Beiträge von engi

    Von wegen "Lückenbüßer" ...

    Ausgerechnet bei der Anti-Terrorübung „Alpenglühen“, die unter der Leitung unseres Herrn Kluftinger – seines Zeichens Interims-Polizeipräsident – durchgeführt wird, kommt ein beteiligter Polizist ums Leben. Ja, mei, könnt’s vielleicht an Kluftis nicht ganz regelkonformen Führungsstil liegen? Hoffentlich nicht, denn eigentlich hat der Kommissar im Moment so gar keine Zeit für Ermittlungsarbeiten, wo er doch mitten im Wahlkampf der Lokalpolitik steckt. Wie soll er beide „Projekte“ auf die Reihe kriegen? Welcher Fall hat mehr Gewicht? Gemeinsam mit Richie Maier arbeitet versucht er den Todesfall aufzuklären, doch in allen anderen Fragen steht ihm diesmal seine liebe Erika mit Rat und Tat zur Seite … da kann ja alles nur schief gehen, äh, ich mein natürlich gut werden! Dummerweise entpuppt sich der liebe Nachbar Herr Dr. Langhammer diesmal als sein größter Konkurrent. Wer wird wohl den Sieg erringen?

    Für mich als absoluten Kluftinger Fan – ja, bis hin zu den Kuhfell Clogs – war natürlich auch dieser tatsächlich inzwischen schon 13. Teil der Reihe ein absolutes Muss. Diesmal liegt der Fokus definitiv nicht auf dem Mordfall, sondern auf dem Kampf um einen Platz als Gemeinderat in Altusried im Allgäu, der Heimatstadt der Familie Kluftinger. Was für den Herrn Kommissar zunächst als eine Art „Lückenbüßer“ Rolle begann, entwickelt sich bald zu einem erbitternden Kampf mit allen Mitteln. Mal wieder ist Klufti besonders mit den modernen Medien und der Social Media Präsenz restlos überfordert, aber genau das macht ihn ja so liebenswert. Das Buch selbst schließt mit einer Art offenem Ende und lässt mich natürlich auf einen weiteren Fall hoffen, der dann sicher wieder grandios von den Autoren in Form eines unterhaltsamen Buchs und Hörbuchs umgesetzt werden wird. Aber zunächst einmal gibt es von mir mit fünf Sternen die Höchstnote und eine Empfehlung an alle Kluftinger Fans und diejenigen, die es werden möchten. Altusried und Präsident Kluftinger, here we come!

    Was wiegt stärker, die Gene oder die Liebe?

    Was für eine Horrorvorstellung! Eines Tages steht ein Mann namens Miles Lambert vor Pete and Maddie Rileys Tür und behauptet, die Söhne der beiden Familien seien nach der Geburt im Krankenhaus vertauscht worden. Er legt sogar Beweise vor, die diese schreckliche Möglichkeit untermauern. Ihr geliebter zweijähriger Sohn Theo ist dem Fremden wie aus dem Gesicht geschnitten, wie sollen sie nun weiter vorgehen? Auf der Suche nach einer möglichen Lösung stellen Pete und Maddie bald fest, dass ihre beiden Familien vollkommen andere Wertvorstellungen haben und bald schon trauen die Rileys den Lamberts nicht mehr über den Weg. Als schließlich eine Klage gegen das Krankenhaus eingereicht wird, kommen Dinge zu Tage, die man wohl besser zugedeckt gelassen hätte … wie weit wird Miles gehen um seinen „wahren Sohn“ für immer in sein Leben einzubinden?

    Der Anfang dieser doch eher außergewöhnlichen Geschichte beginnt trotz der Dramatik rund um die Frühgeburt des kleinen Theos eher unspektakulär. Dennoch bereitete ich mich aufgrund des Klappentextes auf etwas Größeres vor. Und tatsächlich steigert sich die Spannung „slowly but surely“, und schon bald hielt ich beim Hören immer wieder die Luft an. Gut gefallen hat mir, dass es keine klare Trennung nach schwarz und weiß zu geben schien. Während sich Lambert ganz klar recht schnell zu einem absoluten Ekelpaket mit fast schon psychopathischen Zügen entwickelt, haben auch alle anderen Charaktere ihre Leichen im Keller, die sie nicht unbedingt ausgegraben haben möchten. Die Geschichte begeistert mit einem gut gelösten, sehr glaubwürdigen Ende, sodass hierfür und für durch die Bank prickelnde Hörstunden für diese Entdeckung in meinem Hörbuch Regal sehr gerne mit fünf spannungsgeladenen Sternen die Bestnote vergebe, natürlich verbunden mit einer Leseempfehlung an alle, die wie ich clevere Kriminalfälle lieben.

    Tiefe Einblicke in die japanische Seele ...

    In den Jahren von '39 bis '66 darf ich die beiden Brüder Hiroshi und Kenji in ein für mich bis dato selbst noch nicht besuchtes Land ein Stück des Weges begleiten. Durch die Augen und Schreibfeder der Autorin Gail Tsukiyama reise ich ins ferne Japan und nehme teil am bewegten Leben der Brüder, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während der ältere der beiden, Hiroshi, davon träumt eines Tages ein berühmter Sumo Ringer zu werden, hat der jüngere und zartere Bruder sein Herz an die traditionelle Maskenschnitzerei für das weit über seine Grenzen hinaus bekannte Tokioter No-Theater verloren. Die beiden Jungs, die ihre Eltern früh durch einen Unfall verloren haben, werden von liebevollen Großeltern in Yanaka, einem ruhigen Viertel Tokyos erzogen, doch auch sie können die Jungs nicht vor den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und den schrecklichen Atombomben Abwürfen in Hiroshima und Nagasaki bewahren. Ihrer aller Leben werden von alter Tradition geprägt, die ganz langsam – sehr zum Leidwesen der Großeltern - einem modernen und westlicher geprägten Lebensstil Platz machen. Hiroshi und Kenji haben einen steinigen Weg vor sich, der jedoch mit viel Liebe und auch Erfolg gepflastert ist und beide finden das Glück auf ihre ganz eigene Weise …


    Was für ein wunderbar kluger Roman, der es auf ganz besondere Art schafft, alt Hergebrachtes mit dem Neuen zu verbinden und so ein komplexes Bild der japanischen Kultur zu vermitteln. Alle Charaktere sind authentisch und lebendig gezeichnet, so dass sie mir trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit den für uns ungewohnten japanischen Namen schnell ans Herz wuchsen. Ich brauchte ein wenig, bis die Geschichte für mich rund wurde, hier ist etwas Geduld angesagt, aber wenn man sich eingelesen hat, möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Von mir gibt es 4,5 sehr verdiente Sterne und eine Empfehlung an alle, die sich gerne mal mit dem Land und seinen Gebräuchen auseinandersetzen möchten. Ich habe sehr viel gelernt und mich in dem Buch sehr wohl gefühlt.

    Keine einfachen Zeiten im besetzten Rheinland ...


    Ich begebe mich mit Susanne Gogas Roman „Die wilden Jahre“ ins besetzte Rheinland des Jahres 1919. Sie hat das Geschwisterpaar Thora und Hannes Bernrath, die aus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie stammen, in den Mittelpunkt des Romans gestellt. Während Thora sich ihren Traum, eine Ausbildung zur Schauspielerin, erfüllen darf, sieht die Welt für Hannes alles andere als rosig aus. Er hat den Ersten Weltkrieg zwar körperlich mehr oder weniger schadlos überstanden, doch in seinem Inneren tobt der Krieg weiter. Als er schließlich für eine Tat verhaftet wird, die er zwar vehement abstreitet, begangen zu haben, zu den Umständen jedoch schweigt, scheint er endgültig gebrochen zu sein. Doch seine geliebte Schwester, mit der ihn immer schon ein besonderes Band verbunden hat, kämpft mit allen Mitteln, ihn aus dieser Misere zu befreien. Sie glaubt an seine Unschuld und will ihn um alles in der Welt retten. Werden ihre Mühen mit Erfolg gekrönt sein?


    Susanne Goga zeichnet ein wunderbar realistisches Bild der damaligen Zeit und schafft es, bei mir mal wieder Wissenslücken zu schließen, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existierten. Düsseldorf eine geteilte Stadt und von den Belgiern unter Kontrolle gebracht? Davon hatte ich nun wirklich noch nie gehört. Geschickt gewährt sie mir Einblicke in eine Zeit vor über hundert Jahren, die fast vergessen scheint. Sie verwebt reale Ereignisse mit einem spannenden Kriminalfall, der mich beim Lesen in Atem hielt. Die auftretenden Charaktere sind lebendig und vielschichtig gezeichnet und so hatte ich stets ein greifbares Bild vor Augen. Der Roman überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus Historie und Fiktion und bekommt von mir auf jeden Fall mit fünf Sternen die volle Punktzahl. Lediglich mit der Wahl des Titels bin ich nicht ganz einverstanden. Hinter „Die wilden Jahre“ hätte Charleston tanzende Flapper vermutet. Aber ich glaube, auf die Titelvergabe haben Autoren wenig bis keinen Einfluss und es hat ja auch dem wundervollen Roman absolut keinen Abbruch getan. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

    Hallo ihr Lieben, habe euch gerade entdeckt und freue mich sehr über diese Leserunde. Nachdem mir "Schau der Welt direkt in die Augen" aus der Feder Eva Grübls so gut gefallen hatte, wäre ich hier natürlich sehr gerne mit von der Partie ... ich melde mich hiermit für die Leserunde an und freue mich auf euch alle, besonders natürlich auch Eva 😍😍


    Bitte im Gewinnfall für mich auch ein Printexemplar 😘

    Eine Reise ohne Wiederkehr?

    Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen durch Zufall auf einem Flug nach Denver aufeinander. Während Jasmine sich hoffentlich erfolgreich aus den Klauen ihres brutalen Freundes befreit hat, begibt sich die Nachrichtenchefin Stephanie ein wenig widerwillig auf eine erneute Geschäftsreise. Wie gerne wäre sie zu Haus bei ihrem kleinen Kater geblieben. Nicht lange nach ihrer Ankunft erhalten die Freunde und Kollegen der Beiden seltsame Handynachrichten von den Frauen. Sie hätten einen tollen Mann kennengelernt, aber seltsamerweise handelt es sich um jeweils denselben Mann. Was hat es mit den Nachrichten auf sich? Sind die Beiden in Gefahr? Der Kontakt droht abzureißen, eine panische Suche nach den beiden Frauen beginnt …


    Geschickt führt die Autorin Jessica Garcia ihre Leserschaft in ihren Thriller „The Business Trip“ ein und stellt die unterschiedlichen Charaktere in jeweils eigenen Abschnitten vor. Jeder bekommt eine Stimme und darf seinen Part der Story erzählen. Was ich anfangs als gekonnten Schachzug ansah, wird jedoch mit jeder Seite, die ich umblättere, ein wenig redundant, was mir die Spannung zu nehmen drohte. Während die Geschichte immer neue Wendungen nahm, war für mich doch relativ schnell klar, worauf sie hinauslaufen würde. Das etwas an den Haaren herbeigezogene, überraschende Ende, konnte das Buch für mich leider nicht retten. Ich bin mäßig befriedigt und vergebe deshalb diesmal leider nur drei von fünf Sternen. Aber lest selbst, Geschmäcker sind ja bekanntermaßen verschieden, vielleicht findet ihr das Buch ja ganz großartig!

    Keine leichte aber dafür sehr wichtige Kost ...

    Schnell wird beim Lesen des neuen Romans von Susanne Abel klar, warum der Titel „Du musst meine Hand fester halten, Nummer 104“ gewählt wurde. Diesen Satz bringt nämlich die elfjährige Margret auf dem Weg zur Christmette 1947 gegenüber dem kleinen Hartmut über die Lippen. Die Beiden sind in einem der vielen Kinderheime in Deutschland untergebracht und der verschüchterte fünfjährige Junge, der mit niemandem spricht, droht auf dem Eis auszurutschen. Der Kleine kam mit einem Kindertransport aus Danzig und da der Name auf seinem Pappschild nicht mehr richtig leserlich war, nannte man ihn Hartmut und schätzte sein Geburtsdatum auf xx.xx.1942. Aus Hartmut wird Margret später liebevoll „Hardy“ machen. Auch Margret ist ein Waisenkind, sie war einst in Gelsenkirchen zu Hause. Als Margret bedingt durch den Erfolg des Kindersuchdiensts des Roten Kreuzes, das Glück hat von einer Tante gefunden und aufgenommen zu werden, verlieren sich die beiden Leidensgenossen vorübergehend aus den Augen. Der Zufall führt die zwei wieder zusammen und ihr gemeinsames Leben nimmt, wenn auch erst holprig, seinen wie vorbestimmten Lauf ...

    In einem parallelen Handlungsstrang erfahren wir mehr über das spätere Leben von Margret und Hardy, die das Schicksal unwiederbringlich zusammengeschweißt zu haben scheint. Trotz des Altersunterschieds haben die beiden geheiratet und eine eigene Familie gegründet. Inzwischen sind sie recht jung Urgroßeltern geworden und wieder wird das Jugendamt auf die Familie aufmerksam. Schmerzhafte Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit werden zu Tage gefördert und Margret und Hardy fangen erneut an, um ihr seelisches Überleben zu kämpfen …

    In ihrem berührenden neuen Roman nimmt die Autorin Susanne Abel kein Blatt vor den Mund und zartbesaitete Leserinnen und Leser mögen Probleme mit der schonungslosen Deutlichkeit haben, mit welcher Frau Abel die damalige Situation in den Kinderheimen beschreibt. Auch für mich waren diese offengelegten Tatsachen oft schwer zu ertragen, aber dennoch weckten sie in mir auch immer wieder die Hoffnung, dass Margret und Hardy die Dämonen der Vergangenheit besiegen werden. Während Hardy sein Leben lang der zupackende Praktiker bleiben wird, wächst Margret über sich hinaus und verwaltet ihre Familie wie ein kleines Unternehmen. Gefühlsausbrüche lässt sie bei sich nicht, sie ist nach außen hin immer die Starke, bis auch sie eines Tages an ihre Grenzen stößt …

    Wie nicht anders erwartet, hat mich nach der „Gretchen“ Dilogie auch diese Geschichte aus der Feder Sabine Abels mehr als abgeholt. Das Buch zog mich derart in den Bann, dass es schwer war, es zur Seite zu legen, wenn dies auch zwischendurch bedingt durch die erschütternde Thematik notwendig war. Ich vergebe für diesen emotional ergreifenden Roman, der zwar als solcher fiktional ist, aber durchaus auf wahren Begebenheiten basiert, sehr überzeugte fünf Sterne verbunden mit einer absoluten Leseempfehlung, da ich der Meinung bin, dass solche Themen niemals totgeschwiegen und unter den Teppich gekehrt werden dürfen!

    Was geschah in den Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg?

    Mit seinem neuesten Werk „Sophie L.“ verspricht der Autor Matthew Blake seiner Leserschaft einen spannenden Psychothriller rund um die Gedächtnisexpertin Dr. Olivia Finn und ihre Großmutter. Beide kämpfen mit den Geistern der Vergangenheit doch Gran Josephines Kampf wird schnell beendet, denn sie wird kurz nach ihrer Aussage, eine Mörderin zu sein, selbst ermordet. Scheinbar möchte jemand verhindern, dass ihr Geheimnis ans Licht kommt, doch wer könnte daran nach achtzig Jahren noch Interesse haben? Fieberhaft suchen nun Polizei und Olivia selbst nach Antworten und letztere bringt sich bald in tödliche Gefahr …

    Mit viel Liebe zum Detail versucht der Autor Matthew Blake für seine Leser ein Bild von Olivia zu zeichnen, das sich leider mehr als einmal in zu vielen Nichtigkeiten verliert. Besser hingegen gelingt ihm die Darstellung der Vergangenheit im Jahr 1945 als Josephine und auch Sophie damit kämpfen, nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen wieder ins Leben zurückzufinden. Sein Schreibstil ist flüssig und die kurzen Kapitel halten die Leser bei der Stange. „Nur noch ein Kapitel …“ dachte ich oft beim Lesen und schon war wieder eine halbe Stunde vergangen. Dennoch konnte mich das Buch nicht restlos überzeugen, so dass ich für „Sophie L.“ mit vier Sternen nicht ganz die volle Punktzahl vergeben. Ich werde diesen sehr sympathisch wirkenden Autor aber gerne im Auge behalten und seinem hoffentlich nächsten Werk gerne eine Chance geben.

    So, so ... "vorübergehend" ...

    Manchmal trifft es einen gleich doppelt hart, davon kann Maria ein Lied singen. Neben ihrer Arbeit hat sie auch ihre Wohnung in München verloren. Da ist guter Rat teuer und so zögert sie nicht lange, schnappt sich Tochter Linnea und kehrt zurück in das Dorf ihrer Kindheit, obwohl sie sich damals geschworen hatte, nie wieder einen Fuß an diesen Ort zu setzen. Trotz anfänglich lautstarker Proteste, beginnt gerade Marias Tochter sich schnell wohlzufühlen. Maria selbst versucht sich dagegen immer noch einzureden, dass der Umzug wirklich nur eine vorübergehende Angelegenheit sei und man jederzeit wegkönne. Schließlich fügt jedoch auch sie sich ihrem Schicksal und beginnt langsam, ganz langsam ihre Vergangenheit aufzuarbeiten …

    Beim Hören dieses „Wohlfühlromans“ fragte ich mich oft, wer hier von den beiden Zugezogenen die reifere ist. Je tiefer ich jedoch in die Geschichte eintauchte, umso bewusster wurde mir Tragweite der Vorfälle in Marias Vergangenheit und warum die Mutter sich mit der Bewältigung so schwertut. Bei den vielen ernsten Themen musste ich schnell feststellen, dass der Wohlfühlfaktor in diesem Roman eher eine Nebenrolle spielt. Während sich das Buch flüssig hören ließ, fehlte es mir an vielen Stellen ein wenig an Tiefgang, der mit einher hätte gehen müssen. Deshalb gibt es von mir diesmal leider auch nur drei von fünf Sternen. Gefallen hat mir jedoch, dass in dieser Geschichte aufgezeigt wird, dass man unter Frauen füreinander da sein und sich nicht vom vermeintlich starken Geschlecht unterkriegen lassen sollte.

    Wir schreiben das Jahr 1928 und befinden uns in Petersdorf in Oberschlesien, ganz in der Nähe der deutsch-polnischen Grenze. Hier treffe ich auf die doch recht außergewöhnliche Familie Sadler bestehend aus Vater Laurenz, seiner Frau Annemarie und deren Töchter Kathi und Franzi. Ich wähle den Begriff außergewöhnlich, denn eigentlich wollte Laurenz nie auf dem elterlichen Hof leben. Er ist alles andere als ein Bauer, er ist ein talentierter Komponist. Umstände, die sich seiner Kontrolle entzogen, zwingen ihn in dieses Leben, und er findet schließlich Halt in der Liebe zu seiner Frau und seinen Töchtern. Doch die braunen Schergen scharren bald mit den Füßen und so wird schnell ihrer aller Leben – nicht zuletzt durch seine besonderen Töchter – in Gefahr geraten. Wird es Laurenz gelingen, seine Familie zu beschützen?

    Der Titel dieses wunderbaren Buchs hätte passender nicht gewählt werden können, denn was ist besonders in schweren Zeiten wichtig? Die Heimat, auch wenn sie noch so anders ist als man es sich je erträumt hätte. Gemeinsam erlebe ich in „Heimat ist ein Sehnsuchtsort“ mit der Familie Laurenz was Zusammenhalt, Liebe und Hoffnung bedeutet. Feinfühlig, fast zärtlich erzählt die bekannte Autorin Hanni Münzer ihre Geschichte und nimmt mich mit auf eine eindringliche Reise in die Vergangenheit. Hierfür vergebe ich überzeugte fünf Sterne und freue mich schon heute auf den Folgeband dieser Dilogie. Gerne empfehle ich dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die wie ich tiefgründige Familiengeschichten und Geschichte lieben.

    Hochmut kommt vor dem Fall ...

    Mit ihren einhundertfünfzig Jahren Firmengeschichte können die Blankenburgs auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. Doch als sich Adalmar, das Familienoberhaupt, an der Börse verkalkuliert und alles verliert, beginnt für die hinterbliebenen Schwestern nach seinem Selbstmord eine schwere Zeit. Ein erbitterter Streit beginnt nach deren Übernahme und gleichzeitig stehen die Nationalsozialisten schon in den Startlöchern und gieren nach der Macht …

    Als großer Porzellanliebhaber freute mich sehr auf den Roman über eine Familie, die eine Porzellanmanufaktur ihr Eigen nennen. Diesbezüglich wurde ich leider ein wenig enttäuscht, denn das Porzellan spielt in der Geschichte nur eine sehr untergeordnete Rolle. Dennoch gefiel mir die Kombination aus Familiengeschichte und historischen Ereignissen der damaligen Zeit. Nicht nur der fatale Börsencrash, der damals der Machtergreifung der Nationalsozialisten mehr als förderlich war, verschaffte mir als Leserin eine unterhaltsame Lektüre, die Lust auf den zweiten Teil der Reihe macht. Bewerten möchte ich „Die Blankenburgs“ aus der Feder des Krimiautors Eric Berg deshalb mit soliden vier von fünf Sternen verbunden mit einer Leseempfehlung an alle, die wie ich gerne in packende Familiengeschichten eintauchen.

    Ein Wohlfühlbuch, das mich aber nicht ganz abholen konnte ...

    Die Protagonistin Hannah begibt sich mit "Drei Tage im Schnee" auf eine Reise der inneren Selbstfindung und stößt dabei auf die kleine Sophie, die die Welt durch ihre kindlichen Augen betrachtet und dadurch Hannah wiederum ihre Augen öffnet. Ihr ganzes Erwachsenen Leben will diese gefallen und hadert mit sich stets Dingen nachzujagen, die nur auf den ersten Blick wichtig erscheinen. So reflektiert sie zusammen mit Sophie ihr Leben und lernt wieder zu lachen, spielen und zu lieben ...


    Die Autorin Ina Bhatter legt mit ihrem Debutroman eine warmherzige Geschichte vor, die ihre Leser zum Nachdenken über das eigene Leben animiert. Auch ich konnte für mich einige Weisheiten mitnehmen und finde, dass das Buch mit seinem stimmungsvollen Schreibstil wunderbar in diese dunkle Jahreszeit passt. Dennoch fand ich es an einigen Stellen etwas redundant und das Ende war für mich ein wenig kitschig.


    Ich vergebe für diese kleine Büchlein, dass sich flüssig und lebendig liest, drei von fünf möglichen Sternen. Vielleicht sind diese Wohlfühlbücher einfach nicht so wirklich was für mich aber für zwischendurch fühlte ich mich gut unterhalten. Lest rein und beurteilt selbst.

    Ich freue mich sehr zu Die Frau der Stunde gegriffen zu haben, denn hiermit legt Heike Specht ein vielschichtiges, klug komponiertes Buch vor, das persönliche Lebenswege mit größeren gesellschaftlichen Fragen verknüpft. Im Zentrum steht eine Frau, die in einem entscheidenden Moment ihres Lebens handeln muss – und damit nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern auch ihre Rolle in einer von Erwartungen und Machtstrukturen geprägten Umwelt neu definiert.

    Spechts Stärke liegt vor allem in der Figurenzeichnung. Die Protagonistin wirkt glaubwürdig und komplex, fern von einfachen Heldinnenklischees. Ihre Zweifel, inneren Konflikte und Entscheidungen werden feinfühlig und psychologisch überzeugend dargestellt. Dadurch entsteht eine große Nähe zur Figur, die es leicht macht, sich in ihre Situation hineinzuversetzen. Auch die Nebenfiguren sind sorgfältig ausgearbeitet und tragen dazu bei, das erzählte Umfeld lebendig und authentisch wirken zu lassen.

    Stilistisch überzeugt der Roman durch eine klare, präzise Sprache, die zugleich atmosphärisch dicht ist. Heike Specht nimmt sich Zeit für Zwischentöne und lässt wichtige Themen – etwa Selbstbestimmung, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage nach Verantwortung – organisch aus der Handlung heraus entstehen, ohne belehrend zu wirken. Das Erzähltempo ist ruhig, aber konsequent, und unterstützt die nachdenkliche Grundstimmung des Buches.

    Die Frau der Stunde ist kein lauter, effekthaschender Roman, sondern ein leises, nachhaltiges Leseerlebnis. Er richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich für starke Frauenfiguren, historische oder gesellschaftliche Kontexte und eine reflektierte Auseinandersetzung mit persönlichen Entscheidungen interessieren. Nach der letzten Seite bleibt vor allem eines: das Gefühl, eine Geschichte gelesen zu haben, die lange nachwirkt. Von mir gibt es für diesen gut durchdachten Roman 4,5 Sterne, die ich gerne auf die volle Punktzahl aufrunden. Sicher werde ich noch das ein oder andere Buch dieser interessanten Frau in die Hände nehmen, bin schon sehr gespannt auf ihre Biografien!

    Die Geheimnisse der Vergangenheit verlangen nach Aufklärung ...

    Nach dem Tod der Großmutter Änne stellt sich ihre Enkelin Laura die Frage, welcher Mensch sich hinter der Verstorbenen wirklich verborgen hat. Warum hat sie ihr Leben lang um ihre Vergangenheit in Schlesien solch ein Geheimnis gemacht? Laura, schwanger und dadurch mit viel Zeit an der Hand, will auf Ännes Spuren wandeln und unternimmt eine Reise nach Polen – ehemals Schlesien – wo ihre Familie einst zu Hause war. Was war damals geschehen und was werden Lauras Nachforschungen zu Tage führen? Schnell merkt die junge Frau, dass die spärlichen Erzählungen ihrer Großmutter nicht mit dem übereinstimmen, was sie in alten Unterlagen gefunden hat. Die Spurensuche vor Ort ist nicht einfach, doch ich als Leserin habe das Glück mit der Autorin in einem zweiten Zeitstrang direkt in die Vergangenheit springen zu dürfen. Was sich allerdings dort vor mir entfaltet, nimmt mir mehr als einmal beim Lesen den Atem ... Mit „Die Verlorene“ hat mich die sympathische Autorin Miriam Georg endgültig von ihrem Schreibtalent überzeugt. Sie präsentiert mir als Leserin einen Roman, der sich langsam, aber sicher in seiner tragischen Dramatik so steigert, dass ich das Gefühl hatte, die Seiten blättern sich wie von selbst um. Er entwickelte ein wahre Sogwirkung! Mit seinem unerwarteten und sehr emotionalen Ende konnte mich das Buch schlussendlich komplett überzeugen und begeistern. Hierfür vergebe ich sehr gerne mit fünf Sternen die absolute Bestnote und wünsche dem Buch eine große Leserschaft und ebenso viel Erfolg. Immer wenn man glaubt, nun hat man wirklich alle Geschichten rund um den Zweiten Weltkrieg und sein Grauen gehört, kommt eine großartige Autorin wie Miriam Georg daher und überzeugt einen vom Gegenteil … Chapeau!!!

    Ein flotter Rückwärtssalto in die 70er Jahre ...

    Ich freue mich ja immer Bücher lese zu dürfen, die nahe an meinem eigenen Wohnort liegen und zu denen ich dadurch eine Beziehung habe. So habe ich es genossen, mit den Zwillingen Leonard und Susanne ein wenig durch Tübingen zu spazieren, obwohl ich die Umstände eher als – nun suche ich nach einem Wort – eigennützig bezeichnen würde. Eigennützig nicht von mir aber von dem Vater, der seinen Zwillingen quasi auf dem Totenbett das Versprechen abnimmt, dass Leo Jura studieren wird und Susanne die Belange der familieneigenen Schneiderei durch eine kaufmännische Ausbildung im Griff behalten soll. Dabei haben die Beiden ihre eigenen Ambitionen! Doch als die Existenz der Schneiderei in Gefahr gerät, trauen sich weder Leo noch Sanne der Mutter damit entgegenzutreten. Als dann aber auch noch ihrer beider Liebesleben eine Eigendynamik entwickelt, der sie sich schwer entziehen können, merken sie, dass es so nicht mehr weitergehen kann …

    Das charmante Autorinnenduo Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, das sich hinter dem Pseudonym Katharina Oswald verbirgt, entführt mich in die 1970er Jahre und führt mir mal wieder vor Augen, dass sich in den letzten fünfzig Jahren doch so einiges getan hat. Längst sind heute die Rollenbilder von Mann und Frau in keinem solch rigiden Schema mehr angesiedelt und auch die gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung wird heute nicht mehr strafrechtlich verfolgt und Gott sei Dank weitestgehend akzeptiert. Die Autorinnen schaffen es spielend die damalige Atmosphäre der 70er einzufangen, eine Zeit, in der ich selbst Kind war und noch herrliche Erinnerungen daran habe.

    Susanne und Leonard könnten damals genauso existiert haben wie im Buch dargestellt und machen richtig Lust auf mehr … mehr zu erfahren, wie es mit der Schneiderei und natürlich vor allem mit den Zwillingen weitergehen wird. Authentische Darstellungen, Charaktere, die man schnell liebgewinn und natürlich viel Lokalkolorit verschafften mir viele vergnügliche Lesestunden. Liebe Andrea, liebe Claudia … schon heute freue ich mich auf den Folgeband rund um Leo und Sanne in Tübingen. Ich vergebe sehr gerne glitzernde vier Sterne verbunden mit einer Leseempfehlung an alle, die sich einfach mal lesenderweise fallen lassen möchten.

    Die Fäden des Schicksals verwoben zu einer berührenden Geschichte ...

    Dass Mechtild Borrmann zu einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen gehört, ist denen, die mich kennen inzwischen bekannt. Dass sie mich aber auch mit ihrem neuen Buch „Lebensbande“ wieder absolut in den Bann ziehen konnte, möchte ich in dieser Rezension nachdrücklich vermerken.

    Das Buch handelt von drei Frauen, die das Schicksal zusammenbringt und selbst der Tod nicht wirklich trennen kann. Ich lerne Lene kennen, die junge Frau, die ausgerechnet in den Zeiten der „braunen Brut“ ein Kind zur Welt bringt, das ein wenig anders ist als andere Kinder und um dessen Leben und Schicksal sie verbissen kämpfen muss. Nora, die unfreiwillig ein Verbrechen begeht und davon ein Leben lang verfolgt wird und schließlich Lotte, die nie die Hoffnung aufgibt, trotz schwerster Bedingungen an die Liebe ihres Lebens zu glauben.

    Mit viel Feingefühl ohne aber jemals gefühlsduselig zu werden vermittelt mir die Autorin eine Geschichte, die zu Tränen rührt. Geschickt spinnt sie ein Netz aus Geheimnissen, die mich als Leserin immer wieder ins Grübeln brachten. Als ich glaubte für mich eines der Rätsel gelöst zu haben, taten sich neue Spuren auf und es war doch alles wieder ganz anders. Was aber durch den Roman erhalten bleibt ist das Leid, dass diese drei Frauen während und nach dem Krieg ertragen mussten und das für uns heute schwer vorstellbar ist. Für mich entwickelte das Buch einen wahren Lesesog, dem ich mich am Schluss gar nicht entziehen konnte. Sehr, sehr gerne vergebe ich hier mit fünf Sternen die wohlverdiente absolute Bestnote und freue mich heute schon auf weitere Lektüre aus Mechtild Borrmanns Feder.