Beiträge von Avila

    Irving Berlin ist ein erfolgreicher Komponist, der als kleiner Junge noch Zeitungsverkäufer auf der Straße war. Auf einem Diner lernt er Ellin Mackay kennen und eine leise Liebesgeschichte entwickelt sich. Zwischendurch springen wir in manchen Kapiteln ein paar Jahre voraus, in das Jahr 1937, in dem Berlin sein bekanntestes Lied komponiert: White Christmas.


    Ich habe mir das Buch als Weihnachtslektüre vorgenommen und war deswegen ein wenig enttäuscht. Die Entstehungsgeschichte von dem Lied "White Christmas" beträgt am Ende nur ein paar Seiten und nimmt einen marginalen Platz in dem Buch ein. So kommt auch kaum Weihnachtsstimmung auf, weil die andere Geschichte eine Liebesgeschichte ist, die sich über mehrere Jahre erstreckt. Das finde ich vom Marketing her sehr unglücklich, denn eigentlich ist es eine schöne Liebesgeschichte, die diesen ganzen Plot rund um "White Christmas" gar nicht gebraucht hätte. Ob es sich aber so besser verkauft?


    Nun ja, nehmen wir nur die Geschichte von Irving Berlin und Ellin Mackay verfolgen wir eine intensive, von Wertschätzung geprägte Liebesgeschichte. Standesunterschiede von Neureichen und "altem Geld", von Hollywood-Stars und der gehobenen Gesellschaftsschicht, in denen Arbeit eher verpönt ist, von Christen und Juden bestimmen und prägen die Hürden, die sich den beiden verliebten in den Weg stellen. Familien wollen die Vermählung verhindern, mehrere Meilen trennen immer wieder das Paar - und bei jeder Seite ist man sich zwar sicher, dass die Liebe der Beiden eigentlich alles überwinden könnte, doch haben sie auch genügend Mut dafür? Denn in keiner Welt, in der die Beiden sich bewegen, wollen die Menschen um sie herum, dass aus den Beiden ein Paar wird.



    Michelle Marly hat einen besonderen Erzählstil solche Geschichte zu erzählen, der leise und einfühlsam daher kommt. Er kommt ohne viel Action aus und die Spannung ergibt sich einfach aus den Emotionen, die uns mit jeder Seite begleiten. Mir hat das Buch am Ende sehr gefallen, als ich mich davon verabschiedet habe, einen Weihnachtsroman zu lesen.

    • Herausgeber : Bookspot Verlag; 1. Edition (24. August 2020)
    • Sprache: : Deutsch
    • Taschenbuch : 528 Seiten
    • ISBN-10 : 3956691415
    • ISBN-13 : 978-3956691416


    Griet wächst im 17. Jahrhundert in Rotterdam auf, als sie den Händler Aert heiratet. Ihr Leben scheint perfekt, als sie sich mit ihm und seiner Familie auf eine abenteuerliche Reise auf die Insel Formosa begeben müssen. Zeitgleich verliert Qianqian im Bürgerkrieg ihre ganze Familie und muss um ihr Leben fliehen. Ihre Flucht führt sie ebenfalls nach Formosa und für sie beginnt ein ganz neues Leben in nie gekannter Freiheit.


    Griet ist ein ungestümes Mädchen, dass das umsetzt, was sie sich in den Kopf gesetzt hat. So heiratet sie auf eigenen Wunsch Aert, was sie aber schon schnell bereut. Trotzdem steckt sie nicht in den Kopf in den Sand, sondern macht das Beste aus der Situation. Gerade dieser Optimismus begleitet uns das ganze Buch durch und deswegen macht es unglaublich viel Spaß Griets Geschichte zu verfolgen.


    Für exotische Abwechslung sorgt neben dem Schauplatz Formosa Qianqian. Aus einer chinesischen Adelsfamilie tapst sie mit Lotusfüßen durch ihr Leben und bringt des Lesern das beengte, von Höflichkeit durchzogene Leben Chinas im 17. Jahrhundert nahe. Auf den zweiten Blick gibt es viele ähnliche Züge an Griet und Qianqian, aber durch die so anders verlaufende Erziehung, die durch die Gesellschaft geprägt ist, ergeben sich zwei vollkommen unterschiedliche Frauen. Umso spannender ist es zu verfolgen, wie die Beiden aufeinander treffen und sich ihre Geschichte - so unterschiedlich sie sein mögen - miteinander verflechten.


    Formosa (bzw. Taiwan) ist ein spannender Ort. Neben der holländischen Handelsgesellschaft, tummeln sich Chinesen, die die Insel bewirtschaften und natürlich die Ureinwohner. Um es noch komplexer zu machen, gibt es zwei chinesischen Dynastien, die um die Vorherrschaft des Landes (und später auch der Insel kämpfen). Das ergibt einen spannenden Plot, den Tereza Vanek vielschichtig aufdröseln kann, ohne sich in Vorurteilen zu verlieren.


    Ein wirklich gelungener Roman, der Auftakt einer neuen Reihe ist, aber - wenn auch mit einem kleinen offenen Ende - in sich abgeschlossen ist.


    ASIN/ISBN: 3956691415

    • Herausgeber : Knaur TB; 3. Edition (1. Dezember 2020)
    • Sprache: : Deutsch
    • Taschenbuch : 544 Seiten
    • ISBN-10 : 3426525453
    • ISBN-13 : 978-3426525456


    Im fünften Band von Hanna Caspians Reihe "Gut Greifenau" befinden wir uns mitten in der Weimarer Republik. Relativ schnell wird die Renten- und Reichsmark eingeführt, so dass unsere altbekannten Protagonisten wieder ein wenig Land unter die Füße bekommen. Doch wie ergeht es Konstantin, Katharina, Alexander und Nikolaus in den goldenen 1920er Jahren?


    Es ist wirklich erstaunlich, dass das fünfte Buch der Reihe immer noch so viel Spaß macht wie der erste Band. Die Geschichte flacht weder ab noch wird sie langweilig. Caspian schafft es, sich in jede Figur hineinzudenken und deren Weg sinnvoll weiterzustricken. Langweilig wird es dabei nicht, vor allem da alle Grafenkinder so unterschiedliche Wege gehen und ihre Lebensentwürfe so total unterschiedlich sind. Gut Greifenau ist dabei der Anker und Hafen. Immer wieder kommen alle Kinder dorthin zurück und erinnern sich auf ihre Art und Weise an ihre Herkunft.



    Selbst den unsympathischen Nikolaus schaue ich gerne über die Schulter. Es ist zwar eher erschreckend, aber dennoch spannend und informativ, wie es bei ihm weiter geht. Gerade bei Nikolaus zeigt sich die besondere Perspektive, die Hanna Caspian in diesem Roman einnimmt. Sie gibt hier nicht den historischen Einheitsbrei wieder, den man mittlerweile aus unendlichen Romanen kennt. Die Perspektive ist immer die der ehemaligen Adligen und somit eröffnen sich mir ganz neue Perspektiven auf diese Zeit. Es ist total spannend, denn auch ich denke mir gerade, wie kann Hitler eigentlich an die Macht gekommen sein? Ich bin total gespannt, ob und wie das im nächsten Band noch thematisiert wird.



    Aber auch Konstantin, der zwischen altem Landadel und bürgerlich-sozialen Sichtweisen hin und her pendelt, bietet einen spannenden Blick auf die Weimarer Republik. Hinzu kommt die recht emanzipierte Katharina, eine der ersten Medizinstudentinnen, die mit ihrem reichen Ehemann ein sehr priviligiertes Leben führt und meine heimliche Lieblingsfigur: Alexander. Als Homosexueller in Berlin hat er es in 20er Jahren recht leicht - aber trotzdem nur im Verborgenen. Auch wenn es Teile in Berlin gibt, in denen Homosexualität geduldet wird, ist die Gesellschaft dennoch weit entfernt von einer liberalen Einstellung.



    Ich glaube, ich könnte diese Reihe ewig weiterlesen, denn wenn man dann genug von priviligiertem Altadel hat, taucht man in die Dienstbotenetage ab und wird wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Es macht einfach immer noch Spaß! Also bitte, bitte, liebe Hanna Caspian, gib uns mehr Gut-Greifenau-Bände!


    ASIN/ISBN: 3426525453

    • Herausgeber : Berlin Verlag; 3. Edition (6. Juli 2020)
    • Sprache: : Deutsch
    • Broschiert : 256 Seiten
    • ISBN-10 : 3827014255
    • ISBN-13 : 978-3827014252

    In seinem neuen Buch "Terror gegen Juden" stellt Ronen Steinke vor allem eine Chronik der Gewalttaten mit antisemitischem Hintergrund zusammen, von 1945 bis zur Vollendendung des Buches Anfang 2020. Die Chronik wird an das Ende des Buches gestellt, nimmt aber ca. 1/3 des Buches ein. Vorab erklärt Steinke genau, was er unter Gewalttaten fasst und erklärt seine Zusammenstellung juristisch.



    In den anderen 2/3 des Buches geht Steinke auf einzelne - ich denke mal repräsentative oder besondere, weil in den Medien große Erwähnung gefundene - Gewalttaten ein. Er beginnt damit bei dem Anschlag auf die jüdische Syngagoe in Halle 2019. Man merkt beim Lesen, dass Ronen Steinke Jurist ist und das ihm das Thema Terror/Gewalt gegen Juden eine Herzensangelegenheit ist. Sein Schreibstil ist erfreulich einfach gehalten (was man bei einem Juristen erstmal nicht erwarten mag), den ich aber auch schon von seinem Werk über Fritz Bauer gemocht habe. Die Einfachheit der Sprache bringt die Brutalität der Taten, die er beschreibt, auch eindrücklich rüber.



    Ich fand es erschreckend, wie wenig ich doch auf dem Schirm hatte und wie viele Lücken es gibt. Terror wird vor allem mit islamistischen Motiven in Verbindung gebracht, aber selten oder fast nie mit antisemitischen Hintergrund, obwohl eigentlich jeder mitbekommen haben muss, wie Antisemitismus immer mehr auch in der Öffentlichkeit zum Vorschein kommt. Mit diesem Buch will Steinke anfangen diese Lücke zu schließen.



    Insgesamt wirft er viele verschiedene Blickpunkte auf, die mich zum Nachdenken und Diskutieren gebracht haben. So führt er als einen gefährlichen Punkt des Antisemitismus an, dass der Hass auf Juden viel mit Verschwörungstheorien verbunden ist, die viel zu wenig aufgedeckt werden. Vor einigen Jahren hatte ich eine Unterhaltung mit einer südamerikanischen Jüdin, die in Deutschland für einige Zeit promoviert hat und auch darüber ganz schockiert war. Sie hat mich gefragt, ob wir in Deutschland allen Ernstes lernen, dass Hitler die jüdische Bevölkerung deswegen verfolgt und systematisch vernichtet hat, weil der Jude im Allgemeinen als reich galt. Und ja, das Bild des reichen Juden, das Hitler zwar nicht erfunden, aber aufgenommen und propagiert hat, wird auch heute noch gestreut. Aber natürlich war nicht das der Grund der Verfolgung, sondern nur das Argument, dass Hitler und Konsorten angeführt haben. Eine feine Unterscheidung, die im Schulunterricht vielleicht schwer zu vermitteln ist, aber dann sollte man einfach das Bild des reichen Judens nicht weiter vermitteln, sondern nur die wahren Gründe dahinter benennen.



    Und so geht es in dem Buch auch weiter, bspw. über die Verwechslung zwischen Israelkritik und Antisemitismus. Für mich war das Buch ein Augenöffner und da es doch so schmal ist, kann ich es nur jedem*r empfehlen, auch mit wenig Lesezeit.


    ASIN/ISBN: 3827014255

    • Taschenbuch : 480 Seiten
    • ISBN-10 : 3746635993
    • ISBN-13 : 978-3746635996
    • Herausgeber : Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (18. August 2020)


    Peggy Guggenheim entschied sich gegen ein Leben an der Seite eines reichen Mannes. Lieber gab sie ihr Geld für moderne Kunst aus und ging Affären mit Malern wie Max Ernst ein. Das Buch startet mit dem Aufeinandertreffen von Peggy Guggenheim und Max Ernst und wie die Beiden vor dem Krieg und den Nazis aus Europa in die USA fliehen. Gespickt ist das Buch mit Vorblenden nach Venedig, wo bis heute Peggy Guggenheims Collection präsentiert wird.


    Peggy Guggenheim ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die sich wenig um Konventionen scherte und das bringt die Autorin mit jeder Seite 'rüber. Ich mag die Darstellung von Peggy Guggenheim sehr gerne. Auch wenn die Liebesgeschichte mit ihr und Max in den Fokus gerückt ist, so zeichnet diese die Person der Peggy Guggenheim nicht aus. Sie ist nicht Max Ernst' Anhängsel, sondern eine eigenständige Persönlichkeit, die mit ihren unkonventionellen neuen Ideen viel geschaffen, erreicht und geprägt hat. Sie förderte Künstler*innen, die damals kritisch beäugt und heute zum Kanon gehören. Besonders gefallen hat mir in dem Zusammenhang, dass ich einen Maler, Jackson Pollock, zum ersten Mal bewusst in ihrem Museum in Venedig wahrnahm und seine Förderung durch Guggenheim speziell auch nochmal in den Buch zur Sprache kommt. So hatte ich direkt eine persönliche Verbundenheit mit dem Buch und Peggy Guggenheim schafft es also bis heute, Kunst und Künstler*innen zu vermitteln und fördern.


    Ich war schon vor der Lektüre eine Bewunderin von Peggy Guggenheim und bin es danach umso mehr. Hier wird wirklich eine starke Frau porträtiert, die sich selbst ein Denkmal geschaffen hat und deren Einfluss bis heute spürbar ist. Außerdem vermittelt die Autorin genau das. Hier haben wir wieder ein Buch aus der "Mutige Frauen zwischen Kunst ..." -Reihe, das seinen Platz dort verdient. Davon hätte ich gerne mehr!


    ASIN/ISBN: 3746635993

    Der Erste Weltkrieg bricht mit voller Wucht in das Leben von Mimi und Anton und ihren Freunden herein. Das Leben ändert sich schlagartig auf Schwäbischen Alb - ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die Druckerei der Beiden gerade in Rollen kommt.


    In dem vierten Band der Fotografin-Reihe erleben wir als Leser die unterschiedlichen Perspektiven des Ersten Weltkrieges mit. Anton geht an die Westfront, Mimi bleibt an der Heimatfront und versucht zusammen mit Corinne und Bernadette ihr Leben zu Hause in den Griff zu bekommen. Fehlende Materialien und fehlende Männer machen dabei das Leben immer schwerer. Hungernöte und Tod prägen das Leben auch zu Hause. Doch Mimi und ihre Freundinnen sind stark und erzählt dieser Band vor allem von starken Frauen, die während des Krieges die Ärmel hochkrempeln und mitanpacken, wo Not am Mann ist.

    Petra Durst-Benning weiß es, wie sie die Schicksale spannend, nicht zu kitschig oder dramatisch darstellt und so entwickelte sich das Buch immer mehr zu einem richtigen herbstlichen Schmökerbuch.



    Dabei schwenkt die Autorin aber auch immer wieder anderen Schauplätzen. Mit Anton hat sie eine Nebenfigur, die interessante Schlüsselmomente, die historisch belegt sind, an der Front erlebt, die immer wieder auch ein wenig Hoffnung, in den ansonsten so trostlosen Stellungskrieg bringen.

    Auch der Künstler Alexander geht weiter seinen Weg und schenkt dem Buch ein wenig künstlerischen Glamour.


    Wer die anderen Bücher der Reihe bereits gemocht hat, wird sich auch an diesem Buch erfreuen. Eine wirklich gelungene Fortsetzung!

    Ah, das hatte ich tatsächlich missverstanden. Danke fürs Aufklären! :)


    wampy

    Krieg ist allgemein menschenverachtend. Kriegsgefangenschaft ist ein Teil davon. Da bleibe ich bei meiner Haltung und ja, warum nicht frei lassen? Oder warum die Menschen zum Arbeiten zwingen?

    Oh mein Gott, die französischen Kriegsgefangenen sind ganz schön fies.

    Aus "unserer" Sicht sind sie natürlich fies, aber ganz ehrlich - was denken die sich denn? Sie haben gegen diese Menschen Krieg geführt, wollten sie umbringen und halten sie nun gefangen. Was war ihr Verbrechen? Nichts anderes als das, was die Deutschen auch tun. Und dann sollen sie auch noch für sie knechten? Also ich kann die Menschen schon verstehen und finde das ganze Konzept von Kriegsgefangenschaft menschenverachtend.

    Klar, es trifft Bernadette in diesem Moment sehr hart, weil es ihre letzten Kartoffeln waren. Aber dennoch hat diese Geschichte wirklich zwei Seiten.


    Johann Merkle hat sich wieder berappelt

    Das hat mich allerdings auch überrascht. Weniger überrascht hat mich hingegen, dass er sich für die Absetzung des Kaisers einsetzt. Das passt natürlich sehr zu ihm.

    Ich habe erst vor Kurzem eine Ausstellung in Potsdam zu dieser Absetzung gesehen und es war wirklich spannend. Auch wenn das natürlich ein großer Absturz für die Kaiserfamilie war, konnte sie danach immer noch im Luxus leben. Aber wie sie ihr "kleines" Haus mit all ihren Möbel zugestellt haben, war unterhaltsam zu sehen.


    Ein bisschen kitschig war es ja schon, als Lutz Bernadette seine Liebe erklärt hat. Und gleich heiraten? Ich weiß nicht, ob das wirklich so gut ist.

    Andere Zeiten, andere Sitten. Klar, für uns kommt das ziemlich holperdipolter, aber ich denke, es passt. Lutz ist sich schon seit Jahren sicher, er konnte nur nie über seinen Schatten springen. Ich denke, für Bernadette wird das ein großer Vertrauensbeweis werden, denn sie muss nochmal all ihren Mut zusammen nehmen und den großen Schritt wagen.


    Zum Schluss taucht dann ganz unverhofft Christel wieder aus der Versenkung auf. Seien wir ehrlich - hat jemand von euch noch an sie gedacht?

    Huch, an Christel hatte ich gar nicht mehr gedacht und ich sehr gespannt, wo das ganze hinführen soll. Ob Mimi wirklich nach Amerika reisen wird, um Christel zu fotografieren? Aber eine ganz andere Frage treibt mich um. Was bezweckt Christel eigentlich dabei? Es kam mir schon so vor, als ob sie irgendeinen Plan damit verfolgt. Aber welchen?


    Ich glaube nicht, dass Mimi und Anton noch ein richtiges Paar sind zum Ende der Saga, vielleicht weiterhin Geschäftspartner.

    Das Wiedersehen der Beiden war sehr emotional und schön, aber sobald Anton sich eingewöhnt hatte, merkt man, wie keiner der Beiden sich wirklich in den anderen hineinversetzen kann. Keiner kann über seinen Schatten springen und fühlt sich vom anderen missverstanden. Dass Anton nicht über seine Erlebnisse sprechen will, macht es dabei natürlich auch nicht leichter. Ich fürchte sogar, dass genau diese Verschlossenheit am Ende dazu führen kann, dass die Beiden sich wieder trennen werden. Auch heute wird eine posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten (v.a. in Amerika) sehr selten als das behandelt, was sie ist: eine Kriegsverletzung. Selbst wenn man wie Anton noch relativ gimpflich durch den Krieg gekommen ist, müssten alle Soldaten, die im Einsatz waren, psychologisch betreut werden. Wie sollen sie sonst mit all den unmenschlichen Gräueltaten umgehen lernen?


    Mylo spricht von ihm als „Geliebter"? Hatten die beiden was miteinander oder war das nur einseitig von Mylo aus?

    Es wurde nie wirklich ausgesprochen, aber immer mal wieder angedeutet. Im Endeffekt könnte es einfach ein Kosename sein, aber auch wirklich mit viel mehr dahinter. Ich finde, das würde auch erklären, wieso Alexander so sehr an Mylo hängt.

    Gucci

    Danke für die Links. Ich hatte mich schon gefragt, ob an der Frau was Historisches ist. Wirklich eine großartige Idee, weil die Kriegsverletzungen im Ersten Weltkrieg durch diese modernen Waffen wirklich grausam und vor allem vollkommen neuartig waren. Da mussten auch Mediziner über sich hinaus wachsen.


    Allgemein ist der Erste Weltkrieg wegen den vielen Modernisierung so vollkommen anders und besonders grausam. Lange Zeit war mir das gar nicht so bewusst, weil als Deutsche man vor allem den zweiten Weltkrieg und den Holocaust aufarbeitet.

    Die Grausamkeit ist hier gut geschildert, aber durch das Aufgreifen des Weihnachtsfestes an der Front, der Maskenbildnerin etc. immer mit Hoffnung gepaart, so dass es nicht zu grausam zum Lesen wird.


    Mimi, Bernadette und Co versuchen auch ihr Bestes. Aber leicht haben sie es auch nicht. Doch ich denke, dass die Landbevölkerung es wesentlich leichter hatte als die Stadtbevölkerung, weil sie einfach essen direkt vor der Nase hatten, wie man an dem Schwarzschlachten oder auch an dem wertvollen Rohstoff Wolle heran kommt. So können die Dorfbewohner essen und warme Kleidung herstellen. Wie wichtig! Außerdem ist es einfacher Zusammenhalt herzustellen, wenn es weniger Menschen gibt als mehr.


    Alexander entfernt auch ein wenig von Mylo, aber ich glaube nicht ausreichend. Er vermisst ihn und kehrt gern wieder zurück... Ich bin gespannt, wie es da weitergeht. Aber ich bin sicher, dass ihm der Ausflug nach Münsingen gut getan hat.

    Mich hat das gemeinsame Weihnachtenfeiern zwischen den Gräben schon immer sehr berührt. Hätte es doch nur auch zum Ende dieses Krieges geführt ...

    Als ich das erste Mal davon gehört habe, war ich total erstaunt, vor allem wenn man überlegt, dass danach noch so lange Krieg herrscht. Gerade dort merkt man, dass die Soldaten selbst den Krieg eigentlich gar nicht wollen und sie erleben live, dass die Propaganda eigentlich nur Propaganda ist. Ich stelle es mir total schwer für die beteiligten Soldaten vor, danach wieder in den Kriegsalltag zu wechseln, auch wenn sie - so meine ich mich zu erinnern - versetzt wurden. Aber das Erlebnis bleibt ja trotzdem.


    Auch Alexander taucht an der Front auf, Mylo will, dass er authentische Eindrücke für seine Gemälde bekommt , doch zu authentisch sollen sie dann doch nicht sein.

    Hm, ja. Mylo manipuliert mal wieder tüchtig. Ich bin gespannt, wie es mit Alexander weiter geht. Ich fürchte, dass er irgendwann aufwacht und ziemlich entsetzt ist, über all das, was er getan hat.



    Corinne ist wirklich der Wahnsinn! Ich würde es gar nicht schwarzschlachten nennen, was sie tut, denn immerhin nimmt sie kein Geld dafür. Dennoch geht sie ein enormes Risiko ein, einfach nur um ihre Menschlichkeit zu leben. Da zeigt sich ihr guter Charakter auf vorbildlichste Weise. Ich bin sehr gespannt, welche Idee Bernadette nun stattdessen hat. Ernsthaft böse kann sie Corinne auf jeden Fall nicht sein, weil sie selbst schon gesagt hat, dass sie doch vollkommen den Überblick verloren hat, wie viele Schafe sie eigentlich hat, jaja. Zumindest in Gesprächen mit der Regierung.


    Mimi kommt nun auch langsam auf den Gedanken, dass ihre Fotografien nicht das sind, was sie tun will. Sie schwingt sich noch zur richtigen Künstlerin auf, wenn sie anfängt ihre Idee umzusetzen und die Realität abzulichten. Das wird später für jeden (Kunst)-Historiker ein wahrer Goldschatz!

    Ich hatte im Rahmen der vielen Ausstellungen 2014-18 zum Ersten Weltkrieg auch das Glück Fotografien von Soldaten vom Frontalltag zu sehen. Dort hat er auch eher ungeschont - teils aber auch sehr humoristisch - seinen Alltag festgehalten. Wie gut, dass es solche Zeitdokumente noch gibt!

    Du hast Recht, die Panzer sind unrelevant. Ich habe nur mal in einem Museum zum ersten Weltkrieg gearbeitet, bzw. ein Praktikum gemacht. Da bleibt sowas dann hängen. ;)


    Wolframs Tod hat mich eiskalt erwischt, muss ich sagen. Damit habe ich so gar nicht gerechnet. Ich hätte niemals gedacht, dass ausgerechnet er sterben würde... Mir entfuhr beim Lesen sogar ein: Das hat sie nicht getan! (Und meinte damit Petra!)

    Mein Mann war total irritiert. ^^

    Hier überschlagen sich die Ereignisse...!


    Ich hatte gar nicht daran gedacht, dass Materialknappheit bzgl. der Farben dem Adventskalender im Weg stehen könnte und auch die Folgen, dass alle Männer gehen und Arbeitskräfte fehlen, hatte ich kurz verdrängt. Aber natürlich ist das so. Selbst der sonst so vernünftige Anton lässt sich von der Kriegsbegeisterung anstecken und trennt sich von Mimi, wenn auch nur körperlich. Rein emotional kommen die Beiden sich durch die Trennung immer näher. Da wird wohl noch was gehen!

    Dass Anton durch seine Untauglichkeit "nur" Sanitäter ist, kann sein großes Glück sein. So muss er nicht an die vorderste Front, hat ein - soweit man das überhaupt sagen kann - behaglicheres Leben als seine Kameraden vorne in den Schützengräben. Aber seine Vorsicht wirft er dennoch über Bord und holt so viele Kameraden vom Feld wie kein anderer. Er bekommt das Eiserne Kreuz.


    Selbst Alexander würde gerne mitkämpfen und so viele Vorurteile und Antipathie noch Mylo gegenüber hege, hat sein Einfluss hier doch was Gutes. Denn er setzt alles daran, dass Alexander nicht in den Krieg ziehen muss. Ich kann mir Alex auch nur schwer dort vorstellen, nicht zuletzt wegen seinem Bein. Aber wer weiß, vielleicht wird er am Ende doch noch eingezogen und wird zu einem der Künstler, die sich gegen Krieg aussprechen. Das könnte dann eine spannende Zeit werden!


    Mimi und Bernadette schlagen sich gut. Aber gerade mit Bernadette würde ich nicht tauschen wollen. Die alleinige Führung ihres Schafsbetrieb und dann noch das Bürgermeisteramt... Das ist doch Wahnsinn! Aber Bernadette ist stark und zäh!


    Corinne tut mir total Leid. Sie hat ihre große Liebe verloren und ist nun in einem kalten Land gefangen, das Krieg gegen ihre Heimat führt. Wie schrecklich! Aber immerhin kann sich nun die Freundschaft zwischen den drei Frauen entwickeln! Das ist total schön. Und dann freuen sich alle noch auf das kleine Baby von Corinne und Wolf!

    Alexander scheint sich sehr negativ verändert zu haben, schade, ich hoffe aber, dass sich das wieder ändern wird, es passt nicht wirklich zu ihm.

    Bei Alexander bin ich zwiegespalten... Es hat sich nie einer so wirklich für ihn eingesetzt und seine Malerei Ernst genommen - bis Mimi kam. Aber viel mehr als ihn auf eine Hochschule schicken, ging nicht. Dann trifft er auf Mylo, der ihn ja nahezu hofiert, aber auch ganz schön manipuliert. Gerade seine Kontakte in die Heimat hat er ganz schön boykottiert. Klar, Alexander könnte aufbegehren, aber er ist noch recht jung und zu naiv, als dass er merkt, was Mylo da tut.

    Also, ich habe eher großes Mitleid mit ihm...