Im Deutschlandradio-Kultur gab es ein Gespräch zum Tode Glissants mit seinem Verleger Manfred Metzner vom Wunderhorn-Verlag.
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Im Deutschlandradio-Kultur gab es ein Gespräch zum Tode Glissants mit seinem Verleger Manfred Metzner vom Wunderhorn-Verlag.
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Eine interessante Besprechung des Buches gab es auch im letzten Literaturclub (Online hier). Der Gast der Sendung, ein Neuropsychologe, hat dieses Mal nicht wie sonst üblich ein eigenes Buch mitgebracht, sondern eben dieses.
Kurzbeschreibung
Ein Musikwissenschaftler tätschelt Hydranten, weil er sie für spielende Kinder hält. Eine 90jährige Frau bekommt plötzlich wieder Appetit auf junge Männer. Ein Student kann eine Zeitlang riechen wie ein Hund – und vermißt es, als es vorbei ist: Eine winzige Hirnverletzung, ein kleiner Tumult in der cerebralen Chemie, und Menschen geraten in eine andere Welt, in die Gesunde nicht vordringen. Oliver Sacks’ Bestseller erzählt von ihnen in 24 faszinierenden Fallgeschichten. «Oliver Sacks hat die medizinische Fallstudie zur literarischen Kunstform erhoben.» DER SPIEGEL
Über den Autor
Oliver Sacks, geboren 1933 in London, praktiziert als Neurologe und ist der Autor von zehn Büchern, darunter «Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte» und «Awakenings, Zeit des Erwachens». Er lebt in New York City und ist Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Columbia University. Weitere Informationen über seine Arbeit finden Sie auf seiner Homepage www.oliversacks.com.
ZitatOriginal von magali
Autorin A schreibt SciFi. Die Vita sagt, sie hat Physik studiert. Unsere innere Ampel schaltet auf 'Grün'.
Autor B schreibt Krimis. Die Vita sagt, er sei mal als Polziereporter unterwegs gewesen. Unsere innere Ampel schaltet auf Doppelgrün.
Autor C schreibt Gedichte. Die Vita sagt, er ist gelernter Heizungsmonteur. Ampel auf rot.
magali
Ich glaube, dass man die Vita von C so in dieser Form niemals lesen wird. Es ist durchaus möglich, dass ich in der Vergangenheit Bücher von Heizungsmonteuren oder Fußpflegern mit Gewinn gelesen habe, nur werden sie entweder irgendwann einmal an einer Hochschule vorbeigelaufen sein, einen Hilfsjob mit Kurisositätsfaktor oder Abenteureranstrich getätigt haben oder aber ihre Biographie wird eben reduziert auf "lebt in Berlin" oder "lebt in Wanne-Eickel". In Einzelfällen wird vielleicht auch mal ein Exemplar aus dem Proletariät zum Liebling der Kulturszene erklärt (Clemens Meyer? Der zugegeben auch Kreatives Schreiben studiert hat). Ein Filmtipp dazu wäre HENRY FOOL von Hal Hartley, in dem ein Müllmann den Literaturnobelpreis gewinnt.
Die "Hausfrau aus Passau" scheint mir ein besonders auf Kinderbücher beschränktes Beispiel zu sein. Nur da wird eine solche Vita tatsächlich als besondere Qualifikation herausgestellt.
Eine orginelle - und für den Autor potentiell lukrative Methode des Korrekturlesens - probiert Science Fiction-Autor und Blogger Cory Doctorow gerade aus.
Wenn man einen Fehler findet und an ihn reportet, wird der Fehler direkt korrigiert (das Buch wird nach dem POD-Verfahren hergestellt) und der Finder des Fehlers wird in einer Fußnote namentlich erwähnt.
Lukrativ für den Autor deshalb, weil Doctorow davon ausgeht, dass der eigene Name im Buch einen Kaufanreiz darstellt.
Das hier ist für mich der Klassiker der "Was wäre wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte"-Romane:
Kurzbeschreibung
Was wäre, wenn Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt hätten? Der große Klassiker der Alternativwelt-Literatur in ungekürzter Neuübersetzung. Mit einem Anhang aus dem Nachlass des Autors.
Einer der bedeutendsten amerikanischen Autoren der letzten Jahrzehnte, ein wahrer Visionär und einer der brillantesten Beobachter der westlichen Alltagskultur: Wenn Sie Philip K. Dick bisher noch nicht für sich entdeckt haben, dann wird es allerhöchste Zeit!
Philip K. Dick lieferte die Vorlagen zu den Filmen „Blade Runner“, „Minority Report“, „Total Recall“, „Paycheck“ und „A Scanner Darkly“.
„Das Orakel vom Berge“ ist Philip K. Dicks vermutlich berühmtester Roman. Er schildert eine Welt, in der die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewannen und die wirtschaftlich verelendeten USA zwischen Deutschland und Japan aufgeteilt wurden. Während die Deutschen in Afrika und zum Teil auch in Amerika ihre rassistische Vernichtungspolitik fortsetzen, zeigen sich die Japaner, die den Westen der USA annektiert haben, als tolerante, zu kultureller Assimilation fähige und auf Partnerschaft hin orientierte Besatzungsmacht. So lassen sie zum Beispiel einen Autor gewähren, der einen allseits beliebten Roman geschrieben hat – einen Roman, der in einem Paralleluniversum spielt, in dem die Alliierten siegreich waren und die Nazis den Krieg verloren …
Mit „Das Orakel vom Berge“ hat Dick nicht nur ein Meisterwerk der Science Fiction geschrieben, sondern auch einen der großen amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts. Das Buch macht uns die Fragilität geschichtlicher Prozesse ebenso deutlich wie unsere Verantwortung dafür.
Wenn man an den Namen "Amelie" und an das französische Kino denkt, denkt man wahrscheinlich unweigerlich an "Die fabelhafte Welt der Amelie" von Jean-Pierre Jeunet. Aber es gibt noch eine Amelie. Eine ganz andere Amelie. Die Amelie, die 2003 in diesem Film von Sylvie Testud, einer meiner Lieblingsschaupielerinnen (hierzulande vor allem bekannt durch ihre Rolle in "Jenseits der Stille), verkörpert wurde und für den Sylvie Testud 2003 mit dem Cesar als bese Schauspielerin ausgezeichnet wurde. Die Amelie, die mit Nachnamen Nothomb heisst und eine bekannte belgische Schriftstellerin ist, die ihre Erfahrungen als Angestellte in einem japanischen Unternehmen in ihrem Roman Mit Staunen und Zittern beschrieben hat.
Wieso dieser Film anscheinend keinen deutschen Verleih gefunden hat ist mir ein Rätsel. Nun habe ich mir den Film auf japanisch mit französischer Off-Stimme und englischen Untertiteln angesehen (was überraschend gut funktionierte). Der Film ist mindestens genauso gut wie der Roman, vielleicht noch besser. Da, wo ich während des Lesens noch gelacht habe, blieb mir hier das Lachen eher im Halse stecken.
Amelie ist in Japan geboren und dann mit ihren Eltern zurück nach Belgien gezogen. Für ihren ersten Job als Übersetzerin kehrt sie aber nach Tokio zurück. Ihre direkte Vorgestetzin ist schön, nett und verständnisvoll, aber ihr Abteilungsleiter überträgt ihr erst einmal ein paar typische Deppenjobs und so verbringt sie die ersten Wochen am Kopierer. Es wird ihre schöne Vorgesetzte sein, die zu ihrem größten Feind wird. Nach nur zehn Wochen hat Amelie eine Aufstiegschance. Ihre Vorgesetztin, die Jahre für ihre Position hart gearbeitet hat, weiß Amelies Aufstieg zu verhindern, und es geht danach karriertechnisch rapide bergab.
Es gibt viele Mißverständnisse in dieser Geschichte, die man durch Ost-West-Widersprüche erklären kann und vordergründig könnte man den Film vielleicht als Anti-Japanisch abtun, aber für mich ist "Mit Staunen und Zittern" in erster Linie eine sehr universelle Geschichte über Mobbing in großen Unternehmen mit klaren Hierarchien.
Die Darstellung von Sylvie Testud ist genial, auch wenn sie sowohl äußerlich als auch von der Mentalität her so überhaupt nicht Amelie Nothomb ähnelt, die mir einen viel exzentrischeren Eindruck macht als das, was Testud hier rüberbringt, mit der man sich gut identifizieren kann.
Teilweise tragisch, teilweise komisch. Für mich einer der besten französischen Filme des letzten Jahrzehnts.
Zu dem Thema fällt mir eine Kurzgeschichte namens THE UNTIED STATES OF AMERICA von Mario Milosevic ein, in der wortwörtlich die USA auseinanderbrechen und die einzelnen Bundesstaaten als Inseln im Ozean aneinander vorbei treiben. Veröffentlicht letztes Jahr im britischen Science Fiction Magazin INTERZONE.
ZitatI sighted land off the eastern cliff. I was doing a standard search of the water, part of my job. I stood on the edge of the precipice of my home state of Washington, the water lapping at the rocks a couple of thousand feet below me, a thin line of white marking the shore line...
Es ist Vermont, das da vorbei schwimmt ![]()
ZitatOriginal von noani*
Und was mir noch auffällt sind die vielen kurze Sätze. Im Grunde ist jeder Satz ähnlich aufgebaut. Versuch doch mal von diesen knappen Sätzen wegzukommen, dann klingt das alles auch nicht so aufgezählt.
Ich denke, dass die kürzeren Sätze eher die Lesbarkeit erhöhen. Lange Bandwurmsätze würden mich eher stören. Die Beschreibung des Zimmers ist einfach zu lang und wirkt dadurch tatsächlich wie aufgezählt (würde ich um zwei Drittel kürzen oder besser über den Text verstreuen). Die Auswahl der beschriebenen Gegenstände ist dabei eigentlich passend gewählt.
Mein Hauptproblem ist die Protagonistin ("es lief alles genauso schlecht vorher", "am liebsten hätte Mila geweint", "fast immer war sie die letzte", "zu Hause brachte ihr das wenig Anerkennung ein" etc.). Zu weinerlich. Zu fatalistisch. So entsteht kein Bezug zu der Figur.
Was die Mutter angeht, so hätte ich ihren Zustand gerne weniger erzählt, sondern mehr handelnd dargestellt gesehen. Vielleicht sie mal durch die Kulisse gehen lassen (sofern ihr Zustand das erlaubt). Generell würde der Geschichte mehr gezeigte Handlung und weniger Erzähltes und Zusammengefasstes gut tun.
ZitatOriginal von Oblomov
Wir sollten auch nicht so realitätsfremd sein, um zu ignorieren, daß es gerade im deutschsprachigen Bereich ein riesiges Angebot an nicht urheberrechtskonformen Büchern im Internet gibt, über die man bei der Suche nach legalen Büchern geradezu stolpert. Das Angebot an diesen Büchern scheint das der Verlage deutlich zu übertreffen, der "Absatz" vermutlich auch. Gerade für Jugendliche mit großem Lesehunger aber eher knapper Kasse ist das natürlich eine attraktive Alternative, zumal man die Bücher ja auch auf anderen Geräten als ebook Readern lesen kann. Vermutlich sind die Jugendlichen heute auch nicht anders als zu meiner Zeit, als man noch Kassetten tauschte. Wenn man heute vom Freund oder der Freundin eine DVD oder einen USB-Stick mit ein paar tausend Büchern bekommt, relativiert sich der Preis für den Reader doch deutlich.
Nun ja, ich stelle mir gerade vor, wie auf der Schule USB-Sticks mit Goethe, Fontane und Tucholsky herumgereicht werden (eine schöne Vorstellung). So großartig wie dieses Angebot auch sein mag, so richtig attraktiv scheint mir das Projekt Gutenberg nun nicht gerade für die meisten Jugendlichen zu sein.
ZitatOriginal von Salonlöwin
Auch wenn Frau Duves Bücher hier im Forum umstritten sind, würde mich eine Meinung zu ihrem neuesten Roman freuen:
Ist das überhaupt ein Roman?
Sie ist heute übrigens bei Anne Will (ARD, 21.45), da geht es wohl auch um ihren Selbstversuch.
Von der Sehnsucht nach der Ferne In Guy Helmingers neuem Roman fügen sich zwei Erzählstränge zu einer großen, universellen Erzählung über das, was Menschen antreibt bei ihrer Suche nach Gemeinschaft und dem guten Leben. Im Frühjahr 1828 macht sich eine Gruppe Luxemburger Landbewohner, darunter die selbstbewusste Bauerntochter Josette, auf den Weg in die Welt. Sie lassen Hab und Gut zurück und schließen sich einem Strom von Auswanderern an, die der wechselnden Herrscher und der schlechten Lebensbedingungen überdrüssig geworden sind. Ihr Ziel: Brasilien. Dort werden Menschen gebraucht, so heißt es, dort könne man neu beginnen. 170 Jahre später, kurz vor der Wende zum 21. Jahrhundert, kommt das Mädchen Tiha mit ihrer Mutter und anderen montenegrinischen Flüchtlingen nach Luxemburg - auch sie haben ihre Heimat aufgegeben und sind einem vagen Versprechen gefolgt. Für keinen von ihnen wird es eingelöst - und doch gibt es für Tiha, die in der Fremde zu einem Teenager reift, und für Josette, die zwar nicht nach Brasilien kommt, aber ihren eigenen Weg findet, kein Zurück mehr in ihr altes Leben..
Relativ neuer Roman über eine junge Frau aus Irland, die nach New York auswandert. Sehr empfehlenswert.
Ich würde mich auch freuen, wenn der Wettbewerb wieder fortgesetzt werden würde. Ich fand die Regeln des alten Wettbewerbs eigentlich fast optimal und würde nicht zu viel ändern. Ein paar Gedanken:
Thema: Eine allgemeine Abstimmung finde ich problematisch (als erstes Thema würde ich "Vampire" voraussehen). Wenn nicht der Sieger das Thema vorgibt (was ich weiter für die beste Lösung halte), dann sollte die Themenfindung zumindest im Kreis der schreibenden Teilnehmer passieren. Wichtig wäre, dass die Themen nicht zu speziell sind und möglichst viele Schreibende ansprechen und inspirieren (oft bieten sich mehrdeutige Wörter an). Und wenn eine Geschichte einmal das Thema verfehlt... so what? Die Geschichte wird dann bei der Bewertung abgestraft und ich würde das alles nicht so ernst nehmen und nicht als generelles Problem der Wettbewerbsregeln ansehen (Stichwort: die Erwartungshaltung etwas herunterschrauben).
Alternative Idee: Was wäre wenn einer der Eulenautoren (was auch immer die offizielle Definition eines selbigen ist) als Pate für eine Wettbewerbsrunde fungieren würde. Der entsprechende Autor könnte das Thema vorgeben und bei der Gelegenheit vielleicht einen kleinen Preis für den Gewinner und/oder für eine zufällig ausgewählte Abstimmungseule im Gegenzug für etwas Eigenwerbung spendieren (Gefahr: Nicht-Fans des entsprechenden Autoren könnten abgeschreckt werden, also die Idee bloß nicht zu weit treiben...)
Zeitrhythmus: Ich persönlich finde einen Monat ganz gut, aber es sieht so aus, als würden viele mehrmonatige Wettbewerbsrunden bevorzugen. Ich glaube, ein guter Mittelweg wäre hier nicht schlecht. Es könnte sich negativ auf die Motivation der Teilnehmer auswirken, wenn zwischen Einreichen des Beitrags und Auswertung ein halbes Jahr liegt... Vielleicht ein zweimonatiger Rhythmus?
Ich habe über die letzten zwei oder drei Wochen 1Q84 in kleinen Häppchen gelesen und überwiegend auch genossen. Murakami entwickelt einen sehr modernen, unterkühlten Ton, der mir gut gefallen und mich in die Geschichte hineingezogen hat, obwohl die Situation der beiden Hauptcharaktere ja eigentlich eher trostlos und negativ ist. Der Ton hat etwas Hotel-Lobby-mäßiges (vielleicht lag das auch an der Lounge Music auf meinem Kopfhörer :grin).
1Q84 ist nicht mein erster Murakami und auch nicht mein zweiter oder dritter. Dieser Roman liest sich etwas anders, es wurde schon angemerkt, dass er ungewohnt für Murakami nicht in in der ersten Person geschrieben ist (obwohl Murakami hin und und wieder in diese Perspektive hineinrutscht) und obwohl Murakami ja fast immer surreale Szenarien beschreibt ist dieser Roman schon fast Genre-Fantasy mit ein wenig Romance (Sushi zum Abendrot sozusagen): zwei getrennte Liebende, die versuchen, in einer phantastischen Welt wieder zueinander zu finden.
Mir hat der erste Teil ausgesprochen gut gefallen. Die Einführung von Aomame als Berufskillerin/Fitnesstrainerin, ihre Streifzüge durch die Hotels Tokios. Und natürlich die aus der Perspektive von Tengo erzählte Geschichte eines literarisches Betruges (die 17-jährige Literaturpreisträgern erinnert ein wenig an eine Popstars-gecastete Helene Hegemann mit Kasper-Hauser-Zügen).
Kurioserweise hat mir dir zweite Teil gerade deshalb weniger gut gefallen, weil hier versucht wird, Antworten auf die im ersten Teil aufgeworfenen Fragen zu finden. Insbesondere Aomame verstrickt sich in endlose Selbstgespräche und die sehr langgezogene Szene, in der sie auf den "Leader" (den Antagonisten des Romans) trifft, halte ich für den Schwachpunkt des Romans. Allgemein ist der zweite Teil eine Spur zu geschwätzig, aber immer noch gut.
Ich bin gespannt auf den dritten Teil. Einen richtigen Abschluß liefert dieses Buch jedenfalls nicht.
ZitatOriginal von Eskalina
Vielleicht hat ja auch jemand einen Tipp, wo man noch englische Titel kaufen kann. (Scheinbar werden die Stores außerhalb Deutschlands ja angehalten, den Verkauf an deutsche Kunden zu unterlassen...)
Ich habe schon länger keine E-Books mehr bestellt, aber die Bestellung über Fictionwise hat immer gut geklappt.
Die ersten 100 Seiten waren schon mal sehr stark.
Kurzbeschreibung
1984. Aomame hat zwei verschieden große Ohren. Beim Rendezvous mit einem reichen Ölhändler zückt sie eine Nadel und ersticht ihn. Ein Auftragsmord, um altes Unrecht zu sühnen. Tengo ist Hobby-Schriftsteller. Er soll einen Roman der exzentrischen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, damit sie einen Literaturpreis bekommt. Der Text ist äußerst originell, aber schlecht geschrieben, ein riskanter Auftrag. Aomame wundert sich, warum die Nachrichten ihren Mord nicht melden. Ist sie in eine Parallelwelt geraten? Um diese Sphäre vom gewöhnlichen Leben im Jahr 1984 zu unterscheiden, gibt Aomame der neuen, unheimlichen Welt den Namen 1Q84.
ZitatDurch die Gitterstäbe sah Dr. Lecter aus dem Augenwinkel Pembrys Kniekehle und die Spitze des von seinem Gürtel hängenden Schlagstocks, als er vor der Zelle stand und die Tür hielt.
Dieser Satz steht irgendwo zwischen Seite 224 und Seite 248 in dem bekannten Roman "Das Schweigen der Lämmer" von Thomas Harris, irgendwo auf den 24 Seiten zwischen Officer Pembrys Erscheinen bis zu seinem gewaltsamen Tod (bei dem sein eigener Schlagstock eine Rolle spielt). Ich habe das Buch vor fast zwanzig Jahren gelesen und damals auch den Film gesehen, an Pembry konnte ich mich definitiv nicht erinnern. Der deutsch-georgische Autor Giwi Margwelaschwili hat dieser Figur einen eigenen Roman gewidmet. Dieser Roman spielt etwa 100 Jahre nach dem Erscheinen von "Das Schweigen der Lämmer", also in der Zukunft, wie ein Science-Fiction-Roman liest sich dieser Roman trotzdem nicht (die Zukunft sieht fast genauso aus wie die Gegenwart).
Gleich auf der ersten Seite spricht der Ich-Erzähler mit dem merkwürdigen Namen Meinleser den Gefängnisbeamten Pembry an. Er macht es kurz: er würde für die PKP arbeiten. Das ist die Abkürzung für die prospektive Kriminalpolizei, die für die Verhinderung zukünftiger, vorbestimmter Kriminaldelikte zuständig ist (der Film Minority Report lässt hier grüßen). Diese Delikte kündigen sich in Büchern an. Pembrys Schicksal wäre in einem Buch namens "Das Schweigen der Lämmer" beschrieben, er solle die relevanten Passagen mal lesen und die Hilfe der PKP in Anspruch, sonst wäre er in Kürze Tod.
Zunächst handelt es sich nur um eine einzelne zufällig erscheinende Namensgleichheit (sonst gibt es keine Parallelen) und für den Ich-Erzähler vollkommen unverständlich erweist sich Pembry als unbeeindruckt und unkooperativ. Etwas später als sich die Parallelen aber doch immer mehr gleichen (Beamte, die in Erscheinung treten, deren Namen im Buch vorkommen, dann die Ankündigung das ein gewisser Hannibal Lecter nach Memphis verlegt wird) bekommt Meinleser dann doch einen Anruf von Pembry. Den Rest des Buches geht es dann um die Verhinderung von Pembrys Tod, die sich krimibibliotechnisch als sehr schwierig herausstellt. Der Akt des Lesens und des Gelesenwerdens wird zum handlungsentscheidenden Element. Meta-Fiction für Fortgeschrittene und bibliophile Quereinsteiger.
Margwelaschwili ist kein großer Stilist. Der Stil ist einfach und nur in der ein oder anderen kreativen Wortschöpfung verspielt (besonders mochte ich "krimibibliobiologische Parallelität"). Ansonsten ist der Roman sehr dialogreich. Die Charakterisierungen sind weniger ausgeprägt (der Ich-Erzähler bleibt über die erste Hälfte des Romans praktisch uncharakterisiert, erst in der zweiten Hälfte entwickelt er Ansätze einer eigenen Persönlichkeit). Im Vordergrund steht aber die Idee, an der der Autor spürbar viel Spaß hatte, und die sich auch auf den Leser überträgt.
Wer Italo Calvino oder die metafiktionalen Krimis von Zoran Zivkovic mag oder einfach nach der Suche nach dem etwas anderen, ausgefallenen Buch ist, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.
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ASIN/ISBN: 3935843909 |
Bei mir geht's jetzt nach Georgien (wahrscheinlich eher in ein fiktives Land, aber der Autor ist Deutsch-Georgier):
Officer Pembry ist überrumpelt – in einem rund einhundert Jahre alten Thriller namens »Das Schweigen der Lämmer« soll seine Zukunft eingeschrieben sein. Er soll einem intelligenten Kannibalen namens Hannibal Lecter zum Opfer fallen, wenn dieser aus dem Gefängnis ausbricht. So jedenfalls behauptet es der Beamte Meinleser von der Prospektiven Kriminalpolizei, der alles andere als verrückt zu sein scheint. Pembry muss also, um seinem Schicksal entgehen zu können, zur Lektüre greifen, und das Buch gegen den Strich lesen, um seine Haut zu retten. Giwi Margwelaschwili legt erstmals seit zehn Jahren wieder einen Roman über die «Lese-Lebenswelt« vor, ein intelligentes Spiel mit Lesewirklichkeiten und der Bedeutung von Lektüre für die Leser und die Gelesenen. »Officer Pembry« ist ein spannender SciFi-Krimi und zugleich literarischer Hochgenuss.
Kurzbeschreibung
Tom McCarthy begibt sich auf eine abenteuerliche Reise in das Universum von »Tim und Struppi«. Spielerisch verknüpft er biografische, politische und literaturtheoretische Zugänge und zeigt, dass »Tim und Struppi« den großen Werken der Weltliteratur in nichts nachsteht.