Beiträge von wampy

    Es fehlt an Spannung


    Buchmeinung zu Wolfgang Glagla – Affinität


    „Affinität“ ist ein Kriminalroman von Wolfgang Glagla, der 2020 bei epubli erschienen ist. Dies ist bereits der zehnte Band in der Serie um den Hannoveraner Kommissar Richard Tackert.


    Zum Autor:

    Wolfgang Glagla, Jahrgang 1955, lebt in Hannover.

    Schon seit dem sechszehnten Lebensjahr begleitet der Wunsch nach Kreativität sein Leben. Musik, das Fotografieren, bildende Kunst, und natürlich das Schreiben sind zu einem festen Bestandteil geworden.


    Klappentext:

    An einem Grabstein wir die Leiche eines Mannes gefunden, der es zu gewissen Erfolgen in der Pferdezucht gebracht hat. Schon zu Beginn der Ermittlungen wird deutlich, dass scheinbar niemand aus der Familie Interesse an einer Aufklärung zeigt. Im Verlauf der Untersuchungen entsteht ein Bild, das immer tiefer in eine offensichtlich zerklüftete Familie eindringt. Aber noch zweifelt der Hauptkommissar Richard Tackert. Noch geraten zu viele Personen in den Fokus und noch bleibt ungeklärt, ob nicht ein Teil der Hannoverschen Stadtgeschichte zu dieser Tat führte


    Meine Meinung:

    Die Hauptfigur Richard Tackert bleibt ein Sympathieträger der besonderen Art, denn er ist einfach ziemlich normal. Er pflegt das eigene Denken und das Familienleben und er sorgt für ein gutes Betriebsklima bei der Mordkommission. Er lässt seinen Mitarbeitern Freiräume und bei Fehlern gibt es er Hinweise und fährt nicht gleich aus der Haut. Dies spiegelt sich auch in dem ruhigen Erzählstil der Kriminalgeschichte wieder. Im Gegensatz dazu steht die Vielzahl ernster Themen, die im Buch angesprochen werden und doch meist nur angerissen werden können, z. B, Familienkonflikte und sexuelle Belästigung von Minderjährigen. Der Fall gestaltet sich schwieriger als erwartet und die Ermittlungen kommen nicht so recht voran, bis eine zufällige Beobachtung zur Lösung führt. Zwischendurch dienen private Ereignisse zur Regeneration der Hauptfigur, an der die stockenden Ermittlungen nicht spurlos vorüber ziehen. Das Buch ist angenehm zu lesen, weckt einige Emotionen und bietet Stoff zum Nachdenken. Dabei kommt die Spannung aber leider deutlich zu kurz.


    Fazit:

    Ein ruhiger, angenehm zu lesender Kriminalroman mit einer überaus sympathischen Hauptfigur, dem leider deutlich die Spannung fehlt. Von mir gibt es drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung für die Freunde ruhiger Kriminalromane, die einer völlig normalen Hauptfigur folgen mögen.


    ASIN/ISBN: B089G9R4SF

    Ohne die beiden Hauptfiguren geht es nicht


    Buchmeinung zu Val McDermid – Der Knochengarten


    „Der Knochengarten“ ist ein Kriminalroman von Val McDermid, der 2020 bei Knaur in der Übersetzung von Ute Brammertz erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „How the Dead speak“ und ist 2019 erschienen. Dies ist der elfte Fall in der Serie um Tony Hill und Carol Jordan.


    Zum Autor:

    Val McDermid wurde 1955 in der Hafenstadt Kirkcaldy im schottischen Fife geboren. Sie stammt aus einer Bergarbeiterfamilie und ging als erste aus ihrer Familie auf eine Universität, und das gleich in Oxford. Nach dem Studium der Englischen Literatur arbeitete sie zunächst als Dozentin, dann lange als Journalistin bei namhaften britischen Zeitungen. Heute ist sie eine der erfolgreichsten britischen Autorinnen von Thrillern und Kriminalromanen. Ihre Bücher erscheinen weltweit in mehr als vierzig Sprachen. 2010 erhielt sie für ihr Lebenswerk den Diamond Dagger der britischen Crime Writers’ Association, die höchste Auszeichnung für britische Kriminalliteratur. Weltweit haben sich ihre Romane bisher elf Millionen Mal verkauft.


    Klappentext:

    Auf dem Gelände eines ehemaligen katholischen Waisenhauses für Mädchen wird ein grausiger Fund gemacht: Bauarbeiten fördern insgesamt vierzig Skelette zutage, die offenbar über Jahrzehnte unter dem Rasen und dem Nutzgarten vergraben wurden – zu einer Zeit, als Nonnen dort ungestört ihr unerbittliches Regime ausüben konnten. Handelt es sich bei den Toten um Mädchen aus dem Waisenhaus?

    Das Major Incident Team aus Yorkshire würde zu gern auf die Erfahrung und untrüglichen Instinkte von Carol Jordan und Profiler Tony Hill zurückgreifen, doch Carol hat gekündigt, und Tony verbüßt eine vierjährige Haftstrafe … Keine guten Voraussetzungen, um die grauenhaften Verbrechen aufzuklären. Was wurde all den jungen Menschen angetan?


    Meine Meinung:

    Tony Hill ist inhaftiert und Carol Jordan hat das Ermittlungsteam verlassen, um ihre posttraumatische Belastungsstörung zu verarbeiten. Trotzdem sind eine Reihe der Kapitel diesen beiden Figuren gewidmet. Tonys Leben im Gefängnis ist micht einfach, aber er möchte ein Buch schreiben. Jedes Kapitel beginnt mit einem Auszug aus diesem Werk. Das Major Incident Team steht unter neuer Führung und es holpert ein wenig. Nun rücken einige Mitglieder verstärkt in den Fokus der Autorin, allen voran Paula McIntyre, die eine Verhörspezialistin ist. Spannung kommt nur bedingt auf und das Team beißt sich die Zähne an den Nonnen und der katholischen Kirche aus. Dann gibt es Kontakt zu Carol und auch zu Tony. Tony, der überhaupt nicht in den Fall eingearbeitet ist, gibt den entscheidenden Hinweis zur Lenkung des Teams. Und genau hier liegt das Grundproblem dieses Werks. Es gibt einen neuen Fall für die Titelhelden, aber diese sind nicht mehr im Team. So vertreibt man sich die Zeit mit Geschichten um Tonys Mutter, begleitet Carol auf dem Weg zu ihrer Wiederherstellung und verzweifelt mit dem Team an ihrem neuen Chef, der wie ein Elefant im Porzellanladenladen auftritt. So kommt kaum Spannung und Tempo auf. In dieser Figurenkonstellation funktioniert die Geschichte einfach nicht.


    Fazit:

    Ein Roman mit zwei Hauptfiguren, die außen vorbleiben müssen, reißt mich nicht mit. Deshalb vergebe ich nur zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten) und spreche keine Leseempfehlung aus.

    Pläne, die nicht alle gelingen


    Buchmeinung zu Pierre Lagrange – Düstere Provence


    „Düstere Provence“ ist ein Kriminalroman von Pierre Lagrange, der 2020 bei Fischer E-Books erschienen ist. Dies ist der fünfte Fall in der Serie um den pensionierten Kommissar Albin Leclerc.


    Zum Autor:

    Pierre Lagrange ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Autors, der bereits mehrere Krimis und Thriller veröffentlicht hat. In der Gegend von Avignon führte seine Mutter ein kleines Hotel auf einem alten Landgut, das berühmt für seine provenzalische Küche war.


    Klappentext:

    Eine Mordserie erschüttert die Provence. Drei Männer sind bereits tot: ein Bankier, ein Priester und ein Restaurant-Besitzer. Sie alle haben vor 25 Jahren gegen Louis Rey ausgesagt. Jetzt kommt der ehemalige Gangsterboss aus dem Gefängnis. Und er rächt sich. Als Albin Leclerc die Ermittlungen aufnimmt, glaubt er noch, dass seine privaten Probleme seine einzigen wären. Doch schon bald wird es ernst für den Commissaire. Denn er ist der vierte Mann, den der Gangster beseitigen will.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich von Anfang an gefangen genommen. Zwar ist es stellenweise mit intensiver Gewaltdarstellung, aber andererseits lockern ruhige Szenen vor allem um den Mops Tyson die Geschichte immer wieder auf. Der Autor hat einen prägnanten Schreibstil, der einerseits recht einfühlsam wirkt, andererseits aber auch viele Informationen bereitstellt. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines Beteiligten erzählt und die Perspektive wechselt häufig. Dabei bleibt der Erzählfluss gewahrt und die Spannung wird bis zum großen Showdown erhöht. Einzig die Figur des Albin Leclerc ist mit vielen Grautönen durchsetzt, während die übrigen Figuren einfacher gehalten sind. Durch Gespräche mit seinem Mops Tyson gibt Albin viele seiner Gedanken preis. Albin wirkt freundlich und sympathisch, kann aber auch anders. Seine beiden ehemaligen Assistenten wirken ohne die Führung des Kommissars manchmal etwas planlos. Der Rachefeldzug von Louis Rey, der nach 25 Jahren Haft entlassen wurde, wirkt auch auf die Witwe eines Mafia-Bosses bedrohlich. Albin kennt beide seit langer Zeit und ihre Begegnungen sind etwas Besonderes. Albin, Louis und die Witwe versuchen ihr eigenes Spiel zu spielen und die anderen Mitspieler über den Tisch zu ziehen. Dabei pflegen sie lange Zeit einen ruhigen Umgang miteinander, obwohl Hass und Rache eine wesentliche Rolle spielen. Es finden sich Gelegenheiten für Nebenhandlungen und Passagen mit viel provenzalischem Flair. Interessant fand ich auch die Beziehung von Albin zu seinem Wirt, der für die Rechtspopulisten kandidiert und trotzdem ein Mensch bleibt. Die Schlusspointe hat mir sehr gefallen.


    Fazit:

    Der Krimi steht und fällt mit der zentralen Figur des pensionierten Kommissars Albin Leclerc. Einerseits ist er sympathisch aber andererseits finde ich ihn manchmal zu dominant. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

    Buchmeinung zu Angela Lautenschläger – Brennende Angst


    „Brennende Angst“ ist ein Kriminalroman von Angela Lautenschläger, der 2020 im dotbooks Verlag erschienen ist. Dies ist der sechste Fall für das Ermittlergespann Friedelinde Engel und Nicolas Sander.


    Zum Autor:

    Angela Lautenschläger arbeitet seit Jahren als Nachlasspflegerin und erlebt in ihrem Berufsalltag mehr spannende Fälle, als sie in Büchern verarbeiten kann. Ihre Freizeit widmet sie voll und ganz dem Krimilesen, dem Schreiben und dem Reisen. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Katzen in Hamburg.


    Klappentext:

    Welche Abgründe verbergen sich hinter der Maske der Gerechtigkeit? Nach einem aufreibenden Fall wollen sich Nachlasspflegerin Friedelinde Engel und Kommissar Nicolas Sander eine wohlverdiente Auszeit an der Ostsee gönnen … Doch dann findet Friedelinde am Strand von St. Peter Ording eine Tasche voller Geldscheine – die Spur führt geradewegs zurück nach Hamburg. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Skandal, der gerade die ganze Stadt erschüttert? Der Justizsenator, den Sander und Friedelinde persönlich kennen, soll sich mit schmutzigem Geld die Hände reingewaschen haben. Sander glaubt nicht an seine Schuld – aber welchen Preis wird die Wahrheit haben?


    Meine Meinung:

    Bei diesem Buch haben mir vor allem die Dialoge mit der Beteiligung von Friedelinde, Nicolas oder Gernot gefallen. Gerade Nicolas und sein Assistent Gernot harmonieren fast schon wie ein altes Ehepaar. Friedelinde bekommt zwei Nachlassfälle, von denen sie einer besonders interessiert. Lange Zeit bleibt es vorwiegend bei privaten Themen und einem Vermisstenfall. Die Exfrau von Nicolas bittet ihn um die Scheidung, weil sie jemand anderes heiraten will. Eigentlich eine einfache Sache, aber nicht so hier. Auch wenn dies amüsant aufbereitet ist dauert es einfach zu lange bis der Kriminalfall ins Rollen kommt. Natürlich leistet auch Friedelinde einen Beitrag zur Aufklärung und mehrere Pumpaktionen der freiwilligen Feuerwehr bilden den Actionhöhepunkt in diesem Fall. Zudem hat sich mir der Titel in keiner Weise erschlossen.


    Fazit:

    Für mich war es zwar eine unterhaltsame Geschichte, aber der Anteil der Krimihandlung war mir zu klein. Deshalb vergebe ich auch nur drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: 3961485542

    Buchmeinung zu Ole R. Börgdahl – Tod und Schatten


    „Tod und Schatten“ ist ein Kriminalroman von Ole R. Börgdahl, der 2016 bei neobooks Self-Publishing erschienen ist. Dies ist der erste Teil der Trilogie um den jungen Kommissar Marek Quint, der in Berlin ermittelt.


    Zum Autor:

    Ole Roelof Börgdahl wurde am 23.05.1971 in Skellefteå, Provinz Västerbottens, Schweden, geboren. Er wuchs in Skellefteå, Malmö und Lübeck auf.


    Klappentext:

    Samstagabend. Ein unbekannter Toter und eine schwerverletzte Frau in einem Reisebüro in Berlin-Friedenau. Auftragskiller oder Beziehungsdrama? Spurensicherung und Gerichtsmedizin liefern keine plausiblen Ergebnisse. Warum kann sich die einzige Zeugin an nichts erinnern? Warum verstrickt sie sich in Widersprüche? Dem unerfahrenen Kriminalkommissar Marek Quint sitzt die Zeit im Nacken. Er braucht schnelle Ergebnisse, damit ihm der neue Mordfall nicht wieder entzogen wird. Und er muss seinen Kollegen Kriminaloberkommissar Thomas Leidtner mitreißen, der längst keine Chance mehr für ihr ungleiches Ermittlerteam sieht. Doch die beiden Kommissare finden wieder zueinander, als der Fall eine ungeahnte Wendung nimmt.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch beginnt recht interessant und der Fokus liegt zu Teilen auf dem Konflikt der beiden Polizeikommissare Marek Quint und Thomas Leidtner. Marek Quint, der meist als Ich-Erzähler agiert, ist ein unerfahrener aber studierter Kommissar, der dem erfahrenen Kollegen Leidtner vor die Nase gesetzt wird als ihr eigentlicher Chef ausfällt. Die beiden Polizisten harmonieren nur wenig und mühen sich mehr schlecht als recht durch die Handlung. Beide scheinen auch nicht wirklich an guter Zusammenarbeit interessiert zu sein. Sie sprechen kaum miteinander und sind beide ob der Umstände frustiert. Sie haben einen Fall mit einem Toten und einer undurchsichtigen Zeugin, wollen ihn aufklären, doch ihre Prioritäten scheinen andere zu sein. Marek flirtet mit der Gerichtsmedizinerin und Thomas arbeitet eher im Hintergrund. Erst als sich jemand von außen einmischt, haben die beiden Polizisten ein gemeinsames Ziel. Leider wandelt sich die Handlung in eine Art Agententhriller und mir scheinen die beiden Polizisten dort fehl am Platze zu sein. Dazu kommt ein sehr offenes Ende und ein dubioses Bedrohungsszenario. Das war dann überhaupt nicht mein Ding.

    Fazit:

    Nach passablem Beginn entwickelt sich die Geschichte zu einem Agententhriller mit falschem Personal. Deshalb vergebe ich nur zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B01MSHJU7B

    Buchmeinung zu Alexander Oetker – Tödliche Zwillinge


    „Tödliche Zwillinge“ ist ein Kriminalroman von Alexander Oetker, der 2020 bei Droemer erschienen ist.


    Zum Autor:

    Alexander Oetker, geboren 1982 in Berlin, ist der Frankreich-Experte der neuen Generation - und politischer Journalist im Zentrum der Macht. Er war langjähriger Frankreichkorrespondent für RTL und n-tv, berichtete über Terroranschläge und Bandenkriminalität. Nun arbeitet er als politischer Reporter in Deutschland.


    Klappentext:

    Ein Terror-Anschlag erschüttert San Sebastián. Das Ziel: die Sommerakademie von Friedensnobelpreisträgerin Ashrami Rafiki. Die Opfer: über 1.500 junge Frauen aus aller Welt.

    Mit dieser schrecklichen Vorahnung schreckt Terror-Profilerin Zara von Hardenberg aus einem Alptraum hoch. Die beste Profilerin von Europol kann sich jedes Detail merken, entdeckt jeden noch so kleinen Hinweis und ahnt die nächsten Schritte ihrer Gegner voraus – doch sie kann keine Regeln brechen. Und um einen solchen schrecklichen Anschlag zu verhindern, werden legale Mittel nicht ausreichen.

    Zara sieht sich gezwungen, erneut ihre Zwillingsschwester Zoë um Hilfe zu bitten. Denn die Profi-Killerin der korsischen Mafia schert sich nicht um Regeln und Gesetze und kennt nur eine einzige Grenze: sich selbst.

    Also müssen sie wieder die Rollen tauschen, um den Terror zu stoppen und einen Fall zu lösen, der sie tief in ihre eigene Familiengeschichte führen wird.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich nachdenklich gestimmt, nicht wegen des eigentlichen Inhalts, sondern weil der Autor, ein renommierter Journalist, ein solches Buch geschrieben hat. Ist Kriminalität und Terror nur mit den im Buch erwähnten Methoden erfolgreich bekämpfbar.

    Zurück zum Buch. Auch dieses Werk handelt von den ungleichen Schwestern Zara und Zoe, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und doch gemeinsame Ziele haben. Die Profilerin Zara bittet ihre Zwillingsschwester Zoe erneut um Hilfe und diese willigt unter Bedingungen ein. Während Zoe sich nun als Gesetzeshüterin austoben kann, wird Zara in eine Rolle gezwungen, die ihr nicht gefällt, die sie aber neu interpretiert. Die Figuren sind eher sparsam charakterisiert, auch weil actionreiche Handlung im Fokus des Buches liegt. Kurze Abschnitte mit vielen Perspektiv- und Schauplatzwechseln sorgen für ein enormes Tempo. Zwischendurch gibt es ruhigere Passagen, die sich der Familiengeschichte der Schwestern und einem umgedrehten Terroristen widmen. Auch die Vorgeschichte eines neuen Kollegen von Zara wirkt bedenklich. Tote und Gewaltszenen prägen die Handlung und ein Spitzenkiller sorgt für weitere Verwirrung. Die Geschichte spitzt sich zu und es kommt zu zwei dramatischen Showdowns.

    Generell beschreibt der Autor eine dunkle Welt in Nordafrika und Südfrankreich, die geprägt ist von Gewalt und Korruption. Die journalistischen Erfahrungen des Autors verbunden mit einer schnörkellosen Handlung lassen mich befürchten, dass der Inhalt der Realität näher kommt als mir lieb ist.


    Fazit:

    Ein sehr temporeiche Dystopie, die Fiktion und Realität gekonnt verknüpft. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung für die Freunde actionreicher Thriller.


    ASIN/ISBN: B07ZPW3513

    Ein Hochgenuss


    Buchmeinung zu Gerhard Henschel – SoKo Heidefieber


    „SoKo Heidefieber“ ist ein Kriminalroman von Gerhard Henschel, der 2020 bei Hoffmann und Campe erschienen ist.


    Zum Autor:

    Gerhard Henschel, geboren 1962, lebt als freier Schriftsteller in der Nähe von Hamburg. Sein Briefroman Die Liebenden (2002) begeisterte die Kritik ebenso wie die Abenteuer seines Erzählers Martin Schlosser, die mit dem Kindheitsroman 2004 ihren Anfang nahmen. Henschel ist außerdem Autor zahlreicher Sachbücher. Er wurde unter anderen mit dem Hannelore-Greve-Literaturpreis, dem Nicolas-Born-Preis und dem Georg-K.-Glaser-Preis ausgezeichnet.


    Klappentext:

    Kurz nach einer Lesung aus seinem neuen Kriminalroman Heidefieber wird der Schriftsteller Armin Breddeloh in einem Teich bei Bad Bevensen gefunden. Tot und mit zwei Glasaugen – genau wie ein Opfer in seinem Roman! Hauptkommissar Gerold und Oberkommissarin Schubert aus Uelzen nehmen die Ermittlungen auf und haben einen ersten Verdacht: Missgönnte ein anderer Krimiautor dem Kollegen den Erfolg? Schon wenig später trifft es die Verfasser der Romane Spiel mir das Lied vom Westerwald und Showdown auf Juist, und auch am Tegernsee, im Fläming und in der Steiermark gibt es bald Opfer. Die SoKo Heidefieber tappt jedoch im Dunkeln und der vom Verband deutschsprachiger Krimiautoren engagierte Privatdetektiv erweist sich als Niete. Erst als der Täter ein Bekennerschreiben hinterlässt, kommt plötzlich Bewegung in die Sache ...


    Meine Meinung:

    Es hat ein wenig gebraucht bis ich die Satire, denn um eine solche handelt es sich, erkannt habe. Dann jedoch kannte mein Lesevergnügen kaum noch Grenzen. Schon das Attribut „Überregional-Krimi“ bringt es auf den Punkt, über Regionalkrimis wird erzählt. Typische Merkmale der Regionalkrimis wie Abschnitte in Dialekt, ausgefallenste Todesarten und Einsichten in das Privatleben der Ermittler werden wunderbar auf die Schippe genommen. Die fiktiven Auszüge aus mehreren Regionalkrimis, meist in gerade noch verständlichen Dialekt geschrieben, sind kleine Meisterstücke und dabei keinesfalls bösartig. Natürlich fliest auch das ein oder andere Klischee in das Buch ein. Und dann ist da noch die unglaubliche Geschichte um den Schriftsteller Frank Schulz, der einen Leidensweg sondergleichen absolviert. Der Autor lässt seiner Phantasie freien Raum und ganz im Sinne von „Schlimmer geht immer“ treffen ungeahnte Strapazen auf den leidensfähigen Autor. Ganz im Stile eines klassischen Kriminalromans gibt es einen Showdown, der in diesen Roman passt. Es ist ein unglaubliches Vergnügen, dieses Werk zu lesen und zu genießen.


    Fazit:

    Eine wunderbare Satire über Regionalkrimis, die mich begeistert hat. Deshalb vergebe ich die Höchstwertung (fünf Sterne, 100 Punkte) und natürlich spreche ich eine Leseempfehlung aus, denn sonst entgeht ein Hochgenuss.

    Zurück im Dienst


    Buchmeinung zu Sophie Bonnet – Provenzalischer Stolz


    „Provenzalischer Stolz“ ist ein Kriminalroman von Sophie Bonnet, der 2020 im Blanvalet Verlag erschienen ist. Dies ist der siebte Fall für Pierre Durant.


    Zum Autor:

    Sophie Bonnet ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Mit ihrem Frankreich-Krimi »Provenzalische Verwicklungen« begann sie eine Reihe, in die sie sowohl ihre Liebe zur Provence als auch ihre Leidenschaft für die französische Küche einbezieht. Mit Erfolg: Der Roman begeisterte Leser wie Presse auf Anhieb und stand monatelang auf der Bestsellerliste, ebenso wie die darauffolgenden Romane um den liebenswerten provenzalischen Ermittler Pierre Durand. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg.


    Klappentext:

    Die Angst geht um in der Camargue. Während Pierre Durand in einem Hausboot durch das Rhônedelta fährt, um über seine berufliche Zukunft nachzudenken, verbreitet sich ein Kettenbrief mit einer Weissagung, die den Tod dreier Sünder ankündigt. Tatsächlich wird kurz darauf ein Toter mit geschwärztem Gesicht aufgefunden. Es handelt sich um einen Kriminalbeamten, der verdeckt im Milieu der »gens du voyage« ermittelt hatte. Doch es gibt einen Zeugen, der sich an Bord von Pierres Hausboot versteckt und behauptet, sein Gedächtnis verloren zu haben. Der Präfekt bittet den ehemaligen Dorfpolizisten um Unterstützung. Mit Hilfe einer »gitane« versucht Pierre, dem Geheimnis der Kettenbriefe auf die Spur zu kommen. Alles deutet auf einen Konflikt zwischen den Kulturen hin, doch ein weiterer Mord rückt die Verbrechen in ein neues Licht. Pierre erkennt, dass er auf seine Intuition vertrauen muss, um zu verhindern, dass sich auch noch der letzte Teil der Prophezeiung erfüllt


    Meine Meinung:

    Pierre Durant ist mir sympathisch, auch oder gerade weil er ein paar Kanten hat. Momentan ist er durch den Bürgermeister suspendiert und sein Stolz verbietet ihm, um Unterstützung zu bitten. Dies sehen aber nicht alle seiner Freunde und Bekannten so. Erfreut ergreift Pierre die Gelegenheit ein Hausboot für einen Freund zu überführen. Doch dies führt in mitten in seinen nächsten Fall. Neben atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen erfährt der Leser einiges über ethnische Minderheiten und ihr Leben in Frankreich. Auch sie sind meist stolze Menschen und ihren Traditionen verbunden. Nun gibt es wieder etwas zu tun für den Dorfpolizisten und Pierre blüht sichtlich auf. Er arbeitet mit der Kriminalpolizei zusammen, hat jedoch seine eigene Sicht der Dinge. Pierre lässt seine Verbindungen spielen und wird auch selbst aktiv. Auch im Rathaus seiner Heimatgemeinde gibt es Geheimnisse zu lüften und Pierre findet besonders in der Damenwelt rege Unterstützung. Der Schreibstil der Autorin ist eindringlich, bleibt aber angenehm zu lesen. Neben dem Kriminalfall finden sich immer wieder Abschnitte, die Atmosphäre, das Leben der Minoritäten oder Entwicklungen in Sainte-Valerie als Schwerpunkt haben. Dabei bleibt die Spannung aber erhalten.

    Zum Ende hin spitzen sich die Geschehnisse zu und es gibt einen formidablen Showdown.

    Das Buch wird durch ein Glossar, ein Nachwort der Autorin und einigen Rezepten zu Gerichten aus dem Buch abgerundet.


    Fazit:

    Ein angenehm zu lesender Kriminalroman, der Spannung, Atmosphäre und Privates gekonnt mit Informationen über die Bevölkerungsgruppe der Gitanes verbindet. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde ruhiger und atmosphärischer Kriminalromane aus.

    Buchmeinung zu Elaine Viets – Mord mit Stil


    „Mord mit Stil“ ist ein Kriminalroman von Elaine Viets, der 2020 bei dp DIGITAL PUBLISHERS in der Übersetzung von Heimo Kreuzer erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Dying in Style“ und ist 2005 erschienen.


    Zum Autor:

    Elaine Viets hat 34 Krimis in vier verschiedenen Serien geschrieben. Mit ihrer Angela Richman-Reihe kehrt Elaine zu ihren hartgesottenen Wurzeln zurück und nutzt dafür ihre Erfahrung als Schlaganfallüberlebende und ihre medizinrechtliche Weiterbildung über Todesursachen. Elaine war als Regisseurin für die Mystery Writers of America tätig und arbeitet häufig an Alfred Hitchcocks Mystery Magazine mit.


    Klappentext:

    Josie Marcus liebt es, Testkäuferin zu sein. Mehr als begeistert ist sie auch von ihrem neuesten Auftrag: Sie soll im Laden der angesagten Handtaschen-Designerin Danessa Celedine einen Testkauf durchführen. Leider sind Celedines Läden nicht annähernd so glamourös wie ihre Klientel und Josies Bericht über die Zustände könnte einen lukrativen Deal platzen lassen. Als Celedine und ihr Geliebter kurz darauf ermordet aufgefunden werden, ist Josie Marcus mit einem Schlag in einen Todesfall verwickelt – als Hauptverdächtige! Werden ihre Mystery-Shopper-Qualitäten dabei helfen, das Verbrechen aufzuklären oder wird es ein weiteres Fashion Victim geben?


    Meine Meinung:

    Der Klappentext klingt interessant, die Leseprobe liest sich angenehm und deshalb habe ich dieses Buch gelesen. Josie Marcus, alleinerziehende Mutter einer schulpflichtigen Tochter, ist Testkäuferin aus Überzeugung. Aus ihrer Sicht wird diese Geschichte erzählt und Josie ist eine harte, aber auch gerechte Testerin. Wenn sie beschäftigt ist, übernimmt ihre Mutter die Betreuung der Enkelin. Josie wohnt in einer billigen Vorstadt und sie wohnt gerne da. Josie wirkt sympathisch, aber Änderungen in ihrem Umfeld hat sie nicht wahrgenommen. Der Einstieg in den Kriminalfall ist nachvollziehbar, aber dann folgt eine Aneinanderreihung von Klischees, die mein Lesevergnügen arg getrübt haben. Unfähige Polizisten, ein Chef ohne Rückgrat, sexbesessene Frauen in der Wohnsiedlung der Reichen, kriminelle und betrügerische Ausländer und so geht es munter weiter. Auch die erfahrene Testerin scheint überfordert und stürzt sich in gefährliche Ermittlungen. Nebenbei muss sie noch ein paar private Probleme lösen. Zum Abschluss gibt es einen Showdown, der einem Agentenroman entsprungen sein könnte, aber mir völlig fehl am Platze zu sein schien. Erstaunlich ist, dass ich den Spannungsbogen und den Schreibstil in Ordnung fand. Den Charakteren fehlte auch fast jeder Grauton.

    Fazit:

    Die Aneinanderreihung der Klischees lässt durchaus vorhandene gute Ansätze in den Hintergrund treten. Deshalb vergebe ich nur zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten). Eine Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen.


    ASIN/ISBN: B085M2PS7J

    Buchmeinung zu Lena Wolf – Ein Sommer auf Sylt


    „Ein Sommer auf Sylt“ ist ein Roman von Lena Wolf, der 2020 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist. Das von Sandra Voss gelesene ungekürzte Hörbuch ist 2020 im Audiobuch Verlag OHG erschienen.


    Zum Autor:

    Lena Wolf ist das Pseudonym einer erfolgreichen Autorin. Im Gegensatz zu ihrer Protagonistin fährt sie durchaus gerne mit ihrem Mann und ihrer Mutter gemeinsam in den Urlaub. Am liebsten nach Südfrankreich.

    Sprecher:

    Sandra Voss moderiert Konzerte und Podcasts, spricht Hörbücher und synchronisiert Fernsehformate, unter anderem für Arte und 3sat.

    Klappentext:

    Sylt hat immer Saison und bietet wunderschönes Lokalkolorit für eine charmante Liebesgeschichte: Eigentlich wollte Julia nur eine Auszeit nehmen. Doch nun sitzt sie mit drei Streithähnen im Autozug nach Sylt: ihrer Mutter und zwei Tanten. Die Schwestern sind uneins, was mit dem Haus auf Sylt geschehen soll. Früher haben sie dort unbeschwerte Familienurlaube verbracht - bis sich alle in den gleichen Mann verliebten: Julias Vater. So einfach ist das mit Verkaufen aber ohnehin nicht, denn wie sich herausstellt, ist das Haus vermietet. Und zwar an die letzte Geliebte des Vaters. Notgedrungen kommen Julia und ihr kapriziöser Anhang in einer Pension unter. Zwischen dem Besitzer und Julia knistert es schon bald. Aber damit fangen Julias Probleme erst an...


    Meine Meinung:

    Wir begleiten die Ich-Erzählerin Julia, die ihr geerbtes Haus auf Sylt verkaufen möchte. Zusammen mit ihrer Mutter und ihren beiden Tanten fährt sie nach Sylt. Ihr Freund Jo kümmert sich während dieser Reise um ihre gemeinsame Firma. Gleich nach der Ankunft trifft sie auf einen jungen Mann, der ihr das letzte Fischbrötchen vor der Nase weg kauft und Julia gleich unangenehm in Erinnerung bleibt. Wenig später entpuppt sich dieser Mensch als Mats, der die Pension betreibt, in der die Frauengruppe untergekommen ist. Julia bezweifelt bald, ob die Syltreise eine gute Idee gewesen ist, denn zwischen ihrer Mutter und deren Schwestern gibt es Spannungen ohne Ende, die wohl schon aus grauer Vorzeit herrühren. Zudem lebt in dem geerbten Haus Charlotte Engel, die langjährige Geliebte ihres Vaters. Mats und Julia verbringen viel Zeit gemeinsam und doch kommen sie sich nur sehr langsam näher. Als dann auch noch Jo der Insel einen Kurztripp abstattet, entwickeln sich die Dinge nicht wie erwartet. Einen großen Raum nimmt das Zerwürfnis der Schwestern ein und Julia erfäher so einige Geschichte aus der Familie. Julia tut sich mich Charlotte sehr schwer, weil sie Ihr die Zerstörung ihrer Familie vorwirft, aber die Überfrau Charlotte zeichnet ein anderes Bild der Beziehungen.

    Auch wenn das Buch weitgehend gewohnten und bekannten Schemata folgt hat mich das Werk sehr gut unterhalten. Das Ende musste so sein und der Weg dahin war gefüllt mit wundervollen Episoden über letztendlich gute Menschen.

    Die Sprecherin Sandra Voss macht einen ausgezeichneten Job und wirkt maßgeblich am sehr guten Gesamteindruck mit.



    Fazit:

    Mich hat diese Geschichte von Beginn an gefesselt und auch wenn viele Entwicklungen vorhersehbar waren habe ich mich glänzend unterhalten. Wunderbare Dialoge, gefühlvolle Entwicklungen und atmosphärische Beschreibungen schaffen ein einzigartiges Erlebnis. Deshalb bewerte ich das Hörbuch mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: B087QQH1JV

    Wird nach schwachem Start deutlich besser


    Buchmeinung zu Brigitte Riebe – Tage der Hoffnung


    „Tage der Hoffnung“ ist ein Roman von Brigitte Riebe, der 2020 bei Wunderlich erschienen ist. Dies ist der dritte Teil der Serie um „Die Schwestern vom Ku‘damm“.


    Zum Autor:

    Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte lebendig werden lässt. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.


    Klappentext:

    Berlin 1958: Farben und Formen, Augenblicke, eingefangen mit Bleistift und Papier. Seit sie denken kann, will Florentine Thalheim nur eines: sich ganz dem Zeichnen und der Malerei hingeben. Die jüngste von drei Töchtern hatte schon immer einen rebellischen Geist. Nur wenn sie zu malen beginnt, wird alles hell und leicht, dann singen die Farben in ihr. Während ihrem Vater für Florentine eine Zukunft im Kaufhaus am Ku’damm vorschwebt, beginnt sie ein Studium an der Kunstakademie. Hier ist sie voll in ihrem Element, arbeitet wie im Rausch. Doch schon bald legt sich ein Schatten auf ihr Glück. Rufus Lindberg, ihr herrischer Lehrer, macht ihr das Leben an der Schule zur Hölle, und die politischen Spannungen zwischen Ost und West drohen die Stadt und die Thalheims zu entzweien. Gibt es Hoffnung für Florentine und ihre Familie? Gibt es Hoffnung für Berlin?


    Meine Meinung:

    Nachdem mir die beiden Vorgänger sehr gut gefallen hatten, hatte ich sehr hohe Erwartungen, die leider nur zu Teilen erfüllt wurden. Aus meiner Sicht zerfällt das Buch in zwei Teile. Im ersten Teil begleiten wir Florentine während der Zeit ihres Studiums in Berlin. Dieser Abschnitt hat mich weniger überzeugt, weil mir das Verhalten der Hauptfigur so gar nicht gefallen wollte. Sie gestaltete ihr Leben ohne Kompromisse und mit wenig Rücksicht auf ihre Verwandten. Für Florentine entwickelte ich keine Sympathie und ihr weiterer Weg war mir sogar egal. Im zweiten Teil spielten historische Ereignisse eine größere Rolle und Florentine fand einen Weg, der neben ihren eigenen Interessen auch die Interessen der Familie berücksichtigte. Zudem gefällt mir in diesem Teil die Verquickung von realen und fiktiven Geschehnissen besonders. Dies ist eine Stärke der Autorin, die sie im ersten Abschnitt kaum einbringt. In diesem zweiten Abschnitt wurden meine Erwartungen erfüllt, auch weil die bekannten Figuren aus den ersten beiden Bänden eine größere Rolle bekamen. Zum Abschluss gab es noch eine Episode um einen Bösewicht, die es nicht gebraucht hätte.


    Fazit:

    Nach schwachem Start wurde es deutlich besser, aber insgesamt vergebe ich nur drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

    Baut nach akzeptablem Start stark ab


    Buchmeinung zu Serena Kent – Tod in Saint Merlot


    „Tod in Saint Merlot“ ist ein Kriminalroman von Serena Kent, der 2020 bei Bastei Entertainment in der Übersetzung von Alexander Lohmann und Linda Budinger erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Death in Provence“ und ist 2018 erschienen.


    Zum Autor:

    Serena Kent ist das Pseudonym des Autorenehepaars Deborah Lawrenson und Robert Rees. Deborah arbeitete als Journalistin für verschiedene Zeitungen, u. a. für The Daily Mail und Woman’s Journal, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Robert komponiert und dirigiert Musik für Theaterstücke. Das Ehepaar lebt in Kent und besitzen einen alten Hof in der Provence.


    Klappentext:

    Bei einem Urlaub in der Provence verliebt sich die Britin Penelope Kite in einen alten Bauernhof. Kurzerhand erwirbt die Frührentnerin das Gehöft und zieht um. Doch kaum angekommen, erlebt sie den Schreck ihres Lebens: Im Swimmingpool schwimmt eine Leiche! Es ist Manuel Avore, der ehemalige Besitzer des Hofes, der diesen wegen Spielschulden verkaufen musste. Die Polizei geht von einem Unfall aus, doch Penelope ist sich da nicht so sicher. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln ...


    Meine Meinung:

    Mir hatte die Leseprobe zu diesem Buch gut gefallen, aber das Buch konnte mich letztendlich nicht überzeugen. Penelope Kite blieb mir zwar sympathisch, aber einige ihrer Handlungen konnte ich nur schwer nachvollziehen. Mein Hauptproblem waren aber die ständigen Wiederholungen der Autorin. Ob es die tolle Aussicht vom erworbenen Hof, die riskante Fahrweise der Maklerin, die Informationshoheit des Bürgermeisters, der fehlende Einsatz der Polizei, das Auftauchen eines Ferrarifahrers oder die Nichtbeachtung durch ihre neuen Nachbarn waren, alles wurde ständig wiederholt. Die Ankunft ihrer Freundin Frankie brachte etwas frischen Wind, der sich aber in einen Dauerkonsum von Speisen und jeder Menge Rosewein verlor. Nur bei den Speisen kam bei mir südländisches Flair auf. Abstecher zu alten Bauwerken allein erzeugen keine Atmosphäre. Auch das Motiv des Täters konnte mich nur bedingt überzeugen, zumal zwischenzeitlich jede Figur verdächtig sein sollte. Spannung kam nur gelegentlich auf und war meist mit einer konkreten Bedrohung Penelopes verbunden. Die Auflösung war nachvollziehbar, weniger aber, warum es niemandem aufgefallen war.


    Fazit:

    Mich hat dieses Buch enttäuscht und so vergebe ich nur zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten). Empfehlen kann ich das Buch nicht.


    ASIN/ISBN: B07ZQ8M83B

    Die Mischung aus Spannung, privaten Themen und provenzalischem Flair überzeugt


    Buchmeinung zu Remy Eyssen – Dunkles Lavandou


    „Dunkles Lavandou“ ist ein Kriminalroman von Remy Eyssen, der 2020 im Ullstein Verlag erschienen ist. Dies ist der sechste Band der Serie um den Gerichtsmediziner Leon Ritter.


    Zum Autor:

    Remy Eyssen (Jahrgang 1955) geboren in Frankfurt am Main, studierte Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Er verbrachte schon als Schüler viele Sommer mit Eltern und Geschwistern in der Provence. Auch später war er immer wieder in Südfrankreich, wohnte in Le Lavandou und in Bormes les Mimosas.

    In den der 90er Jahre entstanden erste Drehbücher für eine Serie des Hessischen Rundfunks. Bis heute folgten mehr als 100 weitere Stücke für alle großen deutschen Fernsehsender im Genre Krimi und Thriller.


    Klappentext:

    Strahlender Sonnenschein und jede Menge Touristen versprechen den Beginn einer perfekten Sommersaison. Die Stimmung in Le Lavandou könnte nicht besser sein, doch eines Morgens wird unter einer Brücke die Leiche einer Frau gefunden. Leon Ritter findet durch die Obduktion heraus, dass sie nicht freiwillig in den Tod gesprungen ist. Vieles deutet auf eine rituelle Tötung hin. Während Leon und seine Lebensgefährtin Isabelle verschiedenen Verdächtigen nachspüren, scheint die Polizei den Fall schleifen zu lassen – bis eines Tages die Tochter des französischen Kultusministers samt einer Freundin verschwindet. Sie wurden zuletzt in Le Lavandou gesehen …


    Meine Meinung:

    Meine Erwartungen an dieses Buch waren hoch, weil mir die Vorgänger sehr gut gefallen haben. Wie gewohnt ist der Schreibstil geprägt durch viele Perspektivwechsel, die einerseits das Tempo hochhalten, aber andererseits auch viel südländisches Flair einfliessen lassen. Dr. Leon Ritter ist mittlerweile in Le Lavandou heimisch geworden und fühlt sich in seiner Wahlheimat sehr wohl. Seine Lebensgefährtin Isabelle Morell, die stellvertretende Polizeichefin, ist beunruhigt, weil sie sich einer Biopsie unterziehen soll. Ihre sechzehnjährige Tochter Lilou möchte erstmals ohne ihre Mutter und Leon in Urlaub fahren. Isabelle und Leon werden sehr ausführlich und detailliert beschrieben, während die anderen Figuren eher nur skizziert werden. Auch diesmal werden einige Szenen aus der Sicht eines Opfers erzählt und es ist harter Tobak. Trotz der sympathischen Hauptfiguren und des allgegenwärtigen südlichen Lebenstils wirkt die Geschichte etwas dunkler als die Vorgänger. Die große Stärke des Buches ist die gelungene Mischung aus Kriminalfall, privaten Entwicklungen und Abschnitten, die einfach nur Atmosphäre erleben lassen. Ein Bummel über den Wochenmarkt, eine Boulepartie mit Freunden gegen Urlauber oder eine entspannte Autofahrt über Nebenstraßen lassen die Provence lebendig werden. Beruflich geht Leon seinen Weg unbeirrt weiter und macht dort keine Kompromisse. Dies erfahren auch ein Sonderermittler und ein Minister, die ihn für ihre Zwecke einspannen wollen. Der Kriminalfall ist komplex und die Suche nach dem Mörder und den vermissten Mädchen gestaltet sich schwierig und Rückschläge bleiben nicht aus. Zum Ende gibt es einen gelungenen Showdown.


    Fazit:

    Die Mischung aus Spannung, privaten Entwicklungen und provenzalischem Flair sind die großen Stärken dieses Romans. Deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

    Nun bin ich auch durch. Es ist schön zu lesen, dass Pierre beruflich und auch privat wieder in die Spur gefunden hat. Zwischendurch habe ich schon gedacht, dass er sich Kalia zuwendet, aber vielleicht kam Charlotte gerade rechtzeitig. Kalia ist eine ziemlich tragische Figur. Vieles ist für sie unglücklich gelaufen und auch Pierre hat sich für Charlotte entschieden. In der Mairie erleidet der Bürgermeister eine Niederlage, aber er bleibt im Amt. Ich bin gespannt wie sich das Verhältnis mit dem Chef de Police entwickelt. Zündstoff ist ja vorhanden. Pierre verschiebt auch den Heiratsantrag ein weiteres Mal und wartet auf den richtigen Moment. Manchmal möchte ich ihm zurufen: "Wenn nicht jetzt, wann dann?".

    Diese religiösen Selektierer sind mir ein Graus. Manche Gruppen verzichten ja sogar auf jeden Einsatz moderner Medizin, beginnend mit Impfungen, und natürlich sind Operationen jeder Art ein Tabu, Es gibt erstaunliche Heilungserfolge wie auch bei homöopathischen Medikamenten, aber die Fälle mit negativen Erfolgen sind ja keine Schlagzeilen wert. Natürlich wollte auch die Mutter nur das Beste für das Kind.

    Pierre erzählt Louis die ganze Wahrheit über sich, aber Louis fühlt sich hintergangen und ergreift die Flucht.

    Ein paar Probleme habe ich mit den Gruppen mit den französischen Bezeichnungen und mit ihrer Abgrenzung untereinander.

    Fasziniert bin ich von Kalia und möchte gern noch mehr von ihr erfahren.

    Giselle ist auf der Suche nach dem verschwundenen Brief und bekommt zufällig das Gespräch mit, das der Bürgermeister wohl mit dem neuen Polizeichef führt. Mal schauen, wie sich dieser Strang ermittelt.

    Giselle hält sich wie auch Pierre beim Wohnwagen nicht buchstabengetreu an das Gesetz, aber es macht sie sympathischer, während es beim Bürgermeister einfach nur fies ist.

    Hier kommt eine von Pierres Stärken zum Tragen. Er ist unheimlich gut vernetzt und findet fast immer jemand, der ihm Auskunft geben kann. Dann wird auch noch der Zeuge mitteilsam, aber noch bringt es nichts. Auch die Diskussionen um den Kettenbrief bringen momentan noch nichts, aber dann eine zweite Leiche und jemand hat Louis Unterkunft untersucht und mögliches Belastungsmaterial entwendet. Auch in der Mairie tut sich was. Giselle ist der nicht angekommenen Einladung auf der Spur. Ich habe ja den freundlichen Bürgermeister in Verdacht.

    Langsam kommt Pierre wieder zu sich und sein Bootsgast hilft ihm mehr oder weniger unfreiwillig. Dann sogar die Unterstützung durch einen Präfekten, der ihm zur Rückkehr in den Job verhilft. Ich hätte Pierre zugetraut, dieses Geschenk abzulehnen. Giselle unterstützt Pierre mit Informationen und stößt auf Ungereimtheiten im Bürgermeisteramt. Dieser nett auftretende Bürgermeister ist noch mehr daneben als Pierre. Seine Art, das Gesicht zu wahren, ist eine Unverschämtheit und mich wundert es, dass Pierre diese Bedingung widerspruchlos akzeptiert. Die Kriminalbeamten sind eine interessante Mischung und Pierre findet nur wenig Akzeptanz. Immerhin findet Pierre mehr und mehr zu seinen Stärken zurück und will sich ein eigenes Bild machen, auch wenn er damit aneckt.

    Huch? Für einen Moment dachte ich, ich sitze in der Bar du Sud.

    Tja, da ticken Charlotte und ich anders. Ich habe ja den Vorgänger gelesen, aber Pierres Reaktion finde ich schlimm, weil er alle verdammt und sich als schuldloses Opfer sieht. Auch ich kenne Menschen, die ihren Job oder ihren Partner verloren haben, und damit überhaupt nicht zurecht gekommen sind. Aber dass sich Pierre überhaupt nicht wehrt, hätte ich mir nicht vorstellen können. Auch seine Wertvorstellungen müssen wohl modernisiert werden. Er ist der Mann und damit derjenige, der für den Lebensunterhalt sorgt und der sagt, wie es weitergeht, nicht seine geliebte Charlotte.