'Düsteres Verlangen' - Seiten 186 - 280

  • Die Höhlensequenz fand ich spannend, auch wenn der Kampf mit dem Riesenfisch mir etwas zu viel des Guten war. Soweit ich gegoogelt habe, kommen sie übrigens in Südostasien/Komoren und in großer Tiefe vor.
    Also nicht in SchweizerHöhlenseen.
    Das die Frau des Kartographen ihnen geglaubt hat, kann schon sein, junge Männer, vielleicht Lehrlinge die im Archiv arbeiten....
    Im Großen und Ganzen finde ich das Buch sehr unterhaltsam, es liest sich auf jeden Fall gut, auch wenn einiges ziemlich unrealistisch ist. Die Höhlenerlebnisse zum Beispiel und der Kampf mit dem Fisch.

  • Ich schließe mich wieder einmal vorbehaltslos RickundMolly an, die es für mich immer am besten auf den Punkt bringt! :)


    Die Eltern der Zwillinge kann ich nicht verstehen, ebensowenig Konrads Rucksackabenteuer in der Höhle, nachdem er dem Tod gerade mehr schlecht als recht von der Schippe gesprungen ist. Victors Interesse an der Alchemie und die Zuneigung zu Elisabeth nehmen langsam manische Züge an, was ich ganz gut und überzeugend finde, aber es ändert nicht soviel dran, dass die handelnden Personen eben noch Teenager sind und als solche von Meinung zu Meinung hüpfen und eigentlich aus jeder Mücke ein Elefant gemacht wird.


    Die Wechsel zwischen Kinder- und Jugenbuch und einem eher philosophisch angehauchten Roman machen mich stellenweise ganz kirre und ich komme mir vor wie ein Gummiball beim lesen. Eine eindeutige Altersempfehlung könnte ich hier niemals aussprechen. Es hat (leider) von allem etwas, von jedem ein bißchen und das ist recht anstrengend für mich und nimmt dem Buch die Überzeugung.

  • Zitat

    Und der Titel des Buches ergibt nun auch richtig Sinn. Da könnte man nun in verschiedene Richtungen interpretieren..


    Also mir gefällt der Titel überhaupt nicht. Irgendwie kann der alles bedeuten aber für ein Jugendbuch-Abenteuer finde ich ihn absolut unpassend und es ist mir unklar ob damit Victors diverse Wünsche gemeint sind - Elizabeth als sein Eigentum, den Bruder gesund machen, eine Weltberühmtheit zu werden mit einer Erfindung. :gruebel Wahrscheinlich schon. Mir gefällt er jedenfalls nicht. Klingt eher nach einer Liebesschmonzette oder nach Fürst Dracula. :grin

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Kinder des Aufbruchs - Claire Winter


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Zitat

    Die Wechsel zwischen Kinder- und Jugenbuch und einem eher philosophisch angehauchten Roman machen mich stellenweise ganz kirre und ich komme mir vor wie ein Gummiball beim lesen. Eine eindeutige Altersempfehlung könnte ich hier niemals aussprechen. Es hat (leider) von allem etwas, von jedem ein bißchen und das ist recht anstrengend für mich und nimmt dem Buch die Überzeugung.


    Das geht mir genauso. Die Geschichte gefällt mir noch immer sehr gut, ist aber nicht richtig stimmig. Als Victor, Conrad und Elizabeth auf Quastenflosserjagd gehen hat man das Gefühl mit einer Gruppe frisch gebackener Teenager auf Abenteuerreise zugehen, doch wenn die Zwillinge sich am Ende des Abschnitts wegen des Mädchens an die Kehle gehen wirken sie auf mich wie vollkommen erwachsene Männer. Auch Elizabeth wechselt zwischen dem kleinen Mädchen und der erwachsenen Frau. Unter diesem hin und her leidet die Geschichte.


    Die Jagd nach dem Quastenflosser war spannend, hätte aber gut noch ein paar Zwischenfälle vertragen können. Es läuft auch für meinen Geschmack alles ein wenig zu glatt in "Düsteres Verlangen". Konrad war viel zu schnell wieder fit für eine fordernde Höhlenexpedition, bei Victors alchemistischen Exerimenten gibt es keine Fehlschläge oder die Gefahr aufzufliegen im heimatlichen Schloss, die unleserliche Karte führte fast fehlerfrei durchs Labyrinth, für jeden Notfall hat einer der Abenteurer die passende Lösung im Gepäck und der Quastenflosser wird rechtzeitig erlegt damit man das Öl noch vor Toresschluss zu Polidori bringen kann.


    Auch das Henry ebenfalls in Elizabeth verliebt ist, aber sofort selbstlos jeden Anspruch zurückzieht, ist ein bisschen vorhersehbar und langweilig. Die junge Dame ist mir zu sehr auf die Bedrürfnisse der Herren abgestimmt (wild und abenteuerlustig für Victor, fromm und liebenswürdig für Konrad,kreativ und poetisch für Henry). Etwas mehr eigene Persönlichkeit für die weibliche Hauptrolle wäre schön.

    "Bücher haben eine Seele. Keiner muss die Seele eines Buches suchen. Die Seele des Buches findet den Leser. Das tut sie immer!" - Die wundersame Geschichte der Faye Archer

  • Zitat

    Die junge Dame ist mir zu sehr auf die Bedrürfnisse der Herren abgestimmt (wild und abenteuerlustig für Victor, fromm und liebenswürdig für Konrad,kreativ und poetisch für Henry). Etwas mehr eigene Persönlichkeit für die weibliche Hauptrolle wäre schön.


    Ja, das stimmt. Ich finde sie irgendwie auch etwas verschwommen gezeichnet. Eigentlich finde ich, nur Victor hat einen eigenen, sich stetig entwickelnden interessanten Charakter. Konrad ist einfach nur der "Gute".

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Kinder des Aufbruchs - Claire Winter


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Zitat

    Original von hollyhollunder
    Ja, das stimmt. Ich finde sie irgendwie auch etwas verschwommen gezeichnet. Eigentlich finde ich, nur Victor hat einen eigenen, sich stetig entwickelnden interessanten Charakter. Konrad ist einfach nur der "Gute".


    Das stimmt, die anderen sind irgendwie alle ein bisschen blass, vor allem Konrad und Henry

  • Die Geschichte nimmt auf jeden Fall richtig Fahrt auf, alles geht Schlag auf Schlag, leider bleibt hierbei die Realität ein wenig auf der Strecke, aber das wurde hier ja bereits von anderen dargelegt.


    Mir gefällt Victor als Figur mittlerweile sehr gut, er ist in sich zerrissen, weiß selbst nicht genau, was er will und was mit ihm los ist (im Bezug auf Elizabeth, auf Konrad etc). Dadurch, dass er die Hauptperson ist, erfahren wir natürlich viel über ihn und lernen vor allem seine Schwächen kennen. Henry und Konrad bleiben hier sehr blass, Konrad ist einfach "der Gute", Henry der ruhige, ängstliche Dichter. Außerhalb dieses Rollenbildes erfahren wir leider nichts.
    Elizabeth wird zumindest differenzierter dargestellt, auch ihr wiederholtes Schlafwandeln, ich wundere mich, was das zu bedeuten hat und welchen Grund es dafür gibt.

  • Dieser Abschnitt hat mir jetzt nicht so gut gefallen und ich habe auch den Eindruck, dass sich der Autor irgendwie beeilen wollte und Dinge, Erklärungen überspringt. Komisch, kann es sein, das sich oft im 3. Kapitel rausstellt, ob ein Buch gefällt, den Anforderungen genügt, logisch, spannend oder sonst was ist, der Autor die Spur hält???


    Was mir nicht ganz klar ist, wieso ist das Wasser in den Höhlen angestiegen, woher und warum so schnell???? Draußen war doch eigentlich schönes Wetter, sie wollten picknicken, also kann es nicht durch Regen und auch nicht durch Gezeiten (See) sein, hm??
    Obwohl die Geschichte jetzt an Tempo und Spannung zunimmt, verliert sie für meinen Geschmack aber an Realität und wirklich gruseliger Frankenstein-Spannung, das geht mir alles zu hoppeldihopp und das Gefühl für den Mythos mag sich bei mir nicht so recht einstellen.


    Das alle, die Eltern, Henry, anscheinend schon von der Liebe zwischen Konrad und Elizabeth wussten nur Victor nicht, wird gerade mal so nebenbei erwähnt und mit begleitenden Kirchgängen begründet. Hier fiel es dem Autor sicher schwer, keine Liebesgeschichte, sondern eher einen Abenteuerroman zu schreiben, um nicht zu langweilen, aber etwas Erklärung, Gefühl, wäre nicht schlecht gewesen. Mir fehlt somit auch hier, die Bindung von Konrad –Elizabeth-Victor besser einordnen zu können und nicht nur ein kurzer Moment indem sie sich raufen.


    Der Abschnitt mit der Beschaffung zu den Plänen und die Jagd auf den Quastenflosser, fand ich insgesamt zu lang und den komischen Zufall, dass alle das gleiche Buch des Vaters, über Besuche in Höhlen gelesen haben und so zufällig, unabgesprochen jeder etwas anderes für die Tour mitgenommen hat, an den Haaren herbeigezogen.


    Die Eltern scheinen gegenüber ihren Kindern sehr großzügig zu sein, sei es mit Ausgang oder Bestrafung.


    Ich habe zwei Jungs im Alter der Zielgruppe und ich bin gespannt was sie zu dem Buch sagen, aber ich fürchte, hier müssten mehr Action oder Magie, Zauberei oder mystische Dinge und ein paar Cliffhanger rein, die einen antreiben weiterlesen zu wollen.

  • Den schnell steigenden Wasserspiegel in der Höhle könnte durch Schmelzwasser begründet sein. Da Schloss Frankenstein am See in der Nähe eines Gebirges liegt könnten tauende Gletscher die Erklärung sein. Sowas soll ja regelrechte Sturzbäche/fluten auslösen können, also eventuell auch einen See in einem Höhlensystem schlagartig überfliessen lassen.

    "Bücher haben eine Seele. Keiner muss die Seele eines Buches suchen. Die Seele des Buches findet den Leser. Das tut sie immer!" - Die wundersame Geschichte der Faye Archer

  • Die Romantik passt irgendwie nicht in die Geschichte. Die drei benehmen sich wie Kinder, ich schätze sie auf 12 oder 13 (ich weiß gar nicht mehr, ob das Alter genannt wird?) und dann reden Konrad und Elizabeht von ewiger Liebe und Hochzeit? Unrealistisch und unpassend.


    Die Höhlenszene fand ich auch unrealistisch. Dass sie den Quastenflosser so schnell gefunden haben, dass sie von dem Wasser keine bleibenden Schäden davontragen, etc.


    Und wie ihr schon angemerkt habt, dieser Wechsel in der Altersklasse. Ein Frankenstein-Prequel ist eigentlich nur etwas für die, die das Original kennen. Die werden sich bei diesem Buch aber langweilen und ärgern, weil es so unrealistisch ist (dieses Wort gebrauche ich gerade eindeutig zu oft, aber es stimmt leider). Die Figuren sind zu blass und Victor ist mir zu eintönig wild. Den Figuren fehlt die Tiefe.


    Bisher kann ich sagen: guter Anfang mit stetigem Abfall, die Geschichte lässt nach, die Figuren sind zu blass und sonderlich gut geschrieben ist es auch nicht. Da hätte ich gerade von einem Kenneth Oppel mehr erwartet... :-(

  • Zitat

    Original von FaerieGirl
    Und wie ihr schon angemerkt habt, dieser Wechsel in der Altersklasse. Ein Frankenstein-Prequel ist eigentlich nur etwas für die, die das Original kennen. Die werden sich bei diesem Buch aber langweilen und ärgern, weil es so unrealistisch ist (dieses Wort gebrauche ich gerade eindeutig zu oft, aber es stimmt leider).


    Ich finde, man kann es wunderbar lesen, ohne je was von Frankenstein gehört zu haben (habe ich natürlich, aber im Detail habe ich mich mit der Geschichte nie befasst).
    Das hier ist für mich einfach ein nettes Jugend-Abenteuer-Buch.

  • Zitat

    Original von Gronik


    Das stimmt, die anderen sind irgendwie alle ein bisschen blass, vor allem Konrad und Henry


    Das sehe ich auch so, Konrad und Henry sind fast nur angedeutete Figuren ohne spürbares Innenleben.
    Elizabeth ist schon etwas besser, aber durch die konsequente Außenbetrachtung durch Victor kommt sie auch zu kurz. Sie wäre vielleicht die interessantere Hauptfigur gewesen.


    Bei Victor als Ich-Erzähler habe ich die allergrößten Probleme, da er in keinster Weise dem späteren Victor Frankenstein ähnelt, der er in Mary Shelleys Buch sein wird. Dort wirkt er verschlossen und kalt, nur von der Wissenschaft besessen.
    Ich finde, Kenneth Oppel hätte diese Veranlagung auch schon der Geschichte des jungen Victor Frankenstein andeuten sollen.

  • Zitat

    Bei Victor als Ich-Erzähler habe ich die allergrößten Probleme, da er in keinster Weise dem späteren Victor Frankenstein ähnelt, der er in Mary Shelleys Buch sein wird. Dort wirkt er verschlossen und kalt, nur von der Wissenschaft besessen. Ich finde, Kenneth Oppel hätte diese Veranlagung auch schon der Geschichte des jungen Victor Frankenstein andeuten sollen.


    Das finde ich interessant, denn den Shelley-Roman habe ich (Schande über mich) nicht gelesen.
    Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass er durch einschneidende negative Erlebnisse in den nächsten Jahren eine Entwicklung macht, die Shelleys Charakter näher kommt. Misserfolge, verschmähte Liebe oder ähnliches sind für seinen komplizierten egomanisch veranlagten Charakter sicherlich Einflüsse, die ihn verhärten und kalt werden lassen könnten. Ich finde Viktor wirklich nicht schlecht gezeichnet in diesem Buch. Im Sinne von, der Autor hat sich Mühe gegeben, ihn nicht eindimensional wirken zu lassen. Im Gegensatz zum Rest seines Ensembles. Leider kranken Jugendbücher oft daran, dass zu wenig Zeit und Liebe auf die Persönlichkeiten und zu viel Wert auf Aktion gelegt wird.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Kinder des Aufbruchs - Claire Winter


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Der Dialog zwischen Victor und Elizabeth am Ende des letzten Abschnitts ist im Gegensatz zu anderen sehr gelungen, da er trotz der Heftigkeit und Leidenschaft mit der er geführt wird, zu einer Aussprache zwischen ihnen führt. Das Schlafwandeln Elizabeths und ihre nächtlichen Ausflüge zu Victors Schlafzimmer interpretiert er zu seinen Gunsten. Das halte ich für nachvollziehbar, dass Elizabeth im leichtsinnigen, impulsiven Charakter Victors tatsächlich etwas findet, das ihr bei dem ruhigen Konrad fehlen könnte.
    Offenbar hat Elizabeth Konrad den aufgezwungenen Kuss berichtet. Dass führt zu einem „banalen“ Duell zwischen den Brüder führt. Damit hat Elizabeth, ob bewusst oder unbewusst, heraufbewirkt, dass um sie gekämpft hat. Folglich gehört sie dem Gewinner? Das ist ja eigentlich das, was sie ablehnt. Sie will nur sich selbst und Gott gehören.

  • Zitat

    Original von RickyundMolly
    Was Henry in der Geschichte überhaupt soll frag ich mich allerdings auch langsam.


    Henry ist in dem Original-Frankenstein dabei und wird dort als Jugendfreund Victors bezeichnet. Also musste er wohl zwangsläufig auch bei Oppel dabei sein, selbst wenn er keine große Rolle hat. Dabei hätte man viel aus der Figur herausholen können.


    Zitat

    Original von hollyhollunder


    Das finde ich interessant, denn den Shelley-Roman habe ich (Schande über mich) nicht gelesen.


    Vielleicht ist es für die Leser von Düsteres Verlangen besser, wenn sie Mary Shelleys Buch nicht kennen. Sonst wüssten sie, wie es mit einigen der hier handelnden Personen ausgeht, wenn sie später mal auf das Monster treffen. :grab

  • Zugegebenermassen tue ich mich immer schwerer mit der Geschichte, auch mit der Einordnung dieser.


    An sich ist sie eher wie ein Abenteuerroman für Kinder und Jugendliche geschrieben, dazu würde ja auch dieser etwas überzogene Kampf mit dem Quastenflosser noch passen. Dann aber die plötzlich beginnende Liebesgeschichte und der Zwist der Brüder wegen Elisabeth - wobei ich hier sowieso denke, dass Victors Beweggründe eher Neid und Missgunst sind als echte Liebe zu Elizabeth.


    Ich meine mich zu erinnern, dass die Teenager in etwa 15 Jahre alt waren, zum Zeitpunkt der Geschichte oder ? Da von Hochzeit zu sprechen :gruebel war auch für die damalige Zeit noch etwas früh oder ?

  • Ich komme zur Zeit nur langsam voran, was aber nicht an der Geschichte liegt, sondern an meiner wenigen Zeit (Todesfall, viel Arbeit) und meiner Müdigkeit.


    Ich bin gerade da, wo die drei in die Tiefe steigen um den Quantenflosser zu fischen.
    Ich bin gespannt.
    Und sauer- auf Victor. Dieser hinterhältige Schweinehund (so würde es mein vater ausdrücken). Sich hinten rum an die Freundins eines Bruders ran machen!

  • Zitat

    Original von Nightflower
    Was ich seltsam fand war, dass die Frau von Temerlin bzw dessen Witwe ihnen geglaubt hat, dass sie die Karten für ein Archiv wollen. Immerhin sind das noch Kinder!


    .


    Ich denke nicht, dass sie ihnen geglaubt hat.
    Das war wohl nur zur eigenen Beruhigung.