Beiträge von AlexBerg

    Die Behörden werden halt von beiden Seiten enorm unter Druck gesetzt. Wenn jemand beispielsweise permanent zwischen Deutschland und den Ländern Syrien, Irak oder Afghanistan etc. hin- und herfliegt und dann hier einen Anschlag verübt, wird anschließend den Behörden Unfähigkeit vorgeworfen. Es gibt dort halt Ausbildungscamps, in den von Dir genannten Ländern aber nicht.


    Die Camps haben ja die Kontrollen ausgelöst und nicht umgekehrt.

    Djamal hat EINMAL den Irak besucht.


    Das Problem ist, denke ich, dass nicht mit Augenmaß agiert wird, weil in den Behörden Mitarbeiter sitzen, die mit der Situation überfordert sind.

    Ich hoffe einfach, dass es in der Realität nicht ganz so schnell geht, bis sich jemand an den IS verkauft.


    Leider geht das tatsächlich ganz schnell, das ist das dramatische und gefährliche, das haben meine Recherchen zu diesem Thema ergeben, sonst hätte ich es so nicht geschrieben.


    Zwergin fasst den Ablauf meiner Meinung nach sehr gut zusammen:

    Mir kam Djamals Veränderung sehr glaubwürdig vor. Zuerst die Reise in den Irak, die ihn zum Grübeln gebracht hat und nach noch die Behandlung durch die Behörden und dann macht Yussuf das ja auch ganz Geschickt

    Aber das Buch ist gefährlich spannend - ich hab auch drüber gelesen und gar nicht gemerkt, daß der Abschnitt schon durch ist - nu muß ich mal gucken, daß ich nicht auch noch die Nacht durch mache.... :grin

    Also in Zukunft doch lieber ein Sachbuch, damit ihr alles mitbekommt und nicht im Spannungslesesog hindurchrauscht :/?


    Nee, jetzt mal im Erst, freut mich total, dass ihr das Buch so verschlingt :)!

    Es ist alles nachvollziehbar, aber halt nicht zwingend. Schmeißt man wirklich seine ganze bisherige Erfahrung und Erziehung nach nur einer schlechten Erfahrung völlig über den Haufen? Er hätte es sich mit Kooperation halt einfacher machen können.

    Junge Erwachsene besitzen zum einen keinen großen Erfahrungsschatz, auf den sie zurückgreifen können, und was ihre Erziehung betrifft, werden sich viele (sicher nicht alle) erst mit über zwanzig deren Werte wieder bewusst. Vorher befinden sie sich hormonell in einer Ausnahmesituation, die Auflehnung und Abgrenzung fordert und eine Kooperation schon per se ausschließt.


    Edit: Und es waren ja über einen längeren Zeitraum schlechte Erfahrungen, die sich gehäuft haben und ein sich schleichend aufbauendes Misstrauen gegen "das System", in dessen Händen er sich nun befindet.

    Die Aussagen von Vivien und Djamal erschrecken mich nicht, da dies auch genau meine Sichtweisen des Themas sind.


    Aber auf Seite 120 sagt Vivien “Es ist der Preis, den wir für unser Leben im Wohlstand zahlen. Es war abzusehen, dass die Gewalt uns irgendwann erreicht.“ Soweit teile ich die Kritik am westlichen Lebenswandel. Allerdings führt Vivien dann eine Seite später aus “Wir dürfen nicht aufgeben, uns nicht dem Terror beugen. Wenn wir der Angst nachgeben, dann haben die gewonnen, die uns und unsere Art zu leben mit ihrer Gewalt zerstören wollen.“


    Der zweite Teil ist eine oft gehörte Argumentation. In Verbindung mit dem ersten Teil klingt das jedoch sehr unpassend. Im ersten Teil wurde ja gerade die Erkenntnis vermittelt, das unsere Lebensart ein Entstehungsgrund des Problems ist. Es sei denn “unsere Art zu leben“ meint einfach nur offen, gleichberechtigt, freigeistig und klammert Konsum, Welthandel und Ressourcenabbau völlig aus.

    Genau das, was du in deinem letzten Satz schreibst meint Vivien. Unsere Art zu leben - offen, freigeistig, gleichberechtigt. Ich hatte beim Schreiben gedacht, das wäre klar, dass sich ihre Aussage nur darauf bezieht.

    S


    Djamal ist also der Freund von Viviens Tochter (Nina? Sarah?) und hat plötzlich mit der Polizei zu tun. Nun, er war auf Familienbesuch im Irak. Daß der deutsche Staat da etwas verschnupft reagiert, ist irgendwo verständlich, aber eben auch - für Djamal - recht nervis.


    Ich werde morgen weiterlesen. :wave

    Ich finde es überhaupt nicht in Ordnung, dass der deutsche Staat verschnupft reagiert. Wäre er auf Familienbesuch in Frankreich, Argentinen oder selbst Russland oder China gewesen, würde kein Hahn danach krähen!

    Sowas ist ja leider authentisch, ältere Väter, gerade aus patriarchalischen Verhältnissen erklären sich auch nicht groß. Ein guter Schutz ist das aber nicht.

    Du schreibst es selbst. Thema Patriarchalische Väter. Natürlich wäre es vernünftiger, wenn Djamals Vater moderner reagieren würde, aber nicht authentisch. Da nimmt das Drama ja schon seinen Anfang.

    Genau. Es sind immer die Lauten, die, die Unfrieden stiften, die im Gedächtnis bleiben und die seitens der Populisten benutzt werden, um Stimmung gegen alles Fremde zu machen. Dabei ist die überwältigende Mehrheit der Menschen mit Migrationshintergrund genauso an einem ruhigen, deutschen Leben interessiert wie alle anderen in diesem Land.

    Ich war wie Nina im Buch total entsetzt über seine Aussage nach dem Anschlag, wie wahnsinnig schnell hat er sich bitte von Yusuf einlullen lassen. Gruselig. Allerdings macht ihn selbst so eine Aussage natürlich noch nicht zum Täter.

    Dieses Entsetzen zu erzeugen war der Plan, denn auch wenn seine Aussage auf den ersten Blick grauenhaft ist, ist sie doch nicht frei von Wahrheit. Wir schauen in unserer zivilisierten Welt oft zu wenig über den Tellerrand in die Regionen, in den solche Gewalt zum Alltag ghehört.

    Jetzt bin ich doch tatsächlich über den Abschnitt hinaus geeilt=O

    Deswegen nur so viel: Ich finde es nicht richtig, wie die Behörden mit Djamal umgehen. Terrorgefahr hin oder her, in einem Rechtsstaat wie Deutschland muss dieses Recht auch für alle gelten, inkl Unschuldsvermutung usw.

    Ja, das sollte es, aber meiner Meinung nach funktioniert das nicht mehr, wenn von Staats seiten die Hysterie zu groß wird. Ein gutes Beispiel ist Frankreich, wo die Notstandsgesetze, die eine Vielzahl von Bürgerrechten, zu denen unter anderem auch die Unschuldsvermutung zählt, nach diversen Anschlägen einfach aushebeln. Wir haben das in Deutschland nur deswegen noch nicht erfahren, weil wir hier Anschläge in diesem Ausmaß noch nicht hatten.

    Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt gefällt mir das Verhalten von Djamals Eltern nicht. Etwas mehr Kommunikation könnte hier wahrscheinlich gut tun. Aber auch Djamal selbst sollte mittlerweile eigentlich wissen, dass es in Moscheen auch Anwerbeversuche geben kann. Aber er ist ja mitunter auch nachdenklich und Yusuf gegenüber etwas skeptisch.

    Djamals Eltern beschwichtigen, versuchen den Weg der Deeskaltation. Sie leben gut und gern in Deutschland, selbst bereits als zweite Generation und haben in ihrer Jugend in der DDR diese Art der Ausgrenzung nicht erfahren. Dazu kommt, dass Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern, die nun junge Erwachsene sind, durchaus problematisch sein kann ;)


    wampy

    Djamal ist bereits die dritte Generation. Es waren seine Großeltern, die in die DDR emigriert sind.

    Es ist leichter gesagt als getan, anders geprägte Menschen nicht schlechter zu behandeln. Bei mir haben es Menschen schwerer, die durch ihr Auftreten erkennbar religiös geprägt sind. Und manche dieser Menschen machen mir Angst. Ebenso geht es mir mit der Berichterstattung, der ich in keinem Sender oder Forum wirklich vertrauen kann. Fast jede Berichterstattung ist tendenziös und wird den Interessen der betroffenen Menschen nicht gerecht. Sie führt eher dazu, den notwendigen Dialog zu erschweren, wenn nicht sogar zu verhindern.


    Das ist sicher nicht nur für dich ein Problem. Und die Berichterstattung in den Medien trägt wie du schreibst nicht immer zur Deeskalation bei. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Vorfälle der Silvesternacht In Köln. Erst später habe ich durch Kölner Bürger, nicht durch die Presse erfahren, dass es auf dem Domplatz zu Silvester schon in den Jahren zuvor regelmäßig Übergriffe auf Frauen gab und das bei weitem nicht nur von Ausländern.

    :write


    Djamal könnte ja als Beispiel für absolut gelungene Integration durchgehen, da sollte man denken, dass er nicht anfällig für solche "Verführer" wie Yussuf ist, aber ich finde es sehr realistisch, wie der Djamal quasi von der ersten Minute an einwickelt ...

    Genau dieses Problem möchte ich beleuchten: Menschen, die in diesem Land in dritter Generation leben, erfahren aufgrund ihres Äußeren Diskriminierung. Es passiert dauernd und überall in Deutschland, ob bei der Jobsuche, auf der Straße, in der Bahn ...


    Djamal ist noch sehr jung, gerade der Pubertät entwachsen, ein Alter, in dem alle Menschen nach Orientierung und Identifikation suchen, und das auch für junge Erwachsene ohne Migrationshintergrund oft sehr schwierig ist. Wie soll sich dann jemand fühlen, der sozusagen zwischen den Welten lebt? Er lässt sich trotz Bildung und allem gerade aufgrund seiner emotionalen Situation leicht fangen.

    Ist ein absolut brisantes Thema, ich habe bereits in diesem ersten Abschnitt deutlich gemerkt, wie sehr das aufwühlt und wie teilweise eine richtige Wut in mir hochstieg....

    Ich bin aber schon immer der Meinung gewesen, das es nicht nur Bücher über Liebe und andere schöne Sachen geben darf, sondern das solche Bücher in jeden Bücherschrank gehören und man sich auch ruhig damit auseinandersetzen sollte, auch wenn die Geschichte an sich fiktiv ist, bzw.die Protagonisten fiktiv sind.

    Danke für diesen Beitrag!


    Es ist nun einmal meins, über die Probleme in dieser Welt zu schreiben. Klar könnte man die Thematik auch in einem Sachbuch verpacken, aber in einem Spannungsroman mit Charakteren, mit denen es eine Identifikation geben kann, geht es meiner Meinung nach mehr unter die Haut. Und das ist mein Betreben - Menschen zum Nachdenken bringen und, ja, auch mal wütend zu machen.