'Die Rückkehr' - Seiten 276 - 364

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  • Kapitel 30 bis 34



    Wie die Ehe von Felix und Gertrud verlaufen wäre, darüber kann man nur spekulieren. Für ihn ist der Tod jedenfalls eine Art Weckruf, er scheint aus seiner naiven Blindheit zu erwachen. Inwieweit man ihm eine Mitschuld am Tod Trudes geben kann, weiß ich nicht so recht. Irgendwann mußte das Thema auftauchen, und zu einer richtigen Aussprache zwischen den beiden ist es nie gekommen. Jedenfalls brechen jetzt Konflikte offen aus, vor allem erst einmal der mit seiner Mutter. Das mußte wohl irgendwann kommen und dürfte in vielen Familien damals so gewesen sein.


    Als dann das Frl. Huber ihre Intrige zu spinnen begann, wurde es für mich fast unerträglich. Wenn ich etwas nicht mag, dann solche Dinge. Je enger dieses Netz wurde, um so mehr verspürte ich den Drang abzubrechen; wollte aber andererseits unbedingt weiter lesen - was ich letztlich auch getan habe.


    Die Ermittlungen der beiden Amerikaner sind irgendwie typisch amerikanisch - sie sprechen fast nur mit Nazis und merken das nicht einmal. Da mir die Abkürzung C.I.C. in diesem Zusammenhang unbekannt war, habe ich die Erklärung gesucht und hier in Wikipedia gefunden: es ist die Militärstrafverfolgungsbehörde der United States Army.

    Es ist Viktoria, die letztlich alles zurecht rückt und dafür sorgt, daß sie wieder nach Amerika zurück können. Eine Dame von altem Schrot und Korn - mit der möchte man sicherlich nicht über Kreuz kommen.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Auf Seite 321, die Beschreibung Amerikas ist für mich schwer (im Sinne von eher unerträglich) zu lesen:

    Ich hatte Achtung davor - vor vielem. Ich habe seine Freundlichkeit geliebt. Seine Voraussetzungslosigkeit. Seinen Mangel an Arg. Seinen Optimismus und die Kraft, ihn zu erhalten. Seine darauf gestützte ungeheure Leistung. Ich wollte Amerikaner sein.

    Für dieses Buch habe ich den sechsten Band der Savage-Destiny-Reihe unterbrochen, die spielt derzeit etwas um 1870. Da liest man von einem ganz anderen Amerika - einem Amerika, das die Grundlage für das heutige ist. Und das sich im Grunde nicht viel verändert hat. Man denke etwa an das Waffenrecht. Oder den latenten Rassismus. Meine frühere Bewunderung für Amerika ist längst geschwunden.


    Felix läßt sich überreden, sich um eine Stelle als Lehrer zu „bewerben“. Auch hier wird wieder deutlich, daß die Nazis mitnichten verschwunden sind. Je weiter ich im Buch komme, um so weniger wundert mich so manche heutige Entwicklung.


    Auf S. 333 dann ein Hinweis, daß Felix auf der Reise nach Österreich anscheinend wirklich seinen Verstand zumindest teilweise verloren hat, auch an anderer Stelle gab es eine Anmerkung, daß er früher und in Amerika nicht so naiv und weltfremd war.


    Was Viktoria mit ihrem Telefonat mit Livia bezwecken will, verstehe ich nicht ganz. Das heißt, was sie bezwecken will, vielleicht schon. Nur scheint mir ihre Wortwahl und das, was sie sagt, dazu eher ungeeignet zu sein. Es wird sich später wohl noch zeigen.


    Interessant fand ich die Kommentare über Menuhin (S. 348ff). Es sei zugegeben, daß mich sein Spiel nie so recht faszinieren oder überzeugen konnte. Ich habe Aufnahmen von ihm des Öfteren als langweilig empfunden. :rolleyes


    Schließlich reisen die drei wieder ab. Das Verhältnis zu seiner Mutter bleibt gespannt, ob es je wieder ein gutes wird - da habe ich meine Zweifel.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Felix läßt sich überreden, sich um eine Stelle als Lehrer zu „bewerben“.

    Mit Felix kann man irgendwie alles machen. Ist das einfach nur eine Willenlosigkeit oder Ausdruck seiner Sehnsucht zu bleiben? Ich finde Felix nicht einmal besonders unsympathisch, aber in seinem Verhalten völlig unlogisch bzw. sprunghaft.


    Was Viktoria mit ihrem Telefonat mit Livia bezwecken will, verstehe ich nicht ganz. Das heißt, was sie bezwecken will, vielleicht schon.

    Dieser Anruf hatte mich auch irritiert. Aber Viktoria wollte ja auch schon wieder auflegen und wusste kaum, was oder wie sie es sagen sollte. Aus meiner Sicht will sie Livia einfach nur schützen, da ihr Felix Verhalten und vor allem seine Hochzeit nicht gefielen.

  • Viktoria war Livia schon immer sympathisch, obwohl sie sie gar nicht kennt. Sie meinte wohl, sie habe es verdient, informiert zu werden, wo ihr treuloser Verlobter das schon nicht tut.


    Felix trifft nur insofern eine Schuld an Gertruds Tod als er sie aus dem Hospital einfach "entführt" hat. Sie hat einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten. Sie danach weiteren seelischen Erschütterungen auszusetzen war schon unverantwortlich.

  • Inwieweit man ihm eine Mitschuld am Tod Trudes geben kann, weiß ich nicht so recht. Irgendwann mußte das Thema auftauchen, und zu einer richtigen Aussprache zwischen den beiden ist es nie gekommen.

    Mir ist nicht klar, was der Hauptgrund für Trudes Selbstmord ist. Waren es die Schuldgefühle oder die Mauer zwischen Felix und ihr.

    Die beiden stecken in dem Dilemma, dass Felix verständlicherweise auf eine Aussprache besteht. Gleichzeitig ist aber klar, dass diese Aussprache nicht die Mauer zwischen beiden verschwinden lassen würde. Ich vermute, dass Felix ihr entweder nicht verziehen oder ihr nicht geglaubt hätte, je nach dem, wie ihre Beichte ausgefallen wäre.

  • Kap. 30 - 34


    Das Verhältnis zwischen Felix und seiner Mutter ist wohl endgültig ruiniert. Verhält sich so eine Mutter? Als sie von Gertruds Tod erfährt, gibt sie ihm sofort die Schuld. Und als später die Leute vom C.I.C. auftauchen, ist Anita sich sicher, dass Felix sie anzeigt hat.

    Viktoria hingegen tut alles, um Felix zu schützen. Ich glaube auch nicht, dass sie sich groß darüber Gedanken macht, wie weit Felix Schuld hat.

    Felix trifft nur insofern eine Schuld an Gertruds Tod als er sie aus dem Hospital einfach "entführt" hat. Sie hat einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten. Sie danach weiteren seelischen Erschütterungen auszusetzen war schon unverantwortlich.

    Das stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Er hat sie womöglich völlig überfordert.


    Und plötzlich will Felix „nach Hause“. Ist er jetzt geheilt? Ich denke, zumindest zwei seiner Bindungen zu Österreich sind gerissen.


    Beim Verhör wird deutlich, wie unterschiedlich man Schuld beurteilen kann. Gertrud wurde "durchgeschleust". Ich nehme an, das bedeutet, sie wurde entlastet. Felix hingegen hat sich verdächtig gemacht, weil er sich in den Augen der Amerikaner unamerikanisch verhalten hat.

    Viktoria weist auf einen grundsätzlichen Fehler seitens Amerika hin:
    "Sie behandeln die Leute, die Hitler verjagt hat, wie freiwillige Emigranten."


    Folgenden Gedanken Viktorias über die amerikanischen Offiziere finde ich bemerkenswert (S. 304):

    "die, weil sie sich hier pudelwohl fühlten, gut Freund mit früheren Feinden waren, und eine gesellschaftliche Stellung genossen, die den früheren Autohändlern und Hilfslehrern zu Hause nie wieder beschieden sein würde".

  • Felix läßt sich überreden, sich um eine Stelle als Lehrer zu „bewerben“.

    Mit Felix kann man irgendwie alles machen. Ist das einfach nur eine Willenlosigkeit oder Ausdruck seiner Sehnsucht zu bleiben?

    Ich finde es im Gegenteil folgerichtig, dass Felix bleiben will, um zu helfen. Noch dazu jungen Leuten Demokratie zu lehren. Er wird gebraucht.


    Ich weiß nicht, warum der Autor Felix so ganz vorsichtig und über Umwege an das Thema „Helfen“ heranführt. Im Reisebüro will Antoinette den Satz: „Man kann helfen.“ noch nicht aussprechen. Es braucht erst den Besuch im P.X., dem Geschäft für Amerikaner, und den "Schrei nach Verständnis".


    Wieso ist Felix das nicht schon lange eingefallen?

    Er hatte doch schon lange tiefstes Mitleid mit den Menschen und hätte am liebsten alle Schuld vergeben und vergessen wollen. Hätte er da nicht von selbst drauf kommen und nicht erst von Antoinette angeschoben werden müssen?

    Aber wieviel Zeit ist eigentlich vergangen seit seiner Ankunft in Wien? Ein paar Wochen. Und wieviel ist passiert!

  • Im Gespräch mit Antoinette im Reisebüro wird deutlich, dass Felix seinen Entschluss „nach Hause“ zu fahren, schon wieder aufgeweicht hat. Er will hin- und herfahren.

    Viktoria schätzt Felix genauso ein.

    „so schnell wird er wieder zurückwollen. Und wieder abgestoßen sein. Und wieder zurückwollen.“ Sie scheint ihn wirklich sehr gut zu kennen.


    Ich gebe zu, dass ich zum erstenmal in dem Buch richtig mitgefiebert habe, ob Felix wirklich nach Amerika zurückkehrt, zumal ja Viktoria solche Zweifel in mir gesät hat. Und dann war da noch der seltsame Mensch, der Felix' Fahrkarte haben wollte. Ich war froh, als Felix endlich im Zug sitzt und wegfährt. Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, ob er nicht in letzter Sekunde abspringt.


    Ich freue mich, dass die Beziehung zwischen Felix und Anita doch nicht ganz abgerissen ist. Es bleibt eine Grundlage, auf der sie aufbauen können. Auch wenn das unter den gegebenen Umständen sicher sehr schwer ist.


    So sehr ich am Anfang meine Probleme mit Viktoria hatte, sie gefällt mir immer mehr. Sie hat das Herz am rechten Fleck. Auch sie nimmt sich vor, in Zukunft zu helfen. Sie ist fähig, ihre Meinung zu ändern.


    Es gefällt mir, wie Felix' letzte Stunden in Wien beschrieben sind, seine Wanderung durch die Stadt, seine Gedanken und Gespräche. Vor allem die Szene auf dem Friedhof ist so schön beschrieben. „Ein Frieden ohnegleichen breitete sich aus.“ Hier dachte ich: Endlich! Endlich findet Felix seinen Frieden. Doch weit gefehlt! „Was war falsch an diesem holden Frieden … dass er zum Wahnsinn oder zur Verzweiflung führte?“

  • Was Viktoria mit ihrem Telefonat mit Livia bezwecken will, verstehe ich nicht ganz. Das heißt, was sie bezwecken will, vielleicht schon. Nur scheint mir ihre Wortwahl und das, was sie sagt, dazu eher ungeeignet zu sein.

    Dieser Anruf hatte mich auch irritiert. Aber Viktoria wollte ja auch schon wieder auflegen und wusste kaum, was oder wie sie es sagen sollte. Aus meiner Sicht will sie Livia einfach nur schützen, da ihr Felix Verhalten und vor allem seine Hochzeit nicht gefielen.

    Viktoria war Livia schon immer sympathisch, obwohl sie sie gar nicht kennt. Sie meinte wohl, sie habe es verdient, informiert zu werden, wo ihr treuloser Verlobter das schon nicht tut.

    Ich denke, Viktoria wollte bei Livia um Verständnis werben, dass Felix sich bei ihr nicht gemeldet hat und sie somit bei Stange halten. Dazu musste sie eben genau die Dinge erzählen, die passiert sind.