'Wilder Winter' - Seiten 072 - 136

  • Tja, dass Hap und Leonard hier über den Tisch gezogen werden sollen, war ja vorherzusehen (und zumindest Leonard wird diese Meinung teilen). Ich bin ja gespannt, wie sie da wieder rauskommen. Und Trudi möchte ich wirklich schütteln und anschreien - auch wenn es nichts bringen wird. Die hat ja eine verschobene Selbstwahrnehmung - sie scheint zu den Frauen zu gehören, die sich selbst hervorragend etwas einreden können und es dann auch selbst glauben.


    Zur Orientierung: Ich bin mal in der ländlichen Gegend gewesen, in der ich als Kind viel unterwegs war. Ging gar nicht mehr. Innerorts ja, Wälder und Wiesen allerdings gar nicht, erstens hatte sich da so viel verändert (Natur ist da erbarmungslos - das wird für diese Feuchtgebiete noch verstärkt gelten), zweitens ist die Wahrnehmung da eine andere - als Kind achtet man auf andere Dinge als als Erwachsener. Insofern finde ich das schon ziemlich glaubwürdig dargestellt.


    Was den Titel angeht - Wilder Winter ist sicher nicht die wörtliche Übersetzung, funktioniert aber schon. Und die gerettete Alliteration ist wirklich sehr schön. Ich mag solche Stilmittel. In Summe: Gelungen.


    Ach ja, der Idealismus. Ich kann heute auch nicht mehr mit derselben Inbrunst meine Einstellungen als Teenager vertreten. Die Richtung ist geblieben, aber es ist doch vieles abgemildert, das Bild durch Lebenserfahrung korrigiert. Ich denke, auch in der Hinsicht ist Hap ein gelungener Charakter, der zwischendrin erwachsen geworden ist.

  • Das liest sich ja weg wie nix :lache
    Ach, ich mag Leonard immer noch gern. Hap kann ich so schlecht einschätzen, da er der Erzähler ist.


    Ich dachte wirklich, Paco könnte man trauen, aber da hab ich mich wohl vertan. Was für eine krasse Geschichte, dass er der Anführer der Untergrundorganisation war und man glaubt, dass er tot ist. Ist es überhaupt möglich, dass man so schwer verletzt überlebt?


    Jetzt ist ziemlich eindeutig, dass Trudy Hap einfach nur benutzt hat. Warum hat er nicht auf seinen Freund gehört? Er muss doch langsam wissen, dass sie nur Unglück bringt und ihn ausnutzt, wo sie nur kann.


    Ich fand die Suche nach dem Auto und dann nach dem Schiff sehr beklemmend. Ich hätte mich da niemals runter getraut. Erst mal wegen der Klälte und dann, weil man nichts sehen kann. Wer weiß, was sich da noch alles so rum treibt :yikes


    Zitat

    Original von xexos
    Ich wunderte mich die ganze Zeit darüber, dass Hap den Ort seiner Kindheit kaum noch wiedererkennt. Wenn er da jahrelang rumgelaufen ist, müsste er sich doch eigentlich erinnern können? :gruebel


    Nicht unbedingt. Ich habe auch ein ähnliches Orientierungsvermögen, das auch bekannte Orte bei fehlender Auffrischung vergisst :lache


    Zitat

    Original von Clare


    Ich denke auch, dass man vieles nicht mehr wiedererkennen kann, schon von der Perspektive her, die sich seit der Kinderzeit verändert hat.


    Ich bin letztens einen Weg gegangen, den ich zuletzt als Schulkind gegangen bin. Als ich da war, dachte ich mir, dass das unmöglich sein könnte, denn früher war das immer viel weiter. Ja, es verändert sich ganz viel, wenn man älter und vor allem auch größer wird. Die Perspektive wird anders und so erkennt man manche Dinge erst etwas später (oder in meinem Fall auch mal gar nicht ;-))


    Zitat

    Original von Clare


    Kann man solche Ideale, diesen Geist einer Sturm- und Drangzeit, über die vielen Jahre retten, und muss oder sollte man das? :gruebel
    Menschen verändern sich, und das ist auch gut so. Die Ziele werden andere, vielleicht. Und ich finde das auch nicht schlimm. Manche Veränderung ist das auch einfach dem Fortgang der Zeit geschuldet.
    Oder wie seht ihr das?


    Es kommt auf die Ideale an. Man könnte auch einfach anders herangehen. Wie in diesem Fall, da soll ja alles so weiter gehen wie damals, obwohl es nicht gut ausgegangen ist. Da hätten sie schon dazu lernen können.
    Manchmal merkt man auch einfach, dass das Ideal, das man als Jugendlicher oder junger Erwachsener hatte, heute totaler Unsinn ist. Aber mir scheint Trudy nicht erwachsen geworden zu sein. Sie hält an der alten Zeit fest, wohl, weil sie da besonders glücklich war? Keine Ahnung.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Zitat

    Original von Booklooker
    Das liest sich ja weg wie nix :lache



    Es kommt auf die Ideale an. Man könnte auch einfach anders herangehen. Wie in diesem Fall, da soll ja alles so weiter gehen wie damals, obwohl es nicht gut ausgegangen ist. Da hätten sie schon dazu lernen können.
    Manchmal merkt man auch einfach, dass das Ideal, das man als Jugendlicher oder junger Erwachsener hatte, heute totaler Unsinn ist. Aber mir scheint Trudy nicht erwachsen geworden zu sein. Sie hält an der alten Zeit fest, wohl, weil sie da besonders glücklich war? Keine Ahnung.


    Das kam in der Serie gut rüber. Dort hat Trudy sinngemäß gesagt, dass sie ein ehrenhaftes Ziel braucht, an das sie glauben kann, auf das sie hinarbeiten kann, sonst würde sie im Leben keinen Sinn sehen.

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    "Es hat alles seine Stunde und ein jedes seine Zeit, denn wir gehören dem Jetzt und nicht der Ewigkeit."

  • Zitat

    Original von Booklooker



    Es kommt auf die Ideale an. Man könnte auch einfach anders herangehen. Wie in diesem Fall, da soll ja alles so weiter gehen wie damals, obwohl es nicht gut ausgegangen ist. Da hätten sie schon dazu lernen können.
    Manchmal merkt man auch einfach, dass das Ideal, das man als Jugendlicher oder junger Erwachsener hatte, heute totaler Unsinn ist. Aber mir scheint Trudy nicht erwachsen geworden zu sein. Sie hält an der alten Zeit fest, wohl, weil sie da besonders glücklich war? Keine Ahnung.


    Ich meine nicht, dass man sich total verändern soll, seine Ideale als unrealistisch begraben. Ich denke allerdings, dass sich, mit wachsendem Verstand und Lebenserfahrung, der Blickwinkel ändert. Man wird realistischer, was nicht heißen muss, dass man aufgibt.

  • Ich sag ja, kommt auf das Ideal an ;-)
    Manches stellt sich im Erwachsenenalter als völliger Blödsinn hin und manches findet man immer noch so wichtig, dass man dafür kämpft.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)