Beiträge von wampy

    Nun habe ich auch die Belagerung von Konstantinopel abgeschlossen. Es ist immer wieder erschreckend, wie gering das Leben der eigenen Kämpfer eingeschätzt wird. Die Not der Belagerer kann ich nachvollziehen, denn oft entscheidet die Versorgungslage der Truppen. Und die Politik der verbrannten Erde ist erschütternd. Resourcen zu vernichten, damit nur der Gegner sie nicht bekommt. Auf so eine Idee können nur Menschen kommen. Der Beduinenräuber hat ein paar Pluspunkte gesammelt, weil er die irdische Welt dem himmlischen Paradies vorzieht. Mit Religion rechtfertigen viele Herrscher unsägliche Leiden der Bevölkerung und jede Art von Krieg.

    Buchmeinung zu Alex Wagner – Apostelmord: Ein Kriminalroman aus dem römischen Wien


    „Apostelmord“ ist ein Kriminalroman von Alex Wagner, der 2019 bei Independently published erschienen ist.

    Zum Autor:

    Alex Wagner, geb. 1972, lebt und arbeitet in Wien, ist aber ebenso gern auf Reisen.

    Ursprünglich Betriebswirtin und Bankerin, widmete sie sich später dem Coaching, der Parapsychologie und der Hypnose. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ist sie außerdem in der wunderbaren Welt der Juwelen und im Schmuckdesign zu Hause. Sie lebt gern aus dem Koffer und erkundet den Kosmos, per Zug oder im Cyberspace, aber vor allem auf dem Papier.

    Alex Wagner schreibt Krimis, Thriller, Liebesromane - sowie Sachbücher zu Themen, die sie persönlich beschäftigen.


    Klappentext:

    2. Jahrhundert nach Christus, unter der Herrschaft von Kaiser Hadrian:

    Über der römischen Provinzstadt Vindobona braut sich neues Unheil zusammen. Inmitten eines verheerenden Schneesturms treffen im Haus des germanischen Händlers Thanar die Anhänger zweier geächteter Kulte aufeinander – Druiden und Christen. Sie hoffen auf Gastfreundschaft und ein sicheres Dach über ihrem Kopf. Doch es ist der Tod, der sie erwartet. Haben sich die Götter höchstselbst gegen die Einwohner Vindobonas verschworen? Oder verbirgt sich unter Thanars Gästen ein Dämon in Menschengestalt? Ein heimtückischer Mörder, der scheinbar wahllos zu töten scheint?


    Meine Meinung:

    Schon der erste Band hatte mir gut gefallen, aber dieser zweite Band ist noch besser. Die Geschichte wird aus der Sicht Thanars, eines germanischen Händlers, erzählt. Sein Freund Marcellus, Anführer der römischen Truppen in Vindobona, bittet ihn, Vertreter zweier religiöser Gruppen bei sich aufzunehmen. Während eines massiven Schneesturms kommt es zu einem Doppelmord und die Ermittlungen beginnen. Es ist jedoch wie im ersten Fall die freigelassene Nubierin Layla, die federführend die Aufklärung betreibt. Sie ist sehr selbstbewusst und mit beiden Männern liiert. Im Anwesen Thanars treffen vier Religionen aufeinander und es ist sehr beeindruckend, welche Freiheiten die Religionen im römischen Reich genießen. Alles spielt sich auf dem Anwesen und der nahen Umgebung ab. Trotz dieser Beschränkungen bleibt die Spannung durchgehend erhalten und mehrmals gibt es überraschende Entwicklungen. Thanar und Marcellus wirken überfordert, aber Layla sammelt Informationen und sucht nach einer Lösung. Layla ist überaus sympathisch und sehr gewitzt. In einem eindrucksvollen Showdown wird die Auflösung präsentiert.

    Neben historischen und kriminalistischen Elementen steht die Dreiecksbeziehung zwischen Layla, Marcellus und Thanar im Blickpunkt. Im direkten Vergleich mit Layla schneiden die beiden Männer nicht besonders gut ab, tragen dies aber mit Fassung. Ruhige Passagen wechseln mit lebendigeren ab und es bleibt die Zeit, etwas über römische Lebensgewohnheiten zu erfahren. Das größte Plus dieses Werks ist die Mischung all dieser Komponenten. Gut gezeichnete Figuren und ein humorvoller Unterton runden das Ganze ab.


    Fazit:

    Die Mischung aus Historie, Kriminalfall und Beziehungsgeflecht ist überaus gelungen und lesenswert. Es ist ein wahres Vergnügen das Dreigespann zu begleiten. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 1692183850

    Buchmeinung zu Rhys Bowen – Cottage mit Mord


    „Cottage mit Mord“ ist ein Kriminalroman von Rhys Bowen, der 2019 bei dp DIGITAL PUBLISHERS in der Übersetzung von Lennart Janson erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Evan‘s Gate“ und ist 2004 erschienen. Dies ist der achte Fall um den walisischen Dorfpolizisten Evan Evans.


    Zum Autor:

    Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


    Klappentext:

    Als Evan das Skelett eines Kindes im Vorgarten begraben findet, will er nicht ruhen bis er dessen Identität aufdeckt hat. Das Skelett ist Jahrzehnte alt, aber sein Fund fällt auf unheimliche Weise mit dem aktuellen Fall eines vermissten Mädchens zusammen. Obwohl er von seinen Detektivkollegen entmutigt wird, taucht Evan in das Geheimnis der beiden vermissten Kinder ein. Und er merkt schnell, dass die Lösung des vergangenen Falls möglicherweise einen entscheidenden Einblick in den Aufenthaltsort jenes Kindes gibt, das heute vermisst wird ...


    Meine Meinung:

    Evan hat den Sprung zum Zivilfahnder geschafft und auch privat geht es voran. Die Hochzeit mit Bronwen kommt näher und ein Anwesen für ihr Haus ist auch gefunden. Doch dann wird ein blondes Mädchen vermißt und Evan findet auf seinem Grundstück eine weitere Mädchenleiche, die allerdings schon vor langer Zeit vergraben wurde. Vieles ist wie in der Serie üblich gestaltet und doch zieht ein dunklerer Grundton ein. Evan vermutet etwas anderes als seine Vorgesetzten und stellt wieder eigene Ermittlungen an. Evan bleibt ein Frauenschwarm und diesmal ist eine Amerikanerin auf seiner Fährte. Die lange Zeit erfolglosen Ermittlungen und die Nachwiekungen der Maul- und Klauenseuche sorgen für gedrückte Stimmung und als klar wird, dass Evan die vergrabene Tote persönlich gut kannte, wird es hart für ihn. Natürlich sind es die Auswärtigen, die oben auf der Verdächtigenliste stehen.

    Evan Evans ist ein Sympathieträger, dem man gerne folgt. Er ist wahrlich kein Supermann ohne Fehler, aber er gibt sein Bestes. Seine Selbstzweifel ehren ihn und er kann sich auf seinen Instinkt verlassen. Seine Bemühungen um vernünftiges Essen lockern die Geschichte immer wieder auf und Bronwen leistet mehrfach Aufbauarbeit. Lange Zeit lag ich mit meinen Annahmen falsch und wurde durch die schlüssige Lösung überrascht.


    Fazit:

    Dieser Fall aus der Serie um Constable Evans überrascht mit einem deutlich dunkleren Grundton. Die Figuren bleiben aber liebenswert und sympathisch. Meine Wertung lautet vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und für die Freunde eher ruhiger Krimis gibt es eine Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: B07XBLY7LG

    Ich habe nun auch losgelegt und habe mich am Anfang mit den islamischen Namen schwer getan. Aber nach der erfolgreichen Flucht des Kaufmannsohnes gibt es wohl keine Alternative. Das Kapitel um Eudos Entscheidungsfindung hat mir sehr gut gelungen. Man erfährt, in welchen Problemen er steckt, und lernt sein bedachtes Vorgehen schätzen. Die Krieger des Dschidads haben ihren europäischen Gegnern das Fürchten gelernt und sind eine starke Bedrohung geworden. Momentan dringender ist aber die Entscheidung, welchen Hausmeier Eudo unterstützen soll. Ich kann sein beinahe verzweifeltes Suchen nach Information verstehen, denn er weiß zu wenig gerade über die entfernteren Franken um Karl, aber das eines Diplomaten unwürdige Auftreten des Bischofs lässt ihm kaum eine Wahl, aber war das weise von Eudo. Nun ran an das zweite Kapitel.

    Buchmeinung zu Katharina Gerwens – Der letzte Streich


    „Der letzte Streich“ ist ein Kriminalroman von Katharina Gerwens, der 2019 bei Piper ebooks erschienen ist.


    Zum Autor:

    Katharina Gerwens wurde 1952 in Epe (jetzt Gronau in Westfalen) geboren und verbrachte ihre Kindheit auf dem Dorf. Seit ihrem 15. Lebensjahr schreibt sie Chansons für Udo Jürgens. Nach ihrer Ausbildung zur Journalistin arbeitete sie in verschiedenen Verlagen und ist heute als freie Lektorin tätig. Katharina Gerwens lebt und arbeitet in München und Niederbayern.


    Klappentext:

    Ein Mittelalterfestival in Ortenburg! Dieses Spektakel wollen sich Kommissarin Franziska Hausmann und ihre Freundin Marie nicht entgehen lassen. Dass die Zeitreise zu einem Horrortrip wird, ahnen sie nicht. Am zweiten Tag passiert es: Ein kostümierter Mann wankt auf Franziska zu, flüstert unverständliche Worte und bricht zusammen. In seiner Brust steckt ein Dolch. Bei dem Toten handelt es sich um ein Mitglied einer Gruppe gestresster Manager, die im Bayerischen Wald Entschleunigung suchen. Doch die werden sie am Ufer der Donau wohl nicht mehr finden, denn schon bald folgt die nächste Leiche …


    Meine Meinung:

    In diesem Buch spielen Beziehungen eine wichtige Rolle. Kommissarin Hausmann macht mit der Frau des Oberstaatsanwalts Urlaub im Bayrischen Wald. Als ihr eine Leiche vor die Füße fällt, bittet sie der Oberstaatsanwalt zu ermitteln. Die drei Ortspolizisten brauchen dringend Unterstützung und so wird auch ein Kommissar, der schon in Rente gegangen ist, reaktiviert. Er ist Vater eines der Polizisten und ist hinsichtlich der Fähigkeiten seines Sohnes befangen. Es gibt eine weitere Tote, die ebenfalls an einem Kurs für Pflegeheimleitungen teilnimmt. Die Figuren sind nicht sonderlich tief gezeichnet und wirkten auf mich nur bedingt sympathisch. Gestört hat mich die mehrfach auftretende sexuelle Komponente bei der Darstellung der Figuren und ein Verhältnis kommt noch dazu. Auch das ein oder andere Klischee wird gerne von der Autorin aufgegriffen. Unter diesen Nebengeräuschen leidet die Spannung erheblich. Da helfen auch eingeschobene Passagen mit Gedanken des Mörders nicht wirklich. Nebenbei wird noch Kritik an den Auswüchsen im Pflegebereich geübt. Die Ermittlungen der Polizisten wirken nicht sehr professionell, aber am Ende wird ein sauberes Motiv präsentiert. Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Atmosphäre gab es kaum und auch die Ermittler blieben mir fern.


    Fazit:

    Dieser Kriminalroman hat mich enttäuscht zurückgelassen und ich vergebe deshalb nur zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B07KGC9NW5

    Buchmeinung zu William Melvin Kelley – Ein anderer Takt


    „Ein anderer Takt“ ist ein Roman von William Melvin Kelley, der 2019 bei Hoffmann und Campe in der Übersetzung von Dirk van Gunsteren erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „A Different Drummer“ und ist 1962 erschienen.


    Zum Autor:

    William Melvin Kelley wurde 1937 in New York geboren. Mit vierundzwanzig Jahren veröffentlichte er seinen bis heute gefeierten Debütroman A Different Drummer. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Paris und auf Jamaika kehrte er mit seiner Familie 1977 nach New York zurück und unterrichtete am Sarah Lawrence College Kreatives Schreiben. Für seine Romane, Kurzgeschichten, Essays und Filme wurde Kelley vielfach ausgezeichnet. Er starb 2017 in Harlem.


    Klappentext:

    Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht sich auf den Weg in Richtung Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung des Ortes.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist in vielerlei Hinsicht besonders. Dies fängt mit der Hauptfigur Tucker Caliban an, der der erste schwarze Farmer in Sutton gewesen ist. Seine Gedanken kommen kaum vor – es werden die Ergebnisse seines Tuns aus mehreren Perspektiven betrachtet. Er ist ein friedlicher Bürger, der ruhig und scheinbar zufrieden sein Leben gefristet hat. Dann vernichtet er von einen Tag auf den anderen seine Existenz und verlässt mit seiner Familie den Ort. Dies ist der Auslöser für eine friedliche Massenflucht aller schwarzen Bewohner des Ortes. Die Beobachter dieser Flucht sind zuerst überrascht und dann irritiert. Warum verlassen die schwarzen Bewohner den Ort? Sie werden nicht bedroht und doch ziehen alle fort. Die weißen Bewohner verstehen es nicht, aber sie merken, dass sich auch ihr Leben ändern wird. Auch ein wohlhabender schwarzer Priester aus dem Norden schaut sich die Lage vor Ort an und ist vom Tun Tucker Calibans fasziniert. Tucker bewegt mit seinem Tun mehr, als die lautstarken Proteste in anderen Orten.

    Die Sprache ist einfach und die Handlung überschaubar. Und doch übt die Geschichte Faszination auf den Leser aus. Ganz automatisch kommt man ins Grübeln und fragt sich, warum diese Massenflucht einsetzt. Aus den Schilderungen der weißen Bevölkerung wird klar, dass das Zusammenleben zwar friedlich, aber nicht gleichberechtigt gewesen ist. Das ist der einzige Grund.


    Fazit:

    Dieses Buch hat mich trotz der vorgeblichen Schlichtheit zum Nachdenken gebracht. Es ist ein faszinierender Appell für die Gleichberechtigung aller Menschen. Deshalb fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: B07R43CXZ8

    Buchmeinung zu Matthias Lisse – Die geteilten Jahre


    „Die geteilten Jahre“ ist ein Roman von Matthias Lisse, der 2019 bei Droemer HC erschienen ist.


    Zum Autor:

    Matthias Lisse wurde 1957 geboren. Aufgewachsen in der DDR, studierte er aus politischen Gründen statt Geschichte und Literatur Veterinärmedizin und später Pferdezucht und -sport und wurde Militaryreiter sowie Ausbildungsleiter des bedeutendsten Vollblutgestüts der DDR.

    Im Frühjahr 1988 gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik, ein Jahr später folgten ihm seine Frau und Tochter. Gemeinsam bauten sie einen Reit-und Zuchtbetrieb in Bayern auf, wo sie noch heute leben.


    Klappentext:

    Berlin 13. August 1961

    Der Traum vom „Arbeiter- und Bauernparadies“ ist ausgeträumt, und wie viele andere haben Wolfgang Leipold und seine Frau nur ein Ziel: die DDR, zusammen mit ihrem kleinen Sohn Marcus, so schnell wie möglich zu verlassen. Doch ihr Entschluss kommt zu spät, denn mit der Errichtung der Mauer ist ihnen der Weg in die Freiheit versperrt und jeder Gedanke an eine Flucht aus der DDR so gut wie unmöglich.

    Jahre später träumt Marcus, inzwischen verheiratet und Vater einer Tochter, ebenfalls davon, in den Westen zu gehen, doch zunächst gelingt es nur ihm, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Wie aber soll er es schaffen, seine Frau Imke und die kleine Jessica zu sich zu holen?

    Neue Hoffnung keimt auf, als im September 89 Tausende DDR-Flüchtlinge die Prager Botschaft stürmen – darunter auch Imke und ihre Tochter …


    Meine Meinung:

    Matthias Lisse beschreibt in diesem autobiografischen Werk seine sehr persönliche Geschichte von seiner Jugend bis zu seiner persönlichen Wiedervereinigung. Seine subjektive Wahrnehmung wird mit kurzen Szenen prominenter Politiker aufgelockert. Der Autor schildert einen unabhängigen Menschen, der frei von Politik und Kirche leben will, sich aber in der DDR immer mehr eingeengt fühlt. Es werden viele Informationen zum alltäglichen Leben in der DDR gegeben, die mir zum Teil unbekannt waren. Im Laufe der Zeit wird die Situation füt die Hauptfigur immer unerträglicher und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann er aus politischen Gründen ins Gefängnis wandert. So ergreift er bei einem Familienbesuch im Westen die Chance zur Flucht, auch wenn er seine Frau und seine junge Tochter zurücklassen muss. Danach sucht er verzweifelt nach einem Weg, Frau und Tochter zu sich zu holen. Die Schilderungen sind hoch emotional und man spürt den unglaublichen Druck, den er aushalten musste. Das Buch lebt von der subjektiven Darstellung und doch wirkte es manchmal überzogen.


    Fazit:

    Ein beeindruckendes Wert über das Leben eines Freidenkers mit einer sehr subjektiven Sicht der Dinge. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

    :write Das verwundert mich auch.

    Mich wundert das weniger. Etliche hat es nicht interessiert, weil sie keinen Bezug zur DDR hatten. Selbst ich, dessen Vater aus der Nähe Wismars stammt, aber nie in der DDR war, kenne nur Schilderungen aus Rentner-Sicht. Diese Schilderungen waren relativ harmlos. Meine Eltern empfanden das ganz anders. DDR war nie ein Thema in der Schule und im Freundeskreis.

    Ein Meisterwerk


    Buchmeinung zu Hakan Nesser – Der Verein der Linkshänder


    „Der Verein der Linkshänder“ ist ein Kriminalroman von Hakan Nesser, der 2019 bei btb in der Übersetzung von Paul Berf erschienen ist. Der Titel der schwedischen Originalausgabe lautet „De vänsterhäntas förening“ und ist 2019 erschienen.


    Zum Autor:

    „Lesen ist großartig, aber schreiben ist vielleicht noch großartiger“, sagte Håkan Nesser einmal. Den deutschen Lesern ist er besonders durch die Reihe mit Kommissar Van Veeteren bekannt sowie durch die „Gunnar-Barbarotti“-Krimis. In Schweden sind seine Werke so anerkannt, dass zwei seiner Bücher zu Schulliteratur wurden: „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ sowie „Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla“. Das freut den Autor besonders, weil er bis 1998 als Lehrer tätig war. Der 1950 in der schwedischen Gemeinde Kumla geborene Schriftsteller hat Geisteswissenschaften studiert und Englisch und Schwedisch unterrichtet. Er lebt heute mit seiner Familie in London und auf Gotland.


    Klappentext:

    Kommissar Van Veeteren - mittlerweile im Ruhestand, aber so legendär wie eh undje - bereitet sich innerlich darauf vor, seinen 75. Geburtstag zu feiern, als ein früherer Kollege auftaucht, um ihn von einem alten Fall zu berichten. Damals waren in einer Pension in Oosterby vier Menschen ums Leben gekommen, die nur eines gemeinsam hatten: die Mitgliedschaft in einem "Verein der Linkshänder". Da das fünfte am Treffen teilnehmende Mitglied verschwunden war, wurde der Mann schnell als Täter identifiziert, aber niemals gefunden. Nun ist überaschend nach Jahren seine Leiche aufgetaucht, offensichtlich wurde er zur selben Zeit ermordet wie die anderen. Mit anderen Worten: Van Veeteren und seine Kollegen haben damals versagt, der Mörder ist weiter auf freiem Fuß. Bald danach wird eine weitere Männerleiche gefunden - mit den Ermittlungen hier betraut: ein gewisser Inspektor Barbarotti...


    Meine Meinung:

    Das Zusammentreffen der Krimifiguren van Veeteren und Barbarotti deutete auf einen besonderen Kriminalroman hin. Meine Erwartungen waren riesig und sie wurden erfüllt. Der Kriminalroman spielt auf drei Zeitebenen, zwischen denen der Autor permanent wechselt. In der Zeitebene, die Ende der sechsiger Jahre spielt, beginnt die Geschichte des Vereins, der sich nur aus linkshändigen Schülern rekrutiert. In der zweiten Zeitebene zu Beginn der neunziger Jahre werden mehrere Mitglieder ermordet und in der Jetztzeit ermitteln die Kommissare in einem neuen Mordfall. Van Veeteren erfährt von einem ehemaligen Kollegen, dass sie bei den Ermittlungen zum Mehrfachmord den falschen Täter überführt haben. Van Veeteren nutzt die Flucht vor den Feierlichkeiten zu seinem 75. Geburtstag um mit seiner Lebensgefährtin in dieser Sache zu ermitteln. Beide tauschen dabei meist eher philosophische Überlegungen aus, kommen aber trotzdem auch in der Sache voran, Durch eingefügte Abschnitte aus den früheren Zeitebenen werden die Überlegungen des Lesers immer wieder in eine falsche Richtung geleitet. Alles klingt plausibel und man glaubt, den Täter überführt zu haben, aber dann tauchen neue Ermittlungsergebnisse auf, die dem widersprechen. Dieses Vorgehen wiederholt sich einige Male. Dann wird Barbarotti in einem aktuellen Mordfall zu Ermittlungen nach Maardam geschickt. Er ist mit einer Kollegin unterwegs und auch sie pflegen Unterhaltungen, die ofr nur bedingt mit dem Fall zu tun haben. Bei einem gemeinsamen Abendessen wird dann der Fall gelöst. Dessen sind sich beide Ermittler sicher.

    Hakan Nesser ist ein begnadeter Erzähler, der mich fesselt ohne das es die Spannung braucht. Er beschreibt die Menschen so, dass ich eine genaue Vorstellung ihrer Persönlichkeit habe. In diesem Buch kommt dem Leser ganz automatisch die Rolle eines Ermittlers zu und mehrfach hatte ich einen Täter überführt, der es dann doch nicht war. Der Autor spielt mit dem Leser auf eine besondere Weise. Am Ende hatte ich volles Verständnis für den Fehlgriff van Veeterens, zumal er mit allen Fakten und der Mithilfe seiner Partnerin doch noch den richtigen Täter erkennt.


    Fazit:

    Mir hat dieses Werk unheimlich viel Vergnügen bereitet, auch wenn oder gerade weil mir mehrfach eine vollständige Lösung suggeriert wurde, die dann mit einer weiteren Information hinfällig wurde. Ich kann nur applaudieren, die Höchstnote fünf von fünf Sternen vergeben (100 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung aussprechen.


    ASIN/ISBN: 3442758157

    Ein Psychothriller der ruhigen Art


    Buchmeinung zu Shari Lapena – Der zehnte Gast


    „Der zehnte Gast“ ist ein Kriminalroman von Shari Lapena, der 2019 bei Bastei Lübbe in der Übersetzung von Axel Merz erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „An Unwanted Guest“ und ist 2018 erschienen.


    Zum Autor:

    Shari Lapena arbeitete als Rechtsanwältin und Englischlehrerin, bevor sie sich dem Schreiben von Romanen widmete. Sie gab ihr Thrillerdebüt mit THE COUPLE NEXT DOOR. Shari Lapena lebt mit ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen Kindern in Toronto.


    Klappentext:

    Das Mitchell’s Inn in den Wäldern der Catskill Mountains ist der perfekte Ort für ein gemütliches Wochenende. Doch als ein Schneesturm aufzieht, der jeglichen Kontakt zur Außenwelt unmöglich macht, wird das Hotel zur tödlichen Falle. Denn ein Gast nach dem anderen stirbt unter mysteriösen Umständen. Jeder weiß: Der Mörder muss unter ihnen sein - und es gibt keine Möglichkeit, die Polizei zu alarmieren oder zu fliehen ...


    Meine Meinung:

    Mein erstes Buch der Autorin hat mich positiv überrascht. Das Setting ist in ähnlicher Form wohlbekannt – eine Gruppe von Menschen trifft sich an einem abgelegenen Ort und kann keine Verbindung zum Rest der Welt aufnehmen und dann gibt es einen Todesfall. Hier liegt die Abgeschiedenheit an einem Wintersturm und ist zeitweiliger Natur.

    Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und jeder der zehn Gäste trägt seinen Teil dazu bei. Keiner der Gäste ist der geborene Sympathieträger und jeder hat ein Problem in seinem Rucksack. Nach ruhigem Beginn zieht die Autorin das Tempo an, indem einige der Gäste ihr Problem zumindest zu Teilen kundtun. Nach der zweiten Leiche wird auch die Atmosphäre frostig und auch der Leser beginnt zu frösteln. Blutige Darstellungen fehlen komplett, denn die Autorin setzt auf die psychologischen Momente. Manche Gäste benehmen sich etwas seltsam, auch weil der Druck, der auf ihnen lastet, schwer wiegt. Die Autorin seziert Beziehungen und die Beteiligten geben kein gutes Bild ab. Es gibt weitere Leichen und manche Personen verhalten sich unvernünftig. Das ist vielleicht das einzige Manko dieses Buches. Die Autorin spielt mit dieser Unvernunft und manchmal bleibt die erwartete Leiche aus. Der Weg zur Auflösung ist mit einigen Überraschungen gepflastert und auch am Ende bleiben ein paar Punkte offen.

    Fazit:

    Dieser Thriller lebt von der Darstellung der psychologischen Aspekte und hat mich weitgehend überzeugt. Die kleineren Mängel führen zu keiner Abwertung und so vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten). Dazu gibt es eine klare Leseempfehlung für die Freunde psychologisch geprägter Thriller.


    ASIN/ISBN: B07RQ7T6LY

    Mich hat das letzte Kapitel sehr berührt. Als Außenstehender kann man sich gar nicht vorstellen, welche Gefühlswelten deine Frau und deine Tochter in Prag durchlaufen haben müssen. Das Verhalten des Botschaftsmitarbeiters beim ersten Versuch war erschreckend. Erstaunt hat mich die Reaktion der Menschen auf den dunkelhäutigen US-Soldaten. Gab es dunkelhäutige Menschen nicht auch in der DDR, wenn auch nicht in der Häufigkeit wie bei uns, wobei auf dem Lande natürlich weniger Schwarze unterwegs sind. Zu den Ärzten fällt mir wenig ein, glaube aber, dass der tschechische Arzt richtig gehandelt hat. Ich habe festgestellt, dass ich über die Zeit zwischen DDR-Flüchtlinge in der Botschaft bis zum Mauerfall fast gar nichts gewusst haben. Bürgeraufstände in Dresden waren mir vollkommen neu.

    Insgesamt war es eine sehr beeindruckende Schilderung deiner Familiengeschichte, vielleicht schon ein Zeitdokument.

    Buchmeinung zu Lyl Boyd – Dreistellig


    „Dreistellig“ ist eine Kurzgeschichte von Lyl Boyd, die 2019 bei Books on Demand erschienen ist.


    Zum Autor:

    Lyl Boyd ist ein Autor mit deutschen Wurzeln, aufgewachsen im digitalen Zeitalter mit Einsen und Nullen. Bereits früh sträubte er sich gegen schwarz-weißes Denken und interessierte sich mehr für die Grauzone dazwischen. Er fand seine Erfüllung schließlich im geschriebenen Wort. Seither ist das Geschichtenerzählen seine kreative Passion.


    Klappentext:

    Geschäftsmann sucht Jungbrunnen

    Vincent ist besessen davon, ein hohes Lebensalter zu erreichen, und fliegt dafür sogar bis ans andere Ende der Welt ...


    Meine Meinung:

    Diese Kurzgeschichte regt zum Nachdenken an und der Leser erfährt einiges Wissenswerte im Zusammenhang mit sehr alten Menschen. Auch wenn das Ende vorhersehbar scheint, so ist es doch eine gelungene Kurzgeschichte. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B07X49MD4B

    Die ganzen Geschehnisse kommen unheimlich intensiv bei mir an. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Markus mehr dem Herzen als dem Verstand folgt. Manchmal arbeitet das Glück für einen und manchmal gegen einen. Für Mutter und Tochter muss die Prager Episode extrem schlimm gewesen sein.

    Erinnerungen, besonders aus der Jugend, sind oft etwas verklärt. Wir waren immer unter Kontrolle, auch nachts,und es gab viele Regeln, die man nicht immer einsehen konnte. Aber es war die erste Station nach dem Elternhaus, unter Gleichaltrigen im Sturm- und Drangalter.

    Einer der Betreuer, damals schon kurz vor der Rente, gab sich sehr kumpelhaft und hat uns, wenn ich es im Nachhinein betrachte, ganz schön ausgehorcht...

    Manchmal kommen mit dem Wissen um den Unrechtsstaat auch unschuldige Menschen in Verdacht, aber wer weiß schon, wie die Wahrheit ausgesehen hat. Diese permanenten Verdächtigungen sind ja eine gewollte Reaktion für die Machthaber. Es macht das Entstehen von Widerstandsgruppen unheimlich schwer.

    Ich hatte mit das Leben in der DDR eher normaler vorgestellt. Meine Großeltern hatten einen Bauernhof im der Nähe von Wismar, der dann in die örtliche LPG eingegliedert wurde. Meine Oma ist noch ein paar Jahre dort geblieben, dann aber zu uns in den Westen gekommen. Sonst hatten wir nur Ostbesuche von Rentnern, die sich weitgehend mit dem Staat arrangiert hatten. Sie haben nie so klar die schlechte Versorgungslage und die Repressalien geschildert. Einen Schock fürs Leben habe ich erst bekommen, als ich mit meinem Vater und zwei seiner Schwestern sein Geburtshaus besucht habe. Da haben Menschen in einem Haus gelebt, in dem man stellenweise durch die Decken gucken konnte. In dem kleinen Ort gab es nur eine junge Familie, der Rest waren Rentner oder Leute, die kurz vor der Rente waren und nicht mehr wegziehen wollten.

    Der Ausreiseantrag seiner Eltern kann auch Marcus nicht ruhig lassen. Er muss mit weiteren Repressalien rechnen. Die geschilderte Entwicklung in der DDR muss ja für alle Beteiligten deprimierend gewesen sein. Nicht nur die Bewohner sondern auch die politische Führung müssen verzweifelt gewesen sein. Das es nicht besser wurde, muss ja jeder gemerkt haben. Menschen wie Gorbatschow müssen ja lebensbedrohend gewirkt haben. Die Ablehnung seiner Gedanken durch die Staatsführung kann ich nachvollziehen.

    Die Gefühlslage von Markus beschreibt der Gedanke an eine offene Konfrontation, um sich einsperren zu lassen und dann auf eine Freikaufaktion zu hoffen, sehr eindringlich. Dann die Flucht in den Westen in der Hoffnung auf eine spätere Familienzusammenführung, sicherlich auch ein Zeichen der Verzweiflung. Auch ich denke, dass es mit Marcus in der DDR nicht mehr lange gut gegangen wäre.

    Die Idee ist ja nun grundlegend gescheitert. Am absurdesten finde ich, wie sich die Eigentümer zum Volkseigentum verhalten haben. Alles, Maschinen, Betriebe, Wohnungen, Werkzeuge, Ställe, Möbel in Schulen usw.usw. gehörte ja, zumindest auf dem Papier, den Werktätigen. Aber wie wurde damit umgegangen? Nicht pfleglich behandelt, Material, was nicht oder schlecht zu bekommen war, wurde "umgelagert"...Wenn Jedem alles und keinem etwas gehört, verliert es wohl an Wert und auch Wertschätzung.

    "Was des Volkes Hände schaffen, ist des Volkes Eigen!" und so. Ein paar hatten Teil am Reichtum und die Anderen mussten sich mit dem begnügen, was nicht in den Export ging und es bis in die Läden schaffte(oder unter die Ladentische).

    Du hast Recht: Kommunismus funktioniert nicht mit Menschen.

    Da muss ich dir leider zustimmen. Ähnliches erlebe ich in meinem Berufsleben zunehmend in Bezug auf Firmeneigentum oder zum Beispiel bei Gemeinschaftsräumen wie Kaffeeküchen.

    Hallo Clare,

    mein Beitrag über die Intoleranz ging nicht gegen dich oder einen anderen Teilnehmer der Leserunde, sondern gegen die vor allem im Internet gelebte Intoleranz. Aber auch viele politische Meinungsträger entwickeln sich in diese Richtung. was die Fronten verhärtet und Diskussionen unterdrückt.

    Ich finde nicht, dass wir uns vorrechnen müssen, wer der beste, bewussteste und schon immer oppositionelle Mensch war in diesen Zeiten.

    Das denke ich auch. Jeder macht es so, dass er damit zurecht kommt.

    Mir stößt es momentan auf, dass manche 'Leute glauben, es gäbe nur eine akzeptable Meinung zu bestimmten Punkten, wie z. B. Umweltschutz. Ihre Toleranz geht gegen null.Wenn man über Themen nicht mehr ergebnisoffen diskutieren kann, dann ist bei uns was schief gelaufen.