'Und unter uns die Welt' - Seiten 374 - Ende

  • Zitat

    Original von PMelittaM



    Dass Christian sich scheiden lassen wollte, bedeutet ja nicht unbedingt, dass eine andere Frau dahinter steckte, sondern erst einmal nur, dass er nicht glücklich in seiner Ehe war. Immerhin hat er sich dann ja zunächst anders entschieden. Ich finde, eine andere Frau zu erfinden ist schon eine große Füllung für diese Lücke.


    Also statistisch gesehen trennen sich vor allem die Männer auch heute noch meistens, weil sie eine andere Frau gefunden haben. Wer sich damals den Stress einer Scheidung antat, hatte sehr oft diesen Grund. Mir schien das Ganze deshalb sogar sehr naheliegend.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    IN der Stille der Polarnacht - Greer Macallister

    Schattengold - Christian Handel


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Zitat

    Original von hollyhollunder
    Ich fand das Briefe schreiben so ähnlich wie Tagebuchschreiben. Nur dass man jemanden zum Ansprechen hat. Also nicht.... liebes Tagebuch, sondern lieber Christian. Und bei Lil war ja auch nie ein neuer Mann in Sicht, also hat sie einfach an ihrer Liebe festgehalten. Das Briefe schreiben hat sicherlich befreit.
    Das sowohl ihre als auch seine Briefe nicht ankamen war natürlich dramatisch überhöht. Aber ich fand es gerade schön.


    Wie mich überhaupt die Sprache und die Art, wie hier erzählt wurde, sehr an "Die Vermessung der Welt" erinnert hat.


    Liebe Holly,
    genau das wollte ich ausdrücken: dass sich hier zwei Menschen schreiben, die nicht nur ineinander verliebt waren, sondern die sich im jeweils anderen erkannt haben. Die einen Menschen gefunden haben, der einem ähnlich ist, der einen versteht. Dem man alles sagen - oder eben von der Seele schreiben kann.

  • Zitat

    Original von Büchersally


    Arietta
    Ich sage nicht, dass es keine Scheidungen gab, aber doch sehr viel weniger als heute. Es war eben nicht üblich, dass eine Ehe wieder aufgelöst wurde. Die Statistiken enthalten Zahlen von ca. 1/4 der heutigen Summe. Momentan sind wir bei rund 50 %, also wären es vor dem Krieg ungefähr jede 8. Ehe gewesen, die scheiterte. Ich glaube aber auch, dass es einige Ehen gab, die trotz Unstimmigkeiten einfach weiter bestehen blieben. Das hing ganz gewiss von der Intensität des Dorftratsches ab.



    Aber auch weil die Frauen damals zum größten Teil abhängig von ihrem Mann waren, so mussten sie wohl oder übel an der Seite eines ungeliebten Partners bleiben. Heute dagegen sind die Frauen selbstständig und voll Berufstätig und können sich scheiden lassen. Es gab sehr viele unglückliche Ehen damals nur würde das vor der Öffentlichkeit unter den Teppich gekehrte.

  • Zitat

    Original von Maiken


    Liebe Holly,
    genau das wollte ich ausdrücken: dass sich hier zwei Menschen schreiben, die nicht nur ineinander verliebt waren, sondern die sich im jeweils anderen erkannt haben. Die einen Menschen gefunden haben, der einem ähnlich ist, der einen versteht. Dem man alles sagen - oder eben von der Seele schreiben kann.



    Ich glaube Christian und Lil haben sich aufrichtig geliebt, sie waren Seelenverwandt. Ich könnte mir sehr gut vorstellen dem Mann meiner Träume, Briefe zu schreiben, sie könnten darin sehr schön ihre wahre Gefühle und Sehnsüchte ausdrücken. Ganz gleichwohl sie ankommen oder nicht. Ich mochte Cristian und Lil sehr auch wenn sie vielleicht nur fiktiv ist.

  • Da ich eine derjenigen war, die die fiktive Liebesgeschichte kritisiert haben, möchte ich mich (etwas spät ;-) ) noch zu Wort melden:


    Meine Kritik bezieht sich vor allem darauf, dass das Buch damit beworben wird, dass es sich um die Lebensgeschichte von Christian handelt. Ich habe also zwar keinen Anspruch, eine Biographie zu lesen, aber eben doch eine Nacherzählung seines Lebens "im Grunde nach". Dass da die ein oder andere Sache der Story wegen dazuerfunden oder weggelassen wird, gebongt. Aber eine so essentielle Veränderung stört mich dann eben. Dann ist es nicht seine Lebensgeschichte, sondern die Lebensgeschichte IRGENDEINES Menschen, der MÖGLICHERWEISE das erlebt hat. Oder auch nicht. Eben eine zeitgeschichtliche Erzählung, aber nicht DIE Lebensgeschichte. Vielleicht ist hier auch einfach mal wieder der Verlag derjenige, der Klappentext und Inhalt nicht eins zu eins passend lektoriert hat. :gruebel

  • Also wie eine Biographie habe ich das Buch nicht gelesen. Dazu passiert zuviel anderes - und damit meine ich nicht unbedingt Lil. Den Klappentext nehme ich inzwischen nicht mehr so ernst bei Büchern. Der verdreht oft den Inhalt. Der wird ja leider auch nicht vom Autor verfasst.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    IN der Stille der Polarnacht - Greer Macallister

    Schattengold - Christian Handel


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Zitat

    Original von hollyhollunder
    Also wie eine Biographie habe ich das Buch nicht gelesen. Dazu passiert zuviel anderes - und damit meine ich nicht unbedingt Lil. Den Klappentext nehme ich inzwischen nicht mehr so ernst bei Büchern. Der verdreht oft den Inhalt. Der wird ja leider auch nicht vom Autor verfasst.


    Das stimmt, Holly! Leider.
    Offiziell heißt die Bezeichnung von Büchern wie meinem Romanbiographie - wie du vermutlich weißt. Für diejenigen, die den Begriff noch nicht kannten: Das ist eine Mischung aus Roman und Biographie (wie der Name ja sagt;)) und diese Mischform ist derzeit so gefragt, dass das Bücher Magazin in seiner nächsten Ausgabe einen Schwerpunkt dazu plant. Mir war das, als ich "Und unter uns die Welt" geplant habe, gar nicht so klar. Aber ich habe schnell festgestellt, dass es GENAU DIE ART ist, in der ich meine Geschichte erzählen wollte!


    Natürlich habe ich - einer Romanbiographie entsprechend - bestimmte Dinge fiktionalisiert. Einige Figuren und Szenen haben einfach nur Symbolcharakter, etwa wenn Hermann Göring meinem vierjährigen Vater den Zeppelin aus der Hand nimmt und ihm erklärt, dass die Zukunft mit den Flugzeugen sei. Die Nazis haben Zeppeline gehasst. Zeppeline waren kriegsuntauglich, konnten im geplanten 2. Weltkrieg keine Städte bombardieren, sie standen für Handel, Vergnügungsreisen und Völkerverständigung.

    Die Figur der Lil haben mein Vater und ich nach bestem Wissen und Gewissen entwickelt. Ich wollte eben auch nicht nur eine Geschichte über heldenhafte Männer schreiben. Dazu waren die 20er und 30er Jahre zu voll mit heldenhaften Frauen!


  • Ich finde, das mit dem Denkmal ist Dir gut gelungen, für mich war die Zeit perfekt widergegeben. Einerseits mit den Hoffnungen und Chancen, andererseits immer noch mit Einschränkungen, gerade für Frauen und dann schon wieder überschattet durch die Weltwirtschaftskrise und das 3. Reich.


    Danke nochmal für die Erläuterungen, für mich passt auch, dass Rink als Kind weggeben wurde und ich freu mich, dass der Kontakt später wieder auflebte.


    Das war auch mein Monatshighlight aus dem Oktober.


  • Danke, Geli! :knuddel1

  • Zitat

    Original von n8eulchen
    Für mich ist Christian keineswegs unbedingt tot, da die Leiche verwester hätte sein müssen, wie es beschrieben wurde. Ich glaube, er hat sich womöglich doch etwas ausgedacht und auch zwecks Flugzeugabsturz getrickst, um nicht mehr im Krieg mitmachen zu müssen und Lil doch am Geheimtreffpunkt treffen zu können. Für mich ist es daher ein sehr offenes Ende, was von beiden Möglichkeiten nun der Fall ist. Das hat mir leider nicht so gefallen, dass ich als Leser jetzt die Qual der Wahl habe und nicht mit der Sicherheit abschließen kann, wie es für die beiden ausgegangen ist.


    Mir gefällt gerade dieses offene Ende recht gut. Auf der einen Seite kann ich mir nicht vorstellen, dass er Mietsch und Rink einfach so verlassen hätte, dafür liebt er seinen Sohn einfach zu sehr und ich denke, vor allem nach dem Unglück der Hindenburg wurde ihm gezeigt, wie wichtig die Zeit mit seinem Sohn ist. Auf der anderen Seite wünscht man sich natürlich ein "Happy End" für Lil und Christian. Mit diesem Ende gibt es zwar die theoretische Möglichkeit, dass Christian noch lebt - die Umstände seines Todes sind zumindest so wie sie hier geschildert wurden, ja wirklich mysteriös - aber eben auch die Möglichkeit, dass er seine Familie nicht im Stich gelassen hat. Beides ist möglich, ohne dass Christians Charakter dadurch inkonsequent wirkt.


    Zitat

    Original von streifi
    Was mir auch noch einen Schauer über den Rücken gejagt hat, war das Datum, an dem Lil in Pearl Harbour ankommen will um auf Christian zu warten.


    An der Stelle musste ich auch erst einmal schlucken. Von mir aus hätte es hier auch gerne noch weitergehen können, wobei es natürlich konsequent ist mit Christians Tod zu enden. Mir hat der Schreibstil des Romans so gut gefallen, dass ich gerne noch weiter gelesen hätte.


    Ich gehöre eher zu der Fraktion, die gut damit leben kann, dass Lil nur fiktiv ist. Ich finde diese Lücke sehr gut gefüllt und fand auch Lils Geschichte der Emanzipation ungemein interessant. Recht geben muss ich den Kritikern hier die der Meinung sind, dass der Klappentext eine "wahre Lebensgeschichte" verspricht, ich würde das aber auch eher dem Verlag anlasten. Ich glaube zwar, dass der Roman auch super ohne die Liebesgeschichte funktioniert hätte, finde aber dass diese den Roman vielschichtiger macht, da eben auch die Zeppeline von "außen" besser beschrieben werden und nicht nur die Sicht von Christian. Vielleicht hätte man es eher als auf der Lebensgeschichte basierend bewerben sollen, dann wären vielleicht die Erwartungen an die Korrektheit nicht ganz so hoch gewesen.


    Alles in allem hat mich der Roman sehr gut unterhalten und ich bin auch immer wieder gerne zu Lil und Christian zurückgekehrt, auch wenn das Unglück der Hindenburg immer im Hintergrund gelauert hat. Meine Rezi folgt beizeiten.

    :lesend Tad Williams; Der Drachenbeinthron

    :lesend Andreas Suchanek; Aurafeuer (eBook)

    :lesend Robert Galbraith; The Ink Black Heart (Hörbuch: Robert Glenister)

  • So seit heute morgen bin ich durch.
    Irgendwie bin ich mit dem Ende nicht so ganz warm geworden, was aber nicht heißt das es mir nicht gefallen hat nur irgendwie hat mir was gefehlt.
    Christian überlebt die Hindenburg Katastrophe und trifft sich mit Lil, nur ihm ist jetzt auch klar dass er zu seiner Familie gehört und ja trennt sich von Lil.
    Diese sucht ihn dann doch als schon Krieg ist und steht dann vor seinem Grab.


    Nicht das mir das Buch nicht gefallen hat, aber ich muss das gelesene jetzt erstmal sacken lassen bevor ich mich an die Rezension mache. Mal sehen ob ich sie heute noch einstelle oder doch erst morgen.

  • Inzwischen bin auch ich Leseschnecke am Ziel angekommen... :wave Aber ich kann mich eigentlich nur wiederholen: ich bin froh, dass ich trotz einigen Hindernissen an der LR dran geblieben bin. ;-) Ich hätte wirklich etwas verpasst, wenn ich das Buch nicht gelesen hätte!


    Mir haben die Sprache und die Lebendigkeit, mit der die Geschichte erzählt wurde, überaus gut gefallen. Ich finde gerade die Vermischung von Fakten und Fiktion in diesem Falle perfekt gelungen. Ich wusste relativ früh, dass Lil nicht wirklich existiert hatte (ich weiss gar nicht mehr genau woher :gruebel). Ob es mich gestört hätte, wenn ich es erst zum Schluss erfahren hätte, kann ich gar nicht sagen. :gruebel Mir gefällt aber besonders die Vorstellung, dass die Autorin zusammen mit ihrem Vater ein mögliches Szenario ausgetüftelt hat. Gerade der Vater konnte gut einschätzen, was Christian getan haben könnte.


    Der Schluss selber ist bei mir ganz anders angekommen als bei den meisten hier. :wow Für mich was das Ende überhaupt nicht offen (wobei mir der Gedanke äusserst gut gefällt ;-)). Ich war tief erschüttert, dass Christian gefallen war. Lil hat sich dann so an den Gedanken, dass sie sich am Strand von Oahu wiedertreffen wollten, festgehalten, dass mir schon mulmig zumute war, bevor ich gelesen hatte, dass ihr Rückkehrdatum nach Pearl Harbor für den 07. Dezember vorgesehen war. Sollte sich also ihr gemeinsames Schicksal doch noch in Oahu erfüllen? Sie wären dann ja beide wieder im Tode vereint. ;-(


    Für mich ist es jedenfalls viel plausibler, dass Christian gefallen ist. So wie wir Leser ihn kennengelernt haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass er sich so aus dem Staub macht und seine Familie im Stich lässt. Das passt überhaupt nicht zu dem Bild, das wir von ihm bekommen haben. Sicher, er war kein Heiliger - er hat ja schliesslich seine Frau betrogen. Aber er war immer fair und ehrlich.


    Maike, du hast mir mit deinem Buch wunderbare und intensive Lesemoment geschenkt und das Buch gehört definitiv zu meinen Jahreshighlights! Vielen Dank dafür! :knuddel1




    Edit lässt ausrichten, dass mein Leseeindruck in Kürze folgen wird! :wave

    Lesen ist ein grosses Wunder

    Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Ayasha ()

  • Der Brand und Absturz der Hindenburg war ganz grandios beschrieben.
    Ich war gefesselt und ziemlich erschüttert. Schrecklich.


    Auch ich war am Schluß hin-und hergerissen, wie ich es nun finden soll, dass Lil fiktiv war.
    Aber nachdem ich nun aller Erklärungen und Anmerkungen von Maiken gelesen habe, finde ich die Idee, Lil als die große Liebe mit in den Roman einzubauen, sehr schön und absolut gelungen.
    Die Umstände um den Tod und das Auffinden der Leiche von Christian waren wirklich verwirrend, alles erscheint möglich ( obwohl ich auch nicht denke, dass der Christian aus dem Buch seinen eigenen Tod inszenieren würde - aber wir wissen ja nicht, was der tatsächliche Christian vielleicht getan hat ) - von daher lasse ich in meinem Kopf alle Möglichkeiten offen........aber ich denke, so ein Wiedersehen am Strand würde mir gefallen. ;-) An das Datum und Pearl Harbour mag ich dabei nicht denken. :-(


    Auch wenn ich sehr lange für das Buch gebraucht habe, hat es mir wirklich richtig gut gefallen. :anbet
    Ein hochinteressantes Thema wurde sehr, sehr schön umgesetzt.