Stein für Stein setzt der Autor das Mosaik einer Familie zusammen
Nachdem ihn die Nachricht über den Schlaganfall seines Vaters erreicht, setzt Journalist Jakob Auber Stein für Stein die Geschichte seiner Familie zusammen. Eine Geschichte über den Aufstieg und Fall, aber auch eine Geschichte über Opportunismus, Schuld und Sprachlosigkeit.
Besonders gepackt hat mich der Roman immer dann, wenn Jakobs hilflose Suche nach Liebe deutlich wurde. Wenn ihm, einem Menschen, der mit Wörtern seinen Lebensunterhalt verdiente, der Mut und die Vorbilder fehlten, um das wirklich Wichtige zu sagen.
"Saubere Zeiten" ist ein Showstück in puncto toxischer Männlichkeit. Und obwohl mich sowohl die Geschichte über die Männer der Familie Auber als auch die Sprache des Autors durchaus abgeholt haben, konnte mich der Roman nicht ganz überzeugen. Die Auflösung der Frage, was die Pleite der Familie verursacht hat, schwang schon sehr früh mit und war nun wirklich keine Überraschung. Gut gefallen haben mir die vielen Zeitsprünge, die einem beim Lesen das Gefühl gegeben haben, wirklich ZUSAMMEN mit Jakob mehr über seine Familie zu erfahren. Was mir gefehlt hat, war eine deutliche Entwicklung der Hauptfigur. In meinen Augen stand Jakob am Ende der Handlung an genau der selben Stelle wie am Anfang - die Reise, die durchaus spannend zu verfolgen waren - führte einfach nur zum Ausgangspunkt zurück und hat mich somit irgendwie ernüchtert zurückgelassen.