'Land im Sturm' - Seiten 725 - 840

  • Nur ganz kurz, mir gefällt der Teil echt gut. Ich bin gespannt ob Ewald und Gisela es gegen alle Widerstände schaffen werden.

    Und ob Ewald den Kontakt zur Familie seines Vaters aufnimmt, an sich wäre das schön.


    Aber noch fehlt die Revolution, die war ja auch nicht ohne.

    Als es um den badischen Landtag ging, musste ich an meinen Urururgroßvater denken, der war ab 1848 Mitglied der zweiten badischen Kammer

  • Letzter Abschnitt, also nicht Leseabschnitt, sondern im Buch. Selbst wenn man nicht viel von deutscher Geschichte weiß, sollte beim Jahr 1848 zumindest etwas klingeln. Revolution - gescheiterte Revolution? Mal sehen, wie sich „unsere Familien“ da schlagen.


    Zunächst ist erfreulich, daß wir bekannten Personen begegnen. Sie leben also noch, Gero, Hedwig und ihr Sohn Ewalt.


    Die Schmiede hat sich zu einer Manufaktur ausgewachsen. Ja, Preußen betrieb seinerzeit eine etwas seltsame Eisenbahnpolitik (leider sind meine Kenntnisse deutlich geringer als meine Bibliothek zu diesem Thema), da fügt sich die Romanhandlung gut ein. Dummerweise kamen mir immer wieder zwei Namen berühmter preußischer Fabriken in den Sinn: Borsig und die „Eisengießerei und Maschinen-Fabrik von L. Schwartzkopff“, wobei letztere allerdings erst 1852 gegründet wurde.


    Jedenfalls sind die Zeiten schlecht, und es müssen Arbeiter entlassen werden. Klingt alles irgendwie sehr vertraut, wobei Gero und Ewalt anscheinend zu den eher sozial eingestellten Unternehmern jener Zeit zählen.


    Aufgefallen sind mir Ewalts Gedanken auf S. 745 zum Fortschritt. In abgewandelter Form noch heute mehr als aktuell. Allerdings stimmt es, die Eisenbahn brachte gewaltige Umwälzungen mit sich, es entstanden neue Arbeitsplätze, wohingegen viele bisherige weg fielen.


    S. 747 dann das Gegenteil zu heute: während die DB heute ein Bahnhofsgebäude nach dem andern aufgibt, weil man die zum Fahren der Züge ja nicht braucht, wird hier daran gedacht, ein möglichst repräsentatives zu Errichten. Das waren noch Zeiten (eisenbahnmäßig gesehen)!


    Und dann also das Kennenlernen von Ewalt und der Tochter des Konkurrenten - Gisela Fischer. Da laufen in diesem abschließenden Abschnitt denn alle Familienfäden wieder zusammen, zumal dann noch der Name von Falkenberg kommt. Na Prost Mahlzeit! ;-)


    Der erste Kontakt zu den von Billungs - wenn es zu einem Treffen zwischen Hedwig und Olga kommt, sind wir Leser hoffentlich dabei und erfahren nicht nur in einem Nebensatz, daß man sich getroffen hat. Olga scheint scheint sich im Laufe der Jahre positiv verändert zu haben - wenn der Eindruck stimmt, sollten da eigentlich erfreuliche Entwicklungen kommen können.


    Gleich darauf die nächste Überraschung: Jakob Grünbaum taucht wieder auf! Dabei erfahren wir dann auch noch einige Details aus der Vergangenheit und das Bild rundet sich ab. Interessant wird es zu beobachten, wie Ewalt und Aaron auf Dauer miteinander auskommen. Beide wohl nur wenige Jahre auseinander, aber doch sehr verschieden in ihren Lebensumständen und Ansichten. Das Kommunistische Manifest ist kurz vor dem Erscheinen, das Brodeln in der Bevölkerung kommt sehr deutlich durch.


    Als Ewalt dann Aaron die Fabrik zeigt, ist der doch beeindruckt. Theorie und Praxis sind halt meist doch zwei verschiedene Dinge.


    Ewalt wird sogar zu Fischers eingeladen. Der Herr Fischer macht seinen Urahn aus dem Mittelalter an Skrupellosigkeit aber alle Ehre, ob sich das vererbt hat? Seine Tochter jedenfalls hat anscheinend nichts von diesen Genen mitbekommen, sie lehnt sich gegen den Vater und die erzwungene Verlobung auf. Da dürfte noch einiges passieren, und es ist vermutlich derzeit ungewiß, wie dieser Zwist ausgeht. Jedenfalls bahnt sich da ganz offensichtlich etwas zwischen ihr und Ewalt an. Ob das gut gehen kann?


    Der feine Herr von Falkenberg bricht in Geros Fabrik ein, das sieht ihm ähnlich.


    Zum Ende des Abschnitts sind die Weichen für die Katastrophe gestellt. Tochter ungehorsam, Fischer und von Falkenberg zu allem entschlossen, auch mit ungesetzlichen Mitteln, die Revolution kurz vor dem Ausbruch.



    Es sei noch erwähnt, daß mir dieser Teil des Buches, nicht nur, weil die Eisenbahn eine Rolle spielt, bisher am besten gefällt.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)