.


    Wirklich interessant fand ich die Überlegungen von Pierre zur Johannesoffenbarung und der sechshundertsechsundsechzig, die er am Ende sogar auf sich bezieht. Ob das ein versteckter Hinweis des Autors auf spätere Geschehnisse im Buch ist?!


    Wie die Welt funktioniert (damals wie wohl auch heute) dann am Ende des Abschnitts, als der Kaiser Adel und Kaufmannschaft besucht, um Mittel und Soldaten zu requirieren. Wenn es nicht so ernst wäre, könnte ich mich darüber köstlich amüsieren.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Gleich zu Beginn schildert Tolstoi die Beratung im russischen Kriegsrat. Das erinnert mich zuletzt irgendwie an den babylonischen Sprachenwirrwarr. So ganz ohne Ironie ist das auch nicht. Andrej hört etwas verständnislos zu. Er zweifelt am Sinn einer vorausgeplanten Kriegsstrategie.

    Napoleon hat es leichter. Er ist in erster Linie Feldherr und zwar der einzige, während in Russland viele mitreden.

    Relativ zu Beginn die Selbsterkenntnis von Rostow, daß alle, die von Kriegserlebnissen erzählen, eigentlich lügen (also sehr ausschmücken), ihn eingeschlossen (S. 860).Und dann geht es wirklich in den Krieg.

    Tolstoi beschreibt die Veränderung in Nikolais Gefühlsleben im Laufe der Kriegshandlungen: zuerst verspürt er Freude beim Geräusch der Gewehrkugeln, dann hat der die richtige Intuition für einen Angriff und dann kommen die Zweifel.

    Auch hier bewundere ich wieder die Erzählkunst von Tolstoi, der solche Ereignisse dermaßen anschaulich beschreiben kann, daß das fast schon ein Film ist.

    Und das auch in so Nebensächlichkeiten wie die Szene in der Dorfwirtschaft.

  • In Moskau ist Natascha inzwischen krank, heute würde man wohl sagen, psychosomatisch bzw. psychisch verursacht. Und die Ärzte tun alles - daß sie weiterhin Honorar kassierenkönnen. Na ja, solches soll es auch heute noch geben.

    Es wird hier auch klar, dass Tolstoi keine hohe Meinung von Ärzten hat. Ziemlich modern kommt mir die Einstellung vor, dass eine Krankheit nicht bei allen Menschen gleich ist.


    Was Natascha letztendlich hilft, ist die Zeit. Und Gebet und Gottesdienstbesuche sind so etwas wie Psychotherapie für sie.


    Ich frage mich, was das für eine Beziehung zwischen Pierre und Natascha ist. Klar, Pierre ist verliebt in sie und das ist ihm auch klar. Aber wie ist es umgekehrt? Er genießt höchstes Vertrauen bei ihr. Er tut ihr unheimlich gut. Aber geht es bei ihr nicht auch schon weiter? Pierre ist kein Mann, in den man sich in den ersten Block verliebt.

    Pierre versteckt seine Gefühle, weil er verheiratet ist. Aber sollte er nicht auch Bedenken haben, weil Natascha die Ex-Verlobte seines besten Freundes ist? Kann er sich sicher sein, dass der das schon verwunden hat?

  • Wirklich interessant fand ich die Überlegungen von Pierre zur Johannesoffenbarung und der sechshundertsechsundsechzig, die er am Ende sogar auf sich bezieht.

    Ich muss gestehen, ich habe tatsächlich nachgerechnet.:grin Und mich dann auch gleich verrechnet, ich habe das ausgelassene e nicht mitgezählt. Dann habe ich mich gewundert, dass man von 42 Monaten auf 42 Jahre schließt. Da wird mir deutlich, wo die Tücken bei diesen Zahlenspielen liegen. Zur Not baut man noch einen Rechtschreibfehler ein, damit es passt. Dass Pierre das alles auf sich bezieht, dass er überhaupt auf die Idee kommt, die Rechnung mit seinem Namen zu versuchen, klingt nach Selbstüberschätzung. Aber wenn man einen Sinn in seinem Leben sucht, kommt man vielleicht auf solche Gedanken.

    Mal schauen, was im Jahr 1812 noch alles passiert.

  • Petja, der weinende Krieger!

    Dabei ist er doch noch ein Kind. Das zeigt Tolstoi so schön in der Szene, als er in der Massenansammlung droht unterzugehen. Ein Küster kümmert sich um ihn, er nennt ihn den Kleinen. Dann bekommt er einen erhöhten Platz auf einer Kanone, von wo er besseren Blick auf den Kaiser hat. Das erinnert mich an Situationen, in denen man sein Kind auf die Schultern setzt, damit es besser sehen kann. Köstlich! Und gleichzeitig auch traurig. Seinem Vater bleibt nichts anderes übrig, als einzuwilligen und wenigstens einen möglichst ungefährlichen Einsatzort für ihn zu suchen.

  • Ich frage mich, was das für eine Beziehung zwischen Pierre und Natascha ist. Klar, Pierre ist verliebt in sie und das ist ihm auch klar. Aber wie ist es umgekehrt? Er genießt höchstes Vertrauen bei ihr. Er tut ihr unheimlich gut. Aber geht es bei ihr nicht auch schon weiter?

    Tja, wie das mit den beiden weiter geht, habe ich mich auch schon gefragt. Zumal Pierre ja zu allem Überfluß auch noch verheiratet ist...

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • In den orthodoxen Kirchen sind doch Ehescheidungen möglich, zumindest in bestimmten Fällen.

    Unter bestimmen Bedingungen ist in der Orthdoxie wohl eine Scheidung möglich, wie > hier zu lesen ist < . Inwieweit diese bei Pierre zutreffen bzw. noch eintreten, bleibt abzuwarten.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)