Beiträge von wampy

    Die Hauptfigur Alex beeinträchtigte mein Lesevergnügen


    Buchmeinung zu Stella Cameron – Ein Pint mit Mord


    „Ein Pint mit Mord“ ist ein Kriminalroman von Stella Cameron, der 2021 im dp Verlag in der Übersetzung von Lennart Janson erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Out Comes the Evil“ und ist 2016 erschienen. Dies ist der zweite Band der Alex-Duggins-Reihe, die in Folly-on-Weir in den Cotswolds spielt.


    Zum Autor:

    Stella Cameron, geboren am 5. Dezember 1943, ist eine New-York-Times- und USA-Today-Bestsellerautorin mit über vierzehn Millionen verkauften Exemplaren. Cameron lebt in Washington mit ihrem Ehemann Jerry und ihrem Hund und ihren Katzen.


    Klappentext:

    Endlich kehrt wieder Ruhe in das beschauliche englische Dorf Folly-on-Weir ein. Doch der Schein trügt, denn nur kurz nachdem Pubbesitzerin Alex Duggins sich von den letzten Mordermittlungen erholt hat, wird eine Frau vermisst. Wenig später finden sie und ihr Freund Tony die Leiche in einem verfallenen Brunnen eines alten Herrenhauses. Wer um alles in der Welt könnte ihren Tod gewollt haben, und das auf so brutale Art und Weise? Während Gerüchte und Spekulationen das Dorf überfluten, wird eine weitere Frau angegriffen. Dabei entdecken Alex und Tony, dass hinter einem unschuldigen Gesicht ein gerissener und rachsüchtiger Geist lauert. Trotz der Warnungen der Polizei, sich nicht einzumischen, gerät Alex in das Visier eines skrupellosen Mörders, der beschlossen hat, dass sie zu viel weiß. Wird Tony sie auch dieses Mal retten können?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch konnte meine hohen Erwartungen nicht erfüllen. Dabei vermitteln die Ortsbeschreibungen viel ländliches Flair und auch die handelnden Personen sind ländlich geprägt. Es wird viel Bier und viel Tee getrunken und doch wurde ich mit den meisten Figuren nicht warm. Einige Figuren, wie die älteren Damen und der Ladedelmann, sind in Cosy-Krimis immer vorhanden und erzielen die gewünschte Wirkung. Aber die beiden Hauptfiguren Alex und Tierarzt Tony fallen aus dem Rahmen. Sie sind die einzigen Figuren, die sehr detailliert beschrieben werden, und sie haben meine Sympathien nicht gewinnen können. Sie stehen sich nahe, sind aber unsicherer wie Teenager bei der ersten Liebe. Dies zieht sich beinahe bis zum Ende hin und es nervte. Dazu kam, dass Alex noch unter Ereignissen aus dem vorigen Fall litt, sie aber trotzdem immer wieder in gefährliche Situationen geriet, ja diese sogar suchte. Dann schwieg sie über diese Vorkommnisse sowohl gegenüber der Polizei als auch gegenüber Tony.

    Der Aufbau des Falles war gekonnt konstruiert und bot Überraschungen. Auch der Schreibstil war angenehm, aber die Hauptfigur Alex bremste mein Lesevergnügen massiv.


    Fazit:

    Trotz guter Ansätze bremste die Hauptfigur Alex meine Lesevergnügen massiv aus. Deshalb bewerte ich das Buch mit zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B09C2BVVK9

    Nicht leicht zu lesen, aber es lohnt sich


    Buchmeinung zu Colson Whitehead – Harlem Shuffle


    „Harlem Shuffle“ ist ein Roman von Colson Whitehead, der 2021 beim Carl Hanser Verlag in der Übersetzung von Nikolaus Stingl erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „Harlem Shuffle“ und ist 2021 erschienen.


    Zum Autor:

    Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion’s Fiction Award (2002) und war Stipendiat der MacArthur „Genius“ Fellowship. Für seinen Roman Underground Railroad wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Für seinen Roman Die Nickel Boys erhielt er 2020 erneut den Pulitzer-Preis. Der Autor lebt in Brooklyn.


    Klappentext:

    Eigentlich würde Ray Carney am liebsten ohne Betrügereien auskommen, doch die Einkünfte aus seinem Laden reichen nicht aus für den Standard, den die Schwiegereltern erwarten. Cousin Freddy bringt gelegentlich eine Goldkette vorbei, die Ray bei einem Juwelier versetzt. Doch was tun mit dem Raubgut aus dem Coup im legendären „Hotel Theresa“ im Herzen Harlems, nachdem Freddy sich verdünnisiert hat? Als Polizei und Gangster Ray in seinem Laden aufsuchen, steht sein waghalsiges Doppelleben auf der Kippe.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch war für mich eine Herausforderung, denn ich fand es nicht leicht zu lesen. Der Schreibstil des Autors ist komplex und erwähnt viele Details. Zudem gibt es keine sich entwickelnde klassische Handlung. Aus der Sicht der Hauptfigur werden Episoden aus dem Leben in Harlem zu Beginn der sechziger Jahre vorgestellt. Ray Carney führt einen Möbelladen, ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Er verkauft neue und gebrauchte Möbel und manchmal hehlt er auch ein bisschen. Er versucht weitgehend gesetzestreu seinen Weg zu gehen, aber immer gelingt es ihm nicht. Rassentrennung und Rassismus ist allgegenwärtig. Aber auch kriminelle Strukturen beeinträchtigen die freie Entfaltung. Während auf den Straßen Krawalle ausbrechen, arbeitet Ray an seinem eigenen kleinen Aufstand. Der Autor beschreibt ein lebendiges Harlem mit vielen Facetten und man begegnet vielen Figuren, die versuchen dort zurechtzukommen. Ray wirkt sympathisch und versucht seine Träume umzusetzen, sei es ein größeres Geschäft oder eine größere Wohnung. Er sucht nach Anerkennung für seine Leistung, auch außerhalb seiner Familie. Man spürt die Liebe des Autors zu seinem Kosmos Harlem und den Menschen, die dort leben. Reichlich vorhandene Sozialkritik wird meist indirekt vermittelt und dieser Weg wirkt langfristig. Bei manchen Punkten muss man entsetzt feststellen, dass viele Probleme immer noch aktuell sind.


    Fazit:

    Ein nicht leicht zu lesendes Buch über das Harlem der frühen 60-er Jahren, dem der Autor Leben einhaucht. Ich hätte mir einen konsequenteren Handlungsfaden gewünscht. Trotzdem bewerte ich das Werk mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: 3446270906

    Vier Frauen gehen ihren Weg


    Buchmeinung zu Stephanie Schuster – Freiheit im Angebot


    „Freiheit im Angebot“ ist ein Roman von Stephanie Schuster, der 2021 bei FISCHER Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der dritte Band aus der Reihe „Die Wunderfrauen“.


    Zum Autor:

    Stephanie Schuster, Jg.1967, studierte Grafikdesign in München und illustrierte viele Jahre die Bücher anderer Autoren, bevor sie selbst zu schreiben begann. Sie lebt mit ihrer Familie am Starnberger See in Bayern.


    Klappentext:

    1972, während der Olympischen Spiele in München, kämpft Luise mit allen Mitteln darum, ihr kleines Lebensmittelgeschäft in Starnberg trotz der Supermarktkonkurrenz zu erhalten. Außerdem muss sie sich eingestehen, dass ihre Ehe nun endgültig am Ende ist – und mit dem neuen Gesetz zur Ehescheidung wagt sie einen ungeheuerlichen Schritt. Rückhalt in diesen turbulenten Zeiten geben ihr die drei Freundinnen: Helga, die von einer eigenen Arztpraxis träumt, Marie, die alle Energie in ihren Reiterhof steckt und Annabel, die sich endlich der Vergangenheit ihrer Familie stellt. Bei all den neuen Chancen merken sie: Das größte Abenteuer ihres Lebens fängt jetzt erst an.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch beleuchtet Episoden aus dem Leben vierer befreundeter Frauen. Jede von ihnen hat ihr Päckchen zu tragen, auch wenn sie unterschiedliche Lebensideen verwirklichen. Helga ist Ärztin aus Berufung, sehr selbstständig und mit ihren Eltern zerstritten. Marie ist verwitwet, hat sich einen Reithof aufgebaut und hat den Unfalltod ihres Mannes noch nicht verarbeitet. Luise hat große Probleme in ihrer Ehe und mit ihrem Tante-Emma-Laden, der ihr eine Herzensangelegenheit ist. Annabel kämpft um die Anerkennung ihrer Schwiegermutter und arbeitet sich in Familiengeschichten ein. Wichtige Themen der damaligen Zeit wie das Olympia-Attentat in München, der Conterganskandal und die oft noch nicht erfolgte Aufarbeitung des Unrechts zu Nazi-Zeiten werden angesprochen. Mir waren alle vier Frauen sympathisch, weil sie sich nicht auf Dauer von Rückschlägen aus der Bahn werfen ließen und immer wieder einen Weg gefunden haben, ihre Freundschaft zu erhalten. Der Schreibstil ist angenehm und bringt auch die Gefühle der Menschen zum Ausdruck. Zugleich wird der Wandel der Frauenrolle in der Gesellschaft deutlich. Am Ende des Buches hat jede der vier Frauen eine Lebensperspektive und man gönnt ihnen, dass sich ihre Wünsche und Hoffnungen realisieren lassen.

    Fazit:

    Ein lebendiger Blick auf vier Frauenschicksale zu Beginn der siebziger Jahre, der mich sehr gut unterhalten hat. Zugleich hat er viele Erinnerungen an meine Teenagerzeit geweckt. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

    Vieles wirkte unausgewogen


    Buchmeinung zu Marcus Johanus – Fatale Rache


    „Fatale Rache“ ist ein Kriminalroman von Marcus Johanus, der 2021 unabhängig veröffentlicht wurde. Dies ist der zweite Fall für die Soko Innen.


    Zum Autor:

    Marcus Johanus wurde 1972 in Berlin geboren, wo er als Autor und Lehrer für Psychologie, Politik und Deutsch mit seiner Familie lebt. Er schreibt Thriller und Krimis.

    Klappentext:

    Gewalt. Geheimnisse. Berlin.

    Hauptkommissar Carl Rau und das Team der Soko Innen werden vom Berliner Innensenator Konrad Faber erneut mit einem dramatischen Fall beauftragt.

    Ein Scharfschütze tötet Menschen im Herzen der Stadt. Eine Massenpanik droht. Die Vorgehensweise des Täters wirft viele Fragen auf. Gibt es ein Muster? Ist der Täter ein eiskalter Profi oder ein fanatischer Terrorist?

    Und vor allem: Wird er wieder töten?

    Wieder ermittelt die Soko Innen in einem geheimnis- vollen Netz aus Mord, organisierter Kriminalität und Politik.


    Meine Meinung:

    Bei diesem Krimi haben mir leider einige Dinge nicht gefallen. Es beginnt schon mit dem grundlegenden Setting des Romans. Mitten in Berlin werden auf einem belebtn Platz zwei Menschen von einem Heckenschützen erschossen und es wird eine Soko mit vier Mitarbeitern auf den Fall angesetzt und es bleibt Tage bei dieser Konstellation. Zwei der vier Teammitglieder sind zudem gesundheitlich angeschlagen. Der Erzählstil ist eher trocken und beschreibt die Aktivitäten der Mitarbeiter recht genau, bringt aber wenig Spannung. Dies versucht der Autor durch flammende Appelle des Hauptkommissars auszugleichen, aber die Wirkung war bei mir eher negativ. Bei den Außeneinsätzen des Teams wurde es etwas spannender, aber hier war oft ein SEK involviert, und ich hielt es für übertrieben. Ein weiterer Punkt war die versuchte Einflussnahme auf das Team bzw. die versuchte Instrumentalisierung des Teams durch die Politik. Auch dies wirkte auf mich überzogen. Die Spannungskurve ist ungewöhnlich und hatte ihren Höhepunkt gleich zu Beginn des Buches.


    Fazit:

    Mich hat dieser Fall der Berliner Soko Innen nicht überzeugen können, weil vieles überzogen wirkte und mich weder Figuren noch Handlung fesseln konnten. Deshalb bewerte ich das Buch mit zwei von fünf Sternen (40 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B0993NX76M

    Ein historischer Roman der Spitzenklasse


    Buchmeinung zu Alex Wagner – Tod in der Arena


    „Tod in der Arena“ ist ein historischer Kriminalroman von Alex Wagner, der 2021 in Eigenregie erschienen ist. Die ist der vierte Fall in der Serie „Antike Morde“.


    Zum Autor:

    Alex Wagner, geb. 1972, lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Wien, im Schatten einer alten Burgruine, wo man sich die schönsten Morde ausdenken kann. Sie schreibt Krimis und Thriller, ist aber auch gern einmal in anderen Genres unterwegs.


    Klappentext:

    Die Einwohner Vindobonas fiebern großen Gladiatorenspielen entgegen. Unter den Kämpfern ist eine geheimnisvolle Amazone, die es selbst mit den besten Männern aufnehmen kann.

    Doch warum sterben die Gegner der Gladiatrix plötzlich wie von Götterhand niedergestreckt?


    Meine Meinung:

    Thanar, Händler mit germanischen Wurzeln, und Layla, freigelassene Sklavin Thanars aus Nubien, ermitteln in Mordfällen während Gladiatorenspielen in Vibdobona im zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt. Thanar tritt meist als Ich-Erzähler auf. Er ist eine ungewöhnliche, aber überaus sympathische Figur mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Er vermittelt in seinen Erzählungen die Vorzüge der römischen Kultur. Auch über Layla, seine Ex-Geliebte, berichtet er nur Gutes. Layla ist bildschön, intelligent und freiheitsliebend. Sie ist das Hirn der Ermittler. Die meisten Figuren sind nur knapp skizziert, erzeugen aber ein komplettes Bild. Der Fall selber ist komplex und seine Geheimnisse offenbaren sich nur schrittweise. Am Ende steht ein formidabler Showdown, der wunderbar zur Geschichte passt. Der Schreibstil ist angenehm und unterhaltsam. Es entsteht ein ausgewogener Dreiklang aus Spannung, historischen Fakten und Figurenentwicklung.


    Fazit:

    Figurenzeichnung, Setting und Handlung haben mich wieder einmal begeistert. Deshalb bewerte ich das Werk mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung für die Freunde historischer Kriminalromane aus.


    ASIN/ISBN: B08YDHBRNS

    Über das Vergessen und das Erinnern


    Buchmeinung zu Anne Chaplet – Schrei nach Stille


    „Schrei nach Stille“ ist ein Kriminalroman von Anne Chaplet, der 2021 bei Edel Elements als eBook erschienen ist. Das Original ist 2008 erschienen..


    Zum Autor:

    Anne Chaplet ist ein Pseudonym von Cora Stephan. Sie hat die Lust am Krimischreiben erst spät entdeckt. 1998 erschien ihr erster Roman „Caruso singt nicht mehr“ beim Kunstmann-Verlag. Bis heute hat sie zehn Romane (einige davon preisgekrönt) und unzählig viele Kurzgeschichten geschrieben, zu lesen auf http://www.anne-chaplet.de.


    Klappentext:

    Sophie Winter konnte ihr dunkles Geheimnis vierzig Jahre bewahren. Plötzlich wird ihre wilde Vergangenheit wieder lebendig. Nicht nur die Polizei interessiert sich für das rätselhafte Verschwinden einer jungen Frau aus der Hippiebewegung...


    Meine Meinung:

    Auch in diesem Buch geht es mehr um zwischenmenschliche Beziehungen als um den Kriminalfall. Ein wichtiges Thema in diesem Buch ist das Vergessen in all seinen Varianten, sei es die Erinnerung an Ereignisse oder Personen oder eine Demenz. Zwei Vermisstenfälle werden am Ende aufgeklärt, aber lange Zeit firmieren sie eher als Randnotiz. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und wirkt eindringlich und emotional. Sie ist aber nicht immer leicht verständlich weil vor allem Sophie Winter oft eine eigene Wahrnehmung hat. Manche Figuren erinnern sich nicht gerne an ihre Vergangenheit, weil sie ihren heutigen Maßstäben nicht gerecht werden. Die Figuren wirken oft eher bemitleidenswert als sympathisch. Es ist lange Zeit wenig spannend und die Auflösung kommt aus dem Nichts.


    Fazit:

    Der Kriminalfall spielt lange Zeit eine Nebenrolle und es geht um Erinnerungen und zwischenmenschliche Beziehungen in einem ländlichen Dorf in Hessen. Das hat mich nur teilweise überzeugt und deshalb bewerte ich das Buch nur mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B095Z2LLLY

    Wilde Mischung mit einer charismatischen Hauptfigur


    Buchmeinung zu Ingo Bott – Pirlo: Gegen alle Regeln


    „Pirlo: Gegen alle Regeln“ ist ein Roman von Ingo Bott, der 2021 bei Fischer Scherz erschienen ist.


    Zum Autor:

    Ingo Bott lebt in Düsseldorf. Er war erst Partner in einer Wirtschaftskanzlei und hat dann eine Wohnzimmerkanzlei gegründet, die sich zu einer renommierten Kanzlei mit einem großen Team entwickelt hat. Die WirtschaftsWoche listet Ingo Bott als einen der renommiertesten Anwälte im Wirtschaftsstrafrecht und die von ihm gegründete Einheit als Top Kanzlei in den Bereichen Wirtschaftsstrafrecht und Compliance. Ingo Bott hat den Europarat in Strafrechtsfragen vertreten und hält Vorträge im In- und Ausland. Er liebt Sprache und schreibt Romane.


    Klappentext:

    Pirlo ist charismatisch, chaotisch – und unter Druck. Erst ist der Job weg. Dann handelt sich der Khatib-Clan Ärger ein: ausgerechnet seine eigenen Brüder. Jetzt soll Pirlo ihre Schulden begleichen. Den Preis dafür bezahlen, dass er sich von der Familie losgesagt hat. Dazu muss er den einen Fall, der ihm noch bleibt, gewinnen. Die Anklage wirft seiner Mandantin vor, ihren Mann umgebracht zu haben. Die Medien berichten pausenlos.

    Für alle, außer Pirlo und die junge Anwältin Sophie Mahler, scheint die Verurteilung sicher. Pirlo steht mit dem Rücken zur Wand: Er braucht einen Freispruch. Unbedingt. Dafür muss er Wege gehen, die er nie gehen wollte.


    Meine Meinung:

    Dieser Roman ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich und doch ist es eine spannende Erzählung geworden. Pirlo ist ein Chaot, der sich gehen lässt und anfänglich auch wenig sympathisch wirkt. Ganz im Gegensatz dazu wirkt die junge Anwältin Sophie Mahler, Tochter aus gutem Haus, überaus sympathisch und sie ist es, die den Laden am Laufen hält. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser eine Menge über den Lebensweg von Anton Pirlo, der eigentlich Ramzes Khatib heißt und dessen Familie tief in kriminellen Aktivitäten steckt. Sowohl Sophie als auch Pirlo haben Probleme mit ihren Familien, aber darüber reden sie nicht. Auch ihre Mandantin hütet einige Geheimnisse vor ihren Anwälten. Anwaltliche Fachthemen spielen eine große Rolle und dem Autor gelingt es, diese verständlich aufzubereiten. Die Geschichte wird fast ausschließlich aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren erzählt und man erfährt viel über ihre Gedanken und Gefühle. Je aussichtsloser der Fall erscheint, desto empfänglicher wird Pirlo für fragwürdige Methoden. Man spürt wie Pirlo bis zum letzten Blutstropfen kämpfen will. Der Autor verknüpft Fantasie und reale Geschehnisse auf interessante Weise. Die Figurenzeichnung bis in die Nebenfiguren ist eine große Stärke des Romans, ebenso wie das Düsseldorfer Flair. Die Handlung wirkt manchmal schon etwas konstruiert. Der Schreibstil ist fesselnd und humorige Einlagen bis zum Slapstick sorgen für sinnvolle Auflockerung. Die Spannung lebt meist von der prekären Lage der Kanzlei und der Figur Pirlo. Mit ihrem Willen und ihrem Einfallsreichtum hat die Figur Pirlo zunehmend Pluspunkte gesammelt. Pirlo und Sophie Mahler ergänzen sich vortrefflich, aber er wird ihr irgendwann mehr über seine Familie erzählen müssen. Darauf freue ich mich schon.


    Fazit:

    Dieser Roman lebt vorwiegend von den Hauptfiguren, ihren Gemeinsamkeiten und ihren Gegensätzen. Mich hat das Buch begeistert und ich bewerte es mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und die Leseempfehlung ist selbstverständlich.


    ASIN/ISBN: 3651001040

    Eher Beziehungs- als Kriminalroman


    Buchmeinung zu Anne Chaplet – Sauberer Abgang


    „Sauberer Abgang“ ist ein Kriminalroman von Anne Chaplet, der 2021 bei Edel Elements als eBook erschienen ist. Das Original ist 2006 erschienen..


    Zum Autor:

    Hat die Lust am Krimischreiben erst spät entdeckt. 1998 erschien mein erster Roman „Caruso singt nicht mehr“ beim Kunstmann-Verlag. Bis heute habe ich zehn Romane (einige davon preisgekrönt) und unzählig viele Kurzgeschichten geschrieben, zu lesen auf http://www.anne-chaplet.de. Auf dieser Seite kann man auch in meinem Tagebuch blättern, das ich fast zehn Jahre lang geführt habe.

    Ich teile die Lust am Schreiben und am Lernen mit meinem Alter Ego Cora Stephan, die allerdings etwas ganz anderes schreibt als ich…


    Klappentext:

    Dalia Sonnenschein arbeit in den Büros der Topmanager Frankfurts – als Putzfrau. Eines Morgens findet sie die Leiche des Bankers Marcus Saitz und putzt in Panik einfach weiter, bis es keine Spuren mehr gibt. Aber Staatsanwältin Karen Stark glaubt sowieso nicht an einen Kriminalfall. Doch dann wird auch ihr Kollege Thomas Czernowitz tot aufgefunden. Eine Mordserie? Jedenfalls gehörten die beiden Toten einem Freundeskreis einflussreicher Frankfurter an. Mussten sie deshalb sterben? Oder wegen einer dramatischen Begebenheit fünfundzwanzig Jahre zuvor?


    Meine Meinung:

    Dieser Roman setzt eher auf Figuren und die Entwicklung ihrer Beziehungen als auf spannende Ermittlungen. Polizei und Staatsanwaltschaft kommen nicht recht voran und bleiben durchgängig blass. Die Autorin widmet mehr Zeit und Raum auf die Geschichte einer ungewöhnlichen Putzfrau und der Schilderung eines komplexen Vater-Sohn-Konflikts. Große Teile der Geschichte werden aus der Sicht dieser Figuren erzählt und vermitteln ein emotionales Bild. Auf Dauer kann dies aber nicht den ganzen Roman tragen, auch wenn Dalia und Will es sind, die die Ermittlungen vorantreiben. Das Ende kommt abrupt und wirkte auf mich nicht überzeugend.


    Fazit:

    In diesem Buch spielt der Kriminalfall eher eine Nebenrolle, auch wenn die Schilderung des Beziehungsgeflechts gelungen ist und einen gewissen Reiz ausübt. Deshalb bewerte ich das Buch mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B095Z5C4BJ

    Mord auf den Filmfestspielen


    Buchmeinung zu Christine Cazon – Mörderische Cote d’Azur


    „Mörderische Cote d’Azur“ ist ein Kriminalroman von Christine Cazon, der 2014 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.


    Zum Autor:

    Christine Cazon, Jahrgang 1962, hat ihr altes Leben in Deutschland gegen ein neues in Südfrankreich getauscht. Sie lebt mit ihrem Mann und Katze Pepita in Cannes, dem Schauplatz ihrer Krimis mit Kommissar Duval.


    Klappentext:

    Es ist Mai, die Zeit des berühmten Filmfestivals in Cannes, die ganze Stadt vibriert, überall wimmelt es von Fotografen, Journalisten, Filmstars und solchen, die es werden wollen. Und mittendrin wird plötzlich während einer Pressevorführung für seinen neuen Dokumentarfilm der berühmte Regisseur Serge Thibaut ermordet. Kommissar Léon Duval, frisch aus Paris an die Côte d’Azur gezogen, muss seine unausgepackten Umzugskisten stehen lassen und sofort mit den Ermittlungen beginnen. Schließlich kann das Festival keine Negativschlagzeilen gebrauchen. Ein schneller Erfolg muss her. Wer hatte ein Interesse am Tod des Filmemachers, der sich so unermüdlich für die Erhaltung des Regenwalds einsetzte? Und war dieser Serge Thibaut wirklich so ein uneigennütziger Gutmensch? Seine Nachforschungen führen Duval bald in ein scheinbar unentwirrbares Dickicht aus Eitelkeiten, Intrigen und Korruption.


    Meine Meinung:

    Leon Duval wirkt meist sympathisch und ist auch den schönen Seiten des Lebens nicht abgeneigt. Seine Ehe steckt in einer Krise und er ist von Paris nach Cannes, in die Heimat seiner Vorfahren, geflüchtet. Er mag gute Essen, Chansons von Brassens und schöne Frauen. Sein erster Fall ist spektakulär und er muss sein neues Team kennenlernen und seine Duftmarken bei den wichtigen Leuten der Stadt setzen. Die Autorin packt eine Reihe schwerer Themen in den Roman wie konkurrierende Umweltschutzorganisationen, den Umgang mit indigenen Menschen und das Wegschauen bei erfolgreichen und einflussreichen Menschen. Trotzdem bleibt der Mordfall im Mittelpunkt, auch wenn Leon Duval sich an die neue Region und ihren Lebensrhytmus gewöhnen muss. Der Kommissar versucht permanent hinter die Fassaden der Beteiligten zu schauen und eckt dabei schon mal an. Er wirkt kompetent und verfügt über eine Reihe wichtiger Kontakte. Manchmal übertreibt es die Autorin mit der Freiheitsliebe des Kommissars ein wenig. Nach anfänglichen Störungen klappt es auch mit seinem Team immer besser. Leon ist die einzige Figur, die umfassend charakterisiert wird, die übrigen Figuren werden nur skizziert, bieten aber Raum für Eigenschaften, die ihnen der Leser zuordnet. Der Schreibstil ist angenehm und leicht verdaulich. An einigen Stellen kommt das Mittelmeerflair zum Tragen, aber davon hätte ich mir mehr gewünscht. Die vielen Nebenhandlungen drücken ein wenig auf die Spannung, aber dann steigt die Spannung bis zum Ende permanent.


    Fazit:

    Insgesamt hat mich dieser Kriminalroman gut unterhalten mit einer interessanten Hauptfigur und dem gelungenen Plot. Gerne bewerte ich das Werk mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde eher ruhiger Romane mit einer komplexen Handlung aus.

    Dunkles Kopenhagen


    Buchmeinung zu Anne Mette Hancock – Narbenherz


    „Narbenherz“ ist ein Kriminalroman von Anne Mette Hancock, der 2021 bei Fischer Scherz in der Übersetzung von Friederike Buchinger erschienen ist. Der Titel der dänischen Originalausgabe lautet „Mercedes-Snittet“ und ist 2018 erschienen.


    Zum Autor:

    Anne Mette Hancock ist ein Star der skandinavischen Krimi-Szene: Ihre Thriller um die Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan und den Kommissar Erik Schäfer sind Platz-1-Bestseller in ihrer Heimat Dänemark und werden in viele europäische Sprachen übersetzt. Für die Romane wurde die Autorin mehrfach ausgezeichnet. Anne Mette Hancock studierte Geschichte und Journalismus in Roskilde und arbeitete als freie Journalistin für Tageszeitungen und Magazine. Sie stammt aus Gråsten an der dänischen Ostseeküste, lebte in Frankreich und den USA und wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Kopenhagen.

    Klappentext:

    Kopenhagen: Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan hat gerade eine Recherche zu traumatisierten Soldaten begonnen, als sie eine persönliche Entscheidung treffen muss über Leben und Zukunft. Noch bevor sie irgendetwas tun kann, erfährt sie vom Verschwinden eines zehnjährigen Jungen. Vor Ort trifft Heloise ihren guten Freund Kommissar Erik Schäfer, der in dem Fall ermittelt. Die Spuren zu dem Jungen sind verwirrend, nichts passt zusammen. Heloise versucht, Erik Schäfer zu helfen, das entscheidende Muster zu erkennen. Und begegnet ihren innersten Dämonen.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch hat mich in vielen Punkten irritiert. Bisher war für mich Amerika das Land mit den vielen traumatisierten Personen, aber auch in Dänemark scheint es viele davon zu gegen. Sie waren in Krisengebieten im Einsatz und haben derart Schreckliches gesehen, dass sie damit nicht mehr klarkommen. Auch Heloise Kaldan, eine der beiden Hauptfiguren, wirkt schwer angeschlagen. Die zweite Hauptfigur ist Kommissar und Exsoldat Erik Schäfer, der kompetent und sympathisch wirkt. Es ist ein Buch, bei dem man kaum positive Dinge wahrnehmen kann. Heloise ist sehr gut mit Erik befreundet und doch schreckt sie nicht vor einem Vertrauensbruch zurück. Heloise Kaldan wirkte auf mich mehr und mehr unsympathisch. Private Probleme standen bei ihr im Vordergrund.

    Erik Schäfer hat seine Wertvorstellungen und auch seine Vorurteile, aber der Job steht bei ihm klar im Vordergrund. Die Autorin streut eine Reihe falscher Spuren und dennoch empfand ich die Geschichte wenig spannend. Zudem war es mir einfach zu dunkel und zu sehr von traumatisierten Menschen getrieben. Hinzu kommt die geringe Beteiligung der Journalistin an der Auflösung.


    Fazit:

    Für mich war dieses Buch schlicht zu dunkel und eine Enttäuschung. Deshalb bewerte ich das Buch mit zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: 365100094X

    Ein Meisterwerk in wenigen Worten


    Buchmeinung zu Chris Offutt – Unbarmherziges Land


    „Unbarmherziges Land“ ist ein Kriminalroman von Chris Offutt, der 2021 bei Tropen in der Übersetzung von Anke Caroline Burger erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „The Killing Hills“ und ist 2021 erschienen.


    Zum Autor:

    Chris Offutt, geboren 1958, ist Autor mehrerer Romane, für die er mit dem Whiting Writers Award und dem American Academy of Arts and Letters Fiction Award ausgezeichnet wurde. Zuletzt erhielt er 2019 für Country Dark den französischen Prix Mystère de la Critique. Er lebt im ländlichen Lafayette County in der Nähe von Oxford, Mississippi.


    Klappentext:

    Mick Hardin, Ermittler für das CID der US-Army, ist auf Heimaturlaub. Seine Frau ist hochschwanger, doch sie reden nicht miteinander. Seine Schwester Linda, erst kürzlich zum ersten weiblichen Sheriff von Rowan County aufgestiegen, steht vor ihrem ersten Mordfall, den ihr die lokalen Politiker am liebsten wegnehmen würden. Der übliche Chauvinismus oder geht es um mehr? Mit ihrem Bruder Mick macht sich Linda an die Lösung des Falls, denn sie weiß, dass unter der schönen und rauen Hügellandschaft Kentuckys die Gewalt brodelt und die offizielle Justiz keinen guten Stand hat. Bleibt nur die Frage, was tödlicher ist: die Menschen oder die Unbarmherzigkeit der Natur.


    Meine Meinung:

    Schon der Einstieg zeigt die Naturverbundenheit, aber auch die Einstellung der Menschen, sich vorwiegend nur auf sich zu verlassen. Dann der erste Auftritt der Hauptfigur Mick Hardin, der sich in eine abgelegene Hütte zurückgezogen hat, um sich sinnlos zu betrinken. Er arbeitet als Militärpolizist, der sich um Mordfälle weltweit in der US-Armee kümmert. Er hat Heimaturlaub, um seiner Frau bei der Geburt des ersten Kindes beizustehen. Mit wenigen Worten schafft der Autor eine nahezu vollständige Beschreibung der Situation. Es passt zur Mentalität der Bewohner dieses Landstreifens. Man redet nicht viel und so vermeidet auch der Autor überflüssige Worte. Auch die meisten Figuren werden nur kurz skizziert und doch wirkt die Beschreibung vollständig. Als seine Schwester, Sheriff der Region, ihn um Unterstützung im Mordfall bietet, beginnt Mick Hardin zu ermitteln. Er ist naturverbunden und er weiß, wie die Menschen hier denken und handeln. Man löst seine Probleme ohne die Obrigkeit und Blutrache ist ein Thema. Mick handelt überlegt und seine Maxime ist es, weiteren Schaden zu vermeiden. Das bestimmt sein ganzes Handeln und er versucht auf die Betroffenen in diese Richtung einzuwirken. Er wirkt sehr kompetent und das in vielerlei Hinsicht. Beeindruckt hat mich sein moralischer Kompass, der ihn sehr sympathisch wirken lässt. So hat er am Ende alles aufgelöst und doch das Gefühl, total versagt zu haben.

    Der Schreibstil ist besonders. Fast trocken beschreibt der Autor die Natur, die Gedanken und das Handeln der Menschen. Fast ausschließlich wird die Geschichte aus der Sicht von Mick Hardin geschildert. Fallrelevantes und Persönliches wechseln sich ab, Actionszenen sind selten und sind sehr dezent beschrieben. Der Fokus liegt auf der komplexen Hauptfigur. Manchmal gönnt der Autor sich eine Prise staubtrockenen Humors.


    Fazit:

    Mich hat dieses Werk begeistert und die Hauptfigur Mick Hardin ist der Hammer. Sein moralischer Kompass bestimmt sein Handeln und es ist überaus spannend, der Umsetzung zu folgen. Man gewinnt am Ende den Eindruck, kein unnötiges Wort gelesen zu haben. Deshalb bewerte ich das Buch mit der Höchstnote fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus. Es lohnt sich.

    Komplexe Handlung, herausragende Figurenzeichnung und viel Gewalt


    Buchmeinung zu James Lee Burke – Keine Ruhe in Montana


    „Keine Ruhe in Montana“ ist ein Kriminalroman von James Lee Burke, der 2021 bei Pendragon in der Übersetzung von Bernd Gockel erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Swan Peak“ und ist 2009 erschienen.


    Zum Autor:

    James Lee Burke, 1936 in Louisiana geboren, wurde bereits Ende der Sechzigerjahre von der Literaturkritik als neue Stimme aus dem Süden gefeiert. Nach drei erfolgreichen Romanen wandte er sich Mitte der Achtzigerjahre dem Kriminalroman zu, in dem er die unvergleichliche Atmosphäre von New Orleans mit packenden Storys verband. Burke wurde als einer von wenigen Autoren zweimal mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis für den besten Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. 2015 erhielt er für Regengötter den Deutschen Krimi Preis. Er lebt in Missoula, Montana.


    Klappentext:

    Nach dem erschütternden Hurrikan Katrina braucht Detective Dave Robicheaux eine Auszeit. Gemeinsam mit seiner Frau Molly und seinem besten Freund Clete will er sich auf einer Ranch in Montana beim Fischen erholen. Doch die vermeintliche Idylle wird schnell durchbrochen, als zwei Studenten brutal ermordet und bei der Ranch aufgefunden werden. Robicheaux wird unmittelbar in den Fall hineingezogen, in die Machtspiele derer, die in Montana den Ton angeben. Clete hat währenddessen allerhand eigene Probleme und wird schon bald von seiner kriminellen Vergangenheit heimgesucht.


    Meine Meinung:

    Dave Robicheaux steht weniger im Mittelpunkt als gewohnt. Zwar werden große Teile des Buches aus seiner Sicht geschildert, aber sein Freund Clete ist lange Zeit der aktivere Ermittler. Die Erzählperspektive wird munter gewechselt, die Sprache ist rau wie die Gegend und Gewalt gibt es in großen Portionen. Sympathische Figuren sind dünn gesät, selbst Clete mag sich selber nicht. Die Handlung ist gewohnt komplex gestaltet und dennoch gelingt es dem Autor, die diversen Handlungsstränge am Ende gekonnt zusammen zu führen. Zudem glänzt Burke mit wunderschönen Naturbeschreibungen, die im krassen Gegensatz zur Handlung stehen. Viele Figuren sind vielschichtig gezeichnet und bieten Raum für Überraschungen. Das FBI spielt eher die Rolle eines Störenfrieds als durch solide Ermittlungsarbeit zu überzeugen. Sehr gut gefallen haben mir die Figuren des psychopathisch angehauchten Gefängnisbesitzers und seiner friedvoll gestimmten Lebensgefährtin. Dazu gibt es üble und einflussreiche Missetäter, die vor keiner Schandtat zurückschrecken. Der Autor hebt die Vorzüge des alten Amerikas mehrmals hervor und beschreibt den aktuellen Wandel, der durch wirtschaftlichen Niedergang und Zerstörung der Natur und gewachsener Strukturen geprägt ist. Es ist ein dunkles Amerika, aber mit Typen wie Dave Robicheaux besteht Hoffnung.


    Fazit:

    Handlung und Figurenzeichnung sind vom Feinsten, die Sprache ist ungewohnt rau und die Gewalt ist allgegenwärtig. Mir hat es ausgezeichnet gefallen und deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten), auch wenn es sicherlich nicht der beste Band der Reihe ist. Dazu gibt es eine Leseempfehlung für alle, die mit den expliziten Gewaltdarstellungen kein Problem haben.


    ASIN/ISBN: 3865327478

    Hero Jarvis ersetzt Kat Boleyn


    Buchmeinung zu C. S. Harris – Das Schweigen von Mayfair


    „Das Schweigen von Mayfair“ ist ein historischer Kriminalroman von C. S. Harris, der 2021 im dp Verlag in der Übersetzung von Angelika Lauriel erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Where Serpents Sleep“ und ist 2008 erschienen.


    Zum Autor:

    C. S. Harris, auch bekannt als Candice Proctor und C. S. Graham, ist die USA-TODAY-Bestsellerautorin von mehr als zwei Dutzend Romanen, darunter die historische Krimi-Bestsellerserie rund um Sebastian St. Cyr. Als ehemalige Akademikerin mit einem Doktortitel in europäischer Geschichte hat Candice einen Großteil ihres Lebens im Ausland verbracht und in Spanien, Griechenland, England, Frankreich, Jordanien und Australien gelebt. Heute wohnt sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem pensionierten Armeeoffizier Steven Harris, in New Orleans, Louisiana.


    Klappentext:

    London, 1812: Das brutale Massaker an acht jungen Prostituierten in einem Zufluchtshaus hinterlässt nur eine Überlebende – und damit eine Zeugin: Hero Jarvis, die aufgeschlossene Tochter des Vetters des Prinzregenten, Lord Jarvis. Als der Machthaber jede offizielle Untersuchung unterdrückt, die die unerhörte Anwesenheit seiner Tochter an diesem Ort aufdecken könnte, beginnt Hero eine eigene Untersuchung und bittet Sebastian St. Cyr, Viscount Devlin, um Hilfe.

    In dieser Allianz auf Zeit folgen Hero und Sebastian einer Spur, die von den zwielichtigen Bordellen und Hafenvierteln des Londoner East Ends zu den Villen einer Adelsfamilie in Mayfair führt, die dunkle Geheimnisse zu verbergen hat. Die beiden riskieren ihr Leben sowie ihren guten Ruf und müssen einen Wettlauf gegen die Zeit gewinnen, um einen Killer zu stoppen, dessen ominöser Plan die Nation in ihren Grundfesten zu erschüttern droht …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch unterscheidet sich in Sachen Rollenverteilung deutlich von den Vorgängern, weil die erzwungene Trennung Sebastians von seiner großen Liebe diese aus dem Ermittlerteam nimmt. Sein Tiger Tom kümmert sich vorwiegend um die Pferde, sein neuer Leibdiener agiert fast ausschließlich im Hintergrund, während der Arzt mehr zu tun bekommt. Eine Hauptrolle bekommt diesmal Hero Jarvis, die Tochter des mächtigsten Mannes im Königreich. Wie ihr Vater mag sie Sebastian nicht, akzeptiert und braucht aber seine Fähigkeiten. Im Laufe des Falles kommen sich Hero und Sebastian zunehmend näher, weil sie ohne Rücksicht auf eigene Gefährdung konsequent die Ermittlungen betreiben. Auch Lord Jarvis führt Ermittlungen durch, aber er hat seine eigen Ziele und Methoden. Wieder spielt das soziale Gefälle und die weitgehende Unantastbarkeit der Mächtigen eine wesentliche Rolle. Der Zustand in den adligen Familien ist meist erschreckend und auch Sebastian hat mit seinem Vater gebrochen. Sebastian agiert wie gewohnt mit risikohaften Aktionen im Stil eines Geheimagenten. Dabei gefällt mir besonders, dass er fast wie ein Normalsterblicher auftritt und auch ordentlich einstecken muss. In ausweglosen Situationen braucht es denn auch viel Glück. Auch Hero ist vielschichtig beschrieben und überrascht den Leser immer wieder. Sie liebt ihre Freiheit und ihre gesellschaftlichen Privilegien, hat aber auch ein Auge für Missstände. Gesellschaftliche Konventionen tritt sie wie Sebastian bei Bedarf mit Füßen.

    Der Erzählstil ist leicht verständlich, vermittelt aber auch Emotionen und Atmosphäre. Die Handlung ist verwirrend und doch logisch aufgebaut. Die Spannung ist durchgehend auf einem hohen Niveau, aber den Bösewichten würden ein paar gute Eigenschaften gut zu Gesicht stehen.


    Fazit:

    Dieser Band wird geprägt durch den Wechsel von Kat Boleyn zu Hero Jarvis. Dabei gerät der eigentliche Fall fast zur Nebensache, auch wenn die Beschreibung der historischen Elemente gewohnt überzeugend ist. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung für die Freunde historischer Kriminalromane.

    Das Buch trägt zurecht den Titel Krimödie


    Buchmeinung zu Lotte Minck – Ein Männlein liegt im Walde


    „Ein Männlein liegt im Walde“ ist ein Kriminalroman von Lotte Minck, der 2021 im Droste Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Lotte Minck hat die längste Zeit ihres Lebens im Ruhrgebiet gelebt, wo sie Popstars bekocht, Events organisiert und in einer Schauspielagentur Termine jongliert hat. Dabei hat sie einige Skurrilitäten erlebt und die Menschen des Reviers kennen und lieben gelernt. Seit 2005 widmet Lotte Minck sich ganz dem Schreiben.


    Klappentext:

    Eine fast zwanzig Jahre zurückliegende Affäre bringt Lorettas Universum ins Wanken: Dennis soll Vater einer erwachsenen Tochter sein und steht von einem Tag auf den anderen unter Verdacht, deren Stiefvater erstochen zu haben. Die Last der Beweise ist erdrückend, doch für Loretta aka Hornbrillen-Girl steht fest: Dennis ist in eine Falle gelockt worden. Davon muss jetzt nur noch die Polizei überzeugt werden – wie immer mit tatkräftiger Unterstützung von Minipli-Man und Co.


    Meine Meinung:

    In diesem Buch gelingt der Autorin der Spagat zwischen Kriminalroman und Komödie besonders gut. Die Figuren sind relativ flach gezeichnet, überzeugen aber durch viel Herz, die sie überaus sympathisch erscheinen lassen. Die Schreibe der Autorin lässt den Ruhrpott lebendig werden, weil sie viel Atmosphäre und viele Emotionen überträgt. Loretta findet sich bald in einer schier aussichtslosen Lage wieder, weil ihr Freund Dennis mit dem Messer in der Hand bei einer Leiche aufgefunden wird. Mit Verstärkung aus dem Norden durch Rechtsanwalt Ocke und seiner Ehefrau geht Loretta die Herausforderung an. Zusammen mit ihren bewährten Freunden entwickelt das Team eigene Ideen, die über den neuen Spitznamen Kobra für die Kommissarin hinausgehen. Einfallsreich bringen sich die Teammitglieder ein, auch wenn Loretta die Hauptlast trägt. Ernstere Abschnitte wechseln sich mit lustigen Elementen bis hin zum Slapstick ab. Manchmal sind die Überzeichnungen schon recht krass, aber der Spannungsbogen bleibt jeder Zeit erhalten. Ein paar Seitenhiebe auf Influencer und Rapper passen gut in die Handlung und der Unterhaltungswert ist hoch.


    Fazit:

    Das Buch wird dem Begriff Krimödie gerecht und unterhält mit Spannung und Humor. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

    Ein Thriller der besonderen Art


    Buchmeinung zu Wolf Harlander – Systemfehler


    „Systemfehler“ ist ein Kriminalroman von Wolf Harlander, der 2021 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist.


    Zum Autor:

    Wolf Harlander, geboren 1958 in Nürnberg, studierte Journalistik, Politik und Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach einem Volontariat bei einer Tageszeitung und der Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule arbeitete er für Tageszeitungen, Radio, Fernsehen und als Redakteur der Wirtschaftsmagazine Capital und Wirtschaftswoche. Für seinen ersten Thriller «42 Grad» wurde Harlander ausgezeichnet mit dem Stuttgarter Krimipreis und der MIMI 2021, dem Publikumspreis des Deutschen Buchhandels. Er lebt heute als Autor in München.


    Klappentext:

    Mitten in der Urlaubszeit bricht europaweit das Internet zusammen. Flugzeuge können nicht mehr landen, Ärzte nicht mehr operieren, der Verkehr versinkt im Chaos. Bald sind alle Kommunikationswege gekappt. Ganz Europa befindet sich im Ausnahmezustand, die Menschen geraten in Panik, die Versorgung bricht zusammen. BND-Ermittler Nelson Carius vermutet ein hochkomplexes Computervirus hinter den Internetausfällen. Eine Spur führt ihn ausgerechnet zu IT-Experte Daniel Faber aus München, einem unbescholtenen Familienvater. Während das ganze Land gegen das Chaos kämpft, muss Daniel nicht nur seine Familie retten, sondern auch seine Unschuld beweisen …


    Meine Meinung:

    In diesem Buch finde ich viele Komponenten, die für mich einen spannenden Thriller ausmachen können. Interessante Figuren mit Ecken und Kanten, eine komplexe Handlung mit einigen Nebenhandlungen, Behandlung aktueller Themen, wechselnde Perspektiven, ein romantischer Zweig, bedrohliche Entwicklungen, Überraschungsmomente und viel Spannung. Dazu wirkt die Geschichte durchaus realistischen. Bestimmt erinnert sich jeder Mensch an meist kurzzeitige Ausfälle von EDV-Systemen. Mit gut gewählten Beispielen wird die zunehmende Abhängigkeit von Systemen verdeutlicht, die auf einer permanenten Verfügbarkeit des Internets basieren. Kriminell oder terroristisch motivierte Anschläge und Attacken treffen wichtige Lebensadern, die Politik und Nachrichtendienste auf den Plan rufen.

    Schon der Einstieg ist beeindruckend. Wie harmlos wirkt es doch, wenn ein Hacker ein Virus kreiert und es auf die Reise schickt.

    Am Beispiel einer Hamburger Chirurgin im Universitätsklinikum wird die steigende Bedrohungslage deutlich und die Hilflosigkeit der Ärzte und Pfleger, wenn die Technik im Krankenhaus ausfällt. Viele weitere Beispiele von persönlich betroffenen Menschen zeigen das ganze Ausmaß der Bedrohung.

    Nelson Carius ist ein chaotisch wirkender Typ, der eigentlich ein Praktikum beim BND macht, um ein persönliches Problem zu lösen. Er teilt sein Büro mit einer kühl wirkenden Kollegin, die sehr gut organisiert ist, sehr überzeugend auftritt und zudem attraktiv auf Nelson wirkt. Gemeinsam werden sie mit dem Fall betraut und sie müssen sich erst zusammenraufen. Schnell sind sie in europäische Ermittlungsaktionen involviert, in denen die globalen Auswirkungen der Attacken auf Menschen und Politiker thematisiert werden.

    In einem weiteren Erzählstrang kämpft der Spieleentwickler Daniel Faber um seine Familie und seine Reputation. Er setzt seine Kontakte in die Spieleentwickler- und Hackerszene ein.

    Besonders beeindruckt hat mich die Schilderung der gesellschaftlichen Auswirkungen der Cyberattacken, die weit über die Auswirkungen der Covid19-Pandemie hinausgehen. Auch die Hinweise auf das Zerstörungspotential bei den Nachrichtendiensten sorgt für unschöne Gefühle.

    Der Spannungsbogen ist gekonnt konstruiert und mit den weiteren Eskalationsstufen der Attacken nimmt die Spannung sogar noch zu. Der Showdown ist relativ unspektakulär und doch lässt er dem Leser, das Blut in den Adern gefrieren.


    Fazit:

    Ein eindringlicher, spannender und realistischer Thriller, der die zunehmende Abhängigkeit von Kommunikationssystemen thematisiert. Ich habe ihn begeistert gelesen und bewerte das Buch deshalb mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten). Natürlich gibt es dazu auch eine Leseempfehlung.


    ASIN/ISBN: 3499006618

    Zwei Ermittler finden sich auf dem Zentralfriedhof


    Buchmeinung zu Oliver Pötzsch – Das Buch des Totengräbers


    „Das Buch des Totengräbers“ ist ein historischer Kriminalroman von Oliver Pötzsch, der 2021 bei Ullstein erschienen ist.


    Zum Autor:

    Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in München. Seine historischen Romane haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht: Die Bände der Henkerstochter-Serie wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.


    Klappentext:

    1893: Augustin Rothmayer ist Totengräber auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof. Ein schrulliger, jedoch hoch gebildeter Kauz, der den ersten Almanach für Totengräber schreibt. Seine Ruhe wird jäh gestört, als er Besuch vom jungen Inspektor Leopold von Herzfeldt bekommt. Herzfeldt braucht einen Todes-Experten: Mehrere Dienstmädchen wurden ermordet – jede von ihnen brutal gepfählt. Der Totengräber hat schon Leichen in jeder Form gesehen, kennt alle Todesursachen und Verwesungsstufen. Er weiß, dass das Pfählen eine uralte Methode ist, um Untote unter der Erde zu halten. Geht in Wien ein abergläubischer Serientäter um? Der Inspektor und der Totengräber beginnen gemeinsam zu ermitteln und müssen feststellen, dass sich hinter den Pforten dieser glamourösen Weltstadt tiefe Abgründe auftun …


    Meine Meinung:

    Es brauchte ein wenig bis ich mich in das Buch eingelesen hatte. Wechselnde Perspektiven und eine altertümlich angehauchte Sprache bestimmen den Schreibstil. Zusätzlich wird sehr auf Formalien geachtet, wie es halt zu der Zeit üblich war. Die Figurenzeichnung hat mich dagegen von Anfang an überzeugt. Fast alle Figuren haben Ecken und Kanten und manche dazu ein Geheimnis. Leopold von Herzfeldt kommt aus wohlhabender Familie, war schon Untersuchungsrichter in Graz und soll nun den Boden für moderne Tatortermittlungen in Wien bereiten. Er hat ein Trauma, weil er jemanden bei einem Duell erschossen hat. Gleich in den ersten Tagen hat er es sich mit vielen neuen Kollegen verdorben, einzig die Telefonistin „Lämmlein“ und ein junger Assistent, mit dem er sich das Büro teilt, bleiben ihm gewogen. Bald lernt er den Totengräber Augustin Rothmayer kennen, der einen Almanach über die Toten schreibt. Dieser skurrile Zeitgenosse nervt Leopold zunehmend, erweist sich aber als wichtiger Helfer.

    Die einzelnen Kapitel werden mit Auszügen aus diesem fiktiven Almanach eingeleitet und zeigen einen Wissensstand, der seiner Zeit voraus ist. Der Autor zeigt die Strukturen innerhalb des Polizeiapparats. Machtkämpfe und Antisemitismus sind angesprochene Themen. Leopold und Frau Wolf, das „Lämmlein“ kommen sich näher, erleben aber einige Rückschläge. Leopold lernt sich etwas zurückzunehmen und seine positiven Eigenschaften ins Spiel zu bringen. Seine Sympathiewerte blieben aber auf niedrigem Niveau, im Gegensatz zu denen von Frau Wolf und dem Totengräber. Es geschehen mehrere Morde und die Polizei kommt kaum voran. Dann überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zu einem eindrucksvollen Showdown.

    Die Spannungskurve flacht zeitweilig ab, wenn der Autor sich historischen und privaten Themen zuwendet. Gegen Ende wird es aber immer spannender. In den Nebenhandlungen wird der Zeitgeist spürbar und der Leser begegnet dem beginnenden gesellschaftlichen Wandel, der auch die Polizei betrifft.


    Fazit:

    Bei diesem Buch haben mir vor allem die Figurenzeichnung und die Beschreibung der im Wandel befindlichen Gesellschaft gefallen. Der Kriminalfall fällt dagegen etwas ab. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80von 100 Punkten), spreche aber eine Leseempfehlung für die Freunde historischer Kriminalromane aus.

    Etwas schwächer als die vorhergehenden Bände


    Buchmeinung zu Anne Stern – Fräulein Gold: Der Himmel über der Stadt


    „Fräulein Gold: Der Himmel über der Stadt“ ist ein Roman von Anne Stern, der 2021 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist. Die gekürzte Lesung wird von Anna Thalbach vorgetragen und ist 2021 bei Argon erschienen.


    Zum Autor:

    Anne Stern promovierte nach dem Studium der Geschichte und Germanistik in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin in der Lehrerausbildung. Als Selfpublisherin hat sie bereits erfolgreich Romane veröffentlicht, bevor sie mit der Reihe um die sympathische Hulda Gold einem noch größeren Publikum bekannt wurde.


    Sprecher:

    Anna Thalbach stand bereits mit sieben Jahren das erste Mal für einen Kinofilm vor der Kamera. Seitdem arbeitet sie gleichermaßen erfolgreich für Theater, Film und Fernsehen. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme ist sie eine der gefragtesten Hörbuchsprecherinnen.

    Klappentext:

    Berlin, 1924. Hulda Gold arbeitet in der neuen Frauenklinik in Berlin-Mitte und versorgt dort die Frauen und ihre Neugeborenen. Die Geburtshilfe ist modern, Berlin am medizinischen Puls der Zeit. Doch es kommt zu einem tragischen Todesfall: Eine junge Schwangere stirbt bei einer Operation, die ausgerechnet der ehrgeizige Chef-Gynäkologe Egon Breitenstein durchführt.

    Zufällig stößt Hulda auf Ungereimtheiten, die einen üblen Verdacht keimen lassen. Die Mauer des Schweigens, die sich in der Klinik aufbaut, ist für die Hebamme aber kaum zu durchdringen. Ein Dickicht aus Ehrgeiz und falschen Ambitionen umgibt die Ärzte, die bereit sind, ihr männliches Imperium zu verteidigen – wenn nötig, bis zum Äußersten.


    Meine Meinung:

    Wieder ist es der Autorin gelungen, die Zwanziger-Jahre lebendig werden zu lassen. Hulda Gold hat den Job in der Klinik angenommen, um ein gesichertes Auskommen zu haben. Dafür muss sie massive Einschränkungen bei der Betreuung der Gebärenden in Kauf neben. Wenn es ernst wird mit der Geburt, dann wird es Männersache der Ärzte und Hulda ist außen vor. Und das gefällt ihr gar nicht. Es gibt Entwicklungen bei bekannten Figuren, aber auch einige neue Protagonisten. Wieder sind die meisten Figuren mit Ecken und Kanten versehen und bieten Platz für Überraschungen. Es gibt diverse Nebenhandlungen mit ernsten Themen, aber auch heitere oder freudige Passagen, die für Auflockerung sorgen. In Sachen Männer tut sich Hulda wieder einmal schwer. Sie entfremdet sich vom Kommissar und nähert sich einem jungen Arzt an. Die politischen Entwicklungen im Berlin jener Zeit wirken sich zunehmend auf das Leben der Figuren aus. Auch Hulda begegnet zunehmenden Abneigungen gegen Juden, auch schon im Krankenhaus. Dieser Roman ist wieder eine Spur dunkler wie der Vorgänger, Hulda bleibt aber der Sympathieträger schlechthin. Der Kriminalfall kommt mir diesmal etwas zu kurz, weshalb ich etwas enttäuscht war, aber nur ein kleines bisschen.

    Anna Thalbach ist ein Glücksfall für dieses Hörbuch. Ihr gelingt es, den Figuren Leben einzuhauchen.



    Fazit:

    Dieser Band ist etwas schwächer als die vorgehenden Bände, überzeugt aber dennoch mit Atmosphäre, interessanten Figuren und einer unterhaltsamen Geschichte. Ein besonderes Lob hat Anna Thalbach für ihren Vortrag verdient, der die Figuren lebendig werden lässt. Deshalb gibt es diesmal „nur“ vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten). Das Hörbuch kann ich aber auf jeden Fall empfehlen. Es ist ein Erlebnis.

    Die Hauptfigur fand ich unterirdisch


    Buchmeinung zu Karen Kliewe – Feuchtes Grab Ostsee


    „Feuchtes Grab Ostsee“ ist ein Kriminalroman von Karen Kliewe, der 2021 bei Piper Spannungsvoll erschienen ist.


    Zum Autor:

    Karen Kliewe wurde 1970 in Westfalen geboren, ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin studierte sie Visuelle Kommunikation, arbeitete als Illustratorin, Grafik-Designerin und Fotografin. Ihr Debüt erschien 2020 und bildete den Auftakt einer Serie um die Journalistin Johanna Arnold


    Klappentext:

    Januar 2017. Die Nacht ist weit fortgeschritten. Ein Netz aus feinen Tropfen ziert das kalte Metall des monströsen Stahlkolosses. Die blasse Haut der jungen, nackten Frau, die an einem seiner Pfeiler angelehnt dasitzt, schimmert unwirklich. Ihr Name: Denise. Ihr Mörder: Ihr Freund – so viel steht fest. Oder ist er nur der Sündenbock?

    Johanna Arnold, angehende Journalistin und Freundin des Opfers, plagen Zweifel. Ihre Recherchen bringen nicht nur Ungeahntes über die Tote zum Vorschein, sondern auch das grausame Vermächtnis einer düsteren Nacht im Jahre 1945. Doch wie lässt sich beweisen, was niemand sehen will?


    Meine Meinung:

    Dieses Buch lebt von der Hauptfigur Johanna Arnold und ihrer Art, alles zu hinterfragen. Frau Arnold leidet vor allem psychisch noch unter Nachwirkungen ihres ersten Falles. So handelt sie manchmal in einer Art, die ihr Gegenüber vor den Kopf stößt. Sie ist sehr hartnäckig und verfolgt ihre Ziele dabei konsequent. Für mich wirkte Johanna Arnold unsympathisch und manchmal geradezu besessen, wenn sich keine Ergebnisse einstellen wollten. Wenn es ihr angemessen erscheint, überschreitet sie bei ihren Ermittlungen Grenzen und fordert dies auch von Bekannten. Auch das Thema war von der Autorin mutig gewählt, hatte regionale Bezüge, dürfte aber auch einige Leser abschrecken. Einige Figuren waren interessant gezeichnet, aber es gab auch tiefschwarze Figuren. Der Schreibstil sorgte für Emotionen und brachte zeitweilig viel Spannung ins Spiel. Weniger schön waren etliche Wiederholungen, die wie ein Vorschlaghammer die Richtung vorgaben.


    Fazit:

    Ein Krimi mit einigen guten Ansätzen, der mich aber mit seiner Hauptfigur vergraulte. Deshalb bewerte ich das Buch auch nur mit zwei von fünf Sternen (50 von 100 Punkte).


    ASIN/ISBN: B08WX29SBY

    Mehr als ein einfacher Regionalkrimi


    Buchmeinung zu Frank Esser – Schicksalsschwur


    „Schicksalsschwur“ ist ein Kriminalroman von Frank Esser, der 2021 bei Neopubli erschienen ist.


    Zum Autor:

    Frank Esser, Jahrgang 1974, lebt in Hoengen bei Aachen.


    Klappentext:

    Erst wird der Juwelier Michael Pfeiffer erschossen, dann stirbt ein Obdachloser unter mysteriösen Umständen. Kriminalhauptkommissar Karl Hansen arbeitet mit seinem Team unter Hochdruck daran, die Taten aufzuklären. Zu allem Überfluss sitzt ihnen auch noch der Aachener Bürgermeister im Nacken, der angesichts der anstehenden Reit-WM wegen der Morde einen Imageschaden für die Stadt befürchtet. Eine Entdeckung im Rahmen der Ermittlungen versetzt Hansen in Alarmbereitschaft und lässt ihn vermuten, dass die Morde möglicherweise nicht das einzige Problem sind, mit dem sie es zu tun haben ...


    Meine Meinung:

    Der Autor erzählt in einem sachlichen und leicht verständlichen Stil eine Geschichte, die es in sich hat. Die Ermittler wirken fachlich kompetent und aufgrund ihrer leichten Schwächen und Probleme sympathisch. Es gibt zwei große Stränge, die letztendlich in Aachen zusammengeführt werden. In Aachen gibt es einen Mord an einem Juwelier und in Nordirland sammelt ein ehemaliger Freiheitskämpfer Mitstreiter für einen großen Coup. Der Autor widmet sich den massiven Auswirkungen des Brexit auf Nordirland ausführlich. In Aachen wird das Lokalflair durch die anstehenden Reiterspiele und bekannte Orte als Schauplätze gekonnt bedient. Auch kleine private Entwicklungen der Polizisten spielen eine Rolle. Hansen und sein Team leisten ordentliche und realistische Ermittlungsarbeit und kommen einem großen Ding auf die Spur. Die Spannung und das Erzähltempo ziehen deutlich an und es gipfelt in einem spektakulären Showdown. Der Unterhaltungswert ist hoch, auch weil mir der Plot sehr gut gefallen hat. Dazu gibt es nebenbei Wissenswertes über Aachen und über die aktuelle Situation in Nordirland.


    Fazit:

    Mich hat vor allem der Plot und der ruhige Erzählstil überzeugt. Deshalb bewerte ich das Buch mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.


    ASIN/ISBN: dp/B095CD74NL

    Lange Zeit sehr unterhaltsam, aber dann überzog die Autorin


    Buchmeinung zu Andrea Instone – Mord in Nizza


    „Mord in Nizza“ ist ein Kriminalroman von Andrea Instone, der 2021 im dp Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:

    Andrea Instone kam in Bonn am Rhein zur Welt, wo sie heute auch wieder wohnt. Und schreibt. Wenn man sie lässt. Lässt man sie, so schreibt sie historische Fantasy, unblutige Kriminalromane und Hommagen an Jane Austens Geschichten. Damit ist sie sehr gut beschäftigt. Zu gut, findet der Haushalt. Aber auch Wollmäuse haben ein Recht auf Leben. Oder?


    Klappentext:

    Cornwall, 1921: Die junge Witwe Elizabeth Teague hat eine schwere Zeit hinter sich, doch das Blatt scheint sich zu wenden, als ihre ehemalige und sehr vermögende Schulfreundin Flossie sie nach Nizza einlädt, um ihr in einer Ehekrise beizustehen. Vor Ort stellt sich jedoch heraus, dass Flossie von Lizzie mehr als nur Trost erhofft: Sie soll ihren Ehemann Albert der Untreue überführen.Für die perfekte Inszenierung zieht Lizzie in das vornehme Negresco, in dem auch Gaston Perrier logiert, den Lizzie bereits im Zug kennengelernt hat. Eine muntere Gesellschaft hat sich an der Riviera zusammengefunden und Lizzie glaubt, das große Los gezogen zu haben. Bis in ihrer Badewanne plötzlich eine Leiche auftaucht …


    Meine Meinung:

    Dieses Buch lebt in erster Linie von der sympathischen Hauptfigur Elizabeth Teague und dem humorigen Grundton im Umfeld des mondänen Nizza zu jener Zeit. Elizabeth wandelt sich von einer grauen Maus zu einer abenteuerlichen jungen Frau.Viele möchten sie instrumentalisieren, aber Elizabeth hat ihren eigenen Kopf und wird zunehmend selbstbewusster. Die Geschichte wird meist aus der Sicht der Hauptfigur erzählt, so dass auch ihre Gefühle und Gedanken geteilt werden. Sie wird recht ausführlich charakterisiert und ist interessant gezeichnet. Die anderen Figuren werden nur kurz skizziert und bieten wenig Überraschungen, einzig Gaston Perrier hat einige Ecken und Kanten. Ich fand das Buch lange Zeit sehr unterhaltsam, aber dann wurde Elizabeth Teague leider zur Überfrau, die alle Winkelzüge durchschaute und gestandene Ermittler alt aussehen ließ. Das war eindeutig zu viel des Guten. Gefallen hat mir die Schilderung des mondänen Nizza mit seiner versnobten Kundschaft und dem mediterranen Flair.


    Fazit:

    Es war lange Zeit sehr unterhaltsam, bis sich die sympathische Hauptfigur zur Überfrau wandelte. Das war mir eindeutig zu viel und deshalb bewerte ich das Buch mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).


    ASIN/ISBN: B09366QQ3D