Beiträge von Googol

    Nachtrag zu dem kostenlosen Download von UPLOAD. Offenbar hat der Übersetzer Michael Iwoleit der kostenlosen Bereitstellung (und der Creative Commons Lizensierung) nicht zugestimmt bzw. wurde noch nicht einmal von dem Vorhaben und letztendlich der Bereitstellung als Download in Kenntnis gesetzt. Das macht dieses Verbreitungsmodell dann doch rechtlich mehr als fragwürdig, da dies eigentlich die Urheberechte des Übersetzers verletzt.


    Mehr dazu hier.


    Schade, dass Heyne sich da offenbar so unprofessionell verhalten hat, denn eigentlich halte ich sehr viel von diesem Lizensierungsmodell, das aus meiner Sicht den Autoren mehr Vorteile als Nachteile bringt.

    Jetzt ist auch Doctorows zweiter Roman Eastern Standard Tribe auf deutsch offenbar noch kurz vor der Taschenbuchausgabe als kostenloser Download verfügbar. Der deutsche Titel ist UPLOAD. Ich habe die englische Ausgabe im letzten Monat gelesen und die Höchstnote gegeben.


    hier

    Wenn ich z.B. einen potentiellen Neuheitswert von "Das System" ewähnen darf (obwohl ich z.B. Philip Kerr nicht kenne): die glaubhafte Schilderung der Software-Branche. Oder aber Hamburg als Schauplatz. Das kann z.B. für einen Software-Entwickler, der in Hamburg gelebt hat, einen gewissen Leseanreiz darstellen, der das Buch von ähnlichen seiner Art abhebt.

    Zitat

    Original von Karl Olsberg


    Wenn man Bücher primär nach ihrem Neuheitswert beurteilen würde, dürfte niemand Krimis lesen und Henning Mankell hätte als Schriftsteller nichts verloren, denn schließlich ist die Geschichte "Mann bringt jemanden um, Kommissar verfolgt und überführt ihn" schon mindestens eine Million mal erzählt worden. Trotzdem unterscheiden sich Mankells Krimis in vielen Details von den meisten anderen, und ich hoffe, dass auch ich das eine oder andere eigene Element in die Geschichte eingebracht habe.


    Ich habe an der Leserunde nicht teilgenommen. Ich hoffe, ich darf dies trotzdem kurz kommentieren. Prinzipiell stimme ich dieser Aussage zu und ich sehe auch gewisse Ähnlichkeiten von "Das System" mit anderen Büchern unproblematisch, nur möchte ich trotzdem eine Lanze für Originalität in der Literatur brechen. Natürlich sind die Plot-Gerüste begrenzt (wie in dem Beispiel "Mann bringt jemanden um, Kommissar verfolgt und überführt ihn"). Darauf aufbauend gibt es aber praktisch unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten und wie du ja selber schreibst, es kommt auf die vielen Details an, und ich denke mal, dass diese es sind, die die Autoren interessieren und herausfordern, oder?


    Ich sehe gewisse Ähnlichkeiten in der Software-Entwicklung. Scott Rosenberg schreibt in "Dreaming in Code" (sehr zu empfehlen!):


    Zitat

    The only software worth making is software that does something new


    Auch in der Software-Entwicklung ist es schwierig die "Killer App" zu entwickeln, die etwas vollkommen Neues tut, aber im Rahmen eines bestimmten Typs von Anwendungen gibt es Variationsmöglichkeiten (besonders ergonomische Benutzerführung o.ä.) Nur ist das was in der Literatur noch hinzukommt das unterschiedliche "Wie" des Erzählens auch einen Neuheitswert darstellen kann.

    Mir fehlen ein wenig die Erfahrungswerte, aber ich würde mir nur Sorgen über die allgemeine Qualität machen wenn sich der Trend fortsetzen würde. Ein schwächerer Monat zwischendurch fällt über einen längeren Zeitraum betrachtet doch kaum ins Gewicht. Ich bin gespannt auf den nächsten Monat.

    Und hier gibt es den Roman im englischen Original. Persönlich fand ich Eastern Standard Tribe (demnächst auch bei Heyne als UPDATE) besser.


    Cory Doctorow liest übrigens auf der LitCologne. Wer also seinen Eigen-Ausdruck signieren lassen möchte... ;-)

    Ich fand zwei Stories punktewürdig:


    Erdbeerzeit habe ich drei Punkte gegeben.


    Zitat

    Soll skurril sein, aber dafür wird die Geschichte zu ernst genommen.


    Die Kombination aus Skurrilität und Ernsthaftigkeit ist gerade das, was mich an Geschichten dieser Art anspricht. Fang mit einer abgefahrene Idee an und tue so als würde das in einer Art internen Logik Sinn machen. Ich bin mir nicht sicher, ob das hier 100%ig gelungen ist, aber gute Ansätze sind zumindest zu erkennen.



    Über Reklame, Vertreter und die Anwälte Miriams bekam zwei Punkte. Auch ganz brauchbar.

    Ich mochte den Roman. Die Grundidee ist interessant, die Umsetzung teilweise sehr unterstrukturiert und abschweifend, aber mich hat die Geschichte und der Stil angesprochen. Erinnerte mich ein wenig an "You Shall Know Our Velocity" von Dave Eggers.

    Ein spektakulärer Anfang mit einem skurrilen Todesfall wie in einer Episode von Six Feet Under. Auch der Rest liest sich gut, wenn auch weniger spektakulär, aber durchgehend originell. Ein wenig kühl und den Leser auf Distanz haltend (was allerdings passend zum skandinavischen Schauplatz ist). Ich kann mich eigentlich nur der Rezi anschließen. Insbesondere der Empfehlung für eine mögliche Leseprobe. Überhaupt fand ich die medizinischen Szenen sehr interessant.

    Ihr scheint ja teilweise sehr wertvolle Stücke in euren Privatbibliotheken zu haben, aber was ist der höchste Preis, den ihr je z.B. für eine alte Erstausgabe ausgeben habt? Aus reinem Luxus, nicht aus Notwendigkeit.


    Ich interessiere mich für eine bestimmte Erstausgabe aus den 20ern. Ich möchte nicht mit dem Sammeln anfangen, es geht mir eigentlich nur um dieses spezielle Buch, das ich sehr schätze.


    Woran kann man eigentlich feststellen, ob ein Preis für eine Erstausgabe angemessen ist? In diesem speziellen Fall habe ich über abebooks nur ein Angebot gefunden. Es fehlen mir also die Vergleichsmöglichkeiten.


    Danke.


    - googol.

    Meinen Lieblingsautor Jonathan Lethem habe ich mit seinem Roman Amnesia Moon für mich entdeckt, der in dem Katalog eines britischen Vesandladens für Science Fiction folgendermassen angepriesen wurde:


    Zitat

    Since the war and the bombs, Hatfork, Wyoming, is a sick town, full of mutants and sexual deviants. Chaos lives in the projection booth in the abandoned Multiplex, trying to blot out his present, unable to remember his past. Then the local tyrant, Kellogg, reveals to him over a can of dog food in the desert that the bombs never fell.


    Das fand ich irgendwie ansprechend :grin. Muss so ungefähr 1995 gewesen sein.


    Dreizehn Jahre später ist aus Lethem ein respektabler Autor geworden, der in Deutschland auf Lesereisen geht, gute Kritiken in diversen Zeitungen und in 3Sat Kulturzeit bekommt, einen National Books Critics Circle Award und einen McArthur "Genius" Grant erhalten hat.


    So wird er heutzutage beworben:


    Zitat

    Komisch und teilnahmsvoll beschreibt Jonathan Lethem in dieser romantischen Farce die Paradoxien der Liebe, die sich zwischen den Mitgliedern einer aufstrebenden Rockband in Los Angeles abspielen. Der Roman handelt von geistigem Eigentum und seelischer Abhängigkeit, mit einem leisen Anklang an den Sommernachtstraum, der die Bandbreite Jonathan Lethems eindrucksvoll vor Augen führt. Ein subversiver Roman über Oberflächlichkeit und Tiefe in der Liebe.


    - googol

    Wie wär's hiermit? Nicht gelesen. Allgemein weniger an Vampir-Romanen interessiert, aber hiervon habe ich schon gehört.


    Wohl eher wie Tarantino und weniger wie Stephenie Meyer :grin


    - googol.

    Ich habe den Roman gerade beendet. Sehr schönes Buch. Am besten fand ich die ersten ca. 250 Seiten, die ich in einem Rutsch gelesen habe (war allerdings eine Zugfahrt). Für meinen Geschmack hätte die Auflösung nicht so ausführlich sein müssen, aber trotzdem gibt es von mir die Höchstnote.


    Ich kann übrigens einen ähnlichen Roman eines mexikanischen Autoren empfehlen. Schatten ohne Namen von Ignacio Pallida. Wesentlich kürzer (irgendwas zwischen 200-300 Seiten) und somit weniger "schmökermäßig" und es geht auch weniger direkt um Bücher, allerdings gibt es einige Parallelen was Identitätswechsel und Lesertäuschungen angeht. Der deutsche Titel ist übrigens eine Übersetzung des englisch-amerikanischen Titels, der nichts mit dem Originaltitel zu tun hat. Die Vermutung liegt also relativ nah, dass man da vom Erfolg von Ruiz Zafons Roman profitieren wollte, aber ich denke nicht, dass der Autor während des Schreibens direkt beeinflusst wurde.

    Irgendwie wundert es mich nicht, dass du eher aus der Lyrik kommst. Sprachlich finde ich den Text gut. Sehr schöne Beschreibungen.


    Wo es für mich hapert ist der Plot. Ich denke das Ende müsste der Anfang sein oder zumindest sollte in den ersten Absätzen ein Problem erkennbar sein oder zumindest angedeutet werden (in medias res sozusagen). Denke ich zumindest.


    Aber wie gesagt: sehr schöne Beschreibungen und ich mag wie die Duschszene in die Regenszene übergeht. Sehr schöne Dopplung. Der Hauptfigur prasselt praktisch permanent Wasser auf den Kopf.

    Noch nicht gelesen. Bisher wohl auch nur auf englisch, aber mir haben einige ihrer nicht-biographischen Romane und Erzählbände sehr gefallen.


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