'Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown' - Seiten 188 - 292

  • Armer Henry... als die Mutter den fluchtunwilligen Robert eilig mit sich zerrt, bleibt er in einem Keller zurück, macht Bekanntschaft mit einem Rattenzahn und gerät sozusagen in Kriegsgefangenschaft.
    Mir hat sehr gut gefallen, wie es Anne gelungen ist, die zunächst völlig abwegig erscheinende Annäherung zwischen Henry - oder besser gesagt: Ole Olé *g* - und Friedrich zu malen. Fast gegen seinen Willen erkennt Henry, dass auch Deutsche Menschen sind. In seiner Naivität und trotzdem auf schlimme Weise zutreffend teilt er die Menschen in 3 Kategorien ein: Leute wie Friedrich und Marlene, Nazis und Juden. Gemeinsam mit Friedrich und "Gürkchen" Guri sind ihm in Norwegen noch einmal einige Tage vergönnt, die man fast idyllisch nennen könnte. Bis Friedrich getötet wird. Die Zeit mit Marlene zeigt uns die Schrecken des Krieges nun auch einmal aus deutschem Erleben. Nachdem sie und das Baby verschollen sind, beginnt eine der für mich weniger faszinierenden Passagen. Aber man muss sich mE vor Augen halten, dass es vermutlich genauso, wie Anne es geschildert hat, in den meisten Familien damals ausgesehen haben dürfte: Verlorene Familienangehörige, Kampf um das Überleben, Hoffnung, dass es doch Kriegsheimkehrer oder Lebenszeichen vermisster Familienangehöriger gibt.

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Ich hab keine Lust, zu suchen, welche Seite, bitte?
    Gestrickte für Kinder bestimmt.
    Anderes müsste man googlen...

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Ich hab auf die Schnelle das hier gefunden:
    http://land-der-erfinder.de/?tag=strumpfhose
    Strumpfhosen gabs wohl schon lange, aber nur für Männer, für die sie zuerst erfunden wurden (lief nicht Robin Hood auch in so etwas rum?).
    Nee, mir fallen manchmal auch solche Sachen auf, und dann frag ich nach.
    Da gibt es ja bei Filmen eine ganze Wissenschaft dazu. Ob die Leiche in der Dusche bei Hitchcock noch mit den Wimpern zuckte oder so :grin

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

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  • Seidenstrümpfe für Damen mit Strumpfhaltern gab es zu Zeiten vor der französischen Revolution schon. Strumpfhosen? Keine Ahnung. Berühmt ist das Bild von Marlene Dietrich Ende der 20iger aus dem blauen Engel, das sind aber auch Strumpfhalter Seidenstrümpfe.

  • Henry ist jetzt von einem deutschen Soldaten namens Friedrich oder Fritz
    (das verwirrte ihn zunächst, da man von den Deutschen insgesamt oft als "Fritz" sprach, ebenso wie man in Deutschland von den Engländern als "Tommies" sprach)
    gefunden und mitgenommen worden. Er verbrachte einige Zeit in dessen Tornister, bis er gefunden und "Ole" getauft und als Geschenk für Friedrichs Frau Marlene bestimmt wurde. Im Laufe der Zeit beginnt Henry, Fritz zu mögen. Deshalb ist er auch nicht weiter traurig, als die Frau bei einem Besuch Henry in Fritzens Rucksack schmuggelt, obwohl er eigentlich ein Geschenk für sie gewesen war. So reist er mit Fritz nach Norwegen, wo Fritz als Besatzungssoldat in einer kleinen Familie untergebracht wird. Er wohnt in einem eigenen Häuschen und freundet sich bald mit der kleinen Guri an, die ihm Norwegisch beizubringen versucht und gern mit "Ole" spielt, während ihm die restliche Familie vorerst distanziert gegenüber steht. Mit der Zeit kommt man sich näher, lediglich ein Onkel von Guri bleibt weiterhin feindselig. Henry erlebt mit, wie Fritz getötet wird. Einen letzten Liebesdienst erweist Guris Mutter dem Toten, indem sie dafür sorgt, dass "Ole" an die Witwe, die ein Baby erwartet, gesandt wird, obwohl ihre eigene Tochter ihn gern behalten hätte.
    Das Baby wird ein kleines Mädchen, Charlotte. Eines Tages werden Marlene, Charlotte und Henry bei einem Bombenangriff verschüttet. Er selbst wird nach einiger Zeit gefunden, Marlene und Charlotte nicht. Er kommt zu Verwandten aufs Land. Die Familie versucht, Marlene und Charlotte über den Suchdienst des Roten Kreuzes zu finden, aber von dort erhalten sie nur wenig Hoffnung.


    Ich bin weiterhin voll im Geschehen drin und vom Buch begeistert.

    Mögen wir uns auf der Lichtung am Ende des Pfades wiedersehen, wenn alle Welten enden. (Der Turm, S. King)


    Wir fächern die Zeit auf, so gut wir können, aber letztlich nimmt die Welt sie wieder ganz zurück. (Wolfsmond, S. King)


    Roland Deschain

  • Tante Wiki sagt zum Thema Strumpfhose folgendes:


    Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts


    Die Pantalons des späten 18. Jahrhunderts wurden im 19. Jahrhundert zu fußlosen langen Unterhosen, so dass man sagen kann, dass im 19. Jahrhundert keine Strumpfhosen getragen wurden. In den zwanziger bis vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts nähten Tänzerinnen Schauspielerinnen mitunter ihre Nylonstrümpfe an die Unterhose an, aber es gab keine industrielle Fertigung.[7] Die Firma Glen Raven brachte 1959 die ersten panty hose aus synthetischen Fasern auf den Markt. [8][21] 1956 hatte bereits Ernest Rice ein entsprechendes Patent eingereicht, das 1958 genehmigt wurde, was zu Rechtsstreitigkeiten führte.[22]


    Ich erinnere mich, in meiner Kindheit seltsame "Leibchen" getragen zu haben, an die die gestrickten Strümpfe drangeknöpft wurden.....grauenvoll!

  • Ich denke, Anne hat recht. Henry erzählt das Ganze in unserem Jahrhundert, nachdem er bei Isabelle im nächsten Kapitel diverse Einblicke in die Welt junger Damen gewonnen und daraus auch gewisse Schlüsse gezogen hat.
    Unter den Rock wird er Marlene kaum geschaut haben. :grin

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Er weiß ja, was sich gehört - ein echter Gentleman eben!


    Das Kapitel in Norwegen hat mir ganz besonders gut gefallen - die schwierige Situation darzustellen, dass sich zwischen dem Besatzer-Soldaten und der ihn gezwungenermaßen aufnehmenden Familie eine Annäherung ergibt, ein gewisses Verständnis für die Situation des Anderen, das ist gut gelungen.

  • @ Rumpelstilzchen: :write
    Auch die schwierige Situation von Ingvild Haugom, der Mutter der kleinen Guri, wird anschaulich geschildert. Trotzdem muss ich ehrlich gestehen, dass die Schicksale von Henry und Friedrich trotzdem für mich immer im Vordergrund gestanden haben. :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Vielleicht hat es mich deshalb so berührt, weil ich vor kurzem eine Novelle zum gleichen Thema gelesen habe - le silence de la mer, die eine ganz andere Geschichte erzählt.


    Zu Henrys Erkenntnis, dass es im Leben eines Bären keine Gerechtigkeit gibt, kann man nur hinzufügen, dass es die im Leben der Menschen leider auch nicht gibt.

  • Zitat

    Original von Rumpelstilzchen
    Vielleicht hat es mich deshalb so berührt, weil ich vor kurzem eine Novelle zum gleichen Thema gelesen habe - le silence de la mer, die eine ganz andere Geschichte erzählt.


    Zu Henrys Erkenntnis, dass es im Leben eines Bären keine Gerechtigkeit gibt, kann man nur hinzufügen, dass es die im Leben der Menschen leider auch nicht gibt.


    Gibt es dazu schon eine Rezi?
    Und was den zweiten Abschnitt angeht: Immerhin können wir Menschen im Gegensatz zu Teddybären doch gelegentlich ein wenig Einfluß auf unser Schicksal nehmen. Wir sind in den seltensten Fällen dazu verurteilt, den uns entgegen kommenden Flammen hilflos ausgeliefert zu sein, wir können alle 4 Jahre ein Kreuzchen auf einem Wahlzettel machen ...

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Liebe Eulen,


    Jetzt, wo ihr alle "Zwischen den Fronten" angekommen seid, kann ich euch folgendes verraten: Die Geschichte von Friedrich ist für mich der vielelicht persönlichste Teil des Buches. Nicht nur, weil ich eine besondere Beziehung zu Norwegen habe und lange dort gelebt habe. Sondern auch, weil die Figur Friedrich sehr von meinem Großvater inspiriert ist. Er kam als Wehrmachtssoldat nach Norwegen (vermutlich war das sein Glück) und war für zwei Jahre dort stationiert. Die Briefe, die Friedrich an seine Marlene schreibt, sind bis auf wenige kleine Änderungen den Originalbriefen meines Opas an meine Oma entnommen.
    Im Gegensatz zu Friedrich hat mein Großvater allerdings überlebt und kam unversehrt aus Norwegen zurück.


    Was mich an dieser ganzen Geschichte immer wieder fasziniert und mich auch ein bisschen sprachlos zurücklässt, ist die Naivität mit der viele Soldaten (so auch er) mit ihrer Situation umgegangen sind. Er war wohl einfach froh, dass es ihn nicht nach Russland verschlagen hat. Dafür, dass er sich den Norwegern gegenüber schuldig gemacht hat, hatte er offenbar kein Bewusstsein. Leider konnte ich ihn nicht mehr dazu befragen.


    Die Erkennungsmarke mit der kleinen Schildkröte, die Ingvild im Päckchen mit Henry an Marlene zurückschickt, gibt es noch heute - mein Bruder nimmt sie immer als Talisman mit auf Reisen.

  • @maikäfer, ich schaue mal, ob das überhaupt auf deutsch erschienen ist.
    es geht darum, dass ein deutscher offizier, der sehr gut französisch spricht, von frankreich auch ganz fasziniert ist, in einer französischen familie einquartiert ist. die sprechen kein wort mit ihm.
    edit: "das schweigen des meeres" unter dem pseudonym vercors bei diogenes edit 2. ich habe hier keine rezi gefunden.



    @ anne - wie schön, dass dein großvater zurückkommen konnte! ich kann die erleichterung der jungen soldaten gut verstehen. sie hatten es in norwegen vergleichsweise gut und viele konnten dort der grausamen seite des krieges für lange zeit entgehen und längst nicht alle waren begeisterte nazis. viele sind in den krieg gezogen, weil es so befohlen war - auf allen seiten.
    wie viel unheil die deutsche wehrmacht aber gerade in norwegens norden angerichtet hat, habe ich auch erst erfahren, als ich dort war.


    ich finde, man merkt dieser geschichte an, dass sie dich selber sehr berührt hat.


  • Ja, die sind mir gerade auch eingefallen und immer waren die verzogen und rutschten.


    Ne Strumpfhosen gab es damals noch nicht, man kennt das doch aus vielen filmen und Bücher, die Damen damals waren wild nach den ersten Nylonstrümfen die die Alliierten aus den USA einführten.