Beiträge von engi

    Sehen und gesehen werden in der Sommerhauptstadt Europas ...

    Es brodelt in Europa, denn von Frankreich ausgehend erschüttern ab dem Frühjahr 1848 revolutionäre Unruhen weite Teile des europäischen Kontinents. Der Ruf nach einem Nationalstaat wird laut, der die Rechte der Bürger nicht länger beschneiden kann. Auch in Baden-Baden formiert sich eine kleine Gruppe, angeführt von Victoria Winter, die mit ihrer Schwester Sophie und ihrer Tante Isolde eine Villa ebendort bewohnt. Die Winters sind neu in der Stadt und während Victoria sich eher bedeckt hält, kennt die kesse Sophie keine Grenzen. Ungeniert kokettiert sie immer auf der Suche nach neuen männlichen „Opfern“. Doch eine ist ihr dabei im Weg den ganz großen Coup zu landen … Claire, die sich inzwischen zur ersten weiblichen Croupière hochgearbeitet hat und absolut korrekt und verlässlich ist. Die Situation entwickelt sich zu einem Machtkampf, bei dem es nur eine Gewinnerin geben kann …

    Auf den ersten Seiten dachte ich noch, oh je, was mache ich hier und wer sind diese Personen, von denen im Buch die Rede ist. Es war ja doch fast ein Jahr vergangen, seit ich den ersten Band gelesen hatte. Doch dann machte es klick, als ob ein Schalter sich umlegte, und ich war wieder mittendrin im Geschehen und konnte einen nach dem anderen der mir bereits aus Band eins bekannten und geliebten Charakters begrüßen. Es war ein bisschen, wie nach Hause kommen. Schnell fühlte ich mich wieder wohl und nahm an den berühmten Abendessen bei Dr. Günther Leberecht und Frau Beate teil und schmunzelte immer wieder aufs Neue über Beates Kupplungsbemühungen. Ich fühlte auch mit Theo, der mit seinem Gewissen in große Konflikte geraten war, vor allem aber erfreute ich mich an Claire, eine selbstbewusste Frau, die ich sehr bewunderte.

    Schade, nun ist die spannende und sehr unterhaltsame Geschichte auserzählt, aber ich verlasse sie mit einem sehr guten Gefühl, denn der Abschluss ist rund und schlüssig. Liebe Martina, lieber Heiko, mich hat das Buch bestens unterhalten aber ich denke, es ist hilfreich den ersten Band zu kennen, um in den vollen Genuss zu kommen. Von mir bekommen das Buch und natürlich ihr als Autorenduo eine uneingeschränkte Leseempfehlung verbunden mit fünf dicken, fetten Sternchen. Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg mit der KASINO Dilogie und viele zufriedene Leserinnen und Leser.

    Jetzt wird abgerechnet ... oder doch nicht?

    In Titus Müllers neuestem Roman schreiben wir das Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg ist endlich vorbei und die Menschen möchten wieder aufatmen und leben. Doch die Nazigrößen, die das furchtbare Morden der letzten Jahre zu verantworten haben, sollen nicht ungeschoren davonkommen, sondern für ihre grausamen Taten Rede und Antwort stehen. Hier kommt die junge Dolmetscherin Asta Maschner ins Spiel, die zunächst in Mondorf-les-Bains und anschließend in Nürnberg mit ihren guten Sprachkenntnissen übersetzen soll. Auf der Anklagebank sitzt die Elite des NS-Regimes, allen voran der selbstgefällige Hermann Göring, Reichsmarschall und selbsternannter Nachfolger Hitlers. Jeder der Angeklagten hat seine eigene Verteidigungsmethode, schuldig fühlten sich die wenigsten. Den Vogel schießt jedoch Göring ab, indem er die Anklagenden mit seinen immer wieder ändernden Taktiken hart an ihre Grenzen bringt. Die begangenen fast nicht beschreibbaren Taten sind nichts für schwache Nerven und so merkt auch Asta schnell, dass sie ab und zu Abstand gewinnen muss. Da tritt Leo in ihr Leben, der ihr Kraft zu geben scheint, obwohl er selbst am Ende ist …

    Wie von dem bekannten Autor Titus Müller gewohnt, merkt man auch an diesem auf wahren Tatsachen basierenden Roman, dass wieder akribisch recherchiert wurde. Auf faszinierende Weise nimmt er mich mit auf eine Reise ins zerbombte Nürnberg vor achtzig Jahren und gewährt mir einen Platz in der ersten Reihe des Gerichtssaals der Nürnberger Naziprozesse. Obwohl ich im Vorfeld schon einiges darüber gehört hatte, merkte ich doch schnell, dass es hier nicht nur darum geht, den Einzelnen zu verurteilen. Nein, diesmal geht es auch um das große Ganze nämlich das Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

    Geschickt strickt Müller zudem eine Geschichte über die zerrissene Familie rund um genannten Leo und den kleinen Robert, die aufzeigt, wie wenig von dem Wunsch der überlebenden Bevölkerung „einfach nur zu leben“ Wirklichkeit ist. Der Winter ist klirrend kalt, die Wohnmöglichkeiten „few and far between“ und Nahrung und Kohle Mangelware.

    Wenn man nun also achtzig Jahre später zurückblickt, ist es umso weniger zu verstehen, was gerade um uns herum, besonders auch in der Ukraine, geschieht. Hat denn wirklich niemand aus der Geschichte gelernt? Titus Müller hat mit „Die Dolmetscherin“ jedenfalls mal wieder ein Werk geschaffen, das aufrüttelt, das bewegt und eigentlich ein wenig Hoffnung vermitteln sollte. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass das gelungen ist und es viele Menschen erreichen möge.

    Lieber Titus, von mir bekommst du beeindruckte fünf von fünf Sternen verbunden mit dem Wunsch, dass dein Buch viel Erfolg haben möge. Ich freue mich heute schon auf das nächste Werk aus deiner Feder und sage bis dahin mal „see you later …“

    In der Natur existiert nichts allein ...

    Mit dem Buch „In uns der Ozean“ begibt sich Theresia Graw auf die Spuren einer der wichtigsten Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts. Liebevoll, in Teilen fast schon poetisch und dennoch eindringlich, beschreibt die Autorin das Leben von Biologin Rachel Louise Carson, die ihr Leben stets der Forschung, dem Schreiben und dem Meer widmen wollte. Fast sieht sie sich am Ziel ihrer Träume als ihr der Börsencrash im Jahr 1929 einen Strich durch die Rechnung macht und sie zur Unterstützung ihrer Familie beitragen muss, um deren Überleben zu sichern. Man nimmt ihr das Meer und die Wissenschaft, doch am Schreiben kann sie niemand hindern und so schreibt sie bald Geschichten über den Umgang mit der Natur, die ihre Leser verzaubern. Sie schreibt und kämpft, aber einem Feind, dem mysteriösen Wundermittel DDT, das großzügig und flächendeckend in den USA zum Einsatz kommt, scheint sie nicht gewachsen. Doch Rachel Carson stellt sich dem Unbekannten und nimmt den Kampf für ihre geliebte Natur, die Menschen und eigentlich die ganze Erde auf …

    Von Seite eins an zog mich diese Romanbiografie in den Bann. Nach einer kurzen eigenen Internet-Recherche wusste ich nun auch, dass es sich bei Rachel Carson um DIE legendäre Pionierin der Umweltbewegung des letzten Jahrhunderts handelte. Wie konnte ich noch nie von ihr gehört haben? Umso mehr freue ich mich, dass Theresia Graw mir mit ihrem Buch die Augen geöffnet hat und mich, wie den kleinen Roger auch, beim Lesen staunen ließ. Bild- und sprachgewaltig und dann wieder leise und bedacht führt sie mich durch Rachels Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, und mit all seinen Erfolgen und Misserfolgen. Ich habe mir vorgenommen nun in Zukunft auch wieder achtsamer durchs Leben gehen und mich an dem Gesang der Vögel erfreuen.

    Für diese Glanzleistung, liebe Theresia, bekommst du von mir absolut verdiente fünf von fünf Sternen. Ich werde dein Buch weitergeben und empfehlen, wann immer sich die Möglichkeit ergibt. Das Buch und vor allem auch Rachel Carson haben viel, viel Aufmerksamkeit verdient!

    Ich muss an "Die Geschichte der Bienen" denken, den Roman, der vielen auch die Augen geöffnet hat. An "Eine Frage der Chemie" habe ich auch zwischendurch gedacht, weil eine Frau der Welt zeigt, wofür Naturwissenschaften im Alltag gut sind.

    Absolut Gucci, die beiden Bücher habe ich auch gelesen und geben dir recht. Wer sie noch nicht kennt, dem seien sie ans Herz gelegt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die meisten von euch sie schon kennen ;)

    Vielen Dank, es freut mich sehr, dass ich dich für Rachel Carson begeistern konnte. Zu Rogers Lebenslauf kann ich dir nicht mehr erzählen. Soweit ich weiß, lebt er noch in Massachusetts und kümmert sich um ihr Vermächtnis.

    Roger Christie ist Rachel Carsons Adoptiv-Großneffe, den sie nach dem Tod seiner Mutter (ihrer Nichte) im Jahr 1957 großzog. Christie ist Softwareentwickler in Massachusetts und engagiert sich nach wie vor für den Rachel Carson Council. (das hat mir das Internet verraten).

    Auch ich habe dieses wunderbare Buch nun - leider schon - beendet.


    Was hat diese Frau, trotz einiger Schicksalsschläge und vieler großer Steine im Weg, geleistet! Sie hat die Menschheit vor einer großen Katastrophe bewahrt. Leider hat sie selbst nicht mehr erlebt, wie DDT verboten wurde, aber sie fühlte sich dennoch erfüllt als sie gehen musste. Sie hatte gekämpft und gewonnen, nun war es an den Anderen die Umsetzung durchzuführen.


    Welch eine unglaubliche Leistung, damit Anerkennung an höchster Stelle bei Präsident Kennedy zu erlangen. Wenn ich mir so vorstelle, wie wohl Trump damit umgegangen wäre, der ja durch und durch selbst ein Geschäftsmann ist?


    Mich hat dieses Buch sehr berührt, gefesselt und beeindruckt, nicht zuletzt auch deinem einfühlsamen Schreibstil geschuldet, liebe Theresia.


    Ich werde jetzt mal ein wenig an meiner Rezension feilen ... melde mich damit in Bälde :)

    Andererseits: ist es nicht bitter, dass sie ihre Liebe damals so streng geheim halten mussten? Dass sie alles unternahmen, damit bloß nichts an die Öffentlichkeit kommt?

    Ja, das ist wirklich sehr traurig ... aber es ging Mary viele Jahre davor ein wenig ähnlich obwohl sie zusätzlich wegen des Altersunterschieds noch Rücksicht auf Rachel nehmen wollte ...

    oh je…. Die Argumentation nutzen weiße Männer gerne…. Was sie dabei übersehen, dass ohne Regelung im Zweifel der nicht so geeignete weiße Mann bevorzugt wird, weil er eben ein weißer Mann ist. Und Schwarze, Frauen und andere Minderheiten per se nicht so gut sein können….. irgendeinen Grund findet sich da auf jeden Fall warum sie das nicht sind.


    Dem möchte ich zum Teil widersprechen ... mein Mann wäre damals durchaus der geeignete Mann gewesen, nicht weil er weiß ist, sondern weil er fachlich in dem Fall der Bessere war. Das sage ich nicht nur, weil er mein Mann war ... manche Weiße mögen das als Ausrede benützen aber eben nicht alle!

    Das Verhalten der Ärzte fand ich auch sehr erschreckend. Aber es ist Rachel damals tatsächlich so ergangen - und vermutlich vielen anderen Frauen, weil sie irgendwie immer noch als "nicht ganz für voll zu nehmende" Menschen wahrgenommen wurden. Heute undenkbar - oder? Das Gespräch mit dem Doktor lief tatsächlich so ähnlich ab. Das habe ich in Rachels Briefen gelesen, von denen viele nach ihrem Tod veröffentlicht worden. Das war eine wichtige Quelle für mich, um ihren Alltag und ihre Gefühle mitzuerleben.

    Ja, als Frau nicht ganz voll genommen zu werden, ist für mich nach wie vor unglaublich. Was Frauen neben ihrem Beruf oft noch mal eben nebenbei leisten, ist doch der Wahnsinn. Aber so frei nach dem Motto "Das bisschen Haushalt macht sich von allein - sagt mein Mann ..." denken heute noch so einige ...


    Bezüglich der Briefe bin ich auch ein wenig zwiegespalten aber letztendlich geben sie uns eine Chance, Rachel Carson ein wenig bekannter in der Welt zu machen und vielleicht andere Frauen zu animieren sich zu engagieren und nicht unterbuttern zu lassen. Ich freue mich - nicht ganz selbstlos - dass sie dir zur Verfügung standen beim Schreiben.

    Ihre Lebensaufgabe sieht sie in der Aufklärung und stellt ihre eigene Gesundheit hinten an. Leider, aber es passt zu ihr.

    Ja, es passt zu ihr, das hast du gut auf den Punkt gebracht.

    Liebe Theresia ... ich fühle mich wie auf einer Achterbahn der Gefühle, so sehr vereinahmt mich dein Buch!


    Der Tod der geliebten Mutter, das Wiedersehen mit Dan, der Kampf um die Wahrnehmung der Menschheit um die schlimmen Folgen von DDT und natürlich die schreckliche Diagnose KREBS, die Rachel viel zu spät erhalten hat.


    Puh ... ich bin ganz benommen ... muss nun erstmal eben nachlesen, wie es meinen "Mitstreitern" so ergangen ist.

    Damals war der Glaube an das Gute in Forschung und Wissenschaft beinahe unerschütterlich. Nach dem Motto: Wenn die da oben das so beschließen, wird es schon seine Richtigkeit haben. Hauptsache dem Menschen ist geholfen... Den Begriff Ökologie, der heute zu unserer Alltagssprache gehört, kannten wohl nur ein paar Eingeweihte. Um so beeindruckender finde ich, dass Rachel Carson den Mut hatte aufzustehen und nachzufragen - und ein paar Zusammenhänge herzustellen, die zunächst niemand hören wollte. Diese Frau hat so viel geleistet, ich bin auch sehr erstaunt, dass sie bei uns kaum einer kennt.

    Ich wünsche mir ganz viele Leser für dieses Buch, so dass Rachel bekannter wird.

    Oh ja, ich werde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen und mein Rezension breit im Internet streuen!

    Und man muss ja nur mal schauen, wie mächtig heute noch die Hersteller und deren Lobby sind. Ich sag nur Glyphosat.

    "Geld regiert die Welt" ... mehr gibt es dazu kaum zu sagen, wirklich schlimm!

    Ich wünsche mir ganz viele Leser für dieses Buch, so dass Rachel bekannter wird.

    Auch Marjorie stirbt, wie ihre Mutter, sehr früh an einer Lungenentzündung. Sohn Roger bleibt – natürlich – bei Rachel. Die anderen Familienmitglieder machen es sich schon recht einfach. Virginia ist ja noch halbwegs entschuldigt, sie hat inzwischen selbst mehrere eigene Kinder. Aber Rachels Bruder ist und bleibt ein Arsch.

    Auf den Punkt gebracht ... danke! :)

    Der gute alte Trevor hat gemerkt, dass Rachel deutlich erfolgreicher ist, als er selbst und will sich und sein Institut mit ihren Lorbeeren schmücken, typisch Mann, dass er überhaupt auf die Idee kommt, ihr diese Almosen vorzuwerfen...

    Jep, nichts hat sich seit damals verändert und es gab mir eine richtige Genugtuung, dass sie ihn abblitzen ließ!

    Ich fand diesen Abschnitt mal wieder sehr bewegend in Bezug auf Rachel und was sie leistet. Ich bin beeindruckt, welchen Anklang ihre Bücher finden und werde mir diese auf jeden Fall mal genauer anschauen.


    Erschütternd fand ich diesen Abschnitt in Bezug auf das DDT und den leichtsinnigen Umgang damit.


    Und richtig gefreut hat mich, dass Rachel in Dorothy eine solche gute Freundin gefunden hat. Was die Beiden "behind closed doors" machen, ist allein ihre Sache und scheint beiden gut zu tun ohne Stanley damit zu verletzen.

    Hallo in die Runde ... nachdem mir Band eins - wie auch alle andere Bücher von Melanie Metzenthin - so gut gefallen hat, möchte ich natürlich sehr gerne wissen wie es weitergeht. Ich wäre sehr gerne mit von der Partie ... lieben Dank :)


    Oh gut, ich bin noch nicht eingetragen ... habe nämlich gerade festgestellt, dass ich mich total übernehmen würden, wenn ich hier mitlesen würde ... bitte nicht böse sein, aber ich ziehe meine Anmeldung zurück. Aber vorbeischauen, weil ich neugierig bin, werde ich bestimmt ;)