Mehr als die Erinnerung - Melanie Metzenthin

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    Über die Autorin (Amazon)

    Melanie Metzenthin lebt in Hamburg, wo sie als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet. Sie hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen psychische Erkrankungen oft eine wichtige Rolle spielen, zuletzt die beiden Bestseller »Im Lautlosen« und »Die Stimmlosen«.

    Beim Schreiben greift die Autorin gern auf ihre berufliche Erfahrung zurück, um aus ihren fiktiven Charakteren glaubhafte Figuren vor einem realistischen Hintergrund zu machen.


    Produktinformation (Amazon)

    Format: Kindle Ausgabe

    Dateigröße: 2684 KB

    Seitenzahl der Print-Ausgabe: 379 Seiten

    Verlag: Tinte & Feder (14. Mai 2019)

    Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.

    Sprache: Deutsch

    ASIN: B07KHR6YL6


    Wer ist der Mörder?

    Gut Mohlenberg, 1920. Dieses Gut war eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen. Jedoch kümmerte man sich hier auch intensiv um sie. Es war allerdings auch keine geschlossene Anstalt. Einer dieser Menschen war der Ehemann von Friederike von Aalen. Er hatte im Krieg eine Hirnverletzung erlitten und braucht seither besondere Zuwendung. Seit der Verletzung steht er auf der Stufe eines Kindes.

    Doch dann geschehen zwei Morde in dieser Gegend kurz hintereinander. Natürlich werden die ‚Geisteskranken‘ der Einrichtung verdächtigt. Doch Friederike ist sich sicher, dass es keiner ihrer Patienten war. Dann gibt es da einen neuen Mitarbeite namens Walter Pietsch. Er hat auch im Krieg schlimme Verbrennungen erlitten. Was weiß er? Außerdem auch noch den Arzt Dr. Weiß, der auch etwas weiß aber nichts darüber verlauten lässt. Friederike stellt Fragen und bringt sich und andere in große Gefahr.


    Meine Meinung

    Dies ist das erste Buch das ich von dieser Autorin lese und es hat mich nicht enttäuscht. Im Gegenteil, meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Es ließ sich sehr leicht und angenehm lesen. Es gab keine unklaren Worte wodurch der Lesefluss gestört worden wäre. In der Geschichte war ich auch sehr schnell drinnen und konnte mich in die Protagonisten gut hineinversetzen. In Friederike, die gerne wissen möchte, was damals im Krieg als Bernhard verletzt wurde wirklich geschehen ist. Die merkt wie es ihrem Mann besser geht, obwohl er sich nie ganz erholen wird. Was wird sie in der Anstalt in Langenhagen - die sie aus bestimmten Gründen besucht – vorfinden? Friederike ist schockiert von ihren Eindrücken. Dieses Buch ist sehr schön und berührend geschrieben. Es hat mich von ‚Anfang an gefesselt und mich in seinen Bann gezogen. Ich habe es mit Begeisterung gelesen und konnte es fast nicht aus der Hand legen. Über das Ende war ich ein wenig traurig, aber es war trotzdem schön. Und berührend. Ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen und vergebe die volle Bewertungszahl.


    ASIN/ISBN: 2919804316

  • Gut Mohlenberg ist eine Irrenanstalt. So wurden die Psychiatrien in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch genannt. Doch in Mohlenberg werden die Patienten nicht nur verwahrt, sie nehmen dort, soweit es geht, am Leben teil und tragen ihren Teil zum Erhalt des Gutes bei. Geleitet wird es von Friederike und ihrem Vater. Bernhard, Friederickes Mann, der im Krieg schwer am Kopf verletzt wurde und daher schwer eingeschränkt ist lebt auch dort. Eines Tages geschehen in der Nähe des Gutes mehrere Morde und die Insassen werden verdächtigt. Doch Friederike kann nicht daran glauben, dass einer der Patienten damit zu tun hat und stellt Nachforschungen an. Zusammen mit Walter Pietsch kommt sie hinter einen perfiden Plan, der am Ende vieles auf den Kopf stellt.


    Melanie Metzenthin liefert mit diesem Roman ein stimmiges Bild der damaligen Zeit. Mir hat besonders gut gefallen, wie sie die unterschiedlichen Ansätze der Behandlung von psychisch Kranken darstellt. Da ist alles dabei, vom mitfühlendem Arzt, der seinen Patienten auf Augenhöhe begegnet bis zum Arzt, der seine Patienten nur als Versuchsobjekte sieht. Man spürt an dieser Stelle die eigene berufliche Erfahrung und Expertise der Autorin.


    Zwei spannende Handlungsstränge machen es dem Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Einmal die Geschichte der beiden Morde und was und wer da dahintersteckt, sowie die Geschichte um Juliane, einer Patientin, die unter seltsamen Verhaltensänderungen und Gedächtnislücken leidet. Hier jeweils eine gute Lösung zu finden, ist der Autorin wirklich gut gelungen.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich freue mich, dass ich den zweiten Band schon hier habe und es vermutlich auch wieder eine Leserunde mit der Autorin geben wird. Die Leserunde hat das Ganze wirklich noch einmal bereichert.


    Ich kann das Buch, wie alle Bücher der Autorin, nur empfehlen. Auf jeden Fall ein großes Lesevergnügen für Fans gut recherchierter historischer Romane.


    10 von 10 Punkte

  • Der junge Offizier Bernhard von Aalen kehrt aus dem ersten Weltkrieg mit einer schweren Kopfverletzung nach Gut Mohlenberg zurück. Glück im Unglück, dass sein Schwiegervater und seine Frau Friedericke hier eine Klinik für psychisch kranke Menschen betreiben und ihn mit offenen Armen liebevoll wieder aufnehmen. Kurz nachdem der ebenfalls kriegsversehrte Walter auf dem Gut eingestellt wird, geschehen zwei Morde, die den Verdacht nahelegen, dass ein "Irrer" der Täter sein könnte. Da Friedericke sich Sorgen macht, dass tatsächlich einer der Insassen involviert sein könnte, beginnt sie eigene Nachforschungen anzustellen.


    Die Geschichte ist sehr interessant erzählt, u.a. da sie viel Fachwissen der Autorin über die damaligen Behandlungsansätze im Bereich Psychatrie und Behandlung verschiedener psychatrischer Erkrankungen - auch durch physische Verletzungen - enthält. Gut Mohlenberg fungiert hierbei als eine kleine Insel der Glückseligkeit. Die Kranken hier werden als Menschen wertgeschätzt und es geht nicht allein darum, ihre Krankheiten auf Biegen und Brechen zu behandeln sondern vor allem, ihnen Raum für ein zufriedenes Leben zu geben. Dies gilt sowohl für Bernhard, der sich emotional und geistig im Alter eines Kleinkindes befindet, alle anderen Heiminsassen, als auch junge Frauen, die wegen einer diagnostizierten Hysterie oder Verhaltensauffälligkeit auf dem Gut Hilfe suchen. Friedericke ist eine wahnsinnig liebenswerte Person, die mit unglaublicher Empathie und Geduld auf alle Menschen zugeht. Eine Heldin, die man einfach so ins Herz schließen und zu einer Freundin machen kann. Überhaupt ist das ganze Ensemble sehr facettenreich und interessant. Und der Plot so dicht gestrickt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Der Kriminalfall ist schön in den historischen Roman eingearbeitet, ohne dass die Geschichte dadurch zu einem Krimi wird. Das fand ich perfekt.


    Das Ende ist super spannend und dramatisch. Und ich trenne mich nur ungern von den Darstellerin und Gut Mohlenberg. Gut, dass es noch drei weitere Teile geben wird, die in loser in sich abgeschlossener Struktur erscheinen werden.


    Es war mein zweites Buch von Melanie Metzenthin und dank einer Leserunde wurde das Leseerlebnis durch die fachärztlichen Details der Autorin noch intensiver. Mich hat es berührt und begeistert gleichermaßen. Unbedingt lesenswert.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend








    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Dieses Buch war für mich ein Leseerlebnis auf einem mir noch fremden Gebiet. Trotz dessen, dass ich gerne Krimis/Thriller lese, welche auch gerne psychologisch ausgearbeitet sein dürfen, war dieses Buch doch ein wahres Erlebnis in Bezug auf die Psyche des Menschen.


    Die Geschichte rund um Gut Mohlenberg hat mich auf eine ganz andere Art und Weise fasziniert - es waren die damaligen Umstände, die Vorurteile, die Protagonisten, die psychologischen Details, die dieses Buch zu diesem Leseerlebnis gemacht haben.


    Bis auf einen Protagonisten fand ich alle anderen Charaktere gut ausgearbeitet. Doch ist es nicht meistens so, dass es eine Person gibt, mit der man einfach nicht "warm" wird bzw. soll es nicht sogar so sein? Ein Buch soll schließlich nicht nur aus Lieblingen bestehen.


    Was mich ebenfalls fasziniert hat ist, wie weit und tiefgründig Liebe und Verbundenheit doch sein kann. Hierzu möchte ich mich allerdings nicht weiter äußern, sonst gebe ich zu viel preis.

    Das Ende war auch für mich überraschend (anders). Schön, wenn es auch mal ein Ende im Buch gibt, welches man so nicht voraussieht.


    Insgesamt vergebe ich für dieses Buch 8 von 10 Punkten. Ich freue mich auf die nächste LR.

  • Den Namen Melanie Metzenthin habe ich schon unzählige Male im Zusammenhang mit der Serie “Die Hafenschwester” gehört. Dieser Titel hat mich bisher allerdings gar nicht angesprochen, anders als “Mehr als die Erinnerung”.


    Dr. Meinhardt, der Vater der Protagonistin Friederike von Aalen, leitet in Celle die Nervenheilanstalt Gut Mohlenberg. Als die Magd Trudi ermordet wird, gerät ziemlich schnell Friederikes Mann Bernhard, der im Krieg schwer verletzt wurde und als “schwachsinnig” gilt, unter Verdacht. Friederike ist überzeugt, dass Bernhard unschuldig ist und versucht auf eigene Faust herauszufinden, was tatsächlich passiert ist.


    Das Buch spielt vor gut 100 Jahren, um 1920 und schon der Einstieg hat mich schlucken lassen. Von der “Irrenkolonie” ist dort die Rede und die Menschen aus dem Umland heißen gar nicht gut, dass auf Gut Mohlenberg Menschen leben, die geistig beeinträchtigt sind. So ein großer Unterschied zu heute besteht also nicht, denn das Geläster und die Witze haben sich nicht viel verändert. Dr. Meinhardt führt die Anstalt so als wären die Bewohner nicht im Mindesten beeinträchtigt. Sie werden voll in den Alltag integriert und dürfen frei entscheiden, was sie tun wollen und was nicht. Ich habe mir beim Lesen gewünscht, dass dies heute auch überall der Fall ist.


    Die Autorin kommt vom Fach, sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und hat sich mit dem damaligen Wissen so ausführlich auseinandergesetzt, dass ich als Leserin das Gefühl hatte, dass sie genau weiß, wovon sie spricht. Nicht nur von der Austreibung von Hysterie ist hier die Rede, sondern auch vom Umgang mit den “Schwachsinnigen”. Wenn du schon mal etwas über das Thema gehört hast, kannst du dir vorstellen, was ich damit meine: zum Beispiel “Behandlungen” im Wasserbad, Folter etc.


    Obwohl das Thema grundsätzlich ziemlich traurig war, hat mir das Buch unglaublich gut gefallen, vor allem, weil wir im Rahmen der Leserunde bei der Büchereule sehr viele Hintergrundinfos von der Autorin bekommen haben. Das Buch war eine Mischung aus historischem Psychologieroman mit Krimianteilen.


    Wenn du dich für die menschliche Psyche und für historische Romane um das Jahr 1920 interessierst, kannst du mit “Mehr als die Erinnerung” nichts falsch machen. Es gibt noch drei weitere Teile: “Mehr als die Finsternis” und “Mehr als die Ehre”, das am 18. Oktober 2022 erscheint und "Mehr als die Gerechtigkeit", das am 10. Januar 2023 erscheint.