Beiträge von Britt

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    Original von Nightflower
    Finde es wie gesagt nur ein wenig seltsam, dass die Persönlichkeiten sich wohl fast komplett untereinander kennen...


    Tun sie das denn? Sina kennt doch lediglich Rambo und Maria. Das sind wirklich nicht viele, wenn man bedenkt, dass der Großteil ihrer Spaltpersönlichkeiten aus Übersichtlichkeitsgründen im Buch gar nicht vorkommt. :lache


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    Es ist einfach in dem Fall eine sehr individuelle Abneigung gegen dieses Thema bei mir entstanden. Da kannst du ja nix dafür, dass du jetzt "die Letzte" bei mir mit dem Thema bist.


    Naja, dafür kannst du schließlich auch nichts. Es ist ja logischerweise auch so, dass das für den Leser ein Buch wie viele andere und Unterhaltungsliteratur ist, und Vielleser erwischen sicherlich immer mal wieder eines dieser Art. Ich kenne das ja selbst; als Jurorin für den Delia-Preis, erwische ich auch immer wieder Bücher zum selben Thema und irgendwann kann ich's nicht mehr sehen. Insofern kann ich dich wirklich verstehen. :knuddel1
    Aus Sicht des Autors sieht das natürlich wieder ganz anders aus. ;-) Ich habe dieses Buch ja auch nicht geschrieben, um besonders originell zu sein, sondern weil es mir eine Herzensangelegenheit war.

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    Original von Nightflower
    Also normalerweise (jedenfalls laut ICD-10) wissen die Persönlichkeiten meistens nichts voneinander. Und wenn, dann ist es eher wie Stimmen hören, sodass die Leute oft denken, dass sie verrückt werden (also sozusagen schizophren). Dass sie so miteinander reden, ist mir total neu. Wo hast du das her, dass es das gibt Britt? Finde es sehr befremdlich... kann mir eher vorstellen, dass das vorkommt, wenn man in Therapie ist und "merkt", dass es da eben noch andere in einem gibt und man sie kennenlernen will...


    Nun ja, ich kenne eine Betroffene, die einige ihrer "Leute" schon kannte, lange bevor sie mit einer Therapie anfing. Von ihr habe ich das Manuskript auch vorab lesen und auf Authentizität prüfen lassen. Ich habe mich die letzten Jahre sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt, und ja, ich weiß, dass es alles unglaublich und unwahrscheinlich klingt. Mir war auch klar, dass das Buch sehr kontrovers diskutiert werden wird. Und gerade mit den Klischees, die man aus Film und Fernsehen und reißerischen Thrillern kennt (ich weiß, dass es dort sehr gern - aber nicht unbedingt realitätsnah- verwendet wird, wollte ich mit diesem Buch unbedingt aufräumen.


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    Vermutlich geht es nur mir so, aber ich bin leider ein wenig enttäuscht, dass es doch um multiple Persönlichkeiten geht, weil ich einfach zu viel darüber gelesen hab in Krimis/Thrillern und das Thema schon ausgelutscht finde. :-( Und weil es der Häufigkeit der Krankheit einfach nicht gerecht wird...


    Zur Häufigkeit der Krankheit: Sie entspricht durchaus der der Schizophrenie. Ich weiß, die Experten sind da uneinig, aber meines Erachtens liegt das daran, dass es immer noch zu viele Fehldiagnosen gibt. Wenn ich sehe, wie viele Betroffene sich allein in dem Internet-Forum rumtreiben, in dem ich unterwegs bin ...
    Das z.B. schreibt das Ärzteblatt dazu:


    "Noch 1997 schreibt Prof. Dr. med. Rainer Tölle im Deutschen Ärzteblatt (DÄ): „Die sogenannte multiple Persönlichkeit oder dissoziative Identitätsstörung [. . .] ist selten, und es wird kontrovers diskutiert, in welchem Ausmaß sie iatrogen oder kulturspezifisch ist.“ (1) Dies ist heute eindeutig widerlegt. Dr. med. Ursula Gast und Kollegen nennen 2006, ebenfalls im DÄ, Prävalenzzahlen von 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung (2). Das entspricht der Häufigkeit der Schizophrenie. Fünf bis zehn Prozent der Patienten in psychiatrischen Kliniken leiden unter einer dissoziativen Identitätsstörung. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie fehldiagnostiziert werden, ist relativ hoch. Stimmen hören, ist nicht gleich Stimmen hören."

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    Original von Miss Booknerd
    Danke Britt für die ausführliche Info :knuddel1
    Ich kann mir gut vorstellen, dass eine multiple Persönlichkeit für jeden Therapeuten eine große Herausforderung darstellt. Wenn man bedenkt, dass ja mehrere Personen gleichzeitig in Einklang gebracht werden sollen und sich auch nicht jede Person kooperativ verhält...
    Wahrscheinlich braucht es auch Jahre, um überhaupt Erfolge zu erzielen? Kann ein Betroffener überhaupt ein einigermaßen geregeltes, selbständiges Leben führen?
    Ich finde das Thema gerade hochinteressant aber auch wahnsinnig erschütternd, wie schwer es für einen Multiplen sein muss, den passenden Umgang miteinander zu finden.


    Ja, es lässt sich auch nicht jeder Therapeut darauf ein. Die wirklich Guten sind angeblich dünn gesät. Und du hast recht, es ist eine sehr langwierige Angelegenheit.


    Trotzdem gibt es Betroffene, die recht gut damit umgehen können. Bei denen man es kaum merkt, wenn man sie nicht sehr gut kennt. Vielleicht wundert man sich, dass sie sich öfter mal widersprechen oder beim Reden den Faden verlieren, und ahnt gar nicht, wie viel Kraft es sie kostet, die ganze Zeit, die sie in der Öffentlichkeit sind, die Fassade zu wahren.
    Es gibt Betroffene, die leben in Partnerschaften, sind verheiratet und berufstätig. Manche führen ein nahezu "normales" Leben, andere werden von einer Klinik zur nächsten gereicht und mit Medikamenten vollgestopft, besonders wenn sie an einen Therapeuten geraten, der sie für schizophren hält. Ich glaube, es gibt da sehr viele Abstufungen, je nachdem, wie gut man sich mit seinem Vielesein arrangiert hat und wie die Umwelt damit klarkommt.

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    Original von Miss Booknerd
    Hannahs Ausführungen über multiple Persönlichkeit fand ich unglaublich interessant. Der Unterschied zur Schizophrenie war mir bisher gar nicht so deutlich bewusst. Besteht bei Betroffenen denn überhaupt die Möglichkeit, jemals durch Therapie und psychologische Betreuung geheilt zu werden? Oder kann Betroffenen nur dabei geholfen werden, irgendwie damit in ihrem Leben umzugehen? Das würde mich ja mal interessieren.


    Wirklich heilbar ist es nicht. Es gibt aber die Möglichkeit, verschiedene Persönlichkeisanteile zu "fusionieren" und zu einer Person werden zu lassen. Manche Therapeuten sehen das als das endgültige Ziel der Therapie an. Allerdings halten die meisten Multiplen nicht sehr viel davon, aus dem Grund, weil diese Persönlichkeiten dann ihr Ego aufgeben müssten, ihre Individualität würde verloren gehen. Es gibt ja dieses Gleichnis mit der zerbrochenen Vase und der Möglichkeit, die einzelnen Scherben wieder aneinanderzukleben. Was man dabei nicht berücksichtigt ist, dass die Scherben nach dem Zerbrechen Individuen sind und sich weiterentwickeln, jeder für sich. Mir hat es eine Betroffene mal so erklärt:
    Stell dir keine Vase vor, die zerbricht, sondern lieber einen Rosenstrauch. Wenn man den teilt, wächst jeder Trieb für sich allein weiter, verändert seine Form und wird eine eigenständige Pflanze. Wenn man die Triebe dann wieder zusammenbringen will, wird es nie wieder die Pflanze, die sie einmal war.


    Was man in der Therapie allerdings erreichen kann, ist das Kennenlernen der Persönlichkeitsanteile untereinander, die anderen zu akzeptieren und sich mit ihnen zu arrangieren. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um Co-Bewusstsein herstellen zu können. Das wiederum ist nötig, um nicht immer "ausgeschaltet" zu werden und ständig Blackouts zu erleben, wenn gerade jemand anderes "vorn" ist. Ich glaube, das ist eines der größten Probleme von Betroffenen, die ständigen Zeitverluste.
    Aber eine vollständige "Heilung" gibt es meines Wissens nicht.


    Ich finde es übrigens wahnsinnig interessant, in eure Köpfe schauen zu können und die Gedanken und Vermutungen verfolgen zu dürfen, die ihr beim Lesen habt. Das ist unbezahlbar.

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    Original von Sabine_D
    Übrigens Britt, bei euch werden die Soko Vorräte aber schnell ersetzt. Erst hat Verena Hunger und die Vorräte sind erschöpft und dann kurze Zeit später futter sie mit Hannah Reiskekse aus eben diesen Vorräten. ;-)


    :yikes


    Die Dinger gibt es aber tatsächlich hin und wieder in unserer Kantine. Da kann man ja mal schnell runterflitzen, oder? Puuuh, da hab ich ja gerade noch die Kurve gekriegt. :rofl

    Im nächsten Jahr mit Sicherheit nicht, da ich bis Februar 2017 noch für die Jury für den Delia-Literaturpreis lesen muss (will!). Das alles in der Freizeit, neben dem Hauptjob, da bleibt keine Zeit zum Schreiben. Es sei denn, mir schenkt jemand den Zeitumkehrer von Hermine Granger. ;-)

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    Original von Sabine_D


    Jo, und das ist eines von denen, die ich abgebrochen habe ;-)


    Wirklich schade, ich muss allerdings gestehen, dass ich auch ein paar Anläufe gebraucht habe. Es ist wahrlich keine leichte Kost und erfordert einiges an Konzentration. Umso beeindruckter ließ es mich zurück.

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    Original von Sabine_D
    Sage mal Britt, auf Seite 286 steht, dass die Kollegen von verena unterwegs sind die Speichelproben zu entnehmen. Haben die das nicht schon im 1. oder 2. Kapitel erlegt? Da hat doch Verena extra Kollegen zu Uwe geschickt um das nicht selber machen zu müssen. Die wurden doch nicht doppelt entnommen?


    Da musste ich jetzt gerade selbst nachschauen. Du hast recht! Es fehlten nur noch die Proben der Bühnencrew, die der Musiker waren schon komplett. Tja, erwischt. Tausendmal gelesen und weder mir, noch den Testlesern noch dem Lektorat ist es aufgefallen. :bonk

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    Original von hoffnung
    Wie kommt man als autor eigentlich dazu, eine geschichte mit einer figur die so eine persönlichkeitsstörung hat, zu schreiben?


    Indem man selbst einen Krimi zum Thema liest und davon so beeindruckt ist, dass man mehr wissen will und anfängt, zu hinterfragen. Das war vor zehn Jahren. Seitdem trage ich mich mit dem Gedanken, das Thema in einem meiner Krimis zu verarbeiten. Hab mich lange Zeit nicht rangetraut, weil mir klar war, wie schwierig das wird. Ich habe in der Zeit aber viel recherchiert und hatte auch sehr kompetente Hilfe dabei.


    Das Buch, das diese Lawine ins Rollen brachte, hab ich übrigens in der Geschichte versteckt. Als Verena sich Sinas Zimmer ansieht, liegt es dort unter dem Kopfkissen. ;-)

    Nein, bei der Arbeit ist mir so etwas noch nicht begegnet. Ich hatte schon einige "Klienten" mit paranoider Schizophrenie (das ist auch echt krass), aber Multis, nicht dass ich wüsste.
    Ich kenne aber eine Betroffene persönlich und bin in einem Internetforum für Multis und ihre Angehörigen, da kriegt man auch so einiges mit. Wenn du dann noch all die Bücher dazunimmst, die ich in den letzten Jahren zum Thema gelesen habe, entwickelst du irgendwann so viel Empathie, dass das Thema dir ganz automatisch am Herzen liegt.


    In den meisten Filmen und Thrillern werden Betroffene ja auch nicht unbedingt sehr realistisch dargestellt. Da ist oft Effekthascherei dabei, vieles wird um der Wirkung Willen sehr reißerisch überzogen und ins Extrem getrieben. Ich bin auch von Betroffenen aus dem Forum gebeten worden, nicht auch in diese "Multis-sind-unberechenbar-und-hochgefährlich"- Kerbe zu schlagen, sondern mit dem Buch da möglichst ein bisschen gegenzusteuern und das Bild der Multiplen in der Öffentlichkeit zurechtzurücken. Was mir auch selbst ein echtes Anliegen war.


    Für Leser, die mit dieser Diagnose vertraut sind, habe ich sicherlich recht viel übererklärt. Meine Lektorin, für die die Materie relativ neu war, und die mit meiner ersten Manuskriptfassung arge Probleme hatte, hat aber großen Wert darauf gelegt, dass schließlich auch Leser durchblicken, die sich vorher noch nicht mit dissoziativen Identitätsstörungen auseinandergesetzt haben. Ich war wirklich froh, dass Verena eine Freundin hat, die Psychologin ist, und die ich sozusagen dafür einsetzen konnte, viele diese Informationen zu transportieren.

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    Original von Miss Booknerd
    Ja, für meinen Geschmack ging mir das alles auch viel zu schnell. Wenn das mal gut geht... :gruebel
    Nicht auszudenken, wie Tribergs Reaktion ausfällt, wenn er davon erfährt :lache



    Ja, ich hätte ihr auch gern ein paar Tage mehr Zeit gegeben, aber diese schnelle Entwicklung war der Dramaturgie geschuldet. ;-)
    Ihr müsst bedenken, wie lange Verena keinen Mann mehr hatte. Und sie musste doch zuschlagen, bevor der Kellner im Café Planie ihn sich schnappt. :lache

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    Original von Tea-Bag
    Wieso gibt es denn deine Bücher über Thea, zumindest das eine, nur noch in Antiquariate? Meine Bücherei hat sie leider nicht, auch nicht in der Onleihe :-(


    Weil sie vergriffen sind und der Verlag keine Neuauflage plant. Ich habe von drei der vier Bücher inzwischen die Rechte zurückbekommen. Teil 3 ist noch lieferbar, und solange man ihn kaufen kann, liegen die Rechte beim Verlag.
    Ich würde sie gern noch mal auflegen lassen und plane mit meiner Agentin, sie zumindest noch mal als E-book anzubieten. Und natürlich wäre es am besten, man bietet alle vier komplett an. Aber dazu bräuchte ich erst jemanden, der die Restauflage vom "Traum vom Tod" aufkauft. :lache


    Ja, ich denke schon, dass ich die Katze aus dem Sack lasse. Leser, die auf dem Gebiet völllig unbedarft sind, knallen sonst nach dem Prolog das Buch frustriert in die Ecke, weil sie glauben, die Autorin will sie verarschen. :pille
    Man kann auch wirklich keine gescheite Buchvorstellung schreiben, wenn man dieses Detail zurückhalten will. Sie würde sowas von kryptisch werden, oder total nichtssagend, ein besserer Klappentext. Die Initiatorin der Bloggtour ist im Moment auch dafür, dass wir es offenlegen. Mal gucken, wie ich das mache.

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    Original von Tea-Bag
    Der letzte Abschnitt hat nochmal einen drauf gelegt. Ich bin immer noch ganz geflasht und weiß noch nicht, wie ich das in Worte fassen soll.


    Darauf hatte ich es angelegt. Schön, dass es geklappt hat. :lache


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    Ich frage mich, ob das im nächsten Band (den wird es ja hoffentlich geben) noch folgen für Verena hat, dass sie einen Zeugen vernascht hat. Immerhin braucht Terzenbach nur seinen Mund aufzumachen oder aber Lola.


    Wer soll Terzenbach denn glauben, wenn er so was behauptet? Man würde davon ausgehen, dass er sich an der Polizistin, die ihn und seine Sekte auffliegen lassen hat, rächen will. Ich bin sicher, er ist nicht so dumm, das zu riskieren.
    Lola hätte absolut keinen Vorteil davon. Und ich gehe auch davon aus, dass Hannah und die anderen das kleine Biest in der Therapie besser in den Griff kriegen. ;-)


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    Aber Ursula Lohmann ist doch eine Hexe.


    Ja, der Vorname ist kein Zufall. Auch nicht die Namen ihrer beiden Haustiere. Das versteht jetzt natürlich nur, wer Arielle, die Meerjungfrau kennt. Katz ist in dieser Hinsicht natürlich topfit. :grin


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    Wie ist es eigentlich mit der anderen Frau von Strobel, die in Heidelberg (?) wohnt und auch eine Tochter hat? Da wurde gar nicht mehr drüber geschrieben. :gruebel Die hat er dann vermutlich auch vergewaltigt?!


    Ich habe das absichtlich so stehen lassen, dass sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen kann. Wirklich wichtig für den Ausgang der Geschichte ist es ja nicht. Aber was du vermutest, liegt natürlich nahe.


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    Etwas schönes hat das Ende aber: Schön das Thea und Macho Messmer das Kind bekommen wollen und zwar gemeinsam und wie süß, dass der größte Macho zugibt, dass er seine Thea nicht teilen will. Putzig.


    Hach, wenn du wüsstest, was er schon für ein Eifersuchtsproblem mit Theas Kater hatte! (Nachzulesen in "Zimmer ohne Aussicht", momentan aber nur noch über Antiquariate zu haben.)


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    Puh, die Rezi wird ganz schön schwer, weil man aufpassen muss, dass man absolut nichts verrät. Ich muss da noch drüber nachdenken. :gruebel


    Ich soll gerade für eine Blogtour, die nächste Woche startet, eine Buchvorstellung schreiben und stehe vor demselben Problem. :-(
    Da ich jetzt aber gelesen habe, dass ihr eigentlich alle ziemlich schnell auf dem richtigen Dampfer war, und das Wissen um Sinas Multipelsein der Spannung keinen Abbruch getan hat, werde ich diesbezüglich die Katze wohl aus dem Sack lassen. Wer sich mit Multis ein wenig auskennt, weiß es sowieso gleich im Prolog. Wer nicht, dem hilft das Vorab-Wissen vielleicht über die schlimmste Verwirrung am Anfang hinweg. :grin



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    Vielen Dank Britt, dass du die Leserunde so aufmerksam begleitest und wir dich mit unseren Fragen löchern dürfen. :knuddel1


    Ich hab zu danken, dass ich während des Lesens in eure Köpfe schauen darf. Immer wieder gerne! [/quote]

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    Original von Tea-Bag
    Okay, wenn ich nicht direkt darauf gekommen wäre auf die Persönlichkeitsstörung und würde so verwirtrt die erste Hälfte des Buches lesen, ich weiß nicht, ob ich mich dann für bekloppt gehalten hätte :lache Denn dann muss es ja wirklich sehr verwirrend sein vor allem durch die "vielen" Namen.


    Und dass zuerst Gina die Inliner anhat und plötzlich Dolores damit ausrutscht, das hat ihr den Rest gegeben :lache


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    Original von Tea-Bag
    Wie kann man eigentlich Testleserin werden? Oder gibt es da keine Möglichkeit? :grin


    Ach, die gibt es immer. :grin Testleser kann man nie genug haben. Ich nehme jeden, der "hier!" schreit, allerdings geht die Vergütung über ein signiertes Freiexemplar nicht hinaus, solange ich keinen Weltbestseller lande. :chen


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    Sprechen deine Figuren mit dir und helfen dir bei den Büchern? Bezugnehmend zu deinem Satz:"Aber sie wollte es ja so." :-)


    Manchmal ist das tatsächlich so. Nun habe ich ja Verena beim Schreiben von "Blutopfer" schon sehr gut kennengelernt, und mir war klar, die ist unverbesserlich. Sie weiß es besser, kann aber nicht anders, als ihrem Gefühl zu folgen. Das macht einfach ihren Charakter aus. Somit war eigentlich klar, worauf es hinausläuft, als sie sich nach vielen Jahren endlich mal wieder verliebt, zumal sie das selbst nicht für möglich gehalten hätte. Es kann nur Probleme geben. ;-)


    Apropos Protagonisten sprechen zu Autoren: Es geht tatsächlich nicht nur mir so. Andrea Camilleri hat mal eine Kurzgeschichte geschrieben, in der er selbst nachts am Schreibtisch sitzt, und plötzlich klingelt das Telefon. Sein Protagonist, der Commissario Montalbano ist dran und beschwert sich lautstark bei seinem Autor, was der ihm in dem neuen Roman für eine Rolle zugedacht hat, sowas würde er nie tun! :rofl

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    Original von Tea-Bag
    @ Britt: Wie bist du auf dieses Thema gekommen und wie hast du das während des Recherchierens und Schreibens verarbeitet? Das ist doch ziemlich schwer verdaulich.


    Kann man so sagen. Das Bedürfnis, über Multis zu schreiben, schleppe ich schon sehr lange mit mir herum, schon mehrere Jahre. Da mir klar war, dass das nicht leicht wird, hab ich es lange vor mir hergeschoben und mich einfach nicht ran getraut. Als ich schließlich den Entschluss gefasst habe, weil es in meinem Kopf einfach keine Ruhe gab, war mir klar, dass ich sehr umfassend recherchieren muss. Ich habe massenhaft Bücher gelesen, Romane wie auch Fachliteratur, unter anderem das Standartwerk von Michaela Huber, sie ist Psychologin und eigentlich die Koryphäe auf dem Gebiet dissoziative Identitätsstörungen. In ihrem Buch "Multiple Persönlichkeiten" stieß ich auf ein Kapitel über rituelle Gewalt.


    Mir ging es genauso wie dir, ich war völlig schockiert. Dachte, die Frau spinnt, das kann es doch gar nicht geben. Dann hab ich angefangen zu googeln, saß fassungslos wie Verena vor dem Rechner und habe entdeckt, dass die Frau keinesfalls spinnt. Diese Dinge passieren. Es weiß nur kaum jemand, weil niemand drüber spricht. Ich finde aber, man muss darüber sprechen, sonst machen die Täter ja fröhlich weiter.
    Die Entscheidung, das Thema in das Buch einzubinden, war keine Leichte. Ich war sicher, das ist alles eine Nummer zu groß für mich. Ich wollte ursprünglich nur Sinas Geschichte erzählen und die ganze rituelle Gewalt ganz schnell wieder vergessen. Aber denkste, da war plötzlich Henriette in meinem Unterbewusstsein und flüsterte die ganze Zeit "Erzähle es!" Sie hat mich einfach nicht in Ruhe gelassen.


    Schließlich habe ich mich für einen Kompromiss entschieden. Ich habe mich darauf eingelassen, aber die entsprechenden Szenen nur "von außen" geschildert. Das heißt, diese Dinge werden "nur" durch Dritte erzählt (wie z. B. hier durch Jan) aber es gibt keine lebendigen Szenen, bei denen man direkt dabei ist, wie so etwas abläuft. Das wollte ich mir und den Lesern ersparen. Es ist so schon heftig genug. Und schließlich soll es ein Kriminalroman sein, kein Thriller.


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    ...Britt, hier hast du das Innenleben gut beschrieben und auch, wie jeder dieser Innenperson den Abend des Konzertes erlebt hat. Das hat einem dieses Gefühl von Verwirrtheit, Chaos gut gezeigt, obwohl ich mir immer noch nicht vorstellen kann, wie so jemand mit dieser Erkrankung lebt und fühlt.


    Erstmal danke für die Blumen. Wirklich vorstellen, wie jemand mit einer solchen Identitätsstörung lebt, kann man sich wohl als Nicht Betroffener nur bis zu einem gewissen Maße. Wirklich nachempfinden ist, denke ich, nahezu unmöglich. Ich hab mich allerdings wirklich sehr lange mit dem Thema beschäftigt, neben den unzähligen Büchern und Internet-Recherchen auch mit Betroffenen ausgetauscht und das Manuskript vorab quasi "aus erster Hand" prüfen lassen. Das Thema war mir einfach zu wichtig, um oberflächlich damit umzugehen, zumal gegenüber Multiplen schon viel zu viele Vorurteile kursieren, die der Meinung über Multis in der Öffentlichkeit nicht gerade gut getan haben.
    Ich finde es wichtig zu transportieren, dass das alles ganz normale Menschen sind, die sich lediglich einen Körper teilen müssen. Natürlich sind sie zum Teil schwerst traumatisiert - wenn auch nicht alle von ihnen - und logisch kommt es zu Problemen, wenn alle verschiedene Ziele verfolgen und verschiedene Interessen und Charaktere haben. Das herauszuarbeiten fand ich wirklich interessant.


    Zu deinen anderen Spekulationen halte ich mal absichtlich noch den Mund. Will an dieser Stelle nicht zu viel verraten. ;-)

    Ja, den Leichensachverhalt, den Verena für Triberg schreibt, mag ich selber sehr. Der ist übrigens mitten aus dem Leben heraus entstanden. Wir blödeln ja auch manchmal ein wenig bei der Arbeit rum, schon damit einem die vielen Toten nicht so an die Nieren gehen, und beim Formulieren von Berichten, schießt manchmal die Phantasie mit uns ins Kraut. Gerade weil auf den Formularen so viele sinnlose Sachen abgefragt werden, die eigentlich gar nichts zur Sache tun. In dem Zusammenhang kam mir die Idee, so eine Situation in den Roman einzubauen, und Triberg war natürlich ein dankbares Opfer. :lache
    Ich muss natürlich immer wieder betonen, dass seine Figur keinem unserer Stuttgarter Staatsanwälte nachempfunden ist. Mit einem solchen Deppen müssen wir zum Glück nicht zusammenarbeiten. Aber jede Geschichte braucht halt ihren Antagonisten. ;-)



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    Original von Sabine Sorg
    Gibt es einen Unterschied zwischen einer "multiplen Persönlichkeitsstörung" und "Schizophrenie"? Und wenn ja, welchen?


    Gibt es. Und wie. Aber das wird später im Buch noch ziemlich genau erklärt. Gerade weil ich weiß, dass das allgemein immer noch oft verwechselt wird (wegen des Stimmenhörens), und man Schizophrene nach wie vor mit gespaltenen Persönlichkeiten in Verbindung bringt. Dabei verläuft ihre Krankheit lediglich in Schüben. Multiple hingegen sind immer multipel, auch wenn sie es meist gut zu verbergen versuchen.

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    Original von Tea-Bag
    Wie viele multiple Persönlichkeiten kann man bei diesem Krankheitsbild denn haben? Ich kenne mich damit leider überhaupt nicht aus. Aber das Thema ist doch sehr interessant.


    Da gibt es keine Grenzen. Ich habe es der Übersichtlichkeit halber aber bei diesen belassen (meine Lektorin hätte gern noch weniger gehabt, der Übersichtlichkeit wegen, aber ich brauchte jeden einzelnen, weil jeder seine Rolle im Stück hat).
    Vielleicht hat jemand von euch "When rabbit howls" (auf Deutsch "Aufschrei") von Truddi Chase gelesen. Dort waren im Anhang alle ihre - bis dahin - bekannten Persönlichkeitsanteile aufgelistet. Meiner Erinnerung nach waren es mehr als 90.



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    Warum wurde die Vergewaltigungsanklage gegen Morlock fallen gelassen? Habe ich das überlesen?


    Weil man ihm nichts nachweisen konnte. Die Anzeige wurde zu spät erstattet, man konnte am Opfer keine Spuren einer Vergewaltigung mehr sichern. Zudem hatte sich Annika bei ihrer Befragung in Widersprüche verstrickt. Wenn man dann einen guten Anwalt hat, kann das Verfahren eingestellt werden und das Opfer guckt in die Röhre.

    Ja, manche Menschen machen dieselben Fehler immer wieder, obwohl sie es eigentlich schon besser wissen sollten. Ganz ehrlich, das geht mir bei Verena auch ein bisschen auf den Pinsel. Aber sie wollte es ja so. :-(


    Ich bin wirklich beeindruckt, wie schnell ihr bezüglich Henriette und Sina in die richtige Richtung gedacht habt, und es freut mich auch sehr. Eine meiner Testleser hat es erst durch Hannahs Diagnose erfahren und war praktisch die erste Hälfte des Buches lang komplett verwirrt und neben der Spur. Ich denke, es erleichtert das Lesen und ist auch gar nicht schlimm, wenn der Leser bis zu einem gewissen Punkt mehr weiß als die Ermittlerin, schließlich hatte ich genügend Hinweise gestreut. Und es gibt ja immer noch genügend spannende Fragen, die offen sind.


    Und ich freu mich, dass es dir bisher gefällt! :freude

    Und mir macht es es verdammt Spaß, eure Spekulationen zu verfolgen. Ich will euch nicht die Freude am Rätseln nehmen und halte vorerst schön den Mund.


    Nur Vorsicht: Gina gehörte in den Teil mit Henriette (Prolog). Rambo in den Teil mit Sina.
    Damit nicht zu viel durcheinander gerät. Ich gebe aber zu, dass es wirklich nicht ganz unkompliziert abgeht. :lache