Zitat
Original von Karl Olsberg
Wenn man Bücher primär nach ihrem Neuheitswert beurteilen würde, dürfte niemand Krimis lesen und Henning Mankell hätte als Schriftsteller nichts verloren, denn schließlich ist die Geschichte "Mann bringt jemanden um, Kommissar verfolgt und überführt ihn" schon mindestens eine Million mal erzählt worden. Trotzdem unterscheiden sich Mankells Krimis in vielen Details von den meisten anderen, und ich hoffe, dass auch ich das eine oder andere eigene Element in die Geschichte eingebracht habe.
Ich habe an der Leserunde nicht teilgenommen. Ich hoffe, ich darf dies trotzdem kurz kommentieren. Prinzipiell stimme ich dieser Aussage zu und ich sehe auch gewisse Ähnlichkeiten von "Das System" mit anderen Büchern unproblematisch, nur möchte ich trotzdem eine Lanze für Originalität in der Literatur brechen. Natürlich sind die Plot-Gerüste begrenzt (wie in dem Beispiel "Mann bringt jemanden um, Kommissar verfolgt und überführt ihn"). Darauf aufbauend gibt es aber praktisch unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten und wie du ja selber schreibst, es kommt auf die vielen Details an, und ich denke mal, dass diese es sind, die die Autoren interessieren und herausfordern, oder?
Ich sehe gewisse Ähnlichkeiten in der Software-Entwicklung. Scott Rosenberg schreibt in "Dreaming in Code" (sehr zu empfehlen!):
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The only software worth making is software that does something new
Auch in der Software-Entwicklung ist es schwierig die "Killer App" zu entwickeln, die etwas vollkommen Neues tut, aber im Rahmen eines bestimmten Typs von Anwendungen gibt es Variationsmöglichkeiten (besonders ergonomische Benutzerführung o.ä.) Nur ist das was in der Literatur noch hinzukommt das unterschiedliche "Wie" des Erzählens auch einen Neuheitswert darstellen kann.