Benjamin Alire Sáenz: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums [ab 14]

  • Benjamin Alire Sáenz: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums
    Thienemann Verlag 2014. 384 Seiten
    ISBN-13: 978-3522201926. 16,99€
    Vom Verlag empfohlen ab 14
    Originaltitel: Aristotle and Dante discover the Secrets of the Universe
    Übersetzerin: Brigitte Jakobeit


    Verlagstext
    Dante kann schwimmen. Ari nicht. Dante kann sich ausdrücken und ist selbstsicher. Ari fallen Worte schwer und er leidet an Selbstzweifeln. Dante geht auf in Poesie und Kunst. Ari verliert sich in Gedanken über seinen älteren Bruder, der im Gefängnis sitzt. Mit seiner offenen und einzigartigen Lebensansicht schafft es Dante, die Mauern einzureißen, die Ari um sich herum gebaut hat. Ari und Dante werden Freunde. Sie teilen Bücher, Gedanken, Träume und lachen gemeinsam. Sie beginnen die Welt des jeweils anderen neu zu definieren. Und entdecken, dass das Universum ein großer und komplizierter Ort ist, an dem manchmal auch erhebliche Hindernisse überwunden werden müssen, um glücklich zu werden! In atemberaubender Prosa erzählt Sáenz die Geschichte zweier Jungen, die Loyalität, Freundschaft, Vertrauen, Liebe – und andere kleine und große Geheimnisse des Universums entdecken.


    Der Autor
    Benjamin Alire Sáenz (* 16. August 1954) schreibt Lyrik und Prosa für Erwachsene und Jugendliche. Allein goodreads.com verzeichnet 25 Bücher des Autors. Er wurde für seine Bücher für Erwachsene mit dem PEN/Faulkner Award und dem American Book Award ausgezeichnet. Auch seine Jugendbücher, darunter „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“, erhielten zahlreiche Auszeichnungen. Er unterrichtet Kreatives Schreiben an der University of Texas in El Paso.


    15 zu sein ist brutal, schmerzvoll und verwirrend


    Aristoteles Mendoza
    Alter: 15 Jahre
    Interessen: sein Hund, sein Pick-Up, sein Nebenjob
    Wohnort: El Paso/Texas/USA
    Identität: mexikanisch
    Geschwister: 2 erwachsene Schwestern, 1 erwachsener Bruder, der im Gefängnis sitzt
    Mutter: Lehrerin
    Vater: Vietnam-Veteran
    Zeit der Handlung: 1987


    Dante Quintana
    Freund von Aristoteles
    Interessen: Kunst und Zeichnen
    Wohnort: El Paso/Texas/USA
    Identität: mexikanisch
    Geschwister: keine
    Vater: Literaturprofessor
    Mutter: Psychotherapeutin


    Aristoteles, genannt Ari, findet es peinlich, mit 15 immer noch Nichtschwimmer zu sein. Im Schwimmbad begegnet er Dante, der die Peinlichkeit einfach aus der Welt schafft. Dante bringt Ari das Schwimmen bei. Beide Jungen sind Kinder von Einwanderern aus Mexico. Ihre Eltern sind zu Recht stolz darauf, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen ein Studium abgeschlossen haben und wollen für ihre Kinder "das Beste". Die neuen Freunde entdecken Gemeinsamkeiten, sie sind offenbar die einzigen jungen Amerikaner, die ohne Fernsehen aufwachsen. Ari bemerkt aber auch sofort, dass Dantes Familie offen und humorvoll miteinander spricht, während in seiner Familie die wirklich wichtigen Themen verschlossen und verschwiegen werden: das Kriegstrauma seines Vaters und sein Bruder Bernardo, der im Gefängnis sitzt. Beide Jungen sind auf ihre Art Außenseiter. Aristoteles wird durch den Vornamen seines Großvaters zur Lachnummer in der Schule. Der Junge hat keine Freunde und weiß auch nicht, wie er es anstellen sollte, Freunde zu finden. Dante zeichnet leidenschaftlich gern und will später Künstler werden. Ein Junge wie er findet nur schwer Gesprächspartner unter Gleichaltrigen. Beide sind in einem Alter, in dem der Körper auf beängstigende Art aus dem Ruder läuft und man sich einfach elend fühlt. Seit Ari mit Dante befreundet ist, sieht er seinen Vater mit völlig anderen Augen und will nicht mehr hinnehmen, dass in seiner Familie eisern über den Krieg und über Bernardo geschwiegen wird. Die ruhige Freundschaft zwischen Ari und Dante gerät durch einen schweren Unfall und Dantes zeitweiligen Umzug nach Chicago in sehr unruhiges Fahrwasser.


    Als Dantes Vertrauen in Ari groß genug ist, will er seinen Freund seine Zeichnungen ansehen lassen. Für Ari ist diese Geste noch viel zu intim, hat er nicht gerade erst Abstandsregeln eingeführt, damit andere ihm nicht zu nahe kommen können? Neben seinem peinlichen Nichtschwimmer-Dasein ist Ari auch der einzige Junge an der Schule, der noch kein Mädchen geküsst hat, meint Gina. Dieses Problem ist sehr viel schwerer zu lösen als das Schwimmen; denn wen soll Ari küssen, ein Mädchen oder einen Jungen? Die zahlreichen Wegkreuzungen, an denen beide Jungen wichtige Entscheidungen treffen müssen, beschreibt Benjamin Alire Sáenz mit bewundernswertem Verständnis für die Nöte der Pubertät. Das miteinander Reden in all seinen Variationen charakterisierte von Beginn an die Beziehung der Freunde: Reden beim locker Rumhängen, Reden als rhetorisches Kräftemessen, als Philosophieren über das Universum an sich oder als Austausch persönlichster Gedanken und Gefühle. Beim Reden kann man Wörtern eine ganz neue Bedeutung geben.


    Fazit
    Ein trauriges, rührendes, witziges Buch, in das die Leser am besten ganz spontan eintauchen. Ein Buch für Jungen - wünsche ich mir.


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    Zitat
    Ich überlegte, wo er wohl das Zeichnen gelernt hatte. Plötzlich war ich neidisch auf ihn. Er konnte schwimmen, er konnte zeichnen und war zufrieden mit sich. Und ich fragte mich, warum manche Leute mit sich zufrieden waren und andere nicht. Vielleicht war es einfach so.“ (Seite 85)


    10 von 10 Punkten

  • Hach, was für ein Buch! :-]


    Da bedauere ich es fast wirklich, dass ich keine Rezensionen mehr schreibe. Weshalb ich hier auch ganz stümperhaft meine Begeisterung zum Ausdruck bringen will. Das ist ein Roman, dem ich ganz viele Leser wünsche.


    Das Hauptthema ist die Freundschaft. Sehr schön dargestellt. Zwei Außenseiter treffen aufeinander und sie lernen sich kennen und mögen.


    Witzige Dialoge, Tiefgang, zarte Passagen, die nicht in Kitsch abdriften und eine in meinen Augen wirklich authentische Darstellung, was es heißt (heißen kann) 15 Jahre alt zu sein und das total beknackt zu finden. Hormonüberschussalter eben.


    Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls überzeugt mit einer frischen Schreibweise. (Ich-Perspektive im Präteritum) Ohnehin sollte man nicht viel quatschen, sondern das Buch selbst für sich sprechen lassen mit einigen der wirklich zahlreich vorhandenen, tollen Textstellen:


    "Ich wollte die Worte im Mund spüren, wenn ich sie laut aussprach. Worte waren manchmal wie Essen – man spürte sie im Mund. Sie schmeckten nach etwas. „Mein Bruder ist im Gefängnis.“ Diese Worte schmeckten bitter. Das Schlimmste aber war, dass sie in mir lebten. Und sie sickerten aus mir heraus. Worte waren nichts, was man kontrollieren konnte. Nicht immer."


    „Meine Eltern hielten Händchen. Ich hätte gern gewusst, wie es ist, jemandem die Hand zu halten. Ich konnte mir vorstellen, dass man manchmal alle Geheimnisse des Universums in der Hand eines anderen entdecken konnte.“


    „Manchmal glaube ich, ich verheimliche vor mir selbst, worüber ich wirklich nachdenke. Das ergibt eigentlich keinen Sinn, aber für mich schon.“


    „Er betrachtete den Hagel. „Sieht aus wie wütender Schnee“, sagte er.“


    „Lachen gehörte auch zu den Geheimnissen des Lebens.“


    „Es tat gut zu lachen. Am liebsten hätte ich gelacht und gelacht und gelacht, bis ich ein anderer gewesen wäre.“


    „Ich hatte das Gefühl, dass irgendwas nicht mit mir stimmte. Wahrscheinlich war ich mir selbst ein Rätsel. Das war ätzend. Ich hatte ernste Probleme.“


    Für mich eindeutig ein 10-Punkte-Buch!