Beiträge von Filtertuete

    Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt!
    Die Abdeckung mehrerer Genres (Historienschmöker, Liebesroman, Kriminalroman, Spionageroman, Milieustudie, Familienroman, Frauenroman...) stellte eine gelungene Mischung dar.
    Die Präsentation in Form von abwechselnden Tagebuchnotizen und Briefen erwies sich als originell und unterhaltsam.
    Die Probleme der handelnden Personen traten deutlich, glaubwürdig und nachvollziehbar zu Tage: Da waren einmal die kriegsbedingten allgemeinen Alltagssorgen wie beispielsweise die Ängste um eingezogene Ehemänner, Söhne und Geliebte und die eingeschränkte Versorgungslage, aber auch die ganz persönlichen Belange wie die Bedeutung des Geschlechtes eines Neugeborenen, galt es doch, einen männlichen Erben zu produzieren.
    Oder eben der Frauenchor, die Rolle der Frau. Das gemeinsame Singerlebnis.
    Ein Leseerlebnis, das mich noch eine Weile beschäftigen wird.
    10/10 Punkten

    Momentan sind wirklich erstaunlich viele gute historische Romane auf dem Markt!
    Dies ist eines davon. Es war mein erstes Buch von Colin Whitehead. Cover und Titel passen, die Übersetzung von Nikolaus Stingl lässt sich angenehm lesen, Inhalt hält, was Inhaltsangabe versprach. :-]
    Erzählt wird die Geschichte der jungen Protagonistin Cora, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts als farbige Sklavin in den Südstaaten heran wuchs.
    Es ist jedoch ebenfalls die Geschichte der historisch nachgewiesenen titelgebenden "Underground Railroad", einer Organisation, deren Name sich daher ableitet, dass die Mitglieder bzw. Funktionen sich bezeichnungsmäßig an der Beschäftigtenhierarchie der Eisenbahngesellschaften orientierten, und die sich zum Ziel gesetzt hatte, Flüchtlinge auf dem Versuch, die Staaten des freien Nordens zu erreichen, zu unterstützen.
    Die Problematik war mir natürlich, wenn auch nicht in Zusammenhang mit besagter Organisation, bekannt, aber die Schilderung anhand eines Einzelschicksals ist natürlich meist viel einprägsamer, weil eine Person es dem Leser leichter macht, sich in eine Lage hinein zu versetzen, als es nüchterne Daten und Fakten aus Geschichtsbüchern vermögen.
    Die Lektüre dieses Buches hat mich tief beeindruckt und ich kann seine Lektüre geschichtsinteressierten Lesern guten Gewissens ans Herz legen.
    10 Punkte!
    :wave

    Zitat

    Original von Nick
    Ich bin schon auf Seite 260 und kann mit den Protagonisten nicht wirklich mitfühlen/mitleiden.
    Ich werde es noch ein bisschen versuchen ...


    :write
    Ungefähr in der "Gegend" habe auch ich aufgegeben.
    Es gibt derzeit so viele wirklich gute historische Romane auf dem Markt, da mag ich weder Lebens- noch Lesezeit verschwenden :-]
    :wave

    Dies ist eines der berührendsten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe!
    Ja, manchmal scheint es etwas ziellos vor sich hin zu mäandern, hält sich an zwar interessanten, aber nicht unbedingt zur Geschichte gehörenden Abzweigungen wie dem Besuch bei der 1991 in Südafrika geborenen Läuferin Caster Semenya auf, die vor einigen Jahren in allen Medien ausgiebigst abgehandelt wurde.
    Trotzdem merkt man, was der Autorin am meisten am Herzen liegt, nämlich der Verlust ihres auf einer Recherchereise nach Ulan Bator zu früh geborene und nur wenige Minuten lebensfähigen kleinen Jungen. Wie sie sich deshalb mit Selbstvorwürfen quält, obwohl man ihr ärztlicherseits nachweist, dass sie kein Verschulden trifft. Wie sie sich von ihrem Umfeld unverstanden fühlt, dort auch Vorwürfe zu spüren meint, sich an dem verwendeten Wort "Fehlgeburt" stößt, weil ihr Kind ja keine Totgeburt, sondern eine (leider zu kurz) lebende Frühgeburt war. Wie sie damit fertig werden muss, dass ihr Körper, ganz zu schweigen natürlich von ihrer Psyche, voll auf die Mutterrolle "programmiert" ist. Wie um sie herum alles in Scherben zu gehen droht bzw. tatsächlich zerbricht.
    All das kommt relativ unprätentiös zur Sprache und berührte - zumindest mich - gerade dadurch erheblich stärker, als eine mehr rührselige Darbietung es vermocht hätte.
    Ariel Levy hat damit bestimmt einen ersten Schritt auf dem Weg der Trauerbewältigung unternommen, auch, wenn solch eine Wunde vermutlich hie ganz verheilen kann.

    Das Coverbild und der Buchtitel passen recht gut zum hier erzählten Geschehen, genauso gut aber auch zu den beiden vorausgegangenen Büchern.
    Bereits mit dem ersten Roman ihrer Reihe über diese Protagonistin, die Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes, "Kaninchenherz", konnte mich die Autorin Annette Wieners voll und ganz überzeugen.
    Ebenso erging es mir mit dem Nachfolger, "Fuchskind".
    Auch im dritten Anlauf hier war ich schnell wieder mitten in der Geschichte drin und sehr gespannt, wie es denn wohl einerseits mit Hannes und andererseits mit Marina Olbert, beide seit "Kaninchenherz"an dabei, weiter gehen würde.
    Ab einem gewissen Zeitpunkt hatte ich eine Idee, wie es ausgehen könnte, jedoch tat dies meiner Lesefreude nicht den geringsten Abbruch.
    Wie gewohnt kam ich mich dem Schreibstil gut klar.
    Leseempfehlung für Freunde gepflegter Krimiunterhaltung ohne übertriebene, effekthascherische Gewaltszenen.
    Ich vergebe 8 von 10 möglichen Punkten!
    :wave

    Zitat

    Original von Morgaine
    Felix Krull ist ein gesellschaftskritischer und sehr vielschichtiger Roman. Ich fand es interessant zu lesen und es hat mir gut gefallen. Seine schauspielerischen Fähigkeiten fand ich bewundernswert und seine ganzen Abenteuer waren spannend und unterhaltsam. Ein negativer Aspekt ist für mich, dass Felix Krull häufig in Eigenlob versinkt und mir diese Stellen (so wie auch manch andere) arg langatmig erschienen. Aber ich weiß auch, dass es einfach perfekt zu seinem Charakter passt. Aber nichtsdestotrotz ein absolut lesenswertes Buch :anbet


    :write


    Ich mochte auch die Verfilmung mit Horst Buchholz, vor allem die Szene, als er "unbedingt" seiner Pflicht für das Vaterland nach kommen wollte :lache



    :wave

    Titel: Dunkels Gesetz
    Autor: Sven Heuchert


    Über das Produkt:
    Broschiert: 192 Seiten
    Verlag: Ullstein Hardcover
    Erscheinungsdatum: 14. Juli 2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3550081782
    ISBN-13: 978-3550081781
    Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 1,9 x 20,5 cm
    (Quelle: AMAZON)


    Meine Meinung:
    Das disharmonische Coverbild ebenso wie der schnörkellose Buchtitel passen zur erzählten Geschichte.
    Dese ist von der Idee her positiv zu bewerten; das trifft auch für den geschickt aufgebauten und bis zum Schluss durchgehaltenen Spannungsbogen zu.
    Dazu passt der interessant gestaltete Protagonist und Titelheld Richard Dunkel, ein eigenbrötlerischer, hartgesottener und desillusionierter einsamer Wolf mit festen Überzeugungen und eben einem eigenen Gesetz. Seine weichen Seiten zeigt er selten.
    Weniger zufrieden war ich mit dem zugegebener Weise irgendwie zur Geschichte passenden, mich aber zunehmend unwohl fühlen lassenden abgehackten Schreibstil. Dieses Unwohlfühlen wurde massiv verstärkt durch die deprimierende Atmosphäre, in der sich alles um Einsamkeit, Drogen und Brutalität zu drehen scheint.
    Ich vergebe 7 Punkte

    Bis zur Lektüre dieses Buches kannte ich nur die berühmten drei Affen und wusste nichts von einem vierten. Wieder einmal ein schlagender Beweis: Lesen bildet! :-]
    Auch dieser achte Teil aus Inge Löhnigs Kommissar Dühnfort-Reihe hat mich sehr gut unterhalten. Ich kenne noch nicht alle Vorläufer, vermisste hinsichtlich der Verständlichkeit jedoch nichts.
    Der Münchner Ermittler Konstantin ("Tino") und seine Gina sind von der Hochzeitsreise zurück, Nachwuchs kündigt sich an.
    Ein zufälliger Leichenfund und ein Besorgnis erregendes Ergebnis einer Vorsorgeuntersuchung halten die Dühnforts aber auch den mit fiebernden Leser in Atem...
    Ich vergebe 9 von 10 möglichen Eulenpunkten :wave

    Ich habe mich schon immer ein wenig für die Geschicke der Hohenzollern, Wittelsbacher und Habsburger interessiert, weshalb mir nur die Autorin selbst fremd war, nicht aber die schon in einigen gelesenen Büchern erwähnte Erzherzogin Leopoldine.
    Bisher hatte ich es aber eher mit Romanen zu tun, in denen sie nur als Randfigur auftrat, oder mit Sachbüchern, ein Briefroman war nicht darunter.
    Obwohl diese Art von Stil natürlich eine gute Möglichkeit bietet, sowohl echte Briefe als auch solche fiktiver Personen geschickt zu mischen und die Autorin auch genau dies tat, musste ich feststellen, dass Briefromane wohl doch nicht so ganz mein Fall sind, wenn man das Jugendbuch "Daddy Langbein"/"Lieber Feind" von Jean Webster mal außen vor lässt.
    Da ich dies aber nicht der Autorin anlasten kann, und ich zudem viele interessante Dinge aus dem Leben der Erzherzogin erfahren konnte, bin ich insgesamt gesehen doch recht zufrieden. Die fiktiven Personen passen gut ins erzählte Geschehen und auch authentische Nebenfiguren wie beispielsweise Leopoldines Schwester Marie Louise, die wie Leopoldine der Habsburger Devise "Tu Felix Austria Nube" folgend politisch verheiratet und so die zweite Ehefrau von Napoleon Bonaparte wurde, erhielten für mich deutlichere als zuvor bekannte Konturen.- Leopoldines Schicksal ist überwiegend traurig, jedoch waren die Frauen damals eben viel unfreier als heute und ich wünsche mir von einem Roman, Briefroman hin oder her, schließlich keine von der Wirklichkeit abweichenden Verschönerungen.
    9 Punkte

    Titel: Es klingelte an der Tür - Ein Fall für Nero Wolfe
    Autor: Rex Stout
    Vorwort: Jürgen Kaube
    Übersetzer: Conny Lösch



    Produktinformation:


    Gebundene Ausgabe: 248 Seiten
    Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1
    Erscheinungsdatum: 11. März 2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 360898111X
    ISBN-13: 978-3608981117
    Originaltitel: The Doorbell Rang
    Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 1,8 x 19 cm
    (Quelle: AMAZON)


    Meine Meinung:
    Wenn Rex Stout an der Tür klingelt, sprich: wenn man einen seiner Kriminalromane zu lesen beginnt, merkt man ziemlich rasch, dass es sich um eine ältere Geschichte handelt und vor allem, dass sie in einer schon etliche Jahre zurück liegenden Zeit spielt. Beispielsweise einer Zeit, in der man noch auf eine Telefonzelle angewiesen war, in der einem entgegenkommende Passanten noch in die Augen sahen und nicht Daumengymnastik auf einem Gerät von der Größe einer Zigarettenschachtel betrieben. Gleichzeitig stellt man jedoch fest, dass dies keinen Nachteil, keine Einbuße an Spannung bedeuten muss.
    Sein Held, der übergewichtige Privatdetektiv Nero Wolfe, New Yorks berühmtester Privatermittler, legt sich für seine ebenso wohlhabende wie exzentrische Mandantin sowohl ins Zeug als auch an, letzteres mit Jemandem von "ganz oben", dem gefürchteten J. Edgar Hoover, Leiter des Federal Bureau of Investigations, kurz FBI. Sein Assistent Archie Goodwin macht sich an die ersten Ermittlungen, sein Chef ist ja eher der "No Sports"-Typ...
    Es hat mich gut unterhalten, wieder einmal eines der Werke eines der großen Meister des vergangenen Jahrhunderts in Sachen "Kriminalroman" zu lesen.
    Gern vergebe ich die volle Punktzahl!

    "Die Morde von Morcone" war mein erstes Buch von Stefan Ulrich.
    Das die oft gepriesene schöne Landschaft der Toscana zeigende Coverbild fiel mir sofort ins Auge.
    Die Kriminalgeschichte als solche konnte mich gut unterhalten, allerdings ist sie von unangenehm vielen und vor allem zu Beginn oft nur schwer auseinander zu haltenden Personen bevölkert, was mich in meinem Lesefluss dann doch ein wenig eingeschränkt hat.
    Durch viele eingeschobene italienische Vokabeln und das Verwenden landestypischer Klischees wird italienisches Flair herauf beschworen, was mir manchmal etwas zu bemüht und übertrieben vorkam.
    Sympathisch war mir das Ermittlergespann, welches aus einer Italienerin und einem aus München stammenden Anwalt bestand, der sich eigentlich ein Jahr innerer Einkehr verschrieben hatte, aber der Mensch denkt...
    Es gefällt mir immer, wenn interessante Begebenheiten aus der Vergangenheit sowie authentische Probleme der Gegenwart in eine Romanhandlung mit eingebaut werden. Hier war beides der Fall. Allerdings sehe ich in der Gewichtung der Themen noch Luft nach oben, manches erscheint mir hier noch etwas zu wenig ausbalanciert.
    Ich vergebe 7 Eulenpunkte

    Produktinformation:
    Taschenbuch: 416 Seiten
    Verlag: btb Verlag
    Erscheinungsdatum: 9. Mai 2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 344271544X
    ISBN-13: 978-3442715442
    Originaltitel: The Lobster Kings
    Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence
    (Quelle: AMAZON)


    Die Geschichte um die über 300 Jahre auf Loosewood Island ansässige und vom Hummerfang lebende Familie King hat mich eigentlich recht gut unterhalten und mir einige interessante Einblicke beschert.
    Das Cover ist recht ansprechend gestaltet und passt auch gut zu dem hier erzählten Geschehen.
    Der Titel orientiert sich am englischen Original.
    Der alte Aberglaube und die mystischen Anteile hielten sich gerade noch in einem für mich akzeptablen Rahmen.
    Das Buch vermittelte mir ein gutes Kopfkino in einer Atmosphäre von Wind, Salz und Meeresrauschen. Es zeigt eine eindeutig von Männern dominierte Welt und wie schwer es einer Frau darin ergehen kann, wenn sie demonstrieren will, dass auch sie sich dort zu behaupten in der Lage ist. Manchmal erschien es mir fast zu grausam.
    Ich vergebe 7 Eulenpunkte