Beiträge von Avila

    Ich habe auch den ersten Abschnitt durch und bin ganz begeistert. Als Rheinländerin und mittlerweile Kölnerin habe ich gar keine Probleme mit dem Dialekt und freue mich darüber. Es ist zwar immer schwierig, sowas gut umzusetzen. Oft wirkt es doch sehr gewollt, aber das denke ich hier nicht.


    Zabel ist allgemein ein sehr zugänglicher Charakter. Er scheint das Herz am rechten Fleck zu haben, auch wenn er etwas in sich gekehrt ist und ein wenig Offenheit ihm sicherlich gut stünde. Aber er hat einige Freunde und denen gegenüber ist er so, wie es sich für einen Freund gehört. Spannend ist natürlich sein Freund DuMont. Auch heute noch eine bekannte Familie hier. Aber gerade Marcus scheint mit seinem Kampf gegen Zensur sehr harsch gewesen zu sein. Das gefällt mir sehr und ich bin gespannt, was wir noch von ihm mitbekommen werden.


    Der Fall ist bisher noch am Anfang und wenig spannend. Das Ganze drum herum hat mich bisher mehr gepackt. Mal schauen, kann sich noch ändern.

    Adelheid ist die Tochter eines Tagelöhners und damit ist ihr Schicksal eigentlich besiegelt. Doch zufällig fällt sie dem Grafen ins Auge und sie darf als Stubenmädchen im Schloss anfangen. Dieser unverhoffte glückliche Zufall bedeutet für das Hausmädchen aber keinen Aufstieg und somit ist der Grundstein für Intrigen gelegt...


    Der Auftakt der neuen Trilogie ist schriftstellerisch wie die vorherige Gut Greifenau-Reihe. Der Stil ist flüssig zu lesen, informativ ohne überladen zu sein oder auf Kosten der Handlung zu gehen, realitätsnah ohne Beschönigung und auch die Unterteilung der Kapitel und Abschnitte ist so gewählt. All das habe ich schon vorher geliebt und fand es hier wieder super und sehr stark.


    Doch eine wichtige Änderung gibt es und somit ist Schloss Liebenberg kein Abklatsch von Gut Greifenau und setzt sich auch so von den Romanen anderer Autorinnen ab. Die Geschichte ist aus der Sicht der Dienstboten geschrieben. Die adlige Gesellschaft spielt zwar natürlich eine Rolle, aber ihre Geschichte wird aus den Augen der Dienstboten geschildert. Ich finde das super, denn es ist kommt meiner persönlichen Realität viel näher. Ich wäre damals sicher keine Komtess o.ä. gewesen. Dafür wird die Handlung natürlich rauer, es gibt nicht selten ums nackte Überleben.


    Ich bin begeistert vom neuen Roman und freue mich auf die Fortsetzungen! Hanna Caspian wird noch zu einer Must-read Autorin von mir.

    Oonalaily

    Ich fand die Szene mit der Fürstin, in der Adelheid sie anfleht, auch ein wenig seltsam. Ich hätte mir zumindest ein zwei Sätze gewünscht à la "wie gut, dass die Fürstin so durch den Wind war und die Szene vergessen hat".

    Oder kommt da vielleicht noch was im nächsten Band zu? Dass man die Szene für die weitere Erzählung braucht, ist ja in Ordnung. Aber so steht sie etwas im leeren Raum, wo der Fauxpas mit dem Kaiser so schwer wog.

    Schade, dass die anderen Bücher noch nicht erschienen sind, ich hätte gerne weitergelesen. Aber aus Erfahrung weiß ich ja, dass auch nach einer Lesepause, man wieder gut in die Geschichte reinfindet.

    Auf jeden Fall wurde ich von der neuen Trilogie bisher nicht enttäuscht.


    Adelheid muss erstmal mit einem weiteren Schicksalsschlag kämpfen, der ihr ganzes Leben ins Wanken bringt. Schlimm genug, dass ihre Mutter bei der Geburt sterben muss, aber wie ihr Vater abrutscht ist so traurig. Sobald Alkohol bei Armut im Spiel ist, ist es eigentlich verloren. Das Geld ist eh knapp und dann kann man sich eigentlich keine Eskapaden leisten. Ich kann ihre Geschwister verstehen, die sich helfen und gehen wollen. Es ist eigentlich nur sinnvoll. Aber was wird dann mit dem Baby? Ich hoffe sehr, dass Adelheid nicht ihre Stellung aufgeben wird. Klar, es ist ihre Schwester, aber ihr Vater muss da die Verantwortung tragen nicht sie. Aber ich stelle es mir unglaublich schwer vor, das eigene Geschwisterkind dem Schicksal zu überlassen.


    Toll fand ich das Bündnis, das zwischen Adelheid, Hedda und Viktor entsteht. Da kann was draus werden und ich habe wie ihr auch, die starke Vermutung, dass Opitz den Grafen mit seinem pikanten Geheimnis in der Hand hat. Ob er diese Informationen vielleicht sogar an Harden weitergegeben hat?


    Ich frage mich aber auch, was nur aus den Dienstboten wird, wenn das Haus Eulenberg untergeht. Oder schaffen die es noch, sich zu halten? Spannend auch an dieser Front.


    Und dann wurde Constanze noch klug platziert. Hach, ich freue mich auf die Fortsetzung!

    Ich wollte die Meinung der damaliegn Gesellschaft gegenüber Homosexuelle realistisch darstellen. Deshalb musste ich diese abfälligen Wörter und die Häme, die dahinter steckt, mit reinnehmen. Mir ist es bei Downton Abbey immer aufgestossen, wie nachsichtig mit Thomas umgegangen wird. Die anderen Dienstboten lehnten es zwar persönlich ab, ist alle isnd irgendwie sehr mitleidig und mitfühlend mit dem schweren Schicksal. Gerade in GB war die Gesetzgebung und die Verfolgung Homosexueller deutlich krasses als z. B. im lieberalen Berlin. Aber das hörte auch schnell auf, sobald man sich aus Berlin entfernte. Und dieser "Homosexuellen-Skandal" hat in der Rückschau dafür gesorgt, dass auch hier die Homosexuellen deutlich härter verfolgt und bestraft wurden.

    Das war auch kein Kritikpunkt. Ich finde es gut, dass du realistischer in den Darstellungen bist. Aber für mich als Leser ist dann auch härter. Aber eigentlich wird man damit den Betroffenen nicht gerecht, wenn man die Verfolgung verharmlost, nur weil unser Denken (größtenteils) wesentlich liberaler ist.

    Immerhin gibt es heute gesetzliche Regelungen zum Arbeitsrecht und Arbeitsschutz, auf die man sich berufen könnte, wenn es zu arg wird. Es gibt einen Mindesturlaubsanspruch und Kündigungsrecht. Aber du hast natürlich recht, all das muss man dann auch im Zweifel einklagen, und das machen viele nicht. Und Neid und Missgunst, ja, das sind offensichtzlich so ur-menschliche Gefühle, die wir wohl in jeder Zeit antreffen werden.

    Das ist das Wesentliche. Rechtlich ist man ganz anders geschützt. Aber natürlich greift das auch nicht immer für alle und Armut gibt es dennoch. Und auch wenn sich Reichtum auf einige wenige verteilt, ist die Mittelschicht, glaube ich, etwas ausgeprägter heutzutage, weil Bildung zugänglicher ist.

    Ich mag das Buch auch von Abschnitt zu Abschnitt mehr. Mittlerweile sind wir mittendrin in der Geschichte und auch andere Personen rücken in den Vordergrund, wie hier Constanze. Mich haben die Seiten über sie auch sehr gefreut, war sie bisher doch eher im Hintergrund.

    Es ist wirklich atemraubend, wie man Constanze die Schuld gibt und auch wie Augusta reagiert. Wie sie vollkommen ernsthaft fragt, ob Constanze ihr gesamtes Leben wegwirft, um eine Verfehlung von Augusta zu vertuschen, die sie nicht mehr kosten wird als es die Heirat an sich tut. Daran fand ich, hat man sehr gut gesehen, wie sehr die Herrschaften sich für besser halten und wie wenig denen das Leben ihrer Angestellten wert ist - sogar von dem höher Gestellten.

    Aber Constanze lässt sich nicht unterkriegen, forscht auf eigene Faust und bekommt ihr verdientes Ende, den Lohn und ein gutes Zeugnis. Aber auch von Hugo habe ich einen ersten guten Eindruck erhalten. Ich war mir nicht so sicher, ob er wirklich ein guter Kerl ist, aber zumindest bisher scheint es so zu sein.


    Hedda muss zu Adelheid ziehen und die Freundschaft beginnt. Mehr als das sogar, Hedda stellt einige Fragen, zeigt Adelheid, dass man seinen Kopf auch zum Nachdenken nutzen darf, bringt ihr kleine Kniffe bei, damit sie ihre Familie weiter unterstützen kann. Klar, ganz uneigennützig sind ihre Hintergedanken nicht, muss aber auch nicht sein. Hedda gefällt mir auch immer mehr.


    Wie abwertend und hässlich derweil von allen über Homosexualität geredet wird, trifft mich aber immer mitten ins Herz. Natürlich kaum jemand hat anders gedacht, selbst Betroffene ekelten sich teils vor sich selbst, aber das macht es ja eher schlimmer. Es ist noch ein verdammt langer Weg bis zu einer halbwegs offenen Welt für queere Menschen, zumindest in manchen Teilen auf der Welt.

    Aber hat er überhaupt versucht etwas zu finden? Ich lese, vor allem, wenn Viktor an seinen Vater denkt, einfach unbändigen Stolz aus diesem Mann. Für mich hat er gar nichts versucht, seine Familie zu ernähren.


    Da sind wir wohl in zwei Fronten. Die, die es okay finden, dass er tatenlos zuhause sitzt und die, die ihm das vorwerfen. ;)

    Ja hat er. Aber er hat seine Arbeit nie lange durchhalten können.

    Und da gibt es nichts dazwischen? Tagelöhner ist doch wirklich die unterste Schicht. Aber er bemüht sich ja nicht mal um eine andere Arbeit. Da sind Adelheids Vater und Brüder doch noch engagierter, sie schippen den ganzen Winter Schnee. und Nehmen jede Arbeit an, die sich ihnen bietet.

    Dafür bewundert Viktor Adelheids Vater auch.

    Aber man muss bedenken, dass Adelheids Vater es nicht anders kennt. Klar, ist es besser, wenn man für Geld und das Wohl seiner Kinder nicht allzu wählerisch ist, aber gehasste Arbeit kann einen Menschen auch wirklich schaden, psychisch.

    Je niedriger die Rangordnung, desto weniger wird man gehört. Das muss leider auch Hedda spüren - Opitz ist so ein Schwein! Und sie bekommt keine Rückendeckung durch die Mamsell, sondern soll sich fernhalten... Und wenn sie schwanger wird, ist sie es am Ende selber schuld. Ich kann nur hoffen, dass Opitz irgendwann durch seine eigenen Fehler (das ständige Einschlafen, die vergessene Post) doch irgendwann unangenehm auffällt und sich vielleicht um einen anderen Posten bemühen muss. Viktor sollte ihm nicht mehr aus der Patsche helfen...

    verrückt, wie das funktioniert, was? Allerdings gibt es ja auch heute noch Personen (Monarchie im Ausland, berühmte Persönlichkeiten), die ähnlich glorifiziert werden und uns (und unserem Konsum) sehr beeinflussen. Aber auch wie viel "umsonst" reiche Menschen bekommen, die es sich eigentlich leisten könnten.

    Aber spannend finde ich auch, mit welcher Inbrunst gerade die untere Schicht der oberen folgt. Hat aber vielleicht auch viel mit mangelnder Bildung zu tun. Kaum einer hat Zugriff auf die Tageszeitung - und wenn nur auf bestimmte, wie man an Viktor ja gesehen hat.

    Alles wird ein wenig positiver hier. Man sieht einige zarte Freundschaften wie zwischen Hedda und Constanze. Die arme Constanze, ihr Job ist auf der einen Seite zwar bequemer, aber auch nicht unbedingt einfacher. Wie müde sie immer ist, ließ mich öfter mal schmunzeln. Aber auf eine kleine Schar junger Erwachsener Mädchen aufzupassen, stelle ich mir auch nicht leicht vor und irgendwie verwunderlich aus heutiger Perspektive zu lesen, dass man die Erziehung komplett (!) in fremde Hände legt.

    Aber auch die kleine Szene, in der die Köchin Adelheid Brot schenkt, ist doch ein Leichtblick. :)


    Hedda tut mir sehr leid. Die Situation mit Herrn Opitz war wirklich furchtbar. Und wie dann die Mamsell reagiert und wirklich grausig. Hat Opitz was gegen sie in der Hand? Wieso kann sie da nichts tun? Auch dass niemand dazwischen gegangen ist, als er den kleinen Moritz so verdroschen hat... Da muss doch irgendetwas hinterstecken.


    Die arme Adelheid! Hat sich gerade eingefunden, versucht nur das Beste zu machen, freut sich auf den ersten Menschen, der offensiv freundlich ist und nun ist sie Hausmädchen. Immer noch besser als gar keinen Job, aber dennoch... Sie könnte das Geld wirklich gut gebrauchen, aber vielleicht wird es ohne den ganzen Neid ihr am Ende auf der Position auch besser ergehen? Mal schauen und aufsteigen kann sie bestimmt auch wieder.


    Mich erfreut auch die kleine Romanze zwischen Viktor und Adelheid. Ich bin gespannt, wie das noch weitergeht und ob die beiden sich irgendwann trauen, dazu zu stehen.

    Viktor mag ich immer mehr. Wie er sich um die Familie sorgt, ist rührend und auch so merkt man, dass das Herz am rechten Fleck hat.

    Jetzt bin ich doch irritiert, ein paar Seiten davor ein eigenartiger Schreibfehler und nun ein Sinnfehler? Seite 169 sinniert Viktor über seinen Vater und dessen Gesundheitszustand. Dann: wenn sein Vater starb würde mit ihm der Makel des vorbestraften "Tagelöhners" auch sterben? Ich dachte, Viktors Vater war Gymnasiallehrer gewesen?

    Viktors Vater war früher Gymnasiallehrer. Nach seiner Verurteilung ist er zum Tagelöhner abgerutscht.

    Also Adelheids Familienverhältnisse sind schlimmer als der Arbeitsplatz. Ganz fürchterlich diese Eltern.

    Und ähnliches kann ich auch für Viktors Vater sagen. So ein Idiot. Der soll sich gefälligst einen neuen Job suchen und von seinem hohen Ross runterkommen.

    Das die Kinder die ganze Familie versorgen müssen, das ist schon krass. Das gibt es so heute wohl kaum noch.

    Puh, Viktors Vater ist so ein Mensch, über den ich kaum urteilen kann. Was soll er denn anderes machen? Er hat ja durchaus versucht. Gut, er könnte Berlin verlassen und neuanfangen. Aber das sagt sich auch immer so leicht. Damals noch mehr als heute.

    Hm, also ich empfinde es gar nicht als so negativ wie ihr. Das kann zum einen daran liegen, dass es vielleicht besser wird, aber ich zum anderen Adelheids Lerneifer bewunder, Heddas kleine Diebstähle und die kleine Romanze, die sich andeutet toll finde.


    Und es gibt zwar auch einige sehr gemeine Charaktere, aber Adelheid und Hedda empfinde ich als sehr angenehm und auch Viktor scheint nicht ganz verkehrt zu sein (und im zweiten Abschnitt kommen noch mehr hinzu).

    Diesmal wird ja nur aus der Sicht der Angestellten berichtet. Ich weiß noch nicht, ob das nicht schade finde.

    Als ich das am Anfang gelesen habe, habe ich mich unheimlich gefreut. Klar, auch die Oberschicht hat viele Probleme, aber die der Dienerschaft sind wesentlich profaner, mir näher, aber meistens liest man eher weniger davon. Deswegen fand ich Downton Abbey und Gut Greifenau schon so klasse, da da beides vorkam. Jetzt mal ein Buch zu lesen, dass nur aus der Perspektive der Dienerschaft geschrieben ist, finde ich klasse. Vor allem da es sich auch einfach mal abhebt von all den anderen Büchern des Genres.


    Erschreckend finde ich, wie oft erwähnt wird, dass man im Leben kein Glück empfindet.

    Ja, das stimmt. Auffallend ist auch, dass es sowohl bei der Fürstin als auch beim Personal zu finden ist, bzw. nicht zu finden ist. ;) Ich kann mir das vor allem so erklären, dass die Regeln, die die Gesellschaft den Menschen damals vorgegeben haben, einfach viel zu eng sind und deswegen gar keiner (am ehesten vielleicht noch der Fürst oder dessen Söhne) sich wirklich entfalten kann. Es sind einfach zu viele Zwänge und Pflichten, denen man unterworfen ist. Das Schöne an Hannas Büchern ist ja, dass sie die Realität nur wenig bis gar nicht geschönt hat. So empfinde ich es zumindest, auch wenn die Handlung dadurch düsterer wird.


    Lydia und Gerda sind zwei ganz unsympathische Figuren. Aber ohne wäre es ja auch langweilig.

    Puh, ja, schon. Aber bisher sind mir die Beiden doch auch ein wenig zu einseitig geschildert. Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickeln wird.


    Opitz ist auch kein angenehmer Zeitgenosse.

    Brrr, bei dem schüttelt es mich auch. Der Veilchengeruch hätte schon ausgereicht, aber alles in allem ein sehr unangenehmer Zeitgenosse und ganz ganz furchtbarer Chef.