Beiträge von LeSeebär

    Mein Jahreshighlight und eines der besten Bücher zum Thema Fußball, das ich je gelesen habe.


    Ein gelungener Einblick in das Leben der 'Generation Gastarbeiter' und ihrer Kinder, garniert mit einer Perspektive auf einen besonderen, jedoch in den meisten Dingen nicht unüblichen Vereinsalltag eines Amateurvereins.

    Für mich gabs den '"Bibelkurs für Fliegenfischer" von John Straley.


    Ein ödes Kaff am Ende der Welt – das ist Cold Storage in Alaska. Die Angel ins klare Wasser halten, ein Bierchen kippen, viel mehr gibt es hier nicht zu tun. Doch der erste Eindruck täuscht – vor allem seitdem Clive McMahon, der verlorene Sohn des Ortes, wieder da ist. Nach sieben Jahren Knast will er ein gesetzestreues Leben beginnen. Sein Bruder Miles hält davon nicht viel – vor allem nicht von Clives Plan, eine alte Bar neu zu eröffnen. Außerdem muss es in Cold Storage per Gesetz genauso viele Kirchen wie Kneipen geben – ein Relikt aus der feuchtfröhlichen Gründerzeit. Doch Not macht erfinderisch: Wer sagt, dass man nicht predigen und ausschenken kann? Ein geniales Konzept, mit dem Clive so einiges im Ort durcheinanderbringt …

    Ich habe zwar etwa eine Handvoll Autoren (ausschließlich Männer), bei denen ich direkt bei Neuerscheinungen nachsehe, worum es geht und auch eher geneigt bin, mal etwas abseits meines 'Beuteschemas' auszuprobieren, aber im großen und ganzen geht es bei mir in erster Linie immer um den Inhalt des Buches, nicht um den Autor.


    Es gibt tatsächlich einen bereits verstorbenen Autoren, von dem ich bis auf zwei Bücher alles gelesen habe, was veröffentlicht wurde. Eines der letzten zwei Bücher liegt noch im Sub, da aber das letzte thematisch momentan absolut nicht meins ist (das hätte ich von vielen Büchern des zu Ende gehenden Lesejahres vor ca zwanzig Jahren auch gesagt, es besteht also noch Hoffnung), wird auch dieser Autor auf absehbare Zeit nicht zur Kategorie "Lieblingsautor, von dem ich alles lese" zählen.

    Konklave
    Robert Harris
    Heyne / Random House
    HC, 350 Seiten
    21,99 Euro
    ISBN: 978-3-453-27072-5


    Inhalt:
    Der Papst ist tot. Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner ... Kardinal Lomeli, den eine Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstorbene Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror – oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen? Die Welt wartet, dass weißer Rauch aufsteigt...


    Autor:
    Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren. Er war Reporter bei der BBC, Redakteur beim Observer und Kolumnist bei der Sunday Times und dem Daily Telegraph. Er schrieb mehrere Sachbücher, und seine Romane Vaterland, Enigma, Aurora, Pompeji, Imperium, Ghost, Titan, Angst, Intrige und zuletzt Dictator wurden allesamt internationale Bestseller


    Meine Meinung:
    Ich habe ja schon so manches Buch zum Thema katholische Kirche gelesen, aber noch nie etwas vergleichbares. Robert Harris schildert mit großer Sachkenntnis und ebenso ausgeprägtem erzählerischem Gespür vom regelmäßig wiederkehrenden Ausnahmezustand im Vatikan. Er beleuchtet in seinem Roman die persönlichen Konflikte wie auch die Erwartungen der Welt an die Kardinäle. 'Konklave' ist aus meiner Sicht eines der großen Highlights in diesem Jahr, ich vergebe 10 Punkte.

    Ruhm und Ruin
    Imran Ayata
    Verbrecher Verlag
    HC, 195 Seiten
    19,00 Euro
    ISBN: 9783957321251


    Klappentext:
    In "Ruhm und Ruin" erzählt Imran Ayata davon, dass Fußball das Leben ist – für Spieler, Schiedsrichter, gescheiterte Jahrhunderttalente, aktive Ehrenamtliche im Verein und einen ganzen Stadtteil.


    Im Zentrum des Romans steht ein türkischer, ehemals ziemlich erfolgreicher Kiezklub. Er verkörpert die Hoffnung (oder gar Utopie) der Migranten auf ein besseres Leben in einer urdeutschen Domäne: dem Vereinswesen. Doch zwischen politischen Ansprüchen, dem Profifußball und den Ambitionen Einzelner werden viele Hoffnungen und Träume zerstört.


    Elf Menschen erzählen ihre Geschichte: vom Aufstieg und Niedergang des Vereins, von dessen Instrumentalisierung durch Politik und DFB, Rassismus auf dem Spielfeld, internen Machtkämpfen, scheinbar generösen Förderern, aber auch von Sehnsüchten und Ängsten, Fremdheit und Vorurteilen, Familie und Freundschaft. Eine Innenansicht aus dem Mikrokosmos Verein - pointiert und mitreißend geschrieben.


    Der Roman basiert auf dem Theaterstück "Liga der Verdammten", das Imran Ayata zusammen mit dem Regisseur Neco Çelik 2013 im Berliner Ballhaus Naunynstraße auf die Bühne brachte.

    Autor:
    Imran Ayata, geboren 1969 in Ulm, ist ein deutscher Autor, DJ und Fußballliebhaber. Ayata ist Gesellschafter einer Agentur für Kampagnen. Er lebt und arbeitet in Berlin. Der Mitbegründer von Kanak Attak veröffentlichte 2005 seinen Erzählband "Hürriyet Love Express" und 2011 den Roman "Mein Name ist Revolution".


    Meine Meinung:
    "Fußball funktioniert als Summe der einzelnen Teile" Ruhm und Ruin, Seite 83.


    Und um diese "einzelnen Teile" geht es in diesem Roman. Elf verschiedenen Personen berichten in jeweils eigenen Kapiteln von Ihrem Leben rund um einen kleinen, unterklassigen Verein aus einem Problembezirk einer Großstadt, in dem verschiedenste Nationalitäten, Temperamente und Perspektiven aufeinander treffen. Viele der Protagonisten befinden sich in einem ständigen Wechselbad zwischen türkischem Nationalgefühl und dem Wunsch nach Anerkennung und echter Integration in der deutschen Gesellschaft.


    Dieses Buch ist kein Beitrag zur aktuellen Flüchtlingsdebatte, aber ein gelungener Einblick in das Leben der 'Generation Gastarbeiter' und ihrer Kinder, garniert mit einer Perspektive auf einen besonderen, jedoch in den meisten Dingen nicht unüblichen Vereinsalltag eines Amateurvereins.


    "Ruhm und Ruin" ist aus meiner Sicht einer der besten Fußballromane, die ich bisher gelesen habe - und das waren nicht wenige. Von mir gibts 10 Punkte ohne Einschränkungen.


    (Edit: ISBN angefügt)

    Es ist doch irgendwie überall das gleiche.


    Der Einzelhandel steht vor dem Aus, weil immer mehr Leute ihre Einkäufe im Internet tätigen.


    Die Buchhändler stehen vor dem Aus, weil immer mehr Leute auf Reader umsteigen.


    Und die Stammtische stehen vor dem Aus, weil man seine ungeschliffene Meinung viel einfacher und gefühlt reichweitenstärker auf Facebook rausposaunen kann.

    Lesestatistik 2015


    Habe im vorigen Jahr 74 Bücher gelesen - neue persönliche Bestleistung!


    davon waren
    17,5 % eigene
    58,2 % aus der Bibliothek
    24,3 % von Bekannten etc geliehen
    -> ein weiterer Rückgang des Anteils aus den eigenen Schränken.



    Themengebiete:
    24,3 % Krimi
    18,9 % Geschichte des 20. Jahrhunderts (Belletristik)
    18,9 % Zeitgenössische Belletristik
    10,8 % Thriller
    10,8 % Sachbücher
    6,8 % Humor / Satire
    4,1 % Historisches
    4,1 % Science-Fiction
    1,3 % Kurzgeschichten
    -> deutlicher Rückgang der "Spannungsliteratur" - Krimis und Thriller machten sonst allein ca. 50% aus, dieses Mal nur 35%.



    Verlage (mit mehr als einem Titel):
    7x Piper
    6x Lübbe
    3x Diogenes
    3x S. Fischer
    3x Goldmann
    3x Kiepenheuer & Witsch
    3x Rowohlt
    3x Schöffling & Co.
    2x C.H. Beck
    2x Heyne
    2x Leda
    2x Luchterhand
    2x Ullstein
    2x Die Werkstatt
    + 31 weitere Verlage mit je einem Titel.
    -> beständig bleibt die Unbeständigkeit. Der letztjährige meistgelesene Verlag DTV taucht diesmal im Hauptfeld der Ein-Titel-Verlage unter. Einigermaßen überraschend ist hingegen, daß sich diesmal zwei Verlage recht deutlich absetzen konnten.


    Autoren:
    78,3 % männlich
    20,3 % weiblich
    + 1 Buch von einem gemischten Duo.
    -> Die Geschlechterverteilung bei den Autoren der von mir gelesenen Bücher ist über die Jahre erstaunlich konstant. Übrigens waren auch in diesem Jahr wieder keine Autoren doppelt vertreten.



    Herkunft der Autoren:
    38x Deutschland
    14x Großbritannien
    5x USA
    3x Österreich
    je 2x Frankreich, Irland, Kanada
    je 1x Israel, Niederlande, Polen, Saudi-Arabien, Schweden, Simbabwe, Tschechien, Ungarn
    -> den jährlichen Zweikampf um den Platz hinter der Spitze haben die Briten diesmal überaschend deutlich gewonnen. Insgesamt sieben Länder mit mehr als einem Titel ist ein neuer Rekord.

    Und noch ein Buch, bei dem ich deutlich mehr erwarte hatte.


    Ich hab einfach nicht verstanden, was der Sinn dieses Buches ist. So viel Humor wie Eduard Zimmermann in Aktenzeichen XY, dazu ein wirres Sammelsurium an "Themen" (das heißt nicht, daß die Texte zwingend etwas mit den Kapitelüberschriften zu tun haben...), bei dem keinerlei erkennbarer Zusammenhang besteht. Einfach nur ärgerlich.