Beiträge von Googol

    Misrecognition - Madison Newbound


    Begründung:

    Ich mag, wie ein anscheinend typisches Bild von Gérard Schlosser, das sehr ansprechend ist, durch eine ungewöhnliche Perspektive auffällt und zur Stimmung des Buches passt, in das Cover-Design integriert ist, und wie die Farben des Bildes für Titel und Autorenname verwendet werden.


    ASIN/ISBN: B0D589DQVR

    Brother & Sister Enter the Forest - Richard Mirabella


    Begründung:

    Ich mag, wie dieser Titel die Geschwisterdynamik in diesen märchenhaften Kontext setzt (der Wald als Motiv aus den Märchen, Hänsel und Gretel), obwohl es sich eigentlich um einen zeitgenössischen Roman ohne fantastische Elemente handelt. Der Titel erzeugt jedoch diesen Subtext und ist insofern ein wesentlicher Bestandteil des Romans, weshalb ich ihn sehr schätze.


    ASIN/ISBN: B0B4V4Q2T8

    Station Eleven - Emily St. John Mandel


    Begründung:

    Ich war spät dran mit der Lektüre dieses modernen SF-Klassikers von 2015, Arthur-C.-Clarke-Award-Gewinner, aber auch auf der Shortlist für den National Book Award, und diese ungewöhnliche Kombination sagt schon etwas aus: gleichzeitig Unterhaltungsliteratur und anspruchsvolle Erzähltechniken.


    ASIN/ISBN: 9781447268970

    The Heart in Winter - Kevin Barry


    Begründung:

    In Butte, 1891, in Montana angesiedelt, irgendwas zwischen Historienroman, irischem Western (sind das alles irische Einwanderer) und dem literarischen Niveau eher zeitgenössischer Literatur. Zwei Liebende fliehen aus einer Stadt, und es beginnt eine Verfolgungsjagd, mit sehr lyrischem und whiskeygetränktem irischem Sound.


    ASIN/ISBN: 1805302116

    Weltflucht - César Aira


    Begründung:

    Kurze Essays über Literatur, Kunst und das Schreiben, im typischen César-Aira-Erzählsound, die auf kleinstem Raum faszinierend komplexe Erkenntnisse beschreiben, mit denen ich mich sehr identifizieren kann (ein Plädoyer für klassisch erzählende Fiktion und die Weltfluchten vs. der Vorherrschaft der reinen Abbildung von Realität in der modernen Literatur).


    ASIN/ISBN: 375180949X

    Ghostroots - Pemi Aguda


    Begründung:

    Für eine Kurzgeschichtensammlung ein ungewöhnlich konstant hohes Niveau. Sehr klug komponierte Geschichten vor der Kulisse von Lagos in Nigeria, die auf für mich sehr ungewöhnliche Weise den typischen spirituellen magischen Realismus afrikanischer Erzählungen mit der harten Realität des Schauplatzes und den sozialen Dynamiken verbinden.


    ASIN/ISBN: 0349018227

    Noreen Masud - A Flat Place


    Begründung:

    Ein eindringliches Memoir einer britisch-pakistanischen Autorin, die die weiten, flachen Landschaften Großbritanniens erkundet. Ihre Beschreibungen werden zur Reflexion über ihr Leben und ihre Traumata. Geschrieben in einer bemerkenswert literarischen Sprache, die für ein Sachbuch außergewöhnlich ist.


    ASIN/ISBN: 024154405X

    Science Fiction Re-Reads: Die letzten Tage habe ich nochmal Amnesia Moon von Jonathan Lethem gelesen, und ich wollte andere Romane wiederlesen, die mir in den 90ern oder 00ern gefallen haben. Mit 20–25 Jahren Abstand lohnt sich das wieder. Speziell auf der Liste: Richard Kadreys Metrophage und Jeff Noons Vurt.


    Thomas Mann: mindestens drei Bücher von oder über ihn, nachdem letztes Jahr das Kafka-Jubiläumsjahr schon gut für mich gelaufen ist (vielleicht mit dem Buch von Breloer über seine jungen Jahre und etwas aus seinem Frühwerk zum Start).


    Deutschsprachige Literatur: Versuchen, dass ich mindestens 50 % der Bücher auf Deutsch lese (Original oder Übersetzung).


    Kurzgeschichten: mindestens 50 Kurzgeschichten in diesem Jahr (grob mindestens eine Story die Woche, besser zwei). Aus Online-Magazinen, dem New Yorker oder Kurzgeschichtensammlungen (mindestens 2–3 davon dieses Jahr).

    Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner, besonders Percival Everett, der wenn alles nach Plan läuft für diesen Roman dann auch noch den Pulitzer einsacken wird, und der sehr eine schöne Dankesrede abgeliefert hat. Überhaupt eine lohnenswerte Veranstaltung (https://www.youtube.com/watch?v=h_xLHve4KZA). Wenn eine Award-Zeremonie sich ansatzweise eine Oscar-Verleihung anfühlt, dann der National Book Award. Witzige Moderation von Kate McKinnon. Schade, dass Salman Rushdie nicht gewonnen hat, aber niemand hat seine Dankesrede gerockt wie Jason De Leon. Köstlich.

    Heute Nacht ist es so weit (2 Uhr nachts bei YouTube). Ich habe noch nie eine Shortlist für einen Award komplett gelesen, dieses Jahr direkt zwei: Booker und National Book Award (for Fiction).

    Eher zufällig in diesem Fall, denn als diese Shortlist verkündet wurde, hatte ich von den 5 Büchern schon dreieinhalb gelesen. Da dachte ich, ich lese den Rest dann auch noch (Miranda July zu Ende und Pemi Aguda). Und was soll ich sagen: Das sind ausschließlich exzellente 5-von-5-Sterne-Bücher. Zum Vergleich beim Booker: 2 Bücher der Shortlist sehr gut, vier eher nicht so. Also ist der National Book Award dieses Jahr der bessere Booker Award für mich.


    Meine Favoriten:

    1. Kaveh Akbar - Martyr!
      Mein Lieblingsbuch bisher dieses Jahr, allerdings auch ungestüm und experimentell, wie man es bei einem Debüt erwartet.
    2. Hisham Matar - My Friends
      Dagegen dann Hisham Matar, der extrem gekonnt seine Geschichte über Immigration und Einsamkeit in der Immigration und über London erzählt. Ich bin unentschieden und wechsele ständig meine Meinung, ob ich Matars routiniertes Können oder Akbars frisches Experimentieren höher bewerte.

    Und dann meine Runners-up (ich möchte da kein weiteres Ranking vornehmen):

    • Pemi Aguda - Ghost Roots
      Kurzgeschichten, und wie die meisten Kurzgeschichtenbände sind manche Stories besser als andere, aber die Trefferquote ist in diesem Band schon verdammt hoch. Eine gelungene Mischung aus afrikanischem magischen Realismus und hartem Realismus von Lebensentwürfen in Lagos, Nigeria. Drei oder vier Stories aus diesem Band sind höchste Short-Story-Kunst.
    • Miranda July - All Fours
      Ich bin ein Fan von Miranda Julys Kunst, vor allem ihren Filmen. Dieses Buch ist einerseits genau das, was man von ihr erwartet, aber auch eine gewisse Zumutung: Wer will wirklich etwas über die Prämenopause und die weibliche Midlife-Crisis lesen? Aber wieso auch nicht. Dieses Buch ist mutig und radikal. Die erste Hälfte exzellent, was den Plot betrifft, die zweite dann etwas weniger strukturiert. Das Übersexualisierte kann etwas stören, ändert aber nichts an der Qualität dieses Buches.
    • Percival Everett - James
      Darüber wurde schon viel geschrieben. So gut, wie es alle sagen.

    So, morgen ist es soweit: Der Booker Prize wird vergeben (12.11. um 22:45 auf YouTube). Ich habe zum ersten Mal alle Bücher der Shortlist gelesen – vier davon bereits vor der Verkündung, zwei danach. Mein Bauchgefühl bei der Auswahl der Bücher scheint gut zu sein, denn die beiden Bücher, die ich speziell wegen der Nominierung gelesen habe, waren genau die, die mir am wenigsten gefallen haben.


    Mein Ranking ist wie folgt:


    1. Charlotte Wood - Stone Yard Devotional

    2. Percival Everett - James

    3. Yael van der Wouten - The Safekeep

    4. Samantha Harvey - Orbital

    5. Anne Michaels - Held

    6. Rachel Kushner - Creation Lake


    Ich habe in diesem Thread ja bereits zum Teil verraten, wie mir die Bücher gefallen haben. Ich fand nur zwei Bücher wirklich gut (glücklicherweise beide dafür sehr gut).


    James ist so gut, wie alle sagen. Wohl der Favorit und ein würdiger Gewinner, aber ich persönlich würde mit Stone Yard Devotional auf das Dark Horse setzen – der Außenseiter, den ich mir als Sieger wünsche.

    Heute auch hier von Herr Palomar rezensiert.


    The Safekeep hat stark begonnen, dann aber stark nachgelassen und war für meinen Geschmack viel zu melodramatisch und komplett fehlkonstruiert. Wenigstens hat der Roman etwas versucht. Dass er bei mir auf Platz 3 kommt, ist aber schon mal ein schlechtes Zeichen. Ein Publikumsliebling.


    Orbital ist gut geschrieben, enthält ein paar hübsche philosophische Gedanken, war mir aber viel zu prätentiös und überwiegend schnarchlangweilig. Ein sehr kurzes Buch, das sich aber sehr zieht.


    Ja, und dann zweimal Schulterzucken.


    Bei Held liegt es vielleicht auch an mir. Lyrisch, experimentell, mit sehr viel Pathos, das mir unangenehm auffiel. Die Hauptschwierigkeit war, dass ich keine Ahnung habe, was in diesem Roman passiert ist und warum mir die Autorin das erzählt hat. Hätte ich den Roman als Hörbuch gehört, würde ich denken, ich hätte ihn versehentlich im Shuffle-Modus gehört, so wenig passten die einzelnen Teile für mich zusammen, obwohl der eine oder andere Abschnitt für sich genommen durchaus ansprechend und literarisch geschrieben war.


    Creation Lake war weniger verrätselt, trotzdem eine komische Mischung aus Spionageroman, Umweltthriller und einer extrem unsympathischen Erzählerin, bei der sich das "unsympathisch" erzählerisch für mich nicht erklärt, sondern einfach nur nervt. Dazu kamen lange Abschnitte sowie Überlegungen über Neandertaler(!?). Ich finde es eigentlich gut, wenn ein Roman auf kreative Weise verschiedene Themen, Genres und Sujets mixt. Diese Mischung war jedoch überhaupt nicht meine und eine Qual zu lesen. Vermutlich einfach nicht mein Geschmack.


    Ich finde, das (größtenteils anonyme) Gottschalk-Bashing mindestens ebenso fragwürdig. Und ich bin auch der Meinung, dass er nicht ganz unrecht hat, was ein paar grundsätzliche Fragen anbetrifft, etwa solche der Toleranz und des Anspruchs auf die ethische und moralische, mit extrem großen Löffeln gefressene Weisheit. Gerade die Woken üben sich ganz besonders in Intoleranz, das scheint mir unwiderlegbar zu sein


    Ich denke, Gegenstimmen zu übertriebener Wokeness wären durchaus wichtig, aber Thomas Gottschalk wird sicherlich nicht derjenige sein, der zu einer Ausbalancierung dieser Debatte beiträgt. Ich persönlich finde es naiv, da irgendetwas anderes als Kalkül von Gottschalk hineinzulesen.


    Es ist doch so, dass Entertainer und Komiker wie Gottschalk ein bestimmtes Auftreten in den 80ern und später hatten, das zu der Zeit erfolgreich war, inzwischen aber eher aus der Zeit gefallen wirkt, was durchaus auch etwas mit gesellschaftlichen Fortschritten zu tun hat. Nun hat er in seiner Position die Möglichkeit, entweder still auf Mallorca oder so seinen Lebensabend zu genießen, sich neu zu erfinden oder aber mit der alten Masche relevant zu bleiben. Das ist nicht nur seine Taktik, sondern auch die anderer in ähnlicher Position: Man macht das „aber man darf ja überhaupt nichts mehr sagen“ zum Programm, womit man gleichzeitig genau dem Publikum gefällt, das dieser alten Zeit nachtrauert (was ja auch deren Recht ist) und eine Wut gegen diesen Kulturwandel in sich trägt. Dadurch wird man direkt zu einer Art Vorkämpfer für diese gefühlte Ungerechtigkeit. Dieses Publikum ist so groß, dass ich sogar Verständnis für jeden habe, der genau auf dieses Zielpublikum abzielt, um relevant zu bleiben; monetär wird es sich sicherlich auch lohnen. Aber ich sehe darin keine politische Gesellschaftskritik, nur Kalkül.

    Ich glaube, man sollte die Kommentare von Clemens Meyer auch nicht überbewerten. Im Prinzip bleibt er mit diesen Äußerungen seiner Reputation treu. Ob er nun betrunken den Leipziger Buchpreis entgegennimmt oder hier solche Sprüche klopft – das macht keinen großen Unterschied. Ich wage die provokante These, dass Clemens Meyer so etwas wie einen "Proletenbonus" genießt. Das literarische Kritikerestablishment liebt dieses Verruchte, hat ihn entsprechend gehypt, und nun bewegt er sich auf einem Niveau, das fast schon zum Fremdschämen einlädt – doch niemand sagt mal: „Stopp, so literarisch ist das eigentlich gar nicht.“ Ich war bei der Premiere dieses Romans im LCB in Berlin, und das Ganze ist so prätentiös und gestelzt. Deutscher Buchpreis? Hallo? Sei froh, dass du weiterhin so wohlwollende Kritiken bekommst, aber jetzt jammere nicht dem Buchpreis hinterher.

    Noch ein zusätzlicher Kommentar. Eine Stunde später ;)


    Zum einen habe ich bei meiner Auflistung der Longlist übersehen, dass Stone Yard Devotional von Charlotte Wood tatsächlich auch auf Deutsch erschienen ist, und zwar bei Kein & Aber:

    ASIN/ISBN: 3036950257
    .


    Bei Orbital und The Safekeep glaube ich weiterhin, dass bei der Shortlist Schluss ist. Ich freue mich aber sehr über Stone Yard Devotional und aktuell ist das für mich auch der einzige Roman auf der Liste, der das Zeug dazu hat, James zu schlagen (übrigens das einzige Buch eines männlichen Autors). Da ich eher für den Außenseiter bin, schlägt mein Herz irgendwie für Stone Yard Devotional, und mein Bauchgefühl sagt mir, dass das der Booker-Prize-Träger dieses Jahr wird.


    Held und Creation Lake habe ich mir natürlich bestellt. Wenn man schon vier Nominierte gelesen hat, kann man die letzten beiden auch noch lesen, und ich meine, der Preis wird erst im November vergeben. Ich habe also massig Zeit. Wer weiß, vielleicht überraschen mich ja die beiden Romane, und im Prinzip lag es vor allem an der Nichtbeachtung von Hisham Matars My Friends, weshalb ich enttäuscht war.

    Wenn ich dann Creation Lake und Held gelesen habe, werde ich 10 von 13 Büchern der Longlist gelesen haben. Da ich mir schon vorgenommen hatte, die Shortlist komplett zu lesen, bin ich zumindest erleichtert, dass genau die Bücher, die mich am wenigsten angesprochen haben und teilweise ja auch sehr dick sind, mir erspart bleiben (Messud, Perry und Powers).





    Die Shortlist:


    Anne Michaels - Held

    Rachel Kushner - Creation Lake

    Samantha Harvey - Orbital

    Percival Everett - James

    Yael van der Wouden - The Safekeep

    Charlotte Wood - Stone Yard Devotional


    4 von 6 gelesen

    3 von 6 richtig getippt


    My Friends nicht auf der Liste (für mich unverständlich) und zwei Bücher die ich schwach fand. Eine etwas enttäuschende Auswahl.