'Krieg und Frieden' - Band 1, Teil 1 - Kapitel 18 - 28

  • Speziell im Fall von Maria denke ich, dass sie die Ehe zwischen Andrej und Lisa als gottgewollt angesehen hat. Deshalb war sie der Meinung, dass man Gott um Hilfe bitten könne.


    Ansonsten denke ich, dass die jungen Leute so erzogen wurden, dass eine Ehe nur nebensächlich mit Liebe zu tun hat. Sie haben es von klein auf so erlebt und als sebstverständlich verinnerlicht.

    Auf diese Weise machte Macht und Geld durchaus attraktiv. Das soll es ja heute noch geben. Außerdem fühlten sie sich der Familie verpflichtet. Vermutlich hat man den jungen Leuten eingeredet, dass sich die Liebe schon mit der Zeit einstellen werde.

    Hauptsache es waren erst einmal Erben gezeugt, dann gingen sie ja oft getrennte Wege.

    Nicht umsonst hat man sie sehr früh verheiratet, so dass nichts, genauer niemand, dazwischen kommen konnte.

    Und wenn es dann doch schief ging, hat man sich anderweitig beholfen.


    Junge Leute hatten ja auch kaum die Möglichkeit, eine Liebesbeziehung weiter als bis zum ersten Sichverlieben gedeihen zu lassen. Treffen zu zweit waren nicht möglich. War die Beziehung den Eltern nicht genehm, wurde sie unterbunden, wenn doch, wurde sehr schnell geheirate, so dass das eigentlich Kennenlernen erst im Laufe der Ehe stattfand.