Beiträge von Jaleh

    Ich habe jetzt aufmerksam Eure Diskussion gelesen und verstehe sie nicht. Warum gilt denn nur Unglauben als (für Euch gültiges) Kriterium, aus der Kirche austreten zu wollen?


    Warum ist es nicht statthaft zu sagen: ich finde, dass viele Machthaber und viele ausführende Organe in dieser Gruppe zu viel Taten begehen, die ich nicht in Ordnung finde. Dafür will ich nicht auch noch zahlen und als Mitglied selbst dafür stehen!


    Das Beispiel mit den Ärzten finde ich ich übrigens überhaupt nicht passend. Ich als Patientin gehe zu einem Arzt, um eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Ich bin nicht selbst Mitglied in der Ärztevereinigung. Das ist ein riesiger Unterschied, denn ich stehe nicht selbst für die Gemeinschaft der Mediziner. Als Mitglied der Kirche ist es eher wie im Verein, in dem ich mich mit der Vereinssatzung einverstanden erkläre.


    Ein besseres Beispiel finde ich dann schon die Staatszugehörigkeit. Das ist sehr ähnlich, ich werde hineingeboren, ohne es mir aussuchen zu können und kann später auch auswandern und Staatsbürger eines anderen Landes werden, wenn die mich reinlassen (man wird ja auch nicht in allen Religionen mit offenen Armen aufgenommen, ich habe mir sagen lassen, dass es gar nicht so einfach ist, Jude zu werden). Anders ist lediglich, dass man nicht so leicht staatenlos sein kann wie ohne Konfession.


    Sowohl bei der Kirche als auch bei der Staatszugehörigkeit finde ich es völlig angemessen, wenn man sagt, z. B.: in meinem Land werden Menschen gefoltert, was ich nicht richtig heiße, das Gesetz sagt, dass es verboten ist, zu töten, aber gleichzeitig gilt die Todesstrafe und zur Wahl stehen nur Politiker, mit denen ich nichts anfangen kann.


    Dann habe ich nur drei Möglichkeiten. (1) Entweder ich zahle weiterhin meine Steuern (bei der Kirche Kirchensteuern) und füge mich den Gegebenheiten. (2) Oder ich wandere aus. (3) Oder ich verbringe einen großen Teil meines Lebens damit, mich politisch zu engagieren, in der Hoffnung, einmal etwas ändern zu können.


    Version 1 ist bequem, aber man fügt sich vielleicht selbst den meisten Schaden zu. Version 2 kann ich hervorragend nachvollziehen. Version 3 ist vielleicht die edelste - das ist das, was die Kirchenbefürworter hier vorschlagen, oder? Aber wenn ich nicht die Kraft habe, oder keinen Grund mein Land/die Kirche zu lieben, warum soll ich mich dann so dafür einsetzen? Meinen Standpunkt mache ich doch durch das Verlassen des Landes ebenso klar. Bei der Kirche sehen wir, dass sich seit hunderten von Jahren nicht viel getan hat, obwohl sicher auch viel für eine Modernisierung gekämpft wurde. Fehler werden selten und wenn, dann erst hunderte von Jahren später zugegeben. Und Historikus hat doch triftige Kritikpunkte vorgetragen.


    Einige von Euch haben schon erklärt, warum sie ihrerseits in der Kirche bleiben. Es gibt eine Gemeinschaft, die sie schätzen oder andere Gründe. Das ist doch okay. Wenn man sich damit identifizieren kann, ist es gut. Aber warum soll jemand, der sich nicht damit identifizieren kann und findet, dass diese Vereinigung zu viele Fehler macht, warum soll der nicht aus genau den Gründen austreten können/dürfen/sollen? Warum lasst Ihr nur den fehlenden Glauben gelten?


    Was wäre, wenn er ausgetreten wäre, obwohl er gläubig ist? Was wäre, wenn er in eine andere Religionsgemeinschaft eingetreten wäre? Doc und Demosthenes, wäre das für Euch akzeptabel gewesen?


    Viele Grüße
    Jaleh (die übrigens nicht austreten musste, weil sie nie in der Kirche war und die immer Romane schreibt und deswegen gar nicht verstehen kann, dass Demosthenes dabei einen Tennisarm kriegt ;-) )

    Ein tolles Buch! Ich war völlig begeistert davon und konnte es nicht aus der Hand legen.


    Das ist doch auch mal eine Methode, um mit so einem Thema umzugehen, die würde bestimmt auch die Kritiker der pseudo-historischen Romane und der Pseudo-Biographien zufriedenstellen. In der englischen Originalausgabe heißt das Ding "fiktive Biographie". Da weiß man dann von Anfang an, dass nicht alles auf Tatsachen beruht.


    Weil mir der Roman so gut gefallen hat, habe ich nachher noch ein bißchen recherchiert und fand es vor allem interessant, wie unterschiedlich verschiedene Leser reagiert haben. Einige meinten sogar, die Schilderungen seien so herzlos. Das konnte ich nicht nachvollziehen, denn ich hatte den Eindruck, dass Joyce Carol Oates sich absolut in ihre Figur hineingedacht und -gefühlt hatte, fast bis zur Identifikation. Und Interviews mit ihr bestätigten auch meinen Eindruck.


    Egal ob Marilyn-Fan oder nicht, dieses Buch würde ich jedem ans Herz legen!


    Viele Grüße aus Köln
    Jaleh

    Ich bin sehr beeindruckt von Deiner Geschichte. Ich finde, sie ist gut geschrieben - nur irgendwo war ein Wort, das mich störte, welches weiß ich aber gerade nicht mehr.


    Ich weiß nicht, ob ich sie verstanden habe - es gibt da mehrere Interpretationsmöglichkeiten, es könnte wirklich etwas mystisches/fantasy-artiges sein, die unsichtbaren Bewacher wirklich unsichtbar. Oder die Hauptperson empfindet es einfach so, weil die Wärter ihr so allmächtig erscheinen. Das ist aber auch egal. Mir hat die Geschichte gefallen, ich habe sie fasziniert gelesen und sprachlich ist sie auch gelungen, auch wenn ich glaube, dass man an manchen Stellen immer noch schleifen könnte. Andererseits wird vieles gedruckt, was so viel schlechter geschrieben ist...


    Wenn ich einen ganzen Band mit solch intensiv-negativen Erzählungen vor mir hätte, würde ich ihn vielleicht nicht auslesen. Aber unter verschiedenartigen Geschichten fände ich sie gut aufgehoben.


    Ich habe zwei Assoziationen zu Deiner Geschichte, das eine ist Die kleine Meerjungfrau von Andersen, und zwar weil sie ebenfalls lange leidet um dann in ein positives Nachleben überzugehen - das sind die einzigen Parallelen, trotzdem hatte ich den Vergleich im Kopf. Die zweite sind die Kurzgeschichten der SF-Autorin Vonda N. McIntyre, in der auch häufig solch düstere innere Zustände geschildert werden, bis der Leser langsam versteht, in welcher Situation sich die Hauptperson befindet.


    Schließlich würde mich noch interessieren: Hast Du recherchiert, ob die von dir beschriebenen physischen Phänomene eine medizinische Grundlage haben? Z. B.: Sind Arme nach einem Aufprallen wirklich erstmal taub oder gelähmt?


    So, ich geh' jetzt mal gucken, was Du sonst noch so geschrieben hast. :-)


    Jaleh

    Hallo Antiope,


    also erstmal vorweg: Ohne je dagewesen zu sein, bin ich auch fest davon überzeugt, dass viele Zustände in den USA unerträglich sind. Ich habe schon viele Dokumentationen gesehen, Bücher gelesen, die dort spielen und entsprechende Filme geguckt und vor allem mit etlichen US-Amerikanern gechattet und Briefwechsel gehabt, so dass ich mir ein ganz gutes Bild machen kann. Vor allem der Patriotismus, der vor allem auf der Ignoranz über die Zustände im Rest der Welt aufbaut, ist unsäglich! :wow Da brauchst Du mich also wirklich nicht zu überzeugen.


    Umso mehr sollte man darauf achten, dass es hier nicht genauso schlimm wird wie dort, denn weltweit neigen ja fast alle Menschen dazu, allen Trends aus den USA zu folgen, auch den negativen...


    Zitat

    da hingen an vielen General stores Schilder wie: "No dogs! No niggers! No jews!"


    Ich habe gestern oder vorgestern noch eine Doku gesehen, da ging es um Städte in Deutschland, in denen NPD-Politiker in den Stadtrat gewählt wurden, eine davon war Königstein (in Sachsen), da hat die NPD 20 Prozent bekommen! Es wurden etliche Leute befragt, die sagten, sie fänden die NPD gut, denn sie wollten auch nicht, dass uns die Ausländer unsere Jobs wegnähmen. Die Politiker hatten Beziehungen zu einer Neo-Nazi-Gruppe, die mittlerweile verboten ist. Und irgendjemand hatte Hakenkreuze und Judenbeschimpfungen an Wände gesprüht - das hat niemanden gestört. Die befragten Leute fanden das alle nicht so schlimm. Als der Reporter zu einer Frau sagte, es lebten Ausländer in der Gegend, die sich dadurch sehr belästigt fühlen würden, meinte sie, dann sollten sich doch die Ausländer beschweren - sie ginge das nichts an. Ziemlich gruselig das alles. Entsprechend beklagten sich auch zwei Mädchen, deren Mutter weiß und der Vater schwarz war, sie trauten sich kaum allein irgendwo hin, am besten sei es, wenn die Mutter dabei ist, weil sie weiß ist.


    Nochmal, ich bin auch sicher, dass sowas alles in den USA viel verbreiteter und schlimmer ist, aber das gibt es in Ansätzen hier auch.


    Ich finde, man kann immer schön in die USA gucken, um herauszufinden, vor welchen Entwicklungen wir uns hier in Acht nehmen müssen... Nur dieser Trend, ein über-prüdes, vorsintflutliches Christentum wieder einzuführen, das scheint es bei uns nicht zu geben, wenigstens etwas! :nono

    Klappentext:


    Irgendwo, in einer namenlosen Stadt, ist eine Epidemie ausgebrochen. Mehr und mehr Menschen verlieren aus unerklärlichen Gründen ihr Augenlicht. Der Staat greift ein, die Erblindeten werden in ein leerstehendes Irrenhaus gebracht und müssen dort unter unmenschlichen Bedingungen leben. Soldaten riegeln das Gelände ab und lassen niemanden hinaus. In dieser Situation scheinen die letzten moralischen Skrupel der Insassen dem nackten Überlebenskampf zum Opfer zu fallen.


    Meine Meinung:


    Überraschenderweise ist das Buch sehr spannend und ich konnte es nicht aus der Hand legen.


    Die Fragestellung des Romans ist allerdings nicht sehr originell: Was passiert mit der Moral der Menschen, wenn sie unter Ausnahmebedingungen eingesperrt sind? In dieser Geschichte gibt es eine Gruppe von "menschlichen Menschen" aus deren Sicht die Handlung auch erzählt wird. Viele andere aber verkommen zu Kriminellen oder gar Tieren (obwohl letztere gar nicht mal schlecht wegkommen, im Vergleich zu den Menschen). Überhaupt müssen die Blinden fast alles über sich ergehen lassen, was der Menschheit so einfällt an Grausamkeiten.


    Gegen Ende trägt Saramago für meinen Geschmack dann aber zu dick auf. Die dauernden Dialoge, die als solche gar nicht gekennzeichnet sind, drehen sich fast nur noch darum, was Blindheit für die Menschen bedeutet, körperlich und moralisch. Da ist es dann auch egal, dass man kaum noch nachvollziehen kann, wer gerade spricht, es geht nur um den Diskurs, der aber nicht besonders viel hergibt.


    Mir hat Die Stadt der Blinden gefallen, weil Saramago es geschafft hat, eine spannende Geschichte zu erzählen und die Fragen der Menschlichkeit darin einzubetten. Ob es dazu nötig war, eine so grausame Grundsituation zu schaffen, weiß ich nicht, das kam mir übertrieben vor. Ebenso wurden mir die Dialoge über Menschlichkeit und Blindheit zu viel, die auch ein Ergebnis vermissen ließen.

    Dr Daruwalla aus John Irvings Son of the Circus, weil er so liebevoll beschrieben ist und ich ihn dann genau so gern mochte wie der Erzähler.


    Die Ich-Erzählerin aus Vilette von Charlotte Bronte, weil sie so ehrlich ist und alle ihre Fehler, Entmutigungen und Unsicherheiten zugibt.


    Die Hauptperson aus A Heroine of the World von Tanith Lee, weil sie für ein Fantasy-Buch ein sehr runder Charakter ist und ihre Entwicklung so deutlich wird.


    Außerdem mag ich (fast?) alle Kinder in Stephen-King-Romanen, weil die auch gut ihre Stärken und Schwächen zeigen können und ich ihre Gefühle immer nachvollziehen kann.


    Gefallen hat mir Aragorn im Herrn der Ringe, weil er so geheimnisvoll ist und immer weiß, was er will. Ans Herz gewachsen ist er mir aber nicht, dafür lernt man ihn viel zu wenig kennen. Ebenso ist es bei vielen anderen Romanfiguren, die ich vielleicht beeindruckend finde, aber nicht wirklich verstehe.


    Genauso geht es mir auch in Filmen und Fernsehserien. Z. B. mag ich den Wallander in den Mankell-Verfilmungen sehr (auch wenn er mir manchmal auf die Nerven geht), aber er ist so furchtbar sympathisch. Bei Buffy (die Serie, nicht der grauenvolle Film) konnte man Buffy und ihre Freunde von der Schule bis zum Erwachsenenleben verfolgen und zugucken, wie sie sich dabei veränderten. Die waren auch alle so sympathisch, weil sie sich manchmal total blöd verhielten oder Angst hatten, eben menschlich waren.


    Ein großes Plus für Charaktere ist außerdem Humor.


    Viele Grüße
    Jaleh

    Zitat

    auf der Uni gabs post-grad students in German studies, die konnten nicht mal deutsch und machten alles mit Übersetzungen


    Das ist hier in Deutschland aber nur teilweise besser. Als ich Englisch studiert habe, hörte ich auch immer wieder Kommilitonen, die sagten "ach, ich hab' das lieber auf Deutsch gelesen, das dauert sonst so lange". Da habe ich mich dann auch nicht mehr gewundert, dass wir zu meiner Schulzeit Refrendare in der Schule hatten, die schlechter Englisch konnten als ich mit 17, 18 Jahren.


    Ansonsten, was die soziale Schicht angeht, ist das doch hier in Deutschland genau so wie in den USA. (Fast) nur die mit der besseren Bildung lesen, aber auch längst nicht alle Gebildeten lesen.


    Viele Grüße
    Jaleh

    Nachdem das Thema in irgendeinem Thread hier wieder auftauchte, habe ich vor ein paar Tagen auch so eine Liste angefangen, da steht aber nur
    - Autor
    - Titel
    - Bemerkung (mal länger, mal ganz kurz)
    - Bewertung (- - - bis + + +, aber vielleicht ändere ich es lieber in eine
    Punktzahl, dann lässt es sich besser auch danach sortieren)
    drin. Mir geht es darum, einen Überblick zu bekommen, wann ich wieviel lese, später nochmal nachgucken zu könnten, was ich alles gelesen habe und vielleicht auch mal, wenn ich neue Bücher kaufen oder in der Bücherei aussuchen will, mir eine Anregung zu holen, welche Autoren mir denn gut gefallen habe.


    Wenn ich so könnte, wie ich wollte, würde ich alle Bücher kaufen und in meine Bibliothek stellen, aber da das weder mein Portmonee (irgendwie so schreibt man das jetzt, oder?) noch der Platz in unserer Wohnung zulässt, leihe ich mir viele Bücher auch von Freunden oder aus der Bücherei. Und dann ist es auch schön, mal in einer Liste nachgucken zu können, was man schon gelesen hat, finde ich.


    Viele Grüße
    Jaleh

    Obwohl ich auch selbst etliche Bücher hatte, habe ich unzählige Bücher aus der Stadtteil-Kinderbücherei in Dortmund-Wellinghofen leergelesen, viele der Bücher immer und immer wieder.


    Vor ein paar Monaten fuhr ich nochmal da hin, in der Hoffnung, vielleicht ein paar alte Lieblinge wiederzufinden, aber die haben so eine riesige Auswahl, dass ich dort stundenlang hätte stöbern müssen.


    Kinderbücher von damals, die ich immer noch oder wieder besitze und immer noch gerne lese sind:


    Robbie, Tobbi und das Fliewatüüt von Boy Lornsen, das habe ich unzählige Male gelesen, nachdem ich es in der Augsburger Puppenkiste gesehen hatte
    Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer von Michael Ende
    Jim Knopf und die Wilde 13 von Michael Ende
    Krabat von Ottfried Preußler


    Als Kind liebte ich:


    alles von Ottfried Preuler und James Krüss
    vieles von Christine Nöstlinger
    Hanni und Nanni
    Susanne Barden von Helen D. Boylston
    alle Mary Poppins Bücher von Pamela L. Travers
    die finde ich heute alle ziemlich bedenklich, wegen der furchtbaren Rollenklischees und Erziehungsmethoden


    Dolly
    Britta und andere Pferdebücher, z.B. habe ich aus besagter Bücherei unzählige Male Hella und die Pferde gelesen, da erholt sich Hella von der Kinderlähmung und ein Pferd von irgendwas anderem und nachher verscheuchen sie gemeinsam einen Einbrecher oder so.... (Klingt für mich als Erwachsene etwas abstrus, aber damals fand ich es toll) :lache
    alles von Astrid Lindgren, vor allem Bullerbü und Die Gebrüder Löwenherz (mag ich heute immer noch)
    als Jugendliche habe ich dann noch alles von Mark Brandis verschlungen, das ist eine SF-Reihe


    Später habe ich für mich entdeckt:
    die Narnia-Bücher von C. S. Lewis
    alles von Michael Ende


    Ich würde immer noch gern einige Kinderbücher von damals wiederfinden, habe aber leider zu vage Erinnerungen daran. Besonders begeisterte mich ein Buch, in dem Hexen vorkamen und an das ich hauptsächlich Erinnerungen an die Stimmung habe und dass ich es nicht richtig verstanden habe. Leider reicht das nicht, um es wiederzufinden. :-(


    Und dann würde mich noch interessieren, was folgendes Buch war, das meine Bücherei damals auf Englisch hatte:
    Es war relativ großformatig und wirkte fast wie ein Bilderbuch, spielte ungefähr im viktorianischen England und war aus der Sicht einer Puppe geschrieben und darin entdeckten zwei Mädchen scheinbar ihre sexuellen Gefühle (nicht miteinander). Ob das wirklich das Hauptthema war, kann ich nicht sagen, aber mich hat das damals sehr fasziniert (mit ca. 12 Jahren).


    Vielleicht verbringe ich mal einen Urlaub in Dortmund-Wellinghofen und gehe jeden Tag in die Kinderbücherei. ;-)


    Viele Grüße aus Köln
    Jaleh

    Was ist schade? Dass meine Freundinnen und ich nicht dauernd über Sex reden? ;-) Ich weiß nicht, es gibt doch auch noch ein oder zwei andere interessante Themen, habe ich gehört. Es soll sogar Leute geben, die sich über Bücher unterhalten, ehrlich!


    Oder ist es schade, dass wir eher Sex and the City Unterhaltungen führen als von-Kürthy-artige? Das wiederum finde ich dann gar nicht, die sind oft ganz schön nervig!! :bonk


    Und das mit diesen Regeln finde ich schlichtweg tragisch.... Wenn man gar nicht mehr auf sich selbst hört und meint, sich selbst bei engsten persönlichen Bindungen eher an solche Gesetze halten zu müssen, denn an die eigenen Wünsche und Empfindungen, dann sieht es noch schlechter mit der Welt aus, als ich es so schon befürchte. *schwarzseh* Ich bin doch so für klare Verhältnisse und Ehrlichkeit...


    Liebe Kölner Grüße
    Jaleh


    P.S.: Mann, es ist wirklich ganz schön verführerisch, off-topic zu werden... Gut, dass Ihr das fast alle mal tut, sonst hätte ich jetzt ein ganz schlechtes Gewissen!

    Ich habe den Film gesehen. Ich habe das Buch nicht gelesen (und habe es auch nicht vor, nachdem mir Herzsprung nicht gefallen hat).


    Ich fand den Film okay, denn er hat eine völlig eigene Art des Erzählens gefunden, mit Cora, die immer wieder in die Kamera gesprochen hat, mit Reamonn (oder wie auch immer die sich schreiben), die nicht nur in Coras Kopfhörer spielten, sondern auch in die Wohnung kamen, mit den durchgestrichenen Szenen, wenn etwas dann doch nicht wahr war und mit der rückwärts erzählten Handlung. Das hat mir gut gefallen. Die Geschichte an sich ist nicht besser und nicht schlechter als Herzsprung. Für meinen Geschmack also ziemlich mau.


    Bei Bridget Jones' Diary (deutsch Schokolade zum Frühstück, warum auch immer...) ging es mir ähnlich. Der Film gefiel mir gut und dann las ich den Fortsetzungsroman und fand ihn entsetzlich.


    Was ich mich frage ist, ob hier in Europa wirklich die Frauen dauernd Ratgeberbücher lesen oder Freundinnen haben, die ihnen sagen, nach wieviel Tagen man einen Mann anrufen kann, wie man sich hier und dort verhält und was man unbedingt zu unterlassen hat, weil sonst der Mann dieses oder jenes denkt.... Im Gegenzug dazu kommen mir die Gespräche in Sex and the City viel realistischer vor, auch wenn die in meinem Freundeskreis nicht so Sex-zentriert sind.


    Na Mädels, was sagt Ihr dazu?? ?(


    Viele Grüße
    Jaleh

    Klappentext:


    Eine Geschichte vom unmöglichen Glück, der Sprache der Dinge und einer Welt, die ihre Mitte verloren hat. Mit unerhörter Eindringlichkeit und unverwechselbarer Stsimme erzählt Zsuzsa Bánk von der ziellos-sehnsüchtigen Reise zweier Geschwister und ihres Vaters.


    "Ein Buch, das uns das Herz zerreißt." Péter Nadás in DIE ZEIT


    Meine Meinung:


    Ein langsames, manchmal fast träges Buch, aber es reißt den willigen Leser mit und ja, es ist an vielen Stellen wirklich herzzerreißend!


    Ein ungarischer Vater, von seiner Frau, die in den Westen geflohen ist, verlassen, reist mit seinen beiden Kindern kreuz und quer durch Ungarn und wohnt bei verschiedenen Verwandten. Die Tochter ist die Erzählerin, die ruhig und ohne große Emotionen beschreibt, was passiert. Diese neutrale Schilderung bewirkt beim Leser das Gegenteil: Wie traurig ist es, wenn die Kinder mit ihren Problemen sich selbst überlassen sind, wenn der Vater tagelang "abtaucht" und nicht ansprechbar ist und wenn der kleine Bruder sich bei jedem Abschied mehr von der Realität entfernt. Aber es gibt auch viele schöne Momente, vor allem an Gewässern, denn alle drei Mitglieder der Restfamilie lieben das Wasser.


    Zsuzsa Bánk schreibt wunderschön, lässt Bilder entstehen, von Landschaften und skurrilen Menschen, von Häusern und Stimmungen.

    Ja, Breaking the Waves kenne ich auch. Ebenfalls ein toller Film, der auch noch mit Hilfe der Landschaft beeindruckt.


    Dogville fand ich aber noch eindrücklicher, vielleicht, weil mir viel mehr Themen aufgefallen sind:
    - Geben und Nehmen können (mein Freund behauptet beharrlich, das sei kein Thema des Films gewsen, das sehe ich anders),
    - ist es arrogant oder menschenfreundlich, an andere weniger strenge Maßstäbe zu setzen als an sich selbst?
    - darf man als Mensch über Menschen richten?
    - Oper vs. Täter
    - Was ist Liebe?
    und noch viel, viel mehr....


    Viele Grüße
    Jaleh

    Hmmm....


    Erstmal eine Frage: Warum wechselt einmal in der Mitte und einmal am Ende die Erzählerperspektive?


    Ansonsten: Es scheint, als wüsste Dein Protagonist, dass er so unglücklich/unzufrieden ist. Er denkt doch über die Situation nach, oder schildert es der Erzähler nur so und in Wirklichkeit ist das alles unbewusst?


    Wenn er weiß, dass er unzufrieden ist, frage ich mich, warum er nicht etwas ändert? Wäre dieser Text länger, hätte ich ihn nicht weitergelesen, denn Menschen, die an ihrer nicht zufriedenstellenden Situation festhalten, interessieren mich nicht. Es sei denn, der Autor macht mir klar, WARUM der Protagonist nicht heraus kann oder will, aus seiner Haut.


    Stil: Du kannst ganz gut schreiben, das ist ausbaufähig. Mir gefallen die einzeln eingesteuten Substantive zwischen den Sätzen, z. B. "Hass" oder "Zombies".


    Über einige Bilder und Vergleiche kann man sich sicher streiten, z. B. "Wie ein rostiges Messer zerfetzt das grelle Schrillen die ganze Situation."


    Einige finde ich aber einfach unpassend, z.B. bei der Beschreibung der Praktikantin "Wie eine Speisekarte, Hauptsache drall." Häh?? Dralle Speisekarten? Meinst Du damit eine überfüllte Speisekarte in einem Restaurant, das Masse statt Klasse anbietet? Egal, das passt jedenfalls imho gar nicht.


    Oder "Die Autobahn, Sammelsurium der Identitäten. " Was für Identitäten? Verschiedene Identitäten einer Person? Oder meinst Du eher Charaktere?


    Mir kommt es eher vor, als fändest Du es chic, hier und da mit solchen Ausdrücken zu arbeiten. Sie fügen sich oft nicht organisch in den Text ein.


    Insgesamt frage ich mich, warum ich das lesen sollte. Da ist jemand, der ist unzufrieden mit sich und seinem Leben. Über das Warum erfahre ich nichts. Als Situationsbeschreibung in einem längeren Roman wäre es mit einiger sprachlicher Überarbeitung vielleicht ganz passend, aber als eigenständiger Text fehlt mir da etwas. Es ist so, als würde ich eine Landschaft in 500 Wörtern beschreiben. Da fragt sich der Leser nachher auch: naja, ist ja hübsch da (oder hässlich), aber warum habe ich das jetzt gelesen?


    Das was ompa lompa schreibt, kann ich bestätigen; viele Leute leben so vor sich hin und wissen gar nicht, was sie tun und wofür. Das könnte vielleicht eine interessantere Geschichte abgeben (wenn auch nicht sonderlich originell): Jemand, dem langsam klar wird, dass sein Leben so sinnlos ist.


    In dem Buch von Elke Heidenreich, das ich gestern vorgestellt habe, gibt es eine Geschichte "Das Dööfchen", die hat einen ähnlichen Inhalt. Da sitzen zwei Leute auf dem Balkon und betrachten das Geschehen in ihrem Stattviertel. Da geht es ähnlich trostlos zu wie in Deiner Geschichte: Die Leute sind bitter, trennen sich, betrügen sich, schlagen sich, eine Katze wird überfahren und langsam, langsam wird dem Leser immer klarer, dass sich in dem Viertel immer das Gleiche abspielt, keiner schert aus, wenn sich eine Frau einen Liebhaber sucht, wird sie mit dem auch nicht glücklich und scheint das auch gar nicht zu erwarten. Alles wird immer so weitergehen, Kleinstadtmief. Aber Heidenreich arbeitet das langsam heraus, aus den Einzelgeschichten, denn sie erzählt von lauter Vorkommnissen und einige sind dabei, die auch durchaus überraschend sind. Und wenn die Geschichte zuende ist, dann sitzt man als Leser da und merkt, sie hat einen eingesponnen, in diese traurigen, unbewussten, bitteren Lebensgeschichten, die sich nie wirklich ändern werden. Es ist ein bißchen wie das Leben in Dogville. ;-)


    Uff, genug dazu. Ich hoffe, Du kannst mit meiner Kritik was anfangen...


    Viele Grüße
    Jaleh

    Gut, dann ist ja alles klar. :-)


    Ich bin nur erleichtert, dass ich mich nicht schämen muss. Ich dachte schon, ich hätte das Büchereulensystem immer noch nicht durchschaut, und das als Eroberin!!


    Falls es Jorinde nicht tut, werde ich bestimmt die beiden anderen Erzählungsbände von Elke Heidenreich in nächster Zeit vorstellen, denn die Kolonien haben mir doch zu gut gefallen....


    Herzliche Grüße
    Jaleh

    Hallo Mr_slowly,


    ja, das ist ein großartiger Film. Ich habe ihn im Kino gesehen, wo er sicher noch besser wirkt, als auf dem Fernseher und mein Freund und ich haben uns nachher stundenlang darüber und über die Themen, um die es geht, unterhalten - welcher Film bietet einem schon so viel Stoff zum Nachdenken?


    Ich bin sowieso ein großer Fan von Lars von Trier und auch von Nicole Kidman und Dogville ist wirklich ein Meisterwerk!


    Wenn es nicht von Trier gewesen wäre, hätte ich mir auch Sorgen gemacht, da ich wusste, dass es kein richtiges Bühnenbild gibt und der Film so lang ist. Aber Langeweile kommt keine Minute auf und wie Du schon schreibst, wird man richtig eingewickelt, lebt und leidet mit Grace.


    Wenn Du magst, kannst Du mir gerne Deine Gedanken dazu schreiben. Es ist zwar schon eine Weile her, dass ich diesen Film gesehen habe, aber das meiste ist mir noch sehr präsent.


    Herzliche Grüße
    Jaleh

    Liebe Morgana,


    meinst Du wirklich mich?? Ich habe das Buch (Kolonien der Liebe) doch vorgestellt, oder nicht?! Oder meinst Du vielleicht, dass Jorinde die rudernden Hunde extra vorstellen soll?


    Verwirrte Grüße
    Jaleh

    Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino. Und wenn Du's gelesen hast, erklärst Du's mir, ja? ;-)


    Hier eine kleine Beschreibung des Anfangs aus http://www.how2find.de/winternacht.htm


    In Italo Calvinos "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" ist der Leser selbst die Hauptperson! Tatsächlich geht es um einen Leser, der jeder von uns sein kann, und der in einer Buchhandlung auf Calvinos neuen Roman stößt, auf "Wenn ein Reisender in einer Winternacht". Doch leider ist das Buch falsch gebunden. Als der Leser das Buch umtauschen will, gerät er an einen anderen Roman, den er jedoch wieder nach einigen Seiten abbrechen muss.


    Viele Grüße
    Jaleh


    P.S.: Ich sehe gerade, dass die Ausgabe, die ich angegeben habe, noch gar nicht erschienen ist. Es gibt aber auch welche, die jetzt schon erhältlich sind.

    Klappentext:


    Neun ironische, zärtliche oder melancholische Geschichten über die Liebe in unserer Zeit. "Kolonien der Liebe", das sind die zufälligen Orte auf dieser Welt, die, vorübergehend, ein wenig Wärme ausstrahlen, aber es sind auch die Orte, an denen Leid, Haß und Kälte die Liebe totschlagen


    Meine Meinung:


    Ich habe das Bändchen gerade verschlungen und bin restlos begeistert. Zwei der Geschichten gehören zu dem Schönsten, was ich überhaupt je gelesen habe und zwar Erika und Winterreise. Aber vertut Euch nicht, das hier ist nicht der Stil von Else Stratmann oder den Brigitte-Kolumnen. Es sind oft zynische, manchmal bösartige und immer melancholische Geschichten. Meine beiden Lieblingsgeschichten sind richtig poetisch und haben mich zutiefst berührt. Denn Elke Heidenreich hat für viele kleine Eindrücke und Empfindungen, die ich kenne und auch wahrgenommen habe, die richtigen Worte gefunden.


    Mann, was für ein tolles Buch!!


    Viele Grüße aus Köln
    Jaleh (die jetzt guckt, wie sie dem Buch Sterne verpassen kann und die demnächst eine Ausgabe für sich selbst kauft und gleich noch zwei zum Verschenken)

    Die unendliche Geschichte ist eines meiner Lieblingsbücher. Ich möchte auch Morgana deutlich widersprechen, die schrieb:


    Zitat

    klar ist das Buch hauptsächlich was für Kinder


    Ich glaube schon, dass ältere Kinder das Buch gut lesen können und dass sie auch viel daraus für sich gewinnen können. Aber es ist so komplex und philosophisch, dass Erwachsene vielleicht noch mehr darin entdecken können. Wer sich schonmal mit Buddhismus beschäftig hat, wird auch viele fernöstliche Weisheiten darin wiederfinden. Und gleichzeitig ist es eine wirklich spannende wunderschöne Geschichte.


    Michael Ende zählt zu meinen Lieblingsschriftstellern und auch die Bücher, die wirklich für Kinder geschrieben sind, wie die beiden Jim Knopf Bände oder auch Momo, sind so zauberhaft geschrieben und stecken voller Poesie, dass sie ebenfalls für Erwachsene eine wunderbare Lektüre darstellen.


    Was die gestohlene Zeit bedeutet, ist im Roman Momo sehr klar beschrieben und ich würde mich sehr wundern, wenn jemand das als "Quatsch" bezeichnen wollte. Vielleicht zu plakativ (auch wenn ich das nicht finde, schließlich ist es ein Kinderbuch) oder eben nicht nach seinem Geschmack, aber Quatsch ist das sicher nicht...


    Der Film der unendlichen Geschichte ist als Kinderfilm okay, hat aber nicht mehr sooo viel mit dem "Gesamtkunstwerk" des Buches zu tun und wenn ich mich richtig an den Momo-Film erinnere, fand ich den damals sehr enttäuschend. Und Jorinde, Deine Bemerkungen sind sehr treffend, auch wenn ich zu große in Watte gewälzte Hunde grundsätzlich sympathisch finde. :chen


    Viele Grüße
    Jaleh - eine Fahne hochhaltend für Michael Ende :-)